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Full text of "Aus Aachens Vorzeit"

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MITTEL INGEN DES VEREINS Fi R KUNDE DER AACHENER VORZEIT 



IM AUFTRAG DES VEREINS HERAUSGEGEBEN 



VON 



HEINRICH SCHXÖCK. 



NEUNTEE JAHRGANG. 

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AACHEN. 
Kommissions- Verlag dek Ceemeäschen Buchhandlung (0. Cazin). 

1896. 



GETTY CENTER 
LIBRARY 



INHÄLT. 



Seite 

1. Schönau. Von H. J. Gross 1 

2. Christliche Auslegung einer bösen Karlssage. Von B. M. Lersch . . 33 

3. Über das Zusammenleben der Stiftsgeistlichkeit zur Zeit der Karolinger. 
Von H. Schnock 35 

4. Kleinere Mitteilungen: 

1. Handschriftliche Aufzeichnungen (1753—1785) im Stadtarchiv zu 
Aachen. Von M. Sehollen 41 

2. Theodor Zimmers. Von J. Fey 44 

3. Die Anwesenheit einer hanseatischen Gesandtschaft an König 
Philipp III. von Spanien in Aachen im Dezember 16-06. Von 

F. Oppenhoff 47 

4. Ein merkwürdiger Fund. (Briefe Davouts an Napoleon I.) Von 

C. Wacker 48 

5. Schönau. (Fortsetzung.) Von H. J. Gross 49 

6. Kleinere Mitteilungen: 

1. Aktenstücke aus dem Aachener Stadtarchiv (1795—1805). Von 

W. Brüning 92 

2. Veranstaltung von Maskenbällen bei festlichen Gelegenheiten im 
vorigen Jahrhundert Von M. Schollen. 95 

3. Zur Geschichte des Kreuzherrenklosters. . . „ „ „ 96 

4. Anordnung einer Prozession durch den Bat . „ „ „ 96 

5. Fleischverkauf in der Fastenzeit „ „ „ 96 

7. Schönau. (Fortsetzung.) Von H. J. Gross 97 

8. Der Maler Johann Adam Eberle. Von J. Fey 119 

9. Bericht über da* Vereinsjahr 1895—1896 128 



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MITTEILUNGEN DES VEREINS FÜR KUNDE DER AACHENER VORZEIT 



111 AUFTRAG DES VEREINS HERAUSGEGEBEN 



VON 



HEINRICH SCHNOCK. 



NEUNTER JAHRGANG. 




AACHEN. 

Kommissions-Verlag der Cremeesohen Büchhandlung (C. Cazin). 

1896. 







Jährlich 8 Nummern 

ä 1 Bogen Royal Oktav 

Preis des Jahrgangs 

4 Mark. 



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Kommissions -Verlag 

der 

Cremer'schen Buchhandlung 

(C. Cniii 

in Aachen. 



Mitteilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit. 

Im Auftrage des Vereins herausgegeben von H. Schnock. 



Nr. 1/3. 



Neunter Jahrgang. 



1896. 



Inhalt: H. J. Gross, Schönau. — B. M. Lerseb, Christliche Auslegung einer bösen Karlssage. 
— H. Schnock. Über das Zusammenleben (vita communis) der Stiftsgeistlichkeit zur Zeit 
der Karolinger. — Kleinere Mitteilungen: 1. Handschriftliche Aufzeichnungen (1753— 1785) 
im Stadtarchiv zu Aachen. — 2. Theodor Zimmers. — 3. Die Anwesenheit einer hanseatischen 
Gesandtschaft an König Philipp II. von Spanien in Aachen im Dezember 1606. — 

4. Ein merkwürdiger Fund. 

Schönau. 

Von H. J. Gross. 
Unter den vielen Burgen, welche in reichem Kranze die Kaiserstadt 
Aachen umgeben, dürfte kaum eine andere eine so wechselvolle und für die 
Sittenkunde so interessante Geschichte haben, wie Schönau bei Richterich. 
Wir wollen versuchen, auf den folgenden Blättern dem Leser eine nur aus 
urkundlichen und andern bewährten Quellen geschöpfte Darstellung der 
Schicksale Schönaus und seiner Besitzer zu geben, wobei wir bemerken, 
dass alle Nachrichten, deren Herkunft nicht besonders angegeben ist, aus 
dem ehemaligen Schönauer Archiv gezogen sind. 



Herrschaft und Scbloss Schönau. 
1. Schönau ein „Sonnenlehen", d. h. eine freie Herrschaft. 

Schönau ist nie so bedeutend gewesen, dass seine Besitzer eine Rolle 
im Weltdrama hätten spielen können, aber trotzdem ist es jedem, der sich 
mit deutscher Rechtsgeschichte befasst hat, dadurch bokannt, dass es zu 
den wenigen sogenannten Sonnenlehen zählt. Grimm 1 gibt deren fünf an: 
Hennegau, Richolt an der Maas, Nyel bei Lüttich, Schönau bei Aachen, 
Warberg zwischen Helmstett und Wolfenbüttel. Diesen fügt Hansen 2 noch 
folgende bei: Oldenburg, Hassleben, Eichenrode, Heyenrode, Bellstädt, 

») Deutsche Rechtsalterthümer I, S. 278. 

•) Zeitschrift des Aachener Geschichts-Vcreins VI, S. 84, N. 2. 



— 2 — 

Uffterungen, Schmiedehausen, Reckershausen. Auffallend musä es uns mit 
Hansen erscheinen, „dass der Ausdruck Sonnenlehen nur so selten erscheint, 
während noch im vorigen Jahrhundert eine grosse Anzahl allodialer Be- 
sitzungen vorhanden war, auf welche diese Bezeichnung nicht angewendet 
wurde/ Weniger auffallig erscheint uns der „Umstand, dass das Mittel- 
alter in der Uebertragung der Lehnsidee so weit gegangen ist, sich sogar 
den direkten Gegensatz des Lehns, denn das war ja doch eben das Allod, 
im Lehnsnexus zu denken 1 *. Jene Zeit betrachtete sogar das Recht auf 
Arbeit, das doch — wenn man so sagen darf — eines jeden Menschen 
eigenstes Eigen ist, als ein von Gott und der Obrigkeit verliehenes, und 
bezeichnete die Arbeit selbst als ein zum Nutzen des Gemeinwesens von 
Gott und der Obrigkeit gegebenes Amt 1 , also ebenfalls als Lehen: da 
lässt sich doch leicht begreifen, dass sie alle äusseren Güter nur als Lehen 
ansah, die man von einem Menschen oder, wo das nicht der Fall war, 
direkt von Gott erhalten hatte. 

Aus dem Vorstehenden ist schon klar, was wir unter Sonnenlehen 
verstehen. Das waren allodiale Besitzungen des Adels — wie Hansen 
ausdrücklich hervorhebt 2 — , welche zu keinerlei Dienstleistungen ver- 
pflichteten, weil sie eben des Besitzers erbliches Eigen waren, das ihm 
nicht von einem andern Menschen gegen irgend welche Verpflichtung über- 
tragen worden war. Diese Güter hatten sich frei und unabhängig erhalten, 
sie waren dem allgemeinen Zuge der Zeit nach Verleheuung — man ge- 
statte den Ausdruck — nicht gefolgt. Ihre Besitzer waren darum auch 
selbst unabhängig, keinem andern Herrn unterworfen, sie waren frei von 
einem jeden Dienste eines Höheren: ausgenommen natürlich, dass sie als 
Angehörige des Deutschen Reiches ihre Pflicht gegen Kaiser und Reich 
erfüllen mussten. 

Dass die Herren von Schönau die Bedeutung des Ausdruckes Sonnen- 
lehen im wesentlichen ebenso auffassten, erhellt aus ihren eigenen Erklärungen 
in gerichtlichen Aktenstücken. So sagt Baltasar von Mylendunck: „1) dass 
die herlichkeit Schonaw mit ihren pertinentiis von unvordenklichen zeiten 
her in alle weg anders nicht dan von der lieben sonne Gottes zu lehen 
ist empfangen und getragen worden; 2) dass bemelte herlichkeit jederzeit 
als eine freie herlichkeit dem heiligen römischen reich ohne mittel 5 under- 
worfen gewesen und iederzeit dafür gehalten und verthediget worden." 
Dieselbe Anschauung gibt sich auch kund in folgenden Sätzen, welche der 
Herr von Blanche in seinen Prozessen häufig anführt: „Wie Könige und 
Fürsten ihre Reiche, so haben die Herren von Schönau ihr Schloss mit 
allem Zubehör nur von Gott allein . . ." und: „Wie im longobardischen 
Gesetze die Allode Güter ohne Dienstleistung (sine hominio) genannt werden, 
die man von niemand als von Gott allein empfängt, so auch jene Burgen 

') VgL Janssen, Geschichte des deutschen Volkes I, 3. 315. 
*) Zeitschrift des Aachener Geschieht*- Vereins VI, S. 84, N. 1. 
s ) anmittelbar. 



- 3 - 

und Gerichtsbarkeiten, die man Sonnenlehen nennt." Er beruft sich dabei 
auf Trithius und a Sande. 

Nach der Auffassung- der Herren selbst war also das Sonnenlehen 1 
nichts anderes als eine freie reichsunmittelbare Herrschaft, und als eine 
solche wird Schonau auch von andern anerkannt und bezeichnet. „Gedachte 
herlichkeit ist in negster gülischer vehenden 2 für eine solche reichsunmittelbar 
freie herlichkeit verthediget worden,'' sagt Baltasar von Mylendunck. Eine 
andere Aufzeichnung- nennt Carl V. selbst als diesen „verthediger" und 
fügt bei: „Das hat Dieterich von Mylendunek mit eigener hand schriftlich 
hinterlassen." 

Als Walter von Blisia den Maternusaltar in der Nikolauskapellc des 
Aachener Münsterstiftes, dessen Sänger er war, mit vier Malter Roggen 
jährlichen Erbpacht ausstattete, bezeichnete er die Grundstücke, welche 
mit der Kornlieferung' belastet wurden, als gelegen „im Gebiete oder in 
der Herrschaft Schonau am Hirsch" 3 , und im Jahre 1668 bezeugte Herr 
Gothard von Iveverberg genannt Meven, der in der Nähe von Schonau auf 
dem Schlosse Rah in der Sörs seine „adelige residenz" hatte, dass die 
Herren von Schonau stets die Jagd in ihrem Bezirke ausgeübt, dass er 
selbst oft mitgejagt habe, ohne dass ihm darüber vom Herrn zur Heiden 1 
irgend ein Wort gesagt worden sei, dass er von seinem Vater habe sagen 
hören, Schonau sei Herrlichkeit gewesen, ehe das Haus Heiden dazu gelangte. 

Die Herren zur Heiden wollten die Reichsunmittelbarkeit Schönaus 
nicht anerkennen und bestritten dieselbe auch aus dem Grunde, weil die 
Besitzer nicht zu den Reichstagen zugezogen würden. Darauf antworteten 
aber die Herren von Schonau, es sei ein Unterschied zwischen Reichs- 
unmittelbaren und Reichsständen. Nur letztere hätten Sitz und Stimme 
im Reichstage, erstere dagegen seien solche, die ausser dem Kaiser keinen 
• Herrn über sich erkennen. Der Reichsstand sei darum auch reichsunmittel- 
bar, nicht aber umgekehrt der Reichsunmittelbare auch Reichsstand. 

Wir ersehen auch hieraus, dass die Herren von Schonau aus der 
Eigenschaft ihres Besitzes als Sonnenlehen keine andern Rechte herleiteten 
und beanspruchten, als die den Reichsunmittelbaren überhaupt zustanden. 

Woher aber diese Reichsunmittelbarkeit der kleinen Herrschaft? Wir 
antworten: Schonau liegt in dem alten praedium Richterich. Dieser Gross- 
grundbesitz war nach dem Zeugnisse der Jahrbücher von Klosterrath 5 ein 
Allod der Aachener Pfalzgrafen, die aber schon im 12. Jahrhundert manche 
Teile desselben an ihre Verwandten oder Diener vergabt hat Im. Ans 



') IVImt die Bedeutung und Erklärung der sinnbildlichen Bezeichnung siehe unten 
Nr. 5. 

'-') Im geldrischen Kriege 1542—43. 

8 ) „in territoris sive dominio de Schonawen". Quiz, Münsterkirche, S. 189. Walter 
war Kanonikus seit 1452, Sänger seit 1505, f 1512. Vgl. A. Eeusch, Nomina Dominorum 
Canonicorum Eeg. Eccl. B. M. V. Aquisgranensis S. 10, Sp. i ". 

l ) der das Jagdrechl der Schönauer Leugnete. 

5 ) Annales Rodenses S. 25 u. oft. 



diesen Absplissen sind die Rittergüter im nachmaligen Ländchen von der 
Heiden entstanden. Da dessen Geschichte anderwärts eingehend dargestellt 
werden soll, erinnere icli liier nur daran, dass dasselbe als praedium 
Richterich zuerst Allod der Pfalzgrafen, dann Besitzung der Heinsberger, 
hierauf königliches Eigenthum, danach Reichslehen der Kölner Erzbischöfe 
und endlich Gebiet der Herzoge von Jülich war, welch letztere eine Unter- 
herrschaft daraus bildeten, die von der Burg ihres ersten Herrn den Namen 
zur Heiden bekam. 

Trotz den Vergabungen jedoch blieb vom praedium Richterich noch 
ein stattlicher Rest übrig, den ein Verzeichniss der Einkünfte des Aachener 
Münsterstifts aus dem 11. Jahrhundert 1 als Herrengut des Grafen Hezelo 
bezeichnet. Dieser Rest ist eben Schönau 2 . Nahe bei der Stelle, wo das 
jetzige Schloss liegt, befand sich ehedem der Haupthof des ganzen Allods, 
an welchem Verwaltung und Gerichtsbarkeit des praedium hing. Ein An- 
zeichen dafür findet sich noch in einem Vergleiche aus dem 17. Jahr- 
hundert, durch den die Parteien Mjdendunck und Hillensberg sich ver- 
pflichteten, nichts von den zu Schönau gehörigen Besitzungen zu verkaufen, 
zu versetzen oder zu vertauschen, auch nicht „den pesch 3 sammt den 
kamerhof, in welcher besirk das Haus Schonaw gelegen ist." Das Schloss 
liegt demnach auf dem Grund und Boden eines alten Hofes, dessen Sohl- 
stätte noch im 17. Jahrhundert den Namen Kammerhof führte. Dieser 
Ausdruck ist nach der Analogie von Kammerforst u. a. gleichbedeutend 
mit Herrenhof; das Haus Schönau ist demnach an die Stelle des pfalzgräf- 
lichen Kammer- oder Herrenhofes getreten. Der Besitzer dieses Kammer- 
hofes nun war im Anfange des 11. Jahrhunderts nach dem Zeugnisse der 
oben erwähnten Urkunde Graf Hezelo, der zweite Sohn des Aachener Pfalz- 
grafen Herman 4 ; das praedium Richterich gehörte demnach zur Aus- 
stattung der jüngeren oder hezelinischen Linie des pfalzgräflichen Hauses, 
welche 1045 auch in den Besitz der Pfalzgrafenwürde gelangte 5 . Die vom 
Salhofe abgetrennten Güter verloren natürlich ihren allodialen Charakter, 
verblieben aber unter der Grundherrlichkeit des Besitzers des ursprüng- 
lichen Haupthofes. Den Beweis liefern die Jahrbücher von Klosterrath. 
Dieselben verzeichnen manche Schenkungen an Ländereien, welche von 
Besitzern der im praedium Richterich gelegenen Gütern an die Abtei gemacht 
wurden, melden aber auch jedesmal, dass die Ueberweisung der Grundstücke 
durch den Pfalzgrafen erfolgt sei 6 . Nachdem das pfalzgräfliche Haus 1140 
ausgestorben, und der alte Kammerhof an ein minder mächtiges und an- 
gesehenes Geschlecht gekommen war, verlor dieser auch die Lehensherrlich- 



') Quix, Cod. dipl. aquen. Nr. 42. 
-i Sgl. Hansen a. a. 0. S. 88. 

:1 ) Wiese. 

4 ) Crollius, Erläuterte Reihe der Pfalzgrafen zu Aachen, S. 22. 

b ) Gfrörer, Papst Gregor VII., Band I, S. 81 ff. 

,; » Annales Rodenses S. 15, 10, 20. 



keit über die abgetrennten Güter. Diese kam an die verschiedenen Herren, 
denen das praedium Richterich zuteil wurde, bis sie zuletzt den Kölner 
Erzbischöfen verblieb, die sich das Oberlehensrecht bei der Abtretung 
Richterichs an die Grafen von Jülich vorbehalten haben mögen. 

Der alte pfalzgräfliche Kammerhof aber behielt trotz aller Verluste 
seinen allodialen Charakter; seinem Besitzer standen über die bei diesem 
Hofe verbliebenen Ländereien und deren Bewohner dieselben Rechte zu, 
welche einst die Pfalzgrafen über das ganze Gebiet gehabt hatten: also 
alle Rechte des Grundherren. 

Wann und von wem der Kammerhof den Namen Schönau erhielt, ist 
unbekannt, -indessen lag die Benennung nahe. Wie man später Schönforst 
nach seiner Lage im Walde benannte, so hat man dem Kammerhof nach 
seiner Lage in der wasserreichen, fruchtbaren Niederung die Bezeichnung 
Schönau beigelegt. 

2. Das Gebiet der Herrschaft Schönau. 

Die älteste der mir vorliegenden Grenzbestimmungen datiert vom 
23. Dezember 1523; dieselbe findet sich in dem folgenden Vergleiche 
zwischen Dieterich von Mylendunck, Herrn zu Schönau und Werner von 
Schönrode, Herrn zur Heiden. 

„Wir Diederich herr zo Mylendunck ind zo Schönawen unde Werner 
von Schoenrode, herr zo der Heiden inde zor Blyt etc. doen kund allen 
lüden und bekennen hiemit offenbarlich : so ein herr zo Schönawe Gott 
allmächtig ind seinere kaiserlichen majestät unde dem hilligen ryche ind 
niemand anders vor overheuft kenne inde die hoeuftvart 1 von des herren 
kamer zo Schönawe an das kaiserliche kamergericht gaet ind sulchs von 
alders herbracht ist, inde oich myn Dederichs ohme, wilne here Kraft von 
Mylendunck ritter, here zo Meiderich ind zo Schönawe, mynre Werners 
moder Maria von Merode, frawe zo der Heiden, den beiden Gott benaede, 
vur reede 2 ind hoeuftgericht seinre fürstliche genade zo Guiliche beklaigt 
hait over die ingriffe, dieselve frawe zo der Heiden in der hirlicheit von 
Schönawe möge gedaen hain, inde darup ein ordeil gesprochen ist op 
freidag des hilligen creuz abends 3 exaltationis in dem jare uns herren 1510, 
dat here Kraft vorschreven by seinen regalien, laessen ind gerichten zo 
Schönawen ruwlich ind vredlich blyven sohle, wie syn alderen ind he sulche 
zuvorens gehait ind gebruicht hain, so sein wir, der herr zo Mylendunck 
ind zo Schönawe unde der herr zo der Heiden vorschreven, heude dag 
datum unser gebiete halven bysamen getreten in<! haven dieselve regulirt 
ind gesatz: so dat der distrikt unde gebiet der herlicheil Schönawe gaen 
sal längs dat ryche von Ache von Vetzsen 4 und Houf 5 an uns 6 up Bers- 
berger 7 gut, ind dar längs durch dal vell over Oirsvelder 8 klyf und längs 
Oirsveldcr gut und hinder dat huis Oirsvell längs den meistweg 9 ind längs 



J ) Appellation. -) Räthe. 8 ) 13. September. *) Vetsehau. 5 ) Buff bei Fetschan. 8 ) bis. 
Bereu riljerg. 8 ) üersfeld. 9 ) Mistweg. 



— 6 — 

Vilsberger hof, vort durch Dttstergatz 1 und Roderstrass 2 uns an den scheifen 
graf, item durch dat Richterger 3 velt um dat eitergut 4 längs künegatz ind 
vorsterheiden 5 durch den vieweg uns do an dat eitergut, ind davon längs 
den flutgraf uns wider op dat ryche van Ache, so dat der here zo Schönawe 
op gen Houf. in den Groenendal, an gen hant, zen Hirtz ind op Meven- 
lioide, inde oich zo Richtergen in den distrikt of gebiet der herlicheit 
Schönawe gelegen unde over die laessen, leinlude 6 ind samentliche under- 
saessen darinen wohnende zo gebieden, unde ein here von der Heiden sich 
derselben guder, huiser, hotten ind Wohnungen noch der laessen, leinlude 
ind undersaessen zo Schönawe gehoerende, in geinerlei manieren under- 
nehraen en sal nu noch zen ewigen dagen. Ydoch die guder zo Richtergen 
in den Richtergen distrikt betreffend, so einige under die herlicheit von 
der Heiden gehören, over dieselve guder ind sonst niet aneinhangende sal 
man so genge 7 als mogelich na unse augenschein of vurbringen unsre 
diener beiderseitig gebiet in dem Richterger distrikt vorschreven ouch 
ancinklevende ferner zo goeder vruntschaft ind naburschaft regelieren ind 
setzen sonder aller argelist. Des zo warer urkund syn dieser verdregen 
zwei glychs inhalts ufgericht ind haven unsere siegelen wissentlich hie an 
doen hangen, der yder parteie einen na ime 8 genomen hait. Gescheit in 
dem jaren uns herrn 1523 den 23 tag im dezember. Dederich her zo 
Mylendonck ind zo Schönawe. AVerner von Schoenrade, her zor Heiden inde 
zor Blyt 9 ." 

Die Festsetzung der Grenze in Richterich hat nie stattgefunden. 
Quix 10 druckt jedoch einen Brief Werners von 1524 ab, in welchem der- 
selbe seine Zustimmung zu einer Grenzbegehung ertheilt, welche das 
Heidener Gericht gemeinschaftlich mit dem Schönauer abgehalten hatte 
und welche die oben angegebenen Grenzen etwas näher bestimmt. Das 
Schreiben lautet: „Myne vrüntliche grütz — So myne vogt ind geschworene 
mir vorbracht haven, dat ür scholtis ind geschworen die limiten der herlig- 
keit Schönawe mit hün begangen, zo wissen von dem dürrenbaum 11 längs 
dat ryche von Aichen bis up Berensberg gut, item durch den kohlweg 
bis up die elf trappen, item durch den byrweg 12 , vort durch den rein an 
den Scheit 13 , item durch den veeweg, borgass ind kuegass 14 over die vorstcr- 
lieid ind durch den weiweg bis up den dürrenbaum vorschreven, so bin 
ich damit zo vredc ind en sal mich der guten inde lüden binnen den vür- 
gemelten limiten der herlichkeit Schönawe volgens sigel, breve ind ordel 
der herzogen zu Guilich soliger gedechtnis niet annehmen; hirintgen 15 ir 
uch der guten inde lüden in der herlichkeit van der Heiden baussen die 
limiten der herlichkeit Schönawe vorschreven oich nit annehmen en solt; 
ydoch die beide herlichkeiten Sclionawen und Heiden sullen ein wy die 



') Düstergasse. 2 ) Strasse nach Herzogenrath. 3 ) Richterich. *) Altargut. 5 ) Vorderste 
Heide. 6 ) Lehenleute. 7 ) bald. 8 ) an «ich. 9 ) IS'ach einer späteren Abschrift. ,0 ) Geschiehte 
des Schli i hönau S. :i. ") Zwischen Vetschau und Horhach. '-> alias: leer- oder Herweg. 

,: 'i Kohlscheid. '•') Vgl. oben: künegatz. l5 ) wohingegen. 






andere berechtigt sein inde bliven up den gemeinen busch .... 152-1. 
•Werner von Schoinrode her zor Heiden inde zor Blydt." 

Im Jahre 1754 Hess der Herr von Blanche die Grenzen seines Ge- 
bietes gegen Aachen durch Statthalter und Schuften begehen und lud alter 
Gewohnheit gemäss die Herren von Aachen, d. h. Bürgermeister und Eath, 
als Grenzn achbaren zum Begange ein. Weil von seiten des Magistrats 
niemand erschien, nahm Blanche den Leutenant des Quartiers Laurensberg 
und einen Einwohner des Aachener Reichs mit. Da im Protokolle die 
bezüglichen Grenzen ganz genau bezeichnet sind, teilen wir dasselbe im 
Wortlaute mit. Man ging „von Berensberg an längs dem Achener land- 
graben bis am hirsch, sodan dieserseits 1 längs dem wachtthürmgen daselbst 
bis auf den hirscherweg und durch diesen hirscherweg bis auf den Berger- 
creuzweg onweit unser lieber frauen rast 2 , hiervondannen aber durch den 
Gronenthaler weg und durch die Herlenter- 3 oder Hufferstrass, item durch 
den graberweg bis an Vetschen und hiervondannen durch den Herlenter- 
weg bis an den dürrenbaum." 

Es sind noch einige Verzeichnisse aus dem vorigen Jahrhundert er- 
halten, welche die zum Schönauer Distrikte gehörigen Ortschaften, Höfe 
und Häuser angeben. Alle zusammen liefern folgendes Ergebniss. Zur 
Herrschaft gehörten : 

1. Schloss Schönau mit dem Burghofe; das im Vorgeburg liegende 
Pannhaus „an die Kreuzer"; 9 Häuser und Höfe mit ihrem Zubehör an 
Graswuchs und Länderei; 2. der Küppershof, welcher dem Aachener Lieb- 
frauenstifte gehörte; 3. am Hasenwald: 14 Häuser; 4. auf die Huff: 3 Häuser 
mit Weide und Land; 5. im Grünenthal: 6 Häuser mit Weide und Land; 
6. an die Hand: 5 Häuser u. s. w. 1 ; 7. zum Hirsch: 5 Häuser u. s. w. 1 ; 
8. Lind-Hofgut; 9. Eichterich: die Kirche, die daran anstossende Schule, 
der Zehnthof des Aachener Kapitels und darum liegende 30 Häuser; dies- 
seits der Borgasse, Künnegasse und Forsterheide 11 Häuser u. s. w. '; 
10. Wilsberg: 9 Wohnungen; 11. Mevenheide, die sich bis auf den Vioh- 
weg erstreckt: 11 Häuser und Höfe u. s. w. 4 ; 12. Haus und Hof Uersfeld 
samt dessen Abspliss Mittelürsfeld und 6 nunmehro (1758) erbauten Häus- 
chen; 13. Forsterheid: 8 Wohnungen; 14. diesseits der Bank am Kreuz: 
3 Häuser; 15. Viehweg: 10 Wohnungen; 16. Steinweg oder Krouzstrass 
diesseits am Scheid: 59 Wohnungen; 17. auf Bley: 2 Wohnungen. 

Der weitaus grösste Theil dieses Gebietes wurde trotz der Abmachungen 
von 1523 und 1524 den Besitzern von Schönau durch die Herren von Heiden 
streitig gemacht. 



1 ) auf der Schönauer Seite. 

2 ) Vgl. meine Beiträge zur Geschichte des Aachener Reichs, ..Aus V.achene Vorzeit", 
Jahrg. V, S. 102, Aniu. 4. 

3 ) Heerlen. 

f ) wie bei JJr. I und 5. 



— 8 — 

3. Die Hechte der Herren von Schünau. 

Im Jahre 1302 bestätigte und verbriefte Kaiser Albert im Lager 
vor Köln dem Ritter Gerard von Schünau alle Gerechtsame, welche letzterer 
als Besitzer der Herrschaft Schönau auszuüben berechtigt war. 

Die Urkunde selbst ist nicht mehr vorhanden, aber es gibt eine von 
Bürgermeister und Rat der Stadt Aachen beglaubigte Abschrift. In einem 
Prozesse wird erzählt, Balthasar von Mylendunek habe die Urkunde ihrer 
Wichtigkeit wegen auf dem Aachener Rathause hinterlegt, und dort sei 
sie bei dem Brande von 1656 zu Grunde gegangen. Nachdem berufene 
Gelehrte erklärt haben, dass Inhalt und Form dieser für die Geschichte 
Schönaus allerdings sehr wichtigen Urkunde keinen Anlass zu Bedenken 
bieten 1 , wird man sich wohl auf dieselbe berufen dürfen. Sie lautet mit 
der Erklärung des Aachener Magistrats also: 

„Wir bürgermeister, scheffen und rath des königlichen stuels und 
reichsstatt Aach thuen kund hiemit öffentlich bezeugend, dass der wohl- 
geborener herr, herr Baltasar freiherr von Mylendonck, herr zu Schönaw 
und Warden etc. uns einen brief uf pergameut geschrieben und mit ihro 
röm. königl. majestät Alberti anhangenden siegel zustellen und einhändigen 
lassen, folgenden wörtlichen Inhalts: 

2 Albert von Gottes Gnaden Römischer König, allezeit Mehrer des 
Reichs, entbietet allen des H. Reichs Getreuen seinen Gruss. Ihr möget 
wissen, dass Wir — da Uns der tapfere Mann Gerard von Schönau klar 
dargethan hat, wie er und seine Vorfahren Burg und Herrschaft Schönau 
bei Aachen mit ihrem Zubehör: den Höfen, Weilern, Häusern, Ländereien, 
Weiden und Büschen, mit den Laten und übrigen Einwohnern und Unter- 
gebenen, mit der hohen und niedern Gerichtsbarkeit, sowie andern Rechten 
und Regalien, nämlich der Erhebung von Auflagen und Steuern 3 , der Prägung 
von Münzen, der Ausübung der Jagd, bisher inne gehabt und ungestört 
besessen hätten, und er zugleich demütig und unterthänig bat, Wir möchten 
ihn, sowie seine Burg und Herrschaft Schönau mit ihrem Zubehör in Unsern 
und des H. Reichs Schutz nehmen und die genannten Rechte und Regalien 
bestätigen, — dieser unterthänigen Bitte willfahrend, den Gerard, seine 
Burg und Herrschaft Schönau mit ihrem Zubehör in Unsern und des H. Reichs 
besondern Schutz nehmen, alle und jede vorgenannten Rechte und Regalien, 
fleren Gerard und seine Vorfahren in der Herrschaft Schönau genossen und 
sich erfreuten, aus der Fülle Unserer Königlichen Macht bestätigen, indem 
Wir wollen, dass Gerard sowie seine Erben und Nachfolger in besagter 
Herrschaft Schönau dieser vorbezeichneten Rechte und Regalien freien 
Gebrauch und ungehinderten Genuss für immer haben sollen. Zur Urkund 
und Bekräftigung haben Wir genanntem Gerard diesen offenen und mit 



') Vgl. Hansen, Zeitschrift des Aachener Geschichts-V-ereins, VI, S. so, X. l. 

'■) [ch gehe die Urkunde zur Bequemlichkeit der Leser in genauer deutscher Ueher- 
setzung. 

:! ) assissias ei vectigalia. 



— 9 — 

Unserm Königlichen Siegel bestätigten Brief ausgestellt. Gegeben im Lager 
bei Köln im Jahre des Herrn 1302, am Tage der h. h. Märtyrer Crispinus 
und Crispinianus 1 in der 1. Indiction und im 5. Jahre Unserer Regierung. 

Und ha| demnach wohlgedachter herr bei uns fleissig ansuchen lassen, 
dass wir den'selbigen königlichen brief vidimiren und translunaren und ihm 
davon ein glaubwürdiges vidimus und transuinpt mitteilen wollten. Danil' 
wir den Originalbrief mit allem fleiss exaniinirt und gegen dies unser vidi- 
mus und transumpt collationirt, und da wir denselbigen königlichen brief 
von wort zu wort gleichen inhalts, wie selbiger vor inserirt ist, und an 
Siegel, pergament und schritten unversehrt, unradirt und unverletzt und 
ganz richtig ohn allen argwöhn befunden, so haben wir ihm dies unser 
vidimus und transumpt — dem in- und ausserhalb gericht gleich dem ori- 
ginalbrief vollkommener glaub gegeben werden soll, mitgeteilt. Urkund der 
Wahrheit haben wir unserer statt gemeinen insiegel hierauf drucken und 
durch unseren secretarium dies vidimus und transumpt unterschreiben lassen. 
Geschehen Aach am 22. augusti 1615. Niclaus von Münster." 

Kaiser Albert bestätigte demnach dem Ritter Gerard als Herrn von 
Schönau folgende Rechte: Derselbe durfte die hohe und niedere Gerichtsbar- 
keit sowie das Jagdrecht ausüben, sodann Umlagen und Steuern erheben, 
endlich Geld prägen. Sehen wir nun zu, ob die Herren von Schönau diese 
Rechte auch thatsächlich geübt haben. 

a. Nichts ist mit grösserer Heftigkeit angegriffen und mit so aus- 
dauernder Zähigkeit vertheidigt worden, als die Schummer Gerichtsbar- 
keit. Bei allen Kämpfen um die Selbständigkeit der kleinen Herrschaft 
handelte es sich zunächst um die Berechtigung ihres Gerichts. 

Es fragt sich nun: auf welcher Seite stand das Recht? Greifen wir 
auf das zurück, was wir oben über die Stellung Schönaus zum praedium 
Richterich gesagt haben, so dürfte sich die Frage leicht entscheiden lassen. 
Schönau war der Haupthof des ganzen praedium, hier war der Mittelpunkt 
für die Verwaltung und Rechtsprechung des Gesammtallods 2 . Diese Stellung 
konnte Schönau nicht mehr behaupten, als der bei weil om grösste Theil 
des praedium Richterich in den Besitz mächtiger Fürsten kam, als Herren 
wie die Heinsberger, die Erzbischöfe von Köln, die Grafen von Jülich 
Grundherren des Gebietes wurden und die Oberherrlichkeit über die ehedem 
zu Schönau gehörigen Güter in Anspruch nahmen. Darum Hess sich Gerard 
von Schönau vorsichtigerweise von Kaiser Albert die Gerechtsame über 
das dem alten Haupthofe noch verbliebene territorium oder dominium 
verbriefen, damit nicht auch diese im Kampfe des Schwächeren gegen den 
Mächtigeren verloren gingen. [Jeber dieses Gebiet und dessen Bewohner 
besass demnach der Herr von Schönau die hohe und niedere Gerichtsbar- 
keit; über andere Güter des ehemaligen praedium Richterich, soweit sie 



] ) 25. Oktober. 

'-') Vgl. hierzu ineine Beiträge zur Geschichte des Aachener Reichs, ..Aus Aachens 
Vorzeit", Jahrg. VIII, S. 17 ff. 



— 10 — 

nämlich an Scbönau lehenrührig, kurniedig oder zinspflichtig waren, stand 
ihm nur noch eine Latengerichtsbarkeit zu; über diejenigen Güter aber, 
welche in eine andere Grund- und Lehensherrlichkeit übergegangen waren, 
hatte der Schönauer gar nichts mehr zu sagen. 

Mit einem Worte: dem pfalzgräflicben Haupthofe Schönau ist es in 
bezug auf die ihm unterstehenden Güter ähnlich ergangen, wie der kaiser- 
lichen Pfalz Aachen mit ihren Nebenhöfen. 

Dass diese Auffassung richtig ist, ergibt sich auch daraus, dass Hansen * 
aus der Erwägung einer Urkunde des Herzogs Wilhelm von Jülich zu dem- 
selben Ergebnisse gelangt. Im Jahre 1361 verpfändete nämlich besagter 
Herzog das ehemalige praedium Richterich, mit all seinen Gerechtsamen 
an Goedert von Bongart, schloss aber ausdrücklich die dem Herrn von 
Schönau auf dessen, wie auf den Gütern seines Bruders Maschereil und 
deren Tante, der Frau von Uelpich, zustehende Gerichtsbarkeit von der 
Verpfändung aus. Diese Güter lagen im Kirchspiele Richterich, sowie in 
den andern 2 Dörfern und Feldern, die zu Richterich gehörten. Der Vor- 
behalt zu gunsten des Schönauers sollte jedoch nur so lange dauern, als 
dieser 3 die Länder Montjoie und Cornelimünster vom Herzoge in Pfandschaft 
besass. Den Blutbann auf diesen Schönauer Gütern behielt der Fürst zwar 
sich selbst vor, denn er sagt: „Treife dat gerichte an lyf, dat solen sy 
(die Schönauer) oeverleveren uns herzogen ind unsen amtluden"; jedoch 
auch in solchen Fällen erfolgte die Verhandlung und die Findung des 
Urteils durch das Schönauer Gericht: „ind danaf sal man alsdan richten, 
also yre (der Schönauer) laisen dat wysen solen". 

Hier ist — und darauf hat Hansen mit Recht aufmerksam gemacht 
— von Schönau selbst gar nicht, sondern nur von denjenigen Gütern die 
Rede, welche die Familie von Schönau damals noch gemeinschaftlich im 
Kirchspiele Richterich bezw. Eigelshoven besass; die Rechte des Herrn 
von Schönau in der ihm verbliebenen „Burg und Herrschaft" werden also 
durch diese Abmachung gar nicht berührt. 

Es muss aber auch noch auf den Umstand hingewiesen werden, dass 
der Herzog selbst beide Beschränkungen, sowohl die, welche die Dauer 
des Vorbehalts zu gunsten der Schönauer bis zur Einlösung von Montjoie 
und Cornelimünster festsetzte, als auch die, welche sich auf den Blutbann 
bezog, in der erneuerten Belehnung Bongarts von 1370 fallen liess. Es 
heisst nämlich da nur noch: „ Ind behalden ouch heren Reinarde, dem heren 
van Schoenvorst op deine goede van Schoenawe ind wilne heren Maschriels 
sins broders ind der vrouwen van Uelpich ire moinen irene goede zo Schoenawe, 

l ) A. a. 0. S. 89 f. 

i Eiermil sind die im Kirchspiele Eigelshoven liegenden Güter gemeint. Sie ge- 
hörten demnach zum praedium, nicht aher zur Pfarre Richterich. 

8 ) Reinard, der jüngste aber bedeutendste der damaligen Schönauer. Vgl. über diese 
Verhältnisse meine Abhandlung über Reinard von Schönau, „Aus Aachens Vorzeit", 
Jahrg. VI II. S. IT ff. 



— 11 — 

dat zo Richtergin binnen deine kirspel inde in den anderen vorschreven 
dorperen ind kirspelen mag gelegen syn, ire laessen ind leluden, wie sie 
die alda haut, op wilchen irem goede van Schoenawe her Reinard, her van 
Schoenvorst, die gerichte haven ind lialden sal, ind die vorschreven heren 
Goedert (von' Bongart) noch die sine sich der niet annemen en solen". 

Hieraus schliesse ich, dass der Herzog sich entweder selbst überzeugt 
hat, er sei nicht berechtigt, die Gerichtsbarkeit der Herren von Schönau 
zu beschränken, oder durch den damals noch sehr einflussreichen Reinard 
zum Aufgeben der Beschränkungen veranlasst worden ist. 

Uebrigens hatte Goedert von der Heiden bereits im Jahre 1361 für 
sich und seine Erben auf jeden Eingriff in die Schönauer Rechte schrift- 
lichen Verzicht geleistet 1 . In einer andern Urkunde erklärte er sogar, 
sich selbst und seine Untergebenen der Gerichtsbarkeit seines Nachbars 
unterwerfen zu wollen, wenn er oder die Seinigen Güter erwürben, 
welche im Gebiete der Herrschaft von Schönau lägen: „. . . mar wer et 
Sachen, dat wir of unse undersassen einige lehen of loesgut kregen mit 
recht . . . under der vorschreven heren Mascherei und seinen broder God- 
dart van Schonawen und Ulpich, die sullen mit mehrder recht staen end 
gefordert werden vor dem gericht ind herlichkeit ind goeder van Schonawe 
und Ulpich" 2 . 

Endlich gab derselbe Goedert im Jahre 1373 folgende Erklärung ab: 
„Wir Goddart herr zur Heiden thun kund . . . dat wir . . . unsen magen 
und broderen herrn Johannen Mascherei und Goddarten von Schonaw ge- 
broderen geloft hau und globen . . . ihnen und ihren lüden, laessen und 
gerichten ind goederen van Schonaw und Ulpich geine noth, hindernus noch 
achter theil nimmer mehr zu doen . . ." 3 

Die Herren von Schönau versahen sich wohl von ihren neuen Nach- 
barn in Heiden nicht viel Gutes, sonst hätten sie sich alle diese Ver- 
sicherungen nicht ausstellen lassen. Indessen haben wir auch Reinard 
von Schönau als einen sehr vorsichtigen Geschäftsmann kennen gelernt. 

Uebereinstimmend mit dem, was uns die angeführten Urkunden über 
die Gerechtsame der Herren von Schönau sagen, erklärt Kraft von Mylen- 
dunck im Jahre 1566: „. . . Die freie herschaft Schonaw mit aller hohen und 
niederen oberkeit, Jurisdiction, gepot, verpot, huldigung, Schätzung, politische 
Ordnungen zu machen und was denselben weiters anhengig sein mag, in 
und über den zugehörigen dorferen, eingesessenen underthanen, walden, 
feldern, ackeren und anderen gitteren, sowohl in criminal- als bürgerlichen 
sachen", wie seine Voreltern seit mehr als hundert Jahren und weit über 
Menschengedenken ruhig und friedlieh besessen zu haben. 

Wie die Herren die Strafgerichtsbarkeit geübt, werden wir in der 



') Quix, Schönau S. 13. 

2 ) Abschrift. 

3 ) Abschrift aus dem 18. Jahrhundert. Daher die Verschiedenheit der Sehreibweise. 
Das Original beider Stellen legte Max von Mylcndunh 1679 dem Gerichte zur Heiden vor. 



— 12 -- 

Geschichte der einzelnen Besitzer darthun; hier beschäftige uns zunächst 
das sogenannte Latengericht, welches den Schönauern nie streitig gemacht 
worden ist. — Dasselbe war ein Fronhofgericht, wie sie von Maurer 1 be- 
schreibt. Der Herr konnte selbst oder durch einen Stellvertreter zu Gericht 
sitzen. Das war in Schönau der Schultheiss, der wiederum häufig durch 
den Statthalter, einen der Schöffen, vertreten wurde. Bei Berufungen sollte 
der Herr selbst Eecht sprechen. Zur Zuständigkeit der Fronhofgerichte 
gehörte die Aufnahme von Fremden in den Hofverband, die Leistung des 
Huldigungseides, die Veräusserung, Vertauschung und Freilassung der hof- 
hörigen Leute, die Veräusserung und Zersplitterung von hofhörigen Gütern, 
die Wiederverleihung heimgefallener Hofgüter, die Konstatierung- des her- 
gebrachten Hofrechtes und die Erlassung neuer Verordnungen; ausser- 
dem alle Vergehen der Hörigen, welche nicht zum Blutbanne gehört haben. 
Aus dieser letzten Zuständigkeit lässt es sich auch erklären, dass sich 
„in dem grossen thurn des Schlosses Schönau ein mit eisernen banden und 
schlossern versehener gefangenen-stock" befand, „worin die in der reichs- 
herrschaft daselbst betroffenen missethäter zu gebürender abstrafung in- 
carcerirt werden", obwohl die Herren von Schönau jederzeit den Stock und 
die in der Herrschaft vorhandene „criminalgerichtsstatt" als Beweise für 
eine vollständige Kriminalgerichtsbarkeit betrachteten. 

Das Gericht war, wie Baltasar von Mylendunck sagt, besetzt mit 
Schultheiss, (sieben) Schelfen oder Laten und andern Gerichtsdienern; der 
Instanzenzug ging vom Gericht an den Herrn, vom Herrn an das kaiser- 
liche Reichskammergericht. Eine schriftliche Feststellung der Satzungen 
und Gebräuche des Gerichts war nicht vorhanden; der alte Late lehrte es 
die jungen — die neu eintretenden Schöffen — , wie das ältere Weistum 
an einigen Stellen sagt. Jedoch erwähnt ein Gerichtsakt von 1610 folgende 
Gewohnheit: „In dieser herrschaft Schönau ist herbracht und allezeit un- 
verbrüchlich und ernstlich darob gehalten, wan etwo von auslendischen 
gerichten requisitoriales oder subsidiales ertheilt, dass gleichwol darauf 
nichts exequirt oder fuirgestellt; es were dan, dass die ganze volkomene 
acta, darauf solche requisition beschehen, mitedirt und daraus ersehen, ob 
auch lichtig- prozedirt oder aber einige nullitates committirt." 

Als Hofgericht hatte die Schönauer Bank keine grösseren Befugnisse 
als die andern Latengerichte; es war ihre Aufgabe, die Rechte des Herrn 
über die Lehengüter zu wahren, Uebertragungen der ihr unterstehenden 
Ländereien vorzunehmen, die Berechtigten in dieselben einzusetzen und die 
bezüglichen Akte in das Gerichtsbuch einzutragen. Beim Absterben eines 
Lehenträgers mussten die Erben binnen sechs Wochen und drei Tagen sich 
beim Gerichte angeben, das Lehen mit einem doppelten Pachte erheben 
und einen Lehenträger stellen, widrigenfalls das Lehen verwirkt war. Auch 
durfte kein Leheninhaber ohne Brief und Siegel des Herrn sein Gut be- 
schweren. Wurde ein Gut geteilt, so mussten die einzelnen Absplisse 

') Geschichte der Fronhöfe IV, S. 86, 140, 151. 



— 13 

erhoben werden. Ueber die Erhebungsgebühren wird in den Protokollen 
nichts gesagt; es heisst stets: „hat seine gewöhnlichen iura gegeben". Nur 
von derKurmede ist angegeben, dass sie mit zehn Reichsthaler „verthediget" 
worden sei. Bei Verkaufen wird „Lickop" *, Gottesheller und Verzichts- 
pfennig erwähnt; der Verzicht geschah „mit nuind und halm". Zuweilen 
werden auch Kohlenlieferungen ausbedungen. 

Den Protokollen der mir zu Gesicht gekommenen Gerichtsbücher von 
1606 — 1666 entnehme ich die folgenden Angaben über Gerichtspersonen. 
Kurmeden, Güterpreise, Flurnamen und Renten. 

1606. Stefan von Richterich, Schultheiss; Egidius Pelser, Huprecht 
Schröders, Thies Nacken, Johan Savelsberg, Peter und Johan Ortman, 
Kerst von der Bank, Schelfen. 

1631. Emund Merkelbach, Statthalter; Johan Savelsberg, Johan Nacken, 
Werner und Johan Ortman, Kerst von der Bank, Johan Rempkens, Gerichts- 
personen. 

Peter Reuland verkauft ein Wohnhaus „in den bär genant, gelegen 
am stegbendchen", den halben Mistpfuhl und Bongart, sowie andere 
Erbgüter (Immobilien) im Aachener Reich für 2100 Thaler-, Lickop 
ländlich, Gottesheller 1 j 2 Reichsthaler. Eine Abschüttung der Güter 
soll ohne die im Reich gelegenen nicht zulässig sein. 

l a / 2 Morgen Land „an den baumsweg" kostet 294 1 / 2 Thaler, 
Gottesheller ein Blaumeuser. 

Der Verwalter von Schönau, Jakob Ernau, lässt eine Kuhkur für 
10 Reichsthaler „verthedigen". — Ein Gut in Richterich „an gen end" 
zahlt an Schönau jährlich vier Kapaune und vier Schillinge 3 . — Ein 
Morgen Land „boven die Mevenheide" wird verkauft für 150 Thaler 
und zwei Karren Kohlen; Gottesheller drei Mark. — Ein Gut in 
Richterich „an dat weinhaus" zahlt ein Drittel von zwei Kapaunen. 
— Auf Grundstücken „an der Hirtz" und „am Taubenberg" lasten 
zwei Renten von „ein müd roggen und zwo mark pfenningsgelt" bezw. 
„zwei müd roggen und ein capaun". Beide Renten werden „gegeben 
jetzunder an Junker Hoffaliss erbgenamen binnen Achcn". ■ Die Rute 
„kurmediges land boven die Mevenheide" kostet sechs (Aachener) 
Gulden weniger eine Mark. — Catharina Vrohn überträgt alle Güter 
ihren Kindern unter dem Vorbehalt, dass diese sie „mii kost, drank, 
kleidung unterhalten". 

1632. Leonard Heidenthal, Schultheiss; Werner Ortmans und Emund 
Merkelbach, Gerichtspersonen. 

Panhaus und viertehalb Viertel Hofreide „auf die Eouff" zahlte an 
Schönau jährlich neun Bauschen. „Ein Laibes haus nämlich die 
küche mit dem vorhaus, die scheuer, kuhestall, backhaus, anderthalb 



1 ) Weinkauf; stets mit dem Zusatz: ländlich. 

2 ) Hierunter sind Aachener Thaler ;'i 26 Mark 130 alten Pfennigen zu verstehen. 
s ) Für die Renten vergleiche das folgende Register. 



— 14 — 

viertel hofreide, die platz, da das haus aufstehet, wird verkauft für 
150 Thaler. Das Haus gibt au Schönau jährlich l 1 ^ Fass Koggen 
und o 1 !! Kapaun, an Heiden 7 Bauschen und einen Heller, „den grund- 
schatz genant". — „An den baumsweg, die kehr genant". — „Ein ort 1 
hauses oder stallung mit scheur, mistpfuhl, gerechtigkeit des putzes 2 
und hinterhabendem kohlhof im Grönendal gelegen nechst dem bär" 
kostet 270 Aachener Thaler und einen Wagen Kohlen. — Ein Morgen 
Graswachs „in den cardian" zahlt jährlich sechs Heller. — Land 
„boven das hilligen häusgen" kostet per Ruthe einen Aachener Thaler. 
— Clara von Elzauen empfängt Güter „an die gass". — Graswachs 
„den kockelholz genant unter dem hirtz". — Ein Haus in Richterich 
wird verkauft für 55 Thaler und einen Thaler Verzichtspfennig. — 
Die Ruthe pferdskurmedigen Landes am Baumsweg kostete sechs Gulden 
eine Mark. — Der Bau „am hirtzer poel 3 " nämlich „kuchen, kamer 
und keller" wurde für 57 Thaler verkauft. Anderthalb Morgen Land 
daselbst kostete 131 Aachener Thaler, die Rute Graswachs im Cardians- 
bend wurde mit einem Thaler aix bezahlt. — Haus und Hof im 
Grünenthal verkaufte der Besitzer für 210 Thaler. Die Hausfrau 
erhielt einen Rosenobel, ausserdem lieferte der Käufer einen Wagen 
und eine Karre Kohlen frei nach Aachen. Die Kosten des Notbaues 
an dem baufälligen Häuschen ersetzte der Verkäufer. — Die Witwe 
des Frambach Lonix „hat dem herrn mit doppeldem pfacht und gold 
und silber ihre belehnung entricht wegen unterschiedliche guter, und 
fort den gerichtspersonen ihre iura" (1654). 

1656. „Vor uns Adolf Hillensberg als possessor des Hauses Schönau, 
fort Emont Merkelbach schultheiss und Peter Theilen gerichtspersonen". 

Am 7. Februar dieses Jahres verzeichnet das Gericht den Verkauf 
von sieben Viertel und 30 Ruthen Graswachs „gelegen in den Grönen- 
dahl . . . mit dem vorheuft ausscheissend auf die Schönauer und Cardians- 
bende ... an den wolerwürdigen herren Gerardus Schonebrot 4 , canonicus 
U. L. F. stift zu Achen, jede ruth zu acht gülden aich, und haben 
verkeufer los frei gut verkauft, sonder allein der kirchen zu Richterich 
undergüldig sein und pleiben 15 merk, und solle diese 15 merk an 
die kaufpfennigen gekürzt und abgezogen werden". 

Sdiönbrod vermachte das Land an die Ciarissen zu Aachen. Nach 
seinem Tode wurde Herr Engelbert Quirini als „volniechtiger und 
geistlicher vater der hochwürdigen frauen und dero conventualen des 
Clarissenklosters zu Achen" damit belehnt; 1661 verkauften letztere 



') Viertel, 
i Brunnen. 

i Pfuhl, jetzt zugeschüttet und zu Garten gemacht. 
4 ) Bei Heusch, Nomina . . . ist der Name Schurebraedt (S. 22 2 ) und Scburebroedt 
(S. 2!) M geschrieben. Er t'ral sein Kanonikat um 10. März 1591 au und starb als Jubilarius 
am 7. November 1656. 



• 15 

das Grundstück an Privatleute. — 1657 verkauft „die ehr- und teug- 
same Agnes von Richterich, wittib lierren Goedtfreidt v<m Weisswiller 
seliger oberrichter * in gegenwart . . . ihres sohnes Adames Baltheiweins 2 
. . . haus und hof gelegen zu Richterich a . . . für 400 Thaler und 
20 Obstbäume. Das Haus ist „los frei gut". Sollte ein „Bescheudt" 
erfolgen, so wird dem Ankäufer alles erstattet, was er an den Bau 
gelegt hat. — 1657 belehnt Amandus von Mylendunck, (der recht- 
massige) Herr zu Schönau, den Johan Heundt mit einem Gute, gelegen 
zu Richterich „auf die gass". — 1660 . . . „etliche ruthen landts 
ä 29 mark aix in den kaufbenden in den 15 morgen ... ist los, 
leiber, frei gut". — 1662 . . . „haus und hof an das ürsfelder kleii 
gelegen". — 1664. „Erb und gut, haus und hof, wie es zu Richterich 
an das end gelegen negst den lierren vom capitel zu Achen . . . 
5 morgen lands, ein viertel graswachs, so schönauer guter sind, und 
noch einige erbschaft, so theils Cortenbacher theils Uersfelder lehengut". 
Ausser den mitgetheilten Flurnamen kommen noch vor: am Germich, 
Altarfeldchen, am Hander Weg, am Hirzer Weg, auf die Fröschmisten, 
auf die Früschwei, auf dem Scheiben (scheifen) graf 3 , auf die bach, in der 
vasseinen (fasszeinen). in der Weinstrasse, das Bärenlebgen, im Bossbart. 
1710 bekundet J. Cornets, abgestandener Schultheiss zu Schönau, vom 
Herrn von Blanche sechs species Pattakons, womit alle seine Forderungen 
befriedigt seien, gegen Herausgabe der Protokolle, Register und anderer 
Briefschaften erhalten zu haben. 

Wie wir schon sahen, hatten manche der lehenrührigen Güter ausser 
den Lehenlasten noch andere jährliche Abgaben an „Erbpachten, Renten, 
Capaunen und Geldzinsen" zu erlegen, welche alle auf Andreastag verfielen. 
Ein Verzeichniss derselben vom Jahre 1596 enthält die folgenden: 

„Peter an gen hirtz 4 müd 1 j 2 vass roggen, 1 capuin, 8 mark 
pfenningsgelt. 

Krein 4 zum hirtz 2 müd roggen, 4 mark pfenningsgelt. 

Jan up den thiendhof 5 7 vass roggen. 11 capuin, 10 Schilling, 

9 pfenning. 

Wilhelm Froen 12 capuin, 12 Schilling. — Goddart Nacken 1 capuin, 
13 Schilling. 

Druid 6 im weinhaus 7 1 capuin, 1 Schilling. — Heintgens kinder 

10 vass roggen. - Gilles up Mevenheid 9 capuin, 15 Schilling. 
Der halfman up dem thiendhof 9 capuin, 9 Schilling. Item von einem 
timmerplatz beneben seinem hause jarlichs 2 daler. — Meyen Thomas 
1 hoen 8 . — Der Weingartzberg 7 capuin, 1 Schilling. Thomas 
hausfrau vor dem thiendhof 4 capuin, 5 1 /., Schilling. Gilles Peltzer 
7 capuin, 2 J / 2 Schilling, 9 penning, 2 kurmud. .hui Kemmerling 
1 müd roggen. — Gört Nacken 3 capuin, 3 Schilling, 1 malter roggen. 



') Vogtmajor. 2 ) ßalduin. Welch eine Rechtschreibung! i Graben. M Qnirin. 

5 ) Zebnthof. ,; i Gertrud. 7 ) Ein Eäuserkomplex in Richterich. 8 j Huhn. 



— 16 — 

Merten Blomen 1 malter 1 cop roggen. — Gilles Pelzer 4 vass 
roggen. • Carsillis van Merkelbach 1 malter roggen, 7 capuin, 7 
Schilling-. — Arnold Nacken 1 müd roggen. — Johan Froeschs gut 

6 capuin, 3 Schilling, 9 vass 1 / s cop roggen. — Gerard von Schonawen 
van dat erf van Orsfeld 2 capuin, 2 Schillinge. — Lambert von Urs- 
feld und Theis von Steinstrassen 4 vass roggen. — Wilhelm int wein- 
haus, Thoenes auf dem Bremenberg 2 vass roggen. — Wilhelm Fredericiis 
und Palliers kindern 16 capuin, 15 Schillinge. — Jan in die aide schewr 
13 capuin, 13 Schillinge. — Goisen gut 7 vass roggen, 10 capuin, 10 
Schillinge. Nacken in dat weinhaus 3 vass roggen, 3 capuin, 3 
Schillinge. — Johan uf den thiendhof 6 mark. — Gielis 1 Krops 7 capuin, 

7 Schilling. — Der beer im Grönendal 3 mark. — Meister Lenz 2 solin 
in dem beer 1 hoen. — Poirtgens kinder 1 malter roggen. — Leonard 
Jordens zu Vetschen 5V 2 mark 1 Schilling. — Peter von Schirtzel 3 
4 mark, 1 mass even 4 . — Eeinart im panhaus l 1 ^ mark. — Hern 
Everharts kinder van Haren aus der teschen zu Aich 8 capuin. — 
Segraz mullen op den graef 2 müd roggen, abgeloest bei den here. 

— Der halfen 5 zu Berrenberg, Boendts parteien 6 . — Johan Broicher 
1 müd haver. — In den roemer der halfen betaelt 1 vass haberen. 
Thiesken Roemers 2 vass haberen; lassen kurzen tegen einen brandiser, 
staende in't salet 7 zu Schoenaw. 

Pettr (sie) Milles zu Orsbach 2 vass roggen, 2 capuin. — Der 
kleine hof zu Orsbach 2 capuin. — Der Schultheiss 2 capuin, 1 chur- 
mud. Die churmud betalen die mitgedelingen van den schultheiss auf 
der Mevenheiden. 

Funk auf die Mevenheid 1 churmud. — Buetter 8 von Ach nunc 
Schanternell 1 churmud. — Nellis im gronenschild 1 churmud. — Der 
hof zu Neuland 9 gibt jarlichs 8 müd roggen, 12 gülden, 8 capuin. — 
Jan Doetsmans 1 mud haber, 4 capuin, 4 acher merk, 1 churmud. — 
Huegen gut l 1 ^ mud roggen, 1 churmud. — Henrich Laven gut 2 
mud roggen, 1 churmud. — Offens gut 3 vass even, 2 capuin, 2 nennen, 
1 ziehnthoen, 10 1 l 2 Schilling, 19 pfenning, 1 paeschbrot 10 , 1 churmud. 

— Die cluiss. Clas Neuland 1 vass haberen, 1 churmud. — Peters 
gut an den putz zu Neuland 2 hennen, 1 ziehnthoen, 19 pfenning, 1 
paeschbrot, 1 churmud. — Philips gut von Neuland 2 cupuin, 2 Schilling, 
1 paeschbrot, 1 churmud, 1 capuin, 1 thienthoen, 3 Schilling, 1 paesch- 
brot, 1 churmud. — Die Ollichsmüllen n zu Neuland 4 acher merk". 

Eine Uebersicht der Einnahmen liefern die Rentmeisterrechnungen, 
aus denen wir zunächst die Erträge von den Lehengütern ausheben. 

15(17 hrisst es in den Einnahmen: „Item von den schönauischen 
underthanen an roggen 21 müd, 1 vass, 3 ferdel 12 . — Item von den under- 

») Egidius. 2 ) Lorenz. s ) Schurzelt. 4 ) Hafer. 6 ) Halbwinner. 6 ) Der Zins ist 
nichl angegeben. 7 i Im kleinen Saal. 8 ) Büttershaus in der Soers. fl ) Ueber diesen Hof 
siehe unten, "i Osterbrot. ll ) Oehnühle. 12 ) Viertel. 



— 17 — 

thanen 3 müd liaber, 1 vass. — Item geben die underthaneu zu Schonawen 
jahrliclis 158 3 /.! capuin, 9 honer, 3 paischbrot und 5 gülden 16 bauschen 
penninksgelt". 

Dass die Kapaune und Hühner aber nicht in natura abgeliefert, 
sondern in Geld gezahlt wurden, zeigen die Rechnungen von 1571 und 
1584, in denen der Posten so angegeben ist: „169 capuin und III ferdel 
capuin, geben vur jeden 6 albus, facit 42 gülden, 10 albus und 2 heller", 
und „169 capuin und III ferdel capuin. jedes stück ad 8 albus = = 56 gülden 
14 albus, 9 honer vor jedes 3 albus". Man scheint also die Tiere nach 
dem Marktpreise bezahlt zu haben, während nach dem ältesten Laten- 
weistum ein.Paar Kapaune mit neun Schillingen bezahlt wurden „und wat 
sy (die Pflichtigen) un me geven, dat en soulde niet syn ind werden darby 
verunrecht". 

Von den Geldzinsen sagen die Rechnungen: „Item geben die underthanen 
jarlichs 76 pennink . . .". Die Zahl der bestehenden Kurmeden wird über- 
einstimmend mit dem Verzeichnisse auf 15 angegeben; eine verfallene Kuh- 
kurmede ist mit 6 Thaler 13 Gulden berechnet. Im 17. Jahrhundert 
wurden dafür, wie oben angegeben, 10 Reichsthaler erhoben. 

Nach der Gefangennahme der Brüder von Blanche im Jahre 1760 
verkündete der Kommissar Schlösser ein kurfürstliches Dekret folgenden 
Inhalts: Da der Kurfürst vorhabe, das von den Brüdern Blanche aus einem 
blosen Latengericht zu formirende oder bereits formirte unmittelbare iudicium 
zu kassiren, so interponire er zum voraus ein Dekret, dass gegen alle 
diejenigen, welche von den Blanche sich zum Statthalter, Schelfen, Fiskus, 
Appellationskommissar anstellen Hessen, die rechtsbehörige Ahndung vor- 
gekehrt werden solle; dass es aber keineswegs in der kurfürstlichen Meinung 
liege, der Schoenauer Laetbank als solcher etwas zu entziehen, so dass 
•die dahin gehörigen Sachen, als wegen Zins, Pacht, Ein- und Ausgang 
der Kurmöden u. dgl. auch fernerhin dort verhandelt werden sollen. Es 
dürfe sich aber niemand mehr unterstehen Sachen, die zum gewöhnlichen 
Landgerichte gehören, bei der Schoenauer Laetbank einzuführen. Vogt und 
Schelfen der Unterherrschaft Heiden werden beauftragt, jede Zuwiderhand- 
lung sofort zur Anzeige zu bringen. Vogt Coomans, Gerichtsschreiber Hoen 
und die Schöffen versprachen, am Gehorsam nichts fehlen zu lassen „mit 
hinzugefügter fast gemeinsamer ansprach, dass sie dieses reglements und 
Unterscheidung des gewöhnlichen gerichts und der laetbank ganz wol zu- 
frieden wären, weilen sie bis anhero fast nicht gewusst, wohin sich zu 
wenden haben". 

Die Genannten waren eben die Heidener Gerichtspersonen; von den 
Schönauern, die zur Anhörung des Dekrets durch Läutung der Pfarrglocke 
zusammengerufen waren, wird eine solche Aeusserung nicht berichtet. Oder 
soll etwa durch das sehr bezeichnende „fast" zart angedeutet werden, 
dass diese keineswegs „wohl zufrieden" waren? 

b. Herr Kraft spricht in der oben angezogenen Stelle von „Schätzungen", 



— 18 — 

d. h. vom Rechte des Herrn von Scliönau, seine Unterthanen mit Steuern 
zu belegen. Auch diese Berechtigung spricht Kaiser Albert dem Ritter 
Gerard zn. Ueber die Art, wie die Steuern veranlagt wurden, ist nichts 
bekannt; wahrscheinlich geschah es aber wie im benachbarten Heiden durch 
das Gericht. Die Erhebung der Steuern, die auch „Schatz" hiessen, erfolgte 
durch den Rentmeister, der dieselben vor dem Herrn verrechnete. Aus 
den wenigen vorhandenen Bruchstücken dieser Rechnungen lässt sich er- 
sehen, dass der Schatz in den Jahren 1554 — 1560 im ganzen 2164 Gulden 
14 Albus, und von 1609 — 1613 rund 1546 Gulden einbrachte; das macht 
jährlich in runder Summe 310 Gulden. 

Accisen 1 wurden in Schönau hauptsächlich vom Bier erhoben. „Der 
herr zu Schonaw", sagt Kraft von Mylendunck, „hat von onvurdenklichen 
jahren seine kuirmeister gehabt wie noch, welche in dem schonawischen 
gebiet bier und wein geprüft und auch die Übertreter und Verbrecher mit 
gebürender emenda bestrafet haben.' 1 Die Herren zur Heiden bestritten 
den Schönauern dieses Recht ebenfalls und erlaubten sich tliatsächliche 
Eingriffe in dasselbe. So forderte zur Zeit des Baltasar von Mylendunck 
die Frau zur Heiden die Bieraccise von den Schönauer Brauern und Hess 
durch den Feldschütz einem Zapfer des herrschaftlichen Brauhauses an die 
Kreuzer Geld mit Beschlag belegen, woraus derselbe 28 Aachener Gulden 
wegen der geforderten Abgabe bezahlen musste. Der Brauer beschwerte 
sich darüber bei seinem Herrn, indem er angab, das sei niemals geschehen, 
die Schönauer Kürmeister hätten vielmehr „het bier nach die werdy auf- 
und abgesetzt" 2 , und stets hätte „ein zeitlicher her zu Schonaw auf 
schonawer grond die axis genossen und in gebrauch gehabt". 

Es fehlte natürlich nicht an Brauern und Bierzapfern, welche sich 
der Steuer zu entziehen suchten. Um diesen entgegenzutreten, erliess 
Amandus von Mylendunck folgende Verordnung, aus der wir die Thätigkeit 
der Kürmeister noch genauer kennen lernen: „Demnach berichtet werde, 
ob solten die bierbrawers und zäpfern dieser meiner freiherrligkeit Schonaw 
sich gelüsten lassen, der polizeiordnung zuwider, meiner angestellter kür- 
meister unerfordert, das bier ungekürt und ungekerft ausfahren zu lassen 
und zu verzapfen: damit aber hinfort solche Unordnung und verschlag der 
accinsen verhütet werden möge, wird allen und jeden braweren bei pfeen 
2 goltgulden anbefohlen, kein bier ausführen zu lassen, es sei denn zu- 
vorderst der angestellter kürmeister einer darzu gefordert, gekürt und 
gekerft; den zäpferen aber so auswendig bier einlageren, dessen bei pfeen 
eines goltguldens kein anzustechen, es sei dan dazu der küpieister erfordert 
und geküret. Diewelches der bot 3 der gebühr 1 anzukündigen um ihres 
Schadens vor zu kommen. So geben Schonaw unter meiner handunterschrift 
und pittschaft am 22. junii 1652. A. v. Mylendunck." 



') Assisiae, Abgaben von Lebensmitteln und Waren, also indirekte Steuern. 
2 ) d. li. je uacb dem Werte auf höhern <Acr geringern Preis gesetzt. 
! ,i Gerichtsbote. ') wir es sieh gebürt. 



- 19 — 

Brauereien gab es fünf in der Herrschaft: das herrschaftliche Pann- 
haus an die Kreuzer, zwei im Grünenthal, wovon eine zum Bär hiess, eine 
an der Huff und eine am Hirtz. 

Das Pannhaus „an die Kreuzer, prope cruces" lag „im vorgeburg des 
Schlosses"; es-"" gehörten dazu „haus, hof und 15 morgen land". Dasselbe 
brachte im Jahre 1567 dem Herrn 65 Gulden 20 Albus ein; es wird aber 
nicht gesagt, ob das Geld aus dem Pachte oder aus der Bieraccise herrührte. 

Im Jahre 1611 verpachtete Baltasar von Mylendunck das „panhaus 
zu Sehonaw nebst anklebendem bongart und kohlhof" an die Eheleute von 
der Bank, welche ihm in seinen „noeten und anliegen" 437 1 / 2 Thaler ä 26 
Mark aix vorgestreckt hatten, für 70 Thaler auf so lange, bis das Dar- 
lehen verwohnt wäre. Er behielt sich jedoch das Recht vor, durch gänz- 
liche oder teilweise Abzahlung der Schuld die Pachtzeit zu kürzen oder 
auch die Gläubiger anderweitig zu befriedigen. Dieser Fall trat aber nicht 
ein, denn Baltasar verfügt erst 1618 wieder über das Brauhaus. Damals 
heiratete seine Tochter Agnes den Johann von Kessel. Während der 
Bräutigam alles in die Ehe brachte, was er von seiner ersten Frau Helene 
von Spee ererbt, das, was er bereits von seinem Vater Mathias erhalten 
„als nemlich under anderen den hof zu Loe under Kessel gelegen und den 
hof zu Pütt", sowie das, was er nach seines Vaters Tode noch zu erwarten 
hatte, gelobte Baltasar „obgedachter juffer Agnes als seiner leiblichen 
dochter" eine Mitgift von 4000 Gulden Venloer Währung und bis zur 
Auszahlung dieser Summe sechsprozentige Zinsen. Auch gestattete er den 
Eheleuten, dass sie zur Befreiung ihrer anderen Güter im ersten Jahre 
tausend Gulden auf seine Besitzungen aufnehmen dürften; fünf Jahre nach 
seinem Tode könnten sie sich den Rest auszahlen lassen. Als Zeugen unter- 
schrieben Goedart von Beeck, G. Kipshoven, Herman Quadt. Zur Sicherung 
'der Zinsen räumte dann Baltasar dem Schwiegersohne das Pannhaus an 
die Kreuzer ein, und Johann von Kessel sowohl wie dessen Sohn Baltasar 
bezogen stets die Pachtgelder. Baltasar von Kessel war verheiratet mit 
Margarethe von Broich. Nach seinem Tode ehelichte die Witwe den Herrn 
Melchior von Dammerscheid. Beide verpachteten 1697 „das panhaus an 
die kreuzer mit dazu gehörigem gehöcht, scheuer und stall" für jährlich 
140 Thaler ä 26 Mark aix. Tsaak Lambert von Blanche, der Isabella von 
Kessel, eine Tochter der Witwe, geheiratet hatte, unterschrieb als Zeuge. 
Am 7. November 1703 schenkte dann Margarethe von Broich, Witwe 
Kessel und Dammerscheid, zu Anrath ihrem Sohne Johann Wilhelm von 
Kessel eine Gerechtigkeit am Hoenger Busch sowie die Forderung, wegen 
welcher sie das Pannhaus an die Kreuzer in Pfandschaft hatte. Als 
Johann Wilhelm hörte, dass seine beiden Schwäger von Blanche und 
Hammes, der die Anna Maria von Kessel zur Frau hatte, die Schenkung 
angreifen wellten, liess er sich durch den Kurfürsten in Düsseldorf manu- 
teniren. Aber das nutzte ihm nichts; 1712 beauftragte Eammes (Um Notar 
Schmitz sich für ihn, seine Frau und seine Erben in den Besitz des raun- 



20 — 

hauses zu setzen. Es geschah mit den üblichen Formalitäten. Nach dem 
Tode des Hammes wurde dessen Witwe von der Witwe Tornako zu Aachen 
wegen Schulden vor dem Gerichte des Ländchens zur Heiden belangt. Die 
beiden Frauen einigten sich dahin, dass die Hammes der Tornako das 
Pannhaus einräume, und der Akt wurde 1721 von dem Heidener Gerichte 
approbirt, realisirt und dem Protokolle einverleibt. Nun erhob aber Nikolaus 
Paffen, der Schwiegersohn der Witwe Hammes, den die Heidener einen 
Köhlerknecht nennen, Einspruch. Er wollte sein Recht auf das Pannhaus 
vor dem Gerichte zu Schönau darthun, während die Tornako an der 
Zuständigkeit der Heidener Bank festhielt. Schliesslich erkannte letztere 
auf Räumung- des Pannhauses und Übergabe desselben an die Witwe 
Tornako. Der Gerichtsdiener Deutschen wurde mit der Ausführung des 
Beschlusses beauftragt. Als derselbe sich mit Heidener Schützen am Pann- 
haus befand, um die Immission vorzunehmen, erschien plötzlich der Herr 
von Schönau, Johann Gottfried von Blanche, den Melchior Hammes, der 
Sohn der Witwe „schier in allen wirtsheuseren der stadt Aachen auf- 
gesucht und herauszukommen gebeten hatte". Wegen dieser „Verletzung 
der schönauischen Jurisdiktion" erschoss der junge Mensch den armen 
Boten, der nur seine Schuldigkeit gethan. Als gerechte Strafe für die 
scheussliche Überschreitung seines Rechts, die er freilich nachher als 
einen Akt der Notwehr darzustellen suchte, traf den Blanche das Geschick, 
dass er selber die ganze Schönauer Selbstherrlichkeit begraben und sich 
zum Vasallen des Kurfürsten schwören musste. Das Pannhaus blieb aber 
im Besitze der Witwe Tornako. 

Als von Blanche aus der Haft zu Jülich losgekommen war, nahm er 
beim Freiherrn von Geyr, der im letzten Jahre der Gefangenschaft Schönau 
verwaltet hatte, 1100 Reichsthaler auf, um das Pannhaus vom General- 
feldzeugmeister Tornako, dem Sohne der Pfandinhaberin, einzulösen. Ob- 
schon dieser die Kreuzer bereits seinem Schwiegersöhne für dessen Ältesten 
übertragen hatte, versprach er doch dem von Blanche dafür sorgen zu 
wollen, dass ihm das Gut für 1000 Reichsthaler überlassen werde. So kam 
das herrschaftliche Brauhaus nach fast 150jähriger Entfremdung wieder 
an Schönau, blieb aber dem Herrn von Geyr zur Hypothek gestellt. 

Von den beiden Brauereien im Grünenthal wurde die neben dem 
Pannhause zum Bär liegende von den Brüdern Gabrielis am 19. März 1699 
für 600 Aachener Thaler ä 26 Mark verkauft. Der Verzichtspfennig betrug 
17 Reichsthaler ä 56 Mark. Das Haus lag einerseits neben dem Bär, 
anderseits neben von Ottegraven. 

Viel bedeutender war der Ertrag für die Brauerei am Hirtz. Man 
verkaufte dieselbe mit Haus, Hof, angehöriger Braugerätschaft nebst zu- 
gehörigem Garten und Graswachs im Jahre 1744 für 1400 Reichsthaler. 
Das Protokoll verzeichnet ihre Lage „neben des aachischen wachtthurms 
erbschaft" sowie den auf derselben lastenden Schönauer Erbpacht von 
I 1 . Fass Roggen, 1 Kapaun und 8 Mark. 



— 21 — 

Die Bieraccise wurde, wie wir oben schon hörten, von jedem Gebräu 
gezahlt, denn der Kürmeister musste ja jedesmal gerufen werden um durch 
Probe des Bieres den Wert festzustellen und zu „kerfen", d. h. den 
Betrag- der Accise auf dem Kerbholz anzuzeichnen. 1596 hat „Jan in gen 
Groenendal gebrowen 24 gebrowe, bis Andreae gerekent en betaelt; Gilles 
in gen beer 23 gebrowe; Huprecht an gen hirtz 14 gebrowe. Dartegen 
1 / 2 ton biers vor einen daler, der rest ist verriebt." 

Die Biersteuer brachte ein in den Jahren 1554 bis 1560: 452 Gulden, 
1567: 14 Gulden, 1568: 13 Gulden, 1569 und 1570: je 18 Gulden 12 
Albus, 1571: 16 Gulden, 15S4: 7 Gulden. In einer Rechnung ohne Datum 
ist dieselbe .mit 4 Thaler 10 Mark verzeichnet. 

c. Dem Herrn von Schönau stand es auch zu, von den die Herr- 
schaft Durchziehenden für die Benutzung der Wege eine Abgabe zu er- 
heben. Dieses „Wegegeld" ergab in den Jahren 1554 — 1560 die Summe 
von 240 Gulden. Der Schlagbaum hing an die Kreuzer und wurde „von 
Schönau geschlossen und geöffnet". 

d. „Ein Herr von Schönau". sagt Kraft von Mylendunck weiter, „hat 
Juden unter seinem gebiet und herrschaft zu vergleiten gehabt, welche 
jehrlichen tribut bezahlt und die erde zu ihrer begrebnuss von einem hei in 
zu Schonaw kaufen müssen, wie solches mit brieflichem schein zu belegen." 

Das Recht Juden zu geleiten, d. h. ihnen den Aufenthalt in der 
Herrschaft zu gestatten, lässt sich ebenfalls aus den Rechnungen nach- 
weisen. In den Jahren 1554 — 1560 zahlten drei Juden für den Aufenthalt 
in Richterich zusammen 257 Gulden; ein Jude Alexander gab für seinen 
Aufenthalt im Weiler an der Hand 36 Gulden jährlich. In betreff dieses 
letzteren wendete sich der Aachener Rat am 11. Januar 1553 an Herrn 
Kraft von Mylendunck in einem Schreiben, welches klar zeigt, dass auch 
Aachen Schönau als eine selbständige Herrschaft anerkannte. Der Jude 
hatte nämlich von einem Frauenzimmer für ein Spottgeld Tuch gekauft, 
das zwei armen Webern in der Christnacht vom Rahmen abgeschnitten 
worden war. Der Rat forderte Herrn Kraft auf, da Alexander „unter 
seinem Gerichtszwang und Gebiet gesessen" sei, den armen Leuten zu 
ihrem Tuch oder zu ihrem Geld zu verhelfen. — Im Jahre 1666 erklärte 
eine 80jährige Frau vor Notar und Zeugen, dass die Juden in Richterich 
im Weinhaus auf Schönauer Gebiet wohnten, woher die Strasse den Namen 
Judenstrasse führe, und dass dieselben in der Vorheide oder auch in 
„Lysgens grab 1U begraben würden. 

e. Wir haben oben schon ein Zeugnis aus dem 17. Jahrhundert mit- 
geteilt, wonach die Herren von Schönau stets die Jagd auf ihrem Gebiet 
ausübten und auch die benachbarten Edelleute an dersi Iben teilnehmen 
Hessen. 1599 gestattete Baltasar von Mylendunck dem Junker Wilhelm 
von Streithagen auf Ürsfeld ebenfalls die Mitjagd, aber nur auf Lebens- 



') S<> liie>* die Schönauer Etichtstätte. 



— 22 — 

zeit und ohne Nachteil für die schönauische Hoheit. Isaak Lambert de 
Blanche, der in kaiserlichen Diensten kreuzweis durch einen Fuss geschossen 
worden war, liess in den Jahren 1709 und 1710, „da er selbst Ziemlicher- 
massen impotent gewesen", die Jagd durch einen Aachener ausüben. 

Mit grosser Strenge hielten die Herren darauf, dass ihr Jagdrecht 
nicht verletzt werde. Es fehlt nicht an Verordnungen besonders gegen 
die Hunde, die knüppellos im Felde umherschweiften; auch wird als Akt 
der Landeshoheit angemerkt, wenn so ein armer Köter vom gestrengen 
Herrn erschossen worden war. Natürlich verfuhr man auch gegen zwei- 
beinige Jagdfrevler nicht gerade gnädig. 1G07 wurde ein Schönauer „wegen 
violirter schonawischer Jagdgerechtigkeit" auf dem Schlosse in Haft gebracht 
und erst „auf vorpitt verschiedener benachbarten edelleuten nach aus- 
geschworener urfehde aus gnaden relaxirt". Ein Aachener wurde 1687 
dieses Verbrechens wegen sogar in Eisen gelegt und musste seine Flinte 
mit 3 Thaler auslösen. Und gerade wegen der Jagdgerechtigkeit führte 
der Streit zwischen Heiden und Schönau zu Auftritten von unglaublicher 
Roheit. Ein Herr von Leerode beorderte als Mitherr zur Heiden einen 
Haufen Gesindel, darunter „einen salva venia Schweineschneider und einen, 
der sich für einen Tiroler ausgibt", um den jagenden Herrn von Blanche 
mit seinen Vettern und einem Landleutenant aus dem Amte Brüggen zu 
überfallen. Die Herren Hessen sich wirklich von den Kerlen entwaffnen, 
schlagen und verwunden. Dafür forderten sie aber auch als Schadenersatz 
10000 bezw. 5000 und 4000 Dukaten und der Landleutenant, dem ein 
Arm lahm geschlagen worden war, ausserdem eine jährliche Rente von 
100 Dukaten. Das Gericht in Düsseldorf nahm freilich die Sache nicht 
so hoch; es verurteilte Leerode zu 50 Thaler fiskalische Brücht, 100 Thaler 
Civilentschädigung für die vier Verwundeten, zur Tragung aller Kur- und 
Prozesskosten, sowie zur Erstattung der Flinten und Jagdtaschen. 

f. Das Münzrecht, welches Kaiser Albert dem Ritter Gerard verbriefte, 
hat — soviel bekannt — nur einer der Herren von Schönau ausgeübt, nämlich 
Dietrich von Mylendunek, welcher 1522 in den Besitz Schönaus gelangte. 
Kräftig bemüht, alle seine Rechte wie auch sein Gebiet zu wahren und 
gegen die Eingriffe der Heidener zu schützen, hat er wohl auch seine 
Münzen nur zu dem Zweck schlagen lassen, damit dieses Recht nicht ver- 
gessen werde. In den spätem Latenweistümern ist denn auch häufig Rede 
von den durch Dieterich geprägten Geldstücken, welche ältere Laten gesehen 
zu haben versichern. Ob Kraft von Mylendunek nicht wenigstens den 
Versuch gemacht hat, Schönauer .Münze anfertigen zu lassen? Das lasst 
sich zwar nicht beweisen aber doch vermuten aus einem der vielen Klage- 
punkte, welche Wilhelm von dem Bongart vor dem Herzog von Jülich 
gegen ihn vorbrachte. Es heisst nämlich in der Beschwerdeschrift, Kraft 
habe sich auch durch „vergleitung und aut'haltung von falschmünzern" 
gegen seiner Fürstlichen Gnaden und des H. R. Reichs Ordnungen vergangen. 
Der Mylenduncker weist freilich diese Anschuldigung entschieden zurück 



— 23 — 

und sagt, er habe nur einigen Handwerksgesellen die Erlaubnis gegeben, 
ihr Handwerk auszuüben und sich dadurch ehrlich zu ernähren. 

Sicher aber ist, dass Johann Gottfried von Blanche allen Ernstes 
daran dachte, das Scliönauer Münzrecht wiederum zur Geltung zu bringen. 
Er teilte dein Kurfürsten von Köln als einem der Direktoren des Nieder- 
rheinisch Westphälischen Kreises unter dem 7. Januar 1756 mit, dass er 
sich zur Aufrechthaltung des regalis cudendae monetae 1 habe entschliessen 
müssen, einige Münzsorten nach des H. R. Reichs Ordnung und der benach- 
barten Münzherren Fuss prägen zu lassen. Aber bereits am 22. Januar 
machte Herr von Reuschenberg, der diese Angelegenheit in Bonn betreiben 
sollte, dem Herrn von Blanche, die Mitteilung, einer der Bonner Herren 
habe ihm gesagt: „es wäre für ewr. hochwohlgeboren zu wünschen, dass 
sie solches ins monetandi 2 in jüngeren Zeiten ausgeübt hätten, als dass sie 
solches erst nach einem so langen zeitverlauf durch alte dokumenten sich 
anmassen wolten; ich besorge allein, dass ewr. hochwohlgeboren dabei 
contradiktion und verdruss leiden". Herr von Blanche ging nun zwar 
ungesäumt mit der Ausgabe der von ihm neugeprägten Vierhellerstücke 
vor, aber sofort zeigte sich auch die „contradiktion". Der Aachener Rat 
verbot die „schonawische bauschen" unter Strafe von 3 Goldgulden toties 
quoties 3 und liess das Verbot sowohl an den Stadtthoren anschlagen, als 
auch durch die Pfortenwächter in den Häusern verkündigen. Damit war 
der Versuch gescheitert. 

4. Sonstige Rechte und Güter der Herren von Schönau. 

a. Es versteht sich von selbst, dass Schönau als ehemaliger Haupt lud' 
seinen Anteil an der Almende des pfalzgräflichen Allods Richterich hatte. 
Die Lehenleute und Laten erklärten denn auch im Jahre 1491 auf die 
Frage ihres Schultheissen, „ob sie einige gerech tigkeit auf dem walde 4 
hätten, wann echer 5 wüchsen, und ob sie auch einige sehwein darauf schlagen 
mögen?: dass sie von ihrem gedenken alle zeit, wann echer wüchsen, nach 
gelegenheit ihre schweine aufm walde haben mögen schlagen ohne etwas 
davon zu geben, und ihrer keinem ist kundig, dass sie jemals gehöret oder 
von ihren eiteren vernomen noch in ihrem leben gesehen oder gehöret haben, 
dass jemand von alsolchen Schweinen gelt oder Schätzung erfordert geheischen 
oder gegeben hat, dan sie allezeit von menschen gedenken hcro die freiheit 
besessen haben davon nichts zu geben; wiewohl nun in drei oder vier jähren 
die juffer von der Heiden 6 jedes schwein geschätzel und in gelt gesetzet 
und die alte gute gewonheit herkomen und unverbrüchliche uralte gehabte 



! ) des Rechtes Geld zu schlagen. 
-) Reehl der Münzpräge. 
r> ) für jeden einzelnen Fall. 
4 ) dem Gemeindebusch. 
b ) Eicheln und Buchecker. 
'') Maria von Bierode. 



— 24 — 

freiheit der lehenleuten und laten von Schoiiawen aufgehoben und gebäret 1 
hat." Wie seine Lehenleute, so klagte auch Kraft von Mylendunck selbst 
1508 gegen die Frau zur Heiden vor dem Herzog von Jülich, dass sie 
„nach irme willen in den gemeinen busch handele wider recht ind alle 
billigheit". Der Sohn und Nachfolger der Maria, Werner von Schönrode, 
scheint diese Klagen abgestellt zu haben; sein Schreiben vom Jahre 1524 
sagt ja ausdrücklich, dass „die byde herlichkeiten Schonawen und Heiden 
sullen ein wie die andere berechtigt syn inde bliven up den gemeinen busch" 2 . 
Dass insbesondere der Hof zu Schünau noch in späterer Zeit an der ganzen 
Almende beteiligt war, zeigt eine Erklärung der Halbwinnerin vom Jahre 
1567: Wilhelm von dem Bongart als Herr zur Heiden habe ihr geboten, 
„so hoch der her zu gebeden 3 ", sich der Hofgüter mit samt der Gemeinde 4 
zu enthalten, bis sie ihm die Türkensteuer erlegt habe. Obwohl nun bisher 
der Herr von Schön au diese Steuer immer erhoben „und in seinen ver- 
ordneten legstellen gebürt" hatte, gab die Pächterin, „um aller bedrangung 
auszuweichen", dem Vogte zu Horbach drei bescheidene Goldgulden, jedoch 
unter der Erklärung, dass sie dadurch der Gerichtsbarkeit ihres Herrn 
nichts vergeben wolle. 

Die Schönauer hielten ihre Berechtigung an der Gemeinde stets auf- 
recht. Noch im Jahre 1758 liess von Blanche in das Begangprotokoll die 
Bemerkung aufnehmen, „der gemeinsame busch sei von den Heidenern arg 
devastirt, fast ruinirt". 

b. Inbezug auf den Zehnten, welcher im Ländchen von der Heiden 
dem Aachener Münsterstifte gehörte, behauptete von Blanche, gestützt auf 
die Aussage der Pächterin, dass ein Teil der Länderei im Schönauer Felde, 
sowie zwei Stücke, „der Lahn" genannt, zehntfrei seien, dass von dem 
übrigen Lande die elfte Garbe 5 gezelmtet werde, dass 10 Garben Winter- 
frucht und 10 Garben Hafer den Schönauer Bedienten überlassen, Zehnt- 
stroh und Kave aber dem Hofe zurückgegeben werden müssten, während 
von gelben und weissen Rüben, von Klee, Kappus, Hanf, Flachs, Heu, 
sowie von andern grün abgeschnittenen und verfütterten Kräutern dem 
Kapitel nicht der geringste Zehnte verabreicht werde. 

c. Im Jahre 1737 vermass der Landmesser Spiertz folgende zum Hause 
Schönau gehörige Stücke: 1. den Hausweier, der rings um das Schloss und 
den Vorhof gelegen ist; 2. den Mevendrischweier (600 Ruten); 3. den 
Lcimweier (80 R.); 4. den Broichweier (400 R.); 5. den Baltusenweier 
(17 R.), das Langweierchen (ll 1 / 2 R.), das runde Pfühlchen (2 R.), das 
l't'iitzweieiclion (5 R. 4 Fuss), den Pfützpfühl (12 R.); 6. das Feld, der 
Lahn genannt, und die Wiese, Pesch genannt (16 Morgen 50 R.); 7. den 

') an sich gezogen. 

-) Qu ix, Schönau S. 9. 

i bei der höchsten Strafe, die er verhängen konnte. 
4 ) Almende. 

i Der Herrenhof des Grafen Hezelo gah dagegen sogar doppelten Zehnten. 



— 25 - 

Plattenbend (8 1 /.! M.); 8. den Kahlingsbend (5 M. weniger 1 R.), das 
Kesselsbendchen (177 R.); 9- den Jungenbusch vor dem Schlosse gelegen, 
in dem Eichen und Buchen standen. Die Mylenduncker sollen die Bäume 
abgehauen und verkauft haben; der alte Blanche Hess die letzten fällen 
und für den Aufbau des Hauses Schönau zurechtmachen, jedoch wurde das 
Holz von brandenburgisclien Volontärs verbrannt. Darauf bepflanzte man 
den Boden — 6 Morgen 61 Ruten — mit 961 Bäumen: es kam also auf 
eine Rute ein Baum. 

d. Der in der Vorburg gelegene Hof von Schönau war nach den 
vorliegenden Nachrichten stets verpachtet und zwar lange Zeit an die 
Rentmeister bezw. Schultheissen. Es wird nicht ohne Interesse sein, das 
Urteil zu hören, welches ein Mylendunck, der Herr von Goer und Fronen- 
broch, gelegentlich einer Erbteilung im Jahre 1579 über den Wert der 
Besitzung fällte. „Item zu Schonawen ist kalk und stein ganz wolfeil 1 , 
und nette mein broder herr zu Meiderich bei seinen lebzeiten mit 4000 
daler an den zweien orteren so schone heuser bauwen kunnen, als ich zu 
Goer und Fronenbroch mit 14 000 daler. Item zo Schonawen kan man 
um 4 daler so viel kalen 2 kaufen, als einer von uns zu seiner haushaltung 
soll bedürfen. Item die 15 morgen lants, so mein broder seliger der 
schultessinen zu Schonawen verkauft, jeder for 50 Daler, welches mir halb 
zukomt. Zu gedenken, Schonawen hat ungeferlich anderthalb hundert 
morgen lants und mag ein morgen von den besten 75 daler gel den: so 
hoch kan das lant zu Fronenbroch nit angeschlagen werden, dan das ist 
lehen, Schonawen aber allodial. Noch zu gedenken, die fischerei zu Schonawen 
ist nit gerechnet. Item den bungart hinder des Schultessen haus, welchen 
meine neffen selbst 20 daler werden schetzen jarlichs. Item der acker 
zu Schonawen mus auch angezogen werden". 

Die Rechnung von 1567 verzeichnet in den Einnahmen: „von dem 
hove zu Schonawen an roggen 60 müd, 1 müd weiss, 6 müd haberen"; die 
Rechnung von 1571 fügt noch hinzu: „. . . item an schrimpkorn 1 malter 
roggen". Wahrscheinlich ist hiermit der damalige Pachtbetrag in Fruchl 
angegeben. Im Jahre 1584 heisst es: „Item gab ich von dem hof zu 
Schonawen geltpacht 50 daler, jeden ad 52 albus facit 108 gülden 8 albus". 

Im folgenden gebe ich die noch vorhandenen Pachtverträge der 
Zeitfolge nach. 1596 April 18. verpachteten die Brüder Kraft und 

Baltasar von Mylendunck den Hol' an Paulus Breem und Ligen, dessen 
Hausfrau, auf 12 Jahre (mit beiderseitigem halbjährigen Kündigungsrecht 
nach 6 Jahren) für 48 Müd Roggen oder 40 Müd Roggen und 1<; Müd 
Hafer :i , 4 Müd Weizen', 8 Müd Hafer, '/., Müd Erbsen; diese Frucht ist 



1 ) Ganz in der Nähe, auf dem Vetschetcr Berge, winden Stein«' gebrochen und Kalk 
gebrannt. 

2 ) Kulileu. 

3 ) Hafer galt also nur die Hälfte des Roggens. 

4 ) Es wurde also viel weniger Weizen als Roggen und Safer gezogen. 



— 26 — 

in guter, reiner, trockener „marktgever" Ware in Aachen abzuliefern. 
Ferner zahlen die Pächter 50 Thaler vom Graswachs und 20 Thaler „von 
dem breiden, vor dem haus verlandten weier" und geben „vor Heffenis" 
jährlich 6 Pfund Zucker. 1 Pfund Pfeffer, 1 Pfund „genffers" 1 , 6 Kapaune, 
2 gute fette Gänse, 2 Verken „ausser der stuppelen oder ein fettes dafür 
zu der herren chuir" 2 , einen fetten Hammel, ein Lamm, „hondert markt- 
oder grosse" Pfund Butter - die im Mai geliefert werden mussten — 30 
gute harte getrocknete Käse, 10 Quart Rüböl, 100 Eier, auch Milch und 
1 »Milien nach Bedarf der Küche. Ausserdem liefert der Pächter Häcksel 
und Stroh für die Pferde der Herren, fährt die nötigen Kohlen zu, wofür 
er von jeder Fracht ein Fass Hafer für die Pferde erhält, und holt das 
Heu aus dem Cardiansbend. Auf das gepachtete Land muss er jährlich 
20 Wagen Mergel und 7 Karren Kalk fahren; das beaufsichtigen der Herren 
Diener. „Item es soll der halfen schuldig sein, dero hern kalkuitschen 
hönern 3 die weide zu vergennen, noch keine douben der halfen zu halten 
macht haben." Bei Hagelschlag und Missvachs wird der Pächter gehalten 
wie andere Halfen; geschieht Schade „durch hernkraft 4 ", so wird das 
abgeschätzt und trifft die Herren zu zwei, die Pächter zu einem Drittel. 
Als Zeugen unterzeichneten Goddart von Keverberg genannt Meven und 
Johan von Utwich. 

Als Adolf von Hillensberg und seine Frau Anna Maria von Mylen- 
dunck 1663 den Hof wiederum auf 12 Jahre verpachteten, gaben sie den- 
selben auf Halbgewinn nicht bloss von den Fruchtarten, sondern auch von 
den Kühen, Schweinen und Schafen. Ausserdem forderten sie 145 Thaler 
„vihezugt", 40 Thaler als trockenen 5 Weinkauf, für mefrau einen Rosenobel 
und zu Neujahr 6 Pfund Zucker, 8 Pfund Zinn, 1 Pfund Pfeffer, 1 Pfund 
„imber 6 " und : / 2 Pfund Nägel 7 . Vermutlich haben die Verpächter dem 
Halbwinner eine Anzahl Vieh in die Wirtschaft gegeben, daher der Halb- 
gewinn auch am Vieh. 

Ein ähnlicher Vertrag wurde 1712 zwischen dem alten Herrn von 
Blanche und dem Freiherrn von Reuschenberg zu Berensberg geschlossen, 
aber da lauten die Bedingungen ganz anders. Reuschenberg sollte gegen 
Vorgabe von drei Morgen die Schönauer Länderei bebauen und besäen und 
dann mit Blanche die Frucht teilen. Weil Blanche bereits im folgenden 
Jahre durch einen Mylendunck aus dem Besitze von Schönau gesetzt wurde, 
konnte der Vertrag nicht gehalten werden, und Reuschenberg erlitt einen 
Schaden von 160 Thaler. Zum Ersatz überliess man dem Sohne und Erben 
Reuschenbergs die Gegenstände, welche Blanche beim Abzüge dem Berens- 
1 lerger übergeben hatte : Kalesche, Wagen, Karren, Gewehr und mehrere Geräte. 

1726 August 7. verpachtete Johan Gottfried von Blanche „das kaiserlich 
freie reichshaus Schönau samt gehücht, schewr und stallung wie auch die 



') Ingwer. '-') Wahl. 8 ) Truthähner. ') Krieg-, Fehde. 5 ) Dessen Betrag nicht 
von den Parteien verzehrt, sondern vom Verpächter bezw. Verkäufer zürn eigenen Nutzen 
verwendel wird. 6 ) [ngwer. 7 ) Gewürznelken. 



— 27 — 

weide, den pützdriesch genant, den newen bend, den Jungenbusch, kalber- 
weid und die halbscheid der weide, den pesch genant, sodan den kalings- 
weier mit umliegenden dämen, item das schönauer feld, jedoch die länderei, 
so Carl 1 und Johan Hecker hieraus oben negst der richtericher heiden jezo 
einhaben ausgeschieden, und imgleichen drei theil des gartens vor Schonauer- 
pforten gelegen und endlich die um den schönauer weiern liegende däme a 
für 550 Thaler ä 26 Mark aix. Blanche behielt sich vor den Sal, den 
neuen Bau, den Platz samt daselbst stehendem Gefach, den hintersten 
Keller, den vierten Teil des Gartens, das halbe Obst, die Ausfütterung 
von jährlich drei Kühen und sechs Schafen, drei Kohlenfuhren nach Aachen 
und drei nach Schönau. 

§ 14 des Vertrages lautet: „Solle pfächter bei exemplarischer straf, 
so sich der herr zu Schönau vorbehaltet, keine fruchten in der heidnischen 
mühl mahlen lassen, auch dem haus Heiden in keine wege gehorsam leisten." 

Diese Bedingung fehlt selbstverständlich in der Verpachtung vom 
13. März 1760, welche die beiden Brüder von Blanche während ihrer Haft zu 
Jülich thätigten. Als Gegenstand der Verpachtung sind genannt: der Pfütz- 
driesch (Punderichs), die Kälberwiese, der oberste und unterste Pesch, der 
Kahlingsbend und Weier, der Plattebend, der Kessels-, Bischofs- und 
Pflaumenbend zusammen etwa 50^2 Morgen; sodann das Schönauer Feld 
und das Feld im Lahn. Der Pachtpreis betrug 350 Thaler ä 9 Gulden 
aix. Wenn die Brüder wieder auf Schönau wohnen, muss der Pächter den 
halben Garten, die neue Weide, den Morgen im Busch abtreten, das halbe 
Obst geben, Mist und Brand fahren, zwei Kühe und ein Rind ausfüttern, 
drei Fass Wintersamen, ein fettes Kalb, ein Lamm und ein Faselschwein 
liefern, zahlt dann aber nur 310 Thaler. Am folgenden Tage übernahm 
der Pächter noch 7 Morgen im Kalingsbend, 7 Morgen im Richtericher 
Feld an der Harburger Dell, 7 Morgen am Heiligenhäuschen (zwischen 
Richterich und Horbach) und 7 Morgen im Hotzerfeld für einen jährlichen 
Pacht von 133 Thaler ä 26 Mark aix oder 64 Reichsthaler und 2 Mark. 
Diesen Vertrag unterschrieb auch der Vogtmajor Hauzeur, der in den 
Jahren 1760 — 1762 kurfürstlicher Verwalter von Schönau war. 

Der Pächter hat keine guten Geschäfte gemacht. 176S war er den 
Blanche 164 Thaler 28 Mark 2 Bauschen Pacht schuldig und musste dafür 
dem Herrn vier Kühe im Gesamtwert von 80 Thaler, ein Pferd ad 31 Thaler, 
einen Branntweinskessel ad 35 Thaler 28 Mark 2 Bauschen und eine Sau 
ad 18 Thaler überlassen. 

e. Ueber den Hof Neulaiit. welcher ebenfalls zu Schönau gehörte, 
muss ich mich wegen mangelnder Nachrichten kürzer fassen. Derselbe lag 
in der Bank Kirchrath, Landes Herzogenrath, und war ein Lathof mit 
einer Latenbank. Die Gerechtsame desselben bestanden in 12 Mini Roggen, 
3 Müd Hafer, 17 Kapaunen, 12 Aachener Gulden, I Hühnern, 3 Zehnt- 



M Carl Hecsjcer hatte eine von Blanche zur Frau. 



— 28 — 

hühnern, 3 Osterbroten und 8 Kurmeden. von Blanche berechnete den 
Ertrag desselben auf 84 Thaler. Auch sagt er, es gehöre zu dem Hofe 
noch ein Latdistrikt, „Schünauer gut" genannt, der zelmtfrei sei und dessen 
umliegende Güter mit 10 Schilling- species vor dem Latherrn bezw. Statt- 
halter und zwei Latschöffen erhoben werden müssten. 

Im Jahre 1600 gaben die Brüder Kraft und Baltasar von Mylendunck 
diesen Hof auf ewige Wiederlöse dem Leonard Kanen für 1200 Reichsthaler 
und bevollmächtigten den Goedart von Keverberg genannt Meven auf Rath 1 , 
das Gut dem Kanen vor dem Manngerichte zu Herzogenrath zu übertragen. 
Schon zwei Jahre nachher gab Baltasar Neulant an Andreas Vroen auf 
ewige Wiederlöse für 1600 Reichsthaler, von welcher Summe ihm selbst 400, 
dem Kamen aber 1200 Reichsthaler ausgezahlt wurden. 

5. Die Uebernahme der Herrschaft. 

Die Besitzergreifung der Herrschaft Schönau durch einen neuen Herrn 
erfolgte unter einer Reihe von sinnbildlichen Handlungen. Manche derselben 
sind allgemein üblich gewesen und wurden auch beim Antreten bürgerlicher 
Immobilien angewendet. Dahin gehören „aufnehmung der erd vom acker 
die lahn genant, ausstechung der watzen in dem bungart der pützdriesch 
genant, abbrechung der zweig im grossen garten der vorm haus gelegen, 
Schöpfung des wassers aus dem hausweier. fassung des klöppeis der vordersten, 
auch der ersten, zweiten, dritten pforte des vorhofs und des hauses Schönau 
und stochung des feuers auf salert", wozu bei einer andern Gelegenheit 
noch „aufschürzung und niederlasung des heels 2 in der küche" erwähnt wird. 
Alle diese Handlungen sollten nur andeuten, dass der, welcher sie vornahm, 
der wirkliche Herr des Hauses und Hofes war. 

Einige andere Gebräuche, welche der neue Besitzer beobachtete, hatten 
dagegen den Zweck, die Eigenschaft Schönaus als eines Sonnenlehens, als 
einer ganz freien und unabhängigen Herrschaft darzuthun. Dazu gehört 
das Auswerfen von Gold- und Silbermünzen gegen die Sonne, wobei die 
linke Hand auf das Seitengewehr gelegt wurde. 

Die Lehen, besonders auch die im Ländchen von der Heiden gelegenen, 
wurden vor dem Lehenhofe mit Gold und Silber empfangen: wenn nun der 
neue Herr von Schönau Gold und Silber gegen die Sonne wirft, so drückt 
er durch diese Handlung den Gedanken aus, welchen das älteste Schönauer 
Latenweistum mit den Worten ausspricht: „man en held die guede van 
nieraande, dan van onsen heren Gode ind siner liever moder". Gott der 
Herr hat ja nach den Worten des 18. Psalms „in der Sonne sein Zelt auf- 
geschlagen" und die Gottesmutter Maria kannte das Mittelalter aus dem 
12. Kapitel der Geheimen Offenbarung als das „mit der Sonne bekleidete 
Weib". Und wenn der Besitzergreifende dabei die Hand in die linke Seite 



*) Rahe in der Soers. 

') Kesselhaken über dem Herdfeuer. 



— 29 — 

legt, wo er seine Waffe trug, so heisst das nichts anderes, als dass er 
bereit sei, den ihm von Gott gewordenen Besitz gegen jeden Angriff zu 
verteidigen. 

Sodann wurde den Unterthanen der Eid vorgelesen. „Ihr X. X. sollt 
globen und schwören zu Gott, dem hochwohlgebornen herrn X. N. als herrn 
hierselbst zu Schonaw trew holt und gewärtig zu sein, ärgstes zu warnen 
und bestes zu fördern." Der Schwörende erhob die Hand und sprach: 
„Was mir anitzo ist vorgelesen worden und ich wohl verstanden habe, 
solchem will ich also nachkommen, so wahr mir Gott helfe und sein 
h. evangelium." 

Die Feier fand gewöhnlich zu Schönau auf der grossen Brücke statt. 
So befiehlt Dietrich von Mylendunck 1521 seinem Schultheissen, dem Gerichte 
„zo gebeiden der huldonge ind eide na, sy mir als urem heren zu Schoenauen 
gedain hont op die groise bruiche . . .". 

Als Gothard von Mylendunck am 8. August 1574 die Huldigung ent- 
gegennahm, gab er den Unterthanen ein Ohm Bier und „etlich brod und 
keis darzo, kost zusamen 4 x / 2 gülden". Bier, Brot und Käse war das 
Gericht, welches der Herr zu Schönau den Unterthanen geben musste, so 
oft sie Frondienste für ihn leisteten. Das älteste Weistum sagt darüber: 
„Item of dat herrschaf zo Schonowen vyant hedde, so moissen die loessen, 
alle avents zween, zo Schonowen wachen, ein yegelich sokle man geven 
ein pott biers, ein par micken 1 ind ein stück kees darup. Item wer't sach, 
dat men ouch um vyenschaf dat ys 2 houwen muss, so soulde men ouch den 
laessen kees brot ind bier geven. " 

Die Rechnung von 1590/91 sagt: „Item bei Guussen im beer verzert 
worden als mynher zu Schönaw gehult worden ... 22 gülden." Verglichen 
mit der Huldigung von 1574, die nur 4}j 2 Gulden kostete, muss das eine 
grossartige Feier gewesen sein; man hat sie wohl im Bär gehalten, um 
den Heidenern durch die That zu zeigen, dass Grünenthal, wo der Bär 
lag, zum Schönauer Gebiet gehöre. 

6. Das Schloss Schönau. Ein Inventar. 

Über die baulichen Verhältnisse des pfalzgräfiiclion Ilerrenhofes wissen 
wir aus Urkunden nichts, wir können nur vermuten, dass derselbe nach 
den Vorschriften des Gesetzes über die Königshöfe eingerichtet gewesen ist. 

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts gab es schon eine Burg Schönau; 
im Jahre 1280 wurde ja daselbst der bekannte Friede zwischen der Gräfin 
von Jülich und der Stadt Aachen abgeschlossen. Diese Burg haben wir 
uns dann ähnlich vorzustellen, wie sich jetzt noch die in Trümmer liegenden 
Burgen von Heiden, Wilhelmstein und Schönforst zeigen; auch können die 
ältesten Teile des Soerserhauses zum Vergleiche herangezogen weiden. 
Da war ein mächtiger Turm, der Bergfried oder Donjon, welcher als 

'i Weissbrote. 
2 ) Eis. 



— 30 — 

Wohnung für die herrschaftliche Familie diente und an den sich die 
Wohnungen für die Diener und die Wirtschaftsräume anschlössen. Das 
Ganze umgaben breite Wassergräben und hohe Mauern, an deren Ecken 
runde oder eckige Türme die Verteidigungsfähigkeit erhöhten. 

Im Jahre 1488 schloss Kraft von Mylendunck einen Vertrag mit dem 
Zimmermeister Johan Poeghen, laut welchem letzterer auf den Turm von 
Schünau eine neue, 60 Fuss hohe Kappe setzen sollte nebst Erkern an den 
Ecken mit drei oder vier Fenstern. Auch wurde die Scheune auf dem 
Hofe wiederhergestellt. Kraft lieferte das Holz und die Geräte, gab dem 
Meister und dessen Knechten die Kost beim Halbwinner und zahlte, wenn 
alles fertig war, 80 rheinische Gulden ä 6 Aachener Mark, 3 Müd Roggen 
und 3 Tonnen Bier. Beim Abschlüsse des Vertrages waren zugegen Wolter 
von Bilsen, Kanonikus und Vizedom der Liebfrauenkirche zu Aachen 1 ; 
Johan von Palant, Herr zu Wildenburg und Drost zu Herzogenrath und 
Wilhelmstein; Johan von Hambach, Vogt von Wilhelmstein. 

D.ie Wohnung im Donjon mit ihren in drei oder vier Stockwerken 
liegenden Räumen, zu denen man nur auf engen und steilen Wendeltreppen 
gelangen konnte, wurde den spätem Geschlechtern zu unbequem. Die 
Schönauer des 16. Jahrhunderts erbauten sich ein neues Herrenhaus. Eine 
Rentmeisterrechnung aus dem Jahre 1566 zeigt den Posten: „Zu Schonaw 
auf das new haus ein dachdecker gestuppt 2 dag, jeden dags VIII albus." 
Und im folgenden Jahre heisst es: „Item als sich das new haus zu Schonaw 
ein wenig ersezt, hab ich ime zu steur legen lassen vier ankeren, jeden 
XI albus." 

Der Wachtturm des Hauses wurde von den Wächtern „Savels Jan 
thurm" genannt; warum, ist nicht gesagt. 

Aus einem Briefe des Baltasar von Mylendunck vom Jahre 1624 erhellt, 
dass damals wieder Reparaturen am Hause nötig waren. Er schreibt seiner 
Tochter, die Mutter solle auf dem Vetscher Berg drei Wagen Giundsteine 
bestellen, um die Fundamente am Burghause auszubessern, und einen 
Pliesterer nehmen, um den Saal zu pliesteren, „dan das stehet gar zu 
schimpflich und zu hesslich"; auch müsste seine Kammer wohl wieder geweisst 
werden. Zuerst aber solle man den Schieferdecker das Dach nachsehen 
lassen, sonst werde das Pliestern nicht viel nutzen. Das neue „gemechsgen" 
solle mau nicht eher weissen lassen, bis er da sei, weil noch ein neuer 
Söller darüber müsse gemacht werden. Glänzend ist es demnach mit dem 
Hause Schünau damals nicht bestellt gewesen. 

Bei den vielen Streitigkeiten über den Besitz der Herrschaft, welche 
mehrmals eine gewaltsame Einnahme des Hauses zur Folge hatten, mussten 
auch die Gebäude viel leiden. Als Isaak Lambert von Blanche sich 1696 
in den Besitz des Gutes setzte, fand er das Haus verwüstet, „fast zerbrochen, 
und über einen häufen gerissen". Kaum hatte er dasselbe durch Zimmerer 

l ) Es ist der oben in I. 1 erwähnte Walter de Blisia; davon, dass er Vizepropst 
gewesen sei, findet sich hei Huusch nichts. 



— 31 — 

und Dachdecker instand setzen lassen, so musste er wieder räumen und 
konnte nachher mit den Herstellungsarbeiten von neuem beginnen. Er hat 
sich aber jedesmal auf das Notwendigste beschränkt. Deshalb begann sein 
Sohn und Nachfolger im Jahre 1732 mit einem vollständigen Neubau, wie 
er sich denn -auch rühmt, das Haus von grund auf herrlich aufgebaut zu 
haben. Sein Werk steht noch heute; der Baumeister hat mit dem alten 
Gemäuer gründlich aufgeräumt, den Donjon zum Treppenhaus umgewandelt 
und die Wohnräume zu beiden Seiten desselben angelegt. 

Es ist mir nur ein Verzeichnis Schönauer Mobilien zu Gesicht gekommen, 
welches zudem aus einer Zeit stammt, in der es mit dem Hause am traurigsten 
aussah. Das mag die übergrosse Dürftigkeit erklären. Bedauerlieh ist, 
dass der Notar über die vorgefundenen Urkunden und Bücher so kurz hinweg- 
geht: jedenfalls hatten diese mehr „uf sich", als die Würste und alten 
Lappen, die er gewissenhaft verzeichnet. Das Inventar lautet: 

„Anno 1696 den 11. mai uf requisition herrn Goddart Kraft, freiherrn 
von Mylendunck, herrn zu Fronenbroch etc. hab ich endsunterschriebener 
kais. offenbarer notarius . . . die ufm haus zu Schonaw nach ergriffener 
possession gefundene mobilia et moventia folgender gestalt trewlich inventari- 
siit und verzeichnet. 

Nemlich. Zween füllen von ungefehr ein jähr, drei ackerpferd, so 
ziemlich alt und zwei fünf ad sechsjährige pferd; 23 stück hornvieh, worunter 
10 kühe klein und gross, das übrige aber rinder und erwachsene kälber, 
wovon einige fremden leuten zugehörig sein sollen, nemlich 5 küh und 
2 rinder, item 7 kälber klein und gross; 4 säw und 2 beren samt 14 kleine 
verklein, 7 vaselverken, ein erwachsene und ein junge geiss und ein bock, 
und einig federvieh von schrauten, hüner und tauben ; 

item 10 viertel speck, 10 hammen und hespen samt einigen belster- 
wurst ad 10 stück, 15 stück geräuchert rindfleisch; 

an roggen 21 malder 5 vass, an hanfsamen 4 vass, weizen 1 malder 
5 vass, flachssam 1 vass, wicken 1 vass, rübsam 1 j 2 vass; 

Better und pullen. Ein gestreift federn bett, ein haubtpull, 2 küssen 
und 2 decken. 

Item ein bettstatt mit gelb behengsel; im saal ein bett mit haubtpull 
und 2 küssen und 2 alte decken. Ein bettstatt mit alt grün behengsel, 
ein alt federn lieft und ein kerb mit federn; 8 altfränkische contrefail 
schildereien. 

Gewehr. Vier gezogene buxen, vorab 2 mit flintenschlössern, 10 flinten 
und musquetten durcheinander, 2 alte stücker von flinten mil anhabenden 
Schlösser, ein Jagdhorn und ein halb tönngen buxenpulver. 

Ein tabaxdoes, dieses ist in einem tafellaken samt unterscheidlichen 
briefschaften, so in einem pulpito gefunden, eingebunden und zupitschirt 
worden mit mein notarii pitschaft. Ein klein rund mil eisen beschlagenes 
kistgen, worin unterscheidliche briefen, so gleichfals zupitschirt wurden. 



— 32 — 

Leinwat. 20 tafellaken gross und klein durcheinander, 12 feine 
servietten, 4 kleine servietten, 12 handtücher, 8 schlechte korbkleider, ein 
klein stück bettzieg von P/2 eilen, 3 stück grob ungebleicht servietten- 
gebild, 3 stein flachs, 2 par grobe laken, noch 2 grosse gebilde tischtücher 
und 2 gebilde handtücher; in einem mit rauhem kalbfell überzogenem korb 
2 hemden und ein kinderwindel, 40 stück klein leinwat, 5 lange hals- 
tüclier, 13 hemden, 12 bündel werken garn, eine quantiteit boddelen garn, 
11 stein hanf. Noch 5 servietten und ein tischkleid in der küche gelegen. 

Einige nicht viel werthe hölzerne dosen und item alte buicher, so 
nit viel uf sich haben; item ein missiven buch von Mylendonkh. 

Holzen werk. Ein altes pultbrett, 2 spinrader, einen vierkantigen 
tisch, noch einen vierkantigen austreckenden tisch samt einer gelb und 
roten tapet, 6 hülzene steul, ein Spiegel, 2 ledige kiste und eine so zu- 
gesiegelt und hern von Blanche Schwester Antonetta zukommen soll; noch 
ein klein kistgen so auch ledig. 

Uf der capellkammer ein klein vierkantig tischgen, noch ein vier- 
kantiger tisch, ein kantenküssen, ein mit eisen beschlagene kist, ein alte 
kist mit allerhand alte brief uf dem söller stehend." (Nun folgen Töpfe 
und Fässer.) 

„61 milchnäpf oder plateelen und ein milchfass und andere melkerei- 
gereitschaft. Ein kochbank in der kuchen, ein sietzsiedel, ein vierkantiger 
tisch, 2 bänk, 2 stuhl." (Dann Tonnen und Melkzeug.) 

„Noch eine alte bettstatt samt altem bett und schlechter decken für 
die mägd. Ein holzene kornmühle. 

Kleider. Ein brauner leibrock von pay mit henskot gefüttert, ein 
greis graw kleid, nemlich rock und kamisol. 

Eisenwerk. 6 eiserne kessel und topfe, 4 lange bratspiesse, löffel, 
röster, pfannen und einen hengel. 

Kupfer. Ein kleiner mörser mit eisernem stösser, 4 gegossene kupferne 
leuchter. ein kleiner kupferner kessel und sieb. 

Zinnenwerk. 6 englisch Zinnteller, 3 grosse und 3 kleine schüsselen, 
13 churzinne teller." 

Auf einem Zimmer, die Stube genannt: „ein bett, haubtpull und 2 
küssen samt 2 wullen und ein leinen decke, ein bettstatt ohne gardinen" 
und einige Frauenkleider nebst Wäsche; „ein hoch schaff mit 2 thüren 
und 2 Schlosser, worin ein weissen frawen sommerrock, ein alte fontange, 
ein tabbert, 2 alte frawen tabberts, noch 2 zinne kümpgens, 10 zinner 
leffeln, ein kupfern lichtputz, ein ronde mit leder überzogene kist, ein klein 
vierkantig tischgen mit bontem tischkleid. 

In der oberkuchen: ein moült, ein stuhl, drei zeinen oder waschkübel. 
Kin par alte pistolen, ein degen mit portepee, noch drei schnaphanen und 
ein feuerrohr, ein holzen wag mit schalen, ein alten rostigen degen mit 
bajonett. Und ist dieses, was sich an mobilion uf besagtem haus zu 

ScIlollilW gefunden." (Fortsetzung folgt.; 



• — 33 — 

Christliche Auslegung einer bösen Karlssage. 

Von B. M. Lersch. 

Die inhaltreiche Abhandlung von Aug. Pauls: „Der Ring der Fastrada" 
mit ihrem gelehrten Apparate im 17. Baude der Zeitschrift des Aachener 
Geschichts-Vereins S. 1 — 73 ist besonders deshalb beachtenswert, weil sie 
den Kern der Sage, wie er sich in den 5 ältesten Formen derselben aus 
dem 13. und 14. Jahrhundert darstellt, von den spätem Zuthaten losschäit, 
insbesondere auch von der vor nicht langer Zeit aufgekommenen Beziehung 
zur Fastrada. Ohne Zweifel mit Recht wird ein Teil dieser Auswüchse 
auf abergläubische Vorstellungen zurückgeführt, deren Entstehen weit vor 
der karolingischen Zeit liegt; es sind dies namentlich die vielen altou Sagen 
über einen Liebeszauber, der auch nach dem Tode der Geliehen nicht 
erlischt. Interessant ist ferner die Herkunft eines Zaubersteines von der 
Schlange, welcher der Kaiser, als sie mit der Kröte in Streit lag, Recht 
gesprochen hatte, eine schon bei Theodosius vorkommende Sage, die dort 
mit der Wiederkehr der Sehkraft des erblindeten Monarchen in Verbindung 
gebracht wird, wogegen nach der aus Zürich stammenden Erzählung der 
kostbare Stein, den ein grosser Wurm aus Dankbarkeit Karl überliess, 
Ursache eines schlimmen Zaubers ward. So lange er nämlich im Besitze 
einer Gemahlin des Königs war, erwies er sich als ein böses Philtrum, und 
im Munde der Gestorbenen ruhend, fesselte er das Herz des Gemahls 
derart, dass er die einbalsamierte Leiche 18 Jahre mit sich herumführte, 
bis ein Ritter den Stein aus dem Munde entfernte und zu Aachen in einen 
Sumpf bei einer warmen Quelle warf: „in locum [quendam uligunosum ad 
fontem calidum", worauf dann die Liebe des Königs auf die Aachener Gegend 
überging und Veranlassung zur Gründung der Stadt und zur Erbauung 
des Münsters wurde, wie der ähnliche Vorgang früher zur Erbauung einer 
Kirche in Zürich. 

Enelkens Weltbuch bringt die Sage, ohne der Herkunft und der 
Beschaffenheit des im Munde der Leiche vom Bischöfe gefundenen Zauber- 
mittels zu gedenken; ebensowenig thut dies die Leydener Handschrift, nach 
welcher Karl in eine Zauberin oder Nymphe, die nur bei Anwesenheit 
des Königs Leben zeigte, verliebt war, bis ein Sonnenstrahl ihm das der 
Zunge angewachsene Goldkorn, granum auri, offenbarte, nach dessen Ent- 
fernung sie nicht mehr erwachte 1 . Nach dem Gedichte Karl Meinet war 
es aber ein im Haare verborgenes Ringelchen (vingeryn), was Karl nicht 
von der Leiche wegliess, bis es entfernt wurde; als dasselbe in ein tiefes Broch 
bei der einsamen Granusburg geworfen worden war, ging seine Neigung auf 
Aachen über, wo er dann das Münster zu V. L. Frauen Ehre baute. 
Ahnlich lautet die Erzählung, welche Petrarca zu Aachen schritt lieh ver- 

l ) Auch andere Zaubersteine zeigten, unter die Zunge gelegt, ihre Krall. ..Ihaeniae 
ex oeulis hyaenae, si eredimus, Linguae hominis subditae futura praedicere dieuntur." Plinii 
Hist. nat. H7, c. 10. 



— 34 — 

zeichnet fand; hier war es eine Gemme 1 in einem kleinen Ringelchen 
unter der Zunge der einbalsamierten Leiche eines Weibsbildes, weches ein 
Kölner Bischof entdeckte und in den Schlund eines naheliegenden Sumpfes 
warf, inmitten dessen darauf der vom Liebeszauber befreite Herrscher auf 
mächtigen Steinmassen mit grossen Kosten den Palast und den Tempel 
erbaute, da Aachen jetzt der Lieblingssitz des Königs wurde. Auch die 
Kölner Chronik weiss von dem „rinck mit eyme kostel gesteyn dair lach 
in syne puyll", welchem Aachen sein Rathaus und sein Münster zu ver- 
danken hat. 

Wahrscheinlich hat eine ähnliche Sage schon zu Zeiten der Römer 
bestanden. Ich will damit nicht sagen, dass der Römer, der zum ersten 
Male Aquis granum ausrief, Kunde von einem dort ruhenden Zauberkorn 
hatte; auch möchte ich nicht mit Klinkenberg (Zeitschr. des Aach. Geschichts- 
Vereins, Bd. XIV, S. 1 u. ff.) in der Grana eine Erdgöttin Sirona wiederfinden, 
da diese doch wohl den Mond vorstellte, oder mit Seybert im Edelstein einen 
in Indien sprichwörtlichen Schlangenstein, den die Gewitterschlange im 
Kopfe trägt und dann mit Pauls vom Donnergotte Thor und dessen Blitzen 
die Sage ableiten, wobei der Edelstein, von dessen Glanz kein Wort spricht, 
die nach dem Gewitter strahlende Sonne und zugleich das spärlich leuchtende 
verborgene Goldkorn den goldenen Erntesegen bedeuten soll. Immerhin 
deutet die Schlange auf römisch-heidnischen Ursprung der Sage. Die von 
Epidauros herübergebrachte Schlange wurde, wie wir bei Plinius lesen, als 
Haustier gepflegt, und eine im Süden vorkommende Sehlange wurde an 
rheinische Thermen verpflanzt 2 . Es is*t zudem die Schlange nicht ohne 
Beziehung zum Quellgotte Apollo, der sie mit seinen Pfeilen verfolgte 
Selbst die Basilisken-Schlange der Pyrenäischen Provinz, in welcher der 
Sonnenquell 4 war, könnte für diese Beziehung angeführt werden. 

Wenn nun auch die heidnische Grundlage in unserer Sage nicht zu 
verkennen ist, so liegt in derselben doch auch eine christliche Idee aus- 
gesprochen. Zunächst kehrt in den schriftlichen Aufzeichnungen aus dem 
13. und 14. Jahrhundert der Gedanke beständig wieder, dass vor der 
Erbauung des Münsters ein unerklärlicher Zauber den Sinn des Herrschers 
gefangen hielt, der sich in der unsinnigsten Weise, ja in höchst sündhafter 
Art der Liebesbeweise kund that. Die Legende von einer Sünde, die Karl 
nicht beichten wollte, die ihm aber durch einen vom Himmel wunderbar 
gekommenen Gnadenbrief erlassen wurde, hat man im Mittelalter selbst 
in einem Relief des Karlsschreines zu verewigen nicht gescheut. Jeden- 
falls war diese Sünde keine andere, als die von der Sage ausgesponnene, 
für den Frommsinn Karls unbegreifliche und nach den wirklichen Ver- 



') Diese erinnert au die .Sonnengeminen der Magier. (Plin. H. n. 37, c. 10.) 
2 ) Ehemals hatte man öfters auch hier Gelegenheit, am Abflüsse des mit Thermal- 
wasser vermischten Wurmbaches Schlangen zu sehen. 
; i IM in ins, Hist. nat. 34, c. 8. 
4 ) Plinius, llist. nat. 8, c. 21. 



• — 35 — 

hältnissen unmögliche. Die Liebe Karls galt einer Persönlichkeit, unter 
welcher man sich keine andere als Aachen vorzustellen hat, das nur bei 
seiner Anwesenheit Leben zeigte, von ihm verlassen, wie tot dalag-; sie galt 
einer Nymphe, selbst nach ihrem Tode und trotz des Fäulnisgeruches, als 
welche man mjr die Nymphe der warmen Wässer nehmen kann, deren obschon 
unangenehm riechende Dämpfe ihn ergötzten. Die Thermen lagen damals 
verödet, die Bäder in Ruinen. Wie zu Pipins Zeiten, hauste ein böser 
Dämon darin, von dessen Treiben auch noch eine viel spätere Nachricht 
etwas zu erzählen weiss. Die ganze heidnische Anlage musste in den 
Augen eines Christen, bevor sie in christicher Weise geweiht worden, nicht 
unbedenklich sein. Wenn nun aber Karl diese Bäder erneuerte und ihnen 
seine ganze 'Neigung- zuwandte, so mochte ihm und Andern diese Anhäng- 
lichkeit an die von Heiden vielgebrauchten Quellen zeitweise als ein Ver- 
gehen, ja als grosse Sünde erscheinen, worüber dann eine himmlische 
Erleuchtung (der Sonnenstrahl) Aufklärung und wovon der Bischof ihm 
Befreiung brachte. In dieser Beziehung wird die Legende, die meist mit 
der Nachricht von der Erbauung des Münsters, wodurch Aachen der Mutter- 
gottes gewidmet wurde, schliefst, bedeutungsvoll. Es war dies ein Sühne-Akt, 
aus dessen Grossartigkeit die Nachwelt auf eine vorhergegangene grosse 
Sünde schloss. 



Über das Zusammenleben (vita communis) der Stiftsgeistlich- 
keit zur Zeit der Karolinger. 

Von H. Schnock. 

Das Streben Einzelner nach einer höhern, als der unbedingt not- 
wendigen christlichen Vollkommenheit reicht bis in die ersten Anfänge der 
Kirche zurück. Es ist begründet in dem Wesen der christlichen Religion, 
die neben den strikten Geboten auch der Freiheit überlassene Räte ihren 
Bekennern vorlegt. Unter den ersten, welche sich in Befolgung der 
evangelischen Räte versuchten, nennt uns die Kirchengeschichte die Asceten, 
deren Entstehung in das zweite Jahrhundert fällt, Mitten in der Familie 
und bürgerlichen Gemeinde, ohne mit den Sitten und Gebräuchen des Alltags- 
Lebens zu brechen, übten sie ihre strenge, ascetische Lebensweise. Ans 
jenen Christen sodann, die sich zur Zeit der blutigen Verfolgung unter 
dem römischen Kaiser Decius (249 — 251) gezwungen sahen, in die Wüste 
zu fliehen, gingen die sogenannten Anachoreten oder Einsiedler hervor; 
denn auch als der Sturm der Verfolgung sich wieder gelegt, verblieben 
sie in der einmal lieb gewonnenen Einsamkeit, in heroischer Weltentsagung 
und treuer Befolgung der evangelischen Räte ihrem Gotte vollkommener als die 
übrigen Menschen dienend. Der hl. Antonius (f 356) übernahm die geist- 



— 36 — 

liebe Leitung - der in einzelnen Zellen oder Höhlen wohnenden Anachoreten 
und schuf unter ihnen eine gewisse Verbrüderung-. Einen Schritt weiter 
ging - um dieselbe Zeit Pachomius; er errichtete auf der Nilinsel Tabenna 
ein Haus oder Kloster, in welches er eine Anzahl Anachoreten aufnahm, 
die nunmehr zusammen wohnten und nach einer bestimmten Regel lebten. 
Kr ist also recht eigentlich der Gründer der nachmals so zahlreich gewordenen 
Coenobiten. Um die Ausbreitung des Klosterlebens in Kleinasien und im 
ganzen Oriente machte sich hoch verdient der gelehrte und beredte Kirchen- 
lehrer Basilius der Grosse, Erzbischof von Cäsarea. Die von ihm her- 
rührende Basilianerregel, welche 368 Satzungen enthält, von denen 55 die 
grosse und 313 die kleine Regel bilden, gelangte gar bald zu hohem An- 
sehen und wurde in fast allen Klöstern des Morgenlandes beobachtet. Als 
Patriarch der abendLändischen Mönche wird mit Recht der hl. Benedikt 
von Nursia angesehen, dessen Klosterregel das Ideal und die Grundlage 
fast aller nachfolgenden klösterlichen Satzungen im Occidente wurde. Die 
seit dem vierten Jahrhundert in stetem Steigen begriffene Begeisterung 
für das Klosterleben konnte ihre Rückwirkung auf den Weltklerus nicht 
verfehlen. Sie machte sich selbstredend nur da geltend, wo an einer Kirche 
mehrere Geistliche gleichzeitig wirkten. Das war nun aber in erster Linie 
der Fall an den Bischofskirchen, wo eine mehr oder minder grosse Anzahl 
von Presbytern unter dem Archipresbyter und die Diakonen — gewöhnlich 
sieben — sowie die andern niederen Kirchendiener unter der Leitung des 
Archidiakons ihre geistlichen Funktionen verrichteten. Der Begründer des 
Zusammenlebens solcher Geistlichen, welche in den Kanon (daher der Name 
Kanoniker) oder in die Matrikel derselben Kathedralkirche eingetragen 
waren, ist der hl. Augustinus, der, wie er schon früher mit einigen Freunden 
zu Tagaste ein gemeinsames Leben geführt hatte, so nach seiner Erhebung zum 
Bischof von Hippo mit seinem Klerus zusammenwohnte und lebte. Das 
Beispiel des berühmten Bischofs fand bald allerwärts eifrige Nachahmung. 
Im Frankenlande fand diese vita canonica, welche eine Ablegung der 
Gelübde, wie es in den Klöstern zu geschehen pflegte, nicht bedingte, seit 
dem achten Jahrhundert die weiteste Verbreitung. Bischof Chrodegang 
von Metz schrieb um diese Zeit eine Regel, die zunächst für die Kanoniker 
seiner Kathedrale bestimmt war, aber auch von Klerikern anderer Bischofs- 
kirchen angenommen und beobachtet wurde. Zu allgemeiner Geltung ist 
dieselbe aber nicht gelangt, sei es, weil sie für zu nahe verwandt galt mit 
der Regel der Benediktiner, deren Mitglied der Metzer Bischof war, sei 
es, weil sie überhaupt für ungenügend und nicht zweckentsprechend gehalten 
wurde. Ein neues allen gerechten Anforderungen entsprechendes, einheit- 
liches Normalstatut für die Kanoniker aufzustellen, war die Aufgabe der 
vnii Ludwig dem Frommen im Jahre 816 in Verbindung mit dem Reichstag 
nach Aachen berufenen Synode. Diese entledigte sich ihrer Aufgabe in 
der Weise, dass sie das ganze vorliegende Material auf 2 Bücher verteilte, 
von denen das erste „de institutione canonicoruin" und das zweite „de insti- 



s ' 



— 37 — 

tutione sanctimonialium" betitelt wurde 1 . Das erste Buch umfasst 145 
Kapitel, von denen 113 das Quellenmaterial aus den Konzilien, den päpst- 
lichen Dekreten und aus den Schriften der Kirchenväter zusammenstellen. 
Als deren Bearbeiter wird der gelehrte Metzer Diakon Amalarius angesehen. 
Die übrigen 32 Kapitel stellen das unter Zugrundelegung des Werkes Chrode- 
gangs gewonnene Ergebnis der synodalen Beratung dar. Das zweite Buch 
hat 28 Kapitel; die sechs ersten sind Auszüge aus den Schriften einzelner 
hl. Väter, die 22 folgenden Kapitel enthalten spezielle Eegeln für die Kloster- 
frauen. Dass übrigens nicht erst mit der Promulgierung dieser Synodalverord- 
nungen die vita canonica eingeführt wurde, sondern in praxi bereits lange 
vorher geübt worden war. geht klar und deutlich aus beifolgender Stelle 
der Praefatio zur Synode hervor: „. . . . licet plerique, auxiliaute Christo, 
devote ac religiöse cum sibi subjeetis canonicam servent institutionem, et 
in plerisque locis idem orclo plenissime servetur . . . ." Die Verordnungen 
der Aachener Synode verpflichteten nicht nur die Geistlichen der Kathedral-, 
sondern auch die der Kollegiatkirchen. Einige der Bestimmungen mögen 
hier Erwähnung finden. Kapitel 117 ordnet das gemeinschaftliche Wohnen, 
Schlafen und Essen der Kanoniker in einem von einer Art Befestigungs- 
mauer umgebenen Hause an: „Necesse est tarnen, ut claustra, in quibus 
clero sibi commisso canonice vivendum est, firmis undique circumdent 
munitionibus, ut nulli omnino intrandi aut exeundi, nisi per portam pateat 
aditus. Sint etiam interius dormitoria, refectoria, cellaria et ceterae habi- 
tationes, usibus fratrum in una societate viventium necessariae". Kapitel 
115 gestattet den Kanonikern im Gegensätze zu den Mönchen Leinen zu 
tragen, Fleisch zu essen, Eigentum zu besitzen, spricht letztern aber ein 
grösseres Anrecht auf Unterstützung seitens der Kirche zu, als erstem, 
welche neben den kirchlichen Einkünften auch ihr Privateigentum haben. 
,,.... Canonicis liceat linum induere, carnibus vesci, dare et aeeipere, 
proprias res et ecclesiae cum humilitate et justitia habere . . . ." Während 
in Kapitel 126 die Beobachtung des kanonischen Stundengebetes überhaupt 
und in den folgenden Kapiteln die der einzelnen Hören eingeschärft wird, 
warnt Kapitel 131 vor verschiedenen mitunter recht groben Verstössen 
beim Gebet. Kapitel 134 erklärt im Eingange, dass nicht nur dem Bischöfe 
das Strafrecht über die Domgeistlichkeit, sondern auch den Pröpsten über 
die Stiftsgeistlichkeit zustehe, womit die oben bereits erwähnte Ausdehnung 
der Verordnungen über die vita canonica auf die Kollegiatkirchen aus- 
gesprochen ist: „Quainquam contemptores canonicaruin institutionum epis- 
copali praeeipue judicio plectendi sint, qua poena, ut ait beatus Augustinus, 
in ecclesia nulla major esse potest, demonstrandum tarnen est, qualem ceteri 
praelati, qui Ulis dignitate inferiores esse noseuntur, in Locis sii>i 
commissis, in quibus canonice vivitur, erga subjeetos quosque delinquentes 
. . . . adhibere debeant correptionis modum." Wer sich gegen die Regel 
vergangen hat, soll mehrere Male ermahnt und wenn das nicht hilft, öffent- 

J ) HartzheÜLi, (Jone. Gerin. tnm. I, p. 430 IV. 



— 38 — 

lieh zurechtgewiesen werden. „Quod si et his renisus fuerit, ceteris ali- 
mentis interdictis, pane tantura usque ad dignam satisfactionem utatur et 
aqua." Macht auch dieses unfreiwillige Fasten auf den Delinquenten noch 
keinen Eindruck, so nmss er in der Kirche einen Strafplatz einnehmen. 
„Dein si his modis correptus incorrigibilis extiterit et aetas permiserit, quia 
juxta Salomonen! „Stultus verbis non corrigitur" congrua ei verberum adhi- 
beatur castigatio." Wenn auch die körperliche Züchtigung keine bessernde 
Einwirkung ausübt, so soll er wie ein räudiges Schaf von der übrigen 
Herde getrennt und dem Bischöfe überwiesen werden, damit dieser das 
Weitere veranlasse. 

Das letzte Kapitel fasst die Tugenden noch einmal zusammen, deren 
ein frommer Geistlicher sich befleissigen soll. 

Das Schicksal fast jeder menschlichen Einrichtung teilte auch die 
des gemeinschaftlichen Lebens der Weltgeistlichen. Bei ihrem ersten Ent- 
stehen freudig begrüsst, entwickelte sie sicli nach und nach unter dem 
Schutze und Segen der Kirche zu hoher Blüte und grosser Ausdehnung, 
um aber alsdann wieder ebenso allmählich, wie sie gekommen, infolge der Un- 
gunst der Zeit und der Veränderlichkeit der Menschen, von der Bildfläche 
zu verschwinden oder höchstens noch das eine oder andere Mal hie und 
da vorübergehend aufzutauchen. — Der Kaiser hatte auf das Ergebnis der 
grossen Aachener Synode, auch soweit es die Regelung der vita canonica 
betraf, den allergrössten Wert gelegt. Das Original der Verhandlungen 
liess er im Hofarchiv hinterlegen und den Erzbischöfen, gleichviel ob sie 
der Synode beigewohnt hatten oder nicht, je eine Abschrift durch seinen 
Gesandten Notlio zustellen. Doch nicht einmal ein halbes Jahrhundert war 
seitdem verflossen, als auch schon und zwar — merkwürdig genug — von 
bischöflicher Seite der erste Vorstoss gegen das Werk unternommen wurde. 
Der Erzbischof Guntar von Köln, berüchtigt durch seine Auflehnung gegen den 
päpstlichen Stuhl und durch seine perfide Mitwirkung in der Ehescheidungs- 
angelegenheit Lothars, wollte sich, vom Papste exkommuniziert und vom 
Kaiser im Stiche gelassen, wenigstens die Anhänglichkeit des Klerus seiner 
Residenz sichern. Zu dem Ende machte er demselben weitgehende Zu- 
geständnisse; er vereinbarte mit den Kanonikern der Domkirche und denen 
der Stifte innerhalb und ausserhalb Kölns, nämlich St. Gereons, St. Severins, 
St. Kuniberts, des Klosters zu den hl. Jungfrauen, des Klosters der Märtyrer 
Cassius und Florentius, des Klosters St. Viktor, der Kirche St. Pantaleon 
und des Spitals bei derselben, dass letztere alle fortan unabhängig von 
Bischof und Domstift, die ihnen aus dem gemeinsamen Kirchenfond zuzu- 
weisenden Güter selbständig verwalten sollten. Ferner wurde jedem Kanoniker 
seine eigene Wohnung und Pfründe, über die er auch zu Gunsten seiner 
Brüder testamentarisch verfügen konnte, zugeteilt. Desgleichen wurde 
ihnen freie Wahl ihres Präpositus, dem im Verein mit einigen andern 
besonders hierzu befähigten Brüdern die unbedingte Leitung aller innern 
und äussern Angelegenheiten obliegen sollte, bewilligt. Die Frage, ob 



— 39 — 

diese Vergünstigungen damals nur den Nebenstiften,, nicht aber dem Dom- 
stifte zuteil geworden sind, wird von den Einen bejaht, von den Andern 
verneint. Diese erste Durchbrechung des Grundgedankens der vita canonica 
wurde von der grossen Synode, welche im Jahre 873 zu Köln unter dem 
Vorsitz des "Kölner Erzbischofs Willibert abgehalten wurde, bestätigt. 
Nachdem so einmal der Grund- und Eckstein aus dem Gebäude ausgebrochen, 
war der völlige Zusammenbruch nur mehr eine Frage der Zeit. Dieser 
vollzog sich freilich nicht über Nacht und auch nicht überall zu gleicher 
Zeit. Während in dem einen Bistum oder an der einen Kirche die vita 
communis schon bald der Vergessenheit anheimfiel, dauerte sie an andern 
noch ungesciiwächt fort; ja es kam sogar vor, dass sie in verhältnismässig 
später Zeit noch in einzelnen Kirchen neu eingeführt wurde. Doch die 
Geschichte des gemeinsamen Lebens in den Stiftern weiter zu verfolgen, 
liegt ausserhalb des Rahmens unserer Aufgabe. Es sei hier nur noch der 
Ausführungen Hüffers 1 gedacht, in denen die Art und Weise, wie die in 
Frage stehende Einrichtung allmählich immer mehr verschwand, sehr treffend 
dargelegt wird. „Zunächst richtete man für die Kanoniker eigene Wohnungen 
ein, meistens in der Umgebung der Domkirche, dann beschränkte man auch 
den gemeinschaftlichen Tisch auf die Festtage, hob ihn später ganz auf 
und schied endlich sogar aus dem Stiftsvermögen einzelne Anteile oder 
Präbende für die Kanoniker aus. Der grösste Teil der Güter blieb jedoch 
noch unter der Verwaltung des Propstes, der davon den Stiftsherren die 
festgesetzten Einkünfte zahlen und gemeinschaftliche Ausgaben bestreiten 
sollte. Aber nur zu oft wurde diese Verwaltung nachlässig, eigennützig 
und willkürlich geführt, woraus dann heftige Streitigkeiten sich entwickeln, 
bis man durch eine Teilung des Vermögens zwischen Propst und Kapitel 
die entgegenstehenden Ansprüche auszugleichen sucht." 

Eine Frage, die sich im Anschluss an die vorangegangenen Er- 
örterungen jedem Freunde der heimischen Geschichte von selbst aufdrängt, 
ist die nach dem Stande der bezüglichen Einrichtung am Aachener Münster 
in den Tagen der Karolinger. Da müssen wir gleich von vorneherein gestehen, 
dass es im grossen Ganzen nur spärliche Nachrichten sind, welche uns die 
gedruckten Quellen hierüber vermitteln. Es ist zunächst selbstverständlich, 
dass Karl der Grosse eine Anzahl Geistliche zur Abhaltung des Gottes- 
dienstes an die Aachener Pfalzkapelle berufen hat, Ausserdem bezeugl 
uns aber auch noch diese Thatsache eine von Karl dem Kahlen im Jahre 
876 ausgestellte Urkunde, in welcher es heisst: Proinde guia .... avus 
noster Carolas in palatio Aquisgrani capellam in honorem beatae dei geni- 
tricis et Virginis Mariae construxisse, ac clericos inibi Domino ob suae 
animae remedium atque peccaminum absolutionem pariterque ob dignitatem 
apicis imperialis deservisse constituisse .... dignoscitur *. Die Nachricht, 



>) II ü i'i'c r, Forschungen auf dem Gebiete des französischen and rheinischen Kirchen- 
rechts S. 274. 



— 40 — 

dass Karl die Geistlichen, und zwar zwanzig an der Zahl, aus Sinzig am 
Rhein nach Aachen verpflanzt habe, ist nicht verbürgt. Schon Quix, der 
in seiner im Jahre 1829 erschienenen Schrift: „Historisch- topographische 
Beschreibung der Stadt Aachen 2 " ebenfalls diese Mitteilung bringt, nennt 
sie in seiner im Jahre 1840 erschienenen „Geschichte der Stadt Aachen 3 " 
eine unhaltbare Sage. Gleichwohl begegnen wir in manchen nach dieser 
Zeit herausgekommenen Schriften lokalgeschichtlichen Inhalts dieser Sage 
noch als einer feststehenden historischen Thatsache. Ebenso unverbürgt 
wie die Herkunft und die Zahl ist der Charakter der Geistlichkeit am 
hiesigen Münster in der Zeit der Karolinger. Wir wissen nur, dass die- 
selben eine vita communis in ihrem „claustrum" oder „monasterium" führte; 
(die noch heute gebräuchlichen Bezeichnungen Klosterplatz und Kloster- 
gasse erinnern an jene Zeit) ob dabei aber die Regel des hl. Augustinus 
oder die des Metzer Bischofs Chrodegang befolgt worden ist, steht nicht 
fest. Wenn man erwägt, dass die Wirksamkeit Chrodegangs und die Er- 
richtung des Aachener Münsters zeitlich nur etwa 50 Jahre auseinander 
liegen, so liegt die Annahme nahe, dass man auch hier, wie an vielen andern 
Kirchen jener Zeit, die Metzer Regel befolgt habe. Damit Hesse sich dann 
auch leicht in Einklang bringen die Nachricht einzelner Lokalhistoriker, 
dass die hiesigen Geistlichen dem Orden des hl. Benedikt von Nursia an- 
gehört hätten. Chrodegang war nämlich selbst Benediktiner und seine 
Regel ist der der Benediktiner nahe verwandt. Es wird uns ferner auch 
nichts darüber berichtet, dass die Aachener Stiftsgeistlichen die von der 
Aachener Synode im Jahre 816 beschlossenen Satzungen angenommen haben. 
Und doch dürfte man nicht fehlgehen in der Annahme, dass dies in Wirklich- 
keit geschehen ist. Denn es wäre gar zu sonderbar, dass diese Regel, auf 
deren allgemeine Befolgung, wie wir früher auseinandergesetzt haben, der 
Kaiser den grössten Wert legte, hier am Orte ihrer Entstehung nicht 
recipiert worden sein sollte. Wie lange das Zusammenleben der Stifts- 
geistlichkeit hierselbst gedauert hat, steht ebenfalls nicht unzweifelhaft 
fest. Aus der urkundlich überlieferten Thatsache, das Otto I. im Jahre 966 
den Kanonikern am hiesigen Münster das Recht einräumte, sich frei und 
selbständig aus ihrer Mitte einen Abt zu wählen, der hinfüro den Namen 
Propst führen sollte (qui modo praepositus dicitur) 4 , hat man geschlossen, 
dass um diese Zeit die vita canonica an der Pfalzkapelle aufgehört habe. 
Jedenfalls hat dieselbe in beschränktem Masse noch Jahrhunderte fort- 
gedauert. 



J ) D'Achery Spicilcg, cd. Paris, tom. III, S. 352. 
") S. 30. 

3 ) S. 7, Anin. 3. 

4 ) Quix, Codex Diplomatieus, tom. I, pars I, p. 10. 



— 41 — 

Kleinere Mitteilungen. 

1. Handschriftliche Aufzeichnungen (1753— 1785) 
im Stadtarchiv zu Aachen. 

Die Urschrift der nachstehenden Aufzeichnungen üher Ereignisse aus den Jahren 
1753 his 1785 war ursprünglich einer Ausgabe der Aacher Chronick des Noppius von 1774 
am Schlüsse einverleibt, später wurde sie hiervon abgetrennt und beruht nunmehr im 
hiesigen Stadtarchiv. Sie rührt von unbekannter Hand her und hat eineu der Sprache 
wenig kundigen Schreiber zum Verfasser. Nichtsdestoweniger erschien der Abdruck dieser 
Aufzeichnungen wünschenswert, weil sie manches Unbekannte bringen und die in den- 
selben enthaltenen Angaben, soweit sie auch sonst vorkommen, sich als durchaus zuverlässig 
erwiesen haben. 

„1755 auf Stephanustag, des Nachmittag zwischen 4 Uhren, haben wir hier ein 
kleine Erdbebung erfahren, im Jahr 1756 aber den 18. Febr. haben wir eiue starke und 
entsehetzliche Erd-bebung gehabt ungefehr um 8 Uhren morgens, und hat den ganzen 
Morgen die Erd nit still gestanden, und hat noch lange Zeit gedauret 1 . 

Die im Jahr ungefehr 1753 oder 54 da die heilige Tag seind abgesetzt worden mit 
dem Beding, daß man eine heilige Meß hat hören müßen, seind den 27 ten Septembris 1778 
auf denen Canzelen abgelesen worden, daß man keine Meß brauchet zu hören, sonderen 
Ostermontag, Pfingstmontag und den Tag nach Christag als nemblich Stephanytag gebotten 
zu fieren gleich den Sontag benebst auch die 4 Wochen in Advent zu fasten als Mit- 
woch, Freytag und Sambstag, und das Fest des heiligen Lamberti zu feyren gleich den 
Sontag 2 . 

Anno 1770 den 9 ten Junij hat Gott uns mit eine starke Erdbebung heimgesucht 
und den ll ten selbigen Monat mit einen grausamen Hagelschlag, daß die Früchten im 
Feld zerschlagen. Von selbigen Zeit an hat die theure Zeit angefangen und hat sich so 
und so verfolgt, das das Brod 14 Merk gekostet hat und die Butter 17 Merk, Rindfieisrh 
7 Merk per Pfund, und das hat gedauret mit das Brod bis anno 1771 den l ten August: 
da ist es 1 Merk abgeschlagen und den 5 ten dito da ist es 3 Merk abgeschlagen und den 
10. August wider 10 Bauschen aufgeschlagen. 

Anno 1771 den 27 ten August ist der kayserliche Cominissarius in Achen augelangt, 
Lodowicy 3 war sein Nam, und den 8 ten Septembris ist der prüßiche Gesante in Achen 
angelangt. Sein Nam war Immikkaußen", und den 12 ten Septembris soll der erste Sitz 
gebalten worden, worauf Einhalt geschehen ist, so ist doch der erste Sitz gehalten worden 
den 29. Octobrisf bey Herrn Longe 5 in Collestraß im wilden Mann, den 13. Decembris hat ein 
jeder Cominissarius das Schild ihres Principales ausgestalt. 1773 den 15. Decembris ist 
der kayserlichen Cominissarius nach Haus marschirt. 

1773 den 10 ten Septembris des Morgens umb halber 9 Uhr haben der Weihbischoff vron 
Lüttig und zwey Deputirten von Nuntius von Collen und Hr. Proffion Tewis denen Herrn 
Jesuiten die! Bulla von ihro Heiligkeit vorgelesen worden, daß ihre Gesällschafl auff- 
gehoben, und von die Zeit an die Kirch zugeblieben und müsten sich ein weltgeistiichen 



') Zur Geschichte der Erdbeben des 17. und 18. Jahrhunderts in der Aachener Gegend s. den 

Aufsatz von E. Pauls in Heft 56, S. 91 ff', der Annahm des historischen Vereins Für dm Niederrhein. 

Die Erdheben inden Jahren L755und 1756 waren die Veranlassung, dass in der Pfarrkirche St. Poillan 

mit bischöflicher Genehmigung „unter dem Titel der allerseligsten vom En ;el verkündigten Jungfrau 
Maria und des heiligen Karoli Magni als sonderbaren dieser Stadt Patronen zu Ehren" eine Bruder- 
schaft errichtet wurde, die heute noch bestellt. 

2) Der fortschreitenden Entwicklung des wirtschaftlichen Lebens .standen die 37 Feiertage, wie 
sie die Raths-Verordming vom 7. September 1628 festgesetzt hatte, hindernd in dem W 

3 ) Ludoviei d'Orley, Herzoglich hu xeml.i irdischer Bat 

*) Gemeint ist Heinrich Theodor Emi ras, Direktorialral und Gesandter bei ler- 

rln iniseh-west fälischen Kreise. 
Lognay. 



— 42 — 

Kleyder tragen, neralich Sontag darauf hat Pater Sunder die Predig im Münster gehalten 
als in weltgeistlich Kleyder und doch nicht ehender dorffen halten, bis von Bischoff von 
Lüttig die Erlauhnüß gab 1 . 

Die im Jahr 1773 den 10 ten Septembris die Bulla gegen dessen Geschellschaft Jesu 
aufgehoben worden, hat so mit der Zeit langsam wider so hervorgethan, daß bald diese 
Ablaß balde jene wider in die Kirch gehalten ist worden, bis entlich im Jahr 1778 
haben die Herrn Burger Bruderschaft und Jungesellen Bruderschaft von Rom erhalten, 
die Todangst Bruderschaft zu halten. Die erste ist gehalten worden den l tea Novembris 
1778 und ist die Kirch von Zeit an offen geblieben, und haben auch die 10 freitägie 
Andacht und die 6 sondige von h. Aloisij auch gehalten und die Bettäg in die 3 letzte 
Tagen Weinachten, und den letzte Sontag von h. Aloisij ist eine Prosession gehalten worden 
mit das höchste Gut über den Marek, und der Profion Dewis hat das höchste Gut getragen. 
Und haben sich viele Fackelen bei der Procession befunden hey 500, wo nicht mehr 2 . 

1774 den 25 teu Aprill ist der Hr. Werkmeister Dauven nach Wien gerist, um die 
Streitsach von Churfaltz mit die Stadt Aachen auszumachen, und ist den 22. Aprill 1777 
wider ein Achen angelangt und hat alles rechtschaffen vor der Stadt ausgemacht. Wie 
er aber widerkam von Wien, war er schon rigerede Burgermeister 3 . 

Den 24 ten Octobris selbigen Jahr ist der Herr Sindicus Denys nach Wetzlar gereiset, 
umh die Reichsvisitation beyzuwohuen. 

1775 den 27. Aprill des Nachmittags umb halber zwey ist der großen und kleinen 
Rath zusammen bescheiden worden um halber fünf selbigen Dags wegen den newen Weg 
von Bortscheit auf den Forst zu, worauf ein ehrbarer Rath beschlossen, den Weg mit Gewalt 
zu verdilliegen. Des selbigen Nacht seind 70 Grenadier und ungefehr 30 Werkleut aus- 
gerückt und haben den Weg wider verdorben, die Grenadier seind aber stehen blieben 
bis in Septembris. Den 20* en selbigen Monat des Morgens zwischen 4 ad 5 Uhren seind 
80 Man Soldaten nach Bordscheit marschirt wegen das Verbott, daß der ehrbarer Rath von 
Aachen gethan, sich des Weggelds zu enthalten; wo nicht, so soll man sie mit Execution 
belegen, welches auch gleich geschehen ist, ein Jeder Weggeld Man mit 2 Mann belegt 
worden ist, die haben sie essen und drinken und der Mann ein Kopfstück per Tag, einer 
heist Rumpen, der ander Beckers; die Schöffen seind heruachher auch mit Manu belegt- 

1776 den 25 ten August haben wir hier in Aachen dem primus von Löwen ingeführet. 
- seinen Namen war Mathias Josephus Wild, in aachener Sohn — mit allen Pom und 

Pracht: erstens mit die fünf klein Schulen mit ihre Fahnen und grüne Palmen an ihre 
Hut; zweitens viele Bürger zu Pferd und die sechste und siebente und neunte Schall zu 
Pferd; viertens schier alle Kaufleut zu Pferd, sowohl catholische als uncatholische, auch 
etliche mit ihren Wagen; fünftens den ehrwürdigen Hr. Prelat von Closterath mit einen 



>) Bezüglich der Ausweisung der Jesuiten s. auch Janssen (bei von Fürth, Beiträge und 
Material zur Geschichte der Aachener Patrizier-Familien, Band III, S. 370); er beklagt sich, dass sie 
gehen „wie fremden, die kein Heimath haben". Dann fährt er fort: „Der König von Preußen aber will 
sie absolut schützen und in seinem reich hegen". Wir wissen, dass, wie E. Reimann, Neuere Ge- 
schichte des Preussischcn Staates vom Hubertsburger Frieden bis zum Wiener Kongress, Band 1 1 
Alischnitt Friedrichs Stellung zur katholischen Kirche) bemerkt, „Friedrichs allumspannender Geist 
auch das Schulwesen nicht vernachlässigte, obgleich hier der Mangel an Mitteln und der Widerstand 
derer, welche grössere Aufwendungen dafür machen sollten, durchgreifende Reformen schliesslich un- 
möglich machten. Sosehr er sonst praktischen Zwecken den Vorrang einräumte, von den höhnen 
Schulen forderte er nicht allein die Üb erlief orung von Kenntnissen, sondern hauptsächlich Entwickelung 
des Verstandes und Ausbildung der Urteilsfähigkeit. Eben weil es für alle Zweige des Unterrichts an 
tüchtigen Lehrern fehlte, erhielt er in seinem Lando die Jesuiten. Die in Breslau wurden „Priester 
des königlichen Schulinstituts", unmittelbar dem Staate unterstellt." 

2 ) Die im Jahre 1 7*37 gedruckte „Sammlung dreyer Andachten, welche in der Kirch derSociet.it 
Jesu zu Aachen gehalten werden", zählt folgende auf: „die erste von der Tod-Angst unseres sterbenden 
Heilands, die zweyte zu Ehren des heil. Francisci Xaverii, die dritte zu Ehren des heil. Aloysii Gon- 
zagä, so alle von der katholischen Kirch mit Ablaß bestättiget sind". 

Die Versammlungen der Tod-Angst-Bruderschaft fanden monatlich, die zu Ehren des h. Franziskus 
Xaverius an 10 Freitagen im .Jahre und die Andachten zum li. Aloysius an b Sonntagen statt. 

3 ) Der Bürgermeister Kahr starb plötzlich am 29. Juni 1776 auf Petri und Pauli Abend. 



— 43 — 

sechsspännige Wagen und schier alle Herrschaften mit ihren Wagens haben ihm mit- 
cingeführet; sobald als sie mit ihm bald an die Stadt kamen, da wurden die Cammeren 
abgefeurt, und sobald als sie mit ihm an die Stadtpfort waren, da wurden die Canons 
gelöset; siebentens kam Alles voraus, was vorhin gemeld ist worden, uud führten ihm 
mit seine Lövonisten und Professoren nach dero Thumkirck hinein. Da wurde dem ambrosia- 
nischen Lobgesang gesungen mit Pauken und Trompetten, mit Läuten alle Klocken in der 
Stadt. Nach geendigtem Gesang wurd er aus die Kirch zum Rathhaus geführt. Wie 
er da anlanget, wurden die Canons wider gelöst unter Paucken und Trompetten und wurde 
empfangen von zwey Sindicy von Rathhaus. Nemliche Abend habe sie mit die Hr. Bürger- 
meister und Hr. Beainbten das Suppe gehalten, und den Abend schier alle Häuser mit 
Lampen und Kerzen beleuchtet worden. Den 26 ton ist das Mittagmahl gehalten worden 
bey denen Exjesuiten. Er hat ein Präsent von Hr. Burgermeister bekomen, eine große 
silberne Lampetschüssel 1 . 

1778 den 24 ten Junij ist der Hr. Doctor Dauven als regierenden Bürgermeister zum 
Major von Burtscheit mit Mehrheit der Stimmen erwählet worden und ist den 6 ten Julij 
von hier nach Burtscheit geführet, umb alda seinen Aid abzulegen mit alle Beambten und 
Neun Männer und 3 Hrn. Secretarius und die Hrn., so die Cammer bedeinen, als Ardenaw und 
Vanscheuren, und die Carlschützen mit ihre Fahn mit unten uud oben Gewehr bekleydet, 
und haben den Vorzug gehabt. Billig war es gewesen, daß die rot, alwo der Hr. Burger- 
meister ingewohnt, daß die Bürger ihm aus begleit betten. Es waren im allen 11 
Wagen alwo 2 mit 4 Ferd, die 4 Burgermeister Deiner mit Stegens auf ihre Seit. Des 
Nachmittag zwischen 6 und 7 Uhren ist er wider nach die Statt gebracht worden, und 
ist große Unruh erstanden zwischen die. Bürger auf einander geschosseu etc. etc. 

1779 den ll ten August haben wir des Nachmittag zwischen 4 ad 5 Uhren einen 
erschröcklichen Regen gehabt, daß die große Wasserath das Wasser nicht hat verschlingen 
können, und in die Straße das Wasser so briet gelaufen von ein Haus bis an das andere 
und hat ein die Straße die Bafaye aufgeworffen, und das hat auf eiu Stund gedauret 
und hat erschrecklich darbey gedonnert und gewetterleuchtet. 

1781 den 17 ten Julij haben wir hier iu dieser kayserliche freye Reichsstadt Aachen 
die Ehre gehabt, unseren kayserliche Magistät abends ungefehr um 11 Uhr in unser.' 
Ringmauren inmarschiret und von alle anwesende Bürger und fremde Herrschaften die 
Ehre gehabt, im zu sehen, und den 18 tcn dito nachmittag um halb fünf Uhren ist ihro 
kayserliche Magistät Joseph der 2 te römische Kayser wider unter viele Rufen deren Bürger: 
Vivat Joseph unseren Kayser soll leben, abmarschiret nach Brüssel, um die Huldiung seyne 
Schwester als Herzogin von Braband beizuwonnen. Gott bewahren ihm auf alle Wegen. 
Amen 2 . 

1783 anfangs Decembris hat es angefangen zu fristen und etliche Zeit darnach 
fingt es an zu schneyen, und einen oder 2 Tag fing es an zu regneu, und darauf fing es 
wider an zu fristen und es hat gefroren bis den 20 tcn Febr. 1784, dan fing es an etwas 
lind zu werden, und ist so kalt gewesen, daß die alte Leut und auch aus Paris ge- 
schrieben ist worden, daß es viel kalter gewesen wäre als anno 1709 et 1740, daß diese 
Kalt viel hoher gesteigen als die vorige Jahrzahlen. 

1784 den 25 ten May war es wie Donnerwetter des Nachmittag und es fing an zu 
hagelen, doch nicht gedonnert und es fillen Hagelstein so dick wie ein Mansdauin. und schlug 
auf etliche Platz die Fenstern zu Stücken. Gott Lob es war noch keinen Wind darbey. 
Etliche Stein sind gewigt worden, man sagt, :s bis 4 Loth schwär. 

1785 den 30. May ist zu Bortscheil Einen mit das Schwert hingereicht worden. 
Sein \am ist Wilhelm, sein Zunam weiß ich nicht. Er ist aus die Pfar Sinhelfeld 
gebürtig. 



1 über diesen Empfang berichtet ausführlich Meyer, lachensche Geschichten S. 769; vgl. 
i'erner Zeitschrift des A.achene] Geschiohtsvereins IM. I, 8. 216. 

Über „Kaiser Joseph ll. in lachen L781" handell eingehend Pick, lus lachet 

heil s. 552 



— 44 — 

Von Jahr 1784 bis 1785 ist eine große Kälte gewesen, daß man sich bald (nicht) erhalten 
hat können, und den darauf folgende Frühling und Sommerzeit hindurch mehr kalt als 
warm und nicht viel Eegen gehabt, daß die Butter den Sommer ist eingestochen worden 
vor 100 Sb 20 et 21 bis 22 Cronenstücker und auf den Marck gegolden hat per Pfund 
22 Merk (und) 23 Merk, das Rindfleisch 7 Merk per Sb in so fort in allem, außerhalb das 
liebe Brod hat 8 Merk und letzten July hat es 7 Merk 2 Bauschen gegolten. Gott gebe 
uns, was uns selig ist. Amen." 

Aachen. M. Schollen. 

2. Theodor Zimmers 1 . 

In der Musikgeschichte Aachens wird der Domorganist Theodor Zimmers für immer 
einen ehrenvollen Platz einnehmen. Theodor Nikolaus Zimmers wurde am 6. Dezember 
1781 2 in Aachen in dem jetzt mit Nr. 106 bezeichneten Hause der Alexanderstrasse geboren. 
I >ie Eltern gehörten dem kleinen Bürgerstande an. Der Vater Balthasar Zimmers, ein aus 
Ubagsberg im Limburgischen stammender Handelsmann, hatte sich in Aachen ansässig 
gemacht und am 11. April 1774 mit Gertrud Maassen vermählt. So wuchs der Knabe in 
bescheidenen bürgerlichen Verhältnissen heran, bald aber entwickelte sich in ihm die 
Neigung und Liebe zur Musik. Mit dem musikalischen Unterrichte sah es zu jener Zeit 
in Aachen nicht besonders aus; die stürmische, allem künstlerischen Streben abgeneigte 
Zeit liess weder Lehrer noch Lernende aufkommen. So war Zimmers für sein Fortkommen 
in der musikalischen Kunst auf sich selbst angewiesen, und man kann ihn nicht mit 
Unrecht, sowohl in Bezug auf Komposition als auf Klavierspiel, einen Autodidakten nennen. 
Als er es dahin gebracht hatte, dass er am Klavier geläufig und mit Sicherheit den Gesang 
begleiten konnte, zog ihn der damalige musikalische Mäcen Aachens, der auch in weiteren 
Kreisen bekannt gewordene Arzt und beigeordnete Bürgermeister Dr. Solders 3 zu seinen 
häuslichen musikalischen Aufführungen heran, und hier war es, wo das aufstrebende Talent 
des jungen Mannes Nahrung und Entwickelung fand. Bei Solders wurde viele und gute 
Musik gemacht; hier war der Zcntralpunkt, wo sich einheimische und fremde Künstler 
versammelten, und so wie Zimmers hierdurch das Beste jener Zeit zu hören bekam und 
selbst thätig mit eingriff, so bot ihm auf der anderen Seite die reichhaltige musikalische 
Bibliothek seines Gönners Gelegenheit zu lernen, die Meisterwerke der bedeutendsten Zeit- 
genossen zu studiereu und seine Kenntnisse der musikalischen Komposition zu vermehren. 
Der öffentlichen Aufführungen waren damals wenige. Das Vereinswesen war so gut wie gar 
nicht ausgebildet; nur zuweilen versammelten sich die zerstreuten Kräfte zu einer musi- 
kalischen (iesamt-Produktiou. Solche Konzerte dirigierte damals Dr. Solders, und Zimmers 
war am Klavier. Allein nicht immer blieb er am Klavier; in der Folge vertauschte er 
diesen Platz mit dem Dirigentenpulte. So hat er vielfach Konzerte dirigiert, welche zu 
wohlthätigen Zwecken stattfanden, wie er ein Freund der Armen bis an sein Lebensende 
geblieben ist. Bei solchen Gelegenheiten gelangten dann auch wohl von ihm komponierte 
Lieder zur Aufführung; mehrere derselben hat er später veröffentlicht. Auch während 
ibs Aachener Kongresses im Iahre 1818 hatte Zimmers die Vorbereitung und Leitung der 
Konzerte in Händen, die zu Ehren und in Gegenwart der anwesenden Fürstlichkeiten statt- 
fanden. In den Konzerten, welche von der Säugerin Catalani, die aus Veranlassung des 
Monarchen-Kongresses nach Aachen gekommen war, veranstaltet wurden, übernahm Zimmers 
die Begleitung der berühmten Virtuosin 4 . 



>) Dem Dachfolgenden Artikel ist den von Ohr. Felis Ackens verfasste Nekrolog (Echo der 
Gegenwart vom 5. September L861, Nr. 214) zu Grunde gelegt. 

\iclit 1 7s:;. wie Ackens, wahrscheinlich nach dem Totenzettel, angibt. 

üb< i' denselben Zeitschrift des Aachener '•'•• ichichtsvereins Bd. T, S. 52. 

1 l ber den Aufenthalt der Catalani in Aachen: Meyer, Aachen, der Monarchen-Kongress im 

Jahr IMs. §§ ■£;. 29, :;:;. 39, 52. Der Kuriosität halber sei hier Meyers Urteil über die Sängerin Im L- 

iigt: „Schwingt siel, die Lerche trillernd aus des Frühlings Saaten /um Himmel hin, so ist das 

freilich schön in der Natur; aber äie bleibt nur monoton; singt und steigt Catalani. so entzücken 



— 45 — 

Vergebens aber machte sie ihrem Accompagnisten glänzende Vorschläge, vergebens 
versuchte sie ihn mit nach Italien zu nehmen. Zimmers blieb seiner Vaterstadt treu, 
er hat sie nie verlassen, was er allerdings später, und vielleicht nicht mit Unrecht, als 
ein Unglück für seine musikalische Entwickelung bezeichnet hat. Auch mochte ihm das 
unstäte, herumgehweifende Künstlerleben wenig zusagen; gegen das Theater hatte er eine 
derartige Antipathie, dass er nie eiuen Fuss hinein gesetzt hat 1 . 

Inzwischen hatte Zimmers im Jahre 1802 die Stelle des Organisten an der St. Peters- 
pfarrkirche hierselbst erhalten 2 . Dies veranlasste ihn, sich eingehender mit Kirchenmusik 
zu beschäftigen, als es bis dahin der Fall gewesen war. Zunächst wurde ihm die neue 
Stelle ein Aufeueruugsinittel, sich mit den Kompositionen für die Orgel, wie die grossen 
Meister seit Sebastian Bach sie für dieses Instrument aller Instrumente geschaffen haben, 
näher bekannt zu machen. Dann veranlasste ihn aber auch sein Amt, die kirchlichen 
Gesangwerke eifriger zu studieren. Denn er hatte von vornherein den Plan gefasst, an 
St. Peter einen tüchtigen Gesangchor zu schaffen und heranzubilden. Diesen Plan hielt 
er fest, wie er auch der Kirchenmusik bis an sein Ende treu blieb, ihr hat er fast alle 
seine zahlreichen Kompositionen gewidmet. 

Zunächst für seinen heranwachsenden, aus Damen uud Herren zusammengesetzten 
Kirchenchor schuf er eine Menge vom leichteren zum schwereren fortschreitender drei- und 
vierstimmiger Messen, Kantaten, Motetten, Te Deunis u. s. w., die er nachher zum Teil im 
Druck herausgab, und die vermöge ihrer im Ganzen leichten Ausführbarkeit, vermöge ihrer 
schönen rhythmischen und melodischen Gestaltung bald Gemeingut aller hiesigen Kirchenchöre 
wurden, auch weite Verbreitung in Belgien, Frankreich und England fanden. Diese Werke 
schrieb er meist mit Orgelbegleitung, manche instrumentierte er jedoch sowohl zur Be- 
nutzung in seiner Pfarrkirche, wo an den Festtagen das Hochamt unter Orchesterbegleitung 
gesungen wurde", als auch zum Gebrauche in unserer Domkirche, wo bis in die sechsziger 
Jahre hinein au allen Sonntagen eine musikalische Messe mit ganzem Orchester zum 
Vortrag gelangte. In der Domkirche kam auch während des Monarchen-Kongresses ein 
grosses, von Zimmers komponiertes Te Deum für eemischten Chor und Orchester zur 
Aufführung 4 . „Alle diese Werke charakterisiert der Stempel inniger Frömmigkeit, starken 
Glaubens und freudiger Hoffnung; sie sind der Spiegel eines anspruchslosen, opferfreudigen 
und liebevollen Wesens. Vom Standpunkte der Kunst aber begegnen wir in denselben 
einem frischen, produktiven Geiste, abgerundeten künstlerischen Formen, schönen, wenn 
auch nicht immer neuen Melodien, vielem Fluss und Schwung und mitunter wertvollen 
kontrapunktischen Gestaltungen 5 ." 

Zimmers beschäftigte indessen den Kirchenchor von St. Peter nicht blos mit 
seinen Werken, er benutzte diese eigentlich nur als Übungsstufen zu den schwierigeren 
.Messen und Kantaten von Haydn, Mozart, Beethoven, Cherubini u. s. w., die später in 
dem Repertorium seines Chores vorherrschten. Der Chor wuchs nach und nach so an, 
dass die Räumlichkeiten zu enge wurden. Die Übung, welche Sänger und Sängerinnen 
hier genossen, kam anderen musikalischen Bestrebungen unserer Stadt, sowie auch den 
damals entstehenden rheinischen Musikfesten zu gut. 

Zu Anfalle- des Jahres 1826 ward in unserer Domkirche, an welcher am 28. Januar 

das (ilir die lieblichsten Töne der Natur und Kunst in tausi udfa< lien unnennbaren Trillern. Sie 
ist ein unübersehbares Feld, auf welchem die Ktinstliebhaber eine reiche Erndte des Anmuths, und 
die Virtuosimi Tausende der Goldblüten einscheuern." ■ I <■■ i andere Tonkünstler, welche der 

Monarchen-Kongress nach Aachen führte, s. Mej er a. a. < >.. § 24. 

») Geil. Mitteilung des Hrn. Prof. Pothasl in Bolduc. 

2 ) Planker, Die Kirchen-Orgeln in St. Peter, Jahrgang VII. S.20u. 21 dieser Zeitschrift. Dns 
Jahresgehalt betrug damals 114 gl., dazu für Begleitung der deutscher Messe an Sonntagen i". gl. 
und dir das Hochami am I »onn ( ; 

si, he Pia o ker a. a. 0. S. ±.'. 

1 Die einzige kirchliche Feier während des Kongresses, von weloherMeyer berichtet, war ein 
Bochamt am l. Oktober 1818, dem Namenstag* de Kai e« Franz, L a. 22 Vermutlich war im 
Anschlüsse an dieses Hochamt Te Deum. 

■ So urteill A ck e ns a. a. O. 



■ 46 — 

genannten Jahres an stelle des Kathedralkapitels ein Stiftskapitel installiert worden war, 
die Organistenstelle frei. In der ersten Sitzung des neuen Stiftskapitels vom 4. Februar 
182<; wurde Zimmers zum Domorganisten gewählt 1 . Nicht leicht hätte aber auch ein 
Würdigerer für diese Stelle gefunden werden können. Denn in der Behandlung der Orgel 
war Zimmers Meister, und seine Improvisationen auf derselben waren derart interessant, 
dass viele Musikfreunde die Domkirche vorzugsweise besuchten, um Zimmers prä- und inter- 
ludiereu zu hören. Zimmers hat mehrere Folgen Versetten in Druck erscheinen lassen. 

Dass Zimmers neben seinen amtlichen Funktionen die übrigen vaterstädtischen Musik- 
unternehmungen nicht aus den Augen verlor, geht aus dem bereits Augeführten zur Genüge 
hervor. Als man im Jahre 1819 zur Bildung eines städtischen Vereins für Gesangmusik 
schritt, war er es, der die Übungen am Flügel zu leiten übernahm, und seinem Eifer ist 
es zum Teil zu verdanken, dass Aachen mit seinen Nachbarstädten gleichen Schritt hielt und 
gleich bei den ersten zu Aachen gegebenen rheinischen Musikfesten (1825, 1829 und 1834) 
Beweise einer tüchtigen Vorbildung im Chor ablegen konnte. 

Hervorragend sind Zimmers Verdienste als Musiklehrer. Als solcher war er viele 
Jahre am früheren St. Leonhards-Institut hierselbst und später auch eine Zeit lang an 
dem Pensionats-Institut zu Blumenthal bei Vaels thätig, bis ihm endlich das Alter Kühe 
gebot. Zum Gebrauche für seine Musikschüler gab er Vorübungen für Klavierschüler und 
mehrere Hefte Singübungen heraus 2 . 

In der zweiten Hälfte seines Lebens wohnte Zimmers, der nicht verheiratet war, 
bei seinem Schwager, dem Kratzenfabrikanten Classen in der Peterstrasse Nr. 64. Wohl 
machten sich in den letzten Lebensjahren die Lasten des Alters bemerkbar, aber bis au 
sein Lebensende bewahrte er seine geistige Frische und Schaffensfreudigkeit. Noch kurz 
vor seinem Tode vollendete er eine grosse vierstimmige Messe. Am 24. August 1861 ver- 
schied Theodor Zimmers, fast 80 Jahre alt, nach nur viertägigem Krankenlager an einem 
Herzübel. Am 26. August fand die Beerdigung statt, bei welcher die Concordia, deren 
Ehrenmitglied der Verstorbene gewesen, das musikalische Ehrengeleite gab. 

„Aufrichtiges, anspruchsloses, sittenreines, opferfreudiges und liebevolles Wesen" 
- rühmte Zimmers Freund, der Stadtdechant Dilschneider 3 -- „veredelt durch eine innige 
christliche Herzensfrömmigkeit, zeichnete Zimmers während seines ganzen Lebens aus; 
in seinem späten Alter aber war vor Allem stets das Gotteshaus sein liebster Aufenthaltsort, 
der Tisch des Herrn seine vorzüglichste Erquickung und das Gebet seine Hauptbeschäftiguno-. 
Und so ist er denn auch, der in Wahrheit und Gerechtigkeit seinen Pfarrgenossen und 
Mitchristen zum Muster und zur Auferbauung gelebt, den vom hl. Geist so überaus ge- 
priesenen seligen Tod der Gerechten gestorben." 

„Seine Wirksamkeit", schliesst Ackeus seineu Nekrolog, „bildet eine Epoche in der 
Geschichte der musikalischen Zustände Aachens. Er war ein von Allen, die ihn kannten, 
geachteter und geliebter Mann, dabei anspruchslos und bescheiden. Er war ein tüchtiger 
Künstler und ein edler Mensch." 

Die Kompositionen Zimmers werden heutzutage nicht mehr aufgeführt. Fast alles, 
was er geschrieben, hat einem anderen Kunstgeschmacke den Platz räumen müssen und 
ist vergessen. Nur seine Melodien zu Kirchenliedern leben auch heute noch im Munde des 
Volkes, insbesondere die Melodie zudem vielgesungenen schönen Weihnachtsliede „Menschen, 
die ihr wart verloren". Möge der Refrain dieses Liedes noch lange Jahre in Aachens 
Kirchen verkünden, was Zimmers bei all seinem Schaffen vorschwebte: „Ehre sei Gott in 
der Höhe!" 

Aachen. J. Fey. 



1 Gefl. Mitteilung des Hrn. Stiftsarchivars Kanonikus Vi hoff. Das Jahresgehalt betrug damals 
150 Thaler. 

Die Ziuimersschen Kompositionen erschienen bei Arnold in Elberfeld, bei X. Simrock in 
Bonn, bei Hensen in Aachen, teilweise auch im Selbstverläge. Von den verschiedenen ,,T<* Deums" ist 
keines zum Druch gelangt. 

Luf dem Totenzettel. 



— 47 — 

3. Die Anwesenheit einer hanseatischen Gesandtschaft an König 
Philipp III. von Spanien in Aachen im Dezember 1606. 

Das in dieser Zeitschrift veröffentlichte Tagebuch des Aachener Stadtsyndikus 
Melchior Klocker, das die Jahre, 1602—1608 umfasst, enthält zum 26. Dezember 1606 
folgende Notiz:- „Ahm 26. Decembris seiudt der Anzer (?) statt gesandten ufrn rahthauss 
gewesen und haben sich hochlich erbotten und einen zimblichen trunck gethain 1 ." 

Unter „Anzer statt gesandten" sind die Gesandten der Ilansastädte zu verstehen. 
Infolge eines Beschlusses des Hansatages zu Lübeck vom 16. Juni 1606 ordneten die 
Städte Hamburg, Lübeck und Danzig gemeinschaftlich eine Gesandtschaft an König Philipp III. 
von Spanien ab mit dem Auftrage, wegen der spanischen Handelsprivilegien, der Forderung! n 
hanseatischer Kaufleute an die dortige Regierung u. s. f. in .Madrid Beschwerde zu führen. 
Der lübeckische Gesandte, der Ratsmann Henrich Brockes hat in seinen Tagebüchern auch 
über die Reis'e der Gesandten von Lübeck nach Madrid eingehende Mitteilungen gemacht, 
die wegen des grossen Interesses, das sie erregen, schon 1774 auszugsweise veröffentlicht 
und späterhin vou der Geschichtsforschung vielfach benutzt und verwertet worden sind-. 
Es dürfte manchem Leser dieser Zeitschrift nicht unwillkommen sein, zu erfahren, was 
die Aufzeichnungen Henrich Brockes' über den Aufenthalt der Gesandtschaft in Aachen 
berichten. 

Der Bedeutung und dem Wohlstande der Hansastädte entsprach die Ausrüstung 
und die Bedienung eines jeden der Gesandten, abgesehen davon, dass die lange Dauer der 
Reise und die mit ihr verbundenen mannigfachen Beschwerden grössere Zurüstnngen 
nötig machten. Brockes hatte 6 Personen zu seinem Dienste, zu deren Fortschaffung 
eine Kutsche und vier schön braune Pferde sowie ein brauner Gaul (Not- und Reit- 
pferd) dienten. Ausserdem befand sich in seiner Begleitung der Konsul zu Lissabon, 
Hans Kempferbeck, mit einem berittenen Diener. Die anderen Gesandten, der „gemeine 
Hansesche Syndikus", Johann Domann, der Hamburger Ratsmann Jeronymus Vogeler 
und der Danziger Ratsmann Arnold von Holten waren ähnlich ausgerüstet. Die Reise 
ging durch Westfalen nach Köln und von da über Aachen nach Brüssel, da die 
Deputierten angewiesen waren, zunächst den Erzherzog Albrecht „Herrn der hispanischen 
Niederlande" zu begrüssen. Wegen der kriegerischen Unruhen jener Zeiten, die das 
Reisen unsicher und gefährlich machten, war es häufig nötig, dass sich die Gesandten von 
einer Stadt zur andern durch eine militärische Bedeckung (convoy) begleiten liessen. 

So hatte auch der Kölner Rat „30 gute Soldaten" der Gesandtschaft beigegeben, 
die von Aachen aus wieder zurückkehrten; am 13. Dezember (alten Stils) Mittags zogen 
die Deputierten aus Köln, nahmen ihren Wen' über Bergheim und Jülich und langten am 
IT). Dezember 2 Uhr in Aachen an. 

Wir lassen nun folgen, was Brockes über die Aufnahme sagt, die er und seine 
Kollegen in Aachen fanden. Waren die hanseatischen Abgeordneten überall in deutschen 
Landen höchst ehrenvoll empfangen und freigebig beschenkt worden, so namentlich in 
Aachen. 

„Den 16. December blieben wir zu Aach stille, versuchten die warmen Bäder und 
besahen die Thumkirchen darein vieU Reliquiae von Carolo magno, sahen caput, gladium, 
Coronam, novum testamentum etc., wie auch sein sepulchrum, und den Kunniglichen Stuell, 
davon sich die Stadt rhümet und schreibet. Die Bürgermeister und etliche <\v> Raths 
kamen zu uns in unse Losamenter, gratulirten und verehrten uns mit Weinen und hielten 
uns auff dem Rathhause den anderen Tag in den Weinachten ein Banket, dabei sie sieb 
mit uns l'rölich machten bis in den spülen Abent. 

Den 17. December, wie wir das Frühstück assen und aus Aach ziehen wollten .tut' 



] ) Aus Aachens Vorzeit, Jahrg. IV, 8. 126. 

») S. besonders Pauli in der Zeitsohrifl des Vereins für Lübeckische Geschichte und Alter- 
thumskunde, l. S. 79 ff., S. L73 ff., S. 281 ff.; auch Seibertz, Quellen dor Westfälischen Geschichte, 

il. S. 421 tf. 



— 48 — 

Mastricht, kam der älteste Bürgermeister in Stiefeln und Sporen zu uns und erbot sich 
mit uns zu reiten und uns zu geleiten so weit der Stadt Jurisdiction sich streckede. Wir 
wollten solches nicht zulassen und bedankten uns der Ehre. Aber er wollte von seiner 
Meinung' nicht weichen. Also mussten wir es geschehen lassen, schiedeten um 8 Uhr aus 
Aach mit einem guten Convoy von 30 Soldaten. Der Bürgermeister ritt mit drei Dienern 
und anderen Bürgern durch die Stadt vor unserm Wagen her. Aber sobald wir aus der 
Stadt kamen, setzte ich mich auch zu Pferde, der von Danzig that solches auch, und 
nahmen also den Herrn Bürgermeister zwischen uns, bis dass er wieder umkehrte, welches 
geschah eine kleine Meile von der Stadt." 

Aachen. F. Oppenhoff. 

4. Ein merkwürdiger Fund. 

(Briefe Davouts an Napoleon I.) 

Im 1. Heft des vorigen Jahrganges unserer Zeitschrift, S. 14—15, berichtete ich 
über einen seltenen in Aachen gemachten Fund, bestehend aus 5, zum teil chiffrierten 
Briefen des Marschalls Davout an Napoleon I. Wenn ich damals nur von einem Miss- 
erfolg der zahlreichen Versuche, das Geheimnis der Briefe zu lichten, erzählen konnte, 
so ist es mir jetzt vergönnt mitteilen zu können, dass sie entziffert sind. Es war ein 
merkwürdiger Zufall, der die Lösung des Eätsels herbeigeführt hat. Herr Oberlehrer 
Dr. Holzhausen in Bonn, ein mit dem hier gemachten Funde bekannter und mit der 
Geschichte Napoleons und seiner Zeit sehr vertrauter Herr, traf auf einer Reise in Italien 
einen französischen, in Stockholm thätigen Geistlichen und erzählte diesem von den in 
Aachen gefundenen Briefen. Dieser Herr nun interessierte sich sehr für die Entzifferung 
der Briefe und war so glücklich, bei seinen Nachforschungen im Kriegsarchiv zu Stock- 
holm Briefe zu finden, die mit den uusrigen in den ausgeschriebenen Teilen fast gleich- 
lautend waren, hingegen Chiffreschrift zeigten an einigen Stellen, die bei unsern Briefen 
nicht chiffriert waren und umgekehrt. Das Verhältnis der Briefe zu einander war so, 
dass ein gewandter Dechiffreur eine Lösung finden konnte. Ich sandte die Schriftstücke 
an das Chiffrier-Bureau des Auswärtigen Amtes in Berlin. Dem Direktor jenes Bureaus, 
Herrn Geh. Hofrath Willisch, gelang es nach und nach, alle Briefe zu entziffern. 

Sie stehen inhaltlich natürlich zur Geschichte Aachens nicht in Beziehung und sind 
deshalb von mir auch nicht in einer Aachener Zeitschrift, sondern im 1. Heft des laufenden 
Jahrgangs der Historischen Zeitschrift der Görres-Gesellschaft veröffentlicht worden. Sie 
geben einige nähere Nachrichten zur Geschichte des Krieges im Jahre 1813, soweit er 
sich auf dem nördlichen Schauplatze abspielte, und namentlich zur Geschichte Hamburgs 
unter Davout. Manche Nachrichten sind sehr kleinlich und minderwertig. Im allgemeinen 
steht der für die Geschichtsschreibung resultierende Gewinn kaum im Verhältnis zu den 
um jene Briefe aufgewandten Mühen. 

Aaclten. C. Waeker. 

Verlag der Crcnier'schcn Buchhandlung in Aachen, Kleinmarschierstr. 3. 

P. Clernen, Die Porträtdarstellungen Karls des Grossen. VIII, 

234 S. ; mit siebzehn Abbildungen Mk. 0. — 

Dr. 0. Dresemann, Die Jakobskirche zu Aachen. Geschichtliche 

Nachrichten und Urkunden. 124 S Mk. 2 — 

C. lihoen, Die ältere Topographie der Stadt Aachen. II, 142 S. 

mit 4 Plänen Mk. 2 — 

Dbi i e von Hermann Kaatzer in Aachen. 




IWJ 



Jährlich 8 Nummern 

ä 1 Bogen Royal Okta\ 

Preis des Jahrgangs 

4 Mark. 





Kommissions -Verl 

ilor 

Cremer'seh'en Buchhandlung 
(C. Cazin) 

in Aachen. 



Mitteilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit. 

Im Auftrage des Vereins herausgegeben von H. Schnock. 



Nr. 4/6. 



Neunter Jahrgang-. 



1890. 



Inhalt: IL J. Gross, Schünau (Fortsetzung). — Kleinere Mitteilungen: l. Aktenstücke 
aus dem Aachener Stadtarchiv. — 2. Veranstaltung von Maskenbällen bei festlichen Gelegen- 
heiten im vorigen Jahrhundert. - - 3. Zur Geschichte des Kreuzherren-Klosters, - 4. An- 
ordnung einer Prozession durch den Rat. - 5. Fleischverkauf in der Fastenzeit. 



Schönau. 

Von H. J. Gross. 
II. 

Die Herren von Schönau. 

1. Die Pfalzgrafen. 

Die ersten Besitzer Schönaus, von denen wir Nachrichten haben, gehören 
zur Familie der Aachener Pfalzgrafen; Sie besasson das ganze praediura 
Riehterich als Allod. Was über dieselben zu sagen ist, wird in einer Ab- 
handlung über das Ländelien zur Heiden zusammengestellt werden, darum 
begnügen wir uns hier mit der Anführung- der Namen. 

a) Hezelo (um das Jahr 1000), zweiter Sohn des Pfalzgrafea fferman. 

b) Heinrich der Wahnsinnige, Sohn Hezclos und Pfalzgraf seil 
1045, in welchem Jahre der bisherige Pfalzgraf, Heinrichs Bruder Ezzo, 
das Herzogtum Alemannien erhielt. 

e) Heinrich IL, Pfalzgraf und Stifter der Abtei Laach, gestorben 1095. 
d) Siegfried von Ballenstädt, Stiefsohn Heinrichs Tl. und Pfalzgraf, 
fiel in der Empörung gegen Heinrich V. am II. Februar 111.5. 

c) Wilhelm, Sohn Siegfrieds und Pfalzgraf, starb kinderlos lim. 
Nach dem Tode Wilhelms begann d^v rasche Wechsel im Besitze *\r^ 

praediura Richterich, den wir schon im ersten 'feile unserer Abhandlung 
kurz berührt haben. Während wir nun über die .Schicksale des praediura 



— 50 — 

ziemlich genau unterrichtet sind, lassen uns die geschichtlichen Nachrichten 
in beziig auf den Haupthof Schönau vollständig im Stiche. Erst von 
Hemricourt vernehmen wir, dass derselbe sich beim Beginne des 13. Jahr- 
hunderts im Besitze des Herrn Heineman von Aachen (d'Aix), genannt 
Schönforst, befunden habe. 

Wie schon anderwärts hervorgehoben wurde \ beruht die Beifügung 
des Titels von Schönforst zum Namen Heinemans auf einem Irrtum Hemri- 
courts. Aber wie ist es mit dem Zunamen d'Aix? Wer waren diese Herren 
von Aachen? Standen sie vielleicht in verwandtschaftlicher Beziehung zu 
den Pfalzgrafen und sind sie dadurch in den Besitz von Schönau gekommen? 
Bekannt ist, dass eine Familie gleichen Namens sich schon im ersten Viertel 
des 12. Jahrhunderts in einflussreichen Stellungen am kaiserlichen Hofe 
befand und fast 150 Jahre lang die Vogtei in Aachen bekleidete 2 . Ob 
aber die Schönauer diesem Geschlechte angehört haben 3 , ist mir schon 
deshalb zweifelhaft, weil sich bei letzterem meist der Vorname Wilhelm 
findet, der bei den Schönauern gar nicht vorkommt. Übrigens schreibt 
Hemricourt den Heineman der Familie Limburg-Haesdal zu. 

Gegen Anfang des 13. Jahrhunderts, so erzählt derselbe im Miroir 
des nobles de Hasbaye, lebte Heineman von Aachen genannt Schönforst, 
der ein tapferer Bannerherr aus dem Geschlechte derer von Limburg-Haesdal 
war und auch das limburgische Wappen, nämlich einen roten mit drei 
silbernen Ballen (besans) belegten Löwen, führte. Er heiratete eine Tochter 
des Herrn von Warfüsee, die Dame von Burtonbur, und hatte drei Söhne: 
Heinrich von Fexhe, Raso 4 Mascharel 5 und Arnold von Burtonbur 
(Bretonbour). Aus Verdruss darüber, dass infolge der Schlacht von 
Worringen (1288) das Herzogtum Limburg an Brabant kam, legten die 
Brüder das Limburger Wappen ab und behielten blos die Kugeln (tortelets) 
bei; Heinrich nahm ein rotes Feld mit silbernen, Easo ein silbernes Feld 
mit roten und Arnold ein silbernes Feld mit blauen Ballen an. Letzterer 
belegte ausserdem, weil er der jüngste war, sein Schild mit einem Turnier- 
kragen. Danach ist klar, dass die Schönauer, welche Silber mit Rot im 
Wappen führen, Rasos Nachkommen sind, während die Herren von Winands- 
rade, die den Kragen zeigen, von Arnold abstammen. 

Einstweilen ist es selbst für Fachmänner 6 , geschweige für mich, 
unmöglich, eine Geschlechtsreihe der Herren von Schönau aus der Familie 
d'Aix herzustellen, in welcher jedem Mitgliede die richtige Stelle angewiesen 
wäre. Ich muss mich darum ebenfalls bescheiden, die Namen anzugeben, 

'l Vgl. meine Abhandlung über Reinard von Schönau, „Aus Aachens Vorzeit"' 
Jahrg. VIII, S. 19, Anni. 3. 

2 ) Vgl. Loerseh, Aehener Rechtsdenkniäler S. 274 ff. 

8 ) Vol. Hansen, Zeitschrift des Aachener Geschichts- Vereins IV, S. 93. 

4 ) Erasmus. 

6 ) Über diesen Namen vgl. Eeinard von Schönau 1. c. Jahrg. VIII, S. 19, Anm. 4. 

6 ) Vgl. Hansen, Zeitschrift des Aachener Geschichts-Vereins VI, S. 92. von 
Oidtmau, das. VIII, S. 209. 



- 51 — 

wie sie in den Urkunden vorkommen, berichtete Thatsachen mitzuteilen 
und diejenigen Persönlichkeiten hervorzuheben, welche nachweislich 
„regierende Landesherren" waren, wie sich ein Mylendunck in seinen Prozess- 
akten ausdrückt. 

2. Die Herren von Schönau aus der Familie d'Aix. 



Lange bevor die von Hemricourt berichtete Wappenänderung vor sich 
gegangen ist und zwar in den Jahren 1252 und 1254 lebte Gerard von 
Schönau 1 . Er wird als Ritter bezeichnet, aber da die Urkunden ihn nur 
als Zeugen anführen, lässt sich weiteres über ihn nicht angeben. Quix 
betrachtet ihn als Herrn zu Schönau. Gleichzeitig mit Gerard lebte 

Ritter Simon von Schönau. Derselbe besass in Aachen zwei Häuser, 
welche der Amtswohnung des Sängers Conrad vom Münsterstifte gegenüber 
lagen, sowie eine Mühle auf der Pau. Diese Liegenschaften veräusserte 
Simon vor dem Jahre 1261 an den genannten Sänger 2 . Auch 

He in em an d'Aix, den Hemricourt anführt, war ein Zeitgenosse 
dieser beiden Schönauer, denn er lebte noch um 1240 3 . Heinemans Söhne 
haben wir oben aus Hemricourt angeführt. Der zweite derselben 

a) Raso Mascharel I, der bis 1290 nachgewiesen werden kann 1 , 
war Herr zu Schönau. Den Namen Raso führte er wohl nach seinem Gross- 
vater Raes von Warfüsee, den Spitznamen Mascharel nach dem Wappen. 
ini genannten Jahre unterzeichnete er mit seinem Sohne Johann und 
besiegelte einen Vertrag zwischen dein Aachener Münsterstifte und Macharius 
von Mühlenbach. Damals war Johann schon grossjährig aber noch nicht 
Ritter; diesen Titel führt er in einer Urkunde von 1314 5 . Wir finden ihn 
noch 1324 als Zeugen in der Erklärung des Cuno von Molenark über den 
Verkauf der Güter in Obermerz an die Abtei in Burtscheid. In diesen 
Urkunden nennt er sich Johann von Schönau; Besitzer der Herrschaft ist 
er nicht gewesen. Johann scheint nur eine Tochter gehabt zu haben. 
welche den Ritter von Brouck (Broich bei Aachen) heiratete, der ans dem 
edlen Geschlechte der Gimmenich stammte. So Hemricourt. Nach Raso 
Mascharel I erscheint als Herr zu Schönau 

b) Gerard von Schönau, der sich, wie wir oben sahen, im Jahre 
1302 die Herrschaft Schönau mit ihren Gerechtsamen von Kaiser AI heil 
bestätigen Hess. Mit diesem Gerard beginnen zwei Schönauer „Deduktionen" 
die Reihenfolge der Herren dieser Herrschaft. Aber wer war dieser Gerard? 
WCder Hansen noch von Oidtman 7 noch de Chestret 8 erwähnen ihn in 
ihren Geschlechtstafeln. Zwar führt letzlerer- freilich mit Fragezeichen 
einen Gerard von Schönau als zweiten Sehn Rasos I au. der jedoch 
bereits L306 Kanonikus und seit 1319 Dechant des Servatiusstiftes in 
Mastricht war: sollte dieser unser Gerard sein? Dann müsste man annehmen, 



x ) Quix, Frankenlmru- S. 128. Reichsabtei Burtscheid S. 246. ') Quix, Schö 
S. 33 f. 3 ) Hansen a. a. 0. S. 23. ') Quix, Berensberg S. in:;. "> <,>nis, Schöuau S. 41. 
6 ) Hansen I.e. Bd. 71, S. 96. 7 )(>iih man I. c. Bd. VII 1, S.212. 8 ) Renard de Schönau 3.8, 9. 



— 52 — 

derselbe habe nach 1302 Waffen und Herrschaft abgelegt und sei in den 
geistlichen Stand getreten. Doch erwähnt Hemricourt unter den Söhnen 
Rasos II einen Gerard, den er „on tres wailhans hommes d'ariiie" 
einen sehr tapfern Kriegsmann nennt. Aber auch Rasos II Sohn Gerard 
war Geistlicher, Sänger am Münsterstifte in Aachen sowie Kanonikus der 
Stifter St. Paul und St. Lambert in Lüttich. Die Bezeichnung als tapferer 
Kriegsmann passt dagegen trefflich auf unsern Gerard, den Herrn von 
Schönau, den ja auch Kaiser Albert „vir strenuus" nennt. Sollte nun wohl 
Hemricourt beide Gerarde verwechselt und dem Neffen zugeschrieben haben, 
was dem Oheim zukam? Das halte ich für wahrscheinlich und nehme 
darum an, unser Gerard sei der älteste Sohn Rasos I gewesen und kinder- 
los gestorben, worauf dann Schönau auf den zweiten Sohn, Raso II überging. 

Gegen diese Auffassung spricht allerdings der Umstand, dass dann 
zwei Söhne Rasos I denselben Vornamen geführt hätten. Das kommt jedoch 
auch bei Reinard I vor, von dessen Töchtern zwei Elisabeth hiessen. doch 
war eine derselben ein uneheliches Kind] 1 ; von Reinards Brüdern hiessen 
ebenfalls zwei Johann. 

Zur Zeit Gerards lebte auch ein Ritter Arnold von Schönau, der 
nebst andern Edelleuten im Jahre 1301 mit dem Abte von Steinfeld einen 
Vertrag über den Mönchsbusch abschloss 2 ; am 15. September 1307 3 starb 
Heinrich von Schönau, Sänger der Liebfrauenkirche in Aachen, welcher 
dem Kapitel eine Mark, den Kirchendienern sechs Schillinge vermachte. 

c) Raso Mascha rel II, der von Hemricourt als der älteste Sohn 
Rasos I angeführt wird, war Herr zu Schönau und Ülpich 4 . 1319 unter- 
zeichnet er als Herr Raso, Ritter von Schönau, die Urkunde, durch welche 
Arnold von Gimmenich der Alte die Schenkung eines im Limburgischen 
gelegenen Waldes an die Abtei Burtscheid verbrieft 5 . Seiner Ehe mit der 
Schwester Gerards von Bongart entsprossen sechs Söhne und wenigstens 
eine Tochter Adelheid, die wahrscheinlich Winand von Rode heiratete 7 . 
Die Söhne hiessen: Johann Mascharel, Herr von Ülpich, der nach Hemri- 
court eine Tochter Thiebauts de la Vaux zur Ehe genommen haben soll; 
A melius, Abt von St. Trond; Gerard, der Sänger des Aachener Münster- 
stiftes; Johann Hage, Kanonikus an derselben Kirche; Raso Mascharel, 
Herr zu Schönau und Reinard von Schönforst. Für letztern, welcher der 
bedeutendste Schunauer und Stifter der Linie Schönforst ist, verweise ich 
auf meine mehrfach erwähnte Abhandlung, in der auch die Nachrichten 
über seine Kinder und Brüder zusammengestellt sind. Wir beschäftigen 
uns darum hier nur mit 

d) Raso Mascharel III, Herrn zu Schönau. Er hatte aus seiner 
ersten Ehe mit Adille von Esneux eine Tochter Elisabeth, welche den 



*) Vgl. meine Abhandlung Reinard von Schönau, „Aus Aachens Vorzeit", Jahrg. VIII, 
S. 60. 2 ) Quix, Schönau, S. 36 ff. 3 ) Ungedruckter Nekrolog der Münsterkirchc. Vgl. 
Hansen a. a. < ». S. 95. 4 ) Hansen a. a. 0. S. 9G; de Chestret a. a. 0. S. 8. 5 ) Quix, 
Beichsabtei Burtscheid S. 317. 6 ) de Chestret a. a.O. S. 8, 9. 7 ) von Oidtinan a. a. 0. S. 212. 



— 53 — 

Winand von Rode heiratete, der nach Hemricourt ein Sohn des Herrn 
von Argenteau und „on bon Chevalier wailhans 1 et hardy" war. Von 
ihm führt Winandsrat den Namen. 

In zweiter Ehe vermählte sich Raso mit Agnes von Bilreveld. Die 
Gatten stifteten 1344 den Katharinaaltar in der Kirche zu Richterich und 
statteten denselben aus „mit gewissen Erbgütern und Einkünften, welche 
sie in stehender Ehe gekauft, erworben, beschafft und hierzu bestimmt 
hatten," wobei sich Raso das Patronat über den Altar für sich sowie für 
den zeitlichen Herrn. Erben, Nutzniesser oder Verwalter (mamburnum) des 
Hauses und Schlosses Schönau vorbehielt 2 . Aus dem Wortlaute geht hervor, 
dass Raso und Agnes nur solche Grundstücke und Renten zu der Stiftung 
verwendeten, welche nicht zu Schönau gehörten sondern von ihnen selbst 
erworben worden waren; hieraus lässt sich schliessen, dass sie nicht 
berechtigt waren schönauisches Gut zu veräussern. 

Rasos Tochter, Elisabeth von Winandsrode, machte am 24. November 
1359 ihr Testament 3 . Sie ernannte zu Vollstreckern ihren Vater, Rais 
Maschreil, Johann von Schönau, Kanonikus an St. Servatius in Maastricht 
und Johann den Mönch van den Velde, ihre Verschwägerten, sodann die 
Frauen Adelheid von Schönau, Frau von Rode, Adelheid von Ülpich — 
beide ihre „Möhnen" — und Oda von Brumüllen. Von Kindern erwähnt 
sie nur ihre Tochter Adelheid, von andern Verwandten „Bruder Johann 
von Schönau", ihr „Brüderchen" und Adelheid, ihr „Schwesterchen" 4 . 

Die an erster Stelle genannte Adelheid war wohl die Tochter Raso 
.Maschereis I, die Grosstante der Erblasserin. Sie hatte den Herrn Arnold 
von Jülemont geheiratet 5 ; vielleicht war sie in zweiter Ehe mit einem 
Herrn von Rode vermählt 6 . Elisabeth liess ihr die Wahl zwischen einem 
„diamant vingeren" und einem „gülden rink"; das von ihr nicht gewählte 
Andenken sollte die Frau von Ülpich erhalten. Letztere ist die Witwe 
Raso Maschereis II; sie war eine Warfüsee 7 . 

Von den Vermächtnissen der Elisabeth an Kirchen und Klöster erwähne 
ich nur die Erbrente von einem Malter Roggen, welche sie „zo uusnie 
altair" stiftete; hiermit ist wohl der von ihrem Vater errichtete Katharinen- 
altar in der Kirche zu Richterich gemeint. 

Bei der Verpfändung von Montjoie und Cornelimünster an Reinard I 
hatte der Herzog von Jülich diesem, seinem Bruder Mascherei und ihrer 
„Mohn", der Frau von Ülpich, die Gerichtsbarkeit über ihre Lassen und 
Leute auf den Gütern gewährleistet, welche sie in den Kirchspielen Rich- 
terich und Eigelshoven besassen. Godart, der erste Herr zur Beiden, 
anerkannte dieses Zugeständnis in demselben Jahre ( 1361 1 mit der Erklärung, 



!) vaillant, tapfer. 2 ) Quix, Schönau S. li ff. 

:! ) Siehe dir Urkunde in der Zeitschrift dea Aachener Geschichts-Vereins VIII, S. 21 i ff. 

M von Oidtman hält diese beiden für uneheliche Kinder Rasos, weil sonsl Johann 

in Schönau hätte succedieren müssen, indessen wird Johann als Bruder Mönch bezeichnet. 

5 ) Hansen a, a. 0. S. 96. °) von Oidtman a. a. 0. S. 211. 7 » Bansen a.a.O. S. 96. 



— 54 — 

dass weder er noch seine Angehörigen irgendwie mit den Gerichten, den 
Lassen und den Lehenleuten auf diesen Gütern zu schaffen oder Überdie- 
seiben zu gebieten haben sollten. Von den Gütern in Richterich können 
wir zwei nachweisen: den Hof, welchen Reinard I daselbst besass und 
den er nach der Erklärung seiner Söhne zu Gottes Ehre verwenden wollte, 
sodann den dortigen Zehnthof, der dem Raso gehörte und der später — 
wahrscheinlich durch den gleich zu nennenden Godart von Rode — an das 
Aachener Münsterstift verkauft wurde. Letztere Besitzung wurde immer 
als zum Schönauer Gebiete gehörig aufgeführt. 

Raso Mascharel III ist um 1370 und zwar vor seiner zweiten Frau 
gestorben. In der aus diesem Jahre datirten Urkunde heisst es nämlich 
im Vorbehalt zu gunsten der Schönauer Gerichtsbarkeit: „ind behauten 
heren Reinarde ... op deine goede van Schoenawe ind wilne heren 
Meschriels sins broders ind der vrouwen van Ulpich ire meinen op irene 
goede ..." Damals war also Raso schon tot. Dass seine Frau ihn über- 
lebt hat, erhellt aus folgender Aufzeichnung eines ungedruckten Toten- 
buches des Münsterstiftes: „IUI Id. (Decembris) obiit Agnes dna. de Bylre- 
velt ac relicta dhi. Marchareyls de Schonawen. Com. (memoratio) diu. 
Masschereyls de Schonawen militis 1 ." Beide hatten dem Stifte je vier 
Mark vermacht. 

Nach dem Tode Raso Maschereis III hatten dessen beide Enkel, die 
Söhne der Elisabeth von Rode, mit Namen Johann Mascherei und Godart 
bis zur endgültigen Teilung Schönau in gemeinsamem Besitz. Beide be- 
erbten auch die Mohne von Ülpich. Das erhellt aus der bereits erwähnten 
Urkunde Godarts von der Heiden vom Jahre 1373, worin er den Genannten, 
seinen „magen ind broderen", verspricht, „ihnen, ihren Leuten, Lassen, 
Gerichten und Gütern von Schönau und Ülpich niemals Not, Hindernis und 
Nachteil" zufügen zu wollen. Auch die „Deduktion" im Schönauer Archiv 
bezeichnet die Brüder ausdrücklich als Erben Maschereis und der Frau 
von Ülpich. Bei der Erbteilung erhielt dann Johann Winandsrode, Godart 
Schönau. 

3. Godart von Rode, Herr zu Schönau, 

war ein streitbarer Ritter. Er beteiligte sich 1386 an der Ermordung 
Johanns von Gronsfeld, worüber in „Reinard von Schönau" eingehend 
berichtet worden ist. Wie es scheint, hat Godart selbst nicht zugeschlagen; 
während Reinard II von Schönau und Statz von Bongart Sühnealtäre 
errichten mussten, wurde ihm nur die Stiftung eines ewigen Lichtes auf- 
erlegt. Er entledigte sich der Verpflichtung in der von seinem Grossonkel 
Reinard I erbauten Schönforster Kapelle zu Aachen 2 . 

J ) „Am 10. Dezember starb Agnes, Frau von Bylrevelt und Witwe des Herrn 
Marchareil von Schönau. Gedächtnis des Herrn Masschereil von Schönau, Kitter." Hiernach 
ist de Chestret zu berichtigen, der i nach Lefort) den Tod der Agnes auf den 12. Dezember 
1349 setzt. (Renard de Schönau, S. 9.) 

-) Hansen a. a. 0. S. 97, Anm. 3. 



— 55 — 

Dieser Mord, welcher durch die begleitenden Umstände jeden ritter- 
lichen Sinn tief verletzen musste, erweckte den Schuldigen viele Feinde 
und erzeugte eine wilde Fehde. Auf diese Verhältnisse spielt der Aachener 
Rat in einem Schreiben vom 22. Mai 1889 an. Godart hatte die Stadl 
aufgefordert ihm Schadenersatz und Genugthuung zu leisten, weil Aachener 
Bürger in. seinem Brauhause am Hirz Bier getrunken aber nicht bezahlt 
und bei dieser Gelegenheit Fässer, Wimpel und selbst das Brauhaus ver- 
brannt hätten; weil ein gewisser Stimpel oder dessen Knecht ihm einen 
Hengst gestohlen; weil die Stadt ihm ihr Recht versagt habe. In der 
Antwort wies der Rat darauf hin, es sei Sache Godarts die Schuldigen 
ausfindig zu machen, für deren Bestrafung man dann schon sorgen werde: 
es gehe die Stadt nichts an. wenn Godarts Feinde ihm das Brauhaus ver- 
brannt oder sonstigen Schaden zugefügt hätten; man habe ihm auch 
das Recht nicht versagt, sondern nur wegen der „Todfehde", in der er 
sich befinde, den Aufenthalt nicht gestattet. Das habe aber geschehen 
müssen um die Aachener und andere Leute vor Schaden durch Totschlag. 
Raub und Brand zu bewahren. Godart gab sich denn auch zufrieden und 
erklärte sich mit der Stadt, ihren Bürgern und Untersassen „genzlich 
gesaist und früntlich verglichen". (1389. Juli 6. 1 ) Er starb am 20. September 
1389 oder 1390 2 . 

Godart hatte aus seiner Ehe mit der Tochter des Ritters Egidius 
von dem Weier nur zwei Töchter, von denen die ältere, Elisabeth, den 
Ritter Gerard von Vlodorp heiratete, dem sie Schönau zubrachte 3 . 

4. Gerard von Vlodorp, Herr zu Schönau, 

Sohn Godarts, des Erbvogts von Roermond und der Sophie von Neustadt. 
Im Heiratsvertrage vom 24. November 1391 erhielt er „Schloss und Herr- 
lichkeit Schönau mit allem Zubehör an Land, Leuten, Höfen. Dörfern, 
Gebuchtem, Häusern, Gütern, sowie die mit all ihren Rechten, Regalien, 
Gerichten bei Aachen gelegen sind, ausgenommen den Zehnthof, der von 
Schönau verkauft ist, darauf Gerard auch von seines Weibes wegen rechten 
Verzicht leisten soll mit Vorbehalt seiner und seiner Erben Hoheit und 
Rechts." Aus dieser Klausel geht hervor, dass der Verkauf erst kurze 
Zeit vor der Heiratsverschreibung, also jedenfalls durch den Vater der 
Braut erfolgt war. Ausserdem brachte Elisabeth in die Ehe: den Hof zu 
Modersdorf mit dem halben Gericht in der Warden, den Eof von Neuland 
mit dem Gute von Kalkhoven, das Burglehen von Moul'art (Montfort) mit 
Zinsen, Kurmedcn und 36 Kapaunen, die zu Echt erholten wurden. Auch 
sollten die Eheleute den Wingart, welchen Godart von Schönau an Eustach 
von dem Bongart versetzt hatte, für sich einlösen dürfen sowie die Forderung, 
welche dem Herrn von Winandsrode (Johann Mascherei) und seinem Bruder 
(Godart) gegen die Herzogin von Brabanl zustand, allein erheben. 

') Quix, Schönau S. 17 ff. 2 ) Das. S. 16. 

3 ) Zeitschrift des Aachener Geschichts -Vereins Bd. VIII, s. [-14, 213. 



— 56 — 

Gerard seinerseits hatte den Hof von Assel mit dem Zehnten von 
Graet, mit den Laten, Kurmeden, Fischereien, dem Zolle und dem Eechte 
des „lynpertz 1 " in der Maas und auf dem Lande. Vom Ertrage des Zolles 
waren jedoch 50 Gulden jährlich und ausserdem 15 Bunder Benden für 
die Schwester Gerards, welche Nonne zu Heinsberg war, für deren Lebens- 
zeit vorbehalten. Blieb die Ehe kinderlos, so sollte Elisabeth ihre „duarie" 
und Leibzucht an dem Hofe von Assel haben, der ein Freigut war. 

Der Herr von Schönau wurde 1409 auch mit der Erbvogtei von Eoermond 
belehnt und wird noch 1418 erwähnt 2 . Das älteste Latenweistum von 
Schönau 3 erzählt von ihm, dass er die Rechte der Herrschaft gegen die 
Eingriffe der Heidener entschieden gewahrt habe. „Noch is geleeft" 4 , so 
heisst es, „dat die van der Heiden einen zo dem Hirze gevangen hadden, 
int wart zer Heiden gevoert. Do her Gerard von Ruermunde dat vernam, 
hei underweis den her van der Heiden, dat der gevangen weder gelevert 
wart zen Hirz losledich, in voegen: misdeden syne lüde of jemantz anders 
op synen gude, dat seulde hei uisrichten als sich dat gebärde. Item noch 
hat men geleeft, dat op dem hove, die nu joncher Wynants van Korten- 
bach is, dry man gevangen worden op des hofs gueden ind worden euch 
zo der Heiden gevoert, ind der loes 5 doe zerzyt hilt dat, dat gein amtman 
op den gueden vangen noch penden 6 en seulde, dan der bode zo Schonouwen. 
Her Gerart underwies den her van der Heiden, dat die dry man wider 
losledich op die stede gelevert worden, da sy gevangen worden sind; ind 
die zween here worden des eins, dat des nit nie geschien en soulde. Mis- 
dede jemantz op die guede to Schonouwen, her Gerart soulde ein richter 
darvan syn, ind den hof 7 soulde man untfangen to Schonouwen ind nirgent 
anders. Ind wart euch do geuissert, of zween loessen van Schonouwen sich 
sloegen op der straissen, her Gerart ind syne vurfaren hielten die darzo, 
dat sy dat dem lanthern richten aver 8 des lanthern bode. Die en kroede 
sich der loessen nit zo vangen um der stück (?) wille." 

Gerards Kinder waren Wilhelm, der seinem Vater in der Erbvogtei 
von Roermond folgte, und Odilia, die Erbin von Schönau. Sie brachte durch 
ihre Heirat mit Johann von Mirlar die Herrschaft an das Geschlecht der 
Herren von Mylendunck. Werfen wir einen Blick auf die Herrlichkeit 
Mylendunck und ihre Besitzer, bevor wir die Erzählung der Geschichte 
Schönaus unter diesen Herren weiterführen. 



') Das Recht, den Schiffern auf der Maas gegen Entgelt die Pferde zu stellen, 
che auf dem Leinpfade die Fahrzeuge stromaufwärts zogen. 

-') Zeitschrift des Aachener Cleschichts -Vereins VIII, S. 129. 3 ) Quix, Schönau 
S. 3 ff. 4 ) erleht worden. 5 ) Das Latengericht. °) pfänden. 

M Kortenbach. Später machten die Heidener ein Lehen daraus, was die Schönauer 
aber nicht unerkannten. 

8 ) statt avermitz, overmitz = mittels. 



— 57 — 

Mylendunck 

war im 12. Jahrhundert eine bedeutende Herrschaft, welche jedoch durch 
einen Vertrag Gerlachs I mit Engelbert II, Erzbischof von Köln, eine 
-rosse Einbusse erlitt. Im Jahre 1274 verkaufte nämlich Gerlach zwölf 
Ortschaften mit ihren Einkünften, Dienstmannen und Lehnsleuten sowie 
viele Lehen diesseits und jenseits des Rheins an den Erzbischof, verzichtete 
auf alle Lehengüter, welche er von der Kölnischen Kirche in Händen 
hatte und nahm selbst einen Teil von Mylendunck als Kölnisches Lehen an '. 

Nach einem „Syllabus defunctorum dominorum in Mylendonck" im 
Archive daselbst 2 trennte Gerlach auch die Herrlichkeit Pesch- Weinsack 
von der Herrschaft und trat dieselbe an Herman von Imelhausen für 
geleistete treue Dienste ab. 

Ein „Unvorgreiflicher statns über das haus und die reichsfreie herr- 
schaft Mylendunck" im Schönauer Archiv, den ich wegen seiner inter- 
essanten Einzelheiten hier vollständig- folgen lasse 3 , gibt über Besitzungen 
und Einkünfte eingehende Nachricht: 

„Erstlich zu beobachten, dass im leichten geld Neusser wehrung die 
geringste sort ein heller; deren 12 machen einen albuni oder Weisspfenning, 
24 albus einen gülden und 25 einen daler, alles Neusser wehrung; ein 
reichsthaler aber hat 100 albus. 

Die früchtenmass ist besonder dieses orts, komt doch bald mit der 
Neusser mass übereinander, ist doch etwas starker, gehet mit malderen. 
Ein malder hat 8 fass oder 4 4 sümmeren, ein sümmer 2 fass, das fass 2 
viertel. Das viertel 2 pinten. 

Der morgen lands hat 150 ruthen, jede ruthe 16 fuss vierkantig. 
Das schloss und herrschaft Mylendonck ist ein Geldrisch-Zütphanisch Lehen, 
gelegen auf des h. römischen reichs boden, zwischen das Gülische und 
Kölnische land inclavirt, 3 stund von Neuss. Bestehet in drei unter- 
schiedenen gebauten quartieren, im ober- mittel und Unterhaus oder bauhof. 
Das Oberhaus samt dem mittelsten haben ihre dreifache, im haus einen 
breiten sonsten zwei schmale Wassergraben, der unterste bau aber allein 
den breiten graben umher. So ist auch auf etwa ungefehr loo schritt 
dabei ein weitläufige]- schöner garten, so in allem bezirk samt dem baum- 
garten und darum gellenden Wassergraben zu dreien seilen dem ruf nach 
8 morgen anhaltet 5 , mit lustparken, hecken und lusthäusern durchher 
gezieret. So seind auch vor dem haus viele schöne und wolbesetzte, 



*) Lacomblet, Urkundenbuch II, S. 387. 

-) Ich verdanke einen Auszug der Freundlichkeit des Herrn Baron von Wttllen- 
weber auf Mylendunck. 

3 ) fn der Abschrift sind die Überflüssigen Doppclkonsonanten im In- und Auslaut 
weggelassen, die v und w durch u, die y durch i ersetzt. 

4 ) oder fehlt in der Vorlage. 

5 ) In der Vorlage: anhaltend. 



— 58 — 

bepflanzte (lammen und gemeinden 1 und annebens um dem schloss eine 
weide und bleichplatz. Für dem haus fliesset eine rivier, die Neers 
genannt, zweimal vorüber. Item ist 2 (dasselbe) neben dem baumgarten 
(und dabeneben mit schönen weieren. welche mehrentheils alle mit messen- 
dem wasser unterhalten werden), versehen mit einem hopfengarten. 

Speciflcatio der jährlichen gefallen und renten. Stätige gehlrenteu. 
Erstlich zwei drittentheil eines fahrzins von 26 albus 4 heller und 4 hüner, 
das stück ad 8 albus, facit 33 albus ö 1 ^ heller. 

Der erbschatz, erbrent und waggeld tragt aus nach abzug des 
gerichts gerechtigkeit, so selbig jährlichs empfängt, und andere darauf 
haftende reallasten, facit 164 daler 41 albus 3'/ 2 heller 3 . 

Das schützeugeld nach abzug des heblohns facit 181 rth. 99 albus 3 . 

Item seind es elf schwäre fuhren, wovon jede bezahlt wird mit 5 rth. 
facit 55 rth. 

Folgen übrige jedoch unbeständige geldrenten. 

1. Die wasserschmitt gibt jährlichs mit dem zoll 50 rth., wan der 
einwöhner aber am haus 1 arbeitet, gibt er 40 rth. 

2. Die wein- hier- und brandeweinsaccise ist verpfachtet für 60 rth. 

3. Das haus hat 36 lehn an und wan ein lehnman stirbt, bekomt der 
herr bei Vorstellung des neuen vasallen 7 rheinische goldgulden oder species 
reicdisthaler dafür und einen sammeten beutel oder x / 2 species reichsthaler, 
und werden auf jedes jähr durcheinander zwei gerechnet, facit 21 rth. 

4. Wan ein erb verkauft wird, gebührt dem lierrn davon der zehnte 
Pfenning, so mit jähren auf 40 rth. verpfacht worden. 

5. Der brächten werden jährlichs durcheinander gesetzt 50 rth. 

6. Das weinhaus hat gethan 60 rth. 

7. Drei in der herrschaft gelegene herrhöfe an küchengeld 5 und 
neujahr 43 rth. 

8. Wan Juden, geben 8 rth. zum tribut; jetzo ist nur einer. Auch 
gibt der jud alle zungen von geschlachten beesten und 2 feiste gänse. 

9. Die oel- und lohemühle gibt 150 rth. 

10. Die kornmühl 10 rth." 

11. — 19. Acht Posten Land, Benden, Graserei in den Brüchen, zu- 
sammen 32S rth. 50 alb. 6 . 

„20. Eeiderhof küchengeld 20 rth. 

21. Die abnutzung der garten und baumgarten, so dan 3 weieren 
und auf den dämmen stehendes holzgewachs wird gesetzt ad 100 rth. 



') Vgl. unten 22. 

'-') In der Vorlage: hm. „dasselbe" fehlt. 
:: i Eier sind also Reichsthaler gemeint. 
') Am Herrenhaus. 

i Betrag «Irr Lieferungen dieser Höfe für dir Herrcnküche an Gewürz u. s. w. 
'i Hier sind also Reichsthaler ireineiiit. 



— 59 — 

22. Item das haus anhaltend einen busch 86 1 /., morgen, welcher nun- 
mehro ziemlich verhauen vom herrn mit eichen wieder bepostel werden 
kan, sonsten der Heckbroicher und Haringsopper hundschaft zu wasser 
und wiede offen liegt. Noch ein stuck buschgens, so gleichfalls verhauen 
und gleicher natur ist. 5 :; , morgen anhaltend. Item hat es noch ein 
klein eichenbüschlein vorm haus, 10 morgen gross, so mit gräblein ringsum 
versehen, worin die gemeinde kein laub und gras hat. 

23. Item hat das haus an stockbroieher, welche einmal alle nenn 
jähr umgehauen werden. 145 morgen; hieraus können jahrlichs durch- 
gehends 16 morgen gehauen werden und setze jeden morgen, wie selbige 
vorhin verpachtet gewesen ad 12 rth.. facit 192 rth. 

24. Das fehl vorm haus, das hausfeld genant, hat an morgenzahl 
67 morgen, ist verpfachtet ad 7 rth. Neusser wehrung; hat vorhin gethan 
ein malder korns und ein malder ein sünmier haberen ad 243 rth. 

25. Noch ein fehl, das cranenfeld genant, ungefähr 44 morgen, der 
morgen hat gethan ein malder korns und ein malder haberen, thut jetzo ti 
Neusser daler, facit 135 rth. 28 albus. 

26. Noch ein feld, das rührenfeld genant, hat an morgenzahl 24 morgen: 
der morgen hat gethan ein malder körn und ein malder haberen, thut 
jetzo 72 rth. 1 . 

27. Noch einig land an der capellen genant, 20 morgen, der morgen 
zu 6 Neusser daler ad 53 rth. 40 albus *. 

28. Noch ein stück land haltend an der mass 9 morgen, der morgen 
thut an pfacht 6 daler, facit 32 rth. 76 albus. 

29. Die kornniühl ist eine zwangmühle 2 und gehet in zwei laufen, 
thut an körn 97 x / 2 malder, das malder per 2 rth., facit 195 rth. 

30. An weizen 4 malder per 3 rth. facit 12 rth. 

31. An malz 24 malder per Vj 2 rth. facit 36 rth. 

32. 300 U frisch Schweinenfleisch, das $£ ad 8 albus, facit 24 rth. 

33. Einen feisten hammel facit 3 rth. 

34. Hegerhof 24 malder körn per 2 rth. facit 48 rth., 24 malder 
haberen per 1 rth. facit 24 rth. 

35. 50 l tt butter, das $6 8 albus, facit 4 rth. Nb. 15 malder körn, 
15 malder haberen, ein kalb. 

36. Schönraderhof 30 malder körn per 2 rth. facit, 60 rth., ,">(> malder 
liaberen per 1 rth. facit 30 rth. 

37. Heiderhof 29 malder körn . . . 58 rth., 29 malder haberen . . . 
2!» rth. 250 eier, ein kalb . . . facit 2 rth. 

38. Triettenbroicher zehend hat erst früchtenpfacht gethan, ist nun- 
niehro verpfachtel für 12c rth.. Neersbroicher zehend für 100 rth., Eng- 
brücker zehend für 120 rth., Rad erbroi eher zehend für ino rth.. Hecksbroicher 



J ) Reichsthaler. 

-) Auf der die Eingesessenen der Herrschaft mahlen Lassen tnussten. 



— 60 — 

zehend für 110 rth., Pescher zehend für 90 rth. Diese zehenrlen seind 
alle vorhin in fruchten jetzo aber in gehl und also ohne nachlass; mögten 
doch noch wohl höher verp fachtet werden '. 

39. Der flachszehend bringt circiter jährlichs aus 200 stein flachs 
ad 100 rth. 

40. Am erbpfacht und holz, haber bei unterscheidlichen parteien 109 
malder ... 109 rth. 

41. Erbpfachtkorn 89 malder ... 178 rth. 

42. An wachs 24 $ . . . ad 30 albus ... 7 rth. 20 albus. 

43. An rübül 47 cruart, jede ad 25 albus, facit 11 rth. 75 albus. 

44. Erbpfachthüner 176 stück, mit den rauchhünern, deren 278 stück 
seind, facit zusamen 454 stück ... 36 rth. 32 albus. 

45. Capaunen 12 stück ad 12 1 /.! albus, facit 1 rth. 50 albus. 

46. Erbpfachtsgänse 24 stück ad 20 albus facit 4 rth. 80 albus. 

47. Der truckner weinkauf wird von obigen drei höfen mit dem Wein- 
baus vor jedes jähr gesetzt 48 rth. 25 albus. 

48. Hieneben dienet zu wissen, dass in der herrschaft 35 diensthöf 
seind, welche wegen sicherer, davor inhabender herrschaft (?) 2 erblich 
schuldig seind alles holz und heu für die herrschaft einzuführen, das heu 
zu machen, das eis zu hauen. 

49. Ferner seind die unterthanen obligirt alle nöthige band- und 
Spanndiensten zu thun, so dan auch, wan selbige mit kriegs oder andern 
lasten nicht beschwärt werden, können jährlichs dem herrn wol 1000 rth. 
geben, setze also 1000 rth. 

50. So hat der herr auch die ins patronatns über eine personat 3 , 
die pastorat, drei vikarien, über die capellonat aufm schloss. 

51. Grobe und kleine jagd und lischerei, fort alle regalien, so einer 
immediat freier reichsherrschaft gebühren, und wird die abnutzung davon 
angeschlagen werth zu sein 100 rth. 

Belauft sich also summa summarum alles aufs gelindeste angeschlagen, 
ausserhalb dem schlossgarten, buschen, diensten und anderen posten 4820 
rth. 57 albus 8 1 /» heller." 

Bei Gelegenheit der Heirat Dieterichs (IV. 1549 — 1575) mit Theodora 
von Bronckhorst erhalten wir über die andern Besitzungen der Mylenduncker, 
welche sie teils erheiratet teils ererbt hatten, folgende Auskunft. 

Dietrich erhielt „für sein Patrimonium und kindsgedeil" : 

1. die Häuser Mylendunck und Drachenfels mit ihren anklebenden 
Hoheiten, Herrlichkeiten, Mühlen, Pachten, Zinsen, Zehnten, Höfen, Gülten, 
und Renten; 

J ) Dagegen lautet, .ine beigeschriebene Bemerkung: „ad dimidium reduci (lebet" 
== muss um die Hälfte gekürzt weiden. 

'-') Süll wohl luissen: erbschaft = Grundbesitz. 

3 ) „Personatus ist alliniihlig im Gegensätze zur dignitas für jene Trübenden ge- 
braucht, worden, mit denen ein Ehrenvorrang ohne Jurisdiction .... verbunden ist." 
Schulte, Lehrbuch des katholischen Kirchenrechts S. 218. 



— 61 — 

2. den Hof zu Camphausen im Lande von Jülich mit den Kornrenten 
zu Jüchen sowie die Geldrenten zu lasten der Stadt Neuss; 

3. das halbe Haus und Herrschaft Rulant (Reuland) im Lande von 
Luxemburg- mit allen Renten und Nutzbarkeiten. 

Die beiden andern Brüder Gothard und Graft hatten sich damals über 
die folgenden Besitzungen noch nicht verglichen; sie blieben also zu gleichen 
Teilen daran berechtigt, den Vorteil ausgenommen, welcher gemäss dem 
Lehenrechte Gothard als dem ältesten zukam. Die in Klammern beigefügten 
Bemerkungen sind teils einer Verhandlung von 1579 teils andern Akten- 
stücken entnommen. 

1. Das- Haus Goer mit seinen Höfen. Renten, Zinsen, Pachten, Mühlen, 
Büschen und Benden; mit der Latbank zu Neer samt der Mühle daselbst; 
mit seinen Hoheiten und Herrlichkeiten zu Meiel, Poll und Panheil, 
derer Mühlen- und andere einkommenden Renten, mit seinen Kirchen- und 
Altargiften 1 , Schatz und Diensten. [„Auch forzugeben, wie ich grossen 
abbrach van Goerer wert und Aldewater geleden, darvon wol 7 bonre 2 
ungeferlich abgetrieben". Vom Hause Goer existirt noch ein genaues 
Inventar aus derselben Zeit, leider nur als Bruchstück. Die Güter zu 
Goer, Meil, Hörstgen, Fronenbroch u. a. waren 1541 im Besitze der Frau 
von Drachenfels-Mylendunck.] 

2. Haus und Herrlichkeit zum Hörstgen mit seinen Mühlen, Zinsen, 
Gülten, Pachten, Zehnten, Buschen, Benden und „liffgenis" 3 - Gütern 
sowie mit dem Gut „in gen hoessen", gelegen im Land von Cleve; „die 
plei" samt dem Gut zu „Kuilen beneden Toil" mit seiner „eltergift". [„Die 
plei . . . den abbrach auf den Rhein und Issel und die sandbesturzung 
muss abschlag an pacht thun . . ." „Das haus Fronenbroich und herrlich- 
keit Hörstgen ist dem h. röm. reich immediate unterworfen; jedoch ist erst- 
genantes haus ein geldrisches lehen, so beim lehenhof zu Ruremonde 
relevirt wird." „Hörstgen ist ein fendum von Mors".] 

3. Die zwei Rubbrucker Höfe im Amt von Wachtendonk mit ihrem 
Artlande, mit den Zehnten, Zinsen, Renten, Benden, Holzwuchs und Fischereien 
auf der Nerschen. [„Die Rubbrucker hof mögen in der orbschaft nit so 
hoch ästimirt werden, derweil es ein behandsgut ist, da die band bald 
ansterben und alsdan schwerlichen mus gewunnen werden." Auch stehen 
in nassen Sommern die Benden unter Wasser.] 

4. Der Swalmer Hof zu Wanlo mit seinem Artlande und Zehnten 
und allen zustehenden Gerechtigkeiten. [„Von diesen) hof mus man meinen 
gnedigen hern herzogen zu Guilich mit pferd und hämisch zu deinst komen, 
gilt auch zehenden haber aus."] 

5. Die Hoheit und Herrlichkeit Meiderich im Lande von Cleve bei 
Duisburg gelegen, mit ihren Mühlen. Zinsen, Gülten, Renten. Pachten, 
„und handgewinnsgoederen" 4 , mit dem Hofe vor dem Hause im „vurgebrucht" '' 

l ) Patronate über Kirchen und Altäre. 2 ) Blinder. :1 > Leibzucht. 

4 ) Die zu Dienstleistungen verpflichtet sind. fl ) Vorburg. 



— 62 — 

und dem Hofe ton Eiken mit Weiden, Büschen, Fischereien und Gerechtig- 
keiten. [Im Jahre 1582 verglich sich Herzog Wilhelm von Jülich. Cleve 
und Berg mit „Julian hern to Milendunck etc. wegen der hoheit, Schätzung, 
klockenschlag; diensten, huldigung, gericht, anfang, toll ver, glaidt (sie) 1 , 
axeisen, fischereye in der herlicheit Meiderich" -.] 

7. Der Hof zu Hesingen im Stifte Werden gelegen mit seinen Zinsen 
und Pachten, mit „scholtferken" und anderen „lefenis", welche die „haus- 
leute" geben; noch 125 Goldgulden „auf der grafschaft Moers fallend, 
wuchs alles in Meiderich gebracht wird". 

8. Haus und Herrlichkeit Soron (Soiron) im Lande von Limburg mit 
Eöfen, ISüschen, Schlagholz, Renten, Pachten. Zinsen, Zehnten, Benden, 
„penninksgeld", Kurmeden; ferner andere Latbanken und Güter zu Gross- 
und Klein-Rechain, Clermont, Visinirs 3 , Herve und darum gelegen. 

9. Haus und Herrlichkeit Schönau, mit den Höfen in der Vorburg 
und zu Neuland, ferner Büschen, Schlagholz, Benden, Renten. Gülten, 
Kurmeden, Schatz. Darneben 87 Malter Roggen Jahrrenten zu Meersen, 
Holzgewalten auf dem Welldorfer und Jülicher Busch sowie Benden „vur 
der stadt gelegen''. 

10. Die „halfherrlichkeit zu der Warden" mit ihren Renten, Zinsen, 
Pachten, Kurmeden und den Gerechtigkeiten „uf Hoeniger bosch"; mit dem 
Hofe zu Merz „darinnen gehörig mit seinem artlande und gerechtigkeit 
up der pastoreien zu Aldenhoven". Noch 17 Malter jährliche Rente an dem 
Hause auf Harif. Noch 7 Malter an dem Hofe auf Hohenholz. [..Waiden 
ist eine im herzogthum Gülich zwischen Hüngen und Kinzweiler gelegene 
mit der Biauen anscliiessende unterherrschaft, welche von unerdenklichen 
Jahren her zweiherrig gewesen und eine halbscheid von der Dahlen- 
broiehische, die andere von der Milledonckische familie besessen worden 4 ." 
Die Berechtigung am Hoengener Busch kam durch die Heirat der Agnes 
von Mylendunck mit Johann von Kessel an diese Familie.] 

11. Der Hof „uf gen Schlutfert" im Amte Montfort mit seinem Art- 
lande, den gebrochenen Heiden und den zugehörigen Benden. 

12. Die Forderung des Wagengeldes im Amte Montfort, „wuchs uf 
ein goetlich verdrag steit". 

Es folgen noch verschiedene Forderungen, deren bedeutendste sich 
auf 3500 Karoliisguhlen beläuft, und zum Schlüsse heisst es: „Was ferner 
von goederen sind, hat man in der il nit können bedenken." 

Kinos der vergessenen Güter war der Hof Hastenbaur, von dem 
bemerkt wird, er wm^; „zum höchsten inwendig sechs jaren gemirgelt 
sein: dazo schätz und zehenden gilt/ 1 . 

Der Syllabus verzeichnet folgende Herren von Mylendunck: 



') Es wird wohl verglaidt = Geleit zu lesen sein. 

i I'. Schroeder, Die Chronik des Johannes Turck, Aunalen, Heft 58, S. 154. 
") Vise? 
4 ,i von Fürth, Beiträge il, 2, S. 93. 



- 63 - 

Theodor (Tidericus, Dieterich) I, (1168—1220) ist der erste urkund- 
lich genannte 1 . 

Theodor II (1220 — 1566). ein Verwandter Conrads von Hordistaden 
und ein treuer Helfer dieses Erzbischofs in allen Fehden. Auch streckte 
er demselben -eine Summe Geldes im Betrage von 1000 Mark vor 2 . Im 
Jahre 1222 übertrug- er das Patronat der Kirche zu Elsen dem Regulier- 
herrenkloster zu Neuss, verzichtete in demselben Jahre mit seiner Gemahlin 
Hadewig im Namen ihrer Kinder auf Güter und Allode in Elsen zu 
gunsten des Deutschordenshauses in Gürath (Judenrode), und überlässt 
1266 demselben Hause seinen Zinsmann Gerard in Elsen. Die Söhne Gerlach, 
Adolf und Walram bestätigen noch 1290 die Schenkung- ihrer Eltern 5 . 

Von Gerlach I ist bereits oben Rede gewesen. Vielleicht ist Adolf 
jener Rudolf von Reifferscheid, Herr von M}dendonk, der 1310 die Güter, 
welche das Kloster zu Grevenbroich in Allrath besass, von der Lehns- 
pflicht entband und mit Friedrich von Malberg andere Besitzungen daselbst 
demselben Kloster schenkte. 1311 befreite er den deutschen Orden in 
Gürath von der Pflicht, auf den Gerichtstagen zu Hülchrath (Helkenrode) 
zu erscheinen und verglich sich 1321 mit den Ordensrittern über seine 
Ansprüche an den Grevenforst '. 

Gerlach II (1308 — 1350) hinterliess vier Töchter, von denen die 
älteste den Jacob von Miliar heiratete und Mylendunck an dieses Geschlecht 
übertrug. Der Sohn Johann I vermählte sich mit Sibille von Merode zu 
Bornheim, aus welcher Ehe ein Sohn und vier Töchter hervorgingen. 



5. Die Herren von Schönau aus der Familie Mirlar-Mylendunck. 

a) Johann II, Sohn Johanns I und der Sibilla von Merode, kam 
durch seine Heirat mit Odilie von Vlodorp in den Besitz von Schönau. 
Wann die Ehe geschlossen wurde, kann ich nicht angeben; der Sy Halms 
sagt, Johann sei 1423 vermählt gewesen. Im Jahre 1455 stifteten die 
Eheleute Messen zu Maria im Kapitol, zu St. Georg, bei den Karmeliten 
und Augustinern in Köln 5 . Nach einer Abschrift im Schönauer Archiv 
gaben sie in demselben Jahre 150 Morgen und 13 a / 2 Morgen in Erbpacht, 
jeden für Vl 2 Summer Roggen oder im Ganzen für 49 Malter, sodann 
12 Morgen weniger ein Viertel Bond ä 5 Mark kölnisch, das machte zu- 
sammen 59 Mark weniger 3 Stüber. Der Erbpacht verteilte sich auf sechs 
Ehepaare; vom Roggenpacht wurden gleich 12 Maller „afgelacht, gelösl 
und gequit". Das Land gehörte zur Aussteuer der Odilia. Dämlich „zo 



') Ropertz, Quellen und Beiträge S. 195. 

2 ) Eckertz-Noever, die Beuedictincr-Abtci. M. -Gladbach S. 267. 

s ) Giersberg, Dekauat Grevenbroich S. 74. 

4 ) Giersberg- a. a. 0. S. 136, 147. 

5 ) Zeitschrift des Aachener G-eschichts -Vereins Bd. VIII, S. 213. 



— 64 — 

dem guede ind anseel zu Moesdorp, dat uns (deu Eheleuten) alda zu- 
gehörende is". Odiliens Mutter, Elisabeth von Schönau, hatte die Besitzung 
dem Gerard von Vlodorp zugebracht. Als Zeugen des Erbpachtvertrages 
untersiegelten „her Arnold von Hürnen" und „Pitter, borchgref zu Oden- 
kirchen". 

Diese 175 1 ., Morgen Land bildeten das Areal des Hofes Moders- oder 
Moesdorp. Die Gebäude, nämlich Haus, Hof und Ansiedel mit Graben, 
Weiern und der anhaftenden Gerechtigkeit am Höngener Wald, gaben 
Johann und Odilia ebenfalls 1455 dem Heinrich von Baesweiler und Heinrich 
von Nothberg für sieben oberländische Gulden in Erbpacht, unter der Be- 
dingung jedoch, dass sie abstehen müssten, wenn der Herr zur Warden' 
die zum Hofe gehörigen, in Erbpacht gegebenen Ländereien einlösen würde 1 . 

Der Syllabus lässt Johann 1478 zu Köln sterben und bei den Domini- 
kanern daselbst begraben werden. Sein ältester gleichnamiger Sohn war 
schon früher aus dem Leben geschieden. Derselbe war zweimal verhei- 
ratet. Seine erste Frau hiess Kunigunde von Birgel. Sie hatte die Güter 
Opei, Mach, Macheren und Avennes in die Ehe gebracht, welche nach 
Johanns Tode in den Besitz des Johann Hurt von Schöneck übergehen 
sollten. So setzte der Schwiegervater Engelbert Nyt von Birgel am 
12. Februar 1472 fest; damals waren also nicht bloss die beiden Kinder 
aus dieser Ehe sondern auch die Mutter schon gestorben. Die zweite 
Frau Johanns war Sibilla Steck 2 . Mit dieser hatte er ebenfalls zwei 
Söhne, die bei seinem Tode als Unmündige zurückblieben: Johann von 
Mirlar, Herr zu Mylendunck und Graft von Mylendunck. Bis zur Mündig- 
keitserklärung wurden die Besitzungen gemeinschaftlich verwaltet. Nach 
der „Deduktion" nahmen die Brüder vom Stifte U. L. F. in Aachen ein 
Kapital auf und verpfändeten bis zur Abtragung desselben „haus und lierr- 
schaft Schönau samt zugehörigen gittern und höfen zu Schönau und 
Richterich, wie auch anklebenden land und leuten, hoheit und herrlich- 
keiten". (1488.) In demselben Jahre wurde zur Teilung geschritten, bei 
der Johann Mylendunck, Craft Schönau erhielt. 

b) Graft von Mylendunck, Herr zu Meiderich und Schönau, Amtmann 
zu Blankenstein, Drost zu Orsoy (1488 — 1519) 3 . Er hiess Craft (Cratho) 
nach seinem Grossvater Craft Stecke von Meiderich. Während seiner 
Minderjährigkeit hatte die Mutter die Verwaltung in Schönau geführt, Vor- 
mund war der Burggraf zu Odenkirchen gewesen. 1491 war die Mutter 
tot. Das besagen folgende Stellen aus dem in letzterm Jahre aufgezeichneten 
Sehönauer Latenweistume. 

„Item haben ferner diese vorgeschriebenen lehenleuten und lassen 
sämtlich gesprochen, wie dass ihnen kündig und wol indenklich ist, dass 
die Iran von Milendonck Wilhelmen Offermans gut in der Herrlichkeit 

1 ) von Fürth, Beiträge I, 2, S, 94. 

2 ) Beiträge zur Geschichte von Eschweiler I, S. 382, 

i Zeitschrift des Aachener Geschieh ts-Ver eins VIII, S. 214. 



i ■ 



— 65 — 

Schönauen gelegen inner diesen riechst zehen jähren fürnahm um grossen 
brächten willen, so erfallen waren, so dass die jouffer von der Heiden auch 
darin griffe und meinte, solches solte der trauen von Milendonck seliger 
nicht gebären, , und forderte auch dieselbigen brächten, vermeinend, dass 
solche brächten ihr zustehen und an sie gebessert werden solten; und da 
ist der burggrave von Odekirchen als Vormünder der frauen von Milen- 
donck kinder kommen und unterwiese Johan von Schönraed, herrn zur 
Heiden, der Sachen halbe}-, welcher Johan . . ihm darauf antwortete, was 
darinnen geschehen, wäre ausser seinem wissen, man solt das wieder in 
die statt stellen, da es aus genomen wäre, welches da zur hand geschähe. 
Und Johan vxm Himbach, Peter Nack schultheiss, Caurens von Richtergen, 
Andries up den zehenhof und Palm von Eichtergen offenbarlich bekent und 
gesprochen haben, dass ihnen kundig und wissend wäre und darüber und 
angewesen seien und ihre gewöhnliche Urkunde gebür und recht empfangen 
haben. Und haben mitgesprochen dieselbige letztgenänte. dass Johan von 
Schönraede seliger ein gelach geschenket hat diesen Johan von Himbach. 
Peter Nack, Johan von Steinhausen und Dederich Kemmerlink. dass sie 
ihrer frauen von Milendonck wollen anbringen, dass sie ihm die brächten, 
so da gefallen, wolle schenken; er wolt das an sie und ihre kinder ver- 
dienen und sich so freundlich fort mit ihr halten, dass solcher zweitracht 
nicht mehr not sein solle. Item diese sämtliche lehcnleuten und lassen 
haben auch bekant und, ermahnt, gesprochen: dass sie wissen kündig und 
wahr sein und sie gesehen haben, dass einer genant Johan Mutzschen seine 
brächten gebessert hat an die frau zu Milendonck seliger, des herrn Craft 
ihres herrn mutter. Item ist ihnen auch kundig, dass nach der vorgesetzten 
zeit einer genant Nellis, der auch gebrüchtet hatte, seine brächten abge- 
tragen hat mit einem gelach an der frauen von Milendonck diener; welche 
'diese, Nellis und Johan Mutzschen, dieses wahr zu sein und also an die 
frauen von Milendonck gethan, beide zusammen mündlich bekant und 
gesprochen haben." 

Nachdem Craft Herr zu Schönau geworden war. bemühte er sieh 
zunächst um die Instandsetzung des Hauses, dessen Turm er im Jahre 
1488 herstellen und verzieren Hess. Dann suchte er seine Berrenrechte 
festzustellen und gegen die Eingriffe der Heidener zu sichern. Zu diesem 
Zwecke Hess er L491 die Herrschaft „begleiten", d. h. die Grenzen der- 
selben feststellen und zugleich die Laten über seine Rechte befragen. Er 
hatte dazu auch die Frau zur Heiden, Maria von Merode, Witwe des eben 
erwähnten Johann von Schönrat, einladen lassen, war jedoch abschlägig 
beschieden worden. Das Weistum, aus dem auch die damals /wischen 
Heiden und Schönau schwebenden Fragen sich ergeben, hai folgenden 
Wortlaut 1 . 



l ) Ich gebe dasselbe unter Ausschluss der Stellen, welche früher bereits verw 
worden sind und füge die entsprechenden \n ageu de älteren, bei Quix, Schönau S. 3 ff. 

abgedruckten Weistunis iu Klammer bei. 



— 66 — 

„Im namen des Herrn. Amen, Ubermitz dieses offenbaren instruments 
füge ... zu wissen, dass in dem . . 1491 . . auf samstag den 19. martii . . 
in meines offenbaren notarii und hierunter beschriebener . . zeugen gegen- 
w.iit und beiwesen der strenge und fromme herr Graft von Milendonek, 
herr zu Meiderich etc. in seiner eigenen person erschienen und gestalten 
in dem gewöhnlichen gerichtshaus zu Schönauen bei Aachen gelegen 
lütt icher stifts hat lassen rufen und durch seinen schultheiss von Schönauen 
alle und jegliche seine lehenleuten und lassen zu der herrlichkeit von 
Schönauen gehörend — diese untenbeschriebenen dingen zu vollbringen — 
versanden, und als sie versandet und alsämtlich erschienen waren zwei 
mit namen Johan Nack und Bartholomäs Heufts besonders lassen ab- 
fragen und auf ihre eiden ermahnen die aufrichtige Wahrheit zu sagen, 
wie sie ihre botschaft verrichtet, so ihn x an die jouffer zur Heiden zu 
thuen und deroselben ihre antwort zu bringen befohlen. Als haben 
dieselbe letztgenänte zwei gesprochen und geantwortet: Wir sind zur 
Heiden kommen und haben zu der jouffer von der Heiden aldo gesprochen 
durch mund eines genant Everhard Düycker also: Liebe jouffer, unser herr 
von Milendonek herr Craft hat uns zu euch gesant und lassen sagen, er 
welle morgen zwischen zwei und drei uhren nachmittag mit seinen lehen- 
leuten und lassen die gerechtigkeit zu Schönauen begleiten, obs euch beliebt, 
dass ihr alsdan dabei kommt oder jemanden schicket von euretwegen? So 
hat dieselbe jouffer uns zur antwort geben: das beizukommen oder zu 
schicken ist mir nit vonnöten; will herr Craft da ichtwas lassen begleiten, 
das mag er thuen. Und dass wir also unsere botschaft gethan und der- 
selben jouffer antwort gehört haben, behalten und nehmen wir bei unseren 
eiden so wir gethan haben, und bezeugen das mit den ehrbaren und frommen 
männern Henrich van Schlickum und Meuter, die darüber und angewesen 
sind und das gesehen und gehört haben. Welches dieselbige letztbenänte 
zwei männer auf statt und in versamlung der lehenleuten und lassen . . . 
bekänt und ausgesprochen . . . wahrhaftig, wie jetzt erzählt wird, geschehen 
zu sein. 

Und zuletzt hat derselb herr Craft, da er diese botschaft und antwort 
änderst nicht vernomen, ferner begehret und geheischen, dieselbige lehen- 
leuten und lassen alsämtlich durch seinen schultheiss befragt und ermahnt 
zu weiden auf ihren eiden ... die Wahrheit zu sagen und von allen . . . 
punkten und geschienten der aufrichtigen Wahrheit zeugnus von sieli 
zu geben. , 

Item so hat derselb schultheiss . . . diese lehenleuten und lassen 
besonders die ältesten als Servas Biermans, Gerhart Maergoitz, Laurens 
van Richtergen, Andries op den zehenhof, GotardNack, Palm van Richtergen, 
Simon Schubbe und fort die sämtliche lehenleute . . ..auf ihre eiden ermahnt 
und gefragt, zu sagen und zeugnus zu geben, was ihnen kundig von dem 

') Lies: ihnen. 



— 67 — 

Grönendal: wozu lehengehörig sei und wer die zu strafen hat. welche 
auf den lehengütern brückten? Und alda haben diese . . . geantwortet, 
dass der Grönendal von ihren gedenken her und auch so sie von ihren eiteren 
haben sagen hören allezeit zu Schönauen leliengehörig gewesen, und ferner 
ihnen änderst nicht kundig ist . . . dan dass der lierr von Schönauen die 
soll angreifen und strafen, welche auf den lehengüteren von dem Grönendal 
gebrüchtet hatten. Und haben auch gesprochen, dass ihnen nicht gedenkt 
noch kundig ist, dass jemand anders einige, so alda mögten gebrüchtet 
haben, hat angegriffen oder gestraft, noch auch nie haben sagen hören, 
dass jemand anders dan der herr von Schönau alda einige gerechtigkeit 
geübt hat. Und haben ferner gesagt, dass sie . . . gesehen und gehört 
haben, dass Beinard Büdden und Arnold Kücks offenbarlicli gesprochen 
haben, dass sie gesehen haben und wissen wahr zu sein, dass ein man 
genant Godart Wolhart, so um schuld willen nirgens bleiben durfte, darum 
dass er unbeschwert und unbekümmert bliebe ', geführt ward auf den 
Grönendal und blieb alda wohnen und starb alda. 

Item hat auch dieser schultheiss dieselbige . . . gefragt . . . was 
ihnen darob kundig sei: wan ein lehnman oder lass des herrn von Schönauen 
oder sonsten jemand fremdes missethete binnen der herrlichkeit oder lehen- 
gütern zu Schönauen gehörend, wem die besseren 2 solten und wer die 
anzugreifen oder zu strafen hätte? Haben dieselbige . . . geantwortet . . . 
dass sie von ihren eiteren nicht haben hören sagen noch ihnen in ihrem 
gedenken fürkomen noch kundig ist, dan dass der herr von Schönauen 
alsolche missetheter angreifen und strafen solle und die, welche verbrüchtel 
hätten, dem herrn von Schönauen ihre brüchten bessern und demselben 
die abtragen sollen und änderst nirgend." 

[Das ältere Weistum weist die Bestrafung von Verbrechen dem 
„lantheren", d. i. dem Herzog von Jülich zu. „Item ouch heb inen dal 
toe Schonouwen ind is ouch geleeft, dat ein misdedich man zo den hirz 
gevangen wart, hadde einen kelk gestoelen ind wart zo Schonouwcn geleil, 
die gebürde dume hogerichte zo; die (lief wart dem lanthern van den 
gueden zo Schonouwen gelevert op des hern straess ind liess dein lanthern 
mit ime vort gewerden."] 

Der folgende Abschnitt unseres Weistums erzählt die oben aus der 
älteren Urkunde bereits mitgeteilte Geschichte von dem am Hirz durch 
die Eeidener abgefangenen aber auf das Verlangen Gerards von Roermontl 
wieder freigegebenen Manne mit dem Zusätze: „und darnacher derselb 
herr Gerard den zeitlichen vogt zur Heiden, Otto von Vorst, ergriffen und 
finge in der herrlichkeit von Schönauen und wolt ihn darum, dass er 
diesen man ;ius der herrlichkeit von Schönauen zur Heiden geführl und 
seine gerechtigkeit merklich geletzet 8 hatte, am leib gestrafet haben, wan 



') (1. li. damil weder seine Person noch seine Habe gerichtlich angegriffen werde. 

2 ) genngthnen. 

3 ) verletzt 



— 68 — 

er der freunde nicht genossen". Das kräftige Vorgehen Gerards hat auch 
wohl zu dem im älteren Weistume erwähnten Vergleiche der beiden Herren 
über die Gerechtsame des Schönauers geführt. 

„Und dieselbige . . . haben ihr lebenlang nie gesehen noch vernommen 
dass ein lehenman oder lass zu Schönauen von einigen * herren von der 
Heiden gefangen, noch von ihren eiteren gehört dass solches geschehen 
sei; die von der Heiden haben solchen gefangenen frei los ledig müssen 
erlassen und wiederum lieberen, da sie ihn gefangen hatten." 

Nun folgt die Erzählung von den drei Männern, welche die Heidener 
auf dem Cortenbacher Hofe ergriffen hatten. Dann fährt das Weistum fort: 

„Und hat ferner der schultheiss dieselbige . . . gefragt . . ., wie solches 
von alters gehalten ist, als ob ein missetheter gefunden oder bekomen 
würde auf den lehengüteren von Schönauen, wer die zu strafen gehabt hat 
bis auf diese zeit zu? Haben diese lehenleute und lassen geantwortet und 
gesprochen, wie dass sie von ihren voreiteren haben hören sagen und ihnen 
auch kundig ist, wie class ein missethetisch weib zu Schönauen im thorn 
gefänglich gesessen hat und von dannen ist ausgeführt und gerichtet und 
begraben worden auf statt und end, noch heutiges tags Leisgens - grab 
genant. Und in ihrem gedenken gesehen haben . . ., wie dass einer genant 
Nikolas von dem Hirsch feur angestochen und das haus zum hirsch ein- 
gebrant, ward darum gefangen und in den thorn zu Schönauen geworfen, 
und starb daselbst und ward von dannen ausgeführt und in einer seeg- 
kuhlen 3 begraben; und davon wurde niemalen betröhung klag noch wider- 
sprechung gehört noch vernomen; mithin haben dieselbigen . . . gesprochen, 
dass ihnen nicht kundig ist, dass solche missethetern zu bestrafen anderen 
gehört hat oder haben soll." [Das ältere Weistum sagt: „Item wer't ouch 
sache, dat ein misdedich man of wyf gevangen wurde op die guede zo 
Schonouen, die under die erde geburde zo richten, die sal der her van 
Schonouen op syne erde doin graven ind richten."] 

Es folgen die drei auf die Frau von Mylendunck sich beziehenden, 
oben bereits abgedruckten Abschnitte. Danach heisst es: 

„Ferner haben auch . . . Servas Biermans und eine sichere frau 
genant Catharina Leisten, darum berufen, gefragt und ermahnt, gesprochen 
und ihnen kundig und wahr zu sein gezeigt, wie dass auf eine zeit ungefehr 
vier, fünf oder sechs und vierzig jähre 4 dieser vorgeschriebenen frauen 
niutter, auch Catharina Leisten genant, für den alten Godart Nack zur 
selbiger zeit schultheiss zu Schönauen gesetzt, vom Junker von Mylendonck 
. . . beklagt und mit recht 5 angesprochen ward, um willen sie ihrem 
bruder genant Schuive etliche Sachen enttragen hatte, und an selbigen 



') irgend einem. 

2 ) Lieschen. 

3 ) Sägegrube. 

4 ) Also zur Zeit Johanns von Schönau. 
°) vor Gericht. 



— 69 — 



schultheiss solches abtragen und besseren musste mit 15 marken, da dieser 
Servas Biermans über und an war von gerichts wegen." 

Der nächste Absatz handelt von der uns schon bekannten Berechtigung 
der Schönauer «zur Schweinemast im Gemeindebusch. Daran schliesst sich 
die Frage über die Zwangmühle. 

„Item Servas Biermans, Laurens van Richtergen und Andries up dem 
zehenhof liaben auch bekant und gesprochen, dass sie gehört haben, dass 
Johan Vröscli. auch lehenman und lass zu Schönauen offenbarlich gesprochen 
hat . . . dass er gesehen hat und weiss wahr zu sein, wie dass einem 
lehenman und lass von Schönauen auf eine zeit 1 ein pferd ist genomen 
gewesen vom müller von der Heiden um des gemahls willen, und doch 
derselbe müller das pferd hat müssen dem lass wieder lieberen und besseren. 
Item diese lehenleuten und lassen . . . darüber . . . ermahnt und befragi . 
liaben geantwortet und gesprochen, dass sie nicht getrungen sind mit dem 
gemahl zu einer besonderen niühl; dann sie ihr körn mögen mahlen lassen. 
wo ihnen das am allerbest gelegen ist; doch haben sie gesagt, wie dass 
sie gehört liaben von dem Junker von Mylendonck seliger, dass er sprach: 
Es wäre wohl freundlich und gefueglich, dass sie bei den nachbaren 2 zur 
mühle führen, sofern man ihnen da thete als auf anderen enden, denn sie 
wären sonst nirgends verbündet 3 noch schuldig zu mahlen." [Das ältere 
Weistum sagt: „Item ouch en plag der loess vurzyden nit zo der Heiden 
zo malen um einche gedwange wille van den lanthern, dan hei selfs doin 
wolde 4 , wen dar gein mullener der loessen malderen holen of der heren 
stroess 5 ind werden gedrongen zo der Heiden."] 

„Ferner hat dieser schultheiss alle diese lehenleuten . . . ermahnt und 
. . . gefragt, wenn und ob sie jemands schätz gegeben oder sonsten dienst- 
pflichtig jemals gewesen oder zu gebot oder verbot ermahnt, ersucht oder 
gefolgt oder gestanden seien? Haben dieselbe . . . geantwortet und gesprochen, 
dass sie von ihren voreiteren niemalen vernomen noch sie selbsten in ihrem 
leben gesehen noch gehört haben, dass sie der lanther jemals getrungen 
habe mit dienst, wachen oder andersten als 6 mit anderen desselbigen herrn 
untersassen, oder sonsten jemand anders dan ihr herr von Schönauen sie 
zu dienst gebot verbot oder von alsolchen lehengüteren zu Schönauen 
gehörend schätz zu geben getrungen hat, wie ihnen das von ihren vereiteren 
gelehrt ist und sie dessen unterrichtet gesprochen haben, und nicht änderst 
seie bis zu diesen tag zu, ausgenomen das gesprochene, davon nun zwie- 
tracht ist entstanden, antreffend das gelt von den Schweinen wie obgemell." 
[Das ältere Weistum klagt jedoch über Dienstforderungen seitens des Herrn 



') einmal. 

'-') Den Pfarrgenossen. Heiden sowohl wie Schönau gehörten /.um Kirchspiel ßichterich. 

8 ) verbunden, verpflichtet. 

4 ) Der Liiudherr zwang' ihn nicht, wenn der Late es nicht freiwillig that. 

5 ) So Quix. Ich mochte lesen: nu darf . . . op der heren stroess. 

6 ) wie. 



— 70 — 

von der Heiden. „Item noch hat der lanther die loessen zo Schonouen in 
der breden (?) doin gebyden zo Horbach zo wachen oh lyf ind guet, dat 
nit nie geleeft en wart. Item oncli hat der lanther die loessen gedrongen 
zo graven gelich synen verbunden lüden, ind die van deine gebode nit 
gehalden en hedden, die liedde hei willen penden ind im 1 verbieden, dat 
sie der gemeinden nit gemessen en sulden, des en is den loessen nit nie 
vurgelacht, ind hat an Godart 2 gesonnen, dat hei ime penden geve van 
den. die des gebots nit gehorsam geweist en waren; of ime das nit en 
geschege 3 , he sohle die op die stons 4 doin penden."] 

Die beiden folgenden Abschnitte handeln von den Frondiensten auf 
Schönau. Der erste ist fast wörtlich dem älteren Weistinne entnommen 
und bereits oben mitgeteilt; der andere lautet: „Ferner auch schuldig sind, 
die ausbenänte benden zu mähen, wan ihre herrschaft selbe gemähet will 
haben, und ihnen von jedem morgen nicht mehr dan eine halbe mark 
aachisch gelts gebühret und den trauen die kost; wan die herrschaft das 
nicht geben wolle, so soll jede arbeiterin oder Wärterin nicht mehr haben, 
dan 2 buschen vorgeschriebenen gelts." Das ältere Weistum setzt — nach 
Quix - - eine ganze Mark Mähelohn für den Morgen fest und macht das 
Verabreichen der Kost davon abhängig, ob die Herrschaft auf Schönau 
wohnt, sonst bekommt jede „wirkersse" 5 l 1 / 2 Schilling. 

„Und wan ihrer — lehenleuten oder lassen — einige verunrechtet würde 
ist er's schuldig an seine herrschaft zu Schönauen zu bringen, die ihn als- 
dan verantworten durch schritt oder änderst." [„Item ouch en haven die 
lassen nie gesien, of ire einich verunrecht wurde, das soulden sy an ire 
herschaf bringen, ind ire herschaf souldc sy verantwerden ind darom schriven 
ind iren properen 6 bode Ionen ind darom senden; so haven die vurfaren 
allewege gedain, ind of men das nit en dede, dat wer unrecht."] 

Folgende Vroegen des älteren Weistunis (aus dem Anfange des 15. Jahr- 
hunderts) finden sich in dem von 1491 nicht mehr. 

1. „In dem irsten haven zween knecht zo Schonouen op dein hove 
sich geslagen; so hat joncher Werner 7 synen bode dar gesaut op den 
hol' ind die knecht haven joncher Werner dat moissen richten, das nie nie 
da geschiet 8 en is." 

6. „Item ouch of Schonouen verkocht 9 würde, des of Got will nit en 



] ) ihnen. 

'-') Wahrscheinlich Godart von Rode, Herr von Schönau. 

: ') wenn das nicht geschehe. 

4 ) von stund an = sofort. 

5 ) Quix liest offenbar anrichtig „wyrdersse". 

''■) eigenen. Hie Stelle besagt, dass die Verteidigung des Hörigen ganz auf kosten 
des Herrn erfolgt und gründet auf dem uralten deutschen Rechtsgrundsatz, dass der 
llcir seines Dieners „Mundwarl," sein soll. 

7 J von Schönrade zur Heiden. 

8 ) geschehen. 

9 ) verkauft. 



1 



- 71 — 

sn 11, ind als man dat goet guedinge ind genoech doin soulde, dat souldo 
men tegen die heilige sonne doin, ind men holt die guede van nieinande. 
dan van onsen herrn Gode ind syner liever moder." 

8. Aussage des alten 80jährigen Mewe, dass der Mevendrisch zu 
Schönau empfangen werden müsse, Amtmann war Gerard der Schmied, 
einer der Laten war Godart Nacken. Die Kinder des Mewe verkauften 
ihr Erbe an Thys Unbescheiden und an Herman Suyre. Letzterer übertrug 
seinen Anteil an seinen Bruder Ross. Ross Hess sich nun nicht vor dem 
Latenhofe in Schönau sondern in Wilhelmstein mit dem Grundstücke belehnen 
vielleicht weil Reinard II von Schönau, der älteste Sohn Reinards I. dort Am 
mann war. Nachher verkaufte Ross das Land an seinen Schwager Mathias, 
den Sohn des Schmieds. Da aber meldete sich der erste Verkäufer Herman 
Suyre und forderte das Grundstück zurück, weil Ross dasselbenichtinSchönaii 
empfangen habe, und es „wart yme mit recht zo gewiesen ind der This, Smids 
son die moiss dat guet noch eins gelden vür XXXIIII gülden". 

9. „Oueh des Vantz beind hat men over hondert ind hondert jair 
gehalden van den heirschaf van Schonouen zo Schonoueu zo guede zo 
unlgueden, zo dienst zo geboede. zo wachen zo brachen gelich eimchen 
loesguet zo Schonouen, ind die alderen dat gelert haven, dat op dat guet 
gein boede en seulde gain dan der boede van Schonouen 1 ." 

10. „Item euch des Rouwen guet, dat Johan van Roede nu hat, dat 
gehoert ouch zo Schonouen zo gueden zo untgueden, zo wachen zo brachen, 
zo geboede ind zo dienst, ind ouch plach der aide Rouwe, woenden zo 
Aiche, zo Schonouen moissen komen als da gedinge was; des 2 enwilt dis 3 
Jannis des dienst vürschreven egein doin, mer hei hat dat guet unt- 
fangen zo Schonouen; als die stat van Aiche vyant hadde, die op die 
guede woenden waren vry vür die vyant 4 ." 

14. „Jtem ouch die beide vür den Hirz 5 hat allezyt over hondert 
jair ein alt herkomen geweist, dat der hof zo Schonouen ind die laessen 
zer Heiden mit 6 haben gebruicht und sy 7 uns gemeinden weder um, ind 
um des wille dat iren graven zo is gegraven 8 , so halder sy uns us der 
beiden ind Gruwell sint syne schafe darbinnen genomen." 

15. „Item noch haven die alderen ons jungen gelert, dat in lxx 
jaren nie vernomen is en wart, dat men vür ein par capuine nie bezailt 
hat gehat dan IX Schillinge, ind wat sy nu nie geven. dat en soulde nil 
syn ind werden darby verunrecht." 



') d. h. nur der Herr von Schönau hat Gerichtsbarkeit über dieses Gut. 

'-') indessen. 
3 ) dieser? 

M Wühl weil der Herr von Schönau sieb neutral verhielt oder auf seiten jeuer 
Feinde der Stadt stand. 

5 ) die Bergerheide im Aachener Reich. 

6 ) Quix hat unrichtig: uit. 

7 ) die Bewohner der Bergerheide. 

8 ) nach Anlage des Landgrabens? 



— 72 — 

17. „Item oucli vroegt der lantscheffen, dat egein herschafsguede 
kümmeren noch gedinge haven en süllen dan um des herschafs zins ind 
pecht. Der aide loess hat den jongen gelert, dat inen op den guede zo 
Schonouen kümmeren vastinnen ordel wysen solen, dat hat van alts alle 
wege gedan, wil't dat herschaf over lassen gan, so en kan's der laes nit 
gekennen. 

Als Zeugen bei der Aufnahme des Weistums von 1491 dienten 
„Arnold Leyendecker capellan U. L. F. kirchen, priester zu Achen; 
Tlieis von Limburg-, Jolian Hessbach, Everard Duycker von Werden." Die 
ganze Verhandlung ist offenbar nur zu dem Zwecke vorgenommen worden, 
um dem Craft als Grundlage bei der Beweisführung gegen die Eingriffe 
der Heidener zu dienen. 

1508 reichte Craft bei den Räten des Herzogs von Jülich eine 
Klage gegen die Frau von der Heiden ein, worin er dieselbe beschuldigte, 
dass sie Brächten von seinen Untertanen nehme, dieselben gefangen halte, 
mit dein Gemeindebusche nach ihrem Belieben verfahre: was alles gegen 
seine von den Voreltern ererbten Gerechtsame in der reichsfreien Herrschaft 
Schönau Verstösse, zu, welcher Huff, Grünenthal, Hand, Hirz, Richterich, 
Mevenheide und die Einwohner dieser Ortschaften gehörten. Die Klage lautet: 

„Veste ind froeme rede ind frunde etc. Dit sint alsulche clage ich 
Craft van Myllendonck ritter doin ind legen an juffrauen Marien vamme 
Roide, nagelassen widewen wilne Johans van Schoenroide heren zo der 
Heiden. Dat dieselve juft'rau Marie in myne hierlicheit Schönawe gedragen 
hat mit brüchen van mynen undersaissen zo nemen ind dieselve gefenklich 
zo der Heiden zo fueren ind na irme willen in den gemeinen busch zo 
handeln wider recht ind alle billigheit. Want ich myne alderen ind furvaderen, 
so lange als minschen gedenken is ind langer alzyt alle regalien laissen 
und gerichten in der hierlicheit Schönawe, Gott almechtich ind heiligen 
ryclic underworfen, ind in zobehoeren zo Schönawe up gen Hoiff, den Gronen- 
dal, Hand. Hirtz, Richtergen, Mewenheide ind over die undersaissen darinnen 
gehal ind gebruicht haven. Ich hoffen darum ganz ungezwyfelt, myn 
gnediger herre ind synre gnaden rede euer liebden willen die juffrauen 
Marien um sulchen yre unbillige onerbarenheit darzo halden, dat sy mich 
by mynen regalien laissen ind gerichten zo Schouawen wie vurschreven 
nnverhindert laisse, mit erdeilungen kosten ind schaden, wie billig ind 
n ich! is. Gegeven den 29. dach januari 1508." 

Genau zwei Jahre nachher erhob Craft Klage, dass dieselbe Frau 
zur Heiden sich die Gerichtsbarkeit über Grünenthal anmasse und in der 
ganzen Herrlichkeit Schönau Brüchten einziehe. Maria von Merode berief 
sich für ihr Recht auf das Zeugnis des Heidener Gerichts und suchte die 
Erklärungen der Schönauer Laten durch Berufung auf anders lautende 
Aussagen derselben zu entkräften. So Hess sie Gestandnisse gerichtlich 
bezeugen, welche Schönauer Laten, deren Namen jedoch nicht genannt 
werden, vor dem Gerichte zur Bank gemacht haben sollten. Eine Auf- 



— 73 — 

Zeichnung dieser Aussagen befindet sich im Richtericher Gemeinde-Archiv. 

Dieselbe lautet: 

„Dit hy na beschreven is alsulche vroege, als wir scheffen ind gericht 
von der Bank Jialden hueden ind van unsen vurvaren alzyt gehoirt haven, 
dat sy se ouch also gehalden haven als hy na beschreven volgt. 

Item halden wir in unser vroegen, dat die vroege aven lands ind 
den Gronendal geit ind dat der Groenendal binnen unser vroegen licht. 

Item haven gezuigt die laissen von Schoenauen, dat sy mynen heren 
van Guilich als eren lantheren ind ere juffrauen van der Heiden ind 
ere erven als pantheren hulde ind eide gedain haven, als undersaissen eren 
lantheren schuldig sint zo doin. 

Item die laissen van Schoenauen haven gezuigt, dal sy heren Craft 
van Mylendonck hulde ind eide gedain haven. syn ärgst zo warnen ind 
best vnrkeren, als gude leenluide ind laissen schuldich syn zo doin. 

Item desselven geliehen haven sy ouch gezuigt, dat sy den vaegt 
van Valkenburg l ouch also gedain ind geloft haut, den einen als den anderen. 

Item noch haven dieselven gezuigt, dat sy neit gesyn en haven in 
hoire leiven dagen noch ouch neit en haven hoeren sagen van hoiren 
vurfaren, dat einig indisch, fraue of man, van leiven zo doit gewyst sy 
zo Schoenauen mit ordel. Dit hat der vaegt vur gericht mit . . . 2 
verbonden. 

Item haven die laissen vurschreven gezuigt, dat sy haven hoeren 
sagen, dat ein man zo Schoenauen sich doit gefallen hat ind dat der halfen 
den up die straisse leverde ind laicht eme synen loin op syn lyf, ind dat 
do dat gericht van der Bank dar quam ind besach den man. ind do gaf 
der her orlof, dat men den man do begroef. 

Item Nelis van den Hirz hat gezuigt dat syn vader eins gebruichl 
hat ind dat he' den heren van der Heiden vur die bruiche gaf 13 Schillinge; 
ind zuigten vort. dat der her van Mylendonck den heren van der Heiden 
darum schreit', ind dat he (}en brief in dat fair warp. 

Item hat die aide Kathryn van Schoenauen, Lenarl Vröesch ind syn 
nieder in desen jaren noch begerl ein gebot van des lantheren boede in 
der kuchen 3 zo doin, um schaden wille hon 1 geschah van den näheren 
an honen"' Leingrunde." 

Indessen fruchtete das alles der Frau von Heiden nichts; Craft 
erlangte im Jahre 1510 ein obsiegendes Urteil. 



1 ) Wie der Vogl von Falkenburg in diese Vroege kommt, ist mir unklar. Vielleicht 
ist einmal ein Mitherr von Schönau Vogl von Falkenburg gewesen, das sich eine zeitlaug 
im Besitze Reinard s I befunden hatte. 

2 ) Ein Wort unleserlich. 

s ) Su im Original, es wird aber wohl „kirchen" zu lesen sein. 

4 ) ihnen. 

5 ) ihrem. 



— 74 — 

Dieser Herr von Schönau nahm am Hofe des Herzogs von Jülich 
eine angesehene Stellung ein. Er war herzoglicher Rat and gehörte 1510 
zu denjenigen, die den Äbten von Deutz und Brauweiler, welche die Burs- 
felder Reformation in den Benediktinerklöstern des Herzogtums einführen 
sollten, von seilen des Herzogs beigegeben waren 1 . 

Graft starb unverehelicht. Die Besitzungen kamen an die Söhne 
seines Bruders Johann, von denen der älteste, ebenfalls Johann genannt, 
bereits 1514 gestorben war. Dadurch kam die Herrschaft Mylendunck an 
den zweiten, Dieterich, der bei der Teilung des Nachlasses seines Oheims 
Craft auch in den Besitz von Schönau gelangte, während Meiderich an den 
dritten Bruder, Heinrich fiel. Als auch dieser 1525 kinderlos starb, vereinigte 
Dieterich die drei Herrschaften in seiner Hand. Ausserdem war er Amt- 
mann von Orsoy, Herr von Pley 2 und durch die Heirat mit Agnes (1526) 
Burggraf von Drachenfels. 

c) Dieter ich von Mirlar, Herr zu Schönau (1521 — 1553), hielt 
am 13. Januar 1522 feierlichen Gerichtstag daselbst. Er „verurkundete 
und verband sich mit goldenen und silbernen Pfenningen an dem gericlite 
und sämtlichen umstehenden laessen, leherileuten und untersassen in gegen- 
wart des würdigen und hochgelehrten doctor und herrn Johan Suderman 
canonicus und cantor 3 , herrn Dieterich von der Reck, canonicus und 
proffian U. L. F. kirchen zu Achen 4 ; dan euch noch her Dieterich 
von Segerode, her Wolter von Wylre und her Johan von Edelborn 5 alle 
drei scheffen des königlichen stuls und Stadt Achen", endlich Peter 
Schrivert, der zu Gladbach Schultheis« war. 

Hier Hess Dieterich die Gerechtsame der Herren von Schönau fest- 
stellen. Der Eingang des Aktenstückes lautet: „Kund und offenbar sei 
allen . . . wie dass heut . . . in] selbsteigener person komen und erschienen 
seie binnen Schönau der ehrenfest und fromme Dieterich von Mirlair, Herr 



■ i 



zu Milendunck als nun der rechte herr alda zu Schönauen vor dem gehegten 
gericht und gespannener bank, besitzende von seiner liebden wegen das 
gericht der ehrbar Wilhelm von Richtergen als der schultheiss und richter, 
fort die ehrsame und fromme Peter von Schönau, Arnold Koicks, Johan 
Naggen, Johan auf dem zehenhof, Peter Schmit vom Hirsch, Simon Palmen, 
Gerard Kockelkorn und Heinrich Engels als die geschworen und verord- 

') Ropertz, Quellen und Beiträge S. 294. 

2 ) Zeitschrift des Aachener Geschichts- Vereins Bd. VIII, S. 214. 
) Johann Suderman erhielt am 7. April 1496 durch das Kapitel das Kanonikat Reinaids 
von Schönrat; am 7. Dezember 1537 wurde Heinrich von Milendonk sein Nachfolger. 
Als Sänger war Suderman der Nachfolger des uns bereits bekannten Walters von Blisia, 
der 1512 starb. Craft I verpachtete dem Kanonikus Suderman die Schönauer Weier 
1502 auf c Jahre für 45 dulden ä 6 Mark aix jährlich. 

') Theodoricus de Reck winde Kanonikus am 19. Oct'ober 1512 an Stelle des ver- 
storbenen Theodorich von Milendonk, Erzpriester am 4. Juli 1521. Heusch a. a. 0. 
S. 14, 13 '• -• 

b ) Eilerborn. 



— 75 — 

nete lassen desselben gerichts um jederman recht und urtel zu geben 
wie vor alters. Und lial sofort der Herr von Milendunck als herr von 
Schönau durch denselben seinen schultheiss Wilhelm das gericht zusamen 
und besonders, lassen fragen und mahnen auf ihren hulden und eiden, so 
sie ihm gethan haben, auch in gleicher weise die lehenleute mit denen 
iintersassen um von aller hoheit lierrlichkeit und gerechtigkeit des herrn 
und hauses Schönau, daran in- und zubehörungen, wie sie solches von ihren 
eiteren behalten, uesehen und gehöret haben, niemand zu lieb oder zu leid 
deswegen anzusehen, die rechte Wahrheit allenthalben zu offenbaren und 
solches von sich zu geben. Und begehrete dieses in dieser massen so zu 
geschehen, weilen er, der herr von Milendunck, mit seinem bruder Hendrichen 
herren zu Meiderich nun kürzlich geschieden und sie sich zusamen darüber 
vertragen hätten, dass er . . . das haus und lierrlichkeit Schönau mit allen zuge- 
hörigen gerechtigkeiten für sich und seine nachkömlingen erblich behalten 
solle. Dahero dass er als der herr nun wüste und mit allem unterschied 
als recht belehret würde, wie er und seine nachkomelingen jederman. 
grossen kleinen reichen und armen nach altem herkomen thuu solte oder 
auch zu recht thun schuldig wäre, wie ungleichen auch das gericht, 
lassen, lehenleute und iintersassen alda ihm und seinen erben hinwiderum 
von rechts- und alten herkomens wegen zu thun pflichtig und schuldig seind, 
dabei niemand in seiner zeit oder nach ihm durch seine erben in einigen 
theil verkürzet oder über manier deren rechten vor genomen werden 
mögte: und darum dessen nichts verhalten bei denen eiden. so sie ihm 
als ihrem herrn gethan hätten und er hinwiderum ihnen als seinen iinter- 
sassen, sie dabei zu beschirmen und hanthaben." 

Nun fragte und mahnte der Schultheiss „in statt des herrn als 
richter" die Laten als Gerichtsbeisitzer zuerst, dann die Lehenleute und 
samtliche Untersassen x . Dieselben baten um eine gemeinschaftliche Beratung, 
traten ab und erklärten nach ihrem Wiedereintreten: Der selige Crafl 
habe in vergangenen Jahren ein Instrument über die Schönauer Gerecht- 
same anfertigen lassen; man möge ihnen dieses vorlesen: was sie dann 
noch wiissten, würden sie sagen. Als Grundlage diente demnach das 
Weistum von 1491; dasselbe wurde von Artikel zu Artikel verlesen und 
anerkannt, dann das Folgende hinzugesetzt. 

Peter von Schönau erklärte, zur Zeit wo er Schultheiss gewesen, 
habe der Herr den Jakob Büschgen ergriffen „weilen er getrohel habe 
und auch von andere]' böser läma war". Derselbe wurde zu Schönau 
in den Stock gelegt und blieb darin „wol 28 wochen lang und solte darum 
alda gerichtet worden sein, dan durch bitt sein Peters und anderer freunde 
wurde er begnadigt und gulde sich ab und thätigte die brachten au der 
trauen von Mylendunck und dient« 1 ihr darzu eine Zeitlang dafür". 



') Die Fragen waren natürlich vorher entworfen und festgestellt. „Pro memoria 
actum uf manclacb uetava epiphanie 1522." 



— 76 -- 

Ferner berichtete Peter über zwei Frauen, die sich geschlagen hatten. 
Er führte sie vor „seine frau von Mylendunck seliger" und beide bezahlten 
ihre Bussen „als der herr von Schönau da war". In diese Sache mischte 
sich die Frau von der Heiden; sie Hess den Mann des einen Weibes greifen, 
ins Gefängnis werfen und forderte von ihm 15 Gulden „solte er loskomen, 
ausser die gelacher" l . 

Endlich erklärte Peter, er und sechs seiner „Stuhlbrüder" 2 hätten 
den Inhalt des Dokuments von 1491 vor dem Hauptgerichte zu Jülich — 
in dem Prozesse Grafts gegen Maria von Merode — in allen Artikeln 
wahrgehalten; der Herr möge dasselbe nur gut verwahren. 

„Danacher hat der schultheiss die lassen gemahnt, wannehe jemand 
inländisch oder ausländisch, zu Schönauen an rechten zu thuen hatte, wie 
der das eusseren und wie demselben da zu recht geholfen werden solle? 
Aach bedenken der lassen haben sie geantwortet: dieselben sollen dem 
alten herkomen nach mit recht bei ihnen verfahren; was das gericht weis 
ist, mögen sie lehren, was sie nicht weis sind, sollen sie derer parteien 
ansprachen und antworten schriftlich mit zugehörenden rechten annehmen, 
sodan selbige in des herren kamer zu Schönauen fortbringen, darauf recht 
und urtel da gesinnen, die urtel da einholen und solche dan den parteien 
auf deren begehren auf einem gerichtlichen tag bei ihrem gericht eröffnen 
lassen, also dass ihnen sofort von dem herrn zu rechten geholfen werde." 
Die Laten beriefen sich darauf, dass sie eben am selben Tage noch zwei 
Urteile vom Herrn „vorgeholt" und den Parteien eröffnet hätten. 

Für die Laten und das Gericht, die kein eigenes Siegel hatten, siegelte 
der Vogt zu Mylendunck, Laurenz Beik, zur ferneren Bekräftigung noch 
der Sänger und der Proffian 3 „auf bitten und begehren unseres lieben 
besonderen und verwanten, des herren von Mylendunck". 

Im folgenden Jahre schloss Dieterich den oben mitgeteilten Vertrag 
über die Grenzen der Herrschaft und die Gerechtsame der Herren von 
Schönau mit Werner von Schönrat zur Heiden. 

Dieterich hatte jedoch schon vor dem 13. Januar 1522 seine Joyeuse 
entree in Schönau gehalten und den Eid der Unterthanen entgegengenommen. 
Im Schönauer Archive findet sich die gleichzeitige Abschrift eines Briefes 
aus dorn Jahre 1521 vom Tage nach Judica, d. i. Palmsonntag, in welchem 
Dieterich das Gericht bei dem „op die groise bruiche" geleisteten Eide 
zum genauen Gehorsam gegen seine Befehle mahnt. Das Schreiben gibt uns 
auch wünschenswerten Aufschluss über die Weise der Gerichtsverhandlungen, 
denn es handelt von einer sogenannten Haupt fahrt, d. i. von einer Befragung 
des Jülicher Hauptgerichts zum Zwecke der Belehrung der Schönauer 
Laten, welche der Herr zur Meiden verboten hatte. Dieterich schreibt: 



M i rerichtsgebühren. 
i Die Gerichtsschöffen. 
| Erzpriester, der Pfarrer von St. Foilan in Aachen. 



— 77 — 

„Myne groiss, lief schoultis ind getruwe. So ir mir geschriven hat, 
wie etzliche parthien an mynen rechten zo Schönauen zo doin hont etzlichen 
gebrechen halven, des denn myn gerichte alda by sich selfs davannen rechl 
ind oirdel zo geven niet wis en sye, darum sie nae uitgewisdom des gerichts 
ind herkomst sich beroefcn haut um vurder geleert zo werden, daby den 
parthien alles diels recht wederfaren moicht. Da ouch beide parthien um 
recht zo erlangen bylage gedain hont, darop ir ind dat gerichte neisl 
zokomende donersdach zo Guilieh erschynen sould. so ich ouch alsdan op 
vurgerorte zyt da syn werde, daby ir geleert moicht werden um den 
parthien zo rechte zo helfen: So verstau ich, wie der van der Heiden 
durch syneiL vaet ind gerichte raynem gerichte hat lassen bevelen gein 
houft oirdel lassen zo holen. Wilch mich ganz ser befremt, so ich dem- 
selven heren van der Heiden naberschaft halven alda ändert niet geneicht 
sye dan mit fruntschaft ind ouch demselven (in) geinerlei manier onder- 
worfen bin." Dieterich befiehlt dann dem Gerichte und den Parteien am 
bezeichneten Tage in Jülich zu erscheinen, damit er sie nicht wegen Un- 
gehorsams zu bestrafen brauche. Gemäss seinem Eide werde er ihnen 
allen Schaden ersetzen, den der Herr von Heiden ihnen deswegen zufügen 
möchte. 

Nach dem Weistum von 1522 gingen diese Hauptfahrten nicht mehr 
wie früher nach Jülich ans Hauptgericht sondern an den Herrn von Schönau. 
So schrieben die „gemein laten des gereicht zo Schönau" 1523 an Dieterich: 
„Wisset leve jonker, so euer liebden am lesten ein ordel zo Schönauen 
mit den vait geschit hat, antreffende Dederich van Reichtergen ' und syne 
raitgedelingen eindeils und x4.rnold Duitsen anderteils, so dan Dierich van 
Reichtergen und syne mitgedelingen in den verluss sind vonden und na 
ansprach ordel erkant is worden, so haven Dederich . . . up dat ordel 
appellirt in kamergericht 2 und hoffen, sie sullen da ein geneitliches und 
besser ordel erlangen unde begeren von uns gerichten, der halfen besonder, 
eine afschrift des ordel zo haven." Das Gericht glaubte jedoch dazu ersl 
verpflichtet zu sein „wenn gebeidong us deme kamergericht komen over- 
mitz des kamerrichters boeden mit dem roden segel" 3 . Die Appellanten 
klagten dagegen über Verzögerung und machten die Schöffen verantwort- 
lich für allen Schaden, der ihnen hieraus erwüchse. Darum wendeten sich 
die Laten an den Herrn. „Und begeren wir fruntlich von euer liebden 
as uns heuft underrichtung zo haven und gekürt zo sein, wat wir hierin 
schuldig zo doin weren, of wir in 1 die afschrift zo eren gesinnen leveren 
suhlen of wir sie langer an uns behalten sullen." 



*) Die von Richterich waren im 16. Jahrhundert Halfen des Zehenthofa und längere 
Zeit Schultheissen und Rentmeister von Schönau. sie besassen in der Kirche zu Richterich 
ein Erbbegräbnis, woran ihre Nachkommen noch im 18. Jahrhunderl berechtigt waren. 

-) Die Berufungen gingen vom Gerichl an den Herrn, von diesem an das Reichs- 
kammergericht. 

3 ) Siegel. 4 ) ihnen. 



— 78 — 

Die „Deduktion" nennt unsern Dieterich als denjenigen, dem Karl V. 
in der jülichschen Fehde die Regalien und die Gerichtsbarkeit Schönaus 
bestätigt habe. Infolge dieser Bestätigung hat Dieterich auch wohl das 
Münzrecht ausgeübt. Quix 1 beschreibt eine dieser Münzen. Sie war von 
Silber. 2 1 j 2 Lot schwer und zeigte auf der Vorderseite Dieterichs Brust- 
bild mit der lateinischen Unischrift: Theoderich, Herr zu Mylendunck und 
Schönau, auf der Kehrseite sein Wappen und die Worte: Neue Münze der 
Herrschaft Schönau 1542. 

Aber die neue Münze verhinderte nicht, dass Geldnot sich auch im 
Hause Dieterichs einstellte. Am 2. des Brachmonats 1553 schrieb der 
Schultheiss Wilhelm von Richtergen an die Frau von Mylendunck-Drachen- 
fels: er könne kein Geld schicken, weil ihm weder der Hälfe Winand noch 
der Wirt im Pannhaus ihre Schuld entrichtet hätten „dan sie beklagen 
sich alle der theuren zeit und dass keine nahrung ist". Wenn die Frau 
keinen Ausstand geben sondern Pfandschaft für die Beträge oder Umschlag 
gethan haben wolle, dann möge sie schreiben. Er mahnt sie selbst aber 
auch. „Ferner liebe juffer, ich schicke euer liebden von dem singer von 
Aachen 2 und noch eine hantschrift von seiner wirden diener, fordert die 
reuten des altars hart und sehr und lasst den dienst des altars ungethan, 
nemlich die sontagsmess, die vor 80 jähren geschehen ist in zeiten herren 
Wolters von Bilsen sei. und in zeiten D. Sudermans sei., die den altar beide 
gehabt haben und allezeit der dienst geschehen und vollbracht ist." 

Dieterich war um diese Zeit schon tot; im genannten Jahre folgte 
ihm seine Frau. Ihre Kinder waren: Dieterich II, Herr zu Mylendunck, 
Drachenfels und Reuland. Er heiratete 1548 Theodora von Bronckhorst- 
Batenburg, Witwe des Franz von Schönrath, Herrn zur Heiden. Infolge 
dieser Heirat nahm Dieterich auch letzteren Titel an. 1557, Januar 28. 
wird er als Mitglied der Aachener Sternzunft angeführt 3 . Als Theodora 
1564 starb, suchte Dieterich sich im Besitze der Herrschaft Heiden zu 
erhalten. Das gelang ihm aber nicht, der Herzog von Jülich belehnte 
vielmehr am 8. Mai genannten Jahres die Brüder Werner und Wilhelm 
vnii dem Bongart mit derselben. Dieterich Hess sich dadurch nicht ab- 
schrecken; er brachte die Sache an das Reichskammergericht. Das ergibt 
sich aus einem Proteste, den er am 19. Juni 1567 gegen ein Edikt des 
Aachener Schöffenstuhles einlegte. Wilhelm von dem Bongart hatte ihn dort 
wegen eines in der Stadt gelegenen „aber in alle weg ohne einig mittel 
zu und an das haus und herrlichkeit zur Heiden zugeeignet, und gehörigen 
hauses" ■' verklagt und das Gericht sich auf die Klage eingelassen. Dieterich 



'i Schönau S. 20. 

-i Damals war Kantor am Münster Johann von Cortenbach, der anfangs September 
1555 starb. Eeusch a. a. 0. S. [8 '. 

:: i Zeitschrift des Aachener G-eschichts-Vereins XV, S. 292. 

'» Es handelte sich am das in der Bendelstrasse gelegene „Haus zur Heiden". Das- 
selbe befand sich noch 1571 im Besitze der .Mylendunck, wie aus folgendem Posten der 



— 79 — 

erklärte „diese causa emergens sei eine pertinenz und zugehörig stück der 
hauptsachen, so an dem hochlöbl. kaiserl. kammergericht noch unerörtert 
rechthengig schwebt". 

Der zweite Sohn Dieterichs I war Gothard von Mylendunck, Herr zu 
Goer, Fronenbroich und Meil, gestorben 1576. Seine Frau hiess Maria 
von Breclerode. Er ist mit Dieterich II nach dem Tode des dritten Bruders, 
Graft II, Herr zu Schönau gewesen. Von den beiden Töchtern Dieterichs I 
heiratete Aluert den Philipp Dieterich von Braunsberg, Herrn zu Burgbrol, 
Merxheira und Alken; Elisabeth den Adolf von Wilich, Herrn zu Disfort. 

d) Craft II von Mylendunck, Herr zu Meiderich, Soron, Schönau 
und Warden- (1552 — 1574). Seine Ehe mit Margarethe von Merode zu 
Petersheim, welche am 25. Oktober 1575 ihr Testament machte, war 
kinderlos; doch hatte Craft zwei uneheliche Kinder: eine Tochter, deren 
Aussteuer „heiligspfenningen" die Neffen Graft III und Baltasar laut dem 
Teilungsvertrage von 1591 übernehmen sollten, und einen Sohn, ebenfalls 
Craft genannt, dem Margarethe in ihrem letzten Willen eine neue Kleidung 
und 25 Thaler vermachte und dessen Kostgeld der Schultheiss zur Warden 
halbjährlich mit 8 Philippsthalern bezahlte 1 . 

Am 11. Januar 1553 bezeichnet der Aachener Rat den Graft und 
dessen Mutter als Herren zu Schönau, indem er von ihnen fordert, sie 
sollten den durch den Juden Alexander geschädigten Webern zu ihrem 
Rechte verhelfen. Damals war demnach die Erbteilung zwischen den Brüdern 
bereits vollzogen, aber die Mutter fährte in Schönau noch die Verwaltung. 

1558 am 13. März stellte Craft von Duisburg aus den ehrbaren Clemens 
Schmal aus Langenberg als Schulmeister in Richterich an und befahl den 
IJnterthanen in der ganzen Herrschaft, denselben als solchen anzuerkennen. 
Die Berechtigung hierzu hat Craft jedenfalls in dem Umstände gefunden, 
dass die Schule im schönauischen Teile Richterichs lag. Leider enthäll 
die Bestallungsurkunde keinen Hinweis auf die Konfession t\v* Schmal; 
mutmasslich gehörte derselbe der calvinischen Richtung an wie die Mylen- 
dunck. Wann letztere vom katholischen Glauben abgefallen sind, kann ich 
nicht feststellen, wahrscheinlich schon früh. Denn da die Gemeinde zu 
Duisburg, wo die Familie wohnte, bereits 1538 sich dem Calvinismus zu- 
wandte, darf man annehmen, dass auch die Mylendunck um jene Zeit dein 
Glauben ihrer Väter untreu geworden sind. Jedenfalls ist der Abfall der 
Gemeinde zu Meiderich im Jahre 1547 nicht ohne Zuthuen der .Mylen- 
dunck als Herren daselbst erfolgt-. Dass Grafts Witwe calvinisch war, 



Schünauer Rechnung aus jenem Jahre hervorgeht: „Item hab ich einigemal \"ii meinem 
gnädigen herrn Schreibens ontfangen, tun das körn zu Schönauen zu verkaufen und das einen 
kaufman zo verlassen. Hab ich sulch nit zu wegen können breiigen, and obgcmelte körn 
in das kaufhaus geforl und in diu :> wochen alda gelegen. Hab ich das körn Deutlich 
39 müd wider uf sacken und in das haus zu der Heiden ausschüdden lassen." Das Lager- 
geld betrug pro Müd 8 Heller. 

1 ) Rechnung von 1579/80. 

2 ) Enuen, Gesch. der Reformation u. s. w. S. 104. 



— 80 — 

steht fest; denn nach ihrem Testamente sollte „herr Julian, der prädikant, 
eine ehrliche belohnung" erhalten. Und da sie zu Duisburg an der Seite 
ihres Mannes begraben sein wollte 1 , so ist zu vermuten, dass Graft dem- 
selben Bekenntnisse angehörte. 

Mit seinen Vermögensverhältnissen hat es nicht gut gestanden. Vom 
Klöster St. Maximin in Köln hatte Graft 600 Goldgulden geliehen und da- 
gegen 28 Goldgulden sowie 28 Thaler jährliche Rente auf sein Gut Münster- 
hansen verschrieben. Er blieb aber die Zinsen schuldig, sodass das Kloster 
sich in den Besitz des Pfandes setzen wollte, welches ein Lehen der Abtei 
Essen war. Von einem andern Gläubiger hatte er 300 Goldgulden, die nach 
seinem Tode auf Anweisung Dieterichs durch den Schultheissen in drei 
Jahren bezahlt werden sollten. 1559 „hat Gracht von Milledonk . . . Petro 
Brewer zu Sierstorf 12 malter roggen ausm wardenischen erbpfacht auf 
ewige widerlös für 200 goltgulden" und „anno 1566 hat selbiger Gracht 
.... dem Franken Severins zu Lürrenzich abermalen aus seinen erb- 
renten zur Warden auf ewige widerlöse verkauft für 200 Joachimsthaler 
5 malter roggen und 5 Joachims-Thaler 2 ". 

1560 April 1. kauften die Testamentsvollstrecker des Dechanten 
U. L. F. Kirche zu Aachen, Johan Pollart 3 , für ein Legat desselben zu 
gunsten der Hausarmen, welches 392 Goldgulden und 400 Joachimsthaler 
betrug, von Craft einen Erbpacht von 14 Aachener Müd Roggen und eine 
Erbrente von 20 Thaler. Craft legte Pacht und Rente auf Hof und Gut 
zu Schönau mit der Weisung an den Pächter, beides vor allem anderen aus 
den Erträgen zu berichtigen. Die Ablösung war vorbehalten. 

1563, Mai 3. gestattete Graft „aus sonderlicher gunst und freund- 
schaft" seinem Schultheissen Wilhelm von Richtergen, „eine löse und wider- 
kauf" der genannten Renten, wobei er sich wiederum die Einlösung vor- 
behielt. Das führte später unter Baltasar zum Prozess. 

1572 am 12. Juli beorderte Craft den Rentmeister Heinen nach 
Petersheim — und zwar sollte er gleich gehen, bevor das Kriegsvolk die 
Wege dorthin verlegt habe — um die Rückstände zu erheben, deren er 
jetzt „aus ehehaften gründen" bedürfe, und ihm das Geld nach Duisburg 
zu schicken. Über die Einkünfte aus Schönau berichtet eine Rechnung 
des Rentmeisters Wilhelm von Richtergen. Graft hatte in den Jahren 
1554 — 1560 von Sehatz 2164 Gulden 14 Albus, von Geleitgehl der Juden 
in Richterich 257 Gulden, vom Juden Alexander 36 Gulden, von Weggeld 
240 Gulden und von Aceisen 452 Gulden erhalten. Die Ausgabe des 
Jahres 1566 betrug 472 Gulden 18 Albus 9 Pleller; die Einnahme von 
1568: 415 Gulden 10 Heller; im Jahre 1569 belief sicli die Einnahme auf 



') Richardson, Gesch. der Merode I, S. 158. 

'-') von Fürth, Beiträge u. s. w. II, 2, S. 94. 

3 ) Johan Pollart der Jüngere wurde Kanonikus am 3. Oktober 1527, Gehülfe des 
Decliantun mit dem Rechte der Nachfolge am 29. März 1537 und Dechant am 6. Mai 1541. 
Er starb 1554. Heusch a. a. 0. 15', 17-. 



— 81 — 

584 Gulden 11 Albus, die Ausgabe dagegen auf 1116 Gulden 22 Albus 
2 Heller. Aus der Rechnung des letztgenannten Jahres hebe ich folgende 
Posten aus, welche von allgemeinerem Interesse sein dürften. 

„ Folgen t§ . tags ist mein g. herr auf Schönauen geritten und den 
abent noch zu Aich gangen, daselbst in die 4 dag bei dem englischen 
herrn verblieben, mitlerweil verzert 30 gülden 1 alb. 

Item hat dasmal mein g. herr eine nacht in Krinsbad ' gewesen und 
zweimal gebad, vor das bad auf befelch iro gnaden gegeben 1 daler = 
2 gülden 4 alb. 

Item an wein und Unkosten ins bad 13 alb. 
Item den badknechten und megden 12 alb. 

Item ist mein g. herr mit dem englischen zo Bortschet die bader 
zo besehen verritten und im Clotz abgestanden und entbissen '-' und von 
dannen 1 flesch weins mit auf Aich genomen 3 . Davor bezahlt 11 gülden 
20 alb." 

Wie wenig haushälterisch man verfuhr, ergibt sich aus folgendem 
Zuge. Der Bote Kirdekatz wurde eigens von Schönau nach Duisburg 
geschickt, um den*. Herrn zwei Pfund Büchsenpulver und „meiner gnedigen 
Iran VII loth kleins garns" zu bringen! 

Graft hielt sich zwar meist in Duisburg auf, aber er vernachlässigte 
Schönau nicht. Um 1566 baute er daselbst ein neues Haus; auch übte er 
seine Herrenrechte. 1572 fällte er ein Urteil zweiter Instanz in Sachen 
Peter Haupts gegen Peter von Maubach, wogegen der Letztere nach Speier 
appellierte. Eine andere Bethätigung seiner Gerichtsbarkeit brachte ihn in 
einen Prozess mit Wilhelm von Bongart, Herrn zur Heiden. 

Craft hatte einen ungehorsamen Schönauer durch seinen Diener, David 
Hattingen, greifen und auf die custodien 4 führen lassen. Wilhelm ergriff 
seinerseits den David, warf ihn auf dem Hause Heiden in einen „bösen" 
Turm, hielt ihn trotz kaiserlichen Mandaten lange gefangen, verhöhnte ihn 
an einem Sonntage öffentlich in der Kirche, Hess ihn zum Spotte umherführen 
und zwang ihn beim Heidener Gericht eine Klage gegen den Herrn von 
Schönau auf 1000 Goldgulden Schadenersatz wegen der erlittenen Halt 
einzulegen. Das war blutiger Hohn gegen Craft, der ja seinen 1'ntert hauen 
versprochen hatte, er werde sie schadlos halten, wenn sie in Aufrechthaltung 
seiner Hoheit Schaden durch den Heidener erlitten. Auch hatte Wilhelm 
dem Peter vom Hirtz Pferd, Karren und Mehl wegnehmen lassen, weil 
dieser nicht auf der Heidener Zwangmühle mahlen liess. Die Aufforderung 
Crafts alles herauszugeben beantwortete Bongart mit der Hinweisung auf 
sein gutes Recht. Ausserdem verklagte er den Schönauer beim Herzoge von 



! ) Quirinusbad. 
2 ) speisen, Imbiss nehmen. 

s ) Nach vorangegangener Mahlzeil konnten die Herren ohne Trunk nicht einmal 7011 
Burtscheid mich Aachen kommen! 
4 ) in Gewahrsam. 



— 82 — 

Jülich. Traft, sagt er, habe nur einen Lathof oder eine Latengerichtsbarkeit, 
er werde auf dem (Heidener) Vogtgeding von seinen eigenen Leuten gevrogt, 
ilass ihm weiter nichts gebüre, als für seine Latgüter Erbung und Gütung 
zu thnen, für Ausgang und Eingang, Erbzinsen und Erbpächte mit seinen 
Leuten zu dingen, und nun schädige er die Heidener Gerichtsbarkeit, indem 
er deren Untergebene greife und in Eisen schlage, Juden und andere 
Sektirer geleite, die Schönauer verhetze, dass sie nicht auf der Heidener 
Zwangmühle mahlen Hessen, ja selbst Falschmünzern Aufenthalt gewähre. 

Der Herzog forderte Graft zur Verantwortung auf. der Schönauer 
antwortete jedoch nicht sofort und entschuldigte nachher die Verzögerung 
damit, dass er sich in ehehaften Geschäften auf Reisen befunden, auch 
mit seinen Brüdern die Sache habe besprechen müssen. Dann erklärte er 
die Anschuldigung wegen der Bedrückung der Heidener, die Aufhaltung 
der Sektirer und Falschmünzer sowie die Behauptung von der Aussage 
seiner Laten für unwahr, die Geleitung der Juden und den Schutz der 
Schönauer gegen den Heidener Mühlenzwang für sein gutes Recht. Und 
indem er den Spiess umdrehte, warf er seinerseits dem Herrn von Bongart 
Bedrückung der Schönauer und Verletzung der schönauischen Gerechtsame vor. 

Der Herzog sandte eine Untersuchungskommission, deren Kosten für 
Graft der Rentmeister in folgenden Posten verzeichnet: 

„Item in februario mein g. herr mit den commissarien und iren dienern 
IX tag alhie stille gelegen, gehalten 154 malzeiten, jede ad 4 alb. facit 
31 gülden 4 alb. 

Item 46 soppen jede ad 2 alb. facit 3 gl. 20 alb. 

Item als die commissarien von hinnen geritten, bin ich mit denselben 
uf Gülich geritten und inen daselbst ir geld uberliebert; haben M. Martin 
und ich dasmal verzert 11 gl. 10 alb. 

Item M. Martin von mir dasmal vor zergelt gefordert 2 gl. 18 alb. 

Item dasmal in der commission sach an wein gehabt 35 flaschen, 
jeder quart 6 alb., facit 35 gl. 

Item dem commissario Reutlin und secretario Pottgiesser vor ire 
belonung gegeben 36 goltgulden facit 90 gülden. 

Item dem licentiato Reutlin vor Verehrung 20 thaler, facit 43 gl. 8 alb. 

Item dem secretario Pottgiesser 10 thaler, facit 21 gl. 13 alb. 

Item haben dieselbigen, ehe sie zu Richtergen kamen, auf der reisen 
verzert ... 17 thaler 7 alb., facit 38 gl. 8 alb. 

Item Kumpstoff gegeben 5 thaler, facit 10 gl. 20 alb." 

Aber in Jülich wehte für Craft kein günstiger Wind. Darum reichte 
derselbe im Juni 1566 eine Klage gegen von Bongart beim Reichskanmier- 
gericht ein und verwickelte in dieselbe auch den Herzog, indem er behauptete, 
Bongart habe sowohl für sich „als auch von wegen austrücklicher ratifikation 
und befelch des hochgebornen Wilhelmen, herzog zu Gülch neulicher zeit" 
angefangen, sowohl in der Herrschaft Schönau wie auf den umligenden 
Gütern „neue unerhörte gebot und verbot zu thun, arresta anzulegen, die 



— 83 — 

unterthanen von seinen, Gräften ires angebornen herrn gehorsam abzutringen, 
auch abtrag zu lieischen" u. s. w. Unterm 7. Juni bestellte er von Duisburg 
aus zu seinen Anwälten in Speier die Advokaten und Prokuratoren Georg 
Berlingen und ^Ludwig- Stahel. Wegen dieses Prozesses Hess sich Kraft 
im Jahre 1569' mehrere Zeugnisse über die Rechte eines Herrn von Schönau 
durch das Gericht ausstellen, die aber nichts enthalten, was nicht schon 
aus den früher besprochenen Weistümern bekannt wäre. 

Interessanter ist ein Brief des Schultheissen vom 7. Oktober 1568. 
Derselbe berichtet über die Brandschatzung der Stadt Aachen durch den 
Prinzen von Oranien und gibt Einzelheiten an, von denen sich sonst nichts 
findet; auch -spricht er von den Verlusten, die Schönau bei dieser Gelegen- 
heit erlitt. Er teilt Graft mit „wie die underthanen zu Schönauen grossen 
schaden von dem kriegsfolgh erleden haben, aber die halfwinnersch hat 
oberaus grossen schaden erleden an ire beisten \ und alles, was sie im 
haus gehat iss ir abgenommen worden . . . Vergangen sondag haben vor 
der stat Aichen gehalten tussen 2 zwei und drei dusent von meines g. f. 1. 
reutereu und die geistliche geflode 3 goder daraus gefordert oder 
die perschonen . . . . Iro f. g 1 . haben sich sedigen 4 lassen mit 40 000 
goltgulden und darzu wolten sie 5 iro f. g. geschenkt haben 300 müd roggen." 

Nach der Niederwerfung der niederländischen Aufrührer durch Alba 
waren viele derselben in die Aachener Gegend geflohen. Einer, Jacob 
Kalf von Mastricht, Bürger von Antwerpen, hatte sich im Grünenthal 
niedergelassen und dort länger als ein Jahr bei Dieterich dein Wirten zur 
Herberge gelegen, als er am 26. Februar 1571 morgens um 4 Uhr durch 
die Befehlshaber des Herrn von der Heiden: Vogt, Gerichtsbote und Burg- 
graf aufgehoben und nach Heiden geführt wurde. Bei dieser Gelegenheil 
wurden etliche seiner Kisten geplündert, der Stall erbrochen, zwei gute 
Hengste mit Sattel und Zeug sowie fünf gute Büchsen weggenommen. Der 
Bruder des Schultheissen, Edmund von Richterich, setzte Craft sofort von 
dieser „unerhörten und schädlichen handlang" in Kenntnis. Der Gefangene, 
berichtet er, solle durch einige, welche in jüngster Zeit justizirt und hin- 
gerichtet worden, wegen verübter unredlicher Stücke verklagt sein. Da 
beide, der Mann wie die Frau, guten Geschlechts und wohlbefreundet seien, 
werde letztere wohl alle Mittel aufbieten, um ihren Mann zu befreien. „Darauf 
sie vielleicht auch wol alsbald (dan Bungart sich allerlei indracht von euer 
gnaden befürchten wird) solle gehört werden. Dan so gell vorhanden, mochl 
er wol, ob er schon anders verdient, im beutel gehenkt werden." Eine 
böse Bemerkung aus der Feder eines Mannes, dessen Urinier Schultheiss 
war! Zum Schlüsse forderl Edmund den Craft auf, diesem Eingriffe de 



») Vieh. 
'-') zwischen. 

3 ) geflüchtete. 

4 ) sättigen — befriedigen. 

5 ) Der Aachener Rat. 



— 84 — 

Heideners entgegenzutreten: „want so ime dis nachgelassen und zu gut bleiben 
würde, wird unser 1 und aller euer gnaden armer underthanen alhie, so 
sich ime jemals im geringsten widersetzet haben, ubele gew . . . 2 werden." 

Am 1. Februar 1572 ernannte Craft von Duisburg aus den Stefan 
von Richterich, der ihm ebenso wie sein Vater und Ahnherr treu gedient, 
zum Schultheissen in Schönau mit 50 Thaler Gehalt, den Gerichtseinkünften, 
den Erträgen des Schultheissenamtes und dem zehnten Pfennig aus den 
fallenden Brächten. 

Nach dem Tode Craft's gingen die beiden überlebenden Brüder mit 
dessen Witwe einen Vertrag ein. Sie hielten denselben jedoch nicht, noch 
zahlten sie das festgesetzte Wittum. Dafür schloss Margarethe beide von 
ihrem Testamente aus, gab aber den Kindern derselben wie auch denen 
ihrer Schwägerin Elisabeth von Wylich je einen goldenen Ring mit einem 
Totenkopf als Andenken 3 . 

e) Dieterich von Mylendunck, Herr zu Mylendunck, Drachenfels, 
Reuland, und Gothard von Mylendunck, Herr zu Goer, Fronenbroich 
und Meil werden als die Erben der „Meidericher Güter", d. h. der Besitzungen 
Grafts II bezeichnet. Am 8. August 1574 empfing Gothard den Eid der 
Schönauer, jedenfalls auch für seinen Bruder, denn in den folgenden Jahren 
treten beide als Herren von Schönau auf. Eine Rechnung verzeichnet die 
Kosten der Huldigungsfeier: 4 J / 2 Gulden! Dafür erhielten die Unterthanen 
ein Ohm Bier „und etlich brot und keis darzo". 

Während der Monate Juni, Juli und September war Gothard im Cornelius- 
bade zu Aachen mit der „Taghaltung" seiner Schwägerin von Meiderich 
beschäftigt; die Kosten bezahlte der Schultheiss mit 60 Thaler ad 52 alb. 
und 6 alb. So viel kostete ein Vertrag, der wie die Witwe klagt, doch 
nicht gehalten wurde. 

In demselben Jahre beauftragte Dieterich den Richter zu Meiderich, 
Herman Krain, von den Stiftern Essen und Werden die Höfe Münster- 
hausen und Hesingen zu erheben, so wie „bruder Craft und weiland her 
vater Dieterich sie inne gehabt". Zur Erhebung Münsterhausens ist es 
damals noch nicht gekommen, denn am 3. Dezember 1575 forderte die 
erwählte Äbtissin von Essen, Elisabeth Gräfin von Manderscheid-Blankcn- 
lieim Dieterich auf, das Gut durch Rückzahlung des Kapitals nebst Zinsen 
zu befreien und es in gehöriger Form durch Empfang des Lehenbriefs und 
Ausstellung der Reversale zu Lehen zu nehmen, damit sie nicht genötigt 
werde, auf grund des Lehnrechts gegen ihn vorzugehen. Das Reversal 
Dieterichs datirt denn auch von 1575. Nachdem er gestorben war, richtete 
dieselbe eine gleiche Aufforderung am 22. Mai 1576 an seinen Sohn Johann. 

Die Brüder leisteten auch Zahlungen an das Kloster St. Maximin 
„uf die resterende pensionen". Eine solche von hundert Thaler findet sich 
in der Sohultheissenrechnung von Warden. 

') Der Etichterich. 2 ) l>;is Wort ist zerstört. 8 ) Richardson, Geschichte der 
Mi rode I, S. 158. 



• — 85 — 

Der Streit mit dem Herrn von Heiden, den die Brüder von Craft 
geerbt hatten, wurde unter ihnen nicht nur nicht beigelegt, sondern ent- 
brannte noch ärger. Die Heftigkeit, mit welcher Wilhelm von Bongart 
gegen die Mylendunck vorging, ist gewiss grösstenteils hervorgerufen 
worden durch die Bemühungen Dieterichs die Herrschaft Heiden an sich 
zu reissen; Bemühungen, die Wilhelm trotz seinem unbestreitbaren Recht 
einen Prozess am Reichskammergericht aufhalsten. Doch ist es sehr zu 
bedauern, dass er sich durch Bestreben, auch seinerseits Thatsachen für 
seine Gerichtsbarkeit in Schönau aufweisen zu können, zu Grausamkeiten 
gegen die wirklich „armen" Unterthanen hinreissen Hess, die doch am 
Streite der Herren keine Schuld trugen. Es war eben die alte Geschichte: 
plectuntur Achivi! Ein Beispiel zur Erläuterung der damaligen Zustände. 
Zwei Weiber gerieten in Streit und zerzausten sich „tapfer". Als einige 
Zeit nachher der Mann der einen im Wirtshause sitzt, tritt die andere 
herein, beschimpft ihn und sticht dann den auf sie eindringenden mit einem 
Messer in Brust und Beine. Die Messerheldin war übrigens schon wegen 
ihrer Frevelthaten aus dem Reich Aachen verkürt, d. h. verbannt. Der 
Schultheiss verhaftete sie und brachte sie auf das Haus Schönau, wo sie 
gefangen blieb, obwohl ihr Bruder sich zur Stellung einer Sicherheit erbot 
und die Jülicher Räte die Brüder Mylendunck mehrfach aufforderten, sie 
gegen eine solche zu entlassen. Nun Hess Wilhelm den Halfen von Schönau, 
der mit der Sache gar nichts zu thun hatte, eines Sonntags nach der 
Messe festnehmen und hielt ihn in Heiden gefangen. Dieterich schickte 
den Edmund von Richterich, der ihm die Kunde brachte, nach Köln zum 
Licentiaten Salzfas, um sich dort Rat zu holen. Dann gab es ein endloses 
Hin- und Herschreiben zwischen Jülich, Schönau und Heiden, Befehle der 
Jülicher Räte, ja des Herzogs selbst zu gunsten der Gefangenen, aber die 
Herren kümmerten sich nicht darum. Bongart liess dem Notar, der ihm 
ein solches herzogliches Edikt überbrachte, durch den Burggrafen sagen, 
er werde es mit dem Halfen genau so machen wie die Mylendunck mit der 
Nes 1 ; komme diese los, sei es mit oder ohne Sicherheit, dann auch jener. 
Am 25. August 1575 beauftragte der Herzog seinen Vogt in Eschweiler, 
die Cautionen in Empfang zu nehmen; welche Wilhelm von Bongart einer- 
seits, die Brüder von Mylendunck andrerseits wegen der Gefangenen „ausser- 
halb irem gebeide 2 zu thun geneigt". Aber die Freilassung erfolgte 
trotzdem nicht. Noch im folgenden Jahre erging ein neuer Befehl des 
Herzogs an Dieterich, und weil derselbe „deinungeachtet bei seinem unbilligen 
furneinen" beharrte, die Aufforderung an Bongart „des Mylendunck auf- 
kümsten, galten, zins, pensionen, reuten, pechten und andere guter", soweit 
er daran kommen könne, mit Beschlag zu belegen. 

Bald daraufist Dieterich gestorben, und Grothard war alleiniger Herr 
zu Schönau. Es finden sich noch einige Briefe von ihm vor, die nicht ohne 

J ) Agucs. 
2 ) Gebiet. 



— 86 — 

Interesse sind. Am 2. Juli 1570 verbürgte er sich dem Erzbischofe 
Salentin von Köln für eine Summe von tausend Goldgulden zu gunsten des 
aus der Haft entlassenen Münzmeisters Peter Bossenhofen. „Nachdem der 
hochwirdig fürst und her, her Salentin erweite zu erzbischofen zu Coeln 
und churfürsten, herzogen zu Westphalen und Engeren, myn gnedigster her, 
Peteren Bossenhofen münzmeisteren zu Thoirn seiner eingezogener haftong 
alhie zom Bruel on einige verletzong seiner ehren und guten leumden 
gnedigst erledigt, so haben dessen fruntschaft 3 aus eigener freimuetiger 
bewegung zu underthenigster dankperlicher erkentlichkeit irer churfürstlichen 
gnaden tausend goltgulden oder der wert darvon zu schenken zugesagt 
und verheischen, welche obberürte summe gelts ich Goedthart, her von 
Millendunck und zu Goer als rechter und warer selbstprinzipal uf und 
über mich genomen gleich meine eigene eigentliche schult uf von heut 
dri gahr ihrer cf. g. on einige exception, hinderung oder mangel onfelbarlich 
zu erlegen . . . Geben zom Bruel den zweiten tag julii anno 1570." 

1572, April 9. meldet er von Fronenbroch aus der „durchlauchtigsten 
hochgeporenen fürstin und frauen Amelia, pfalzgräfln bei Rhein und chur- 
fürstin herzogin in Bayern, geb. gräfln zu Neuenahr und Lymburg", er 
habe von ihrem Abgesandten. Herrn AVilhelm von Schonnenperg die Briefe, 
ein „vessgen gesalzten wilbräts" und die Anweisung auf 200 Thaler für 
den Schönenberg empfangen. Der Herr erhielt das Geld aber nicht; in 
spätem Briefen klagt er, er habe die 200 Thaler sehr gut zum Ankauf 
von Zeltern für seine gnädige Frau verwenden können, wenn er sie gehabt 
hätte. Auch beschwert er sich darüber, dass Gothard im Trunk ihn mit aller- 
lei Schmähreden übel angefahren habe. Gegen diese Anschuldigung verteidigt 
sich Mylendunck mit der boshaften Bemerkung, er habe dem Herrn nur aus 
Freundschaft die Wahrheit gesagt. 

Einen Blick in sein Familienleben gewährt ein Brief an seine Frau 
in Fronenbroch ohne Datum, aber jedenfalls nach dem Tode Grafts II 
geschrieben, da es sich um dessen Gut Soiron handelt. „Ich mag eur liebden 
gute zeitong nit unangezeigt lassen, wie unser Hergot mir einen bequemen 2 
man zugeschickt hat, alle dinge zu Soron glimpflich zu erforschen. Er 
ist erwünscht herzo und ein man, der dem evangelio ganz ergeben. 
Er hat schon vernomen, wie der zehend zo Soron dem hern halb zukumt 
und zom geringsten sexich malter spelzen ausbringt, davon nit ein körn 
in den rechenschaften befunden. Ob nun mein swager von Willich mitler- 
weil zu euer liebden queme, so wult ime hievon nichts sagen." Das Ver- 
hältnis zu seiner Frau scheint recht gut gewesen zu sein. Er spricht 
mehrere Male sein Verlangen nach ihr aus und beteuert, er wäre gern herüber- 
gekommen um sie zu begrüssen, wenn er auch gleich wieder aus folgender 
Ursache nach Meil hätte gehen müssen. „Dan der pastor daselbsten dem 
nister ein kind nach altem herkomen getauft und unbedechtlich on einigen 

') Freunde. 

2 ) tüchtig, brauchbar. 



• — 87 — 

argwon, wie mir angelangt 1 , gesprochen: ich teufe das kind in nomine 
pater et filius et Spiritus sanctus, wuchs nit am sinn und Wirklichkeit 
sonder in der latinischer Ordnung gefeit, wilch versprechong 2 der pastor 
nit gestendig. Also ist das lam peffgen her Lambert zo dem cüster komcn 
und gesagt: euer kind ist ein heid in der kirchen gebracht und widerom 
herausgetragen, dan der pastor hat es nit getauft. Do hat der cüster 
begert, deweil es noch heidnisch und nit christisch were, das er her 
Lambert es taufen wul, wuchs dat peffgen ungiltig gethon, dan es ime 
geziint het, den cüster in dem zo ermanen und abzolialten, ich gesweige, 
das er die widertaufung getan haben sol. ^'ilchs ein sulch gesclirei 
allenthalben gemacht, das ich ein mirkliches darum geben wul, das es nit 
geschehen were, dan ich in sulchen feilen alzeit mer . . . 3 als ein anderer 
sal leiden müssen." Gothard sendete mit dem Briefe seiner Frau eine 
Dose Ingwer und „appelen von aranyenschalen" 4 , gegen Pfingstabend wird 
Vestgen nach Fronenbroch kommen und ein Kalb, einen Hammel und ein 
Lamm bringen. „Ich werde alle möglichkeit thun um jonge hoener zo 
bekomen". Auch bittet er die Gräfin Isenburg und seine Schwägerin gut 
zu bewirten. „Ich hab dem jeger zwelf daler gethon um euer liebden zo 
befriedigen", doch mit dem Bedeuten, er habe dero geschrieben „wohin 
sie dieselben von meinetwegen keren sol". 

Gothard ist vor 1579 gestorben, denn in diesem Jahre findet eine 
erste Erbteilung unter seinen Kindern statt. Diese hiessen: Agnes, Elisabeth, 
Herman Dieterich, Gothard, Craft, Baltasar. 

xVgnes heiratete am 15. Juni 1590 5 den Grafen von Hörn. Sie erhielt 
zur Aussteuer u. a. auch den „Anwachs zu Poll", worauf später die von 
Blanche Anspruch erhoben. Im Jahre 1592 schreibt sie an den Bruder 
Herman Dietrich, ihr Mann wünsche, Dierich solle so lange bei Meister 
•Philips bleiben, bis er (Herman) wieder ins Feld rücke; sie wolle, dass 
der Magister den Dierich alles lehre, was er kann. Und 1596 teilt sie dem- 
selben mit, sie habe schwer an Stein gelitten und werde mit Hermans Frau 
nach Spa gehen. Es sei nicht wahr, dass sie ihren Schwager mit Hermans 
Gütern bereichern wolle, sie und ihr Mann dächten nicht daran. Man rede 
davon, dass der Gouverneur von Limburg Viliar (eine Besitzung des 
Herman) kaufen wolle. 

Gothard erhielt bei der Teilung von 1579 die Herrschaft Soiron; er 
starb ohne Erben. Ob der eben genannte Dierich sein unehelicher Sohn 
war? Am 13. Juni 1587 dankt Herman Dieterich seiner Mohn von Goer 
für ihr Beileid beim Tode des Bruders Gothard. Der mehrfach erwähnte 



') mitgeteilt. 

2 ) Irrtum, Lapsus Linguae. 

3 ) Die Stell«' ist unleserlich. Die Verantwortung für den unwissenden Pfarrer fiel 
auf den Patron zurück, der als Calviner in besonders anangenehmer Lage war. 

*) Orangenschalen. 

*) Datum der Heiratsverschreibung. 



— 88 — 

Erbvergleich wurde am G. Juli 1579 geschlossen. Derselbe ist unterzeichnet 
von Herman Dieterich, Wilhelm von Braunsberg, Dieterich von Wylich 
und Dicterich von Mylendunck \ dann noch von Agnes und Elisabeth von 
Mylendunck. Nach einein notariellen Auszug vom 11. August 1G11 bestimmte 
der Vertrag: Da genannte Herren als nächste Verwandte und Freunde 
aus erheblichen Ursachen nicht für ratsam befinden, dass die Brüder in 
gemeinsamem Besitze der elterlichen Güter bleiben, so haben sie mit Ein- 
willigung des ältesten Sohnes Herman Dieterich zwischen ihm und seinen 
Brüdern also geteilt. 

Herman Dieterich erhält das Haus Goer mit der hohen und niedern 
Gerichtsbarkeit, mit Büschen, Wäldern, Feldern, Heiden, Fischteichen, 
Mühlen, x\ckerland, Höfen, Benden, Weiden, Baumgärten, Zinsen, Pachten; 
sodann Neer, Boggel, Buggenheini; die Herrlichkeit Poll und Panhedell 
mit Mühlen und allen Gütern; den Hof Hastenbaur im Amt Montfort 
gelegen; die Hoheit und Herrschaft Meil samt der Pleien und das Gut zu 
iSuillen mit allen Einkünften, Abnutzungen und Pertinentien. 

Dagegen erhalten die drei anderen Brüder Gothard, Graft und Baltasar 
die vier Herrschaften Fronenbroch, Soiron, Schönau und die halbe Ward 
mit dem Hofe Niedermerz, die Eupperger Höfe mit allein Ackerland unter 
Wachtendunk gelegen, die Scliwalmer Höfe zu Wanlo, alle den Herrlich- 
keiten und Gütern anklebende Gerechtigkeiten, Holzwachs, Wälder, Felder 
Heiden, Ackerländereien, Baumgärten, Weiden, Benden und alle anderen 
Pertinentien. 

Gothard starb 1587 und Baltasar, der jüngste der Brüder, wurde 
1590 mündig. Nun schlössen die drei überlebenden einen neuen Vertrag 
über des Verstorbenen Erbschaft, aus dem wir noch einige Punkte des 
früheren Vergleiches kennen lernen, die im vorstehenden Auszuge nicht 
enthalten sind. 

„Als und nachdem vor etlichen verflossenen jaren zwischen denen 
edlen und wolgeporen herren Wilhelmen von Braunsperg, hern zu Borg- 
brol . . ., Dederichen hern zu Milendunck und Drachenfels gotsieliger gedacht 
und Dederich von Wylich, hern zu Dysfort als negst gesipten angeporn 
verwanten und vormundern dero auch edlen und wolgeporen hern Craften, 
Godharten gotsaliger und Baltazarn geprüderen heren von Mylendunck, 
herrn zo Fronenbroch, Zouron, Schonawen und zur Warden eines- und des- 
gleichen edlen und wolgeporen herrn Herman Diederichen hern von Mylen- 
dunck, hern zu Goer und Meil anderteils eine erbliche immerwerende 
fruntliche brüderliche erbscheidung und vergleiclumg dero elterlicher nach- 
verlassenschaft halber beramt aufgericht ingewilliget auf- und angenomen 
worden, darinnen under anderen deutlich begriffen und vermeldet, dass 
obgemelter her zu Goer und seine erben gesagten dreien hern geprüderen 



') Ältester des oben besprochenen Dieterich von Mylendunck-Drachenfels. Er starb 
1584; sein Bruder Johann folgte ihm in der Herrschaft Mylcuduuck. (Syllabus.) 



• — 89 — 

zu Fronenbroch, Zouron und Schonauen und ire erben alle und jeglichs 
jars aus seinem zugeteilten erbpatrimonia] kindsgeteils eine oamhaftige 
somma von pfennongen erstatten und zalbar machen solle: und dan volgents 
darnacher angedeuter Goddart her zu Zouron, der zweiten broder, in den 
Hern mit dot abgescheiden, dohin sein anererbet erbpatrimonia! kindgeteils 
auf seine vurschreven . . . drei geprüdern ... in der proprietet ererbet 
und gleichwol er, Herman Diederich, vorgesetzte somma von pfennongen 
... zu verrichten schuldig geplieben ... so haben sich desfals heute 
oftgemelte drei hern fruntlich lieblich und bruderlich under einanderen 
vereinbaret vergleichen und verdragen, dass vorbestimte . . . somma von 
pfennongen . . . soll vor zalbar gemacht abgeschaft und hiemit gedodet 
und gedempf sein und pleiben. Dagegen sich dickgem elter her von Goer 
vor sich, seine erben und nachkomen . . . aller und jeglicher zum dritten 
teil an der herschaft Zouron anererbter und zugefalner gerech tigkeit ganz 
und zumal hiemit begeben und entschlagen und dieselbe auf beide seine 
geliepten brodern transportirt übergeben und uberdragen hat . . . Was 
aber durch die drei vorbenente hern . . . allenthalben beiderseits bis anhero 
genossen und empfangen, soll ungleichen hiemit abgeschaft gedodet und 
gedempt sein und pleiben. Des sollen mehrgedachte zwei hern Graft und 
Baltazar gehalten und verbunden sein, die naturliche dochter des abgestorben 
hern oheimen Craften heren zo Meiderich . . . ires zugedingten und ver- 
sprochen heiligs pfennong halber allein zu contentiren und zu befredigen; 
dagegen soll denen vurschreven zweien hern geprüderen auch allein die 
bis anhero in der herschaft Zouron erfallen . . . gülden, zinsen, reuten. 
I »lichten . . allein competiren . . . Actum auf dem schlos Milendunck am 
26 julii stilo reformato . . . 1591. 

H' Dether von Milendonck h. z. G. nipp. Kraft her von Milendonck. 
• Balthasar her von Milendonck. Johans her zo Milendonck." 

Die „somma von pfennongen", welche Herman Dieterich seinen Brüdern 
hätte auszahlen sollen, bestand aus 262 Thaler 18 Stüber jährliche Zinsen 
oder 5252 Thaler Kapital; aus einer jährlichen Rente von 10Ö Goldgulden 
wegen der Pleyen, und aus einer einmaligen Zahlung von 400 Thaler wegen 
der Mobilien des Hauses Goer. Weil Herman seinen beiden Brüdern die 
Herrschaft Soiron ganz überliess, verzichteten diese auf das bare Geld und 
übernahmen noch die Aussteuer ihrer unehelichen Base. 

Die Vormundschaft hatten die Herren von Braunsborg und von Wylich 
geführt. Letzterer lag im Oktober lös | acht Tage im Aachener Cornelius- 
bade zur Herberge um mit dem Maier von Soiron sowie den Schultheissen 
von Schönau und zur Warden Rechnung zu halten. Er „verzehrte" 25 
Aachener Thaler ad 26 Mark und 10 Albus und „vertrank" 19 Gulden 
10 Albus. Für die Pferde, die in der Berberge zum Klotz standen, wurden 
3 Gulden 12 Albus bezahlt. Den ganzen Betrag sollte der Schultheiss 
von Schönau in die nächste Rechnung bringen. 



— 90 — 

Im August desselben Jahres hatte Gothard bei Paulus Garzweiler in 
Aachen 31 Aachener Thaler 12 Albus verzehrt, die ebenfalls aus den 
Schönauer Einkünften bezahlt werden mussten. 

Der Herr von Braunsberg- bezog - aus Meiderich Jahrgelder, wahr- 
scheinlich als Mitgift seiner Frau. In den Rechnungen des Wardener Schult- 
heissen, Simon Xobis von Linnich, aus den 70 er und 80 er Jahren, welche 
teilweise noch von Gothard unterschrieben sind, findet sich der Posten: 
„Zu zalung der Pensionen, so dem hern zu Burgbroel zu man aus den ver- 
lassenen güteren des hern zo Meiderich selig gefallen, laut der quitanz 
geliebert 100 bescheiden goltgulden ad 9 gl. 2 alb. Noch 20 aide engeletten 
ad 6 gl. 4 alb., darzu 8 aide richsdaler ad 11 m." Herman Dieterich, 
gewöhnlich Herman Dieter genannt, Herr zu Goer, Pesch, Meil, Poll, 
Panhedel, Viliar, Andrimont und Brunau hat zwar mit Schönau weiter 
nichts zu thun, aber seine Geschicke sind der Aufzeichnung wohl wert, 
Um jedoch die Geschichte Schönaus nicht zu lange zu unterbrechen, ver- 
weisen wir die Darstellung seines bewegten Lebens in den Anhang. Bei 
der Erbteilung zwischen seinen beiden Jüngern Brüdern wurde 

f) Baltasar von Mylendunck Herr zu Hüls, Wurden und Schönau 
(1590 — 1629). Er empfing die Huldigung in letzterer Herrschaft „ad instar 
niaiorum" im Jahre 1590. Die Rentmeisterrechnung sagt: Item bei Guussen 
im beer verzert worden, als min her zu Schönau gehult worden: 22 gl." 
Sein Bruder Graft, der 1617 starb, ist jedoch Mitherr gewesen, wie aus 
manchen Thatsachen hervorgeht. 

1589 befand sich Baltasar im Corneliusbade zu Aachen. Die Rechnung 
bietet einiges Interessante. „Den 4. februarii iss mein her Baltasar von 
Milendonk sein edel leifden heir ankörnen des soterdach zo morgen und 
strack gebat und in't bat ein kau wins und ein pot beers. Noch 1 molzit 
vor min her und 2 molzit vor die knecht, Des noemidachs, do der Schröder l 
hei was, des heren van Fronenbroch sein koller zo schneiden 5 pot beers. 
In't bat vor mein her 3 pot beers, in't bat vor Hansen und die zwei anderen 
9 pot beers. Des sondachs zo midach 2 molziten vor menher und 1 molzit 
vor Hansen. Dinstach als mein her van Sorron quam, strack gebat und 
2 pot beers gehat. In't bat 2 pot beers und Hansen 3 pot beers. Goes- 
tach zo morgen 1 kann wins in't bat vor mein her und die zop vor 
Bansen 4 stüber. Noch des nomidachs 3 pot beers. Des ofens 2 2 molziten 
vir mein her und 2 kannen wins die kann 7 1 /* merk." Mit Ausschluss des 
Hafers für die Pferde, den der Schönauer Schultheiss lieferte, betrug die 
Wochenzeche 13 Thaler l»/ 8 M. 

r.'.M lialte Baltasar mit seinem Bruder Graft das „putzbat" bei dem- 
selben Wirte 80 Tage lang inne; das kostete täglich einen Thaler. In 
dieser Zeit nahmen die Brüder mit ihrem Rentmeister Vietwigh und mehreren 



') Schneider. 
-') abends. 



- 91 — 

adligen Herren 341 Herrenmalzeiten ä 10, die Knechte 230 Dienermalilzeiten 
ä 6 Büschen ein. Auch ein Soldat, Derich van Ham, badete daselbst auf 
Kosten Baltasars. 

Der in der ersten Rechnung genannte Herr von Soiron war Craft III. 
Die Herrschaft war ihm nach dem Tode des älteren Bruders Guthartl 
zugefallen; er verkaufte dieselbe bereits im Jahre 1591 an deu kölnischen 
Hofrat Carl Billeus und bevollmächtigte Baltasar, das Gut dem Käufer 
vor dem Limburger Lehenhofe zu übertragen. 

Beide Brüder waren stetig iu Geldnot. 1591 lieh Baltasar von dem 
Wirte im Corneliusbad, Simon Hausen, 100 Thaler; bis zum Jahre 1604 
war er demselben an geliehenem Gelde, Logis, Kost, Wein und Badegeld 
988 Thaler 24 Mark 8 Buschen schuldig; 1605 versetzte er der Witwe 
desselben, der er noch 483 Thaler schuldete, eine Jahrrente von 19 Fass 
oder Summer Roggen, 7 Kapaunen und 7 Schillingen, wodurch die Zinsen 
von 250 Thaler gedeckt werden sollten. Den Rest versprach er zu zahlen 
oder in ähnlicher Weise zu sichern. 

1612 hatte Baltasar dem Peter Startz, Wirt in der Windmühle früher 
Zum Goldenen Verken in Aachen 2 Morgen Ackerland „von den elf morgen 
in der delle im Richterger feld" für 145 Aachener Thaler ä 20 Mark ver- 
setzt; aber schon 1615 war er demselben IO2V2 Thaler für Fleisch und 
122 Taler für 348 Quart Wein schuldig, den Craft für sich und eine Juffer 
Peil hatte holen lassen. Der Wein von dem das Quart 9 Mark kostete, 
war in fünf Monaten verbraucht worden. Folgen dieser Miss Wirtschaft waren 
fortwährende Verpfändungen und Verkäufe von Renten und Ländereien, 
deren sich aus dem Schönauer Archive allein fast ein Dutzend für die 
Jahre 1605 — 1619 nachweisen lassen. Auch die Schwalmer Höfe sind 
damals an einen Junker Bruin verkauft worden. 

Das edle Haus Mylendunck war in argem Niedergänge. Darunter 
litten auch die armen Unterthanen. Um die drängenden Gläubiger zu 
befriedigen und an Geld zu kommen, missbrauchte Baltasar seine Gewalt 
selbst in unmenschlicher Weise. Einige Beispiele: 

1593 schlugen sich im Wirtshause an die Kreuzer Erk Nacken und 
Clas von der Wehe aus dem Aachener Reich. Dabei nannte des Nacken 
Weib den Clas einen Dieb, der ihr eine Kuh gestohlen habe, worauf Clas 
mit einer gemeinen Beschimpfung antwortete. Der anwesende Schultheiss 
Hess „um seines gepietenden herrn interesse willen" die Sreitendeu bis zum 
Austrag der Sache in Eisen legen. Er fand, dass der Vorwurf des Dieb- 
stahls unbegründet sei, und da beide Parteien für ihr Erscheinen vor 
Gericht Bürgen stellten, entliess er die Gefangenen. Drei Monate nachher 
erschien Dries Ortmans. der Wirt an die Kreuzer, vor den Schöffen und 
erklärte, es seien bei Verhandlung dieser Sache in seinem Hause vor und nach 
33 Thaler 21 Albus verzehrt worden, wovon die Compromissarien dem Clas 
ein Drittel, der Ehefrau Nacken zwei Drittel auferlegt hätten. Weil aber 



— 92 — 

Nacken nur 10 Thaler bezahlt habe, fordere er Exekution für den Rest. 
Das Gericht sprach dieselbe zugleich für die entstehenden Kosten aus. 
Mau pfändete darauf dem Nacken acht alte Tonnen, zwei Brandröster, 
einen hölzernen Trichter, ein Spannbrett, eine Braugaffel, eine Pinte Heu 
„die doch gemessen werden soll" und dergleichen mehr; alles zusammen 
wurde auf 26'/* Thaler angeschlagen. „Darauf die exekution besehenen. 
Und seind dieses tages uncösten mit den gerichtsküsteu gerechnet ad 
8 thaler 20 , / 4 mark". Die Ohrfeige kostete demnach dem Nacken fast 
45 Thaler. Man denke sich diese Summe bei dem damaligen Geldwerte: 
das war nicht mehr Justiz sondern Schinderei. Fortsetzung folgt., 



Kleinere Mitteilungen. 



L Aktenstücke aus dem Aachener Stadtarchiv. 

(t70.")-18O.-).i 

[m 3. Jahrgang S. 65 tf. dieser Mitteilungen hat (.'. Wacker eine Abhandlung 
über „Die Bevölkerung Aachens seit dem Ausgange des vorigen Jahrhunderts" veröffent- 
licht. Kr hat darin durch Feststellung des Verhältnisses der Gesamtbtsvulkerung zur Geburten- 
zahl, die uns überliefert ist, erstere t'ür das Jahr 1781 aut' 21000 Einwohner berechnet. 
Die er-te amtliche Volkszählung bringt er für das Jahr 1799. Sie wurde von der fran- 
zösischen Zentralverwaltung vorgenommen und er^ab 23 699 Einwohner. Nachfolgende 
Statistik, die nicht nur über die Bevölkerung der Stadt, sondern auch des Reiches Aachen, 
sowie über den Vichbestaud in beiden, Aufschluss giebt, stammt aus dem März des Jahres 
1795 und liefert einen schätzenswerten Beitrug zur Bevölkerungs- und Wirtschaftsgeschichte 
dieser Stadt und ihres ehemaligen Gebietes. 

j Meuscheu 

Stadt Aachen i 23413 



Würseler Quartier 
Weidener „ 

Haarener „ 

Berger „ 

Sürser „ 

Vaelser „ 

Orsbachcr „ 

Glockenklang „ 
AachenerHeide . 



} 



2 684 
1719 
1203 

913 

474 

303 
393 
402 



Pferde 

132 

192 

82 
86 

171 

91 
58 
74 
68 



31504 



974 



Kühe 
372 
397 
349 
290 

513 

202 
123 
280 
195 



2721 



Rinder 
6 
46 
89 
66 

193 

32 
23 
15 
54 



524 



Nicht uninteressant durfte vielleicht nachfolgende Probe des amtliehen Schrift- 
wechsels aus der Zeit der Fremdherrschaft sein. In der Heftigkeit und Schärfe ihrer 
Ausdrucksweise spiegelt sie so recht den erregten Charakter der damaligen, durch 
Chikanen aller Art gequälten und durch beständige Anspannung aller Kräfte bis zur 
Erschöpfung in Anspruch genommenen Beamtenwelt wieder. 

Freiheit. Gleichheit. Verbrüderung. 

Aachen, den 11. Prairial 3. Jahr der Republik. (30. Mai 1795.) 
Die Gülich-Aachensche Bezirksverwaltung an die Munizipalität zu Aachen. 

Mitbürger! 
Cnterm 7. dieses ist euch eine Requisition zugegangen, vennög welcher ihr auf 
der Stelle acht doppelspännige Karrigen aufbieten und unfehlbar unter Straf militärischer 



— 93 — 

Exekution hieher einschicken solltet; dieser unserer Aufforderung seid ihr mit sträflicher 
Verachtung begegnet, massen bis heute nur eine erschienen ist. — Wenn wir nun der- 
gleichen Saumseligkeit, wodurch der Diensi der Republik nicht allein, sondern auch alle 
gute Einwohner, die noch etwas Fourage haben, leiden müssen, nicht zusehen wollen 
noch können, so*- fordern wir euch nochmals, und zwar zum letzten Mal hiemit auf, die 
annoch rückständige Karrigen inner 24 Stunden nach Erhalt dieses um so gewisser hie- 
hin zu stellen, als gar keine Entschuldigungen angenommen, und ihr im Ausbleibungsfalle 
gefänglich eingezogen und auf Wasser und Brod, bis dahin diese Requisition befolgel 
sein wird, eingefordert werden sollet. 

Heil und Verbrüderung. 

Jungbluth, Präsident. 
Merckelbach, Secretarius. 

Darauf erfolgte nachstehende, abschriftlich erhaltene Antwort: 

Aachen, den 13. Prairial 3. Jahr der französischen Republik. (1. Juni 1705.) 

Da wir den Ausdruck oder vielmehr die Drohung von Einkerkerung auf Wasser 
und Brod ersahen, glaubten wir uns auf einen Augenblick in den Zeiten des Despotismus 
zurück, wo zufolg Erzählung unserer Nachbaren im Julicher Lande der despostische 
Vogt seine Unterthanen nach seinen Gefallen, wenn sie seine Küche nicht sattsam spickten, 
drohete und drückte, denn wir als freie Bürger kannten und ertrugen solches nicht und 
wollen es auch jetzt nicht ertragen. Kerker auf Wasser und Brot ist Dieben und fraude- 
leusen Banqueroutieren, nicht aber Munizipalen, die ihre Pflichten erfüllen, geeignet. 
Übrigens scheint Eure Drohung nicht aus dem schätzbaren Werke les droits de l'homme, 
noch aus den Gesäzen der französischen Republik, sondern aus der Geschichte eines 
türkischen Bassa, oder welches auch der Fall sein dörfte, eines Robespierres en mignature 
hergeleitet zu sein. 

Da nun das Regiment Robespierres en grand ein Ende genomen, so leben wir der 
Hoffnung, auch jenes des Robespierres en mignature erlöschen und nur das Gesäz einer 
aufgeklärten und Despotism verabscheuenden Nation herschen zu sehen. Anf die 
Gesäz berufen wir uns, nach diesem wollen wir behandelt und gestraft sein, wenn wir 
nota bene gefehlt haben und mutwilliger Saumseligkeit oder Nichtbefolgung Eurer uns 
im Namen des Gesäzes aufgetragenen Requisitionen überführt sein werden; weilen wir 
, aber überzeugt sind, in betref der zu stellenden fraglichen Karren mehr als unsere 
Schuldigkeit . . . gethan zu haben ... so werden wir nicht ermangeln, uns über diese 
niederträchtige Behandlung gehörigen Orts zu beklagen. Wir wollen uns indessen der- 
gleichen Drohungen wohl ausdrücklich verbeten und glauben, dass sich jede konstituirte 
Gewalt durch arbitraire und despotische Behandlung selbst entehrt, ebenso steht selbige 
unter der Zentralverwaltung. Wir vermuten aber, dass solche sich deswegen nicht von 
dieser als Schlaven behandeln und bedrohen lassen wird, besonders wenn sie ihrer l'llirhi 
Genüge geleistet zu hahen glaubt, und wir als Munizipalität von Aachen sind in Rück- 
sicht der Distriktsverwaltung völlig gleicher Meinung. 

Heil und Verbrüderung. 

J. C. Bock, Präsident. Startz, Mpal. Vietoris, Mpal. 

J. F. Kollt, Mpal. (Munizipal). Pelser, Mpal. ffoubben, Mpal. 

Dauzenberg, Commissaire de Bauinhauer, Mpal. 

Police et Mpal. Burenkoven, Mpal. 

Decker, Mpal. Peuschgens, Mpal. 



Das von Qu ix herausgegebene „Wochenblatt für Aachen und Umgegend" berichtel 
nach den Notizen eines Augenzeugen in \r. 137 vom 12. Dezember i n : ; 7 : „Am 80. Dezem- 
ber (1794) fand hier das Fest über die Eroberung Hollands statt . . . (Folgt Beschrei- 
bung.) Als die Musik zur Strophe kam Pcrissent les tyrans, perisse hur memoire stieg 



— 94 - 

der Präsident (der Zentralverwaltung) von dem Altar mit einer brennenden Fackel in 
der Rechten und zündete einen von der Munizipalität angerichteten Scheiterhaufen von 
aus den öffentlichen Gebäuden und den Häusern der Emigrirten genommenen Feudalzeichen, 
pergamentnen Denkmälern, Adelsdiplomen und Urkunden an . . . ltt ) 

In Nr. 22 vom 20. Februar 1839 desselben "Wochenblattes lesen wir: „Am 28. Februar 
L795 wurde hier ein grosses Bürgerfest gefeiert über die Fortschritte der französischen 
Armee, bei welcher Feierlichkeit wieder ein Scheiterhaufen angezündet wurde, auf welchem 
Zeiidien der vormaligen Feodalität, Pergamente-Adelsurkunden und dergl. gehäuft lagen, 
die mitverbrannten . . . 2 " Nach diesen dem Geist der Revolution dargebrachten Brand- 
opfern beschloss die Zentralverwaltung der Länder zwischen Maas und Rhein, die in Aachen 
ihren Sitz hatte, am 5. April 1795 die Aufhebung aller Vorrechte des Adels und der 
Geistlichkeit; diese beiden Stände sollten fortan alle Staatslasten tragen wie der dritte 
Stand. Über die Art und Weise, wie man der Adels- und Lehnbriefe habhaft geworden 
war, belehrt uns folgendes Aktenstück vom 9. Februar 1795. 

Liberte, Egalitti, Fraternite. 

Administration-centrale du pays d'entrc Meuse et Rhin. Extrait du proces-verbal 
des deliberations de l'administration-centrale du pays d'entre la Meuse et le Rhin, cn la 
seance publique du 21 pluviose 3. annee republicaine, ä laquelle ont assistes les eitoyens 
Simeon vice-president, Goldbek, Vossen, Petitbois, Sckmit, Kempis, Jacobi, Clermont, Huberty 
et Decamp, Substitut de l'agent national. 

L'administration-centrale sur la proposition d'un de ses membres oui le Substitut 
de l'agent national a arrete et arrete. 

Art. 1. 

La niunicipalite d'Aix fera faire des visites domiciliares receuillir tous les signes 
feodeaux ou parchemins et letres de noblesse qui pourraient encore exister dans la 
commune d'Aix et les fera transporter au comite de surveillance. 

Art, 2. 

A ce sujet eile s'ajoindra 2 membres du comite de surveillance. 

Art. 3. 

Elle rendra compte sous trois jours a l'administration-centrale du resultat de ses 

recherches. 

Art, 4. 

Copie de la presente sera envoyee a la municipalite d'Aix et au comite de sur- 
veillance. 

Si<jne au registre Simeon viee-president etc. et scelle" du scelle de l'administration- 

cenl nile. 

.„. . . „ , , . . Sinsteden, secretaire. 

(Siegel in Schwarzdruck.) , ' ... . 

General-ad loint. 



l ) Clemens Theodor Perthes, Politische Zustände und Personen in Deutschland zur Zeit 
der französischen B uft S. 142. 

Vergl. 3. Jal i - ; 61 ff. dieser Mitteilungen: „Ein republikanisches Siegesfest in Aachen." 
C Wacker. Eine bandschriftliche Chronifc des hiesigen Archivs, die die Jahre 1776—1797 umfasst, 
aber Leider nur lückenhaft erhalten ist. bring! über die Vorgänge am 28. Februar L795 folgende Notiz: 
ist in den ci-.il.iM-ir.il Länder zwischen Maas und Rhein ein Bürgerfest gehalten worden, 
welches hier auf folgende Art gehalten "wurde. Morgens '■> Uhr begaben sich alle Gewalten mit ihren 
Fahnen nach dem Redoutensaal, der Sitz der Zentralverwaltung, allwo von dem Präsident eine Rede 
von den Portschritten der republikanischen Waffen, von den Siegen in Holland, von den Nutzen und 
Vorteil, den wir davon hoffen könnten, gehalten worden; alsdann ging der Zu«' unter Läutung aller 
Glocken über den Kapuzinergraben, durch Kleinmarschierstrass nach dem Markt, wo da- Vaterlands- 
altar errichte! war. Die Knaben von 8 bis L2 Jahren trugen eine Fahne mit der Inschrift „Hoffnung 
Vaterlandes", die .lim Fahne mit der Inschrift. „Stütee der Freiheit", die Ackersleute 
mit der [nschrift „Nährvater des Staates", die Bürger und Burtscheider mit der Inschrift „alle Menschen 
sind frei geboren." Darnach folgten die Stadtmusikanten, verschiedene Departements, die müitairische 
Musik, die X und d<\- Stab. Als der Zug allda ankamen, erstieg Bürger Vossen die 
Bühne, hieb eine lange Bede von Vei lei Tyrannen, von SüssigkeH der Freiheit, von Nach- 



— 95 — 

Durch Dekret vom 5. Oktober 1793 führte der französische Nationalkonvent den 
Revolutions-Kalender ein, der wohl deshalb, weil er auf „philosophischen Prinzipien" 
beruhte, so vortrefflich geeignet war, in vielen Köpfen eine gründliche Verwirrung anzu- 
richten. Ein von Napoleon erwirktes Senatsdekret vom ».September 1805 schaffte dieses 
Monstrum von Zeitrechnung aus der Welt. Er verdiente sich dadurch besonders den 
Dank aller Historiker, die auf dem Gebiet der Chronologie durch ganz merkwürdige 
Leistungen des menschlichen Scharfsinns ohnehin mehr als nötig geplagt werden. Das 
freudige Ereignis der Wiedereinführung des altgewohnten Gregorianischen Kalenders 
wurde den Aachenern am 19. Dezember 1805 durch folgendes „Avis" bekannt gegeben. 

Pour regulariser le passage du calendrier actuel a celui gregorien, qui doit etre 
suivi ä dater du premier janvier 1800, correspondant au 11 nivose an 11, les registres, 
journaux, sommiers, livres de recette et de depen.se, au lieu d'etre arreti's le 30 de ce 
mois, ne le seront qu'au 10 nivose; de maniere que les 6tats du mois de frimaire eourant 
comprendront 40 jours d'exerciee. Tous les bordereaux et objets de comptabilite* seronl 
etablis d'apres cette base. 

Aix-la-Chapelle, le 28 frimaire an 14. 

Le conseiller d'6tat, pröfet du döpartement de la Roer. 

Laumond. 

Aachen. ])'. Brüning. 



2. Veranstaltung von Maskenbällen bei festlichen Gelegenheiten 

im vorigen Jahrhundert. 

Unter den festlichen Veranstaltungen im Jahre 1748 zu Ehren der aus Anlass des 
Friedenskongresses versammelten Gesandten erwähnt der Chronist Janssen (bei von Fürth, 
Beiträge und Material zur Geschichte der Aachener Patrizier-Familien Band III, S. 161) 
auch eines Maskenballes mit den Worten „Am lG ten 7 bris wirdt aufm Stadthaus ball masque" 
gehalten". Es scheint hiernach, dass Maskenbälle bei aussergewöhnlichen Gelegenheiten 
einen Teil der festlichen Veranstaltungen bildeten, denn auch bei Anwesenheit des Prinzen 
und der Prinzessin von Oranien hierselbst im Jahre 1776 wurde dem Robert Brammertz 
erlaubt, seinen Saal zu diesem Zwecke herzugeben. Es ergiebt sich dieses aus einer 
Niederschrift in dem auf dem Stadtarchiv beruhenden „Protokolluni Maioriae extraordi- 
narium 1748—1785", die also lautet: Jovis, 27. Junii 1776. Referirte wohlregierender 
herr burgermeister freyherr von Wylre, daß gestern gegen abend der majoriae secretarius 
Schultz von wegen herrn vogtmajorn freyherrn von Geyr zu ihm gekommen und, nach 
geschehener vertragmäßiger Verkündigung, daß auf heut zum ehrengeleit der dahier 
eintreffenden prinz und prinzessin von Oranien durchlauchten eine pfälzische compagnie 
grenadier zur Stadt einrücken würde, das ansuchen gethan hatte, daß die herren burger- 
meister dem Robert Brammertz dahier erlauben mochten, wegen solcher eintreffung morgen 
den 28. dieses abends auf seinem saal einen bal masque* zu halten: worauf d:mn 
folgende crlaubniß ertheilet worden: Auf durch den majoriae secretarium Schultz oahmens 
des herrn vogtmajorn freyherrn von Geyr bey wohlregierenden herrn burgermeistern 
geschehenes belangen, gestalten morgen den 28. dieses am abend auf des Roberl ßrammerl 
saal einen masquirten bal zu halten, als wird dem besagten Brammertz hiemil erlaubt, 
darzu seinen saal herzuleihen. 

Signatum. Ex mandato 

J. Couven, secretarius. 



lass ein Teil der Kontribution, and darnach wurde vom Präsident der Zentralverwaltung ein Scheiter- 
haufen angezündet, worauf etliche Adels-Urkunden rorbrandl win.ini, and io wurden diese Narrheiten 
beschlossen. Die umliegi aden Ortern mussten Lieber berichten, auf welche Arl siedii lialten hätten." 



— 96 — 
3. Zur Geschichte des Kreuzherren-Klosters. 

In der Zeitschrift „De Maasgouw" finden wir in Nr. 3, Jahrg. XVIII, in einem 
Aufsätze von Dr. Doppler über das vormalige Kreuzherreu-Kloster zu Maastricht auf 
zwei Mitglieder der hiesigen Kreuzherren bezügliche Notizen, die hier folgen, weil die 
Zeitschrift weniger bekannt sein dürfte und unsere Kenntnis bezüglich der hiesigen 
Kanonie der Kreuzherren eine geringe ist. „Michael van Testelt (van Thestel) was de 
eerste prior van het klooster; zijn eerste medehelpers waren: Servatius van Hasselt, 
Martinus van Leyden, Hendrik van Alost; deze laatste ging later naar het klooster te Aken. 

Johannes Clocker, geboren te Aken, trad aldaar in het klooster zijner orde; Inj 
wird prior te Maastricht; deze waardigheid legde hij na eenige jaren neder, verstigde 
zieh daarua wederom in het klooster te Aken, alwaar hij nog lange jaren supprior was. 



4. Anordnung einer Prozession durch den Rat. 

Die nachstehende „Verkundung einer gemeiner proceßion uff st. Rochi ' tagh anno 
1552", die „am sondach den 7 dag Augusti" erfolgte, und deren Urschrift sich im hiesigen 
Stadtarchiv in den Akten „Prozessionen" befindet, ist von besonderem Interesse um des- 
willen, als die weltliche Behörde, der Rat, die Veranlassung zu derselben gab. 

Her pastoir wilt dem gemeinen folk verkundigen und ansagen, wie ein ersam rath 
dieser stat zu Ehren des Almechtigen, auch zu affwendung Gottes zorns für rathsam und 
gut bedacht, dat man nechst künftig dinxtag oever acht dag, nemlich uff sanet Rochi 
dag eine gemeine prozession mit innerlichen treuwen hertzeu und demuttiger furbit mit 
der gantzer cleriseien halten sali, dar zo einen jgligen ficissig ermanen, gegen gemelten 
dag mit bichten und uutfangung des hogwerttigen heiligen sacraraentz sich zu bereiften 
und innichen für zu nemmen und zu doin. 



') Vgl. auch über die Prozession am St. Rochi Tag, Nopp, Aaclier Chronick, Ausg. von 1643, S. ss. 



5. Fleischverkauf in der Fastenzeit. 

Die „Revidirte Ordnung über Haltung der Sonn- und Peyer-Tägen" vom IS. Juni 
1731 bestimmte in Nr. (; bezüglich des Fleischverkaufs: Die fleischheuer, wie imgleichen 
die tripiers oder penserien verkaufter, sollen auif allen genieinen sonn- und feyer-tägen 
allein biß 8 uhreu vormittags, absolute aber länger nicht in denen öffentlichen fleisch- 
liallen feyl haben mögen, in ihren privat häußeren jedoch das fleisch zu verdebitiren, solle 
ihnen nicht benommen seyn, sondern freystehen; als viel aber die hohe festtägen und vor- 
uembste festivitäten betrifft, als nemblich Ostern, Pfingsten, Heilig-Saeraments-Dag, Mariä- 
Eimmelfahrts-Dag, Allerheiligen, Christag und Liechtmeß-Tag sollen die fleischheuere und 
tripiers auff diesen tagen ganz und gar nicht, sondern nur allein auff dieser festivitäten 
abenden oder vigilien öffentlich feyl haben und verkauften mögen; ininassen dan auch 
auff denen festtägen und wan man sich deß fieischspeisens enthaltet, wie weniger nicht 
in der viertzig tägiger fastenzeit, ihnen ein solches allerdings verbotten seyn solle. Diese, 
das Gewerbe der Fleischer schwer schädigende Bestimmung veranlasste die Greven und Vor- 
steher ihrer Zunft dieserhalb vorstellig zu werden, worauf die Herren Beamten am 
II. Februar 1750 (Beamten-Protokolle Bd. L) beschlossen: Auf anstehung hiesiger Griefen 
und Vorstehern der fleischheuerzunft haben herren Burgermeistern und Beambten zu- 
gestanden, daß wehrender dieser fastenszeit die heyde fleischhallen des Montags, Diens- 
tags, Donnerstags und Samstags morgens bis 11 Uhren sollen eröffnet und das fleisch 
öffentlich verkauft werden mögen, übrigen tagen aber nicht. 

Aachen. M. Schollen. 



Druck von Hermann Caatzerik A \< m .-,. 




Schönau. 

Von H. J. Gross. (Fortsetzung.) 

Die „gepietenden herren" entblödeten sich nicht grade heraus zu sagen, 
wozu ihr „Interesse" verwendet werde. Man lese folgenden Fall. Dam 
von Souren aus Laurensberg im Aachener Reich heiratete ein Heidener 
Mädchen und liess sich in Eichterich nieder. Unter dem Vorgeben, er 
liabe seine Schwägerin geschlagen, einen Schöffen gestochen und Klagen, 
die nach Schönau gehörten, vor das Heidener Gericht gebracht, liess 
Baltasar den Dam am 20. April 1598 „abends zwischen tag und nacht" 
durch drei Diener „Conrad der ein röhr, Tilman der einen halben spiess 
und Apfeldorn der ein röhr und einen dolch trug", in seinem Hause greifen, 
nach Schönau bringen und dort in den Turm werfen. Als der Verhaftete 
nach Zeugen rief, wurde er mit Schlägen bedroht. Andern Tags ging die 
Frau mit einigen Verwandten aufs Schloss um die Ursache zu erfragen. 
Baltasar brachte die obigen Anklagen mit der Erklärung vor, sein Gerichl 
werde sich mit der Sache befassen. Für die sofortige Freilassung forderte 
er 126 Goldgulden, eine Summe, welche die Familie weder aufbringen 
konnte noch wollte. Nun liess Baltasar den Dam in den Stock legen und 
zwar, obwohl derselbe auf die Arme gestellt war, mit den Beinen, so dass 
der Unglückliche mit dem Haupte zur Erde hing und wegen der Enge 
der Löcher vor Schmerzen jämmerlich schrie. Das vermochte die Frau 
nicht anzuhören, sie unterhandelte mit dem edlen Herrn bis auf 64 Thaler, 
welche nächsten August an den Simon im Corneliusbad gezahll werden 



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mussten! Mit dem, was sie den „armen Unterthanen" höchst unedlerweise 
anspressten, berichtigten diese edle Herren ihre Wirtshausschulden ! Dam 
erhielt jedoch die Freiheit nicht eher, bis sein Bruder sich für die 64 Thaler 
vor dem Aachener Schöffengerichte verbürgt hatte. Bezeichnend für die 
Stimmung des Volkes ist folgender Zwischenfall. Die Schönauer Laten 
weigerten sich über die Angelegenheit des Dam zu erkennen, weil es sich 
um die Rechte des Herrn zur Heiden handle. Wenn sie dem an seine 
Gerechtigkeit tasteten, sagten sie, so werde er sie verderben. Baltasar 
liess sie durch seinen Fiskal Stückger fragen, ob er sie denn nicht auch 
verderben könne? Auf die frivole Frage gaben die Laten die verzweifelte 
Antwort: wenn sie durchaus zu gründe gerichtet werden sollten, wäre es 
gleichgültig, durch wen. 

Das Verhältnis zwischen dem Herrn zur Heiden und den Mylendunck 
war demnach noch immer sehr gespannt. Bongart fand bald Gelegenheit 
gegen die Brüder aufzutreten. Wir wissen, dass Craft II eine Eente von 
14 Müdd Roggen und 20 Joachimsthal er auf das Schönauer Hofgut gelegt, 
dann aber dem Schultheissen Wilhelm von Richterich gestattet hatte, die- 
selbe zu eigenen gunsten anzukaufen. Vom Jahre 1586 wurde nun die 
Geld- und vom Jahre 1589 ab auch die Kornrente nicht mehr gezahlt, 
weil Richterich so viel eingenommen habe, dass damit das Kapital bereits 
abgetragen sei. Edmund von Richterich, der Rechtsnachfolger des Wilhelm, 
schloss mit Baltasar über die Zahlung einen Vertrag ab, den jedoch Craft III 
als Mitherr nicht anerkannte, und nun belangte Edmund die Brüder vor 
dem Schönauer Gericht. Dieses schloss sich der Auffassung seiner Herren 
an, dass die Erben Richterich nach der Reichsordnung „über haben 
und also hauptsomma und pension sich selber quitirt haben 1 ." Edmund 
brachte nun die Sache vor das Hauptgericht zu Jülich. Hier mischte sich 
Bongart ein. Er bezeichnete den Baltasar als einen Anstifter von Neuerungen 
und Turbirungen, gegen welche selbst dessen eigener Schultheiss mit den 
Schöffen protestire. Baltasar erkenne des Herzogs von Jülich Oberhoheit 
nicht an, er bedrohe Vogt und Gericht des Ländchens zur Heiden u. s. w. 
Dagegen erklärte Mylendunck, er handle nur wie seine Vorfahren, er habe 
Schönau von der Sonne empfangen, die Schöffen nicht eingesetzt sondern 
vorgefunden „als aus ihren scheffencompen und kisten erhellt"; des Fürsten 
zu Jülich Steuer lasse er fleissig einsammeln und an ihren Ort abführen; 
er betrachte sich auch als Unterthan des Fürsten „in erwegung bei mir 
selbsten, ich nit unerweislich verschiedene guter in fürstlicher gnaden 
fürstentum Jülich liegen habe, deren ich mich um Schönaus willen ungerne 
entblösen solte". Das Gericht zu Jülich hat jedoch den Herrn von Schönau 
am 27. Oktober 1604 „ad barbam condemnirt", und als Baltasar nach 
Düsseldorf appellirte, geschah ihm dasselbe. Nun ging die Sache an das 
Reichskammergericht und dort erkannte man die Reichsunmittelbarkeit 

') Die Reichsordnung gestattete nur 5°/ Zinsen; was darüber hinaus eingenommen 
wurde, sollte als Amortisation des Kapitals gelten. 



— 99 — 

Schönaus trotz allen Einreden des Herrn von Bongart und des Herzogs 
an (1609). Die Folge war. dass Richterich im folgenden Jahre seine 
Klage gegen Baltasar in Speier erhob. 1 o *. ) r> hatten Graft und Baltasar 
gemeinschaftlich den Hof zu Schönau verpachtet. Der Prozess mit Richterich, 
den Craft veranlasste weil er dem Vertrage seines Bruders mit Edmund 
nicht beistimmte und der durch die Wendung, welche er in folge der Ein- 
mischung Bongarts und des Herzogs nahm, sich zu einer Lebensfrage für 
den Besitzer von Schönau gestaltete, scheint Baltasar auf den Gedanken 
gebracht zu haben es sei billig, dass Craft die Suppe, die er eingebrockt, 
allein ausesse. Es ist ein Vertrag zwischen den Brüdern aus dem Jahre 
1G06 vorhanden, wonach Baltasar Fronenbroch und Craft Schönau haben 
solle mit Ausnahme jedoch der Kriminalgerichtsbarkeit, welche, sich jeder 
in seiner frühern Herrschaft vorbehielt. Dieses Abkommen ist jedoch nicht 
zur Ausführung gelangt. 

Ähnlich wie in Schönau erging es dem Baltasar in seiner Halbherr- 
schaft zur Warden. Hier hatte sein Oheim Craft II dem Wilhelm Heinen 
die Rentmeisterstelle auf so lange zugesagt, bis dieser oder seine Erben 
wegen aller ihnen zustehenden Forderungen befriedigt seien. Infolge dessen 
wurde der Schwiegersohn des Heinen, Simon Nobis, danach dessen Sohn 
Wilhelm mit seinem Schwager Lersmacher Rentmeister. Wahrscheinlich ist 
auch in diesem Falle Baltasar der Ansicht gewesen, die Erben „hätten 
über, demnach hauptsomma und pension sich selber quitirt", denn er ent- 
setzte 1609 den Nobis der Rentmeisterei. Darauf klagten die Erben Heinen 
in Jülich „weil ihnen in administration des schultheissenamtes zur Warden 
ohne befugte ursach und bevor ihnen ihrer schadloshaltung halber genüg- 
same Satisfaktion besehenen indracht gethan werden wolle". Die jülichschen 
Kommissare verfügten, dass Kläger in dem Stande, in dem sie vor diesem 
gewesen, zu lassen und zu handhaben seien, und das Gericht entschied in 
erster und zweiter Instanz zu gunsten der Nobis (1614). Baltasar appellirte 
zwar nach Speier, die Nobis störten sich nicht daran und Hessen die Erbpächte 
zu Warden und Höngen mit Gewalt abführen. Noch einige Jahre später 
schrieb der Verwalter an Baltasar, die Nobis Erben spielten den Meister, 
weil sie den Schultheissen hinter sich hätten; wenn Mylendunck und Graf 
Schwarzenberg — der andere Halbherr — nichts dagegen thäten, würde 
die Jurisdiktion hoch geschmälert werden. 

Derselbe Brief enthält die Hinweisung auf eine Exekution, die von 
Jülich aus in der Warden zu gunsten eines Lambert von Volkershoven 
befohlen worden war. Zur Zeit des jülichschen Erbfolgekrieges hatte eine 
der streitenden Parteien dm Wardenern eine Brandschatzung auferlegt. 
Lambert war damals Statthalter der Herrlichkeit Berg 1 . Er haue den 
Hausleuten den Brandbrief erst einen Tau- vor Ablauf der festgesetzten 
Frist vorgelegt. Während nun drv Bote nach Jülich ging um die Schätzung 
zu erlegen, geschah der Brand, der gerade die Besitzung des nachlässigen 

*) Laurenzberg bei Aldenhoven. 



— 100 — 

Statthalters traf. Weil Lambert demnach durch eigene Schuld ins Unglück 
gekommen war, wollten die Einwohner ihn nicht entschädigen und protestierten 
gegen die angedrohte Exekution. Auch wendeten sie ein, Volkershoven 
sei exemt, wenn ein anderes Hausmannsgut in Flammen aufgegangen wäre, 
hätte dieser Hof auch nichts gegeben. 

Noch ein anderes Schreiben, Wardener Verhältnisse betreffend, liegt 
vor. Absender ist Henricus Vichenius, einer der mylendunckschen Sach- 
walter. Er schreibt: „Wegen reparation des Kackschen 1 zu Warden wird 
der Palander rentmeister den greven zu Schwarzenberg um beilage 
ansprechen . . . Der rentmeister hofft, ire gnaden werden gelt oder holz 
darzu bewilligen . . . Der Palander schultheiss Petrus Palant hat die vroege 
von der Warden hinter sich und ist im jair nicht eins überkommen 2 , des- 
halb das herrengeding ad conservandam iurisdictionem bis dahin hat müssen 
anstehen bleiben . . . Habe von Leuffgens verstanden, dass euer gnaden 
etliche sumberen korns erblich zu verlassen gemeint; wan dan e. g. auf 
jederen morgen nur ein oder zwei albus pfenningsgelt sich vorbehalten, so 
pliebe die Jurisdiktion ungeschwecht 3 ." 

In der Herrschaft Hüls 4 sah es nicht besser aus. 1603 bekundete 
Baltasar, er habe „in unsern sonderbaren anliegen" aufgenommen 1. von 
Heinrich von Brück 600 Thaler Mörsischer oder Crefelder Währung, wofür 
das Pachtgeld von 12 Morgen — 2. von Burkart Kreins 300 Thaler, wofür 
der Pacht von 6 Morgen — 3. von Wilhelm Müller „unserm gewesenen 
diener" 300 Thaler, wofür der Pacht von ö 1 ^ Morgen Land verschrieben 
worden sei. Alle diese Forderungen brachte der Schultheiss Arnold Strumig 
an sich und da Baltasar nicht, wie er versprochen, das Kapital im Jahre 
1608 abtragen konnte, gab Arnold noch 800 Thaler dazu und erhielt 28 
Morgen Hülser Erbland in Pfandschaft und Erbpacht. Das Land war in 
ganzen, halben und viertel Morgen an Einwohner von Hüls verpachtet (1614). 

1622 klagt eine Frau, dass Baltasar ihr 500 Thaler an Zinsen schulde; 
sie beantragte Beschlagnahme aller Hülser Einkünfte. Einem Lenzen waren 
für 650 Thaler ö 1 ^ Morgen Ackerland verpfändet, die er weiter vergeben 
oder gerichtlich verkaufen lassen wollte, wenn Mylendunck das Geld nicht 
zurückzahle. Baltasar konnte sich mit Recht in einem Briefe an den 
Gubernator, worin er um Aufschub einer Exekution bat, einen „armen" 
Verwandten des Hauses Mors nennen. 

Dazu litt er häufig an Gicht und Wechselfieber. 1616 und 1625 
haben ihn diese Krankheiten arg mitgenommen. In letzterm Jahre schreibt 
er an seine Tochter Marie: „ich fahe an in dem gemach mit einem stecken 
zu gehen," und vom Wechselfieber : „der allmechtige getreue Gott wolle 

r ) Kax = Pranger. 

2 ) nicht einmal hergekommen. 

8 ) Nicht, ohne Salz ist die Begründung dieses Rates: „Cavendum est a rusticis, 
quaerunt quae sua sunt ut a subiectione des markgelts et aliis consuetis ac dehitis onerihus, 
quae pluris successu temporis aestimanda quam pretium, eximantur. 

') Hüls hei Crefeld. 



— 101 — 

mich davon erledigen, wan es sein göttlicher wille und mich sälig ist." 
Baltasar führte gern erbauliche Reden. Als ihm der Bote Drischgen mit- 
teilte, dass auf Ostertag die Mauer an der Tränke in Schönau eingestürzt 
sei, schrieb er: „Ich hette wol mehr glucks bedurft; aber man niuss alles 
mit geduld von Gottes band annehmen." Weniger erbaulich war sein 
Lebenswandel. 

Nach einem Schönauer Stammbaum war Baltasar mit einer von Horst 
verheiratet gewesen. Aus dieser Ehe stammte eine Tochter, Agnes, welche 
den Johann von Kessel, Witwer von Helene Spee, ehelichte. Den Heirats- 
vertrag, der vom 27. März 1618 datirt, haben wir bereits mitgeteilt. Im 
folgenden Jahre bestellte Baltasar seinen Schwiegersohn als Vertreter, um 
alle im Lande von Kessel aus der Neuenarer Erbschaft fallenden Gebüren 
zum dritten Teile zu erheben, da er selbst wegen „leibsschwachheit, 
weitentsessenheit und anderer ungelegenheit" das nicht könne. Die Kinder 
des Johann und der Agnes waren Baltasar und Adolf von Kessel. 

Nach dem Tode seiner Frau Hess sich Baltasar von Mylendunck mit 
der Tochter des Eentmeisters von Fronenbroch, Helene Brauh oft' l , ein. Sie 
gebar ihm drei Kinder: Amandus, den spätem Herrn von Schönau, Anna 
Maria, welche am 21. Oktober 1636 in Hörstgen mit Adolf von Hillens- 
berg getraut wurde, und Agnes. 

1629 war Baltasar zum Tode erkrankt. Auf dem Sterbebette hei- 
ratete er, jedenfalls um die Kinder zu legitimieren, die Brauhoff. „Auf 
Begehren Amandi von Mylendunck" erschienen am 6. März „neuen kalen- 
ders" vor dem Notar Pin Herman vom Hirtz genant von der Landskron, 
Johan Jakob und Isak von Streithagen zu Ürsfeld 2 , Mathias Brüll. Handels- 
mann der Stadt Aachen, Quirin Becker, Johan und Leminen Ortmans, 
Untersassen der Herrlichkeit Schönau und erklärten: heute vormittags 
-habe der Herr Baltasar von Mylendunck die „ehr- und tugendreiche" Frau 
Hilleken Brauhoff zu seiner ehelichen Hausfrau getraut und zwar seien 
sie, da beide der reformierten Religion angehörten, durch einen Prädikanten 
zusammen gegeben worden. Die Zeugen bekunden der Handlung bei- 
gewohnt zu haben, nach deren Beendigung Baltasar „sich im bette auf- 
richtend, ziemliches starkes leibs und gutes Verstands seiende, die depo- 
nentes mit darreichung seiner rechten band höchlich und freundnachbarlich 
bedankt mit dieser geprauchten red, dass ire gnaden solches gegen einen 
jedwederen nach standesgepür in freundschaft verschulden weiten und sich 
darauf wider zur rau begeben hatte." 

Baltasar starb am 8. März 1629 und wurde zu Fronenbroch begraben. 
In seinem Testamente hatte er den Amandus zum Universalerben ein- 



J ) Sie wird in spätem Stammbäumen als „von" Brauhoff aufg führt. Sie war aber 
„eines geringen horkomens, von einem Bauernkath, der Brauhof genant". Über letztern 
schreibt Abt Daniels von Kamp l T.üt, er linde in allen Lagerbüchern nur. dass derselbe 
von Adam in gen Diegrahm an das Kloster verkauft worden sei. Der !I<>1 habe zum 
Gute Harn gehört. 

2 ) Die Stiefsöhne des Herman von Hirtz. 



— 102 — 

gesetzt, die beiden Töchter sollten je 6000 Gulden erhalten. Ein Codizill 
bestimmte noch, dass Schönau an eine der Töchter fallen solle, wenn 
Amandas ohne eheliche Nachkommen sterbe. 

Nach dem Tode des Vaters ging Agnes zu ihrem Vetter Baltasar 
Brauhoff, dessen „rechte möhn" ihre Mutter war und heiratete denselben 
1630. Bevor sie nach Rees kam, wo Brauhoff in Garnison lag, hatte sie 
sich eine Zeitlang zu Neukirchen in der Grafschaft Mors aufgehalten, von 
wo sie folgenden Losschein mitnahm. 

„Ehrn würdige wolgelehrte herren und vielgeliebte brüder in Christo. 
Demnach vorweiserin dieses, Jungfrau Agnes von Mylendonck, aus geheimen 
sonderbaren Ursachen, inmassen e. e. von erstgedachter person münd- und 
gründlich zu vernehmen, eine Zeitlang sich bei uns aufgehalten, auch für- 
habens gewesen, mit ihrem cognato Baltasar Brauhoff genant, so jetzo in 
der herren staden diensten zu Rees liegt, assentientibus parentibus ehelich 
copuliren zu lassen, worinnen nechst reifer rathschlagung mit schrift- und 
rechtsverständigen leuten rebus sie stantibus dis orts were wilfahrt worden; 
dieweil aber Unsicherheit halben anhero zu kommen sponsus unrathsam zu 
sein erachtet : so wird gemelte Jungfrau verursachet ihren weg nach Eees 
zu nehmen und daselbst nuptiarum consummationem gebürlichen zu gesinnen, 
wie auch um deswillen gegenwertige attestatio von mir begeret, so ich 
dergestalt nicht weigeren können. Zuversichtlich mich verlassend, e. e. 
werden diesem allem glauben zustellen und in diesem casu matrimonial! 
also prozediren, damit laesa conscientia befriediget, ärgernus abgethan und 
grösser übel verhütet werde. Hiermit e. e. samtlich und sonders in den 
schütz des Allmächtigen empfolen. Actum Neukirchen in der grafschaft 
Morsch den 25. junii 1630. E. E. dienstwilliger mitbruder Fridericus 
Casimirus Sohnius minister verb. div. mp." 

Agnes starb bald nach ihrem Manne. Sie hinterliess zwei Kinder, 
deren sich ihr Schwager Adolf von Hillensberg annahm. Der Knabe starb 
und wurde zu Warden begraben, die Tochter Anna Maria Brauhoff heiratete 
den Wilhelm de Blanche. 

g) Amandus von Mylendunck, Herr zu Schönau, Hüls und Warden 
(1629 — 1674), ein wahrer „Johann ohne Land". Noch am Sterbetage seines 
Vaters nahm Amandus unter Beobachtung aller Förmlichkeiten Besitz von 
Schönau, wobei ihm die Herren Johann von Keverberg-Meven, Herman 
von Hirtz und Baltasar von Streithagen als Zeugen dienten. Aber während 
er sich in Fronenbroch befand, wohin er die Leiche seines Vaters zu 
Grabe geleitet hatte, nahm sein Vetter Adolf, ein Sohn Herman Dieterichs, 
der Präsident des Reichskammergerichts, der von Baltasar zum Testaments- 
exekutor ernannt worden war, Schönau mit bewaffneter Hand ein und 
zwang selbst die Mutter sowie die Schwestern des Amandus ihm den Treu- 
eid zu leisten. Den Grund, mit welchem der „president", wie er gewöhn- 
lich in den Akten genannt wird, die Gewaltthat rechtfertigte, kann man 
sich leicht denken: er bestritt die Ehe des Baltasar mit der Brauhoff und 



• — 103 — 

damit die Legitimität und Rechtsfolge ihrer Kinder. Es kam natürlich 
zum Prozesse zwischen ihm und Amandus, aber der Präsident hielt sich 
his zum Jahre 1634 im Besitze von Warden nebst dem Hofe und Zehnten von 
Niedermerz und bis zu seinem 1642 erfolgten Tode im Besitze von Schönau. 

1635 verpachteten Amandus und Anna Maria den Hof zu Niedermerz 
für einen trockenen Weinkauf von 50 Thaler und einen jährlichen Pacht 
von 55 Malter Eoggen, 5 Malter Weizen und Spelz, 12 Malter Hafer, 
2 Verken, einen fetten Hammel, endlich 12 Pfund Zucker, ein Pfund Ingwer 
und ein Pfund Pfeifer zum Neujahr. Wegen der Benden und Weiden 
sollte der Pächter 17 Goldgulden, dem Domkapitel in Köln musste er jähr- 
lich 12 Gulden zahlen. Die Gerechtigkeit auf dem Propsteier Wald 
genossen Herrschaft und Pächter je zur Hälfte; dafür pflanzte letzterer 
iährlich zwei Apfel- und zwei Birnbäume in den Baumgarten. 

1636 heiratete Anna Maria von Mylendunck den Adolf von Hillens- 
berg 1 . Nun hatte Amandus einen Schwager aber auch einen Dränger 
mehr. Nach dem Testamente des Vaters hätte er den Schwestern je 6000 
Gulden auszahlen müssen, und beide sprachen ihn „durch gute leute" oft 
um diese Summe an. Aber woher sollte Amandus „der immer im elend 
lebte", das Geld nehmen? Er vertröstete die Schwestern auf den Zeit- 
punkt, wo er im Besitze von Schönau sein werde. Damit waren die Damen 
jedoch nicht zufrieden. Wenn er ihnen kein Geld geben könne, Hessen 
sie ihm durch den Vetter von Fronenbroch sagen, so möge er die Güter 
mit ihnen teilen. Sie setzten auch wirklich am Hauptgericht zu Jülich 
durch, dass ihnen Warden zugesprochen wurde. Weil jedoch „ter Warden 
nu nit als de hoigheit in resto was", nahmen Hillensberg und seine Frau 
nach dem Tode des Präsidenten Schönau ein, und Amandus hatte abermals 
das Nachsehen. Als die Hillensberg auf das Haus kamen — am 20. Aug. 
1642 — fanden sie „zur weit Gottes keinen beweis alda und wussten 
selber auch nichts von schönauer recht und gerechtigkeit", so dass sie 
sich mit Zeugenaussagen behelfen mussten. Erst 1659 erfuhren sie, dass 
der Präsident sämtliche Briefe und Urkunden, die Schönau betrafen, in 
das Aachener Kapuzinerkloster hatte schaffen lassen. Das war ihnen um 
so härter, als sie sich vielen Bedrängungen von Seiten des Herrn zur 
Heiden ausgesetzt sahen. Otto von dem Bongart, der 1632 auf Wilhelm 
gefolgt war, dachte, weil der Präsident und die Mylendunck zu Speier 
prozedierten „were es zu rechter zeit alle schönauer gerechtigkeit an sich 
zu zeighen 2 , die wiel ihm bewust, dass der President nichts darin thete 
und ihm Schönau wolte verkaufen". In die Fussstapfen Ottos trat dessen 
Witwe. „Diewiel nu aber die jetzige witwe von der Heiden mit alle ge- 
walt boussen einiges recht mit gewertcr band keine attentaten, so grob 
sie sein, understehet 3 . . . und sobald als sie von der Beiden etwas \rer- 

*) Die Hillensberg, deren Wappen zwei senkrechte Pfühle mit aufgelegtem Turnier- 
kragen zeigt, waren Bürger der Stadt Etees. Daher mag es kommen, dass ein Zeuge aus- 
sagt, dieselben seien gar keine adelige, sondern eine einfache bürgerliche Familie jener 

Stadt. 2 ) Ziehen. 3 ) uuterlässt. 



— 104 — 

nehmen können, dass einige nf schonauer imderthanen zu pretendiren 
haben, zeichen sie dieselben an sich und fallen mit gewalt uf schonauer 
gut und doen die exekution . . . und alle schonauer imderthanen wieders 
bedreuet, mich in keinerlei manieren zo obedeiren 1 oder sie wolte dieselbe 
im tliorn -werfen und dapfer brächten geben lassen, also dass nicht ein 
einziger underthan alhier darf komen, welcher mich kundschaft darf geben 
von allen die attentaten, die sie geübt hat. . . . Noch zu gedenken, dass 
die von der Heiden mit gewalt die schonauer imderthanen in hessische 
und lotaringische beschwerlichen kriegszeiten nacher der Heiden gezwungen 
zu wachen und das Haus Schonau desolat gelassen, und wir uns mit 
fremde leut haben müssen verdedigen mit Unkosten und uns in das userste 2 
ruin zu bringen . . . Und so balt als es ihr ins haupt komt und einiche 
attentaten anfangt, als dan doet sie es mit ein par hondert baurn mit ge- 
wapf enter hant." So klagt Hillensberg. 

Amandus machte schliesslich gute Miene zum bösen Spiel. Er er- 
klärte sich damit einverstanden, dass die Schwestern Schönau und Warden 
so lange abnutzen sollten, bis sie ihr Kapital und die Zinsen von 1629 
ab erhalten hätten und dass auch die Mutter ihren Unterhalt von dort 
beziehe. Er hielt sich auch selbst einige Jahre, „in Med und einigkeit" 
zu Schönau auf. Da spielte Max, der Sohn Crafts III, Herr zu Fronen- 
broch und Hörstgen, den Störenfried. Er beredete den Amandus zu dem- 
selben Tausche, der einst zwischen ihren Vätern geplant gewesen aber 
nicht zur Ausführung gekommen war. Amandus sollte Fronenbroch, Max 
Schönau haben. Der Vertrag wurde 1663 unter Vermittelung des Predigers 
ter Herbrüggen auf 6 Jahre „und so fort" abgeschlossen; Zeugen waren 
die Prediger Petrus Taschenmacher, pastor de Vierlinxbeck und Arnoldus 
Loitink, ecclesiae repellentis in comitate Morsensi pastor. In demselben 
Jahre hatten die Eheleute Hillensberg den Hof zu Schönau von neuem 
auf zwölf Jahre verpachtet. 

Amandus, der eine Zeitlang Gast des Fronenbrochers gewesen war, 
erschien 1664 auf Schönau, erklärte sich für den alleinigen Herrn, ver- 
kaufte und versetzte Ländereien und Pachte. Das setzte wiederum einen 
Prozess mit Hillensberg ab. Das Verfahren des Amandus stand in Wider- 
spruch mit einer Vereinbarung zwischen ihm und Adolf, wonach keiner 
von beiden das Recht haben solle „haus und gerech tigkeit, garden, weieren, 
benden den putzdriesch genant, jungenbusch plattenweier genant, weid den 
pesch samt den camerhof in welcher besirk das haus Schönau gelegen 
ist, capuin und erbpfachten zu verkaufen, versetzen, vertauschen in keiner- 
lei manieren, wie es namen haben möchte oder kirnte, sondern sal nun bis 
zu ewigen dagen blieben an denjenigen, die von hern Baltasars von 
Mylendunck lief gesprossen sein". 

Mit Berufung auf diesen Vertrag und das Testament Baltasars hielt 
Hillensberg am Besitze Schönaus fest. Da versuchte Max stärkere 



') gehorchen. 2 ) äusserste. 



— 105 — 

Mittel. Im Dezember 1664 erschien er mit einem Haufen Reiter vor dem 
Schlosse und begehrte Einlass. Als ihm derselbe verweigert wurde, drohte 
er, er werde bald wiederkommen, die Trompete im Dorfe blasen und den 
Hillensberg, wenn er ihn erwische so traktieren, dass der Rücken dem 
Bauche gleich und gemäss wäre und das Gehirn an den Wänden kleben bleibe. 

Auch die Heidener beteiligten sich an der Hetze. Als Philipp Adolf 
von Kessel mit den Windhunden auf den Schönauer Acker ging, begegnete 
ihm der Sekretär von der Heiden. Derselbe schoss auf die Windhunde 
und rief seinen Leuten zu „solten den schelmen greifen". Andern Tags 
zog er mit dem ganzen Heidener Jagdtrosse und einem Haufen bewaffneter 
Schützen vor Schönau, jagte ringsum, liess „dem herrn zum speit" 1 das 
Hörn blasen und schrie: „Wo bleiben nun die fauligen vom haus Schönau? 
Ich will sie noch eilender kriegen als der teufel, dan sie sind nicht alle- 
zeit auf dem haus." 

Aber auch durch diese Roheiten, welche für den Verfall der guten 
Sitten uuseres edlen deutschen Volkes in der Zeit nach dem dreissigjährigen 
Kriege bezeichnend sind, liess sich Hillensberg nicht einschüchtern. Er 
wahrte die Rechte Schönaus gegen die Heidener, versetzte auch wohl 
Schönauer Ländereien, wenn er Geld nötig hatte, — so 1659 drei Morgen 
aus dem Hirzerfeld an die Laurensberger Kirchmeister für 200 Thaler, — 
bemühte sich aber auch redlich die Verhältnisse und zwar zunächst die 
Wardener zu ordnen. 1641 legte er die 1000 Thaler an Peter Herl ab. 
Die Erben Heinen hatten nun noch 300 Thaler, 50 Doppeldukaten und 
250 schwere Thaler zu fordern. Ihr Recht auf die entsprechenden Renten 
erwarb Hillensberg ebenfalls, und die fürstlichen Kommissare Johann von 
Inden und Peter Ritz erklärten 1648, dass er dabei zu manuteniren sei. 
Die Kommissionskosten in der Wardener Angelegenheit beliefen sich auf 
'nicht weniger als 1220 Thaler 3 Schillinge. 

Am 2. September 1667 erlöste ihn der Tod von aller Sorge. Er 
wurde in Warden begraben. Seine Witwe setzte den Kampf gegen die 
Frau zur Heiden wacker fort, unterstützt durch Baltasar von Kessel, der 
als Statthalter des Gerichts die Geschäfte führte. 

Mittlerweile kam Amandus zur Einsicht, dass sein Vetter Max ihn 
arg hintergangen habe. Es stellte sich heraus, dass dessen Güter Fronen- 
broch und Hörstgen derart überschuldet waren, dass allein der Abt von 
Kamp 20 000 Thaler daran zu fordern hatte. Dann aber liess Max den 
armen Amandus in einer schweren Krankheit trotz allen Bitten ohne jede 
Unterstützung. Darum widerrief Amandus am 29. Oktober 1670 vor dem 
Notar Collen in Aachen den Vortrag von 1663. Am 7. Juli 1671 erstritt 
er sodann ein obsiegendes Urteil gegen die Eheleute Hillensberg; sie 
wurden angewiesen dem Amandus Haus und Herrlichkeit Schönau abzu- 
treten. Warden und Merz waren demselben schon 1668 zugesprochen 
worden. Aber auch dieser Sieg hatte für Amandus keine Bedeutung. 



*) Spott, Verdruss, Aerger. 



— 106 — 

Max hielt am Vertrage von 1663 fest und betrachtete das Urteil als zu 
seinen Gunsten gesprochen. Am 14. August 1671 rückte er mit Heidener 
Schützen vor Schönau und nahm das Haus ein. Die Witwe Hillensberg 
rief zwar während des Einbruchs „sie wolle ihren bruder, herrn Amandus 
von Mylendunck, gutwillig einlassen, der Max hette alda nichts zu 
schaffen", aber die Einsicht kam zu spät. Die Einbrecher hausten wüst. 
Vieles wurde zerschlagen und verbrannt, den Rest behielt Max. Er Hess 
das Hans zerfallen, hieb das Gebüsch, selbst die Obstbäume nieder und 
verbrannte oder verkaufte das Holz. Die Witwe Hillensberg schrieb an 
den Bruder des Max — Dezember 1. ohne Jahr — : „Es gehet alliier 
wunderlich zu; das land bleibt ungebaut, und als sie haben angefangen 
zu dreschen hab ich von den fruchten und auch biesten protestirt, und 
stossen sich nit an protest und faren immer fort mastbiesten abzuthun; 
meinen vorrath ist vorerst gessen, das dienstvolk laufet mir alle tag an 
die obren und ich kann sie leider Gott nit helfen; es werden kein kohlen 
holt; es wird hier viel ding vertestuiret ', welches am Haus wieder 
aufzurichten sehr schedlich 2 ist." 

Amandus verpfändete am 22. August 1671 Haus und Herrlichkeit 
Schönau durch Akt des Notars Johann von Trier an den Gubernator der 
Festung Rheinberg und dessen Frau Gertrud von Bronckhorst für 60()() 
Reichsthaler, die er nach seinem Ausdruck „zur abstattung meiner Schuldig- 
keit, vornehmlich meiner schwester sodan den nichten Blanche 3 und nötige 
eigene Verpflegung" ' geliehen hatte. Wir sehen, dass er sich der Schwester 
wieder näherte. Die völlige Aussöhnung ergiebt sich aus dem Testaments- 
konzept von 1673, worin Amandus „zu ziemlichem alter gekommen" zu- 
nächst alle Verträge widerruft, die er mit seinem Vetter Max gemacht hatte, 
dann seine Schwester Anna Maria zur Universalerbin einsetzt, endlich die 
Enkel seiner Schwester Agnes der Witwe Hillensberg substituiert. Das 
tiiment, welches er „krank zwar an teil) aber an verstand ganz unge- 
schwächt" L674 in Aachen vor Notar und Zeugen verfasste, gibt ausser- 
dem den Grund des Widerrufes jenes Vertrages an: „weil seine vetteren 
Goddart und Max ihn mit glatten werten dazu gebracht" aber ihrerseits 
die Bedingungen nicht gehalten hätten. 

Aus demselben -Jahre, Juli 2., stammt eine Urkunde, worin Amandus 
den Jesuiten zu Jülich den Ueberrest des Hofe- und den Zehnten zu 
Niedermerz gerichtlich verschreibt „zu erhebung 400 pattakons". Er ver- 
spricht seine Nichte Anna Maria de Blanche, welche vor einigen Jahren 
durch das Düsseldorfer Hofgericht in den Zehnten eingesetzt worden war, 
aus andern Gütern zu entschädigen; 



"o" 



l ) mutwillig verdorben. 2 ) kostspieli 

den Rechtsnachfolgern seiner Schwester A.gn< 
') Heber des Amandus Verhältnisse und die der V\ irg schreibt <I<t 

Lütticher Kanonikus Gerard von Kessel am 24. Februar 1673: „der goeder her Amandus 
binnen \.aken in siechte kleideT lerhalt, syn siister is op ürsvelt nyl mit- 

leiden angenomen, so lang als dat sal duyreu." 



— 107 — 

Endlich gab dem Vielgeplagten das Reichskammergericht auch 

den Max Recht. Am 7./17. Juli 1074 erfolgte der Spruch, dass es Max 
„Dicht geziemet noch geburt habe haus und Herrlichkeit Schünau einzuneh- 
men sondern daran zu viel und unrecht gethan". Auf dieses Urteil hin ver- 
pfändete Andreas von Hillensberg zu Ürsfeld, der Bruder des verstorbenen 
Adolf, für 200 Thaler „gewisses silberwerk und klenodien" bei der Witwe 
Puissont zu Aachen und übergab das Geld dein Amandus und der Anna 
Maria gegen Verpfändung des Neuen Bends zu Schönau. Sollte sich die 
Einräumung' des Hauses Schönau verzögern, so dürfe Andreas die Pfand- 
schillinge einlösen, welche Buirette auf Warden vorgeschossen hatte und 
an dessen Stelle treten. Warden war also auch verpfändet. 

Auch vom Siege über Max hatte Amandus keinen Vorteil; er starb 
noch in demselben Jahre. 

Andreas hatte klug gehandelt, als er sich für seine 200 Thaler eine 
zweite Sicherheit stellen liess. Kaum hatte Amandus die Augen ge- 
schlossen, da „erschien 

h. Maximilian, Freiherr von Mylendunck, Schönau, Fronenbroch, 
Hörstgen, Herr zu Hüls und zur Warden etc. nach absterben des herrn 
Amandi . . . und ergriff besitz von dem hause und der herrschaft Schönau 
ubermitz deroselben unterthanen von Gott dem allmächtigen und dem h. 
element der sonnen, wie sich gebürt". Mit Auflegung der linken Hand 
in die Seite warf er einen goldenen und einen silbernen Pfennig unter die 
Unterthanen und empfing dann deren Eid. „So geschehen Schönau vor 
der brügge in gegenwart des pastors zu Berg, Johan Baptista Bex und 
Thomas Kütgens sazellan 



1 a 



Die Witwe Hillensberg flüchtete wieder nach Ürsfeld zu ihrem 
Schwager. Sie konnte ihr Recht am Reichskammergericht nicht mehr 
•geltend machen „weil inzwischen die verhergung der Stadt Speyer durch 
französische truppen und die verstörung des reichskammergerichts vor- 
gefallen ist". In ihrem Testamente, datiert Ürsfeld 15. Juni 1676, setzte 
sie den Sohn ihrer Nichte, Isak Lambert von Blanche, zum Universalerben 
(\qv ganzen Hinterlassenschaft mit Einschluss von Schönau unter der Be- 
dingung ein, dass dessen Mutter, Anna Maria von Brauhoff, Witwe de 
Blanche, die Nutzniessung auf Lebenszeit habe und jede seiner Schwestern 
1600 Reichsthaler erhalte, wenn sie standesgemäss heirate. 

Max von Mylendunck behielt unterdessen bis zu seinem Tode, der 
im Jahre 1692 erfolgte, die Herrschaft Schönau. Er war zwar ein 
Usurpator wie Adolf, aber er verteidigte die Gerechtsame Schönaus mit 
grösserer Entschiedenheit gegen die Uebergriffe der Heideuer. Im Jahre 
1679 legte er dem Horbacher Gerichte drei Originalurkunden vor: Die 
Anerkennung der Schönauer Gerichtsbarkeit durch Godart von der Heiden 
von 1373, das Urteil des Jülicher Hauptgerichtes von 1510 und die Ver- 
einbarung zwischen Dieterich von Mylendunck und Werner von Schönrade 

*) Qu ix, Schönau S. 1, Anm. 



— 108 — 

von 1523. Das Gericht erkannte dieselben als echt und richtig an und 
versprach, daraufhin zwischen der Frau von Heiden und Max behufs fried- 
licher Beilegung - aller Streitigkeiten vermitteln zu wollen. 

Durch den Tod seines Bruders Gothard war Max 1683 in den vollen 
Besitz von Fronenbroch und Hörstgen gelangt. Ausser diesen beiden 
waren noch andere und zwar uneheliche Kinder von Craft III vorhanden. 
Baltasar erklärte 1616, dass seine Vormünder den Rindsbrucker Hof in 
das Grundbuch des Scholasters vom Stifte Essen auf seinen Namen hätten 
eintragen lassen. Da aber der Hof bei der Teilung seinem Bruder Craft 
zugefallen sei und dieser ihn gebeten habe, denselben auf den Namen 
eines der mit Margarethe von Eitelbeck gezeugten Kinder eintragen zu 
lassen, so wolle er, dass sein (Baltasars) Name im Buche gestrichen und 
an dessen Stelle Adolf, der natürliche Sohn des Craft, angeschrieben werde. 

Das Leben des Max war auch nicht ohne Tadel. Er lebte lange 
Zeit in wilder Ehe mit einer „adeligen juffer Tegelen vom Bungart nechst 
Issum". Seine beiden Töchter waren schon „zu mannbaren jähren" ge- 
kommen, als Max die Tegelen vor einem „statischen prediger" zu Vaels 
heiratete. Bevor es zu dieser Eheschliessung kam, war eine andere ver- 
sucht worden, die nach einer im Jahre 1737 abgegebenen Erklärung der 
Antoinette von Blanche folgenden Verlauf genommen haben soll. Max 
liebte es nach der Gewohnheit des damaligen Landadels jener Gegend in 
den Kneipen herumzusitzen und mit Leuten des niedrigsten Standes Bier 
und Branntwein zu trinken. Zur Zeit als seine Tochter Margarethe 
Elisabeth etwa 24, die andere, Anna Maria 20 Jahre alt war, kam Max 
eines Tages ganz betrunken nach Hause und stürzte auf der Fallbrücke 
zusammen. Man trug ihn für tot ins Haus und legte ihn auf ein Bett im 
Saale. Die Töchter schickten den Diener Marschall sofort nach Aachen 
zu dem reformierten Prediger Wenninger, damit dieser noch die Trauung 
vornehme. Als der Bote mit der Nachricht zurückkehrte, der Prediger sei 
abwesend, warf sich die älteste Tochter auf ein Pferd und holte den 
katholischen Pfarrer von Laurensberg. Der legte die Hand des Max in 
die Hand der Tegelen und fragte ihn wiederholt, ob er die Margarethe 
Tegelen zu seiner Hausfrau nehme. Es erfolgte jedoch von Seiten des 
bewusstlosen Max keine Antwort „weder mit zeichen weder mit drücken 
weniger mit worten". Als Max wieder zu Kräften und Gesundheit ge- 
kommen war und von dieser sonderbaren Trauung hörte, beteuerte er 
öffentlich, er wisse von keiner Heirat und drohte, er werde dem Pfarrer 
von Berg „denselben weil er rothe hären hatte rothkopf nennend" tot- 
schiessen, wenn er sich unterstehe, diese Elleschliessung in seine Bücher 
einzutragen. Die Zeugin wusste das alles so genau, weil sie damals mit 
ihrer Mutter auf dem Vorhofe zu Schönau gewohnt und dem geschilderten 
Auftritte neben Philipp Gentis, Fettmenger, Bemclnian und zwei mylen- 
dunckschen Advokaten, Richterich und Defoure, im Säle zugesehen hatte. 

Der damalige Herr zu Ürsfeld, Charles de St. Reiny, belangte die 



— 109 — 

Töchter des Max wegen Verleumdung. Nachher geriet er mit dem Vater 
in Streit über einen Schönauer Bend. Während Max 1687 sich in Frohnen- 
brocli befand, kam St. Remy nach Schönau um sein Recht geltend zu 
machen, wurde aber dort von den Mädchen „mit harten Scheltwörtern 
affrontirt", dann auf deren Anstiften von den Leuten und Bedienten der- 
selben „mit schlagen übel traktirt, gestossen, geschossen, verwunt, endlich 
in den weier geworfen". Mitleidige zogen ihn heraus und trugen ihn in 
das Haus an die Kreuzer, wo er „erlabt und wieder zn recht gebracht" 
wurde. Hierauf machten sich die Mädchen mit Sack und Pack nach 
Fronenbroch, auch der Pächter zog ab und das Gut blieb öde liegen. Die 
Witwe von Blanche, „welche dermalen zu Schönau aufm vorhof und im thurm 
sich elendiglich aufgehalten", liess die Ländereien 1689 bauen; als aber 
die Frucht reif war, erschien St. Remy und nahm auf grund eines Erkennt- 
nisses des Heidener Gerichts die Hälfte der Ernte weg als Entschädigung 
für die erlittenen Beleidigungen, die andere Hälfte holte Max. Im 
folgenden Jahre versuchte Frau von Blanche noch einmal ihr Glück. 
Aber nun kam Max mit holländischen Reitern, trieb sie vom Hause ab 
und nahm alles Getreide an sich. Anfangs Dezember starb der Usurpator 
zu Schönau ; gleich nach seinem Tode zog Isak Lambert von Blanche, der 
Sohn der Witwe, dort ein. 

4. Die Herren von Schönau aus der Familie von Blanche. 

Die älteste Nachricht, welche sich über dieses Geschlecht im Schönauer 
Archive vorfindet, stammt aus dem Jahre 1545. Am 3. Juni gab Karl V. 
seinem lieben Getreuen, Ritter Stefan von Blanche, ein Schreiben, welches 
den Lehenhof von Brabant aufforderte, demselben in seiner Angelegenheit 
zu helfen. 

Stefans Sohn Johann (I) heiratete Maria von Radelo, die in einem 
andern Stammbaume von Renesse genannt wird; nach ihr nannten sich 
später die Schönauer de Blanche de Radelo. Beide sollen in der Kirche 
zu Limburg begraben sein. Von ihnen stammte Johann (II), Kapitän in 
kaiserlichen Diensten, verheiratet mit Anna von Hillensberg von Driesch. 
Ihre Söhne waren Wilhelm, Gatte der Anna Maria (von) Brauhoff, der 
Stammvater der Linie Blanche-Schönau und Johann (III), vermählt mit 
A. M. von Hirtz-Landskron l . 

Anna Maria (von) Brauhoff war nach dem frühen Tode ihrer Eltern 
bei den Eheleuten Adolf von Hillensberg erzogen worden. Dieselben 
scheinen ihr auch, bei ihrer Verheiratung den Niedermerzer Zehnten an- 
gewiesen zu haben. Nachdem Amandus von Mylendunck den Prozess 
gegen Hillensberg gewonnen hatte, zog er auch diesen Zehnten wieder an 
sich. Da er jedoch der Anna Maria die Aussteuer ihrer Mutter mit 6000 
Gulden nicht auszahlen konnte, liess sich ihr Gatte Wilhelm von Blanche 
vom Düsseldorfer Hofgericht in denselben einsetzen. Durch das Testament 



*) Ueber ihn uud die Töchter siehe unteu Beilage II. 



— 110 — 

der Hillensberg, welche die Patin der Frau von Blanche gewesen zu sein 
scheint, erhielt letztere das Nutzniessungs- und ihr Sohn Isak Lambert 
das Eigentumsrecht auf Schönau, wo die Blanche in Erwartung besserer 
Zeiten wenn auch in grosser Not wohnen blieb. Ihr Häuschen war so 
gebrechlich, dass es trotz seinen Stützen zusammenstürzte und von Max 
dem Eindringling verbrannt wurde, worauf die Witwe sich in einen Turm 
zurückzog. Auch von liier durch Max vertrieben, ging sie nach Hase- 
wald. Ausser Isak Lambert (geb. zu Warden am 13. Januar 1660) hatten 
die Eheleute Wilhelm de Blanche noch folgende Kinder: Antoinette, geb. am 
15. März 1661, Anna Maria, Sibilla Agnes, um 1690 verheiratet mit Adolf 
Schardinell, Helene Rebekka, Christine. Christine und Anna Maria werden 
in einein Briefe von 1694 der Antoinette als abschreckende Beispiele vor- 
gehalten. „Euer masseur Christina hat sich also mit dem Rösgen ver- 
gangen und ihrer adlicher familien ein solche schand angethan." Sie 
hatte nämlich den Rösgen oder Rosen, einen Nadel macher in Aachen ge- 
heiratet. Von ihrem Sohn Heinrich, „von" Rosen heisst es, er habe in 
äusserster Armut gelebt und in der kaiserlichen Miliz Kadetsdienste an- 
nehmen müssen. Von den 1600 Thalern, welche die Witwe Hillensberg 
seiner Mutter im Testamente ausgesetzt hatte, erhielt Heinrich trotz allen 
Bemühungen nichts, weil die Ehe nicht standesgemäss war. Von der 
Anna Maria schreibt der Briefsteller: „Spigelt euch an euer masseur 
Marie". Sie war mit einem gewissen Karl Hecker in die Ehe getreten; 
ihren Söhnen Karl und Johann waren wenigstens einige Morgen Land im 
Schönauer Feld eingeräumt worden. 

Nach dem Tode des Max liess die älteste Tochter durch Wolter 
Engelbert von Wyenhorst unter den gewöhnlichen Formalitäten von Schönau 
Besitz ergreifen. Aber in der darauf folgenden Nacht (13. Dezember 
1692) rückte 

a. Isak Lambert de Blanche von Hasewald her, wo er sich bei 
seiner Mutter aufgehalten hatte, mit seinem Schwager Caille und einem 
Haufen Bewaffneter in Schönau ein, trieb den jungen Herrn Gentis aus 
Aachen, der die Leiche des Max nach Fronenbroch bringen sollte, mit 
Ohrfeigen aus dem Hause, jagte die Diener und den Fuhrmann vom Hofe, 
liess den Sarg in den Vorhof bringen und dort im Regen stehen, und 
nahm am 15. Dezember „morgens 9 uhr mit allen solemnitäten und 
und ceremonien" Besitz von Haus und Herrlichkeit. Er fand das Haus 
verfallen und alles in übelem Zustande. Die Einziehenden brachten auch 
nichts mit um dem Elende steuern zu können, die Familie befand sich in 
trostlosen Verhältnissen. Aus dem Jahre 1690 findet sich eine Ver- 
schreibung über 200 Thaler, welche die Witwe Blanche dem Dietrich 
Holz in Aachen schuldete, der sie ihr „in ihren höchsten nöthen" vorge- 
streckt hatte. Als Sicherheit war dem Holz das Manngut auf dem Prop- 
steier Wald gestellt worden. Ausserdem hatte Holz in den Jahren 1685 
bis 1688 für 141 Aachener Gulden Roggen geliefert. Isak Lambert be- 



— 111 — 

kennt, dass der Herr Georg- Ulrich Wenning ihm „für rechnung des ehr- 
würdigen consistorii der reformirten gemeinde von Vaels" fünf Reichsthaler 
gegeben habe. 

Trotz der Ungunst der Umstände trat von Blanche in die Ehe. Er 
heiratete am 22. April 1G94 Isabella von Kessel, Tochter Baltasars und 
der Margarethe von Broch, Enkelin Johanns und der Agnes von Mylen- 
dunck. Isabella hatte noch drei Geschwister: Johann Wilhelm, Anna 
Maria, verheiratet mit Bernard Hammes und Elisabeth, welche am 
15. Februar 1751 zur Äbtissin von St. Jörisbusch gewählt wurde. 

Die Braut war katholisch und im dritten Grade mit Isak Lambert 
blutsverwandt, die Ehe demnach ungültig. Am 7. Juli 1695 dispensierte 
der Fürstbischof von Lüttich von den Ehehindernissen und erteilte die 
Erlaubnis ohne Aufrufe zu contrahieren — unter gewissen Bedingungen, 
welche dem Pfarrer mitgeteilt waren. Eine derselben ist jedenfalls die 
katholische Kindererziehung gewesen, denn alle Kinder Isak Lamberts, 
der selbst ein ziemlich zorniger Kalvinist war, gehörten der katholischen 
Religion an. Wahrscheinlich ist damals auch Isaks Schwester Antoinette 
zur Kirche zurückgekehrt. 

Die jungen Eheleute erfreuten sich nicht lange des ungestörten Be- 
sitzes von Schönau. Die älteste Tochter des Max, Elisabeth Margarethe 
hatte den Gothard Craft von Mylendunck, brandenburgischen Offizier, 
zur Ehe genominen. Im Mai 1696 zog Craft mit einem Haufen Branden- 
burger, deren Regiment damals unter dem General von Heiden zum 
Schutze der Stadt gegen die Franzosen in Aachen lag - , in Schönau ein, 
sperrte Isak Lambert mit Mutter, Frau, Schwester und einem Söhnchen 
in eine kleine Kammer, führte alles Vieh und Getreide, sämtliche Geräte 
und Möbel fort, untersuchte die Gefangenen „bis auf ihre leiberen", stiess 
sie dann vor das Thor und blieb bis halben August auf Schönau. Als 
von Blanche sich in diesem Monat „mit hülf und beistand etlicher seiner 
verwanten, guten freunden und herren" wieder in Besitz setzte, fand er 
das Haus „verwüstet, fast zerbrochen und über einen Haufen gerissen", 
auch nur mit 2 alten Pferden, 4 schlechten Kühen und 3 Faselschweinen 
versehen. Weil er gewarnt worden war, Mylendunck würde ihn abermals 
überfallen, nahm er einen Pförtner an und hielt anfangs 20, dann 12, zu- 
letzt 6 Wächter. Unter letzteren befanden sich ein von Ottegraven, von 
Richterich, M. Hammes. Dieser Hammes war ein Verwandter des Bernard, 
des Schwagers von Blanche. Bernard äussert sich in einem Briefe aus 
Gent höchst erbittert über die Gcwaltthat und die Urheberin derselben. 
Mit Leid habe er vernommen, so schreibt er, dass die II. . . . von Mylen- 
dunck 1 auf Schönau gekommen sei, wenn er da wäre, wollteer sie abjagen 
und totschlagen sowie alle „die euer edel liebden (Vau mutter und süster 
gallig getraktert" 2 . Blanche müsse eine andere Manier anlangen, es sei 



') Elisabeth Margarethe ist gemeint. 
2 ) Behandelt. 



— 112 — 

ja doch kein Recht mehr auf der Welt. Wenn Blanche ihn „van daun" l 
habe, wolle er sein Leben für ihn lassen; das thue er aber nur um dem 
Schwager zu dienen, nicht um „fressen und saufen" wie viele Leute 
meinen. Er sei eben von einem achttägigen Streifzuge zurückgekommen, 
aber er habe keine Ruhe, könne nicht mehr schlafen. — Es war dem 
rauhen Kriegsmanne ernst mit seinen Reden; noch viel später rühmt Isak 
Lambert bei einer Teilung, dass Schwager Hammes ihm sehr gut sei. 

Die „andere Manier" hatte Blanche angewendet, aber die Mylendunck, 
welche mit Gewalt nicht durchgedrungen waren, suchten ihrerseits nun 
auch auf andere Manier zum Ziele zu gelangen. Sie bestritten das Recht 
der Blanche auf Schönau, indem sie die Ehe seines Grossvaters Baltasar 
Brauhoff mit der Agnes von Mylendunck angriffen und somit dessen Nach- 
kommen als erbunfähige Bastarde darstellten. Der hierüber sich ent- 
spinnende Prozess dauerte bis 1720, wo das Endurteil zu gunsten Isak 
Lamberts gesprochen wurde. Das kostete dem armen Blanche wiederum 
viel Geld, er suchte es sich zu verschaffen so gut es ging auf glimpfliche 
und unglimpfliche Weise. 1702 borgte er von Adolf von Ottegraven und 
dessen Frau Anna Nestelinx 75 Reichsthaler; 1704 hinderte er die Zehnt- 
gänger des Aachener Kapitels an der Erhebung des Zehnten im Schönauer 
Felde, wobei er sich der Aeusserung bediente, man müsse es den „mort- 
gens 2 pfaffen wie dem pastor von Würselen" machen, den die Holländer 
nach Mastricht abgeführt hatten und sie ins Gefängnis werfen. Das 
Kapitel meinte in seiner Klageschrift an den Kurfürsten, das Vorgehen 
und Schimpfen des Blanche entspringe einem „unkatholischen eifer". 

1714 befand sich Isak in einer „dispeterliche deilung". Hamnies 
zahlte damals auf das den Blanche zustehende Drittel vom Hause an die 
Kreuzer, das sich auf 750 Pattakons belief, 495 Pattakons 3 ab. Das 
waren jedoch alles Tropfen auf einen heissen Stein; die Familie befand 
sich immer in gedrückten Verhältnissen und häufig in bitterster Not. 

Blanche hatte sechs Kinder: vier Söhne und zwei Töchter. Die 
Mutter starb 1711, als das jüngste Kind 3 Jahre alt war. Die älteste 
Tochter Anna Maria Elisabeth war im Kloster zu Lankwarden erzogen 
worden; von dort schreibt sie am 13. Juni 1712: „papa wollet doch so 
gütig sein und helfen mir, dass alles mag bekommen, was von nöthen hab, 
dan ich bin ietzund ganz resolvirt, den geistlichen stand anzutreten." 
Laut Zeugnis der Buschgreven aus demselben Jahr erhielt sie pro dote 
eine Belehnung auf dem Höngener Busch „ad sieben hau"; sie legte am 
14. Oktober 1714 Profess ab. 

Von den beiden jüngsten Kindern sagt Blanche in einem Briefe an 
den Freiherrn von Reuschenberg zu Berensberg, er habe durch einen 
Expivssen vernehmen müssen, dass sein Töchterchen gestorben und sein 
Söhnchen Wilhelm sehr krank sei (1714). Wilhelm blieb aber am Leben. 

') nötig. 

2 ) mort dieu, die bekannte Verwünschung. 

3 ) Der Pattakou war etwas mehr als 4 Gulden. 



— 113 — 

Der älteste Sohn Johann Gottfried studierte 1709 in Aachen. Er 
schrieb an den Vater: „Habe auch viele Sachen zum studieren notwendich, 
viele bücher so ich am notwendigsten müsse haben. Es mangelt mir auch 
an schuh, hossen * und hemden. durch die schuh hangen mir die zähen, 
durch die hossen die verssen u. s. w." Gottfried wurde 1717 für gross- 
jährig erklärt und ging nach Wetzlar um den Prozess gegen die Mylen- 
dunck energischer zu betreiben. 

Der zweite Sohn, Adolf Werner, welcher die Schule bei den Patres 
in Kempen besuchte, „lief dort so nackig herum, dass eure masseur sich 
seiner hat müssen schämen" schreibt Antoinette an den Johann Gottfried. 

Der jüngste Sohn, Gerard Wilhelm, lebte mit der Grossmutter und 
der Tante in Aachen. Er „könnte die zweite Schule besuchen, wenn er 
Kleider hätte". Sein Entlassungszeugnis aus der Schule „im Umgang" 2 
lautet: „Pax Christi. Memoriale. Dass der solin des wohledlen herrn de 
Blanche vom jähr 1717 und zwar von monat januario bishero bei mich 
ensunterschreibenen zur schulle gegangen und von selbiger zeit das schull- 
geld annoch hinderständig und bishero unbezahlt verblieben, solches wird 
hiermit bescheiniget. Aachen den 20. 7bris ao. 1720. Joannes Holzapfel, 
rector scholae in ambitu." Und am Rande: „Monatlich 12 merk." 

Antoinette forderte ihren ältesten Neffen auf für seine Brüder zu 
sorgen. „Papa helft euch nit, der sorget für nemant als für sigh." Un- 
recht hat die alte Dame ihrem Bruder mit diesem Urteile nicht zugefügt. 
Isak Lambert verbrauchte von 1708 — 1712 allein beim Wirte am Hirtz 
nicht weniger als 425 Aachener Thaler an Bier und Branntwein. Er liess 
die Getränke teils nach Schönau bringen, teils verzehrte er dieselben in 
der Schenke. Dort stand die Rechnung des „gepietenden herrn'- an der 
Thüre und am Mantelbrett angeschrieben. 

1720 liess sich Blanche von Bürgermeister, Schöffen und Rat der 
Stadt Aachen bescheinigen, dass er „mit seiner verwitibten trau mutter, 
Schwester und mutterlosen kinderen nunmehro vor vielen jähren aus ihrem 
haus Schonau ausgesetzet worden und sich also in der statt Aachen mit 
hinterlassung aller lebensmitteln retiriren müssen, alwo er sich mit seiner 
familie in einem gemietheten hinterbauchen 3 in aller Sachen höchster be- 
dürftigkeit aufgehalten und in einem so miserabeln stand ist, dass woferne 
ihnen die liebe deren mitleidenden freunden oder eine baldige abführuug 
seiner bei dem allerhöchsten kaiserlichen kammergericht obsclrwebenden 
sache nicht alsobald zu hülfe komme, er mit den seinigen in kurzer t'risi 
den bettelstab von thür zu thür zu führen unvermeidlich gezwungen ist". 

Noch im selben Jahre erfolgte der erbetene Spruch gegen die Mylen- 
duncker. Die Hoffnung Isaks, dass seine Mutter ihn und ihre Enkel noch 
auf Schönau sehen werde, ging in Erfüllung. Aber in welchem Zustande 



! ) Strümpfe. 

2 ) Domschule. 

s ) kleiner Hinterbau. 



— 114 — 

war das Haus! Ein Gutachten gibt Auskunft. „Am grossen Laienturm 
sind acht neue schild höchst nötig, die zwei seitentürmchen haben auch 
höchst nötig mit neuen laien in etwa versehen zu werden. Das gebühn 1 
im türm ist an vielen stellen durchfaulet, baussen dem türm und oben die 
saalkammer ist der kandel 2 zerbrochen, die gebühner ausgefaulet; das 
tach oberhalb der saalkammer zu repariren, die andere seit des tachs der 
neue bau zu repariren; das pflasterwerk 3 der obern turnkammer schier all 
abgefallen; der gang zum süller oberhalb die saalkammer muss gebühnt 
werden; auf der saalkammer sind drei trofen ausgefallen; das pflasterwerk 
von der saalkammer in stand zu setzen; . . . das zimmer auf dem neuen 
bau, alwo das gepflaster teils los teils abgefallen ist; noch auf dem saal 
müssen sein sieben glasvensteren, so der wind hat ausgeworfen, jede 3 ] / 2 
fuss lang 7 / 4 breit" u. s. w. Die Werkverständigen schlugen die Kosten 
der notwendigsten Eeparaturen auf 6366 Gulden oder 707 Reichsthaler an. 

Isak Lambert erlebte die Wiederherstellung nicht mehr. Er war 
„in kaiserlichen diensten kreuzweis durch einen fuss geschossen" und da- 
her „ziemlich impotent". In der letzten Woche des Dezember 1722 führte 
ihn der Tod in das Land, wo er die Füsse nicht mehr nötig hatte. 

b. Johann Gottfried, Werner Adolf, Gerard Wilhelm von 
Blanche de Eadelo, Herren zu Schönau. 

Der bedeutendste aber auch selbstbewussteste 4 unter den drei Söhnen 
Isak Lamberts war der erstgenannte, der auch seine Brüder lange über- 
lebte. Jedoch die Geldverlegenheit, welche bei den Besitzern der Herr- 
schaft seit geraumer Zeit chronisch geworden war, konnte er trotz aller 
Gewandtheit nicht beseitigen. Um Geld zu beschaffen und Schulden zn 
bezahlen, wendeten die Brüder zunächst das gewöhnliche Hausmittel an: 
sie versetzten Ländereien. 1725 erhielt Leonard Lörs aus Aachen 4 
Morgen im Hirtzerfeld wegen einer Schuld von 360 Thaler ad 80 Kölner 
Albus 5 , welche von versessener Hausmiete, Bier, Kost und vorgestrecktem 
Gelde herrührte und von der Frau Grossmutter, dem Vater und der Tante 
gemacht war. Im folgenden Jahre erhielt derselbe einen Morgen für 90 
Reichsthaler, welche die Brüder zur Fortsetzung ihrer Rechtshändel ver- 
wendeten; 1728 zwei Morgen für 150, 1739 fünf Morgen für 450 Reichs- 
thaler, wovon 280 Thaler für die Ausrüstung des Gerard Wilhelm ver- 
wendet wurden, der in kaiserlichen Kriegsdiensten als Fähnrich angenommen 
worden war, während der Rest zur Deckung einer Schuld an geliehenem 
Gelde und Verzehr diente. 1759 löste Johann Gottfried das Land ein. 



') Dielung. 

2 ) Dachrinne. 

s ) Pliestcrwcrk. 

4 ) Er liess sich 1720, zur Zeit wo die Familie in- grosser Not war, bei dem 
Aachener Goldschmied Johan von Hauselt ein Siegel schneiden, das 30 Gulden aix kostete. 

6 ) 80 Kölner Albus sind gleich 54 Aachener Mark ; es handelt sich also um Reichs- 
thaler. 



— 115 — 

1727 nahmen die Blanche von den Erben von Schrick im Morkhoff 1 
100 Lonisdor zu 4°/ auf, wofür sie Schönau und alle ihre Güter als 
Unterpfand stellen mussten. Zum Neubau des Hauses liehen sie sodann 
1731 durch den Lütticher Advokaten Jamar de Libois von einem Herrn 
de Wampe tausend und im folgenden Jahre noch 1500 Thaler unter der 
Bedingung-, dass die Verschreibungen vor dem Schummer Gericht auf 
Haus und Herrlichkeit eingetragen wurden. Das geschah aber nicht, 
wenigstens konnte Jamar keinen Einblick in die Protokollbücher erlangen. 
Darüber sprach sich der heissblütige Wallone in der ehrenrührigsten Weise 
aus; aber Gottfried liess ihn durch sein Gericht „propter atrocissimas 
iniurias" zu einer Ehrenentschädigung sowie zu einer entsprechenden Geld- 
strafe verurteilen. Eine Berufung an den Kaiser hatte für Jamar keinen 
Erfolg. 

Auch Johann Gottfried wendete sich an das Oberhaupt des Reiches 
und zwar mit derselben Bitte wie sein Vorfahr Gerard von Schönau. Er 
setzte die Rechts- und Gerichtsverhältnisse der Herrschaft auseinander, 
wies darauf hin, dass dieselbe erst 1720 seinem Vater wieder zugesprochen 
worden sei und ersuchte schliesslich den Kaiser: ihn den Bittsteller „samt 
weib, kindern, brüdern, erben, nachkömlingen, anverwanten, dienern, zu- 
getanen, hausgesind und brodgenossen mit aller ihrer leib, hab und 
güteren, wie auch das immediat haus herrschaft und sonnenlehen Schönau 
samt zugehörigen dorfschaften, weilern, höfen, Wohnungen, häusern und so 
geist — allodial — • als lehengütern, eingesessenen, lehenleuten, larssen, 
erbpächteren und fort sämtlichen unterthanen, auch Statthalter, schultheiss, 
scheffen, gerichtschreiber, prokuratoren und boten, ungleichen aller hoheit 
und herrlichkeit, ober- und niedergerichten, regalien, herren- und lehen- 
kammer, Jagdgerechtigkeit, gebot und verbot, geleit, accinsen und weg- 
geldern, erbhuldigung, Schätzung, frohnen, wachten und diensten, Privilegien, 
freiheiten, benefizien, immunitäten, exemtionen, gewohnheiten, recht und 
gerech tigkeiten, reuten, erbpfächten, zinsen und einkommen hinfürter ewig- 
lich in dero kaiserlicher und des heiligen römischen reichs sonderbaren 
vorsprach, schütz, schirm und protektion und allerhöchst deroselben und 
des heiligen reichs adlers salvam guerdiam auf und anzunehmen" auch 
ihm, Gottfried von Blanche, zu gestatten, die von Schönau veräusserten 
Parzellen, Renten und Erbzinsen gegen Erlegung des empfangenen quanti 
an sich zu ziehen und den betreffenden die Appellation von Schönau zu 
verbieten. 

Zur Wiedererlangung der Parzellen, Renten und Erbzinsen bediente 
sich Gottfried mit Vorliebe der sogenannten Reduktionsrechnung. Er sah 
die alten Verschreibungen sorgfältig nach, berechnete die Einkünfte der 
Gläubiger und klagte auf Ersatz alles dessen, was über die reichsgesetz- 
lich erlaubten 5°/ hinausging. Von den Rechtsnachfolgern eines Gläubigers, 

2 ) Der Morkhof-Mokrenkopf lag in der Pontstrasse zu Aachen an <ln- nördlichen 
Ecke der jetzigen Friesenstrasse. 



— 116 — 

dem Baltasar von Mylendunck 1601 einen Erbpacht von 13 x / 2 Fass Roggen 
und 5 J / 2 Kapaun für 200 Thaler versetzt hatte, forderte Blanche 1743 
nicht weniger als 1552V2 Fass und 632 l ] 2 Kapaun als „zu viel genossen" 
zurück; der Kirche zu Laurensberg rechnete er vor, dass sie ihm 700 
Thaler zu erstatten habe und so in zahlreichen Fällen. Wenn er dann 
auch diese Summen nicht erhielt, so nahm er doch wenigstens das Land, 
die Renten und Erbpächte wieder an sich. 

Uebrigens besass dieser Herr von Blanche ein solches Bewusstsein 
von seiner Herrlichkeit, dass selbst ein grosser Potentat damit hätte aus- 
kommen können. Zunächst gaben ihm die Herren von Heiden, von Bongart 
und besonders von Leerode, überreiche Gelegenheit zu Protesten gegen die 
„Violation schönauischer Jurisdiktion". Coomans, den von Leerode zu 
seinem Vogteiverwalter ernannt hatte, erliess viele „libellen" gegen die 
Schönauer, worunter Dekrete, Vorladungen und sonstige Schriftstücke des 
Heidener Gerichts zu verstehen sind. Johann Gottfried liess seinerseits 
ein Dekret an die Kirche zu Richterich, die er im Selbstgefühle auch 
wohl die „Unsere" nennt, anheften worin er solche „libellen" schimpflich 
zu verbrennen befiehlt. Das störte aber Coomans nicht; mehrere Jahre 
nachher noch meinte Werner Adolf, dessen Insinuationen verdienten, „per 
carnificem 1 verbrannt zu werden". 

Die Hahnenkämpfe um die Jurisdiktion zwischen diesen Centimeter- 
Landesherren könnten Lachen erregen, wenn nicht die armen Leute so 
schwer darunter hätten leiden müssen. In den fünfziger Jahren erhob 
Coomans mehrere Schätzungen, die er durch kurfürstliche Soldaten ein- 
treiben liess; er belegte die Schönauer mit Einquartierungen, die es stellen- 
weise so wüst trieben, dass ein Pächter mit Weib und Kind davon lief 
und die Soldaten „wegen begangenen insolentien und exzessen" zu ihrem 
Regimente zurückberufen wurden. Und jeder dieser Soldaten durfte von 
den Gequälten täglich ein Kopfstück fordern. Hiergegen hatte von Blanche 
keine andere Hülfe für seine Leute, als dass er den Kurfürsten bat, er 
möge doch seinen Unterherren „die raubungen und spolien in der unmittel- 
baren herrschaft Schönau" verbieten und nicht dulden, dass kurfürstliche 
Soldaten dazu missbraucht würden; oder dass er beim Kammergerichte 
über die „immerwährenden Verfolgungen, thätlichkeiten, ehrenschändungen 
wie auch grausamsten Unterdrückungen der unterthanen" vorstellig wurde. 

Sonst aber besass von Blanche ein „landesväterliches Herz". Ein 
Schönauer führte vor dem Horbacher Gerichte einen Erbschaftsstreit, der 
schon 12 Jahre dauerte. Da gebot Johann Gottfried seinem Fiskal ein- 
zuschreiten, weil der Kläger als schönauischer Unterthan durch die 
Führung des Prozesses vor einem fremden Gerichte die Jurisdiktion des 
Herrn vidiere, durch den langwierigen Rechtsstreit ausgemergelt werde 
und „unser gnädiger landsherr als ein vater seiner unterthanen solcher 

') durch Henkershand. 



— 117 — 

unverantwortlichkeit vorgebogen wissen will". Wer denkt da nicht an 
des ehrlichen Fluellen Aeusserung: „er gab so brave Worte zu vernehmen, 
wie man sie nur an einem Festtage sehen kann?" Die ärgste Ueber- 
treibung dieses ..„landesherrlichen" Bewusstseins findet sich im Konzepte 
eines Briefes, worin von Blanche um die Hand einer kalvinischen Dame 
wirbt. Da legt er sich sogar das Recht des berüchtigten Satzes bei: 
Wem das Land dem gehört auch die Religion. Man lese: „Outre cela j'ai 
l'honneur de vous dire, qu'etant immediat de l'empire . . . j'ai le droit et 
le pouvoir chez moi de faire precher a la volonte de ma future chere 
epouse!" 

Und nun-zum Schlüsse eine Verhandlung wegen „Majestätsbeleidigung" 
vor dem Schönauer Gericht. Der Halbwinner von Mittel- Uersfeld hatte 
im Wirtshause am Hirtz in öffentlicher Gesellschaft dem Gerichtsboten 
von Schönau zugerufen: „Du bist ein schelm!" und dann „zu öfterenmalen 
der herr und das ganze gericht zu Schönau seind Schelmen!" Statt den 
Mann mit einigen handgreiflichen Dankbezeugungen für seine Offenherzig- 
keit zu entlassen, nahm der Bote zwei Zeugen, verfasste ein Protokoll 
und übergab es dem fiskalischen Anwalt zur weiteren Veranlassung. 
Der Anwalt lud den Verbrecher zum ersten — andern — drittenmale. 
Als derselbe nicht erschien, wurden die Zeugen verhört und die Sache 
dem Gerichte überwiesen. Der Anwalt beantragte „condignam poenam" 1 . 
Die Schöffen, welche nicht blos des Herrn sondern auch die eigene Ehre 
zu rächen hatten, konnten dem Antrage nicht sofort entsprechen, weil sie 
nicht wussten, welche Strafe denn eigentlich einem so schrecklichen Ver- 
brechen angemessen sei. So wurden die Akten dem Lizentiaten beider 
Rechte Schlebusch als unparteiischem Rechtsgelehrten übergeben und der 
orakelte für zwei Reichsthaler folgendermassen. Die Thatsache der höchst 
beleidigenden Reden sei festgestellt und nicht zu leugnen; es handle sich 
nur um das Strafmass. Da gingen nun die Rechtsgelehrten auseinander. 
Die einen erachteten eine poenam incarcerationis cum pane et aqua 2 , 
andere hingegen poenam relegationis 3 , auch sogar einige poenam fustiga- 
tionis 4 der meiste Teil aber praeter publicum recantationem 5 eine poenam 
pecuniariam 6 für eine entsprechende Strafe. Letztere dürfte auch hier 
Platz greifen. „Weilen aber gleichwolen die vom beklagten im öffentlichen 
wirtshause ausgegossene injurie derart ist, wodurch nicht blos der obrig- 
keitliche respckt und landesherrliche autorität vilipendirt sondern auch 
das gemeine Wohlsein im höchsten grade lädirt wird, folglich dein Injurianten 
zu dessen bestmöglichster remediirung, andern aber zum abschröckendeo 
exempel eine zweifache strafe zu injungiren steht", so soll derselbe nach 



*) eine angemessene Strafe. 

2 ) Gefängnis bei Wasser und Brot. 

3 ) Verbannung. 
*) Prügelstrafe. 

6 ) öffentlicher Widerruf. 
6 ) Geldstrafe. 



— 118 — 

Mävius, Gailius, Oldendorpius u. m. a. öffentlichen Widerruf leisten und 
25 Goldgulden bezahlen. 

Den Umstand, dass Johann Gottfried in Verteidigung der vielberufenen 
schönauischen Jurisdiktion sich am 20. Mai 1722 zu einer Gewaltthat 
gegen den Heidener Gerichtsboten hinreissen liess, die er selbst zwar als 
Notwehr, die Heidener aber und andere Leute als schnöden Mord bezeich- 
neten, haben wir schon erzählt. Es scheint, dass man der Darstellung 
Johann Gottfrieds Glauben beimass, denn sowohl der Kaiser wie der Kur- 
fürst gaben ihm, letzterer im Jahre 1724, das erbetene freie Geleit. Viel 
ruhiger ist er durch den Greuel nicht geworden. 

Das Kapitel des Aachener Liebfrauenstifts hatte in Richterich das 
Gütchen Tönismist angekauft, welches von Schönau lehenrührig sein sollte, 
ohne dasselbe am dortigen Lehenhofe zu erheben. Das war wiederum 
eine „violation". Ausserdem behauptete von Blanche, von dem Zehnten 
der Schönauer Länderei gehöre dem Kapitel nur der „knopp" 1 , Stroh und 
Kave dagegen seinem Hofe. Als sich die Herren auf seine Ausführungen 
nicht einliessen, nahm er ihnen die Zehntgarben nicht blos von seinem 
Acker sondern auch von denjenigen Parzellen weg, die von Schönau ver- 
äussert, verpfändet oder in Erbpacht gegeben waren. Das Kapitel kenn- 
zeichnet in seiner Beschwerdeschrift an den Kaiser die von Blanche 
folgendermassen: „Diese verwegene leute, gegen die sich gewalt mit ge- 
walt nicht wohl abwehren lasset, weil sie immerhin mit ihren Hinten be- 
waffnet und mit argen bösen hunden begleitet umhergehen, der eltester 
bruder auch vor einigen jähren den gerichtsboten der gülischer unterherr- 
schaft Heiden sogar in seiner amtsverrichtung totgeschossen hat, der- 
gestalten dass sie von dasigen bauersleuten um so mehr gescheut und ge- 
fürchtet werden, als wegen obangeregter erschiessung die wohlverdiente 
straf bis dahin ausgeblieben." Daraufhin erliess Karl VI. am 23. Dezember 
1732 einen Befehl an die von Blanche, die in den Jahren 1730 — 1732 
geraubten Zehntgarben zu erstatten sowie Schaden und Kosten zu vergüten. 

Die Ermordung ihres Gerichtsdieners musste die Herren zur Heiden 
zu dem Versuche reizen, Johann Gottfried um seine Gerichtsbarkeit zu 
bringen, auf die er wie seine Vorfahren sein Vorgehen stützte. Aber der 
Prozess, den sie zu diesem Zwecke anstrengten, endete 1751 mit dem 
Spruche des Reichskammergerichts, dass der Vertrag von 1523 massgebend 
bleiben solle, wobei den Herren von Blanche freigestellt wurde, den da- 
mals nicht näher bezeichneten Schönauer Bezirk im Dorfe Richterich ge- 
nauer nachzuweisen 2 . (Schiuss folgt) 



] ) Das Korn. Eiue Behauptung, die auch sonst vorkommt und im Interesse der 
Landwirtschaft begründet erscheint. 

'■) Vgl. Hansen, Zeitschrift des Aachener Geschichts-Vereins VI, S. 91. 



— 119 — 

Der Maler Johann Adam Eberle. 

Von J. Fey. 

Der Maler Johann Adam Eberle wurde in Aachen zur Zeit der Fremd- 
herrschaft anL27. März 1804 (6. Germmal XII) geboren 1 . Der Familien- 
name, jetzt hier erloschen, klingt süddeutsch, kam aber in der ersten 
Hälfte dieses Jahrhunderts auch sonst in Aachen vor. Als Eltern nennt 
die Geburtsurkunde den Messerschmied Philipp Eberle und dessen Ehe- 
frau Elisabeth Franzin. Die elterliche Wohnung befand sich rue de Bor- 
cette, also in der heutigen Kleinmarschierstrasse oder in der Franzstrasse 2 . 
Schon in früher Jugend zog Eberle mit seinem Vater nach Düsseldorf. 
Nagler 3 teilt anderen Angaben gegenüber mit, dass Eberle hier nicht zu- 
nächst das Gewerbe seines Vaters betrieben habe, sondern weil der Hang 
zur Malerei in ihm immer mehr gewachsen, noch vor Cornelius Ankunft 
in Düsseldorf von seinem Vater auf die dortige Akademie gebracht worden sei. 
Die Düsseldorfer Akademie bedurfte damals dringend einer ßeform, 
und mit ihrer Neu-Organisation war bereits seit dem 1. Oktober 1819 
Peter Cornelius beauftragt, der jedoch durch seine Arbeiten in München 
festgehalten wurde und erst im Oktober 1821 nach Düsseldorf kam. Durch 
sein Wort und Vorbild begeistert, schloss sich ihm hier sofort eine kleine 
Schar von Kunstjüngern an, mit dem Meister fast nur eine Familie bildend. 
Unter ihnen befand sich auch Eberle, der, seinem Meister mit inniger 
Verehrung ergeben, sich bald als einer der Begabtesten und Tüchtigsten 
von ihnen erwies. Aus dieser Zeit stammt, sein erstes Gemälde, eine „schön 
componirte 4 " Grablegung Christi, worin sich ein ernstes, tiefes Gemüt und 
ein reiches künstlerisches Talent offenbarte 5 . 

Cornelius verbrachte den Sommer 1822 und 1823 in München. In 
• den dazwischen liegenden Wintern verweilte er in Düsseldorf, wo das 
frühere gemütliche Verhältnis zwischen Meister und Schülern seine Fort- 
setzung fand. In dieser Zeit malte Eberle für eine Kirche in Westfalen 
ein Altarbild, die hl. Helena mit zwei Passionsengeln 6 . Abends wurde 
unter des Meisters Leitung nach dem Akt (dem nackten Modell) gezeichnet. 
Übrigens waren die Verhältnisse der- Schüler des Cornelius nicht eben 
glänzende. Manchmal hatten die edlen Kunstjünger bei einer Arbeit nur 
Wasser und Butterbrod, aber doch waren sie zufrieden und glücklich 7 . 



*) Das Geburtsdatum ist hier zum erstenmale nach der offiziellen Geburtsurkunde 
richtig gestellt. 

2 ) Als Zeugen sind in der Geburtsurkunde aufgeführt: Christoph Jansen, Tuch- 
fabrikarbeiter, Gerhard Noppeney, ohne Gewerbe. Beide wohnten ebenfalls rue de Borcettc 
und waren vermutlich Nachbaren, was zur Ermittelung des Geburtshauses dienen mag. 

3 ) Neues allgemeines Künstler-Lexikon Bd. IV, S. 63. 

4 ) Urteil von Pecht, Allgemeine deutsche Biographie Bd. V, S. 57:t. 

5 ) Nagler a. a. 0. 

6 ) Förster, Peter von Cornelius. Ein Gedenkbuch. Berlin 1874, Bd. I. S. 296 
und Nagler a. a. 0. 

7 ) Historisch-politische Blätter Bd. LX, S. 19. 



— 120 — 

Cornelius fühlte bald die Unmöglichkeit, der Düsseldorfer Akademie 
vorzustehen und gleichzeitig seine grossartigen Unternehmungen in München 
zu einem glücklichen Ende zu führen. Er legte daher mit Ablauf des 
Wintersemesters 1824/25 sein Düsseldorfer Amt nieder und siedelte im 
Laufe des Sommers 1825 mit seinen besten Schülern endgültig nach 
München über, wo er zugleich das gerade damals erledigte wichtige Amt 
des Direktors der Kunstakademie erhielt. 

Auch Eberle war mit nach München gezogen und half seinem Meister 
zunächst an den Arbeiten in der Glyptothek, wo er nach den Kartons 
desselben malte. Bald fand er aber auch durch Cornelius Gelegenheit zu 
selbständigem Schaffen. 

Cornelius war stets bereit, seinen Schülern mit Rat und That zu 
helfen; bei vielen von ihnen vertrat er, wie Eberle das immer von seinem 
Verhältnis zu ihm sagte, die Stelle des sorgenden Vaters 1 . Als solchen 
bewährte er sich auch jetzt im Bestreben, seinen Schülern Aufträge zu 
verschaffen. König Ludwig kam ihm hierbei bereitwillig entgegen. 

„An der Westseite des königlichen Hofgartens war ein neues Gebäude 
(der Bazar) aufgeführt und durch einen halboffenen Bogengang mit der 
königlichen Residenz in Verbindung gebracht worden. Fortgeführt um 
zwei Seiten des königlichen Hofgartens bildeten diese Arkaden einen öffent- 
lichen Spaziergang, wie er sich ganz besonders für einen dem öffentlichen 
Leben gewidmeten Kunstschmuck eignete. Für die der königlichen Resi- 
denz nächsten Arkaden wurden von Cornelius Bilder aus der bayerischen 
Geschichte dem König vorgeschlagen, was dieser genehmigte 2 ." Es ent- 
standen so neben einer Reihe allegorischer Darstellungen von Regenten- 
tugenden sechzehn grosse historische Freskogemälde, deren eines, die 
Erhebung des Herzogs Maximilians I. zum Kurfürsten (25. Februar 1623), 
von Eberle entworfen und ausgeführt ist. Dieses Bild gilt als eines der 
besten unter den Freskogemälden in den Arkaden 3 . 

Noch vorher vollendete Eberle im Sommer 1827 ein anderes Fresko- 
gemälde. Cornelius hatte für seine Schule die Ausschmückung der Decke 
des Odeonsaales übernommen und mit der Ausführung der drei anzubringenden 
Kolossalgemälde (Apollo und die Musen, Apollo unter den Hirten, das 
Urteil des Midas) seine Schüler Wilhelm Kaulbach, Eberle und Hermann 
Anschütz beauftragt. Eberle hat das zweite dieser Bilder geschaffen. 
Die Arbeit war keine leichte. Abgesehen von den grossen Schwierigkeiten, 
welche das Bemalen einer Decke mit sich bringt, lag dem Könige die 
rasche Beendigung der Arbeit mehr am Herzen, als es die Künstler 
wünschen konnten. Häufig erstieg der König die hohen Gerüste im Odeon, 
um den Fortgang der begonnenen Werke zu betrachten; auf alle Fälle 



x ) Historisch-politische Blätter Bd. LX, S. 43. 
2 ) Förster a. a. 0. S. 393. 

s ) Die figurenreiche Komposition ist abgebildet bei Baczynski, Geschichte der 
neueren Deutschen Kunst, Deutsche Ausgabe Bd. II, S. 224. 



— 121 — 

wollte er den Saal für den Winter in Benutzung nehmen und erklärte 
schliesslich, trotzdem Cornelius dringend vor Überstürzung- warnte, die 
Fresken, wie leid es ihm auch wäre, abschlagen zu lassen, wenn sie 
nicht vollendet werden könnten 1 . Mit Anstrengung- aller Kräfte und unter 
dem Beistände^ von Freunden und Genossen gelang es dann, dem Wunsche 
des Königs vollkommen Genüge zu leisten 2 . 

Baczynski zieht das von Eberle im Odeon gemalte Bild dem daselbst 
befindlichen Kaulbachschen Gemälde vor, ohne indessen beide Bilder als 
Massstab für das Talent ihrer Schöpfer gelten zu lassen a . 

Zwischen den Tagen angestrengter Arbeit waren unsern Künstlern 
Stunden der Erholung und heiterer Lust wohl zu gönnen. So feierten 
die Münchener Akademiker am 3. September 1827 zur Bewillkonmmung 
der neuangestellten Professoren Schnorr und Hess in Ebenhausen a. d. Isar 
ein ländliches Fest. In einem bei diesem Feste gesungenen Liede „Zum 
lilauen Montag" heisst es unter Anspielung auf die Arbeiten in den Arkaden, 
im Odeon und in der Glyptothek: 

Ein Freskoleben führen wir 
Auch ohne Kalk und Mauer. 
In Ebenhausen malen wir 
Den blauen Montag blauer! 
Fern harrt Apoll und Witteisbach, 
Sehnsüchtig sehn die Musen nach, 
Ulyss' steht auf der Lauer 4 . 

Ein Fest von höchster Bedeutung brachte das kommende Frühjahr. 
Am 6. April 1828, dem 300jährigen Todestage Albrecht Dürers, sollte in 
Nürnberg der Grundstein zu dessen Denkmal feierlirh gelegt werden. Mit 
•Cornelius Einwilligung erging von seinen Schülern ein öffentlicher Aufruf 
an alle deutschen Künstler, das Fest in Nürnberg zu einem allgemeinen 
deutschen Künstlerfest zu gestalten. Der Aufruf hatte Erfolg, und von 
allen Seiten strömten die deutschen Künstler nach Nürnberg. Die münchener 
Künstler entschlossen sich, zur Verherrlichung des Tages in einer Reihe 
von Transparentbildern das Leben Albrecht Dürers zu schildern und zu dein 
Ende acht Tage vor dem Feste nach Nürnberg zu kommen. Von diesen 
Transparentbildern, sieben an der Zahl, welche in den Spitzbogenfenstem 
an der Ostseite des alten Rathaussaales angebracht wurden, malte Eberle 
dns mittelste. Das Bild stellte, und zwar auf Grund einer Anregung von 
Cornelius, welcher auch Raphael bei dem Feste nicht unberücksicbtigl 
lassen wollte, Albrecht Dürer und Raphael vor, die sich vor dem Throne 
der Kunst die Hand reichen. Hinter Dürer war Kaiser Maximilian, 



x ) Brief an Cornelius vom 30. Juni 1827 bei Förster a. a. 0. S. 

2 ) Daselbst S. 397 ff. 

8 ) a. a. 0. S. 224. 

4 ) Förster a. a. 0. S. 391. 



— 122 — 

Luther, Pirkheimer und AVohlgemuth, hinter Eaphael die Päpste Julius IL 
und Leo X., Bramante und Perugino darstellt. 

Das Fest verlief in gleich erhebender wie gemütlicher Weise, mit 
ernsten Mahnungen und heiteren Wendungen, auch mit EntSchliessungen 
zu fernerem Zusammenwirken. Am 10. April — als freilich schon manche 
Festgäste, so auch Cornelius, abgereist waren — fand unter dem Vorsitz 
von J. D. Passavant eine Versammlung statt, in welcher die Gründung 
eines Allgemeinen deutschen Künstlervereins beraten und beschlossen wurde. 
Eberle nahm an dieser Versammlung teil; die Statuten unterschrieb er: 
„Ad. Eberle aus Düsseldorf, Maler in München" *. 

Im August 1827 machte Eberle die Bekanntschaft seines zwei Monate 
älteren, nachmals berühmt gewordenen Kunstgenossen Moritz von Schwind, 
welcher aus Wien auf zehn oder zwölf Tage nach München gekommen 
war, um die Arbeiten des Cornelius zu besichtigen. Am 27. August war 
von Schwind bei Cornelius zum Abendessen eingeladen. „Abends um 
8 Uhr" erzählt von Schwind in einem Briefe an seinen Freund Franz von 
Schober „ging ich hin. Er selbst war noch nicht zu Haus. Eberle aber, sein 
Schüler, führte mich zu seiner Frau, wo Schnorr, der den Tag vorher 
angekommen war, Heinrich Hess, Cornelius Schwester und zwey kleine 

Töchter sassen" Nach dem Essen wurden dann verschiedene 

Gesundheiten „lebhaft getrunken, ausserdem musste ich mit Eberle Bruder- 
schaft trinken, so dass ich einen Schwips hatte und sehr lustig war" 2 . 

Ein fernerer intimer Verkehr zwischen den beiden Malern scheint 
trotzdem, auch nachdem von Schwind im Herbst 1828 nach München über- 
gesiedelt war, nicht stattgefunden zu haben. 

Während des Aufenthalts in München graphierte Eberle auch neun 
Umrisszeichnungen in Stein nach den von Cornelius entworfenen and teil- 
weise in Deckfarben ausgeführten Zeichnungen zu den (nicht ausgeführten) 
Dante-Fresken für die Villa Massimi in Rom. Diese Lithographien zu 
Dantes Paradies erschienen 1831 bei Börner in Leipzig mit scharfsinnigen 
theologisch-historischen Erklärungen von J. J. J. Döllinger 3 . 

Im Sommer 1829 erkaltete das Verhältnis zwischen Cornelius und 
König Ludwig. Die von Cornelius gebildete Schule löste sich auf. und 
jeder Schüler schlug seinen eigenen Weg ein. Wie auch andere von Cornelius 
Schülern wandte Eberle sich nach Eom — er sollte in der ewigen Stadt 
ein frühes Grab finden. Die Abreise von München erfolgte wahrscheinlich 
am 5. September 1829. Mit Eberle reisten Frau Cornelius und ihre jüngste 
Tochter Maria, deren Schutz Cornelius seinem von ihm innig geliebten 
Schüler anvertraut hatte; zur Reisegesellschaft gehörte auch die mit der 
Familie Cornelius sowohl als mit Eberle befreundete Malerin Emilie Linder 



] ) Über das Vorstehende siehe Förster a. a. 0. S. 404 ff., 489 f. 

a ) H. Holland, Moritz von Schwind S. 33 f., 39. 

3 ) Zwei dieser Umrisszeichnungen bei Racz.ynski a. a. 0. S. 170 und 171. Die 



Corneliussclun Originale erwarb König Johann von Sachsen. 



— 123 — 

aus Basel. Die Reise ging über Venedig. Fluren/ und Assisi 1 . In Rom 
schloss Eberle sich an verbeck an. Zunächst beschäftigte er sich nun 
mit dem Karton zu der dem Leben Michelangelos gewidmeten Loge in der 
Münchener Pjnakothek, wozu Cornelius die Zeichnung geliefert hatte. Bei 
dieser Arbeit kam eine Eberle schon seit langem drückende Schwermut, 
der Schmerz darüber, dass das Hervorgebrachte so wenig mit dem Gewollten 
übereinstimmen wollte, zum Ausbruch. Unzufrieden mit dem Geleisteten 
zerstörte er oft die Arbeit vieler Wochen, damit aber auch sich selbst 2 . 

Aber auch ein anderer schlimmer Gast hielt Einkehr bei unserem 
Künstler, die Not. Eberles Verhältnisse scheinen nie besonders glänzende 
gewesen zu sein — in Rom wäre die Lage eine verzweifelte geworden, 
hätte nicht seine Reisegefährtin Emilie Linder, eine reiche Patriziertochter, 
helfend eingegriffen. 

Emilie Linder 3 war eine jener edlen Frauengestalten, deren Nähe 
schon beglückend wirkt. Von hoher Bildung, ausgestaltet mit reichen 
künstlerischen Anlagen, besass sie einen edlen uneigennützigen Charakter, 
ein Gemüt von seltener Reinheit und Innigkeit, Auch auf sie hätte man 
die Worte einer deutschen Dichterin anwenden können: 

Und wer sie mag gewahren, 
Dem ist ein Glücke nah: 
Schon ist ihm widerfahren 
Ein Glück, weil er sie sah. 

Als sie nach zweijährigem Aufenthalte im Juli 1831 Rom verliess, 
ward ihr Scheiden von den deutschen Künstlern schwer empfunden. Der 
alte Maler Koch liess ihr durch Eberle schreiben, wie sehr er bedauere 
„die Winterabende nicht wieder wie früher bei ihr zubringen zu können". 
Ein gesegnetes Andenken hinterliess die Künstlerin aber in der deutschen 
Künstlerkolonie dadurch, dass sie jüngere Talente unterstützte und durch 
Aufträge ermutigte. Auch Eberle kam sie auf solche Weise zu Hülfe, und 
man darf wohl sagen, dass durch ihre Güte auf seine letzten Lebensjahre 
ein letzter Sonnenschein gefallen ist, Die Briefe, die sie von dem Früh- 
vollendeten aufbewahrte — teils während ihrer Anwesenheit in Rom, teils 
nach ihrer Abreise aus Italien au sie gerichtet — geben darüber reich- 
lichen Aufschluss. Kaum hatte Fräulein Linder Eberles Lage kennen 
gelernt, so bestellte sie bei ihm ein Ölgemälde, und voll Rührung 
dankte er der freundlichen Dame für „das Vertrauen, das sie einem 
Namenlosen durch den ehrenvollen Auftrag" geschenkt habe. Später 
erwarb sie auch mehrere Zeichnungen von Eberle gleich dem bestellten 



') Über das Vorstehende Förster a. a. 0. Bd. II, S. 5 und 
-) Na gier a. a. 0. 

3 ) Über Emilie Linder siehe die beiden Artikel Historisch- politische Blätter 
Bd. LIX, S. 713 ff. und 836 ff. Diesen Artikeln ist das Nachstehende teilweise wörtlich 

entnommen. 



— 124 — 

Ölgemälde 1 fast ausschliesslich religiöse Gegenstände, darunter auch die 
von ihm besonders hochgehaltene und auf ihre Veranlassung in Kupfer 
gestochene Zeichnung: Petrus und Paulus auf der Fahrt nach Rom. 

Als ihr Eberle diese und eine andere dem alten Testamente entnommene 
Zeichnung als „Ertrag seiner Muse seit ihrer Abreise" nach Basel zu- 
sandte, begleitete er die Sendung mit den Worten: „Was mich hauptsächlich 
zu diesen Gegenständen hinzieht, ist die gesunde Sprache, die ich bemüht 
bin in meine Kunst zu übertragen. Deshalb sehen Sie diese Arbeit bloss 
als Studium an, die ich für meinen Geschmack nothwendig halte; was 
daran noch fehlt, weiss ich sehr gut, ohne aber dem Mangel abhelfen zu 
können. Nehmen Sie es deshalb wie es ist, ganz schlecht ist es nicht 
und ist in sehr trüber Zeit entstanden und hängt manche Thräne dran, 
die wie eine Ader edlen Metalls siebenmal bewährt im irdenen Tiegel 
durchhinfliesst. Auch hab ich schon hier einigen Trost, dass ich nicht 
ganz vergeblich gearbeitet habe, in dem Urtheil Overbecks, der sie bei 
Bimsen sah, was mich nicht wenig freute." Ihre freigebige Fürsorge hörte 
nicht auf, ihn der drückendsten Sorgen zu entheben, und Eberle ergeht 
sich in Worten voll Dankbarkeit für die fortlaufenden Beweise ihrer Güte, 
noch mehr aber für die zarte Weise und die aufrichtigen Worte, womit 
sie das alles that. 

Auch auf seine religiöse Gesinnung scheint ihr persönlicher Umgang 
zu Rom wohlthuend gewirkt zu haben. Die Neigung für mystische Schriften, 
die sie durch Baader angeregt in jener Periode nährte, gewann auch bei 
ihm Boden, und als kurz nach ihrer Abreise Ernst von Lasaulx nach Rom 
kam, freute dies Eberle besonders auch deshalb, weil er mit diesem die 
liebgewordene gemüterhebende Beschäftigung wieder fortpflegen konnte. 
Er schrieb ihr darüber am 25. September 1831 nach Basel: „Ein alter 
Jugendfreund und Landsmann von mir, E. Lasaulx, ist jetzt mein beinahe 
ausschliesslicher und täglicher Umgang ... Er wird wohl den Winter 
hier zubringen und meine Wohnung mit mir theilen. Er ist, wie Sie 
wissen, ein eifriger Anhänger des Schelling und mit der neuern Philosophie, 
und was für mich noch mehr Werth hat, mit der Mystik des Mittelalters 
sehr vertraut; ich freue mich einigen Ersatz Ihrer Gesellschaft an ihm 
unden zu haben, wenn ich auch nicht die Hoffnungen, die er auf die 
neuere Philosophie setzt, theilen kann ; wenn mich auch die Bekanntschaft 
mit derselbigen über manches Vorurtheil aufklärt, so finde ich mich doch 
nur mehr und mehr zu dem Einen was Noth ist hingezogen, in der festen 
Überzeugung dass nur an der alleinigen Lebensquelle Jesus Christus unser 
Durst gestillt werden kann." Über seinen Freund fügt er indess gleich 
hinzu: „Lasaulx hat übrigens eine sehr tüchtige christliche Unterlage, 
und wenn einmal sein Können mit seinem Wollen und sein Wollen mit 



J ) Dieses Ölgemälde, von welchem auch Förster (a. a. 0. Bd. II, S. 46) berichtet, 



scheint nicht über die ersten Aufäuge hinausgekommen zu sein. 



— 125 — 

seinem Können Hand in Hand geht, dürfen wir gewiss etwas sehr Tüchtiges 
von ihm erwarten." 

Lasaulx war es dann auch, welcher der gemeinsamen Freundin die 
Trauerpost vpn dem unerwarteten Hinscheiden Eberles nach Deutschland 
berichtete. Eberles Plan war gewesen, noch ein Jahr in Rom zu ver- 
bringen, dann wieder nach München und unter die Fittige seines Meisters 
Cornelius zurückzukehren und seiner Kunstwanderfahrt ein Ziel zu setzen. 
So schrieb er noch selber in einem Briefe vom 7. März 1832 \ Aber 
schon einen Monat später hatte er seine irdische Pilgerfahrt vollendet. 
Er erlag einem Magenleiden. Fräulein Linder hatte den Kranken kurz 
zuvor noch, durch die Zusendung eines Vorschusses erfreut. Unter dem 
24. April 1832 meldete nun Lasaulx aus Rom: „Unser Freund Adam Eberle 
genas am 15. April 2 Nachmittags fünf Uhr nach hartem Todeskampf von 
der Krankheit dieses Lebens; Charfreitag Morgens haben wir ihn heim- 
getragen . . . Drei Tage vor seinem Tode ward ihm noch die grosse 
Freude, Ihren letzten Brief und was Ihre Liebe diesem Brief beigelegt, 
zu erhalten. Er war Einer der wenigen, die ihre Seele reingewaschen 
im Blute des Lammes, welches von der Welt Anfang geopfert worden . . . 
Die Lamentationen und das Miserere der göttlichen alten Meister Palestrina 
und Allegri, welche Sie unsern Freund gebeten für Sie mitzuhören — 
habe ich für Sie beide mitgehört." 

So ruht auch dieser deutsche Maler fern von Vaterstadt und Vater- 
land im ewigen Rom auf dem Kirchhof an der Pyramide des Cestius. Unge- 
schwächt aber lebte sein Andenken fort in der Erinnerung seiner Freunde. 

Hier ist zunächst Eberles Meister Peter von Cornelius zu nennen. 
Raczynski, mit Cornelius wohl bekannt, teilt mit, dass dieser Eberle für 
einen seiner besten Schüler gehalten und besondere Vorliebe und Sorgfall 
für ihn gehabt habe 3 . Förster, Eberles Mitschüler bei Cornelius und des 
letzteren vertrauter Freund, berichtet wie das Jahr 1832 für Cornelius 
sowohl durch den Tod seiner ältesten Tochter, als auch durch das Hin- 
scheiden Eberles, der einer seiner liebsten und begabtesten Schüler gewesen, 
ein Trauerjahr geworden sei 4 . Wie sehr aber Cornelius die künstlerische 
Begabung Eberles schätzte, zeigt eine Stelle aus einem ein Jahr nach 
dessen Tod an König Ludwig gerichteten Briefe, in welchem er diesem 
einen jungen Künstler empfahl. „Euer Majestät" schrieb er, „erziehen 
jetzt, da er noch jung, genügsam und empfänglich ist, mit wenig Aufwand 
von Mitteln einen so bedeutenden Künstler, der sich einst an Kaulbach, 
Eberle etc. wird anschliessen dürfen" 5 . 



J ) Kurz vorher am 12. Februar 1832 schrieb Cornelius au Emilie Linder: „Von 
Rom haben wir gute Nachrichten". Förster a. a. 0. Bd. II, S. 70. 

2 ) Hiernach ist die Zeitangabe bei Förster a. a. < >. S. 76 zu berichtigen. 

3 ) a. a. 0. S. 222. 

4 ) a. a. 0. Bd. II, S. 76 f. 

5 ) Brief vom 24. April 1833 bei Förster a. a. 0. S. 89. 



— 126 — 

Über das Verhältnis Kaulbachs zu Eberle äussert Raczynski sich 
ausführlicher: „Das Andenken Eberles ist auch für Kaulbach ein Gegen- 
stand der Verehrung - . Dieser ehrenvoll bekannte junge Mann lebte mit 
Kaulbach in naher Freundschaft. Beide waren zu gleicher Zeit Cornelius 
Schüler gewesen, beide folgten ihm nach München, und der Austausch der 
Gedanken und Katschläge, der zwischen ihnen Statt fand, hat nicht wenig 
zur Entwickelung von Kaulbachs Talent beigetragen. Eberles Werke 
erregen fortwährend seine Bewunderung und seine Lobsprüche, und der 
Tod dieses bedeutenden jungen Mannes ist für ihn ein steter Gegenstand 
der Trauer 1 ." 

Auch Lasaulx hat seinem Jugendfreunde ein immerwährendes Angedenken 
bewahrt. Als er im Jahre 1859 fast am Ende seines Lebens seiner Freundin 
Emilie Linder sein letztes grösseres Werk „Philosophie der schönen 
Künste" widmete, „die gedankenvolle Arbeit vieler Jahre und ein stilistisches 
Meisterwerk" 2 , unterliess er es nicht in der Zueignung auch des gemein- 
samen Freundes Eberle zu gedenken. „Dass ich gerade Ihnen das Buch 
zueigne", schreibt er, „werden Sie bei einiger Selbsterforschung natürlich 
finden. Ich begegnete Ihnen zum erstenmale vor dreissig Jahren in 
München, in einem schönen Kreise befreundeter Männer und Frauen . . . 
Der Tod unseres frühreifen Freundes Adam Eberle veranlasste mich dann 
Ihnen brieflich näher zu treten; und seitdem waren Sie mir und meiner 
Frau und Tochter in frohen und trüben Tagen eine so liebe und wahre 
Freundin, dass es mir ein Bedürfniss ist, Ihnen meine Dankbarkeit auch 
dadurch zu bezeugen, dass ich gerade dieses Buch dessen Inhalt Ihren 
eigenen Studien so nahe liegt, und bei dessen Ausarbeitung ich Ihrer und 
unserer andern Freunde, der lebenden und der todten oft gedachte, am 
liebsten Ihnen darbringe 3 ." 

Eberles (Selbst- ?) Bildnis ist in Eaczynskis Geschichte der neueren 
deutschen Kunst enthalten 4 . Es zeigt einen jungen Mann zu Anfang 
der zwanziger Jahre, von edlen ernsten Zügen, mit schwachem Bart- 
wuchs. Auf den glatten, dichten und lang bis auf den Hals fallenden 
Haaren sitzt ein Künstlerbarett. 

Über die künstlerische Bedeutung Eberles urteilt ein bekannter Kri- 
tiker, der Maler und Kunsthistoriker Fried. Pecht r> , dass die Freskogemälde 
bei manchen Schönheiten der Komposition wegen der bunten und haltungs- 
losen Malerei nicht zu Geltung kommen, dass aber die Kartons und die 
mit der Feder gezeichneten Kompositionen als wirklich wertvolle Arbeiten 
zu achten sind, welche mit Recht grosse Erwartungen erregten, die 
Eberle jedoch bei dem Mangel jeder Technik im Malen und wegen seiner 



') a. a. 0. S. 276 f. 

-) Historisch-politische, Blätter Bd. LIX, S. 739. 

3 ) Philosophie der schönen Künste S. 4. 

4 ) Bd. II, S. 223. 

8 ) Allgemeine deutsche Biographie Bd. V, S. 573. 



• — 127 — 

i 

vollkommenen Unkenntnis der Gesetze des Kolorits nie zu erfüllen im 
Stande war. 

Dass Eberle diese Mängel nur zu sehr selbst empfand, wurde bereits 
im Verlaufe der Darstellung angedeutet. Immerhin bleibt bei der Beurteilung 
der Eberleschen Fresken zu berücksichtigen, dass es sich um die Arbeiten 
eines Dreiundzwanzigjährigen handelt, dann auch, dass seine Mängel der 
Schule im allgemeinen anhafteten, welche über Komposition und Form- 
gebung das Kolorit oft allzusehr vernachlässigte. 

Die von Eberle geschaffenen Gemälde sind im Vorstehenden aufgeführt 
worden. Ihr Verbleib Hess sich, soweit sie nicht in Monumentalmalereien 
bestehen, nicht ermitteln. Von Eberles Zeichnungen sind sieben durch 
Erailie Linder dem Museum ihrer Vaterstadt Basel vermacht worden. Es 
sind dies 1 folgende Blätter: 

1. Landschaft. Links grosse Baumgruppe mit Ausblick auf eine 
Kuppelkirche; rechts junger Mann in italienischer Tracht, der ein Eselchen 
führt, auf welchem eine Frau und ein nacktes Kind sitzen; zu äusserst 
rechts ein junges Mädchen mit einem Korb auf dem Kopf. (Bisterzeichnung; 
einzelne Partien erst mit Bleistift angelegt. Jugendarbeit. Von Fräulein 
Linder bezeichnet: „Eberle 4- .) 

2. Job von seinen Freunden verspottet. (Pause in Bleistift.) 

3. Derselbe Gegenstand; Komposition reicher. Oben Gott Vater; zur 
Linken der Satan entfliehend ; rechts Engel. (Flotte Bleistiftskizze, bezeichnet 
unten links „Ad. Eberle".) 

4. Das trauernde Jerusalem. Grosse nicht ganz vollendete Kompo- 
sition. (Bleistiftzeichnung, rechte Seite nicht ausgeführt. Bezeichnet: 
„Das traurende (sie) Jerusalem — Eberle*. Im Bilderatlas zu Raczynskis 
Geschichte der neueren deutschen Kunst befindet sich eine Lithographie 
dieser Zeichnung von Strixner.) 

5. Jesus beruft zwei Jünger. (Sorgfältig ausgeführte Kreidezeichnung.) 

6. Die trauernden Juden an den Wassern zu Babylon. Grosse Kompo- 
sition. (Kreidezeichnung. Bezeichnet „Eberle". Abgebildet bei Förster, 
Denkmale deutscher Kunst 2 .) 

7. Petrus und Paulus auf der Fahrt nach Rom. Die Apostel sitzen 
nebeneinander in der Mitte einer dem Ufer zufahrenden Barke. Ein Engel 
(der Glaube), welcher den kreuzförmigen Mast umfasst hält, steuert das 
Schifflein; ein zweiter am Schnabel sitzender Engel spielt auf der Harfe. 
Vorauf schwebt ein Engel, der einen Schild und eine Posaune trägt, über 
deren Schallöffnung ein Stern strahlt — wohl ein Hinweis auf den Glaubens- 
mut der Apostel, die im Begriffe sind, den Heiden das Licht des Evangeliums 



') Nach einer gefälligen Mitteilung des Herrn Konservators Dr. Daniel Burckhardt 
in BaseL 

*) Der bei Raczynski befindliche Hinweis auf das den gleichen Gegenstand 
behandelnde Gemälde Bendemanns im Kölner Museum wurde durch Cornelius veranlasst. 
Siehe Riegel, Peter Cornelius, Berlin 1883, S. 335 — 336. 



— 128 — 

zu verkünden. Ein dem Nachen folgender Engel mit umgekehrtem Kreuz 
und gezücktem Schwert deutet den den Aposteln bevorstehenden Marter- 
tod an. Auf dem gebirgigen Ufer ein antiker Tempel. (Sorgsam levirte 
Bisterzeiehnung, bezeichnet unten rechts: „Eberle" 1 . Abgebildet bei Raczynski 
a. a. 0. S. 220.) 

Die unter 2, 5 und 6 aufgeführten Zeichnungen sind im Saal neuerer 
Handzeiehnungen ausgestellt und tragen die Nummern 57, 56 und 55. 

Vereinsangelegenheiten. 

Bericht über das Vereinsjahr 1895 — 1^90. 

Auch in deia abgelaufenen Jahre ist der Verein wieder redlich bemüht gewesen, 
der Aufgabe, die er .sich bei meiner Gründung stellt, nach allen Seiten hin gerecht zu 
werden. Zu dem Ende hat er einerseits eine Reihe von wissenschaftlichen Sitzungen und 
Anstinken vrraustaltet und anderseits den mimten Jahrc, r an<r dir Vereinszeitschrift heraus- 
gegeben, welcher eine reiche Fidle Iokalgeschiehtlichen Stuffes in grossem Abhandlungen 
und kleinern Mitteilungen den Mitgliedern bietet. Der erste Ausflug, am 4. August L Si>*>, 
hatte zum Zielpunkt die im (ieulthale gelegene mittelalterliche, heute in arg zerfallenem 
Zustande befindliche Burg Schimper. Da die Ucsiehtiguug derselben nicht die lmiizo für den 
Ausflug in Aussicht genommen« Zeit in Anspruch nahm, so konnte noch -ine lohnende 
Fusswanderung nach dem drei Viertel Stunden entfernten Altenberg unternommen werden. 
In der Gartenveranda des Altenberger L'asino hielt Herr Pfarrer Schnuek einen längeren 
Vortrag über das neutrale Gebiet von Muresnet. Aiu l. Oktober veranstaltete der Verein 
einen zweiten Ausflug nach der Burgruine Wilheliustein. Die iunern Räumlichkeiten wie auch 
die äussern Befestigungswerke wurden unter Führung des Herrn Rhoeii eingehend besichtigt 
In Bardenberg, wo noch eine kurze Xaehsitzum,' stattfand, hielten Herr Pfarrer Schnoek 
und Herr Referendar .Schollen zu der Geschichte Bardeubergs und der Bursj Wilhelmstein 
in Beziehung stehende Vorträge. Mit hoher Befriedigung gedenken die Teilnehmer beider 
Ausflüge. Die satzungsmässige Hauptversammlung wurde am 11. November im Vereins- 
lokal „König von Spanieu* unter sehr reger Beteiligung abgehalten. In derselben erstattete 
der Vorsitzende, Herr Direktor Dr. Wacker den .Jahresbericht, aus dem wir entnehmen, 
dass die verhältnissmässig hohe Summe von uahezu TOOü Mark bisher auf die Drucklegung 
und Ausstattung des Vereiusorgans — die Autoren haben in dankenswerter Weise ihre 
Arbeiten gratis zur Verfügung gestellt — verwandt worden ist, sowie ferner, dass die 
Mitgliederzahl sich in der Hohe von 220— 230 erhalten hat. Der Schatzmeister des Vereins, 
Herr Stadtverordneter Ferdinand Kremer, gab sodann einen Peberbtick über die finanziellen 
Verhältnisse und wurde ihm, nachdem die Kasse auf ihre Richtigkeit durch die Herreu 
Fey und Pschmadt geprüft worden, Entlastung erteilt und der wärmste Dank ausgesprochen. 
Es hielten sodann noch binarere, höchst anziehende und lehrreiche Vorträge die Herren 
Referendar Schollen und Archivar Dr. Brüning. Ersterer hatte sich zum Thema gewählt: 
„Die Strafrechtsptlege in Aachen zu reichsstädtischer Zeit", letzterer sprach über die 
Beziehungen des Prinzen Eugenius zu Aachen. Beide Vorträge fanden die verdiente 
Anerkennung und reichen Beifall. 

Verlag der Cremer'schen Buchhandlung (C. Cazin) in Aachen. 



Die Fabel von der Bestattung Karls des Grossen. 



Von TH. LINDNER. 

HI, 82 S. gr. 8°. Preis JL 1.60. 



Dsccx von He&uavs luinui ta Aacuxji. 





HZ1IT 



MITTEILM DES VEREINS Fl'fi KINDE DER AACHENER VORZEIT 



IM AUFTRAG DES VEREINS HERAUSGEGEBEN 



VON 



HEINRICH SCHNOCK. 



ZEHNTER JAHRGANC 




AACHEN. 
Kommissions-Verlag deb Cbemerschen Buchhandlung (C. Cazin). 

180 7. 





MlllILlINGl DES VEREINS FÜR KUNDE DER AACHENER VORZEIT 



IM AUFTRAG DES VEREINS HERAUSGEGEBEN 



VON 



HEINRICH SCHNOCK. 



ZEHNTER JAHRGANG. 




AACHEN. 
Kommissions-Veblaq deb Cbemerschen Buchhandlung (C. Cazin). 

181)7. 



INHÄLT. 



. 

1. Schönau. (Fortsetzung.) Von H. J. Gross 1 

2. Schönau. (Schluss.) Von H. J. Gross 17 

3. Zum Rastatter Gesandtcnmord. Von W. Brüning 21 

4. Ein „Gemeiner Bescheidt" des Aachener Schöffenstuliis. Von Franz 
Schollen 25 

5. Kleinere Mitteilungen: 

1. Aus dem Aachener Stadtarchiv. Von W. Brüning 29 

2. Eine alte Aachener Geleitstafel. Von Franz Schollen . . . 30 

6. Aufzeichnungen eines Haarener Kirchenbuches aus den Kriegsjahren 
1792—1795. Von H. Schnock 33 

7. Kleinere Mitteilung: 

Der Aachener Stadtbrand im Jahre 1650. Von H. Schnock. . . 50 
S. Zur Geschichte Aachener Maler des 19. Jahrhunderts. Von J. Fey . 53 
9. Max von Schenkendorf am Rhein und in Aachen. Von K. Wacker . 92 

10. Zur Geschichte des Ortes Schevenhütte. Von A. Born m es . . . . im 

11. Kleinere Mitteilungen: 

1. Reihenfolge der Pfarrer in der Gemeinde Haaren bei Aachen. 
Von H. Schnock 111 

2. Ein Brief E. M. Arndts an den Maler Salm. Von J. Fey . . 112 

3. Ein Agent in Aachener Diensten während des Pfälzischen Krieges. 
Von M. Schollen 113 

4. Lühnungsliste der Soldaten der Reichsstadt Aachen vom 20. April 
1657. Von Demselben 113 

5. Kosten eines Festessens in Aachen im Jahre 1700. Von Demselben. 1 16 

12. Vereinsangelegenheiten: 

1. Bericht über das Vereinsjahr 1897. Vom Herausgeber. . . 117 

2. Verzeichnis der Mitglieder 120 




I 



Jährlich 8 Nummern 

ä 1 Bogen Royal Oktav 

Preis des Jahrgangs 

•i Mark. 





Kommissions -Verlag 

der 

l Iremer'sehen Buchhandlung 

(C. Ca/im 

in Aachen. 



Mitteilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit. 

Im Auftrage des Vereins herausgegeben von H. Schnock. 



Nr. J. 



Zehnter Jahrgang. 



1897. 



Inhalt: H. J. Gross, Schönau. (Fortsetzung statt Schluss.) 



Schönau. 

Von H. J. Gross. (Fortsetzung statt Schluss.) 

Ebenso glücklich waren die Brüder in dem Rechtsstreite gewesen, 
den seinerzeit Adolf von Hillensberg gegen den Eindringling Max einge- 
leitet und der 1735 sein Ende erreicht hatte. Die Mylendunck waren zum 
Ersätze der Mobilien mit 1000 Gulden, der genossenen Einkünfte mit 390 
Thaler fürs Jahr und zur Herausgabe sämtlicher Briefschaften verurteill 
worden. Nun gab es noch eine Möglichkeit die Blanche von Schönau zu 
entfernen, wenn nämlich der Rechtshandel, der zwischen Margarethe 
Elisabeth von Mylendunck und Isak Lambert von Blanche sich entsponnen 
hatte, zu Ungunsten der Brüder entschieden würde. Aber auch hier 
blieben die Blanche 1759 Sieger. Nun Hess sich Johann Grottfried auf 
grund eines Exekutionsdekrets an denJKurfürsten von Köln in Fronenbroch 
als Herr einsetzen. Die Kosten waren nicht unbedeutend. Die beiden 
Kommissare erhielten sofort 300 Thaler Reisegeld, je acht Thaler Tage- 
gelder, der Sekretär vier Thaler, der Prokurator der Blanche ebenfalls 
vier Thaler, sodann die Kommissare für Wagen und Diener noch sechs 
Thaler täglich. „Kost und drank so über reis als in loco wird sich eben 
so viel betragen haben." Hundert Schützen ans Rheinberg, welche die 
Kommissare hatten kommen lassen, erhielten vier Louisdor für Bier und 
Branntwein. Die Kosten wurden gedeckt ans „des gegners eflfekten", die 
für 1500 Thaler verkauft worden waren. 



— 2 — 

So hatten die Herren von Blanche alle ihre Widersacher überwunden. — 
Da erlitten sie mitten im Siege die entschiedenste Niederlage. Ein Gegner 
stand gegen sie auf, dem sie nicht gewachsen waren. Der Kurfürst von 
der Pfalz, jedenfalls gereizt durch die Herren zur Heiden, wohl auch 
von dem Wunsche beseelt den ewigen Reibereien ein Ende zu machen, 
brauchte Gewalt. Er liess die Brüder Johann Gottfried und Adolf Werner 
in der Nacht vom 18. auf den 19. Januar 1760 in Schünau aufheben und 
nach Jülich bringen, wo sie vier Jahre lang in den Kassematten gefangen 
gehalten wurden 1 . Schünau soll dabei vollständig ausgeplündert worden 
sein; die Brüder schlagen den erlittenen Schaden mit arger Uebertreibnng 
auf 20000 Thaler an. Anfangs wurden beide in enger Haft gehalten, so 
dass sie mit niemand schriftlich oder mündlich verkehren durften, obwohl 
das Kammergericht der kurfürstlichen Regierung den Befehl hatte zugehen 
lassen die Gefangenen frei zu geben, ihnen Schönau auszuliefern und allen 
Schaden zu ersetzen. 

Gegen dieses Mandat wendete der Jülich-Bergische Geheime Rat 
folgendes ein: die von Blanche hätten sich schon 1731 an den Kaiser um 
Schutz ihrei- vermeintlichen Reichsfreiheit gewandt 2 , der Kaiser habe 
darauf die ausschreibenden Fürsten des niederrheinisch-westfälischen Kreises 
befragt, der Kurfürst eine Beschwerde eingereicht und von Blanche die 
Sache ruhen lassen. Die Gefangennahme habe stattfinden müssen, weil 
die von Blanche „mit ihrem aus lüderlichem gesindel bestehenden anhange 
sich vieler thätlichkeiten, Unordnungen und betrügereien unterzogen haben, 
deren einige nach in der peinlichen halsordnung vorgeschriebenen Grund- 
sätzen zu beurteilen sind" und „einem jeden in dortigen gegenden zur 
furcht und schröcken gewesen". Sie hätten sich ferner zu schulden 
kommen lassen: 1. Ermordung des Heidener Gerichtshöfen durch den 
älteren von Blanche; Notwehr sei nicht nachgewiesen; 2. Gefährdung des 
Heidener Gebietes, thätliche Misshandlung der Einwohner besonders der- 
jenigen, die den landesherrlichen Befehlen nachkamen; 3. Bedrohung und 
Misshandlung der Heidener Beamten; 4. Erhebung des Schönauer Laten- 
gerichts zu einem ordentlichen durch den älteren von Blanche 1751, Be- 
schädigung der Leute durch dasselbe; 5. weil das Gericht aus lauter un- 
erfahrenen Leuten bestand, habe von Blanche oft genug Richter, Partei, 
Anwalt und Gerich tsschreiber gespielt; 6. es sollen dort mehrere falsa 
vorgekommen sein; 7. Verhöhnung und Verachtung landesfürstlicher Dekrete; 
8. Falschmünzerei durch Ausprägung minderwertiger Vierhellerstücke. 

In einem Memoire concernant remprisonnement des deux freres barons 
de Blanche seigneurs de Schönau sucht Johann Gottfried diese Anschuldi- 
gungen zu entkräften. Der Totschlag sei in Notwehr und in Verteidigung 
„landesherrlicher Rechte" geschehen; das Recht Münzen zu prägen halte 



') Was Isak Lambert den „mortgens pfaffen" gewünscht hatte, geschah so seinen 
Söhnen. 

2 ) Das bezieht sich auf das oben wiedergegebene Schreiben des Johann Gottfried. 



— 3 — 

der Herr von Schönau laut kaiserlichen Privilegs und nach dem Beispiele 
seiner Vorfahren; das kurfürstliche Plakat sei abgenommen worden, weil 
unbefugte es angeschlagen hatten; er habe ohne Verletzung der Ehrfurcht 
gegen den hohen Fürsten nur sein Recht gegen ihn wie gegen alle anderen 
verteidigt. Dann fragt das memoire, warum man, da blos der ältere 
Bruder in betracht komme, auch den jüngeren, der mit all diesen Sachen 
nichts zu tlmn halte, in so strenger Haft halte? Das sei Dicht Ausübung 
der Gerechtigkeit sondern persönliche Rache. 

Es handelte sich dem Kurfürsten wirklich um etwas ganz anderes 
als um Ausübung der Gerechtigkeit. Er wollte die Unabhängigkeit 
Schönaus unterdrücken und darum forderte er als Preis für die Freilassung 
Anerkennung seiner Landeshoheit und Leistung des Homagialeides durch 
beide Brüder. Das durchschauten auch andere Leute. Bereits IT.',: 
schrieb Graf Waldbot-Bassenheim an von Blanche: man glaube in Wetzlar 
„wie ich schon vor vielen jähren gemeldet habe, dass euer hochwohlgeboren 
sich in churschutz ergeben mit vorbehält unterschiedlicher bedingungen". 
Man betrachtete denn auch allgemein die Gefangennahme als Gewaltthat. 
Der Prinz von Croy verwendete sich in einem Schreiben aus Aachen, 
27. Oktober 1761, bei einem Herrn aus der Umgebung i\^< Kurfürsten für 
die Brüder und bemerkt, die Sache mache „beaueoup de bruit"; der 
Vogtmajor und die Jülicher seien sehr erbittert über die Gebrüder von 
Blanche. 

Im Vertrauen auf ihr Recht und auf die Vermittelung ihrer Freunde 
hielten die Herren vier Jahre aus; dann unterwarfen sie sich. Am 2. Mai 
1764 machte der Kurfürst den Herren zur Heiden Mitteilung davon und 
gab beiden Parteien auf sich freundnachbarlich zu vertragen. Aber weder 
die Frau des Gerichtsschreibers noch der Pächter auf Hans Heiden wollten 
das Mandat annehmen; der mit der Ueberreichung betraute Notar musste 
dasselbe am Riegel des Hofthores festbinden. 

Am 29. Mai desselben Jahres erliess der Kurfürst den beiden I irinlern 
die Kosten des Verfahrens „aus ledigen gnaden% sprach aber auch die 
Erwartung aus, dass sie mit Ablegung des Homagialeides nicht länger 
mehr zögern würden. So musste der selbstbewussteste Vertreter der 
Reichsfreiheit Schönaus die Selbständigkeil des uralten Allods zu Grabe 
tragen! Es war eben ein stärkerer über ihn gekommen, der freilich 
dreissig Jahre später von einem noch stärkeren ebenfalls verschlungen 
wurde. 

Die Feindseligkeit der Herren zur Heiden war durch die Demütigung 
der Schönauer noch nicht gedämpft. Wir haben bereits erzählt wie der 
Herr von Leerode dieselben auf der Jagd überfallen und misshandeln 
Hess. Diese Roheit gab den Brüdern Veranlassung, sich mit der Bitte an 
den Kaiser zu wenden, er möge doch das Urteil gegen dieselben zur 
Exekution gelangen lassen. In demselben Schreiben klagen sie auch über 
die harte Gefangenschaft, ans der sie ganz lahm, steif, kontrakl und 



— 4 — 

ausgefrornen Nägeln an Händen und Füssen entlassen worden seien. So 
schlimm war es nun doch nicht. Am 4. Februar 1764 schrieb nämlich 
Kanonikus Emonts aus Xanten, er habe sich während des harten Arrestes 
nach seinen schwachen Kräften als treuen Freund gezeigt, müsse darum 
auch jetzt bei der Entlassung seine Freude über die „annoch ziemlich 
frische gesundheit" der Brüder aussprechen. Bei dem Ueberfall hatte die 
Schwester des Kanonikus Briefschaften „mit glimpf erdapt"; Emonts liess 
dieselben zu grösserer Sicherheit auf die Immunität bringen. Auch hatte 
dieselbe „mobilien beim verkauf' 1 für Herrn von Blanche reklamiert und 
zwar „ein stück ungebleich tuen, sechs pfund flachs, ein spul mit haspel, 
ein Spieltisch, acht schildereien, ein menager samt aufhabenden porcelaine, 
item sechs porcelaine tellern, das gemalte feuerschirmgen". 

Für „die annoch ziemlich frische gesundheit" Johann Gottfrieds 
spricht es auch, dass sich derselbe 1765 mit Veronika von Broch zu 
Dürwiss verlobte. Zwar bekam die Braut, wie sie sagt durch anonyme 
Briefe, einen Widerwillen gegen den Bräutigam. Aber so leicht liess von 
Blanche sich nicht abschrecken und am 18. Oktober 1767 führte er nach 
Erlangung der Dispens wegen Verwandtschaft seine Erkorene heim. 

Die Vergangenheit Johann Gottfrieds bot allerdings Lästerzungen 
reichen Stoff. Während er noch in Wetzlar war, hörte Tante Antoinette 
von ihm, er habe sich mit einer „kale perschon" verlobt, aber die Tante 
glaubte das nicht, denn „her fetter hat allezeit nacher ein riebe perschon 
getraght". Der Witwe Tornako war dagegen erzählt worden, er habe 
eine Gräfin geheiratet; sie hofft er werde nicht so jung in den Ehestand 
getreten sein. In späteren Jahren konnte der Freiherr von Reuschenberg 
über Gottfrieds Liebesabenteuer „mit den damen zu hurt viel lachen", ein 
gnädiges Fräulein Tserclaes kannte und erzählte eines derselben ganz 
genau. Und die französischen Lieder, Tingeltangelpoesie der schlimmsten 
Sorte, welche von Blanche des Abschreibens für wert hielt, zeigen auch, 
dass er in seiner Jugend recht leichtfertig war. 

Jedoch gestaltete sich das Verhältnis zu seiner Frau und deren 
Familie sehr gut. Gottfrieds Schwiegermutter, Anna Maria geb. von Hor- 
rich, hätte ihre letzten Lebenstage gern in einem Frauenkloster zuge- 
bracht, doch war der geforderte Preis von 200 Thaler jährlich ihr zu 
hoch, von Blanche erbot sich sie für 60 Thaler auf Schönau gut zu ver- 
pflegen und er hielt Wort. Auch bei der Dürwisser Teilung ging es ganz 
friedlich her. Gottfried erhielt als Anteil 23 Morgen, die zu 2413 Thaler 
abgeschätzt wurden. Das Land war kurkölnisches Lehen; von Blanche 
erbat unter Zustimmung der Agnaten vom Kurfürsten die Erlaubnis zum 
Verkaufe. 

Bereits im Jahre 1757 trug sich Gottfried mit dem Gedanken, einen 
Schlosskaplan auf Schönau anzustellen. Aber Adolf Werner meinte, dass 
es „dermalen nicht convenient seie einen castralcapellan anzunehmen, 
massei) derselb charaktermässig nicht zu verpflegen wäre, wo wir nur ein 



— 5 — 

einziges zimmer haben, anbei mit keinem altar und Zubehör aufm haus 
verseilen seind". Den fehlenden Altar beschaffte Gottfried 1768, er liess 
einen solchen anfertigen „der wie eine commode aussieht". Das sonder- 
bare Kunstwerk kostete 118 Aachener Gulden. Auch beteiligte er sich 
„als Landesherr" öffentlich an kirchlichen Feierlichkeiten, an Missionen 
und Prozessionen. So forderte er seine Untert hauen zur Begleitung der 
Laurensberger Gottestracht an Grünenthal und Hand auf: er werde mit 
seinem „hochwohlgeborenen herrn bruder und sonstigen verwanten" auch 
mitgehen. Johann Gottfried behielt völlige Geistesfrische Ins in seine 
letzten Lebensjahre. Ein Aachener Jurist schreibt 1780 an ihn: ich habe 
„in ihrer arbeit nur ein par juristische Zusätze gemacht, übrigens alles 
unverbesserlich gefunden. Gott gebe mir ein so hohes alter und in dem- 
selben so vortreffliche geisteskräfte, als er hochdenselben gibt". Der Lob- 
spruch schliesst mit einer sehr prosaischen Bemerkung: „Meine arbeit ist 
ein geschäft von zwei stunden, die stunde a sechs gülden, macht 12 gülden 
aix." Nach den Resten seiner Schriftstücke im Schönauer Archive zu ur- 
teilen war Gottfried der juristische Ratgeber der adeligen Familien der 
ganzen Umgegend. 

Er behielt aber auch seine Heftigkeit. Werner Adolf spricht einmal 
von „schändlichsten reprimandes", denen er sich aussetzen müsse, und 
noch 1785 wurde Gottfried in einem Prozesse gegen Graf Proli und Kon- 
sorten vom Düsseldorfer Hofrate in eine Brücht von sechs Reichsthaler 
genommen „wegen ungeziemenden Schreibens". 

Endlich bändigte auch ihn der Tod: er starb am 14. Juni 1789, im 
92. Jahre seines Alters an einem Schlaganfalle und wurde in der Pfarr- 
kirche zu Laurensberg begraben. 

Von seinen Brüdern ist nicht viel zu sagen. Gerard Wilhelm fiel 
in Liebe zu einer Magd, mit der er sich beim Pfarrer von Berg zu den 
Aufrufen meldete. Darob grosse Entrüstung bei Johann Gottfried. Das 
Mädchen musste die Erklärung abgeben, dass sie „die proclaraationes im- 
probire, über alle in der weit formiren könnende ansprächen sich abge- 
funden habe, auch auf die person des Gerard Wilhelm von Blanche 
renuntiire". Im folgenden Jahre 1739 wurde der unglückliche Liebhaber 
in der kaiserlichen Armee untergebracht, weitere Nachlichten über ihn 
fand ich nicht. 

Werner Adolf scheint um 1767 gestorben zu sein. Er war nach 
dem Ausdrucke des memoire „ebenso schwach an Geisl wie entfernt von 
Bosheit". Auf Schönau spielte er den Eausmeister und Verwalter, während 
Gottfried sich meist in Aachen aufhielt. Da ging es denn niYIit ab ohne 
Verdruss mit den Knechten, von denen in einem Jahre drei „den schelm 
abgaben", aber auch nicht ohne Zwist mit Johann Gottfried, der manchmal 
mehr Geld forderte, als der „hoch wohlgeborene, hochgeehrteste und viel- 
geliebteste herr bruder" beschallen konnte und Ausgaben machte, welche 
den Beifall Werners nicht landen. Wurde es ihm zu toll, dann konnte 



.- 



— 6 — 

„der von Bosheit entfernte" auch böse werden. „Wan es immerwährend 
also ergehen soll", schreibt er an Gottfried im Jahre 1759 ; „wirds wol 
am besten sein, dass ein jeder seine halbscheid des pfachts zu sich nehme, 
davon ehrlich lebet und fort seine notdurft anschaffet." Dem Vogte Coo- 
raans auf Heiden, der ihm durch seine Insinuationen viel Aerger machte 
droht er: „Gott gnade seiner haut in fine finali"; und von der Pächterin 
auf Schönau heisst es: „diese unrechtfertigen leute meritiren gar keine 
barmherzigkeit". 

Das Memoire sagt noch von Werner Adolf, er habe sich nie mit amt- 
lichen Sachen befasst. Das Protokollbuch erwähnt ihn auch nur einmal. 
Er wurde am 14. Dezember 1730 „in gefolg der in sachen freiherrn von 
Blanche contra erbgenamen weiland herrn Mathias Gerard Clotz . . publi- 
zirten urteil . . durch die zwei hiezu committirten schöffen in die . . im 
Richteriger feld liegende elf morgen vulgo die elf morgen mit umwerfung 
des grunds und abschneidung darauf obhandenen kappes würklich . . 
morgens zwischen 9 und 10 uhren immittirt". 

Johann Gottfried vermachte Schönau seiner Frau Veronika von Broch, 
welche nach 1820 starb. Sie hatte die Besitzung an ihren Bruder Karl 
Wilhelm, dieser an seinen Verwandten Arnold Carl Maria von Broich ver- 
kauft 1 , dessen jüngstem Sohne Karl Freiherrn von Broich, Bürgermeister 
von Ricliterich, der ehemalige Haupthof des pfalzgräflichen Allods Riterca 
heute gehört. 



Beilage I. 

Herman Dieter von Mylendunck. 

Wir hörten, dass Herman Dieters Vater mit der Pfalzgräfin bei Rhein, 
Amalie geborenen Gräfin von Neuenar, in Briefwechsel stand. Die Familien 
waren durch die Heirat der Tochter einer Gräfin von Neuenar mit einem 
Mylendunck verschwägert; darum erhoben letztere Anspruch auf die Erlt- 
schaft, als Walburg, Tochter und Erbin des Grafen Wilhelm von Neuenar 
kinderlos starb. Graft und seine Brüder wendeten sich damals an den 
Kurfürsten Ernst von Köln mit der Bitte, sie als nächste Erben die Erb- 
schaft antreten zu lassen und mit den Lehen zu bekleiden. Der Erz- 
bischof zögerte indessen, weil der Graf von Solms auf Grund eines Testa- 
mentes der Gräfin Walburg sich ebenfalls als Erbe gemeldet hatte. Da 
gingen die Brüder via facti vor und ergriffen im Jahre 1000 realiter et 
corporaliter Besitz von dem Neuenarer Zehnten zu Bracht, den der Kur- 
fürst hatte mit Beschlag belegen lassen, bis sich herausstellte, wem derselbe 
zukomme. 1601 machte der Graf es ebenso. Die .Mylendunck bestritten 
das Recht desselben zunächst, weil das Testament nicht rechtskräftig 



') von Fürth, Beiträge u. s. w. II, S. 5. 4. 



— 7 — 

errichtet sei und weil die beiden Abschriften, von denen eine die Herren 
Staaten, die andere Prinz Moritz ausgestellt hatten, nicht übereinstimmten, 
auch die Erblasserin ohne octroi 3 über die Güter nicht habe verfügen 
können; sodann weil das Testament die Kölner und Jülicher Güter, zu 
denen Bracht'und Breiel gehörten, dem Grafen Bentheim, nicht aber Solms 
zuwies. So besagt eine Schrift im Schönauer Archiv. Es gab natürlich 
wieder Prozess, der noch 1605 zwischen den Brüdern und der Witwe 
Solms, geborenen Gräfin Egmont, geführt wurde. 

Auch hatte die Rose noch andere Dornen. Die Grafen Wilhelm und 
Hennan von Neuenar, Vater und Bruder der Walburg, hatten 1551 von 
einem Dr. Omphalius 3000 Goklgulden geliehen und demselben die Mörser 
Pfandschaft in den Ämtern Kessel und Krekenbeck zur Sicherheit gestellt. 
Nun griff der Enkel des Omphalius die Brüder Mylendunck an, in deren 
Besitz sich die Pfandschaft befinde, und verlangte vor Statthalter, Kanzler 
und Vogt des Fürstentums Geldern sein Geld. Und zu guterletzt gerieten 
die Brüder selbst in Streit. Der Anwalt Heinrich Sassenfeld schreibt am 
24. September 1616 dem Baltasar: „Auch dunkt mich hoghnoedigh zu 
sein, dass euer gnaden mein her canzler wolle besuchen und dem gueden 
bericht und kleglich zuschreiben den groben missverstand e. g. herren 
gebröderen. dass sie e. g. missgunnen dasjenige, etwelk heunen 2 nicht en 
schad, und dass lieber sehen weiten, dass es ein fremder haben solt als 
e. g., dieweil Heuls 8 durchaus keine gemeinschap mit der pantschap en 
hat und ein stück von die grafschap van Moers ist, und dass e. g. dasselbe 
halien ingehabt bei lebzeiten der gräfine von Moers und er 4 der sterbfall 
gefallen ist, und nach der zeit aus gnad und gunst seiner exzellenz prinz 
Moritz, der sich die hogheit und gericht Schwaneck vorbehalten hat . . ." 

Ein anderes Stück aus der Neuenarer Erbschaft wurde den Brüdern 
1612 zu teil. Die Infanten Albert und Isabella erklärten am 4. Juni jenes 
Jahres, dass ihre „lieben und getreuen vetteren" Hennan Dieter, Traft und 
Baltasar von Mylendunck als nächste Erben weiland ihrer lieben und 
getreuen Base Frau Walburg, Gräfin zu Neuenar. Mors etc. vor dem 
souveränen Lehenhofe von Brabant empfangen haben „den zoll auf unserm 
rivier der Masen zu Adickhoven, Meersen, zu Kathingen über die Brücke, 
zu Stockem, zu Heppenart, zu Foel, zu Geil, zu Buggenem, zu Kessel 
und in denen gegenden . . ." Bis zur Scheidung' und Teilung- zwischen 
den Brüderen solle Herman Dieter als „Sterbman" im Buche stehen. 

Prozesse kosten Geld, darum ist es nicht verwunderlich, dass Nor- 
man Dieter im Jahre 1600 dem „erenfesten und hochgelehrten Jakob van 
Beek, lizentiat der rechten und rathsherr seiner majestäl im herzogtum 
Geldern" die Summe von 224 Thaler ä 30 st über Roermonder Währung 



*) Bewilligung <les Lehnsherren. 

2 ) ihnen. 

3 ) Hüls. 

4 ) ehe. 



— 8 — 

schuldete. Wir werden ihn noch über seine zahlreichen Gläubiger klagen 
hören. Früher war er freilich in der Lage gewesen, andern Geld leihen 
zu können. Am 2. Juni 1585 schrieb Amelia „von Gottes gnaden pfalz- 
gräiin bei Rhein, curfürstin witwe, herzogin in Bayern" an ihren „edlen 
und besonders lieben vetter" Herman Dieter von Vianen aus, sie denke 
nicht daran dieses Land zu verlassen, besonders da der Hohe Eat ihr die 
Verwaltung des Landes Vianen zugewiesen habe, aber wegen der Brede- 
rodischen Geschäfte wolle sie nach Harlem gehen und ihn ihrem Versprechen 
gemäss aus der Vianischen Leibzucht oder sonst wegen seiner Vorschüsse 
entschädigen. 

Auch mit Ernst von Baiern, Kurfürst von Köln und Fürstbischof von 
Lüttich, stand Herman Dieter in Verbindung. In einem Briefe von 1598 
dankt der Kurfürst ihm für die Mühe, die er in des Erzbischofs Angelegen- 
heiten angewendet habe; er will seinen Bestrebungen, die er zu vergelten 
gedenkt, den guten Ausgang zuschreiben. Aus diesem Briefe lernen wir 
jedoch auch die traurigen Familienverhältnisse Herman Dieters kennen. 
Er lebte nämlich in bitterm Zerwürfnisse mit seiner Frau. Herman Dieter 
hatte um 1587 Franziska, Tochter Heinrichs von Goir, Freiherrn von 
Pesch, Herrn zu Bruin, Viliar, Andrimont etc. geheiratet. Heinrich hatte 
drei Kinder: Claudius, Herman und Franziska. Noch vor der Heirat war 
Claudius, während der Ehe Herman gestorben, sodass alle Güter des Vaters 
an Dieters Frau fielen. Sie gebar* vier Kinder: Hans Graft, Adolf. Maria 
und Walburg. Woher der Streit zwischen den Eheleuten seinen Ursprung 
genommen, geht aus den mir vorliegenden Nachrichten nicht hervor, aus 
Andeutungen erhellt jedoch, dass die Charaktere nicht zu einander passten. 
Dem Dieter wirft der Kurfürst vor, dass er sich sogar in des Fürstbischofs 
Gegenwart zu leidenschaftlicher Aufregung habe hinreissen lassen, was 
wohl geschehe, wenn der Respekt vor seinem Fürsten ihn nicht zähme? 
Damals bestand der Zwiespalt schon längere Zeit, denn Ernst verweist 
den Freiherrn auf seine frühern Ermahnungen, bittet ihn abermals um 
seiner Kinder und der Wohlfahrt seines Hauses willen sich mit der Frau 
doch zu vereinigen, droht aber auch, es würde ihm leid sein, wenn er als 
Landesherr gegen Herman einschreiten müsse. 

Dieter wies die Ermahnung ziemlich kurz ab. Er sei wegen der 
„Übertretung" seiner Frau und weil sie ihn durch ihr böses Geschwätz 
in aller Leute Mund gebracht, zum Zorne befugt gewesen; sie wolle sich 
scheiden lassen, wenn das mit Gott und Ehre geschehen könne, sei es 
auch ihm am liebsten. Er ist der Gerechte, über den der Böse triumphirt; 
nur sein Gottvertrauen lasse ihn nicht schwermütig und lebensüberdrüssig 
werden — dazu citirt er Ps. 37 -; er könne nicht nach Lüttich gehen, 
wo seine Frau ihr böses Gesinde und „clapperei" um sich habe, er sei 
von Natur ein Waidmann und an grosse Arbeit gewöhnt; Gesundheit und 
Finanzen erlaubten ihm den Aufenthalt in Städten nicht. 

Herjnan Dieter hat sich in diesen Worten hinreichend gekennzeichnet. 



- 9 - 

Er erscheint auch nicht liebenswürdiger im Lichte eines Briefes seiner 
Schwiegermutter vom 18. Oktober 1595, worin sich diese bitter beklagt, 
weil Dieter ihr nicht einmal das gebe, was ihr nach dem Testamente ihres 
seligen Mannes zukomme, während sie doch immer Liebe und Güte gegen 
ihn gehabt und geübt habe. 

Die Heftigkeit Dieters äusserte sich auch in Gewalthandlnngen gegen 
andere Personen. Im Bruchstücke eines Schreibens warnt ihn jemand vor 
seinem Rentmeister, der ihn mit schweren Prozessen bedrohe, weil Dieter 
ihn acht Tage lang zu Goer gefangen und ihm Briefschaften weggenommen 
habe, die der Rentmeister nicht um 3500 Thaler missen wolle. 

Es wäre auffallend, wenn ein Mann wie Herman sich nicht an Fehden 
beteiligt hätte. Wir finden ihn denn auch in den Kampf um die Grafschaft 
Hörn verwickelt. Hörn war ein Lehen der Grafen von Looz, und nach- 
dem diese Grafschaft unter Johann von Arkel an die Lütticher Kirche 
gekommen war, ein Lehen des Fürstbischofs von Lüttich. Philipp von 
^lontmorency, der letzte Lehensträger war 1568 ohne Erben gestorben, 
somit Hörn an den Lehensherrn zurückgefallen 1 . Reinard von Cercler 
behauptete später, er habe die Grafschaft Hörn gekauft und sei vom Kur- 
fürsten Ernst als Fürstbischof von Lüttich mit derselben belehnt worden. 
Er hatte auch Besitz ergriffen und die Huldigung der Unterthanen ent- 
gegengenommen. Das Lütticher Domkapitel verweigerte jedoch seine Zu- 
stimmung, es verband, sich mit den Herren von der Lipp, Heinrich von 
Rauschenberg, Herman Dieter und Graft von Mylendunck, man fiel in die 
Grafschaft ein, beraubte die Unterthanen, berannte, beschoss, erstieg das 
Schloss, bemächtigte sielt aller fahrenden Habe und der Briefschaften und 
setzte den Herrn von Rauschenberg als Verwalter ein. Fürstbischof Ernst 
vermittelte und Reinard erklärte sich zu einer Verhandlung bereit. Als 
er sich zu diesem Zwecke nach Hörn begeben wollte, Hess ihn Rauschen- 
berg „wider löblichen teutschen brauch" aufheben, hielt ihn eist sechs 
Monate auf dem Schlosse Hörn gefangen und brachte ihn dann nach Lüttich, 
wo er trotz mehrfachen kurfürstlichen Befehlen erst freigelassen wurde, 
nachdem er auf Hörn verzichtet und die Beamten und Unterthanen von 
ihrem Eide entbunden hatte. Cercler klagte darauf in Speier. 

Herman Dieters Frau Franziska hatte auch ihre grossen Fehler. Als 
einziges Töchterchen einer vornehmen und reichen Familie wohl verzärtelt 
und verzogen, mangelte es ihr nicht an Eigensinn und Unvernunft. Norman 
erhebt gegen sie Anklage wegen Uebertretung (Ungehorsam) und Verleum- 
dung. Die Klage ist begründet. Franziska war kränklich. Zur Wieder- 
herstellung ihrer Gesundheil hatte sie sieh in die Behandlung eines Arztes 
begeben, der nach Eerman ein Landläufer, ohne besondere Kenntnis und 
Frömmigkeit, vielmehr mich dem allgemeinen Geschrei und der Frau von 
Goer — Hermans Schwiegermutter eigenem Geständnis ein „Teufels- 



') Villenfagne, Rccherchea sur la ci-devanl prineipaute" de Liöge I. 3. 188 ff. 



— 10 — 

bruder" und öffentlicher Frauenseliänder war, der eine Juffrau von gutem 
Hause durch Schelmerei oder Teufelei verführt hatte, vor dessen Person 
und Arznei sich jedes ehrbare Weib mehr als vor der Pest hüten müsse. 
Von dem wollte sie nicht ablassen, obwohl Herman ihr freigestellt hatte, 
sich den Arzt von Aachen oder sonstwoher kommen zu lassen, wenn ihr 
die Lütticher Aerzte nicht genügten, und keine Kosten zu scheuen. Diese 
„Widersetzlichkeit" tadelt auch Kurfürst Ernst, sucht jedoch in der pflicht- 
mässigen Sorge um die Gesundheit eine Entschuldigung für dieselbe. Was 
das böse Gerede betrifft, so hatte Franziska allerdings geäussert, sie glaube 
mit ihrem Sohne Hans Graft vergiftet zu sein, wisse aber nicht durch 
wen. Nachher spitzte sich das Gerücht dahin zu, die Vergiftung sei mittelst 
eingemachter Nüsse geschehen, welche ihr Mann ihr nach Lüttich geschickt 
hatte. Dieter liess 1597 darüber ein Zeugenverhör aufnehmen. 

Allzu grosse Sorge um die Kinder scheinen beide Eltern nicht etragen 
zu haben. Hans Graft 1 schreibt 1597 „de nostre escholle" an seine Mutter 
nach Spa und bittet dringend um Antwort auf die vielen Briefe, die er 
schon an sie geschrieben. Er empfiehlt sich, seinen Lehrer und dessen 
Schwester Marie ihrem Wohlwollen. 

Der zweite Sohn Adolf besuchte die Schule des Rektor Brantius in 
Wesel und Avar demselben 59 Thaler und 6 Malter Roggen ä 4 Thaler 
schuldig geblieben. Von der ganzen Summe berechnete der Rektor Zinsen 
bis 1617. Als Brantius im hohen Alter keinen Lebensunterhalt hatte, wies 
ihm der Rat zu Wesel 213 Thaler 13 Stüber aus einer Summe an, welche 
ein Oheim des Adolf dort hinterlegt hatte, in der Hoffnung, dass Adolf 
dem Oheim das Geld dankbar erstatten werde. 

Franziska war 1605 gestorben, aber mit ihrem Tode hatte das häus- 
liche Elend sein Ende nicht erreicht. Hatte Herman Dieter gegen seine 
Frau und Schwiegermutter gefehlt, so musste er jetzt bitter durch seine 
Kinder büssen. 

Die Güter der Mutter vererbten sich auf die Kinder; Herman Dieter, 
der nach dem Tode seines Schwagers Herman bereits mit Pesch belehnt 
worden war, beanspruchte jedoch, wie es im Lande Lüttich von altersher 
üblich war. auch die Nutznicssung aller übrigen Besitzungen. Dagegen 
protestirte der älteste Sohn Plans Craft; er verlangte die Herrschaft Pesch 
und hetzte auch die Schwestern auf, dass sie den Vater verlassen sollten. 
Am 26. April L606 erwirkte er sogar von den Lütticher Raten des Kur- 
fürsten ein Edikt, wonach ihm, weil der Vater die Verwaltung schlecht 
führe, andere Vormünder in den Herren Graft von Mylendunck, von Bocholt, 
Propst zu Hildesheim, und Gerard von Horion zu Clemster gegeben wurden. 
Gegen dieses Dekret appellirte Herman Dieter nach Speier. 

Nicht weniger machten dem Vater die Töchter zu schaffen, besonders 
Maria, die ältere, welche das heftige und gewaltthätige Wesen des Vaters 



') Er nennt sich „Hansgraue". 



— 11 — 

mit dem Eigensinne der Mutter vereinigte. In einem eigenhändigen „Bericht 
und anzeig von der moetwilligen falschen und ungehorsamen Maria, die 
sich unwürdig von Mylendunck nennen lest", beklagl sich Herman Dieter 
ganz ergreifend über dieselbe. Maria hielt sich mit ihrer Zofe Eenrikasl 
in Viliar auf, „wo man weder Brücken aufziehen noch Tore bei Nacht 
schliessen" konnte und lebte dort „in unziemlicher freiheit und wildem 
regimente". Sie lockte ihre Schwester Walburg ebenfalls dorthin. Als 
diese sich aber mit dem ungebundenen Leben unzufrieden zeigte, behan- 
delte Maria sie auf das schlechteste, „gönnte ihr nicht mehr Essen und 
Trinken, weder das Licht der Kerze noch die Hitze des Feuers", trieb 
sie endlich gar aus dem Hause, sodass Walburg bei dem Rentmeister und 
Müller sich aufhalten musste, bis der Vater sie nach Goer abholen Hess. 
Zwischen den Schwestern war es zu bittern Reden gekommen; sie hatten 
sich so gottlose Dinge vorgeworfen, dass Herman Gott bittet, es möge 
alles nicht wahr sein, denn das blosse Andenken daran mache sein Herz 
trauern und verdorren. 

Eine alte Magd Mettel, welche zur Verpflegung der angeblich kranken 
Maria nach Viliar geschickt worden war, wurde ebenfalls misshandelt und 
mit dem Tode bedroht, bis sie nach Goer zurückkehrte. Das Verbot Her- 
man Dieters an den Rentmeister, die Halbwinner, Müller und Pächter, 
nicht das geringste an Maria zu liefern oder zu zahlen, brachte das 
Mädchen auch nicht zur Vernunft; sie trieb es nur toller und gewalt- 
tätiger. Knechten, welche der Vater geschickt, um Briefschaften von 
Viliar abzuholen, lauerte sie mit geladener Büchse auf, die Leute zu Viliar 
drangsalierte sie auf jegliche Art und machte sie „desparat". Sie verdarb 
das Holz und die Fischweier und schmälerte das Einkommen des Vaters, 
welches derselbe so nöthig hatte „um die leider so zahlreichen Gläubiger 
zu befriedigen". Ob Herman Dieter bei diesen Klagen auch wohl daran 
gedacht hat, dass er selbst durch sein unseliges Beispiel ein gut Teil 
Schuld an dieser schlimmen Entwicklung seines Kindes trug:-' 

Hans Traft, der älteste Sohn, war mit Margarethe von Joyeuse ver- 
heiratet. 1613 wurde ihm ein Sohn, Herman Claudius geboren; er selbst 
L616 zu Lüttich erschlagen. Der Hauptmörder entkam, wie Crafl von 
Mylendunck sagt, mit. Hülfe der Geistlichkeit; am 27. September sprach 
das Lütticher Schöffengericht einen von Sölre in dieser Angelegenheit frei, 
wogegen die Mylendunck Berufung einlegten. 

Von Adolf, dem zweiten Sohne, dem Präsidenten des Reichskammer- 
gerichts und seinen Beziehungen zu Schönau haben wir oben gesprochen. 

Nach einer Anmerkung in einer Mylenduncker Geschlechts tafel im 
Schönauer Archiv soll Herman Dietrich nach dem Tode seiner ersten Krau 
mit Anna von Hemmerich, einer Nonne aus dem Prämonstratenserkloster 
Kaisersbusch, zwei Kinder gezeugt und die Anna L618 vor dem l'rädi- 
kanten zu Süsteren geheiratet halten. Dieter war „reformirter oder cal- 
vinischer religion". 



— 12 — 

Im September 1 (319 schreibt Dieter an einen seiner Eentmeister: weil 
der Advokat monsieur de Richterich vorige Woche wegen des Kriegsvolks 
nicht habe nach Achen gehen können, werde er diese AVoche dorthin 
reisen. Man solle zn seiner Notdurft abschicken einen feisten Hammel, 12 
oder bei bedarf 24 schöne Karpfen, zwei schöne grosse Käse und des 
Herrn jährlichen Unterhalt. Richterich wird auch sonst als Mylendunkscher 
Advokat bezeichnet. Die Familie scheint um jene Zeit zwei Sachwalter in 
ihrem Solde gehabt zu haben. 

1620 war Herman Dieter in Huy gefangen und schwer krank. Seine 
Schwiegertochter de Joyeuse, selbst kaum von schwerer Krankheit genesen, 
schrieb ihm ins Gefängnis, sie wolle alles für ihn thuen, selbst auf kosten 
ihrer Gesundheit. Das ist doch wenigstens ein erfreulicher Zug in Dieters 
traurigen Familienverhältnissen. Aber Dieter starb am 19. November 1620 
im Kerker und wurde zu Fronenbroch begraben. 



Beilage II. 

Die Herren von Blanche-Landscron. 

Johann II von Blanche, Kapitän in kaiserlichen Diensten, starb 1644 
am 25. Dezember im Alter von 52 Jahren und wurde in Rees begraben. 
Seine Frau Anna von Hillensberg von Driesch lebte bis zum 4. Oktober 1664. 
Sie wurde 64 Jahre alt und fand ihre letzte Ruhestätte zu Friemersheim 
in der Grafschaft Moers. Ihre Kinder waren: 

1. Johann III, vermählt mit Anna Maria von Hirtz, genannt von der 
Landskron. 

2. Wilhelm, der Mann der Anna Maria Brauhoff. 

3. Maria, sie heiratete den Theodor von Hirtz. 

4. Gertrud, ehelichte einen Herrn von Streithagen (Wilhelm von Schaes- 
berg?). 

5. Rebekka, gestorben am 29. Juli 1667, dreissig Jahre alt. 

6. Margarethe, gestorben am 1. September 1668, im Alter von 28 Jahren. 

Johann III war ebenfalls Hauptmann und zwar „des löblichen Spanischen 
Regiments ihro römisch-kaiserlichen majestät". Der Grossvater seiner Frau, 
[sak von Hirtz, der am 1. September 1623 starb, hatte mit Anna von 
Schaesberg (gest. 1627. Oktober 20.) drei Söhne: Herman, Johann (gest. 
vor 1659) und Isak (gest. 1624, Oktober 26. im Alter von 24 1 /-. Jahren). 
Ausserdem fünf Töchter: Katharina, verheiratet mit Wilhelm von der Lewen 
zum Neuenhaus; Anna, vermählt mit Bernard von Randerath; Sibilla, gest. 
1646, Juli 7.; Christine und Maria, Als [sak von' Hirtz im Jahre 1600 
sein Testament machte, waren die drei letzteren noch unverheiratet; die 
beiden Söhne Johann und Isak starben ohne Leibeserben. 



- 13 - 

Herman heiratete Johanna von Eys, genannt Beusdal. die Witwe 
Wilhelms von Streithagen auf Ürsfeld, welche am 12. März 1600 starb 
und in der Kirche zu Rieht erich begraben wurde. Sie hatten zwei Kinder: 
Anna Maria und Theodor. Die Geschwister heirateten wiederum Geschwister: 
Anna Maria unsern Johann III, Theodor dessen Schwester Maria de Blanche, 
genannt Radelo (1648, Juni 4. zu Rees). Theodor starb bereits am 18. März 
1649, erst 24 Jahre alt, und wurde in Rommein beerdigt; seine Witwe 
gebar am 4. Juli einen Sohn, der Theodor Herman Johann hiess. 

Als Johann III ins Feld rücken sollte, übergab er seiner Schwieger- 
mutter den oben erwähnten Brief Karls V, worin sein Urgrossvater Stefan 
Ritter genannt wird, zur sichern Aufbewahrung; sie sollte denselben ihm 
oder seinem Bruder Wilhelm auf Verlangen jederzeit aushändigen. Johanns 
Frau „Vorhabens mit ihrem eheherrn in kriegsdiensten mit/uverreisen", 
machte am 12. Juli 1659 vor Schultheiss und Schöffen zu Cornelimünster 
ihr Testament. Wenn sie ohne Kinder stirbt, soll ihr Mann 4000 Reichs- 
thaler haben „aus deine von ihrem herren Ohmen sei. Junker von der Lands- 
kron zu Biessen ihr vortestamentirten im land von Falkenberg und Übach 
gelegenen sterbfall", ferner 2000 Thaler „auf die im land von Limburg 
gelegenen und von ihrem vater herkomene erbguiter". Wenn jedoch Blanche 
eine zweite Ehe mit einer unadeligen Person eingehe, solle ihm nur die 
lebenslängliche Nutzniessung zustehen. Der Juffer Antonetta de Blanche ver- 
machte sie 1000 Reichsthaler, dem Küchenmeister von Crümmel die Zinsen 
von 1000 Thaler „vor ein par hentschen", den Rest ihrer Schwägerin, 
Witwe von der Landskron, und deren Sohn Hans Herman, wenn er, der 
damals 10 Jahre alt war, „mit consent, gutfinden und bewilligung der 
mutter und der übrigen verwanten" heiratet. Sterben Mutter und Sohn 
ohne Erben, so fällt deren Erbschaft „ihro hochwürden herrn prälaten . . . - 1 
herren broderen" zur freien Verfügung anheim. Die Kinder der Mohn 
Katharina, der Mohn von Randerath, der Mohn Christine Löwens, des 
Wilhelm von Schaesberg zu Streithagen erhalten je 25 Gulden; auf dem 
Gute Biessen soll jährlich den Armen ein Malter Korn gespendet werden. 

Dieses Testamenl ist nicht zur Ausführung gelangt, denn die Testatris 
überlebte ihren Mann und wohl noch manchen der von ihr bedachten. 
Wegen der Erbschaft des Johann von Hirt/ kam es zum Prozesse /.wischen 
Johann von Blanche und dessen Schwester Maria als Vertreterin ihres 
Sohnes Hans Herman. 

1764 nahm Blanche vom Grafen von l'.erg 2000 Pattakons auf, wofür er 
seinen adeligen Hol' Biesen im Amte Milien Landes Jülich, sowie seinen 
adeligen Hof Klein-Breidenrot im Lande Palkenberg Herrlichkeil Schinnen 
/um Unterpfande stellte. Beide Güter -«■hurten, wie wir gleich sehen 
werden, zum Besitze der Landskron. Das Recht der Eheleute Blanche 
auf dieselben war damals noch nicht unbestritten, «leim iWv Graf begnügte 



J ) Die Stelle ist im Original zerfressen. Gemeinl isi jedenfalls der Bruder der Tes- 
tirenden, Abt Isak vou Hirtz zu Cornelimünster. 



— 14 — 

sich nicht mit dieser Sicherheit für sein Darlehen; Andreas von Hillens- 
berg, der Oheim Johanns, musste mit seinem Hofe Winterberg' in der Bank 
Milien als Bürge eintreten. Dass die Blanche im thatsächlichen Besitze 
waren, geht auch aus dem Umstände hervor, dass Johann im folgenden 
Jahre die Zinsen eines Kapitals von 200 Thaler von Biesen aus an Nikolaus 
\ Hetz in Düren zahlt. 

Der Zweifel, ob die Blanche Biesen rechtmässig besassen, entsprang 
aus dem Testamente des Grossvaters der Anna Maria. Tsak von Hirtz 
hatte nämlich seinen Töchtern nur eine Aussteuer in Geld gegeben, sämt- 
liche Liegenschaften den Söhnen zugewendet und letztere verpflichtet, den 
drei damals (1000) noch unverehelichten Schwestern bei einer standes- 
gemässen Heirat soviel auszuzahlen, wie ei seinen beiden zu jener Zeit 
bereits in den Ehestand getretenen Töchtern zugewiesen hatte. Heirateten 
sie aber gegen „ihren adelichen stamm und herkomen", so sollten sie nur 
3000 Gulden ä 20 Stüber brab. erhalten. 1669 lebten von der ganzen 
Nachkommenschaft Isaks nur noch Herman, dessen Tochter Anna Maria 
und der Enkel Hans Herman Dieterich. Es fragte sich nun: ist der Enkel 
Hermans der alleinige Erbe der liegenden Güter oder hat Anna Maria 
auch ihren Anteil daran? Die Juristenfakuitäten zu Köln und Duisburg 
entschieden 1669 gegen das Erbrecht der Tochter, sie müsse sich mit dem 
ausgesetzten Heiratsgute begnügen, denn Isak habe durch das Testament 
eine Erbfolgeordnung in seiner Familie eingesetzt, was den ritterbürtigen 
jülichschen Geschlechtern nach cap. 93 der dortigen Landordnung zustehe. 
Die Gerichte scheinen anderer Ansicht gewesen zu sein. 1664 gewann 
Juliann vor dem souveränen Rate von Brabant ein Provisionaldekret aus, 
wodurch er „bj^ provisie is geadmitteert totte possessie en gebruyck van 
die hellicht der goederen ten processe geruirt". Infolge dessen wurde 
am 5. Februar 1665 zwischen ihm und seiner Schwester folgender vor- 
läufige Vergleich geschlossen. 1. Das Haus und Gut von Weimbs 1 mit 
seinem Zubehör wird zur Hälfte geteilt, ein Landmesser macht zwei gleiche 
Teile daraus, die Parteien ziehen das Los darüber und jede mag ihre 
Hälfte nach Belieben selbst bauen oder verpachten; Renten und andere 
Lasten tragen beide zur Hälfte. 2. Gut und Mühle zu Astenet, der Pacht 
zu Bombay, in der Gereonstrasse, die Rente von 100 Philippsthaler, der 
Pachthof von Klein -Breedenraed werden in den Einkünften zur Hälfte 
geteilt, die Lasten zur Hälfte getragen. Der Vertrag gilt aber nur per 
provisie, ohne Präjudiz gegen den noch schwebenden Rechtsstreit. Das 
Original trägt die Unterschriften: Maria de Blanche, Witwe von Lands- 
kron, Frau zu Weimbs. Jolian de Blaus zu Biessen. Adolf von Hillens- 
berg, Herr zu Schoenhoven und zu Warden. Andries von Hillensberg, Herr 
zu Ürsfeld als . . . ( »Innen der Parteien. 

Auch im Besitze von Biesen erhielt sich Johann. Am 28. November 



') In der Pfarre Ketteiiis bei Eupen. 



— 15 — 

empfing - er vor dem Lehnhofe Milien die Belehnung mit dem adeligen Hause 
zum Biesen, dem Hofe Sevenaken nebst der grossen Gransweide und dem 
Hofe hinter der Kirche. 

Die Höfe Biesen, Weimbs und Bredenrode bildeten den bedeutenderen 
Teil der Heirätsgüter Isaks von Hirtz und Annas von Schaesberg.. her 
Heiratsvertrag dieser beiden, datirt Ubich den 26. Juni 1576, enthält 
folgende Bestimmungen : Der Bräutigam, Sohn der Witwe Landskron Elisa- 
beth (Catharina) geb. von Kleingedank genannt Mommersloch, nimmt Anna 
von Schaesberg zu Streithagen, Tochter Wilhelms, dessen Schwiegermutter 
Catharina von Panhaus, Witwe des Junkers Peter Spee noch lebt, zur 
Ehe. Die Mutter gibt dem Isak'eine Jahrrente von 300 Thaler, das Haus 
Weimbs im Lande von Limburg gelegen, welches sie noch von allen Lasten 
befreien und dessen „widerteilung" sie einkaufen wird, ausserdem Betten, 
Pullen und Hausrat zur Notdurft. Als Sicherheit für die Rente von 300 
Thaler erhält der Bräutigam Rentbriefe, welche er so lange behalten darr. 
bis die Mutter dieselben mit einem Kapital von 6000 Thaler einlöst, näm- 
lich einen Erbrentbrief gegen den Pfalzgraf bei Rhein, lautend auf 200 
Goldgulden jährlicher Pension von 4000 Goldgulden, und einen gegen den 
Erzbischof von Trier, lautend auf 50 Goldgulden jährlicher Pension von 
1000 Goldgulden. Nach der Mutter Tode ist der Bräutigam einziger Erbe. 

Die Braut erhält neben „gebürlicher junferlicher kleidung, ketten und 
zierrat, wie iren adelichen stand geptiret", so lange die Grossmutter Lebl 
jährlich 100 Thaler. Stirbt letztere, so soll die Braut haben die beiden 
Höfe Biesen und Astenet mit den Mühlen, Renten. Zinsen, Gefällen und 
Einkünften; den Pacht zu Baisbeck, nämlich 26 Miid Spelz, 25 Kapaune 
und das Pfenningsgeld; den Pacht zu Hoengen; den Zehnten zu Yacht ' 
und 2^2 Malter Korn auf Hammersteins Zehnten daselbst, alles frei und 
ledig mit Ausnahme von vier Paar Korn-, die der Hof zu Biesen unten- 
gilt. Erhält sie diese Güter nicht, so darf sie sich an allen väterlichen 
und mütterlichen Erbgütern schadlos halten; tritt sie in den Besitz, so 
sind die 100 Thaler Pension getötet und die Braut hat keinerlei Ansprüche 
an ihren Bruder Michael. Als Zeugen unterschrieben auf Seiten des Bräu- 
tigams: Caspar von Kleingedank genant .Mommersloch, Johan Gülicher zu 
Eylen, Balduin von Bergh, genant Duiffendal; auf Seilen der Braut: ihr 
Vater Wilhelm von Schaesberg, Junker Eberhard und Friedrich Rhoe, 
Junker Diederich von Streithagen, Junker Heinrich von Zeuel. 

Johann von Blanche stellte am 6. August 1676 im Lager vor Mastricht 
für den Dr. iuris Tobias Wittich eine Vollmacht aus, wodurch er den- 
selben zu seinem Sachwalter in seinen manchfaehen Angelegenheiten und 
Prozessen, besouders gegen den Hofrat Haack ernannte. Wie lange Johann 
noch nachher gelebt hat, findet sich nicht angegeben. 1684 war er tot. 



») Wald feucht. 

2 ) Ein Paar = ein Malter Roggen und ein Malter Weizen. 



— 16 — 

In diesem Jahre erklärte seine Witwe vor Notar und Zeugen, dass sie 
mit ihrem Schönbruder Andreas vpn Hillensberg-, Herrn zu Ürsfeld, dem 
Manne ihrer Stiefschwester Angela von Streithagen, einen Scheinvertrag 
gemacht, als habe er ihr 7000 — 8000 Thaler gegeben. Aus Furcht, es 
möge daraus Irrsal und Nachteil für die Verwandten entstehen, erklärt sie 
den x\kt für null und nichtig. Auch „contradieirt, dissolvirt und vernichtet" 
sie einige cartes Manches, die sie ihren Verwandten ausgestellt hatte. 

Nach einer Erklärung, welche Anna von Hillensberg, die Witwe 
Johanns II von Blanche, Mutter Johanns III und der Maria Hirtz am 
2. Mai 1664 vor Notar Belven und Zeugen in Baelen ausgestellt hat, war 
es damals mit dem Vermögen der Landskron schlecht bestellt. Junker 
Herman hatte seiner Schwiegertochter schriftlich und mündlich vorgerückt, 
sie habe keinen Stüber von ihrem Erbteile erhalten. Das weist die Mutter 
entschieden zurück. Wenn sie (Anna) „an wylen x haere schoensoone en haere 
oudste dochter egeine penningen en hadde gegeven en voorgestreckt, soude 
sy (die Tochter) by aventueren hebbe^i nioten den beddelsack an die band 
nemmen". Das Geld der Maria sei dazu verwendet worden, die Güter der 
Landskron in Ordnung zu bringen, die so corrumpirt, ruinirt, verwüstet 
und verschuldet waren, dass sie hätten vergehen müssen; ja wenn sie — 
die Mutter — ihre Tochter nicht so kräftig und stetig unterstützt hätte, 
würden alle, die den Namen Landskron tragen, keine Ruthe Erbe mehr 
besitzen. Das sei landkundig wie auch ihre Bemühungen, die Güter des 
Hauses Weimbs wieder zusammenzubringen. Auch könne sie sich nicht 
genug über ihren Sohn, den Kapitän de Blanche wundern, der die Be- 
sitzungen an Fremde zu bringen und seine Schwester mit ihrem unmündigen 
Kinde zu vertreiben und zu verjagen suche. Sie werde derselben aber bei- 
stehen, so lange Gott ihr das Leben gönne und zwar um des unmündigen 
Kindes willen, das seinen Vater nicht gekannt habe, und weil der Knabe 
(Hans Herman) der letzte des Namens Landskron sei. (SoMuss folgt.) 

') weiland. 

Verlag der Cremerollen Buchhandlung in Aachen, kleinniarschierstr. o. 

Die Aachener Geschichtsforschung. 

Entgegnung auf die „Kritische Studie" des Herrn Dr. Lulves 

über 

„Die gegenwärtigen Geschichtsbestrebungen in Aachen". 

Mit Unterstützung Aachener Geschichtsfreunde herausgegeben von Dr. C. Wacker. 

96 S. gr. 8°. Preis JL L.80. 

Leben iiml Werke des Aachener Geschichtsschreibers Christian Quix. 

Vn Dr. C. W ACKER. 

74 S. gr. 8°. Preis JL 1.20. 



Druck von Hermann Kaatzer in Aachen. 



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@rze 




Jährlich 8 Nummern 

ä 1 Bogen Royal < »ktav, 

Preis des Jahrgangs 

4 Mark. 




Kommissions -Verlag 

der 

< Iremer'schen Buchhandlung 
(C. Cazin) 

in Aachen. 






Mitteilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit. 

Im Auftrage des Vereins herausgegeben von H. Schnock. 



Nr. 2. 



Zehnter Jahrgang. 



1897. 



Inhalt: H. J. Gross, Schönau (Schluss). - W. Brüning, Zum Rasfcatter Gesandtenmord. - 
F. Schollen, Ein „Gemeiner Bescheidt" des Aachener Schöffenstuhls. - Kleinere Mit- 
teilungen: 1. Aus dem Aachener Stadtarchiv. - 2. Eine alte Aachener Geleitstafel. 



Schönau. 

Von H. J. Gross. (Seh Ins-.) 

Das Gut Weimbs, von dem mehrfach die Rede war, musste vor der 
Mannkammer der Aachener Propstei erhoben werden. Vizedom ' und Lehen- 
leute hatten den Bürgermeister der Stadt Aachen, Josef Bertram von 
Wylre, zu gunsten dessen eine Hypothek auf dorn Gute lastete, „bis zu 
dessen völliger satisfactie" nach den Gebräuchen der Mannkammer „met 
porten, schall ende holtbranden ende aridere solemniteiten dartoe noodigh" 
in den Besitz von Weimbs gesetzt. Mafia von Hirtz erschien am 12. De- 
zember 1007 vor dem Lehenhofe und erklärte, sie habe ihrerseits den 
Herrn von Wylre befriedigt und verlange deshalb in den Besitz ihres 
Anteils gesetzt zu werden. Auf die Bemerkung des Vizedom, von Wylre 
beabsichtige Weimbs zu verkaufen, erwiderte Maria, das möge sie wohl 
leiden, sie werde dann das Gut an sich bringen. 

Noch Liegt eine Urkunde über einen Verkauf vor. den .Maria als Vor- 
münderin ihres Sohnes in Gegenwarl des isak von Landskron, Abi von 
Cornelimünster, als Ohm von väterlicher, und des Christof von Hillensberg 
als Vetter von mütterlicher Seite abschloss. Sic überliess ..'las vom Vater, 
Grossvater und Grossmutter auch herrn Ohmen Johan Hirtz von der Lands- 



') Der Stellvertreter des Propstes. 



— 18 — 

krön gebürendes Müllengeteil" für 700 Tlniler und 50 Thaler Verzichts- 
pfennig an Franz Brassert und den Aachener Bürgermeister Johann Wilhelm 
von Siegen. 

Gertrud, die andere Tochter Johanns II von Blanche, hatte einen 
Herrn von Streithagen geheiratet. Sie starb zu Welten im Jahre 1693. 
Ihre Güter fielen an ihren Schwiegersohn Lamolye, der in französischen 
Diensten stand. Am 3. März genannten Jahres forderte der Hoogh Officier 
van Outshom zu Falkenburg den Schöffen der Bank von Heerlen, Boger- 
mans, auf, alle in dieser Bank gelegenen Güter des Lamolye mit Beschlag 
zu belegen, da „volgens placaet van haer Hoogh Mogenden" die Besitzungen 
der in französischen Diensten stehenden einzuziehen seien. 



Beilage III. 

Bruchstück eines Inventars vom Hause Goer. 

Dasselbe stammt wahrscheinlich aus dem Eude des 16. Jahrhunderts. Die mit 
Punkten bezeichneten Stellen sind in der Vorlage zerstört. 

„Auf heut dato den 9. ju . . . tegenwordichen meiner openbaren not . . . is das haus 
Ghoir belangende die mo . . . guderen gevisitirt und inventrisirt in folgenden manieren. 
In dem ersten op die kramkamer ein lerikant mit ein vollbett mit alden gronen siden 
gardinen und rabatten onden und boven, darby twe bedden, twe pulven, vier plumkussen J 
mit sardoik 2 overtogen, einspanse 3 decken, ein beddekleid van tirtey 4 , twe groen decken, 
ein aide van ingels 5 doek, ein siechte. Noch ein groen kleid vur het bedde to spreien 6 . 
Ein groen kleid op't trisor, ein groin kleid op ein tafel, sess küssen ten beiden syden van 
groenen doek, dry sluitende (?) stoel mit groen doek bekleid. Ein trisor mit ein taferei. 
Ein tafel gruen geverft. Ein korfstoel. Twe aide lang kisten. Twe koperen brantroisten, 
einer gebrochen; ein schup, ein fang, ein afgesetten blasbalk. 

Op die salkamer. Ein lerikant mit ein vollbed mit vranien netwerk 7 "behängen 
und mit rabatten onden und boven, mit saieu gardinen half geschlossen. Twe bedde, twe 
pulven, dry sardoekskusseu, ein spanscke decken van den motten durchfreden, dry roede 
sarzen, ein nuwe. Eiu aide blau syen decken mit witteu loufwerk, twe groin kleiden, ein 
op't büffet, dal ander op die tafel. Ein alden kleiderkast, twe brantroesten, einer gebrochen, 
ein taug, ein schup, ein blasbalk, ein holtern stoel onbekleid. 

Op die drie bedde kamer. Ein jeden lerikant mit ein vollbett, mit wit uetwerk 
und rabatten onden und boven, mit alden Witten linen gardinen, twe bedden, twe pulven, 
dry küssen mit sardoek overtogen und ein küssen mit ein driltiek, ein bedkleid van tirtey, 
ein spanscke decken mit groenen stripen 8 , ein büffet, ein tafel mit ein groen kleid, twe 
koperen brantroesten, ein tang ein schup, ein heiteren onbekleiden stoel. 

Op't garderobe. Ein liedekant 9 mit siechten linen behangsei, dat rabat mit 
stripen overwirkt, twe küssen van driltieken, dal bed hoerl Lisken "'; ein rode decken mit 
groenen stripen, ein tafel mit ein groen decken. Ein heimelike stoel. . . . 

Die kueken kam er . . . liedekant mit einen bed und twe witte sarzen, ein mit 
grauen stripen . . . bed mit ein klein betgen, ein tafelken, twe yseren brantroisten, ein 
schup, ein tang. 



^Federkissen. 2 j Sari uch. 8 ) spanisch. *) grobes Tuch. " englisch. *) ausbreiten. ") Posamentir- 
arheit. 9 ) Streifen. " Da L< Lerikanl Bettstatt. I0 ) Elise. 



— 19 — 

Op den thoeren kameren 1 . Ein liedekant mit ein vollbed, ein bed, ein hoift- 
pulven, tvve kussens mit doek overtogen, ein aide bankwerksdecken. Ein witte gestripte 
kolt mit wollen gevoirt 2 , ein büffet, ein tafelken, twe aide rode seel . . ., twe ysere 
brantroisten, ein blasbalk. 

In den st^oeven. Ein uittreckende tafel 3 mit ein alt groen kleid. Ein klein 
scbinktafelken, twe yseren brantroisten, ein schup, ein fang. Ein koperen vysell mit ein 
yseren stoeter 4 . 

In den sael. Einen kleiderkast. Ein büffet, twe uittreckende tafeln. Einen 
kleiderkast, darin bevonden twe groen tafelkleider mit twe groen dagelix kleider op die 
tafelen, das ein verschlissen, das andere ziemlich goet, ein groen kleid op't büffet. Ein 
ganz groen doek, VI neuer kuesbladen und ein stuck um einen stoel to bekleiden, twe 
aide groen seien bebangsel um einen schorstein 5 . Ein leder koler mit fluwel 6 besät, ein 
wit gestript kennifas 7 wambis 8 , ein par witte hoesen mit etzlichen alden verschlissen 
wambissen und overtuich tot haesen. Noch ein swarte decken, ein tafel kleid swarl und 
ein swart tresor kleid, ein alt ysern, dair man kolen in staekt 9 , twe kopern brantroisten, 
twe tangen, ein schup. Einen stoel mit linen bekleit. Ein dosyn 10 scabellen 11 . 

In die groete kamer. Ein liedekant mit ein vollbed mit alden syen behangsei, 
half roid half gel 12 die gardinen desglichen, twe bedden, twe pulven, twe plumkussen mit 
sardoek overtogen, ein roiden nuwen decken und ein rede decken mit groenen stripen, 
noch ein witte versseten, ein trisor, ein tafel mit ein roid kleid. Ein groet rontspiegel, 
twe brantroister. 

Die stoefkamer. Ein ledekant mit einem vollbed mit alden swarten linen behengsel 
und swarten gardinen. Twe bedde goet van vederen aver die tieken 13 nit to goet, noch 
twe hoiftpulven, ein aide spanische decken, blau sarz, twe küssen mit sardock overtogen. 

In't kamerken beneben die stoefkamer. Ein tafeigen mit ein bufetgen. . . . 

In die thoerkamer . . . mit eiu vollbed mit groenen cn ... dinen" und mit net- 
werk behangen alt und versleten, twe bedden und twe pulven, einen mit einen linen tiek, 
twe knssen tesamen niet van den besten, und ein küssen op'1 vollbed. Ein roide sarz 
op't bed, ouch ein roid op't vollbed. Ein trisser mit ein tafelken. Ein korfstoel, twe 
yseren brantroister, ein tang. 

Die kamer boven die stoef. Ein ledikant mit ein vollbed. Twe bedden niet 
van den besten mit einem pulven, noch ein geplayde |: ' heutzpulve, twe küssen, ein bank- 
werk und ein roide decken, beide versleten und gaterich. Ein boeffet mit twe aide sitten. 
Ein overhcmelt tresorken. 

Op des keisers kamer. Ein klein bed mit ein sardoex knssen mit ein kale 
gruen decken. Ein klein tafelken, twe ysere brantroister. 

Op de mechd 16 kamer. Ein bedstat mit ein vollbed. Ein sardoeks bed mit 
noch ein driltiekenbed mit einem pulve. Nocli twe klein linen bedgens um in tumel- 
kisten 17 to legen. 

Op des smieds kamer. Ein bedstat mit ein bed mit wenich federen, ein boift- 
pulve mit vloicken 18 mit ein aide witte sarz mit roiden stripen. 

Op de capelle kamer. Ein Ledekentgen mit ein vollbed. Ein klein bed, ein 
pulve, ein küssen mit ein roide dünne sarz. Ein tafelken mit twe schrägen. 

Thenenwerk 19 die kueken angaende. V aide groetsten schottelen mit die 
mylendoncse wapen, 12 naest die groetste schottelen, beteikcnl mit dieselfste wapen, 10 
schottelen ein wenig kleiner, beteikent mit denselfsten wapen, van denwelken vier af 
geloufen syn; sess schottelen wat kleiner, beteikend als boven, darvan twe afgeloupen, 



•) Thuxmkaminer. ?) gefüttert. 3 ) Ausziehtisch. •) kupferne] Mörser mit eisernem Sti 
s ) Kamin. ''•) Sammt. ', ein graues besseres Leinen. s Wams. P| steckt oder stocht? "' Dui Bnd 
") Schemel, Fussuank? '"■ gelb. IS i berzug. " wobl: mit grünen and rotlien Gardinen ' 

'•) kfägdekam \ 17 > Grosse Kisten, <li" am Tage als Bänke, in der Nacht als Betten benutzl wurd 

l8 j Wollabialle, Flocken. '*) Zinngeräte. 



— 20 — 

die anderen vier dum versleten, 9 schottelen wat kleiner 1 , van den weilken drie afgeloupen, 
en die anderen duen gesleten. 10 groite banketschottelen J darvan ein afgeloupen, 9 banket 
sehottelen ein wenig kleiner 1 , 7 banketschottelen ein wenig kleiner als die vurgenanten x , 
noch 6 banket sehottelen derselver groeten 2 ; noch 2 klein banket sehottelen sonder wapen. 
Drie groetc mostarzschottelen 3 , eilf mostarzschottelen 3 ; noch 4 niostarzschottelen 2 ; twelf 
goede telluiren \ 16 telluiren \ 18 telluiren niet geteikent, darvan ein afgelopen en die 
anderen duen. Noch 14 telluiren 3 , geheel 4 versleten. 6 oirkompkeus 3 , darvan drie afge- 
loupen. Noch 5 oirkompkens niet van den beisten, somniige mit den brederodse, ouch mit 
onbekante wapenen geteikent sommige niet geteikent. 

Theinewerk 5 angaende die kameren en botteleie. Sess lampetten mit 
beckens, onder welken drie ganz goet syn, ende die anderen zementlich, daronder twe 
geteikent. Ein wynpypken geteikent mit inylendoncse en brederodse wapen. Drie half 
pypkannen, vae den weilken ein geteikent. Twe siechte wynkannen, geteikent mit die 
mylendonese wapen. Ein siechte halfkan mit die brederodse wapen. Ein halfkan mit 
ruiten. Ein groite bierkruick, sonder derselven ein mit noch ein, die kleiner ist. Dry 
bierpotten sonders derselven vur die dinars, die twe afgeloupen. . . . saltvater, 3 gebrokenen 
saltvater. Eine mostarzpot, vier groiter pispotten, eilf klein pispotten, daronder twe, die 
nit doegeu, 13 koperen lenchters groet und klein, under weilke vier nit en doegen. Ein 
koperen kuelvat 6 gaterich. Twe koperen kafhoekens. Twe koperen lampetten mit beckens. 

Belaugend die kueken en't kuekuis 7 . V groite ketelen, daronder einen goet, 
4 kleinen ketelen gelayt und gaterich. Einen goeden schinkenketel. Einen doirslach 
versleten, twe koperen degels 8 ondugend 9 . Twe versleten bratpanen. Twe bratspiefen. 
Einen appelroester. Einen hangenden roester mit twe anderen gebroken ruesters. Twe 
brantisers, twe brantroesters. Ein taug, twequaede 10 pauuen, twe kuwe ketels u , dereine 
goet, der andere ondugend. Ein beiketelken. Einen drivoet. 

Angaende den linenw . . . 12 Dagelix linenwerk tot den huis . . . twe par 
slaplaken van twe bauen breit, flassendoek duen versleten. Noch twe par ein wenig fyner 
niet so breit, ouch versleten, wilche twe pair in die beiste cedel geschreven syn. Noch 
drie par van dessen doek und twe doex breide, semelich duen. Noch ein par van sulker 
breideu gaterich 13 . Noch 10 par van finen dessen doek gestülpte slaplaken zemtlich goet. 
Noch 4 1 /» par van bastarts doek gestülpt redelik goet. Noch 2 ! / 2 P^r nuwe van bastarts 
doek ouch gestülpt. Noch teendehalf par dessen doek geheel gesleten und ouch mit 
gaterich. Noch 4 par kloeten van bastarts doek gesleten und ouch mit gaterich. 7 
breide oirkussen tieken van dessen doek, onder die welken drie gaterich, die anderen guet. 
Noch eilf geseumte kleine oirkussen tieken van smalen doek ganz und goet. Noch drie 
oirkussen tieken duen und boven getent. Noch twe oirkussen tieken van dessen doek 
geheel gesleten. 

Tafelwerk. Ein lanc tafellaken gebilt mit den stael H van den rosenkranz ganz 
und goet, welches in die beiste cedel geschreven ist. Noch ein . . . laken van deusclven 
stael und grauer 15 . Noch ein wat 16 korter und geheel gesleten, ouch mit den stael van 
den rosenkranz gebilt. Noch drie tafellaken ein blaut korter duen gesleten, ouch mit den 
stael van den rosenkranz. Noch twe tafellaken breider und kurier duen — mit demselben 
Muster — . Noch twe goede tafellaken mit den stael van dobbel venetsch. Noch vier 
tafellaken wat grauer aver semtlich goet, gebilt mit den stael van den stricken mit dem 
kraus darum. Noch 4 gesleten und lockerige dagelixstr tafellaken mit den stael van 
paveien 17 , noch drie desgelichen van dobbel venetien. Noch V trisorlaken van verschiedenen 



l ) Zusatz: beteikenl mit die Mylendonese and Brederodse wapen. "• Zusatz: beteikeni mit die 
Brederodse wapen. ; 'i Zusatz: geteiken.1 mit die mylendonese wapen. *) gänzlich. 6 ) Zinngeräte. 
«) Küldfass. ~i Kuhstall. 8 ) Tiegel. ») untauglich. "' schlecht. Das ohen gebrauchte Worl „sieht" 
ist; in der alten Bedeutung von schlicht, einfach zu fassen. ") Kuhkessel. '-"; Leinenzeug. ,s ) durch- 
löchert. 14 i Muster. >'■; gröber. ,6 ) etwas. I7 ,i Pavia, vielleiehi (im i im-, leihm;; i|i ■!■ iM'i'ühmten Schlacht 
zwischen Karl V. and Franz I. 



— 21 — 

staelgen, dat ein korter als das andere, auch versleten und loekerieb. Bin dosin 1 servetten 
mit drie schietdwelen a mit den stael van stricken, tamelik guet. Vorl X serveten kortei 
und duen gesleten, geweven mit den stael van dobbel venetsch. Noch drie dosinen ser- 
veten sementlich goet, het stael van stricken, welke Etgen van Fronenbroick mitgebracht 
. . . grover werken slaplaken vor het gesin 3 sementlich goet. . . . Desgelichen aver sehr 
geslcten ... 4 par grover kloet. Dar sin noch geheel versleten tafellaken und ouch 
versleten linwat, wilches hier nit bygesat aver um der verwarnessen willen pro 
memoriali angeteikent. 

Van den somerkameren. . . ." (Ende des Bruchstück 

Ende. 



Zum Rastatter G-esandtenmord. 

Von W. Briin ing. 

Obwohl man Ende des vorigen Jahrhunderts durch die französische 
Revolution an Blutthaten gewöhnt war, so hat doch die Ermordung zweier 
französischen Gesandten nach Auflösung des Kongresses in Rastatt (1799) 
unmittelbar vor den Thoren dieser Stadt in den weitesten Kreisen Ent- 
setzen und Aufsehen erregt. Die völkerrechtliche Bedeutung dieses Ereig- 
nisses und das über ihm schwebende Geheimnis lassen auch heute noch 
nicht die Forschung zur Ruhe kommen, und die Streitfrage, wem die Schuld 
an dem Morde zugewiesen werden muss, entfacht den Kampf der Meinungen 
immer von neuem. Sie hat besonders in den lezten Jahrzenten zu viel- 
fachen Erörterungen und seltsamen Kombinationen Anlass« gegeben. 

Der AViener Historiker J. A. Freiherr von Helfert versuchte, die 
österreichische Regierung sowie die kaiserliche Armee von jeder Mitschuld 
rfin dem Attentat des 28. April 1799 zu reinigen und die Urheberschaft 
auf französische Schultern zu schieben. (Der Rastadter Gesandtenmord. 
Wien 1874.) Er fand in Sybel einen entschiedenen Gegner. (Historische 
Zeitschrift, Bd. 32, S. 298 ff.) Nach einer andern, wenig beachteten, 
Hypothese soll die That ein Racheakt der Königin Karoline Marie von 
Sizilien sein. Als völlig haltlos wird allgemein die von Professor Böhtlingk 
in Karlsruhe mit ebenso grosser Ausdauer wie Heftigkeit verfocht» 
Behauptung bezeichnet, dass Bonaparte das Verbrechen angestiftel habe. 

Die Untersuchungen haben nunmehr durch II. Hüffer einen gewissen 
Abschluss gefunden. Nachdem er bereits 1878 und IST'.) in dem umfang- 
reichen Werk: „Der rastatter Kongress und die zweite Koalition" das 
Geheimnis etwas entschleiert hatte, ist er in seiner kürzlich veröffentlichten 
kleinen Schrift: „Der ßastatter Gesandtenmord mit bisher ungedruckten 
Archivalien etc." nach den beiden bei dem Ereignis in Betracht kommenden 
Richtungen zu sicherern Ergebnissen gelangt. 

Französische Diplomaten hatten wahrend der Kongressverhandlungen 



») Dutzend. 2 ) twele = Handtuch. 3 ) öesü 



— 22 — 

an süddeutschen Höfen eine aufreizende und an Spionage grenzende Thätig- 
keit ausgeübt. Das Offizierkorps im Heere des Erzherzogs Karl, das in 
der Nähe von Rastatt stand, war deshalb aufs heftigste gegen sie erbittert. 
Noch bevor die Kongressgesandten, in deren Händen die Fäden der ver- 
schiedenen Kundschafter zusammenliefen, Rastatt verliessen, war der Krieg 
zwischen Österreich und der Republik wieder ausgebrochen. Im öster- 
reichischen Heere erkannte man deshalb Rastatt nicht mehr als neutralen 
Ort an. Während einer Krankheit des Erzherzogs Karl schrieb sein Quartier- 
meister, General Schmidt, an den Führer der Vorhut einen nicht amt- 
lichen Brief, aus dem dieser den Wunsch herauslesen musste, die fran- 
zösischen Gesandten bei ihrer Abreise aus Rastatt anzuhalten und ihre 
Papiere in Beschlag zu nehmen, um darin die Beweise für unerlaubtes 
Spionieren zu suchen. Übereifrige Offiziere legten den Wunsch des 
Generals als Befehl aus, ihr Hass gegen die Franzosen verschärfte ihr 
Vorgehen, und ihre Leute, Szeklerhusaren, wandelten die Beschlagnahme 
des '"gesandtschaftlichen Archives in eine Ermordung der Gesandten um. 
Bonnier und Roberjeot blieben auf der Stelle tot, der dritte, Debry, entkam, 
obwohl schwer verletzt, wie durch ein Wunder. 

Es ist sehr wahrscheinlich, dass bei der Urheberschaft und Ausübung 
des Mordes noch andere Elemente thätig gewesen sind. Der nächste Ver- 
dacht richtet sich gegen die Emigranten, die damals in grosser Anzahl in 
den Ortschaften bei Rastatt sassen und durch ihr Wesen allgemeinen Anstoss 
erregten. Von blinder Rachsucht gegen die französische Regierung erfüllt 
und mehr oder weniger über alle sittlichen Bedenken hinaus, waren sie zu 
allem fähig. So hatte noch im Jahre 1798 einer von ihnen, der General 
Danican, in einer berüchtigten Flugschrift „Cassandra" zum Morde der 
französischen Direktoren aufgefordert. Sie nahmen jede Gelegenheit wahr, 
die österreichischen Offiziere und Soldaten gegen die „Königsmörder" auf- 
zureizen, und an Mitteln, durch Bestechung gefügige Werkzeuge sich zu 
verschaffen, fehlte es ihnen nicht. Sie konnten sich österreichische Uniformen 
verschaffen, ja sie waren sogar berechtigt, solche zu tragen, denn eine 
beträchtliche Anzahl von ihnen hatte in den kaiserlichen Reiterregimentern 
Aufnahme gefunden. Es ist leicht möglich, dass Emigranten in Szekler- 
husarenuniform an dem Morde mitgewirkt haben. 

Bezüglich der völkerrechtlichen Bedeutung des Mordes stellt Hülfer 
fest, dass die österreichische Regierung an der That völlig unschuldig war. 
Dadurch erhält sie sofort einen andern Charakter, als man ihr bisher zu- 
geschrieben hat. 

Der Brief des Generals Schmidt ist ein unvorsichtig abgefasstes Privat- 
schreiben, für das die österreichischen Militärbehörden nicht verantwortlich 
gemacht werden können. Dem General selbst lag jeder Gedanke an einen 
Mord fern und die Behörden haben keinen Befehl dazu erteilt. 

Der Mord ist mithin zweifellos das Ergebnis einer Privatrache, eines 
fanatischen persönlichen Hasses, in dem sich österreichische Militärs und 



— 23 — 

Emigranten zusammenfanden, und er gehört als solches nicht dem Gebiet 
des Völkerrechtes, sondern des Strafrechtes an. 

Dieses Resultat der Hüfferschen Untersuchung ist für die Beurteilung 
des Ereignisses ausschlaggebend! 

Welche Wut und welchen Rachedurst dasselbe in den französischen 
Regierungskreisen hervorrief, ersieht man aus dem nachfolgenden Zirkular 
des Kommissars des vollziehenden Direktoriums der Zentralverwaltung im 
Roerdepartement, Dorsch. Da die ein zelnen Vorgänge bei der That nicht 
bekannt waren, musste sie allgemein als das gröbste, zu allen Zeiten am 
meisten verabscheute Verbrechen gegen den völkerrechtlichen Verkehr 
erscheinen. ,Die öffentliche Meinung war empört, und das französische 
Direktorium nützte diese Stimmung gründlich aus. So brachte der 
„Gesandtenmord", der noch mehr ein politischer Fehler als ein Ver- 
brechen war, der französischen Regierung einen grossen Vorteil und 
führte tausende von Kämpfern unter die Fahnen der „grossen Nation", 
die sich wieder einmal als Rächerin des verletzten Menschen- und Völker- 
rechtes gerieren durfte. 



»' 



Liberte. Egalite. 

Bureau du commissaire Aix-la-Chapelle, le 21 floreal 

du pouvoir executif. an 7 de la republique francaise une et indivisible. 
Circulaire. (10. Mai 1799). 

Le commissaire du directoire executif, pres l'administration centrale 
du departement de la Roer, aux commissaires du directoire executif pres 
les administrations cantonales. 

Un crime sans exemple dans les fastes sanglantes des peuples les plus 
feroces a ete cominis sur des agens sacres aux yeux de toutes les nations. 

Les ministres plenipotentiaires de la republique francaise au congres 
de Rastadt sont tombes sous le fer homicide de ceux-lä meine qui devaienl 
les proteger; sous le fer d'un detachement de bourreaux autrichiens. 

Les cadavres palpitans de Bonnier et de Roberjeot sont restes 
depouilles sur le chemin, theätre de ce massacre; Jean Debry, couverl de 
blessures, a echappe par une espece de prodige dont il nc peut se rendre 
compte. 

Si cet horrible attentat n'avait l'Europe entiere pour fc6raoin la 
posterite, la race presente meine le relegueraient au aombre de res fictions, 
inventees pour epouvanter le genre humain. Mais les habitants de Rastadl 
ont entendu les cris de victimes; mais ses environs t'umeni encore de leur 
sang; mais leurs cadavres, Jettes ä la voirie, ont 6te vus par de milliers 
de citoyens qui ont fait retentir les cieux de leurs cris d'indignation: le 
congres de Rastadt a temoigne \a sienne, en rendanl responsable de ce 
massacre, le capitaine qui a eu l'mfämie de s'y pröter. (Ce monstre se 
nomme Barbaczi.) 



— 24 — 

Quel est le francais, quel est l'homme qui, au recit de cette horreur, 
n'en frissonne, ne se sent transporte de fureur et ne brüle de desir de la 
venger! 

Quelle nation pourrait desormais rester unie et traiter avec une horde 
de monstres, sortis des forets du nord, qui a rompu le pacte des nations? 
elles ne sont plus liees envers eile: il est de leur interet, de leur devoir, 
de leur honneur de la mettre hors la loi. 

L'opinion publique qui s'apuie sur les circonstances qui ont precede, 
accompagne et suivi ce forfait, eu attribue l'atroce conception et la direction 
ä la maison d'Autriche. 

Si les nations indignees lancaient sur eile toutes leurs foudres, la 
puniraient elles asses de cette liorrible attentat? c'est dans son sang impur 
qu'il doit etre lave! 

Dejä eile commence ä porter la peine de son crime: le poids de 
l'indignation de l'Europe pese sur eile. 

Dejä l'ignominie est imprimee, incrustree sur les fronts de Francois II, 
de Charles son sicaire; — leurs noms sont graves, en traits de sang, sur le 
poteau de l'opinion publique, expose aux regards de tous les siecles! . . . 

A l'exemple du legislateur d'Athenes qui n'avait point prononce de 
peine contre le parricide, parce qu'il ne croiait pas qu'il put exister, les 
nations dans le code du droit des gens naturel et meine arbitraire non 
point prevu un crime qu'elles n'ont pas seulement ose soupconner. 

Quelle en eut dont ete la peine, si elles avaient pu prevoir q'un 
jour, au XVIII. siecle, leur attente aurait ete trompee .... 

On cite comme un attentat au droit des gens, les traitements ä la 
turque; .... 1'Autriclie les a fait oublier! 

Cit03 7 ens collegues! Exciter contr'elle les cris d'une juste vengeance, 
precurseur de sa destruction! .... 

Prociamez dans toute l'etendue de votre canton ce crime atroce; que 
l'habitant le raconte ä son voisin, le pere ä ses enfants! .... 

Mais ce n'est pas assez que de le publier. Conformement aux intentions 
de l'administration centrale qui vient de faire une adresse ä tous les 
administres de ce departement, faites un appel ä la sensibilite de tous vos 
concitoyens; enflämez le courage des uns; provoquez la generosite des 
autres; rappellez ä tous l'obligation sacree, de venger les droits des nations 
violes. Ce n'est que par ce moven qu'ils pouiTont effacer la taclie d'avoir 
jadis ete sous 1'innuence de cette execral)le maison dont les projets 
d'agrandissement, de spoliation, de pillage, d'assassinats ne sont plus un 
Probleme. 

Offrez ä notre bouillante jeunesse l'aspect brillant de la carriere des 
armes;. des avantages de servir sous les drapeaux- de la republique, qui 
combat pour les droits de l'hoinnie et des nations: eile les admet ä l'liomieur 
de partager ses lauriers et sa gloire, Rappellez ä cet elf et Tarrete de 



- 25 - 

l'administration centrale gui trace La marche ä suivre pour les envolements 
volontaires. 

Invitez toutes les classes des citoyens ä porter leur offrande sur 
l'autel de la patrie. La plupart des cantons out ete sensibles ä la voix 
de l'honneur, 'lörsqu'on a fait im appel au peuple franQais, de contribuer 
ä punir l'Angleterre; le seraient ils moins, lorsqu'il s'agit de la punition 
du crime le plus effroyable. Le canton d'Odenkirchen s'est tout recerament 
distingue par ses dons patriotiques; que son exemple trouve partout des 
imitateurs! .... 

C'est ä vous surtout, citoyens collegues, qui representez le gou verneinen t, 
si atrocement outrage dans les personnes de ses ambassadeurs ; c'esl ä 
vous, commissaires du directoire executif de la grande nation, ä seconder 
de tous vos efforts, ceux des administrations municipales, pour armer les 
bras vengeurs qui doivent pulveriser cet infame gouvernement et offrir 
ses ruines, en holoeauste, aux manes des Roberjeot et des Bonnier. 

Salut et fraternite, 
Dorsch. 



Ein „Gemeiner Bescheide des Aachener Schöffenstuhls. 

Von F. Schollen. 

Für die Geschiebte des gemeinrechtlichen Civilprozesses ist ein 
„Gemeiner Bescheidt" des Aachener Schöffenstuhls vom 2. Januar 1697, 
der im wesentlichen am 2. April 1761 erneuert wurde, nicht ohne Interesse. 
Auf der Grundlage des mittelalterlich-kanonischen Prozesses hatte sich der 
sogenannte gemeine Prozess seit dem 17. Jahrhundert, insbesondere seit 
dem Jüngsten Reichsabschied von 1654 zu einem völlig schriftlichen aus- 
gebildet. Der Kläger reichte dem Gericht schriftlich seine Klage mit den 
Klagebehauptungen ein, der Beklagte ebenso seine Klagebeantwortung. 
Auf Grund des schriftlichen Materials, der Akten, entschied das Gericht. 
Dieser Zeit gehört das Rechtssprichwort an: „Quod non est in actis, non 
est in mundo." 

Einen Durchbruch durch dieses Princip stellt der genannte Bescheid 
dar. Der schriftliche Prozess war für das rechtsuchende Publikum bei 
geringfügigem Streitobjekt sein - misslich wegen der langen Dauer und 
wegen der Kosten. Nachdem nun schon der Schöffenstuhl am 25. August 1685 
für vermögensrechtliche Streitigkeiten unter 50 Thaler eine Vereinfachung 
getroffen hatte, bestimmte er am 2. Januar L697, Sachen unter 20 Thaler 
könnten durch mündliche Verhandlung erledigt werden, entweder amicabi- 
liter d. h. durch Vergleich, oder, falls es zu diesem nicht komme, durch 
Bescheid. Leider fehlt das thatsächliche Material, um einen Vergleich an- 
zustellen über die Dauer und den Kostenpunkt dieser Prozesse vor und 



— 26 — 

nach 1697. Die Hauptgrundsätze jener Anordnung - , die wir unten in Abdruck 
bringen 1 , sind folgende: 

In geringen Personal-Schuldforderungen und „modicis causis, so über 
20. dahler aix capitaliter sich nit ertragen" können die Parteien, wenn sie 
den schriftlichen Prozess nicht vorziehen, mündlich verhandeln. Sitzungen 
sind hierzu anberaumt auf Dienstag und Freitag nachmittags 2 Uhr. 
Das Gericht (bestellend aus zwei Mitgliedern des Schöffenstuhls mit dem 
Syndikus und dem Gerichtsschreiber) entscheidet auf Grund der mündlichen 
Verhandlung (Art. 1). Die Ladung der Partei zur Verhandlung erfolgt 
drei Tage vor derselben durch den Gerichtsdiener (Art. 4). Aus ander- 
weitigen Nachrichten 2 geht hervor, dass dem Gericht für die Ladungen 
zwei Klassen von Personen zur Verfügung standen, die Diener für die 
Stadt und die Schultheissen für das Reich Aachen. Dies trägt zum Ver- 
ständnis der Anordnung in Art. 5 bei, wonach die jura citationis in 
der Stadt 2 Mark, „ausswendig aber 4 marck" betragen. Die Verhand- 
lung selbst findet durch Anwälte statt; mit der Erklärung des Anwalts 
des Beklagten auf die Klage wird letztere rechtshängig (Art. 6). Über 
die Verhandlung wird ein Protokoll aufgenommen (Art. 7). Erscheint 
der Beklagte im Termin zur mündlichen Verhandlung nicht, so ergeht in 
diesem Termin ein Eventual-Bescheid; es erfolgt dann eine neue Ladung 
und in dem folgenden Termin ergeht, wenn Beklagter wiederum ausbleibt, 
das Läuterungsurteil (Art 8) 3 . Ist eine Partei mit dem ergangenen Urteil 
nicht zufrieden, so muss sie, wenn das Urteil nicht rechtskräftig werden 
soll, in der nächsten Sitzung sich darüber zu Protokoll erklären (Art. 9); 
nach acht Tagen muss sodann ein Beschwerdeschriftsatz beim Schöffenstuhl 
eingereicht sein (Art. 10). Dieser wird der Gegenpartei mitgeteilt, die 
ihre Einreden ebenfalls innerhalb acht Tagen an derselben Stelle vorbringen 
muss, dies alles sub poena rei judicatae (Art. 11). Am Schöffenstuhl wird 
die Sache mit Zuziehung wenigstens dreier neuer Richter zu den beiden 
erstinstanziellen Richtern entschieden (Art. 12). Eine Appellation an das 
Kammergericht in Speier war in diesem Falle deswegen nicht möglich, weil 
diese nur bei einem Streitobjekt nicht unter 300 Reichsgulden gegeben war 4 . 

Diese Bestimmungen sind in gewissem Sinne als Vorläufer des heutigen 
Prozesses anzusehen. Auf dem Wege, ein dem deutschen Empfinden ver- 
ständliches Gerichtsverfahren zu schaffen, ist die neuere Gesetzgebung 
dazu gekommen, nach dem Vorbild des Code civil an Stelle der Schrift- 

1 ) Dieselbe wurde in der Form der Ratsedikte durch den Druck bekannt gemacht. 
Ihr Abdruck rechtfertigt sich dadurch, d;iss sie selten geworden zu seiu scheint. 

2 ) Vgl. Noppius, Aachener Chronik I, S. 120. 

8 ) Sonst galt nach gemeinem Prozess der Grundsatz, dass sich nur der an seinem 
Rechte versäumte, der auf die dritte Vorladung aich.1 erschien. Vgl. Hillebrand, Peutsehe 
Rechtssprüchwörter S. 220 ff. 

4 ) Vgl. Noppius a. a. 0. S. 120. Auch heute ist die Zulässigkeit der Revision 
an das Reichsgericht durch einen den Betrag von 1500 Mark übersteigenden Wert des 
Streitgegenstandes bedingt. < 'ivilprozessordnung § 508. 



- 27 - 

lichkeit und der damit verbundenen Heimlichkeit die Mündlichkeit und 
Öffentlichkeit des Verfahrens einzuführen. Der heutige Prozess ist dem- 
entsprechend nicht mehr nach Wahl der Parteien, sondern immer mündlich \ 
Das amtsgerichtliche Verfahren, in dem heute die im Gemeinen Bescheid 
erwähnten Stachen zu erledigen wären, beruht zudem auf dem Prinzip 
möglichster Einfachheit; das Gericht ist nur mit einem Richter besetzt 2 ; 
es herrscht kein Anwaltszwang 3 . Die Einlassungsfrist beim Amtsgericht 
beträgt jedoch heute mindestens drei Tage, acht, wenn die Zustellung nicht 
im Bezirke des Prozessgerichtes erfolgt*. Ferner treten alle Wirkungen 
der Rechtshängigkeit in jedem Prozess mit der Erhebung der Klage ein, 
ohne dass es einer Erklärung des Beklagten bedürfte 5 . Ein Versäumnisurteil 
kann heute schon im ersten Termin, zu dem der nicht erschienene Beklagte 
ordnungsmässig geladen ist, ergehen". Gegen dasselbe ist über der Ein- 
spruch innerhalb einer Frist von zwei Wochen zulässig 7 . Auf ganz anderen 
Gesichtspunkten, als denen des Gemeinen Bescheids beruhen die heutigen 
Bestimmungen über Berufung und Revision. Doch mag erwähnt werden, 
dass auch gegen die amtsgerichtlichen Urteile nur ein Rechtsmittel gegeben 
ist, die Berufung an das Landgericht 8 . 

Gemeiner B e s c h e i d t. 

Demnach einem wol-adlichen seheffen-stuhl verscheidentlich vorgetragen worden, 
obwol derselb unterm 25. augusti 1685. zu erspahrung grösseren kosten, in personal- 
schuld-forderungs-sachen so über 50. dahl. sich nicht ertragen, zum besten der partheyen, 
und deren process schleuniger ablauft', dahin beliebig geschlossen hätte, dass in gemelten 
Sachen künfftig de tridao in triduuiu, und zwarn weiters nicht, Jana ad duplicam inclu- 
sive gehandlet weiden solle, dass damit aber denen partheyen, so modicum, und weniger 
als obgemelte summ der 50. dahler an anderen zu forderen haben, nicht geholfi'en, billigers 
aber nichts wäre, dann dass darin besonders, bey diesen bescbwärlichen Zeiten, und dahe 
kleine forderungen durch mündliches verhör de piano, et sine strepitn iudicij, leicht ab- 
gemacht werden könten, auch versehen würde; als hat ein wol-adliches eollegium auss 
obgemelten, und anderen erheblichen reden beschlossen, dass künfftig zweymahl in der 
wochen, benentlich dienstags und freytags dess nachmittags umb die 2.te stund für zweyen 
herren auss mittel dess collegij, über geringe Sachen, so nicht über 20. dahler aix capi- 
taliter sich ertragen, ein mündliches verhör gehalten, und von denenselben die partheyen 
hinc inde, über ihres anbringen, und excipijren so viel nöthig gehört, und amicabiliter, oder 
sonst durch bescheidt voneinander gesetzt, auch über solches alles förmliches prothocollum 
gehalten werden solle, und da nun sich zutragen würde, ibiss durch solchen bescheidl 
ein- oder andere parthey sich beschwerdt zu seyn erachten mögte, solchen fals solle der 
beschwerdter partheyen bevorstehen, in proxima audientia reauditionem sub poena rei 
judicatae zu begehren, und ihre gravamiha schrifftlich intra octiduum, dem triumphanti 



') • livilprozessordnung ij 1 ü). 

2 ) Gerichts-Verl'assiinuse-esetz ?j 22. 

3 ) Civilprozessordinmir §74. 

4 ) Civilprozessordnung ^ 459. 
•'•) Civilprozessordnung >; 239. 
6 ) Civilprozessordnung S 296. 

1 \ Civilprozessordnung §§ 303, ;504. 
H i Civilprozessordnung §§ 472, ">n7. 



— 28 — 

aber darauff seine exceptiones intra siniilem octidui terniinum, ad ordiaarium judiciale 

prothocolluin zu bringen; welchem nechst, et conclusione sie facta, die sacb wenigst mit 
Zuziehung dreyer anderer herren, so über der sachen vorhin nit gesessen, noch votirt, 
nebenst obgcmelten zweyen herren, so den bescheidt ertheilt, con- vel reformatorie erörtert, 
und ordentlich publicirt werden solle; ita expediri jussurn hac 2. ianuar. 1697. Grab. Messen Dr. 

Ordnung, welcher gestalt wöchentlich dess dingstags und freytags das mündliches verhör 
in causis rnodicis, und personal-schuld-forderungen geschehen solle: 

1. Es sollen alle dingst- und freytags dess nachmittags, umb die 2.te stund (diebus 
festis exceptis) zwey herren ex collegio cum syndico, et secretario, auff der kammer, vel 
alio determinando loco sitzen, gestalt in geringen personal-schuld-forderungen, et rnodicis 
causis, so über 20. dahler aix capitaliter sich nit ertragen, und warin partheyeu schrifftlichen 
process zu führen nit gemeynt seyn mögten, itztgemelte partheyen mündlich gegeneinander 
zu hören, und zu entscheiden ; 

2. Solle jedem der herren scheffen ein gülden, dann syndico, et secretario pro 
prothocollatione auch ein gülden, und zwarn von jeder partheyen, si compareant, zur halb- 
scheid, änderst dahe beklagter nit erscheinen, und in contumaciam die sach abgehandlct 
würde, von dem klägeren abgestattet, dessgleichen procuratori cuilibet pro comparitione 
ein gülden, und dem klagenden procuratori für den zettel, warin die causa debendi, und 
warumb die citatio beschicht, exprimirt stehen, und dem citirten in copia hinterlassen 
werden solle, 3. marck entrichtet, und pro juribus dess bescheidts dd. gleichfals ein gülden 
nebenst der copeyen vergüthet werden. 

3. Procuratores sollen solche iura, wie in ordinarijs causis auch geschieht, versorgen, 
und dieselbe wie bräuchlich, cum substituto berechnet werden; 

4. Sollen partes, so beklagt werden wollen, ad comparendum vor denen beyni ver- 
hör sitzenden herren drey tag vor dem verhör per ministrum iudicij peremptorie citirtj 

5. Vnd den dieneren pro iuribus citationis 2. marck entrichtet werden, wie bräuch- 
lich in der Stadt, ausswendig aber 4. marck. 

6. Solle kläger in termino erscheinen, und seine klag kurtz-mündlich per procura- 
torein vorbringen, der beklagter ebenfals darauff mündlich durch seinen anwalden con- 
testeren et causa oretenus 1 instrueta, beyde herren was rechtens ausssprechen; 

7. Was nun geklagt, und excipijrt, solle per dorn, syndicum, et secretarium, aut 
ejus substitutum mit dem bescheidt prothocollirt werden; 

8. Dahe beklagter aber euntumaciter aussbleiben würde, solle in prima audientia 
eventualiter bescheidet, und derselb bescheidt praevia insinuatione in proxirna seeunda 
audientia purificirt werden; 

9. Wann partibus auditis bescheidt ergangen, und ein- oder ander theil sieh beschwerdt 
zu seyn erachten würde, solle dem gravirten theil sich ad prothocollum darüber zu 
erklähren, idque in proxima audientia, sub poena rei judicatae, und reauditionem zu begehren 
gestattel seyn; 

10. Vnd da nun solches also geschehen, solle gravata pars intra oetiduum peremp- 
torie, sub poena, wie oben gemelt, seine gravamina sehrifftlich in aller kürtze gerichtlich 
bey allhiesigem wol-adlichen seheffen-stuhl, ad prothocollum ordinarium; 

11. Der ander theil aber post communicationem, ebeufals seine exceptiones, intra 
oetiduum peremptorie, ad iilem prothocollum vorbringen; 

li'. (festalt. causa sie instrueta förderlich, und zwarn nebenst denen vorhin über- 
und angewesenen herren, wenigst durch drey andere herren abgemacht, und erörtert 
werde; ita expeditum hac 2. ianuarij 1697. 

Gabr. Messen Dr. syndicus et secretar. m. p. 

M gleich „nach dem mündlichen Vor Dringen". 



29 



Kleinere Mitteilungen. 

1. Aus dem Aachener Stadtarchiv. 

Nachstehende Aktenstücke aus der Zeit der Fremdherrschaft liefern einen weitern 
Beitrag zur Bevölkerungsstatistik Aachens und der benachbarten Gebiete (vgl. Nr. 4/6 
dieser Mitteilungen, S. 92). 

Conscription de 1811. 

Extrait du registre des arretes du sous-prefet de l'arrondissement d' Aix-la-Chapelle. 

Du 10 Juillet 1811. 

Vü l'arrete de monsieur le prefel du departement, Chevalier de la legion d'honneur, 
baron de l'erapire, en date du jour d'hier, portant repartition, entre les guatre arron- 
dissements d« departement, des 427 hommes quo la Roer doit fournir en conformite* du 
decret du 1 er du courant pour son contingent de la reserve de la levee de 1811, laquelle 
repartition fixe ä cent trente-quatre hommes le contingent de rarrondissement d' Aix-la- 
Chapelle. 

Vü le tableau generäl de la populatiou de l'arrondissement, uous auditeur au con- 
seil d'etat, sous-prefet de l'arrondissement d' Aix-la-Chapelle, arretons ce qui suir: 

Article I er . 

Les cent trente-quatre hommes quo l'arrondissement doit fournir, en conformite - de 
l'arrete de monsieur le prefet en date du jour d'hier pour son contingent de la reserve 
de la levee de 1811, sont repartis entre les cautons, ainsi qu'il est fixe par Le tableau 
ci-apres: 



Noms des cantons 


Population 


Contingent 


Aix-la-Chapelle "■ . . . . 

Düren 

Eschweiler 

Gemuud 

G-eylenkirchen 

Montjoie 


27,294 
21,728 
20,529 
21,097 
9,748 
11,525 
15,864 
22,776 
16,913 
15,747 
14,814 


18 
15 
1-1 
14 
7 
8 
11 
15 
11 
11 
10 


Totaux . . . 


198,035 


134 



Article II. 

Le present sera imprime en placard, pour etre transmis ä mm. les maires de 
l'arrondissement, charges de le publicr et de le faire afficher dans toutes les communes 
de leur ressort. 

Ämpliation en sera adressöe ä monsieur le pn'l'et du departement. 

Donne ä Aix-la-Chapelle en l'hötel de la sous-pr§fecture le jour, mois e1 an 
que dessus. 

De I;n!ii inessein. 

Aix-la-Chapelle, imprime' ehe/ T. Vileckx grand'rue de Cologne Nr. 1005. 



') In dem Protokoll rinn- siizmiR- des Stadtrates vom 17. Juni 1819 wird die Bevölkerung 

Aachens in diesem Jahr auf 32000 Seelen an<j;e<, r el>en. eine Zalil, die Eaagen, Geschichte Achens II. 

S. 48(>, schon für das .Jalir lsir> annimmt. 



— 30 — 

Conscription de 1814. 

Extrait du registre des arretes du prefet du departement de la Roer. 

Aix-la-Chapelle, le 27 fevrier 1813. 

Vu le senatus-consulte du 11 janvier 1813, en ce qui concerne la conscription de 
la classe de 1814; 

Vu le decret imperial du 20 du memo raois, qui ordonne la mise en activite de 
141)431 conscrits sur les 150 000, dont Pappel a ete autorise par le senatus-consulte; 

Vu le chapitre I er du titre I er de Instruction generale sur la conscription militaire; 

Vu la lettre du 14 fevrier 1813, par laquelle monsieur le directeur genöral de la 
conscription nous annonce que le contingent du departement de la Roer pour la levee de 
1814 est fixe ä deux mille quatre cent un hommes; 

Vu le tableau de la population generale du departement; ensemble Petat numerique, 
divise par canton, des conscrits de la classe de 1813, admis ä l'exception comme attaches 
au service de terre et de mer, et au nonibre desquels on doit avoir egard, en procedant 
ä la repartition du contingent de la classe actuellement appellee; 

Nous prefet du departement de la Roer, membre de la legion d'honneur, baron 
de Pempire, 

Avons arrete et arretons ce qui suit: 

Art. I er . La repartition entre les quatres arrondissements du departement, des deux 
mille quatre cent un conscrits, que la Roer doit fournir pour son contingent de la levee 
de 1814, est fixe conformement au tableau. ci-apres: 





Popu- 


Nonibre des conscrits 

qui ont ete exceptes 

lors de la levee de 


Population reduite 
d'apres les nombres de 
conscrits portes dans 


Con- 




Arrondissements 


lation 

generale 


1813 comme attaches 

au service des armees 

de terre ou de mer. 


la 3e colonne et qui 

doit servir de base ä 

la repartition du 

contingent. 


tin- 
gents 


Observations 


l. 


2. 


3. 


4. 


5. 


6. 


Aix-la-Cbapelle. 


198035 


47 


184499 


745 


Un conscrit appele pour 
le contingent de la classe 


Cologne . . . 


163558 


60 


146278 


590 


de 1813 a represente dans 












la population generale du 


Creveld . . . 


158433 


6 


156 705 


632 


departement deux cent 
quatre-vingt-huit indivi- 


Cleves .... 


111068 


12 


107612 


434 


dus: c'est ce rapport qui 
a ete pris pour base de 
l'etablissements des nom- 












bres qui figurent ä la co- 


Totaux . . 


631094 


125 


595094 


2401 


lonne n° 4. 


II. Les so 


us-prefets 


etabliront sans dt' 


lai et feront pult 


ier par 


voie d'impression et 



d'affiches la repartition entre les cantons de leur arrondissement du contingent qui leur 
est assigne par Particle precedent. 

III. Le present sera imprime en placard pour etre transmis a mm. les sous-prefets 
et les maires, ä l'effet d'etre publik et affiche dans toutes les communes du departement. 

II sera en outre inserö au recueil des actes de la prefecture. 

Donne en l'bötel de la prefecture. les jours, mois et an que dessus. 

Ladoucctte. 

Aix-la-Cbapelle, de Pimprimerie de J.-G. Beaufort, imprimeur de la prefecture, 
rue Sa int -Pierre, No. 596. 

. 1 nchen. W. Brün ing. 



2. Eine alte Aachener Geleitstafel. 

Die mittelalterlichen Märkte waren nicht nur Absatzstätten für die Waren der 
Kaufleute, sondern Centralstellen für den gesamten kaufmännischen Verkehr. Auf ihnen 



• — 31 

wurden namentlich auch die (ieschäfte der Kanfleute anter einander geregelt, und die Aus- 
gestaltung und Vervollkommnung des Wechsels und Wechselrechts vollzog sich gerade auf 
den Märkten. 

Lenkt man jedoch seinen Blick auf die grosse Unsicherheit der Strassen im Mittel- 
alter, so drängt sich die Frage auf, Wie war es möglich, dass die Kaufleute ihre Waren, 
die sie, wenn ihnen die Wasserstrassen nicht zur Verfügung standen, alle mittels Axe 
transportieren mussten, sicher zu den Märkten hinbrachten ? Nicht alle K aufteilte konnten 
bewaffnete Knechte zum Schutz ihrer Person und ihrer Waren mit nehmen; viele waren 
wehr- und schutzlos. Diesen kam das sichere Geleit zu statten. 

Die Erteilung des sicheren Geleits stand ursprünglich nur dem König zu und 
bestand in nichts anderem, als in der Zusicherung des Königsschutzes und des damit 
verbundenen Friedens für die Zeit der Hin- und Herreise zum bezw. vom Marktori 
Das sichere Geleit war mithin zunächst auf die Kaufleute beschrankt und wurde ihnen 
persönlich erteilt; später wurde es auf alle Besucher eines Marktes ausgedehnt. Die 
bekannte Urkunde von 1166, in der Friedrich I. Aachen zwei Märkte verlieh, bestimmt aus- 
drücklich: „omnes quoque ad has nundinas venientes vel inde redeuntes ... in rebus et 
personis firmam pacem habeant" 2 . 

Der Schutz, den der Vergeleitete erhielt, wurde anfangs nur durch die Erteilung 
eines Geleitsbriefes ausgedrückt. Als Wahrzeichen führte der Geleitete eine Fahne oder ein 
Kreuz oder einen grünen Zweig, wie in der früheren Zeit einen geweihten Stab 3 . Die 
Unsicherheit der Strassen führte aber dazu, dass bewaffnete Geleite eingeführt wurden, für die 
man gewisse Gebühren entrichtete. Wer Geleitsgeld entrichtete, dem warder Geleitsherr 
verantwortlich für einen entstandenen Schaden. So drückt es schon der Sachsenspiegel 
aus II, 27 § 2.: „Sveme aver he geleide gift, die sal in scaden bewaren bynnen sime geleide, 
oder he sal ne yme gelden." Der Missbrauch, der durch Erpressung von Geleitsgeldern 
getrieben wurde, führte die erstarkten Städte dazu, das Geleitsrechl an sich zu ziehen; 
sie erteilen Geleit und erheben Geleitsgebühr im späteren Mittelalter*. Die Städte stellen 
jetzt auch die Grundsätze auf, nach denen Geleit erteilt werden soll. Ausgeschlossen vom 
Geleit blieben grundsätzlich alle Verbrecher. 

Wann Aachen das Geleitsrecht envorben hat, steht nicht fest. l>a< Geleit betreffende 
Briefe des 14. Jahrhunderts im hiesigen Stadtarchiv beweisen, dass es in dieser Zeil bereits 
gehandhabt wurde. Die Grundsätze, nach denen es gehandhabt wurde, stellt die uns 
erhaltene Geleitstafel vom 1. Juli 1400 auf, die in Abschrift aus dem Jahre 1658 erhalten [st. 

hie nulla fit distinetio 

inter peregriuos et GelaitS-taffel, 

subditos 6 . 

Welcher maissen die bürgermeistere zer zeit jedermenniglichen geleyde geven sullen, 
anno 1400, <\f< ersten dags Julij eyn ersamer raith verdragen. 

Item sali man nyemantz »leide geven, so die straissen geschint, den kouff- 
man off pylgerom gefangen off geschedigt heften sunder des berren off dejhenigs 
willen, des vvant der oder die weren. 

It cm so die stadt off dal reich van ATch gebrant, bereufft, die bürger off 
underdaenen gefangen off geschediget, und noch nicht gesoent wenn, off die der 
Stadt, und rych van Aich verwyst, saill gein geleide geven werden. Glichfals die 
den bürgeren off anterthanen van Aich schuldig, dairaff seheffen oder gebeden 



') Maurer, Geschiebte der Städteverfassung in Deutschland, Erlangen 1869, l. Bd, S. 884 

*) Quix, cod. dipl. I. 37; Maurer a, a. 0. S. 837, 338. 

») Schröder, Deutsche Rechtsgeschiohte 2. Ann. Leipzig 1894, S. 577, a. 29. 

«) Maurer a. a. O. S. 346 ff. 

») Die Randnotiz entspringt dem Zweck, zu dem diese Lhsohrifl angefertigt wurde. In den 
Streitigkeiten zwischen Aachen um l Jülich im 17. and L8. Jahrhundert wurde ein Unterschied in der 
Erteilung des Geleite an Fremde and Bürger gemacht. Vgl. Hauptvertra len Jülich und Aachen 

v.ui 1660 Artikel l. bei von Fürth, Aaoh. Patr.-Pamilien Bd. I. S. 216. 



— 82 — 

dings brieve off sunst gnugsam bewys vurgestalt wurden, sali geleide (it en were dan mit 
willen des elegers) geweigert werden, beheltlich alzyt der lande und stede van Aich 
gewohnheiten, so von alther gebalden. 

Item so yeniantz gemort, gestolen, off buyssen vietscbal'ft geroufft 
oder geschediget hett, dem sali scbeffcn urtbeil und der stede recht van Aich wider- 
fareu, glichfals den fridbrechern, nachtsberuern 1 , verredcrn, und frauwen 
krechtern etc. 

Item off yemants sonder geleyts gesynnen zu Aich queme und beelagt off zuge- 
sprochen wurde, dem oder denen sali scheffen urtbeil und der stede recht van Aicben 
widerfaren. 

Dass gegenwertige copey mit deine in Sachen der statt Aachen wider herrn 
herzogen zu Gülch etc. turbatae possessionis anno 1559 den 24. maij und 1562 den 
6. maij am kais. cammergericht zu Speyr rc- und producirten rotulo collationiret, 
und wie solche in desselbigen prima parte lit. A folio 904 befindlich, gleichlautend 
übereinstimme, bezeuge mit dieser underschrift. Actum Speyr den 25. octobris 

anno 1658. 

Johann Adam Niderer not. 

imp. cameree lector. 
Auf der Rückseite vorstehender Abschrift befindet sich die Notiz : 

Gelaits-taffel 
welche vor etzliche hundert jähren bis auf dem jüngsten braud zu auf der herren bürger- 

meister lewen gebangen hat. 

Eine nähere Entwickelung des Geleitsrecbts in Aacbeu zu geben, insbesondere auch 
auf die weitere Gestaltung desselben in den langwierigen Streitigkeiten mit Jülich ein- 
zugehen, niuss einer späteren Darstellung vorbehalten bleiben. 



') beruern wohl gleich bernern = Brennern. 

Aachen. F. Schollen. 

Verlag der Cremer'sclien Buchhandlung (C. Cazin) in Aachen. 

Beiträge und Material zur beschichte der Aachener Patrizier-Familien. 

Von 

FREIHERRN HERMANN ARIOVIST VON FÜRTH. 
Erster Hand. XXIV, 561; Anh. XVI, 81 und 12 S. gr. 8° mit 6 Tafeln. Preis 17 Ji 
Zweiter Band. IX, 226, 88, 99 und 215 S. gr. 8° mit eingedr. Wappen und 13 

Steintafeln. Preis 14 M. 

Dritter Band. XVI und 645 S. gr. 8" mit 1 Steintafel. Preis 14 Jt 

Der erste und dritte Band wurde nach dem Tode des Verfassers im Auftrag der 

Stadt Aachen von Geh. Justizrath Professor Dr. H. Loerseh in Bonn herausgegeben. 

Die Jakobskirclie zu Aachen. 

Geschichtliche Nachrichten mit Urkunden 
von Dr. 0. DRESEMANN. 

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Di, Flunisolid! römischer Alterthümer im Regierungsbezirk Aachen. 

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Jährlich 8 Nummern 

ä 1 Bogen Royal Oktav 

Preis des Jahrgangs 

4 Mark. 









W.W 



Kommissions -Verlag 

der 

Cremer'schen Buchhandlung 
ii. Gazin) 

in Aachen. 



Mitteilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit. 

Im Auftrage des Vereins herausgegehen von H. Schnock. 



Nr. 3. 



Zehnter Jahrgang 



»"*■&• 



1897. 



Inhalt: H. Schnock, Aufzeichnungen eines Haarener Kirchenbuches aus den Kriegsjahren 
1792 — 1795. — Kleinere Mitteilung: Der Aachener Stadtbrand im Jahre 1656. 



Aufzeichnungen eines Haarener Kirchenbuches aus den 

Kriegsjahren 1792-1795. 

Von H. Schnock. 

Alte Kirchenbücher haben schon häufiger neben dem ihnen eigentüm- 
lichen, urkundlich-genealogischen Inhalt, mehr nebenbei und zufällig, wichtige 
und interessante Mitteilungen besonders ortsgeschichtlicher Natur der Nach- 
welt autbewahrt. Irgend ein fleissiger und kundiger Pfarrherr hat die- 
selben dem Buche, das ihm in Erfüllung seiner Amtspflichten fast Tag 
für Tag unter die Augen kam. in seinen Mussestunden anvertraut. Solcher 
Bücher besitzt auch unsere Nachbargemeinde Haaren zwei, deren Einsicht 
und Benutzung Herr Bürgermeister Philippy in der bereitwilligsten Weise 
gestattet hat, wofür ihm auch an dieser Stelle der gebührende Hank aus- 
gesprochen sei. Das älteste Kirchenbuch beginnt seine Aufzeichnungen 
über Taufen. Heiraten und Todesfälle mit dem Jahre L649 und setzt sie 
fort bis zum Jahre 1722; hier nimmt das zweite sie auf und führl sie 
weiter bis zum Jahre 1798. Gleich auf der Rückseite des Titelblattes 
des frühesten der Kirchenbücher linden sieh einige Notizen über die Errichtung 
der Pfarre Haaren im Jahre L623 Ilaaren gehörte vordem in kirchlicher 
Beziehung zu dem benachbarten Würselen und über die 6 ersten Pfarrer, 
welche dort amtiert haben ; diese Nachrichten dürften von besonderer Wichtig- 
keit sein für einen demnächstigen Bearbeiter der Geschichte des Dekauates 



— 34 — 

Burtscheid l . Von einigem Interesse sind auch einzelne gelegentlich ein- 
gestreute Aufzeichnungen über Schenkungen bezw. Anschaffung von metallenen 
kirchlichen Gefässen, deren Gewicht und Preis beigefügt ist. Ferner 
enthält das Buch drei kurze Berichte, je einen unter den drei Kolonnen 
der Taufen, Heiraten und Todesfälle des Jahres 1656 über den grossen 
Stadtbrand 2 in Aachen, die, wenn sie auch nichts wesentlich Neues enthalten, 
dennoch des Interesses nicht entbehren, weil sie herrühren von dem Pfarrer 
Heinrich Brewer aus Haaren, der, ein gebildeter Mann, mit eigenen Augen 
diese verheerende Feuersbrunst angesehen hatte. Demselben Pfarrei- ver- 
danken wir auch ein nach Strassen geordnetes Verzeichnis sämtlicher Häuser, 
Familien und Einwohner Haarens und des dazu gehörigen Ortes Verlautenheide 
aus dem Jahre 1669. Ursache und Veranlassung zur Herstellung des 
Verzeichnisses giebt er selbst in folgenden Worten an: „Anno Christi 1669 
die 15 Aprilis auff montag vor osteren habe ich Henricus Brewer Pastor 
S. Germani in Haaren die Häuser, familias und sämtliche einwohner meiner 
parochien von hauss zu hauss visitirt. notirt und admonirt zu österlicher 
Communion in unserer pfarrkirchen". Nach dieser Aufschreibung hatte 
Haaren damals 106 und Verlautenheide 40 Häuser, Da die Häuser fast 
durchgehends nur von einer Familie bewohnt wurden, so ergiebt sich bei 
der Annahme von 6 — 7 Personen in jeder Familie, dass Haaren im Jahre 
1669 ungefähr 700 Einwohner hatte, womit auch eine anderwärts ver- 
bürgte Nachricht übereinstimmt 3 . Die letzten Aufzeichnungen des ältesten 
Kirchenbuches datieren vom 1. Februar des Jahres 1722. Eine ganze 
Reihe in dem Buche noch vorhandener leerer Blätter hat ein späterer 
Pfarrei- benutzt um darauf „einige merkwürdige Begebenheiten im fran- 
zösischen Revolutionskrieg in annis 1792 — 93 — 94" oder wie er sich an 
einer anderen- Stelle ausdrückt ,,Irruptiones et effraenationes Gallorum in 
nostris partibus, eorumque probrosa ad lares gallicanos expulsio". Ausser 
einer mehr der Weltgeschichte angehörenden, mitunter recht drastischen 
Schilderung der Verurteilung und Hinrichtung des unglücklichen fran- 
zösischen Königspaares und der weiteren Schicksale des Dauphins von Frank- 
reich enthalten die „merkwürdigen Begebenheiten" interessante Einzel- 
heiten über alles das, was der Verfasser und seine Pfarrgemeinde Haaren 
in jenen Jahren durch Einquartierung, Plünderung und sonstige Kriegs- 
drangsale gelitten haben und bilden so, wenn auch nur bezüglich eines ver- 
hältnismässig kleinen Distriktes, eine bescheidene Ergänzung dessen, was 
über denselben Gegenstand für die Reichsstadt Aachen Milz in den Pro- 
grammen des Königlichen Gymnasiums in Aachen für die Jahre 1870/71 
und 1871/72 und Pauls in der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins, 
Band X veröffentlicht haben. Der Verfasser hat es nicht für der Mühe wert 



') Die vervollständigte Reihenfolge der Haarener Pfarrer wird in einer der nächsten 
Nummern folgen. 

2 ) Die drei Berichte siehe unter „Kleinere Mitteilungen" S. 00. 

3 ) Siehe: Gross, Das Aachener Reich. Aus Aachens Vorzeit, Jahrg. VII, S. 28. 



• — 35 — 

erachtet, seinen Namen der Nachwelt zu überliefern. Auch ist derselbe 
nicht aus dem Totenregister der Pfarre zu ersehen. Vorderhand steht 
nur so viel fest, dass er vom Jahre 1772—1797 Pfarrer in Haaren ge- 
wesen ist. Dies ergiebt sich aus einem Vergleich der Handschrift dieser 
Aufzeichnungen mit der seiner Eintragungen in die Tauf-, Heirats- und 
Sterberegister der Pfarre. Wir geben dieselben nunmehr in der originellen, 
nicht selten von glühendem Patriotismus und starker Entrüstung über das 
Gebahren der „Franzmänner" zeugenden Sprach- und Schreibweise wieder: 

1702 im November 
wurden in Mons * die wenige Kaiserliche Truppen unter dem General Clairfait 
von der Volksmenge deren sich nennenden französichen Patrioten überfallen, 

und mussten nach tapfere Gegenwehr aus dieser Stadt und aus ganz Braband 
Retairiren. 

Am 25 ten 9 br kamen in Aachen, hier und in diesen gegend an die 
Österichische Husaren, und so nach und nach reuter und füsser. 

Am 4 ten December winde wegen Vielheit der Manschaft bei mir 
einquartiret ein Oberliutenant mit einem Knecht vom Jäger Corp: blieb 
bis den 6 ,en dito. 

Den 6 ten käme auf dessen platz der obrist von la Tour mit seinem 
Adjudant und Knecht, blieb nur bis den 7 teri ; eodem käme auf dessen stelle 
ein ober-prevot mit einem Knecht, blieben bis den 13 ten ; am 9 ten 

käme zu diesen ein Hauptman mit seinem Knecht, blieben auch bis 
zum 13 ten X bcr . 

Keiner hat mir etwas bezahlt, und so eben haben alle andere von 
denen oüiciren und Soldaten nichts oder wenig bekommen für speis und 
trank der menschen und fourage deren pferden, denn die flüchtlinge waren 
an allem leer, abgemattet, hüngrich und elendig, nahmen für sich und ihre 
pferde, was sie nur bekommen konten. 

NB. itz gemelter obrist von la Tour, nahmens von Pfortzheim, ein 
generöser soldat ist bei Hoengen. da er zuerst die battereien be- 
l ma Merz 2 stiegen, von einem Rotzbub erschossen und zu Aldenhoven be- 
graben worden zum grössten leidwesen seiner lieldenmühtigen 
Soldaten, sane et mihi mors ejus dolori est. 

Den 13 ten december, da die franzmänner näher kamen, reterirten die 
Kaiserlichen alle bis über die Ruhr und machten jenseits dieses Ibisses Halt. 



M In der Schlachl bei dem Dorfe Jemappes in der Nähe der Stadt töons am 
6. November 1792 wurden die Oesterreicher ?on der Revolutionsarmee geschlagen and 
mussten infolge dessen die österreichischen Niederlande an Frankreich abtreten. 

•-') Die hier berührte Begebenheit aal sich im Anschluss an das am 1. März iTü;; 
stattgefundene Grefechl bei Aldenhoven zugetragen. Siehe Annalen Befl XVI, p. 129, 
Anm. 2 wo es heisst: Bei der Verfolgung der Franzosen auf Söngen zu fiel anfern 
Schieiden (Dörfchen zwischen Aldenhoven und Hängen) der Obersl von den Latour- 
Dragonern, derCral' von Pforzenheim. Ein Carmagnole erschoss ihn ans seinem Versteck 
hinter einem Baume. Ein Lieutenant Rudolph ward schwer verwundet und starb bald 
nachher. Heide wurden zu Aldenhoven begruben. 



— 36 — 

Den 15 ten X ber mitten in der nacht kamen zum allgemeinen schrecken 
haufenweiss die franzmänner, sub specie Amicitiae. qui erant in cute lupi 
rapaces. 

Bei mir wurden einquartirt 6 zerlumpte Jäger, wie sie sich nannten, 
homines nequissimi. sodan ein Obrist mit einem Knecht item ein Kitmeister 
mit einem Knecht, und noch 3 Officier mit zwei jungen, sive spitzbub. 
Diese blieben zweij Tage, bey den ersten und letzteren herrschte die fran- 
zösische liberte et egalite im höchsten grad. alles im Haus ging über und 
drüber, was sie wolten haben, muste gar zur Verschwendung in überfluss 
gegeben werden; sie waren Herr und meister im Hause: Tohr und Thür 
musten angelweit offen stehen. Viele hier nicht einquartirte kamen sturm- 
weiss hineingefallen, frassen, soffen, spotteten meiner, zückten auf mich die 
Palässe, wolten geschaft haben, was ich nicht hatte, sie brachten es dahin, 
dass ich kein hier, kein wein und kein brod im Hause hatte. Was bei 
diesem greulich Verfahren bei mir und den meinigen für forcht, angst, 
Hunger und Kummer gewesen, mach Einjeder, der in seiner seele ein 
teutsches gefühle hat, erachten, nebst dies was diese ungeheure raubeten, 
zog diese lasterhorde ohne einige Bezahlung ins gülicher Land. 

Nach diesen kamen zu mir 3 serganten mit mehreren, blieben eine 
nacht, und zwei Tage; sie waren auch nicht gut, doch nicht so böss, wie 
die Vorige, gleichwohlen muste ihnen ohnentgeldlich alles geschaffet werden, 
was sie verlangten. 

Vor dem H. Christfest bliebe ich ein paar tage von einquartirimg 
frei, indessen entrüstete mich das tag und nacht an der thür anhaltende 
Klopfen, Tumultuiren, pulsteren, bedrohen, schert etc. nach und nach der- 
massen, dass in Festo S. Stephani mir eine schwere Krankheit gählings 
über den halss käme. Ich bliebe sodan ohne einquartirimg deren Soldaten, 
aber Doctor, Chyrurgus, apotecker, pastoral und Kirchen-Diensten waren 
mir nicht weniger kostspielig. 

1793. 

Am 20 ten Januarius läse ich zuerst die H. mess, so kamen alsobald zu 
mir zweij officire d'artillerie, und nebst dies wurde die mauer oben der 
Thür aufm Kirchhof überstiegen, kamen darzu mit aller gewalt 3 serganten, 
blieben bis den 24 ,on Januar. Vom 28 te " Januar bis den 6 ,en Februar wäre 
bei mir im Hause ein honneter Canonier officier. 

Niemand von allen hat mir. wie anderen, einen Heller bezahlet. 

Ich übergehe die oftermalige zwischenzeitige mir dan und wan zu- 
gestossene lästige, schädliche, schröckbahre anfalle und zufalle, auch ist 
es zu weitschichtig anzuführen, wie und welcher gestalt diese freigeister 
die leute. besonders in denen abgelegen häuseren tribuliret, geplündert, 
misshandelet, an frei tag und samstag zum fleisch mitessen gezwungen haben: 
wie sie Gott, die allerseeligste Jungfrau Maria und liebe Heiligen gelästeret, 
die Geistlichkeit geschändet, die kirchen-diensten und alle Christliche an- 
dachtsübungen beschimpfet, und gestöret haben. Sie waren fast alle menschen, 



- 37 — 

ich sage, Unmenschen sine Fide, sine Religione, sine Lege et disciplina, 
sine Luce, et Cruce. Durchgehens wäre die lasterrede dieser schand- 
Buben; Xon est Deus: Si nun est Dens, exsibilabant hi Tenebriones, Im- 
peratorem, Reges, et Principes auxiliatrices per Universuni subjugabimus, 
non erit Papa, neque Ecclesia. si vero Deus est, non triumphabimus. 

Prima fronte vociferabantur hi Thrasones unanimiter: 

Nous marchir ä cologne, nous jagt die keiserlick Tyran üf dat Rhin. 

.Mais halt la! an der Ruhr, welchen kleinen fluss die Kaiserliche allent- 
halben besezt hielten, hiesse es zu jedermans erstaunen. Non plus ultra patriota! 

Hern ohe! arrigite aures, Buccinate gaudium, et gratias, Accolae caris- 
simi! vere est Deus verus, atque Mirabilis, qui liberavit nos ab insectis 
gallicanis. 

Ad intercessionem B"' ae Virginis Matris Mariae Deus misericors exaudi- 
vit intensissimas preces populi, longe lateque incessanter clamantis et de- 
precantis. 

en Blespheme! ecce Athee! vere est Dens verus. deus noster 
in Coelo et in Terra. 

Kaum wäre Prinz Sachsen Koburg, Kaiserlicher Generalissimus, der 
Held, so ewigen Ruhm verdient, bei der Ruhr ankommen, so beorderete er 
seine Truppen, über den fluss zu setzen. Glück zu! Vom letzten April in 
der Nacht zum ersten merz (?) passirten diese muthvoll die Ruhr, fielen 
beherzt über die franzosen her in der gegend Jülich, Düren, und der orten, 
Tödteten viele, in specie bei Goslar, und so an mehreren stellen im bezirk 
bis Hoengen, alda zogen sich die flüchtige franzmänner zusammen in ihrer 
Verschanzung, die Kaiserliche stürmten wie die löwen auf sie loss, be- 
stiegen die battereien, hieben viele nieder, und brachten sie zur flucht. 

Gegen halb fünf ühr sähe ich diese flüchtlinge theils zu fuss theils 
zu pferde in gröster Unordnung, einige ohne schuhe oder strumpfe, andere 
ohne rock, oder kamisol. einige ohne Hudt, Viele mit bluetigen köpfen, 
oder sonsten verwundet, beij der pastorath vorbeilaufen in solchen mengen 
und so zusammen gedrungen, dass die stras selbige schier nicht fassen 
konte, sie liefen alle erblasst und sprachloss auf Aachen zu. Dieses währte 
also ununterbrochen bis halb neun uhr in der nacht, keinem im dorf wurde 
von ihnen etwas genommen, noch einiges leijd zugefügt, aus forcht und 
angst, sonderlich wenn die realiter zwischen denen lüsseren einjagten, 
burtzelten öfters in gedränge diese über jene her; einjeder trachtete andern 
vorzukommen. 

Fröhlig und lächerlich wäre dieses anzusehen. Die nun in der spätem 
nacht dem Verloffen schwärm nachkamen, davon drängten sich incirca 
4i)o dahier in die Eäuser ein, abgemattet, hüngrich, durstig, zitternd, und 
bebende begehrten sie demütig labung, und nachts-quartier; augenblicklich 
waren sie mit sack und pack zum laufen fertig, so ginge die nachl vorbei, 
es wäre aber was seltsames, dass in dieser nacht die pastorath von allem 
anfall frei belassen wurde. 



— 38 — 

Änderten morgens, 2 ,e " Merz gegen 4 Uhr kamen nur wenige Kaiser- 
liche scharf-schützen bis an den Knings-berg, alda stelleten sich einige 
franzosen zum gegenwehr, machten mit trommele« lärmen; es wurde beider- 
seits gegeneinander gefeuret, bald machten die franzmänner den garaus 
und Helfen alle auf Aachen zu. am gasthaus wurde Einer erschossen, und 
von denen nachbahren in ein garten begraben, annoch wurde einer beijin 
steinweg gegen den hundskirchhoff 1 erschossen: kurzum: die wenige Scharf- 
schützen jagten alle bis in Aachen. Haaren wäre von franzosen ganz leer. 

Hier wäre freud nndjubel; ich und ein jeder Tracktirte die ermüdete 
scharl'schüzen nach Vermögen auf das beste. 

Diese freud und jubel wurde nun desto grösser, als wir höreten, dass 
ebenen morgens um acht uhr von denen hierdurch geloffenen franzosen kein 
mann mehr in der statt wäre; alle wären durch Junckers thor über den 
aachener Busch fort und so ferner sporenstreich geloffen. Diese Botschaft 
verursachte eine vollkommene freude. allein 

diese freude daurte nicht lange, sondern veränderte sich an selbigen 
morgen in äusserste gefahr, angst und schröcken. Zwischen 9 und 10 uhr 
wäre ein Trup franzosen (man weiss die Zahl deren nicht zu bestimmen, 
etliche Tausend waren ihrer, so aus der gegend Geilenkirshen flüchteten) 
vor Pont-thor, die verschlossene pfort wurde durch kanonen und sonstige 
gewalt eröffenet: die Horde trunge muthvoll zur statt hinein, in ineinung, 
die übrigen fortgeloffene noch anzutreffen, und so Vereiniget die statt für 
sich zu behaupten. Sie pflanzten ihre stücke auf die wälle, fürnehmlich 
an Kölner-thor, um die ankommende Kaiserliche abzuhalten, gegen neun uhr 
ritten alhier 15 oder 18 ulanen vorbei, als diese hörten, dass die franzosen 
in der statt wären, marschierten diese wenige mit den wenigen scharf- 
schütz unerschrocken zur statt, ihnen wurde von den bürgeren S. Adalberts- 
Tohr eröffnet, sie marschierten hinein; da sie aber die Strassen Von den 
vielen franzosen besetzet fanden, tahten sie einige Schüsse, und machten 
sich zum Tohr hinaus. Die franzmänner kanonirten mit stück und muss- 
queten, sie stolzirten, als wären und blieben sie von aach und dem Reiche 
Herr und meister. Wie bei dieser unvermuhten Katastrophe uns und allen 
in und ausser der statt ums Herz gewesen, ist leicht zu denken, unsere 
wünsche und Hofnung wäre, dass die Kaiserliche kämen, und uns von 
dem Ungeziefer befreieten. 

Endlich gegen halb ein uhr käme die Kaiserl. arme zu fuss und zu 
pferde. es wäre eine lust die unerschrockene, wohlgeordnete, schönste Völker 
zu sehen, sie marschierten durch gute anweisung durch den Pass, stellten 
sich auf den wingardsberg. Da wäre aber die Stellung nicht vortheilhaftig. 
gute weg-erfahrene weiser führten sie hinterwerts auf den Laues-berg: 
alda ranchirten sie sich und stürmten den berg hinab zu Pont-thor hinein, 
flelen auf low art, die franzosen an, .diese widersetzten sich, die Canonen 



') So wurde ein vor Kölnthor an der Wurm gelegenes Landgut genannt. 



— 39 — 

brauseten, die Musketten donnerten gegeneinander, als wäre der jüngste 
tag und unser allen Untergang vorhanden. Die franzosen, zu par getrieben, 
postirten sich auf den grossen mark, löseten ihre kanonen alda, wie vorhin 
ahn Kölner-tohr, umsonst pur in den wind und reterirten sonach las an 
Jacobs-mitteL-pfort; hie fasten sie wieder Posto, wurden aber auch von 
dannen vertrieben mit hinterlassung zweien Kanonen, welche denen Aachener 
wegen ihrer treugeleisten beihülf zum andenken geschenket werden. Beij 
dieser action wurden getödtet 51 franzosen nnd eine französische Dame, 
und nur 4 Kaiserliche, die Viere wurden auf dein münster-kirchhof be- 
graben, nicht aber die franzosen. diese unchristen. 

An Jacobsmittelpfort entschiedete sich die streit-scene; die franzosen 
tanzten den Kehr-aus, die Füsser lieffen über hals und köpf, die Reuther 
gallopirten über Holz und stein zur Junkers pfort hinaus bis in den aacher 
busch, alda machten sie front, kaum aber kamen ihnen die Kaiserlichen nach, 
erschossen auch alda noch einige, alsdan reterirten die franzosen in die 
weite fort und die Kaiserliche kamen in triumph zurück. 

Nunc erat in pleno Gloria in excelsis. 

Bürger-Marchal-de-Camp Dampierre (vulpes sub pelle ovina, et pseudo 
Commendant ä aix) wäre schon morgens denen ersten flüehtlingen nachge- 
flüchtet und so die barbarische konvents-Komiuissarien Camus, Delacroix, 
(itissuin, danton, Feres, enarchant, Michel etc.. deren einige die schon vor- 
hin inventarisirte Kirchen und Klöster-effecten zweij Tage vor der flucht 
de novo inventarisiret, und eingepackt zum wegfahren bereit gesetzt hatten. 
sed nihil horum: die laster-horde wurde eilfertig und so stark zum flüchten 
genöhtiget, dass sie in der statt, wie draussen im reich gegen ihr Vor- 
haben ans rauben und plündern nicht gedachten. 

SanCtVs DeVs fortls erlpVIt nos De LaqVels 
VenantlbVs & a LIngVIs DoLosIs. 

Inia et Ilda Martii. 

Am 2 ,e " und :'>''" Merz niarchierte die Kaiserliche Generalität: Prinz 
Coburg, Karl, dermaliger Gouverneur in Braband etc. Clarfait, Witten- 
berg etc. übei- Aldenhoven, Closterode und so ferner auf Mastrich zu, 
dahin die derseitige armee im Marsch wäre, alda ankommende, war kein 
franzoss mehr vor Mastrich anzutreffen, nach 10 ad 11 Tägigen belägerung 
und bombardirung der statt hatte die pansche forchl deren anrückenden 
Kaiserlichen sie schon zum Voraus in flucht getrieben: Die Kaiserliche 
folgten ihnen, die Franzosen rückten über Tongern, postirten sich furtheil- 
haftig bei Tongoi'laii am eisenberg; Hier kam es zur blutigsten schlacht, 
dabei die Kaiserliche den herrlichsten siege erfochteten. 

Es wurden andere seits, nach einer harten gegenwähr, die t'ranz- 
manner aus Lüttig getrieben; sie räumten sohin das Lütticher land, Hol- 
land, und die Niederlande, flohen i»is auf ihren französischen boden. Durch 
Gottes beihülf wäre in Zeit vom ersten- bis den zehnd Merz das antheil 



— 40 — 

des gülicher Lands, unser aacher Reich, das lüttiger Land, Holland und 
Brabant von denen, Heil und Glück, freiheit und gleichheit ausposaunen- 
den, Erzfeinden befreiet. 

DeVs ter-BonVs, 
eXorante B. Maria, 
ConserVes Lares nöstros ab hls Infensls athels et exosls InseCtls. 

1794. 

Nachdem der Kayser (welcher in selbst eigen hohen Person die 
alliirte ruhmlich kommandiret hatte) die arme verlassen, haben die fran- 
zosen die festungen Maintz, Conde, Valenciennes, Quesnoy wieder erobert 
und nach Einnahme der Rhein-festung Fortlouis sind die alliirte per halsnm 
et collum bis über die Maas reteriret, haben sich alda verschanzet und 
Posto gehalten: Endlich setzten die franzmänner mit Übermacht zwischen 
Lüttig über die Maas, und die Kaiserlichen rückten näher und näher auf 
unsere gegend zu. Sodann nahm Prinz Coburg in ein rührenden beij seiner 
Armee kundgemachten schreiben von seinen Waffenbrüdern abscheid, und 
am 28 ten August übernahm Graf Clarfait den Oberbefehl der Kaiserlichen 
Hauptarmee im Hauptquartier zu Fouron le Comte und general Beaulieu 
wurde als Generalquartiermeister beij der Armee bekannt gemacht. Am 
l ten 7 ber passirte durch Aachen und Haaren mit dem Erzherzogen Carl 
Prinz Coburg auf Wien. 

Demnach kamen die Kaiserliche näher und näher bis in Aachen, 
setzten sich aufm aacher Busch, die franzosen folgten ihnen bis dahin 
nach, es wurde gegeneinander kanuiret; am 21 ten September flohen die 
Kaiserliche; daher entstünde hier im Dorf wegen ankommenden aus forcht 
von aach bis hiehin laufenden Menschen nachmittags gegen 4 Uhr ein 
lärm, Heulen, und schröcken bei mir und einenjeden so grässlich als wäre 
der jüngste Tag vorhanden. Diese angst wurde aber bald gestillet, weil 
noch keine franzosen, wie gesagt wurde, in aachen eingerückt waren. 

Am 22 len 7 ber flohen durch unser Dorf die letzte Kaiserliche zu fuss 
und zu pferd, nahmen und plünderten alles, was sie bei Tag und nacht 
nur aus und in den Hauseren, scheuren, stallen etc. erwischen konnten unter 
der aussag: si nos non rapiamus, rapient galli insequentes. 

Das Magazin von waserley montur- und Kleyderstück, Hinten, säbel, 
patrons-tascheu etc. von den Kaiserlichen bei mir in saal und sonst im 
Haus ad 6 Wochen gewesen, und wodurch ich der Zeit von Einquartirung 
ziemlich frei bliebe, war kurz vor obigem auf köln transportiret. 

Am 23 ten 7'"' r kamen die franzmänner in Aachen, den 24 ten zu jeder- 
mans grössten schröcken in Haaren und in die gegend, ut Lupi. rapaces, 
rapiebant plurima et exspoliabanl fere omnes, perpaucis in hoc pago, ut et 
alibi exceptis. 

Am 25 teD fiele eine gantze rotte in meine Pastorath ein, setzten mir 
2 Bajonett zum leibe, fielen in Keller und Zimmeren, nur unten zu erde, 



• — 41 — 

hinein, eröffneten und durchwühlten alles, was ihnen zu Händen käme, 
nahmen geld. Mobilen, Kleider und sonstiges, was nur zu erhaschen war«-. 
Zum grösten glück und zu Verhütung ferner gänzlichen Plünderung rieffe 
unser Organist zweij eben vor der Thür anwesende französische officier 
in die Pastorath, welche die raubhorde abtrieben, soh in wäre der Verlusl 
und schade leidentlich. 

Gleich darauf polterten ganz ungestüm 4 Trollende rasende raub- 
vögel, welche mit Hülfschreien von der Kirchofs-Thür wurden abgetrieben. 
Eben darauf bekäme ich zwei salve-guardes ins hauss. welche auf einem 
tag bis zum achten mahl die an der Pastorath raub-wollende Soldaten ab- 
hielten und so forthin mein Hauss von oftermaligen anfall treulichst be- 
schützten, Was diese mir gekostet, haben sie mir vielfältig- profitiret, denn 
ohne selbe wäre ich gänzlich ausgeplündert worden, am 28"' 11 7 ber musten 
diese zweij gute beschützer ungern mich verlassen und zur statt gehen. 
allwo sie nicht hoffen konten das, was sie bei mir bekommen tliaten. 

An eben diesem 28 ten 7' ,e1 ' wurde von Burtscheid das Hauptquartier auf 
Haaren verleget mit dem General jourdan noch 7 Generälen, vielen offi- 
cieren, vielen Truppen und 400 pferden zum unsäglichen last und schaden 
unseres dorfs, denn was hier muste hergegeben und beigeschaffet werden, 
dieses kann ich nicht schreiben. Solutio Nulla. Es käme 

Zum grösten last und unsäglich unruhe zu mir le primier Represen- 
tent de Peuple Gillet mit einem kommissaire, ein secretaire und 5 ad ti 
knechten, die occupirten die ganze Pastorath, nur mein Schlafzimmer 
bliebe frei, stechen und kochen für Herr und Knecht währete von morgens 
bis gantz spät in die nacht, und dieses alles muste meine Haushälterin 
thun, dann es wäre bei ihnen kein Koch, wie bei denen anderen Generälen, 
dahero konte für mich nichts zur speiss und trank bereitet werden : meine 
Köchinn wäre eine schlavin und ich muste oft hunger und durst leiden, 
da andere gut assen und tranken, ohne meiner im mindesten zu gedenken - 
überdies wäre die Pastorath einer Wachtstub den ganzen tag hindurch 
gleich; zum Representant kamen anhaltend officier, kurier, Soldaten, ge- 
meinds-deputirten und supplicanten von allen orten, städten und Dorfschaften; 
der Hausessteinweg war immer von menschen angefüllet, und dieses con- 
tinuirte vom Sonntag den 28 ten 7" cr bis freitag 3 ten October, da der Re- 
presentant mit dem kommissaire zur Armee auf gülich ritten, und eben 
diese nacht gegen 12 uhr wäre mein Hauss leer und das Eauptquartier 
folgte nach auf Aldenhoven. Von Zahlung geschähe keine meidung, kein 
sous wurde mir präsentiret, nichts gar nichts wurde mir bezahlet. Blictri 
wäre mein lohn und die befreiung von dem greulichen kostspielig Last mein 
trost und ein ebener trost ineinen parochianen, denn wenn das Eaupt- 
quartier noch einmal so lang hier verharret hätte, so wäre Haaren auf 
einmal ganz erschöpfet werden und nichts mehr für menschen und Viehe 
übrig geblieben. 

Bei an- und einrückung dieses gewaltigen Hauptquartiers wäre im 



— 42 — 

Dorf timor et tremor, mera perturbatio et abominationis desolatio, omnia 
susque deque vertebatur. ast ecce! alia ex alia perturbatio: tumultus ex 
tumultu: eadem Dominica 28 7 bris , flnito jara tum primo sacro, komt zu 
mir ein französischer unterofficier geloffen, ansagend: eilens sollte die 
Kirche geräumt werde, denn gleich kämen die arrestanten hinein. Wir 
reterirten, und retteten, was immer möglichst zu retten war. Indessen 
war auf einmal die Kirch ganz voll von Gefangenen cujuscunque nationis 
et Status; ich im eifer wollte nochmal zur Kirche hinein, da kamen beij 
Eröffnung der thür die arrestanten haufenweiss auf mich gestürmt unter 
einem greulichen geschreij. dahero muste ich mit schrocken abweichen. 
Hauss und Kirche waren sonach aus meiner Gewalt, eine unruhe folgte 
der andern so ununterbrochen, dass ich keine H. Mess an diesem sonntag 
halten konte, ja auch darzu nicht wusste, ob ich, wenn ich an der Kapell 1 
hätte lesen können, hätte lesen dörffen. 

Montags expiscirte ich, dass Mess halten gestattet wäre, ich läse 
also die H. Mess von montags bis samstags in der Kapel; nach der H. Mess 
schenkte mir den Caffe Vetter Johan Boeven, darzu asse ich eine gute 
Portion butteramen 2 , stärkte mich für den ganzen Tag, um nicht für hunger 
und elend niederzufallen, huic obligatus maneo et grates refero. 

Nunc revertor ad capitvos in Ecclesiam, quae cum coemiterio spelunca . . . 
erat, hi inordinati cujuscunque generis homines mox cantabant, vocifera- 
bantur, et ululabant. mox pulsabant Organum, mox campanas. interim haec 
et similia patienter, sane dolenter ferenda erant. aber, ach aber! am sams- 
tag den 4 ten 8 ber läuteten diese Horden die Glocken und marschierten nach 
Aldenhoven, nun wäre die Kirche leer, aber öd und wüste; und der Kirch- 
hof so besudelt, das vast nicht drüber zu gehen wäre. Es wurde ausser 
und in der Kirche so viel gereiniget, dass man in die Kirche konte hin- 
eingehen. Man fände die Bänke und einen umgeworfen Beichtstuhl merk- 
lich zerbrochen und beschädiget, den opferstock eröffnet, und ausgeplündert, 
die stragulas altarium s Theils verdorben und zerschnitten, theils mit 
einigen Kirchen-büchern und scabellen 4 hinweggenommen: Dabei wäre 
über dieses der grösste schad: es wäre ein merklicher Vorrath an gelben 
und weisen wachs-kerzen (welche wegen unvermuthet schleunigsten Über- 
fall keineswegs aus der auswendig hangenden Kaste konte salviret werden). 
Dieser Kerzen wäre keine einzige mehr vorhanden zum grossen nachtheil 
der Kirch, um die mehr, da der Wachs sehr Theuer und ein pfund weissen 
wachs 9 gülden 5 kostet, am samstag reinigten die Nachbahren die Kirche 
in so weit, dass ich am sonntag den 5 teu 8 bcr den Gottesdienst darin halten 
konte: Hernechst wurde in der Kirche das zerbrochene von Zimmerleuten 



*) Gemeint ist die am Eingang des Dorfes gelegene Kapelle zum hl. Valentin. 
'-') Noch heute im Volksmund für „Butterbrod" gebräuchlich. 

3 ) Altartücher. 

4 ) Lesepult. 

5 ) 2 Mark 25 Pfennig. 



• — 43 — 

repariret, das Verdorbene thunlichst ausgebesseret, die Kirche und der 

Kirchhof nach und nach so gereiniget, dass die Kirche einem Gottes-hauss, 
und der Kirch-Hof einen Gottes-Acker wieder ähnlich wurde. 

Nachsatz. 1794 im August und anfangs September waren die Tai: 
und nacht hier passirende geist- und weltliche. Herrschaften und andere 
flüchtlinge unzehlbar, ja so überhäufet, dass gantze Hanshaltungen mit 
sack, pack und Hausgereid in Aachen und dahier über nacht zu logiren 
keinen platz fanden und auf der strass übernachten musten, aus f rankreich, 
Braband, dem lüttiger Land, und der gegend waren durchgehens die be- 
trübte, beänstigte flüchtlinge. Das laufen, rennen, fahren mit karossen, 
kahren und wagen waren so anhaltend, dass bei deren hören und ansehen 
Herz und Muth sinken musste und man vor furcht, angst, wehmuth und mit- 
leijden vast ausser sich selbst versetzet wurde. Inzwischen rückten die 
franzosen näher und näher, die Kaiserliche reterirten mehr und mehr, da 
nahmen die flucht viele, sonderbahr die wohlhabende aus Aachen. Burt- 
scheid und dieser gegend und zware zu ihrem doppelten Schaden, dan in 
der fremde musten sie verzehren, und zu Haus wurde ihnen vieles ent- 
nehmen und zu gründe gerichtet. Aus meiner pfarr flohen 15 Personen, 
worunter zwei ganze Haushaltungen Theils in's Bergische, theils ins YVest- 
phälische; davon ist einer in der fremde gestorben; sechs sind noch zu- 
rück und S sind im Junius 1795 nach Hause kommen frisch und gesund, 
ja die fuhrleute so dabei waren, sehr glücklich, indeme sie pferde und 
Karrigen unbeschädiget anheim gebracht. 

Francorum Progressus. Molitiones, Dispositionen Centralia, 
Tribunalia et alia quaedam hinc inde extraeta et 
1794 conscripta. 1795. 

Als denen franzosen nach fünf ad sechstägigen erstaunlichen Kanon- 
nirung Mastrich übergeben, kamen sie am 23 teu 7 ber nach Aachen. Er- 
oberten am 3 ten October gülich ohne Bombardement, rückten am 6 1 in 
Köln ein, sonach in Bonn, Koblenz, und besetzten dieserscits den Ehein. 
darüber die Kaiserliche geflohen waren. 

Gleich nach dem Einzug in Aachen ergehet unter ander dieser Befehl 
ans dem am 14 ,ei1 August 1794 von denen Volksrepräsentanten abgefassten 
in 34 articulen bestehenden beschluss. 

Die Einwohner der eroberten Länder sollen ihre Waffen innerhalb 
24 stunden von bekanntmachung der desfalsigen Verordnung an. in dir 
Hände des militär kommendanten ablieferen. Wer überwiesen werden 
würde, selbige zurückgehalten zu haben, soll der militär-kommission über- 
geben und mit dem todt bestraft werden. 

Dies schalle he fehl brachte hier und allen orten angsl und forcht, 
man gäbe die Hinten, ich auch die meinige, ab. sonach wurde dahier zum 
repräsentant Gillet eine grosse breite Kasse mit degen, pistolen und säbelen 
angefüllet. und im saal eröffnet, welche von solcher Kunst and Kostbarkeit, 



— 44 — 

dass deren werth vast nicht zu schätzen. Diese, sagte man, wären alle 
in Aachen eingeliefert worden; nachhero fuhren, nebst denen diesortigen, 
Viele mit Flinten etc. beladene Kaliren aus dem jülicher land hierdurch 
auf aachen ... ad orcum. 

Der bleij vom Tach des Münsters wurde abgenommen, die köstlichen 
Pilasteren aufm Hochmünster niedergehauen, die messingen stanquetten und 
thüren daselbst niedergerissen und der bleij sambt sieben pilaren * und denen 
pfeiffen des übergrossen ausgebrochenen Orgels auf Paris transportiret. 
Diesen folgte bald der vor dem Stadthaus abgenommener Adler, der nieder- 
gerissener, kurz vorher neu aufgesezter memorialstein samb der uralten 
Postür Caroli Magni nach Paris, unter der Krön im Münster wurde das 
Grab eröffnet, nichts aber darin erhaschet. 

15 ten October wurde der freiheitsbaum vor dem stadthauss mit grosser 
solemnität, vocal und instrumentalmusick, mit jubel, Tanzen und springen 
errichtet. 

Nach diesem wurde die Central- Verwaltung des Distrikts von Aachen 
angeordnet. 

Diese aachener generalcentral- Verwaltung bestünde aus 12 gliedern, 
für die Lande von Aachen. Die Banken Vaels, Holset, Vyllen. Wyttem, 
Heyden, Wijlre, für Gülich bis Geilenkirchen, Linnich, Düren, Nideggen, 
Haimbach, Monjoye, Kornelimünster und Burtscheid. 

Diese Lande wurden in 6 Kantons getheilet nähmlich 1. Aachen samt 
dessen Gebiete und Burtscheid; 2. die Bank Vaels und das Land Heyden, 
Wittern, Wijlre; 3. Linnich, Geilenkirchen; 4. Gülich, Düren; 5. Stolberg, 
Eschweiler, Weisweiler; 6. Monjoye und Cornelimünster. 

Die Glieder dieser Centralverwaltung seijen folgende : die Bürger 
Lambrichs von Cornelimünster, Clermont von Vaels, Wiedenfeld von Burt- 
scheid, Adolf Schleicher von Stolberg, Herman Pelzer von Eschweiler, 
Crahe von Linnich, Kamphausen von Geilenkirchen, Eudolph Michels von 
Gülich, Moeglings alt. von Düren, Orth von Monjoye, Cromm und Vossen 
von Aachen. In jedem Kanton soll ein mitglied der Verwaltung residiren, 
die übrigen 6 aber zu Aachen ihren sitz haben, wo sie das Verwaltungs- 
Direktorium ausmachen. In jeder gemeinde ist ein unter- Verwaltung nieder- 
gesetzt, welche aus einem Maire und einer gewissen anzahl beigeordneten 
besteht nach wenig oder viel Bevölkerung derenselben. 

National-Domaine d'Aix. 

Aachen, Burtscheid, Land Heyden, Cornelimünster, Monjoije, Ämter 
Eschweiler, Wilhelmstein und schönforst. 

Tribunalia zu Aachen. 



') Nicht 7, sondern 39 überaus wertvolle marinorene Säulen haben die Franzosen 
auf dem Hochmünster ausbrechen und nebst vielen andern geraubten Kunstgegenständen 
nach Paris schaffen lassen. 28 Säulen und 10 Kapitale wurden 1815 nach Aachen 



zurückgebracht. 



• — 45 — 

1. Obhuts-Ausschuss, 2.. Handels-Tribunal. Dabei klauet man die 
Wechselsach. 8. Friedensgerichte von Burtscheid und Aachen. Dabei 
klaget der, welcher von denen emigrirten, oder auch sonsten zu fordern 
hat. 4. Ober-Appellations-Tribunal. 6. Municipalität von Burtscheid und 

Aachen. 6. Bezirks-Verwaltung. 7. Central-Verwaltung. 8. Revolutions- 
Tribunal: Dieses cessiret. 

Die Centraladministratoren musten in sämtlichen gemeinden einen 
general und besondern Etat des sämtlich sich daselbst befindlichen ge- 
dreides, der fouragen, des Viehes, der victualien, bergwerke, fabriken, 
urstoffe und waaren entwerfen. Diese und alles ohne ausnähme wurde 
sonach in requisition gesetztet und von allem und allem muste und muss 
immerfort beigeschafft geliefert werden gegen Zahlung, ast pro! in per- 
paucis Assignatis i. e. Moneta papyracea quae est nullius valoris, est causa 
principalis penuriae, caritatis, inopiae, I'amis, paupertatis et communis ruinae. 

Sie musten den Verkauf der Mobilien und Effekten der Emigrirten 
bewerkstelligen, die der Republik verfallenen forderungen, welche von 
denen schüldneren, deren vormahlig regenten, oder Emigrirten herrühren, 
samd den gemeinen Abgaben eintreiben. 

sämtliche Pächter der Emigrirten, des Kapitels zu Aachen und anderer 
ausgewichenen sint gehalten, unter strafe militärischer Exekution, ihre 
pachtbriefe einzubringen, hiehin zu zahlen, und die rückständigen Zehenden 
alsogleichan das hiesige stadt-Kornhauss abzuliefern. 

Allen Bürgern wird empfohlen, ohne scheu diejenigen zu denunziren, 
welche vorgemelte gegenstände, oder auch sonstige Sachen, die den Emi- 
grirten zugehöret, verborgen halten, jeder Denuntiant soll ein Drittel des 
werths des denunzirten gegenständes zu belohnung erhalten, und in an- 
sehung seines namens soll die genaueste Verschwiegenheit beobachtet 
werden, in hisce latet anguis proditionis. 

In dem Lande von der Maas bis an den Rhein werden fünf und 
zwanzig Millionen Kontribution gefordert, die aber hernach durch den Re- 
presentant Gillet auf 8 Millionen Livres sint reduciret worden. 

Gehalt der glieder von general Verwaltung 
ist monatlich 250 liv., und jener der seeundair Verwaltungen 200 livres. 
Der gehalt der Richter von dem obertribunal ebenfalls 250 liv. und der 
Richter von den unter-Tribunälen 200 Livres. Die gehalle der secretäre, 
gerichtschreiber, Commis und anderer bedienten der Verwaltungen und 
Tribunale, item die Kanzlei -Auslagen weiden von der general Verwaltung 
nach ihrem gutachten auszahlt. 

N een ia. 

Mars; Libitina; Farnes multiplical undique Clades 
Auxietas, Lucius, Tristitia et clanior inanis. 

Vacant opifices, cessanl Artifices; otiatur Fabrica cum officina. Com- 
mercia tabeseunt, Negotia labeseunt. 



— 46 — 

Galli dominantur; Aurigae vexantur, Latrones furantur. Domus et 
horrea, Fora et Granaria, Agri etPrata periclitantur, evacuantur, spoliantur. 

Pueri voriferantur, Matres lamentantur, Patres querelantur. 

pecora avocantur, pecudes mactantur; pecuniae exiguntur, assignati 
distribuuntur, Capitalia papyro redimuntur. 

Divites tremescunt. Mediocres gemescunt. Pauperes horrescunt. 

Emigratörura Habitacula destruuntur, abscondita produntur, Mobilia 
venduntur, cibaria consumuntur. Vina e cellis extrahuntur; omnia susque 
deque vertuntur. 

Omnes cujuscunque Status et conditionis panem anlielantes, panem 
quaerunt, et vix aut ne vix quidem saepe saepius inveniunt. 

tempora durissima! vivaria rarissima! victualia carissiina! o cala- 
mitas pene extrema! ah! non ultra manus doraini flagellat Nos precamur: 
o Dens benigne, juste et misericors! exaudi nos, salva nos, sine Te peribimus. 

Ora pro nobis dulcissima Virgo Maria! 

Xullus ünis Miseriae, Materiae flnis nullus: ambae singulis diebus 
invalescunt ; liinc scribendo huc illuc coucursavi et concurso. 



An das greisliche Elend, so sich ex septembri 1794 ereignet hat, 
kan niemand, der mit mir gelebet, und in diesem elend-vollen 1795 fort- 
lebet, ohne schauderen gedenken. Die Nachwelt inuss darüber starren und 
erstaunen. 

Greuliche Todes-ängsten, höchste Theurungen, schwäreste Krieges- 
lasten, äusserste Armuth, schwarzer Hunger sind Zeugen, welche solche 
Epoche unseren naehkümlingen in den jahr-bücheren zum beileijd und mit- 
leijden werden auszeichnen. 

Über 2 monat ex december 1794 in febr. = 95 anhaltende, nie- 
mals so heftig anhaltende Kälte, strengste froste, grimmige winde und 
ausserordentlich auf einander backendes Eis bereitete die Werkzeug zu 
Vergrösserung des schon überaus hartdrückenden Jammers und Elends bei 
denen minaehlassenden, erschröcklich- verderblichen Kriegcs-trubelen. 

Diese Witterung, das menschen, Viehe und geschütz tragendes Eis 
eröffnete und bahnte den weg und Zugang zu denen sonst wegen denen 
wasser-schleussen vast nicht zu erreichenden und schier unüberwindlichen 
festungen, dass sie dieselbige, und mit diesen im Februar 1795 Kolland 
und Seeland einnahmen und eroberten. 

hie Abteij Closterode, woraus alle Herren emigriret, ist heinahe tota- 
litär ausser stand gesetztet, viele bücher aus ihrer Bibliothek sind in dieser 
gegend von denen franzmännern feil gebotten und spotfeil veraliiniret 
winden. 

Die Abtei Bourtscheid, woraus alle, ausgenommen die alte fr. Priorin, 
emigriret, ist durcheinander geschlagen, zum Lazareth gebrauchet, annebst 
die schöne Kirche mit dem neuen prächtigen Altai- und sonstig zu schänden 



- 47 - 

gemacht worden, die fräulein so um st. Peter und Paul zurück kommen, 
haben beijm Herr Pastor einkehren müssen. Die Kanonie deren Regulir- 
herrn 1 ist ebenfalls inwendig durcheinander geschlagen von kranken, ge- 
sunden und waseleij bagase(?) besetztet: in die Kirche sind die Pferde 
einstalliret worden; hieraus last sich denken, wie selbe zugerüstel worden. 
Die Herren waren emigriret aussei- dem H. Prior Tuves und H. Ollers, 
diese niusten zum Closter hinaus und halten sieh in der Dechani auf: ends 
Junius sint die Herren wiederkommen und beij ihren freunden eingekehret. 

Auch ist das Kloster deren P. P. Karmeliteren - durch einander ge- 
schlagen, darin in der Kirchen ein Lazareth. Vier Patres haben ihren 
aufenthalt in einem Haus gegen ihrem Kloster über und halten H. Mess 
im Kloster B. Leonard. 

In der St. Michaelskirche ist das Magazin, im Collegio die Backereij 
und mehreres. 

Die H. Mess für die Studenten und sonstige Gottes-Dienst wirl in 
S. Annae Kirch gehalten. Das wohnhauss und die schullen sind ganz ver- 
wüstet, 

Im Marienthal und S. Leonard siehts über die schranken wüste aus. 
Die Nonnen sind theils emigriret, theils in der Stadt logiret, in beiden 
Klöstern ist das Lazareth. 

Augustiner und Dominicaner haben von waserleij belastungen Vieles 
erlitten, Vieles, ausser denen Kirchen verdorben. Die Kranke haben in 
den Klösteren und die pferde in denen Kreuzgängen vielen unrath gemacht. 
Dreij Patres und Brüder sind im Prediger kloster geblieben, die übrigen 
sind emigriret und im Junius retournirt, so eben die geflüchtete Patres 
Augustiner. 

Die Patres Franciscaner haben wegen dem Lazareth mehr gelitten 
als die pp. kapuziner 3 bei jenen ist mehreres verwüstet, als bei diesen, 
in beiden klösteren waren mehrere denn die Hälfte emigrirt: sind auch 
beiderseits im junius zurückkommen. Ein merklicher Nebenschaden ist 
diesen beiden klöstern zugefügt worden: aus dem Hohen Altar deren 
pp. kapuzinern haben die franzoseu gleich anfangs die schildereij, welche 
tausenden werth wäre, hinweggenommen und so eine schilderey aus der 
Kirche der pp. Franziskaneren 4 . Diese beide kostbahrste stücke haben sie 
zusammen gerollet und auf Paris geschicket, ad quid perditio haec? 

Die übrigen Klöster haben ohne ausnähme ihre lastung, schaden und 
beschwärden ertragen, aber nicht, so hart und drückend, als die vorge- 
melte; diese nach der Ordnung einzuführen, wäre gar zu weitschichtig. 

') Das Regulirherrenkloster befand sich aui der heutigen Alexanderstrasse zwischen 
Sandkaul- und Beinzenstrasse. Siehe Greving, Zeitschrift des Aachener Geschichts Vereins 
Bd. XIII, S. 1 ff. 

-i Das Kloster der Karmeliter la^' am linken Ufer des die Fvanzstrasse kreuzenden 
Ponellbaches, s. Wacker, Lehen und Wirkendes Aachener Geschichtsscln'eibers Chr. Quix. S. 6. 

:| ) Siehe Quix, historisch-topogr. Beschreibung der Stadl Aachen. S, 85 ff. 

4 ) Siehe Neu, Zur Geschichte des Franziskanerklosters etc. S. 120. 



— 48 — 

Aus dem Sept. 171)4 bis Junius IT*-» r> sint unzählbahre kranke und 
blessirte vast alltäglich hierdurch auf Aachen gefahren, auch viele zu fuss 
dahin gegangen, denn es waren in Aachen sieben Lazareten. 

Was unsäglich viele Truppen zu fuss und zu pferde, wägen, kuppel- 
pferde, pulver-wägen, bomben, feurschlünde und waserleij kriegserforder- 
nissen derzeit hier von Tag zu Tag auf und ab theils passiret, theils ein- 
([iiartiret gewesen, bin ich nicht bestand anzuführen. 

Ganze Heerden schaaf und hornvieh sint öfters und vielmals hierdurch 
bald auf Aachen, bald ins gülicher Land getrieben worden. Diese Re- 
quisition und lieferung continuiret noch immerfort. 

Am 4"'" Junius 1795 ist die fcstung Luxemburg durch kapitulation 
an die franzosen übergegangen; von der besatzung auf dem glacis incirca 
ad 12 000 das Gewähr gestrecket. 

Im Junius et Julius passiren und pernoctiren allhier Viele ausge- 
wechselte Hessen und Kaiserliche, sagende ihre gefangenschaft seije ihnen 
in kumnier und elend überaus sauer und hart gefallen. Man siehts an 
ihren gesichteren, kleijdungen etc. 

in festo 8. Johannis Baptistae morgens gegen acht uhr käme hier ein 
ungeheuer grosser bei Burtscheid verfertigter, mit gelber Seide überzogener 
Luft-Ball, welcher wegen seiner grosse, runde, länge und breite zwischen 
der Pastorath und dem gegenüber Hause nicht konte durchbracht werden, 
dahero selbiger von sechszehn persohnen, deren jeder ihn mit seileren zogen, 
in die Höhe gelassen wurde so hing, bis er wiederum spatium fände, in 
der niedern fortbracht zu werden bis zum Rhein und zwar an vielen orten 
geradezu durchs fehl nicht ohne geringe beschädigung deren lieben ge- 
segneten Flüchten. 

17!).") in Junio obiit Ludovicus Carolus, natus 1795 27 ma Martii ex 
ulcere in poplite febri accedente, Filius unicus Regis 16". 

1795 den 17 ten May hat Preussen mit der französischen Republik 
einen Neutralisations-Traktat geschlossen. 

Stetshin werden Heerden requirirter Kühe, Rinder und schaafe ohne 
Zahl dahier vorbei getrieben, im Juli (5 Heerden Hornviehe in einer woche 
quod videre summo est dolori, auch fahren hierdurch viele Pontons auf 
den Rhein zu. 

Den 22"" Julius hat der König von Spanien mit der französischen 
Republique einen friedens-tractat geschlossen: alles kommt ad statuin quo, 
aussei- dein atifheil der Insel st, Domingo, so der könig der republik ab- 
tritt und überlässt, also hat Spanien an dieser Insel in den Antillen kein 
theil mehr. 

Anfangs August sint die 7 im October 179) aufm Hochmunster ab- 
gebrochene köstliche Pilaren auf 7 Wagen nach Paris gefahren worden, 
ah Coelites ! 

Am r> ad 6 ten 7'"' ist der französische linke Flügel über den Rhein 
übergangen und hat am dito G'°" general Championnet morgens in Dussel- 



- 49 — 

dorf sein Hauptquartier genommen. Der Uebergang wäre bei Ürdingen, 
bei Eichelkamp und bey Neus. 

Sonach passirten hierdurch innerhalb 4 tagen zeit bei die 600 von 
den hartistgepressten fuhrleuten requirirte pferd von jenseit Aachen und 
dieser gegend'äuf den Rhein zu gegen Düsseldorf. 

Parochiam meam praeterire nequeo: 

Haec, civitati Aquensi proximior, est Lapis utrimque generalis et 
angularis primae ac universalis offensionis. 

Quaedam, memoratu digna, et praeter cetera summopere dolenda com- 
miseranter refero. 

Vom 23 ten September 17D4 ist meine Pfarr kein einzig Tag noch 
nacht von Kriegslasten frei gewesen; bald sint hier ein nacht bald zwo 
nacht und einen auch zu Zeit mehrere Tage, jetz füsser, jetz füsser und 
reuther, wagenknechte, und waserleij beigehörige, dass zuweilen 20 ad 
25 in einem Hause zusammen sint, und sogar nun und dann die Armen 
nicht mögen frei bleiben. 

Die füsser haben öfter kein fleisch noch brod. dieses mnss ihnen 
nebst sonstig unentgeldlich gegeben werden. Den reuthern und wagen- 
knechten fehlet es oft nebst vorigen zwei Theilen an fourage: allons heist 
es beigeschafft. Dies dauert so immerfort bis in den Julius 1795 und i>t 
davon noch keine befreyung zu ersehen. 

Bey den requirirten Lieferungen ist Haaren, unangesehen deren Re- 
monstration und Suppliquen in keinem Theile verschönet worden: von an- 
beginn der Haupfi-Central-Verwaltung in Aachen müssen 25 glafteren Holz 
wöchentlich von unser dreij Quartiren im Busch auf gemeinds-kösten verfertige! 
und von den gemeinds-fuhrleuten zur statt erga Blictri gefahren werden. 

Haaren hat bis Juli 1795 würklich 41 theils Kühe, theils Rinder 
einliefern müssen, darzu von wenige schaafe, weilen wenige in der pfarre, 
also nur achtzehn Stücke gelieferet: iten im Juli achtzehn, also sechs und 
dreissig stücke aus nur 3 kleinen Heerden. 

Extremum Calamitatis est pluvia super pluviam in junio, julio. 

Anna (?) novereavit euneta inundavit, domos, hortos, prata atque 
agros vastavit per fluviam, diluvium, numquam visura ab ullo hie viventium. 

Die Bach hat im Julio unten im Dorf, und so circa circum alles und 

alles überschwemmt bis zum vierten inul praesertim a 25 ta ad 27 " erat 

horrenda eluvies; repetita 2 da Augusti. 

Im October habe ich und alle ohne ausnähme schwere Kontribution 
per morgen quasi servis 12 gülden zahlen müssen. 

Aus unserin Busch weiden täglich 18 Kahre brandholz nach aachen \i;i 
Ibrti gefoderet. nebst diesem sind aus dem hintersten Busch zu Dürwis 
2oo Reichsthlr. Kontribution bezahlt, lieverungen werden immerforl er- 
zwungen, einquartirungen continuiren von Tag zu Tag ohnunterbrochen, 
Jammer und elend, rauben stehlen führen allenthalben das rüder. 
abominanda libertas! 



— 50 — 

1796. 

Aimus novus, nova miseria, ruinae novae! 

Aus dem vodersten sind Januar 500 Reichsthlr. Kontribution sub 
nomine eines gezwungenen Anlehens gefoderet und sonach in Aachen bezahlt 
worden ohn Nachlass einer buschen. 

Im februar hat Haaren (und andere Orten) 1400 pfund Kühe- und rind- 
fleisch in natura lieferen oder mit münz Theuer bezahlen müssen. Darzu wird 
das von dreien Jahren her nicht gefodertes Mehlgeld erpresset, dadurch 
alles gänzlich erschöpft und ausgemergelt wird, noch nicht genug: gewinn 
und gewerb muss ein merkliches kontribuiren auf dem bind und in der 
statt, anbei einjeder in der statt von seinem Hauss und Häusern. 

Die Nadelfabrique florirte in vorig Jahr nicht, aber die Tuchfabrigs 
diese waren vast allenthalben ganz müssig: nun floriret einzig die Tücher- 
arbeit, nicht aber die nadelmacherei. 

Nicht wenige in meiner pfarr, wie auch anderwerts gehen bettelen, 
die vorhin das liebe Brod und noch was darzu zu gemessen hatten. 
kummer, o noth! 

Regem Reginam detruncavere Tyranni 
Omnem Conventum par quoque poena premet. 

In einem sehr alten Buch zu Aachen, die Brüssler Chronik 1 genannt, 
stehet folgendes: 

Anno millesimo, bis ter Centeno. 

Ter quadraginta, et quinquageno, 

Bis ter, bis nono, finem tibi Gallia pono. 

Wan man wird schreiben die Zahl: 

Ein Tausend 1000 

Zwei mal dreihundert 600 

Drei mahl vierzig 120 

Einmal fünfzig 50 

Zweimahl drei und zweimahl neun 24 

1794 
wird Frankreichs Ende sein. 
Lary: Fary. 



Kleinere Mitteilung. 

Der Aachener Stadtbrand im Jahre 1656. 

In dem alten Baarener Kirchenbuche, welches die Nachweise über die vom 
.Inhre Ki4!) bis zum Jahre L722 in der dortigen Pfarre vorgekommenen Taufen, Kopulationen 
und Sterbefälle enthält, befinden sich drei kurze Berichte über den grossen Stadtbrand 

in Aachen, die, wenn sie auch nichts wesentlich Neues bieten, doch aus mehrfachen 



') lieber dieses Buch habe ich Näheres nicht erfahren können. 



• — 51 — 

Gründen der Veröffentlichung wert zu sein scheinen. Dieselben rühren sämtlich von der 
Band des Pfarrers Heinrich Brewer her, der am 14. Februar 1649 in der Nachbargemeinde 
Haaren in sein geistliches Ami eingeführt wurde. Derselbe stammt seinen eigenen Angaben 
gemäss aus „pauffendorp", also aus Puffendorf, einem Pfarrorte im Kreise Geilenkirchen, 
war eine Zeitlang Schulrektor and Kaplan inWalhorn und wurde in dem angegebenen Jahre 
Pfarrer in Baareif; wo er am 2. Juli 1679 gestorben i>t. Der im II. Jahrgang dieser 
Zeitschrift S. 12 und folgende erwähnte, als Geschichtsschreiber und Dichter rühmlichsl 
bekannte Pfarrer Heinrich Brewer von St. Jakob in Aachen, dürfte wohl ein Nette des 
Haarener Pfarrers gewesen sein, da er mit ihm gleichen Geburtsort, Vor- und Familien- 
namen teilte. Oh die beiden auch mit dem um dieselbe Zeit als Pfarrer von St. Peter 
in Aachen wirkenden Gerardus Brewer, den Planker 1 im Anschluss an Quix für einen 
geborenen Aachener hält, verwandt gewesen ist, steht nicht fest. Die Mitteilungen des 
Pfarrers Brewer von Haaren über den Stadtbrand in Aachen sind schon um deswillen 
interessant und- bemerkenswert, weil er jedes Mal ausdrücklich hervorhebt, da-- er mit 
eigenen Augen der verheerenden Feuersbrunst zugeschaui habe. Dieselben bestätigen 
bezüglich des Namens des Mannes, bei dem das Feuer ausgebrochen und bezüglich der 
Lage seines Hauses die Angaben jener andern gleichzeitigen Chronisten, die vermöge ihrer 
gesellschaftlichen Stellung und Bildung das meiste Vertrauen beanspruchen können. Was 
zunächst den Namen des Mannes anbelangt, in dessen Hause der Herd des Feuers zu 
suchen ist, so war derselbe bekanntlich in den Ratsprotokollen der freien Reichsstadt 
Aachen verzeichnet, ist aber uachher durchgestrichen worden. <>b dies geschehen ist, 
weil man andeuten wollte, dass der Name des Menschen, der mindestens durch Fahrlässig- 
keit so unsägliches Unglück über seine Vaterstadt und seine Mitbürger gebracht, nur 
wert sei ewiger Vergessenheit anheimzufallen, oder aber, weil man dadurch einen Unschuldigen 
vor Verdächtigungen der Nachwelt möglichst schützen wollte, möge dahin erstellt bleiben: 
genug, er ist in den amtlichen Schriftstücken nicht mehr vorhanden. Der zur Zeit des 
Brandes in dem unweit entfernten Dominikanerkloster lebende Faienbruder Abraham 
Erven- berichtet, dass der Mann „Peter Maw" geheissen ha.be. In einer handschriftlichen 
Aufzeichnung 3 eines Augenzeugen, die sich auf einem leeren Blatte eines Exemplars 
der Chronik von Noppius befindet, wird er ebenfalls „Maw" genannt. Und gleichfalls 
nach anserm Chronist Heinrich Brewer führte er den Zunamen „Maw". Demgegenüber 
können die Angaben des Meyer 4 , in seinen um 17T>1 erschienenen „Achensche Geschichten", 
dass er „Johann Mous" geheissen habe um so weniger in die Wagschale fallen, als 
denselben ohne Zweifel ein leicht erklärlicher Schreibfehler zu Grunde liegt. Die Nachrichten 
der Chronisten über die Lage des verhängnissvollen Hauses in der Jakobstrasse sind fast 
alle derart gehalten, dass man zu der Annahme' verleitet werden könnte, es hätten sich 
unterhalb der alten St. Jakobspfarrkirche etwa an das Chol' angebaut, noch ein oder 
mehrere Bäuser befunden. Der Dominikanerbruder Abraham Erven Lässt das betreffende 
Baus neben der Pfarrkirche St. Jakob, ein Franziskanerchronist 8 in der Nähe 
der Jakobskirche; eine Dürener Chronik des dortigen Aununtiatenordens ,; gegen St. 
Jakobs-pfarrkirche über nächst an der Jnnkers pforten, Heinrich Brewer an 
St. Jakobs kirchen, stracks unter der Kirche und prope templuin saneti 
Ja cobi gelegen sein. Allein wer die Lagi der alten St. Jakobskirche noch aus eigener 
Anschauung gekannt, weiss, dass dieselbe von allen Seiten frei lag, vom Pfarrkirchhof 
umgeben war und lür weitete Gebäulichkeiten in ihrer unmittelbaren Nähe keinen Raum 
übrig Hess. Fs bleibt demnach nichts anderes übrig als die bezüglichen Ausdrücke der 
Chronisten etwas weiter aufzufassen und die von Rhoen beigebrachten Belege für die 



') Aus Aachens Vorzoil Jahrgang M. S. :'>:'> und 84. 

*) Quix, Das ehemalige l> inikanerkloster ete. S. :'■;' ff. 

8 ) Rhoen, Der grosse Brand zu dachen 2. Mai 1656 S. lt. 

4 ) Meyer, Acholische Geschichten etc. S. 652. 
6 ) Neu Kr/.. Zur Geschichte de-; Franziskanerklosters etc. S, 18. 

«) Schollen Frz., Zur Geschichte der ümuntiaten in dachen. Aus vachens Vorzeit Jahr- 
gang VII, S. 64. 



— 52 — 

Annahme, dassdieFeuersbrunsl in dem der alten Pfarrkirche südöstlich gegenüber gelegenen 
Eause entstanden ist, dessen Stelle das heute mit der Nummer 141 bezeichnete Haus 
einnimmt, anzuerkennen. 

Die von Pfarrer Heinrich Brewer aus Eaaren verfassten Berichte haben folgenden 
Wortlaut: 

I. Anno Christi 1656 den 2 tag Meij des morgens /.wischen acht und 9 nhren ist 
in der statt Auch in St. Jakobsstrass an St. Jakobs Kirchen in eines Beckershaüss 
ein brandt entstanden, welcher innerhalb 20 nhren mehr als derij tausend bäusser hat 
eingeesehert auch »Ins schone Munster, Rathauss viele Kirchen und closteren, Gott will 
sich unserer erbarmen Amen. Ego Henricus Brewer quartus pastor in Haaren incendium 
hoc praesens multis horis vidi qni et haec seripsi die 10 May. 

II. Anno Christi 1656 den 2 tag Maij in festo S. Athanasii juxta Breviarium Rom. 
seu juxta Colon: Kalendarium in festo S. Sigismundij ist die Statt Auch abgebrant, der 
anfang des feuers ist. gewest in St. Jakobstrass Strucks unter der Kirchen in eines 
beckershaüss des zunahmens Maw und hatt gewehret biss 4 nhren dess anderen Tags. 
Qu od vidinius praesentes nostris oculis testamur. <> deus miserere nostri. 

Henricus Brewer von pauffendorp, pastor in Haren im p. 

III. Anno 1656 die seeunda .May ipso festo saneti Athanasij mane intra horam 
oetavam es uonam in urbe Aquensi in platea Saneti Jacobi prope fcemplum saneti 
Jacobi in domo pistoris cujusdam exortum incendium, eombussit spatium viginti horarum 
circiter tria milia domorum ei amplius: damnum irreparabile esl aliqui etiam homines 
eombusti inter extinguendam in eellis multa fuerunt adhuc conseniata. Dominus deus 
illuminet vultum suum super nos et misereatur nostri. Ego Henricus von pauffendorp 
pastor Ilareusis hoc: incendium praesens aspexi. Et haec seripsi mp. 

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Mitteilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit, 

Im Auftrage des Vereins herausgegeben von H. Schnock. 

Nr. 4/8. Zehnter Jahrgang. 1897. 



Inhalt: J. Fey, Zur Geschichte Aachener Maler des 19. Jahrhunderts. — K. Wacker, 
Max von Schenkendorf am Rhein und in Aachen. — A. Bommes, Zur Geschichte des I >rtes 
Schevenhütte im Landkreise Aachen. — Kleinere Mitteilungen: 1. Reihenfolge der Pfarrer 
in der Gemeinde Haaren bei Aachen. — 2. Ein Brief Ernst Moritz Arndts an den Maler 
Salm. — 3. Ein Agent in Aachener Diensten während des Pfälzischen Krieges. — -4. Lölinuugs- 
liste der Soldaten der Reichsstadt Aachen vom 26. April 1657. — 5. Kosten eines Festessens 
im Jahre 1700. - - Bericht über das Vereinsjahr 1897. - Verzeichnis der Mitglieder. 

Zur G-eschichte Aachener Maler des 19. Jahrhunderts. 

Von J. Fey. 

Im Spätsommer 1837 fand in Aachen eine grosse Gemälde-Ausstellung 
zeitgenössischer Meister statt. Mehr als 200 Bilder waren zur Besichtigung 
dargeboten; die hervorragendsten Düsseldorfer Maler damaliger Zeit, Hühner, 
Lessing, Schiriner, Achenbach u. s. w. zählten zu den Ausstellern. 

„Wahre Freude muss es erregen", schrieben die hier erscheinenden 
Westlichen Blätter für Unterhaltung, Kunst, Litteratur und Leben l , „dass 
unter so ausgezeichneten Künstlern sich eine nicht geringe Anzahl von 
Aachnern befinden und zwar solche, die der Ausstellung Ehre machen. 
Die Gemälde von Rethel, namentlich seine Justiz, zeugen von einer hoch- 
poetischen Auffassung und von der grössten Fertigkeit in der Behandlung. 
Scheuren hat eine hübsche Flussansicht beigesteuert. Schmid hatte treff- 
liche Portraits geliefert. Von Thomas, Bastine, Chauvin, Götting, Scheins, 
Venth ist vieles Gelungene da. Aachen ist demnach, wie man sieht, nicht 
am schlimmsten bei dieser Ausstellung beteiligt, was ein Reiz mehr ist. 
ihr recht viele Teilnahme zu verschaffen. Im Ganzen ist des Schönen 
so viel versammelt, dass eine vierwöchige Anschauung nicht zu viel 
ist, um sich mit demselben genauer bekannt zu machen und alle Einzel- 

r ) Erster Jahrgang Nr. 38 vom 4. September 1837. 



— 54 — 

heiten gehörig- zu sondern und zu einem recht reinen, bewussten Genüsse 
zu gelangen." 

In der That wurde im laufenden Jahrhundert eine ganze Reihe hervor- 
ragender Maler in Aachen geboren. Neben diesen auch in den weitesten 
Kreisen bekannt gewordenen Meistern lebte und wirkte in unserer Vater- 
stadt auch eine grosse Anzahl von Künstlern, die, wenn ihren Namen und 
ihren Werken auch keine weite Verbreitung ausserhalb der Mauern Aachens 
zu teil wurde, dennoch Beachtungswertes geleistet haben. Ihr Angedenken 
der Nachwelt zu bewahren, Angaben über ihr Leben und die Art ihres 
Schaffens zu geben, dürfte daher an der Neige des Jahrhunderts um so 
mehr angebracht sein, als manche der Anzuführenden bescheidenen Sinnes 
wenig Sorge um ihre Verewigung getragen haben, und so die Gefahr 
droht, dass ihre Namen unverdienter Vergessenheit anheimfallen. 

Solchen Erwägungen verdanken die nachfolgenden Zeilen ihr Entstehen. 
Es ist in ihnen der Versuch gemacht, auf Grund zuverlässiger,- zum Teil 
seit Jahren gesammelter Materialien Nachrichten zu geben über alle Maler 
und Zeichner unseres Jahrhunderts, welche entweder in Aachen geboren 
wurden, oder unsere Vaterstadt zum Sitze ihrer künstlerischen Thätigkeit 
gewählt haben. Dass hierbei auch die Mittelmässigkeit nicht übergangen 
werden durfte, braucht bei einer lokalgeschichtlichen Arbeit nicht gerecht- 
fertigt zu werden. Aus naheliegenden Gründen haben jedoch nur die Künstler 
Berücksichtigung gefunden, die nicht mehr unter den Lebenden weilen. Eine 
vollständige Aufzählung der Werke der behandelten Maler lag ausserhalb des 
Rahmens dieser Arbeit. Es sind jedoch namentlich bei weniger bekannten 
Meistern einige Arbeiten zur Kennzeichnung der Kunstrichtung, dann ferner 
diejenigen Bilder angegeben, welche sich soweit bekannt in öffentlichen Samm- 
lungen und Gebäulichkeiten befinden. Den Daten, welche auf Grund amtlicher 
Urkunden festgestellt werden konnten, ist der Vermerk „(off)" beigefügt. 

Der Verfasser ist davon überzeugt, dass seine Arbeit der Ergänzung 
nicht allein fähig ist, sondern derselben in jeder Hinsicht bedarf; alle dahin- 
gehenden Mitteilungen und Belehrungen wird er daher mit Dank annehmen 1 . 



An die Spitze der in Betracht kommenden Künstler gehört ein Maler, 
dessen Schaffen zum Teil noch dem vorigen Jahrhundert angehört und der als 
mundartlicher Dichter auch heute noch mit Ehren genannt wird. Es ist dies 

1. Johann Ferdinand Jansen. 

Jansen wurde am 3. April 1758 (off) in der Pfarrkirche seines Geburts- 
orts Weisweiler im Kreise Düren getauft 2 . Nachdem er in seinem Heimatsorte 
den ersten Unterricht erhalten, siedelte er mit seinem Vater Heinrich Jausen 

a ) Allen, die mich bei dieser Arbeit mit Rat und That unterstützt haben, sage ich 
auch an dieser Stelle herzlichsten Dank. 

2 ) Da es katholische Sitte ist, die Kinder spätestens am dritten Tage nach der 
Geburt taufen zu lassen, werden der Geburts- und Tauftag nahe zusammenliegen. 



• — 55 — 

nach Aachen über, wo er das Jesuiten-Gymnasium absolvirte und sich dann 
dem Berufe seines Vaters, der Malerei, widmete. Iu Aachen heiratete Jansen 
die daselbst geborene Theresia Pickenkamp, mit welcher er 25 Jahre in glück- 
licher Ehe lebte. Nach ihrem Tode lebte er noch 26 Jahre im Witwerstande 
und starb am*- 6. Januar 1834 (off). 

Jansen war Geschichts- und Landschaftsmaler. Insbesondere hat er 
vielfach nach damaliger Sitte ganze Zimmer mit Landschaften bemalt. Ich 
kenne auch vier von ihm im Jahre 1796 in Aquarell gemalte Ansichten von 
Aachen und Burtscheid. In unserem Liebfrauenmünster renovirte er 1824 
und 1825 die aus den dreissiger Jahren des vorigen Jahrhunderts stammen- 
den Bernardinischen Deckengemälde im Oktogon des Hochmünsters und 
malte selbständig in dem westlichen Gewölbe über dem Krönungsstuhl die 
Einweihung des Münsters durch Papst Leo III. im Jahre 805. In der 
unteren Ecke dieses Gemäldes hatte Jansen in bescheidener Weise sein 
eigenes Bild angebracht. Als in der ersten Hälfte der siebziger Jahre 
die ganze Innendekoration unseres Münsters „mit einer unheimlichen Gründ- 
lichkeit" vernichtet wurde, ohne dass man vorher auch nur Photographien 
der zerstörten Gemalte und Ornamente hätte anfertigen lassen, fand auch 
dieses Gemälde und damit das einzige Bildnis Jansens den Untergang 1 . 

Nach Franz Neu- wäre auch das Gemälde im Franziskus-Altar der 
hiesigen Nikolauskirche, welches den hl. Franziskus in Verzückung, gestärkt 
von einem Engel, darstellt, von Jansen gemalt worden. Wie jedoch Alfred 
vonWolzogen 3 und Ernst Förster 4 angeben, ist dieses Bild ein Werk vi in 
Aloys Cornelius, dem Vater Peters von Cornelius. 

Ferdinand Jansen war ein feingebildeter Mann, der, wie sein Enkel, 
der verstorbene Limburger Domkapitular Thissen, in einem 1871 in Aachen 
gehaltenen Vortrage rühmte, „unseren Aachener Dialekt zur Schriftsprache 
erhoben, ohne den in keiner angesehenen Aachener Familie ein Fest gefeiert 
wurde, ein echter Volksmann". Bei seinem Tode bekleidete er das Ehren- 
amt eines Kirchmeisters der Nikolauspfarre. 

Leider beherrschte Jansen den Aachener Dialekt nicht völlig; man 
merkt es seinen Gedichten an, dass ihr Verfasser kein geborener Aachener war, 
für mundartliche Studien haben dieselben datier so gut wie keinen Wert \ 



J ) C. Rhoen, Jahrgang VIII, S. 122 dieser Zeitschrift, Wie mir die Kinder des Malers 
Billotte mitgeteilt haben, hat dieser vor langen Jahren für einen hohen französischen 
Geistlichen, der hier im Bade weilte, Zeichnungen der Deckengemälde des Hochmünsters 
angefertigt. Wo dieselben sich befinden, Tills sie noch existiren, ist unbekannt. 

2 ) Zur Geschichte des Franziskanerklosters ... in Aachen. Daselbst 1881, S. t-l. 

8 ) Peter von Cornelius. Berlin 18G7, S. 7. 

4 ) Peter von Cornelius. Ein Gedenkbuch. Berlin 1874, Bd. I, S. 1. 

8 ) Sammlung verschiedener Gedichte in der Aachener Volkssprache zum Nutzen 
des hiesigen Armen Institutes herausgegeben von Ferd. Jansen, Maler. 2 Teile. 1815 
und 1821. — X. Brammertz, Poetische Muster-Sammlung aus unsern altern und oeuern 
Dichtern in Aachener und hochdeutscher Mundart. 2. Eeft, Aachen 1881, :. Beft, daselbst 
1SN2. - H. Freimuth, Aachens Dichter und Prosaisten. Aachen 1882, Bd. 1, S. :;'.» und 184. 



— 56 — 

In das 18. Jahrhundert zurück reicht auch noch das Wirken von 

2. Aegidius Johann Peter Joseph Scheuren. 

Er war in Aachen am 27. März 1774 (off) geboren, verheiratete sich 
am 2. Oktober 1805 (off) mit Maria Magdalena Schavoir aus Aachen und 
starb daselbst am 7. Juni 1844 (off). Scheuren war Zeichenlehrer der 
höheren Töchterschule an St. Leonhard hierselbst und hat sein Andenken 
in Aachen durch eine Anzahl teils aquarellirter teils lithographisch ver- 
vielfältigter Veduten aus der Stadt und Umgegend gerettet. 

Eine von ihm im ersten Bande der „Rheinischen Flora" (Aachen 1825) 
wiederholt veröffentlichte Ankündigung hat mehrfaches Interesse und möge 
daher hier einen Platz finden. 

Im Vertrauen auf die Liebe der Bewohner Aachens für ihre Vaterstadt, wagt 
es Unterzeichneter zu unternehnien : Ansichten von den Hauptgebäuden der Stadt, 
in getreuen, sauber illuminirten Lithographien, von welchen die Münster-Kirche 
schon fertig ist 1 , zu einem billigen Subscriptions-Preis ; das Stück zu 18 Sgr., seinen 
Mitbürgern anzubieten: 1) Die Münsterkirche. 2) Das Rathhaus. 3) Das neue 
Schauspielhaus. 4) Der neue Mineralbrunnen. 5) Die Feierlichkeit der Monarchen 
am 18. Okt. 1818 vor St. Adalbertsthor. Vom Erfolge dieses Unternehmens wird 
es abhangen, ob die in jeder Hinsicht reitzenden Umgebungen der Stadt folgen 
werden. J. P. Scheuren, Maler, Franzstrasse Nro. 466. 

Scheuren war auch Portraitmaler. Ein von ihm 1810 gemaltes Bildnis 
des ersten Bischofs von Aachen, Markus Antonius Berdolet (f 1809), be- 
findet sich in unserem Suermondt-Museum. Von Scheuren stammt auch die 
Zeichnung zu dem Bilde des Dichters Wilhelm Smets, welches dessen im 
Jahre 1824 hier erschienenen Gedichten als Titelbild beigegeben ist und 
nach dem Urteile von Leuten, die noch mit Smets verkehrt haben, trotz 
seiner frühen Entstehungszeit die Züge auch des gealterten Dichters besser 
wiedergibt, als das Relief auf dem Grabdenkmal und die hiernach ange- 
fertigten Zeichnungen, in denen Smets kaum zu erkennen sein soll. 



Während die beiden vorhergehenden Maler in ihrem stillen, bescheidenen 
Schaffen noch an die letzten Zeiten der alten Reichsstadt erinnern, tritt uns 

3. Johann Baptist Joseph Bastine 

als Mann einer neuen Zeit und einer neuen Kunstrichtung entgegen, wie 
sie sich in Frankreich allerdings schon vor der grossen Revolution, aber 
auch während derselben entwickelt hatte. 

Bastine war ein Brabanter und am 19. März 1783 zu Löwen geboren, 
wo sein Vater als Polizei-Kommissar angestellt war. Schon als Kind verriet 
er Anlagen zum Zeichnen. Der sonst muntere und rührige Knabe war 
ruhig und still geschäftig, wenn er Bleifeder und Papier zur Hand hatte. 



! ) Ein Exemplar dieser Lithographie befindet sich dahier im Suermondt-Museum. 



- 57 - 

Der Vater erkannte die Veranlagung des Sohnes und brachte ihn frühzeitig 
auf die von Gitz geleitete Löwener Akademie der schönen Künste, wo er 
sich bald durch Fleiss und Leistungen unter seinen Mitschülern auszeichnete. 
Im Jahre 1802 erhielt er den ersten Preis im Zeichnen nach Antiken und 
im folgenden "Jahre den gleichen Preis im Zeichnen nach der Natur. 1804 
ging- Bastine zu seiner weiteren Ausbildung nach Paris zu dem Maler 
David, der damals das ganze europäische Kunstleben beeinflusste. Zu 
seinen ausgezeichnetsten Mitschülern gehörten hier Gerard und Girodet, 
mit welchen er bis zu ihrem Lebensende in enger Freundschaft ver- 
bunden blieb. 

Nach der Rückkehr in sein Vaterland vermählte Bastine sich mit 
Theresia van Vlasselaer und zog 1811 nach Aachen, wo er eine Zeichen- 
schule gründete. Er hat hierdurch nicht wenig zur Wiederbelebung künst- 
lerischer Bestrebungen in unserer Vaterstadt beigetragen, in welcher in 
Folge fast zwanzigjähriger Kriegsunruhen das Kunstleben arg darniederlag. 
Sein Wirkungskreis erweiterte sich noch, als er 1815 die Stelle des Zeichen- 
lehrers am Gymnasium übernahm, welche er bis zu seinem Lebensende 
bekleidet hat. Eine ganze Reihe Maler, auf welche wir noch zurückkommen 
müssen, so Götting, Billotte, Schleiden, Venth, Thomas, Chauvin und Kulmen 
verdanken Bastine die erste Anleitung für ihren Beruf. 

Insbesondere hat Bastine das grosse Verdienst, das hervorragende 
Talent Alfred Rethels, mit dessen Eltern er wohl befreundet war, entdeckt 
und dahin gewirkt zu haben, dass derselbe der Düsseldorfer Akademie 
anvertraut wurde 1 . Wie Raczynski mitteilt, besass Bastine eines der ersten 
Werke Rethels, eine halbe Figur etwas unter Lebensgrösse, deren Stellung 
und Kopf an die Werke Salvator Rosas erinnerten. 

Bastine starb in Aachen am 14. Januar 1844 (off). Der Verlust 
seiner älteren Tochter und seines Sohnes, eines talentvollen Malers, welche 
ihm in der Blüte der Jahre entrissen wurden, hatten in den letzten Lebens- 
jahren den Mut des sonst heiteren und lebensfrohen Mannes gebrochen. 
Er scheint sich auch mit Todesahnungen getragen zu haben. Zwei Tage 
vor seinem Hinscheiden zeichnete er drei Vorlegblätter, wovon das erste 
einen entblätterten Baum darstellte, unter welchem auf einer Ruhebank 
ein Reisebündel und ein Stab lagen. Auf dem zweiten Blatte befand sich 
ein Grabgewölbe mit zerstreuten Gebeinen. Das letzte Blatt stellte ein 
bemoostes Kreuz unter einem alten, morschen, entlaubten Baume dar 2 . 

Bastine war Geschichts- und Portraitmaler, in den letzten Lebens- 
jahren beschäftigte er sich auch mit der Landschaftsmalerei. Noch ein 
anderes Talent besass Bastine: er war auch ein tüchtiger Modellirer und 
leistete als solcher nicht Unerhebliches. Sein Portrait ist erhalten auf 



*) Raczynski, Geschichte der neueren deutschen Kunst Bd. I, S. 191. Vgl. dazu 
Wolf gang Müller, Alfred Rethel S. 4. 

2 ) Der für das Vorstehende benutzte Nekrolog von dem Gymnasiallehrer Dr. Joseph 
Müller in Nr. 21 der Stadt-Aachener-Xcituni: vom 21. Januar 1844 lieferl den Beweis, 



— 58 — 

einem Selbstbildnisse Billottes ans dessen jüngeren Jahren, wo er sich dar- 
gestellt hat mit einem offenen Skizzenbuche in der Hand, in welches 
Bastines Bildnis eingezeichnet ist. 

In unserem Suermondt-Museum befindet sich von Bastine ein grosses 
Ölgemälde: die Heimkehr des jungen Tobias (Saal IV, Nr. 329). Leider 
hängt dasselbe in einer dunkelen Ecke über einem Schrank, so dass von 
einer Besichtigung keine Rede sein kann. 

Das hiesige Alexianerkloster besitzt von Bastine das nach dem Leben 
gemalte Portrait des Kaisers Franz I. von Österreich, ein Geschenk des 
Dargestellten \ Eine kleinere Landschaft und zwei kleine Ölskizzen zu 
Geschichtsbildern besitzen die Kinder des Malers Billotte hierselbst. 



In den Tagen der tiefsten Erniedrigung Deutschlands, als unsere 
alte Kaiserstadt französische Departementsstadt geworden war, ward in 
dem ebenfalls von den Franzosen besetzten Rom der deutsche Kunstgeist 
neu geboren. Das Neuaufleben der deutschen Malerei ist mit den Namen 
Cornelius und Overbeck unzertrennlich verbunden. Der erstere übernahm 
im Jahre 1821 die Leitung der Düsseldorfer Kunstakademie, die unter ihm 
und später, allerdings mit veränderter Richtung, unter Schadow zu frischem 
Leben erblüte. 

Der einzige Schüler des, Cornelius, der in den Rahmen unserer Ab- 
handlung gehört, ist meines Wissens 

4. Johann Adam Eberle, 

geboren zu Aachen am 27. März 1804 (off), gestorben zu Rom am 15. April 
1832. Über ihn habe ich ausführlicher im 9. Jahrgange dieser Zeitschrift 
gehandelt, es mögen hier einige Nachträge Platz finden. 

Ernst Förster, Eberles Mitschüler bei Cornelius, schildert in anschau- 
licher Weise den Eindruck, den Eberles Persönlichkeit auf seine Düssel- 



welch hoher Achtung Bastine" sich bei dem Lehrkörper des Gymnasiums erfreute. Der 
Nekrolog schliesst mit den folgenden auf Bastines letzte Zeichnungen bezüglichen Strophen: 

Seine Bürde legt er nieder, 

Nieder legt er seinen Stab; 

Müde sind des Wandrers Glieder, 

Und ihm öffnet sich ein Grab. 

Traurig sah sein Geist die Eichen 
Von dem Winterfrost entlaubt, 
Doch getrost auch jenes Zeichen, 
Das dem Tod die Macht geraubt. 

Ahnend schwang schon über Sterne 
Sich sein Geist ins Heimatland, 
Doch noch einmal führt' er gerne 
Ihm die kunstgeübte Hand. 

') Quix, Hist.-topogr. Beschreibung der Stadt Aachen. Köln und Aachen 1829, S. 61. 



— 59 — 

dorfer Studiengenossen machte: „Unvergesslich ist mir der Augenblick, 

als wir unter den sogen. Jungen Leuten' der Akademie zwei — ich möchte 
fast sagen — Knaben sahen, die durch ihre blosse Erscheinung wie durch 
ihr liebevolles Arbeiten einen unwiderstehlichen Zauber auf uns ausübten, 
und mit denen, wie sie unter sich innig verbunden waren, rasch eine ewige 
Freundschaft geschlossen war: Adam Eberle und Wilhelm Kaulbach. Der 
erstere, damals mit einer Darstellung der Grablegung Christi in lebens- 
grossen Figuren und hierauf mit einer kleineren vom Abschied des Tobias 
beschäftigt, ist nach kaum erfolgter Reife seines schönen und edlen Talentes 
in ein frühes Grab an der Pyramide des Cestius gelegt worden ; der andere 
verfolgt noch immer seine glänzende Laufbahn, auf welcher er die höchsten 
Ehren neben dem Meister erlangt hat 1 ." 

„Eberle", schliesst Förster den diesem gewidmeten Abschnitt, „war 
ein köstlicher Mensch, der ursprünglich hinter einem frischen, unerschöpf- 
lichen Humor, stets bereitem Witz und immer heiterer Laune einen heiligen 
Ernst verbarg, der sich vornehmlich in seiner Kunstthätigkeit ablagerte. 
Liebevoll im Gemüt, rein in seinen Anschauungen war er treu und un- 
wandelbar in der Freundschaft und darum von Allen, die ihn kannten, 
fest ins Herz geschlossen 2 ." 

Das von Eberle in der Glypthotek nach Cornelius' Karton ausgeführte 
Freskogemälde stellt nach Wolzogen 3 die Geschichte des Oedipus und 
seiner Söhne dar. 



Cornelius hatte das Amt eines Direktors der Düsseldorfer Kunst- 
akademie zu Ostern 1825 niedergelegt und war nach München übergesiedelt. 
Bis zur Ankunft des zu seinem Nachfolger ernannten Malers W. von Schadow 
stand Professor Mosler der Akademie vor. Unter ihm wurde sie von 

5. Friedrich Thomas 

besucht. Thomas wurde am 7. März 1806 (off) in Aachen geboren. Sein 
Vater war Metzger, und für seinen Beruf war auch der Sohn bestimmt. 
Dieser aber hegte den heissen Wunsch ein Maler zu werden. So oft der 
Metzgerlehrling Waren austragen musste und dabei an dem „unter den 
Bogen" des Kurhauses befindlichen Laden des Kunsthändlers Bulla vorbei- 
kam, vergass er Kunden und Geschäft, um stundenlang die ausgelegten 
Stiche und Drucke zu besehen. Die Mutter sah nicht ungern die Neigung 
ihres Sohnes und sie setzte es durch, dass er die Zeichensclmle Bastin6s 
besuchen durfte. 

1826 finden wir Thomas auf der Akademie in Düsseldorf. Er ver- 
wahrte aus diesem Jahre unter Glas und Rahmen eine Zeichnung seines 



J ) Geschichte der deutschen Kunst. Leipzig 1860, 5. Teil, S. 18. 
-) A. a. 0. S. 79. 
3 ) A. a. 0. S. 144. 



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Studiengenossen Sonderland, welche ein Picknick darstellt, an dem unter 
Anderen die Professoren Mosler, Wintergerst. Kolbe, Thelott und Schäfer 
mit ihren Damen, ferner ausser Thomas von Aachener Malern Jungblut 
und der damals bereits nach Düsseldorf verzogene, gleich zu erwähnende 
Götting teilnahmen. 

Von Düsseldorf ging Thomas nach Italien, wo er drei Jahre blieb 
und namentlich längere Zeit in Florenz und Eom verweilte. Die Zeit, in 
welche diese Studienreise fiel, lässt sich nicht mehr genau bestimmen. Aus 
noch vorhandenen Resten seines Skizzenbuches geht hervor, dass Thomas 
sich am 30. Juli 1829 in Foligno und vom 1. bis 3. Oktober 1829 in 
Montefalco aufhielt. Das Fragment (36 Blätter) enthält ausser Zeichnungen 
nach Fiesole und Eaphael (Gruppen aus der „Schule von Athen" und dem 
„Burgbrand") u. s. w. auch landschaftliche und architektonische Skizzen 
aus Rom, Ariccia, Foligno und Montefalco, sowie Volkstypen aus Rom etc. 

Aus Italien hat Thomas ausser historischen und landschaftlichen Ge- 
mälden auch die Kopien der beiden Raphaelschen Bilder mitgebracht, 
welche sich jetzt in unserem Suermondt-Museum befinden, es sind dies die 
Madonnen del Granduca und della Sedia, beide zu Florenz im Palazzo 
Pitti befindlich. Das letztere Bild hat Thomas später noch wiederholt 
gemalt. 

Nach der Rückkehr aus Italien Hess Thomas sich in Aachen nieder, 
wo er am 5. Mai 1832 mit Gertrud Körfer die Ehe schloss. Er hat dann 
in Aachen eine vielseitige Thätigkeit als Portraitist, Historienmaler und 
Landschafter entfaltet. Als Werke von ihm können hier noch erwähnt 
werden ein Portrait des Direktors Dr. Kribben im Konferenzzimmer der 
Oberrealschule und ein Bild des hl. Alfons im Redemptoristen-Kloster hier- 
selbst. Auch hat er die im Münsterchor befindlichen Apostelstatuen und 
das in der Mitte des Chores hängende doppelseitige Marienbild polychro- 
mirt. Thomas war auch als Nachfolger Scheurens 30 Jahre lang Zeichen- 
lehrer an der von Ursulinerinnen geleiteten höheren Töchterschule von 
St. Leonhard in Aachen. 

Um ein Bild von seinem gesamten künstlerischen Wirken zu geben, 
muss noch angeführt werden, dass Thomas auch radirt hat. Mir sind von 
ihm die folgenden Radirungen bekannt. 

1. Portrait seines Vaters. 

2. Portrait des P. Hasslacher S. J. 

3. Portrait des Regierungs-Präsidenten von Reimann zu Aachen. 

4. Abbildung des im Münsterchore hängenden Muttergottesbildes 
(Vorderseite) 1 . 

5. Der Heiland klopft um Einlass an (Offenb. Job. 3, 20), ein in 
gleicher Weise auch von anderen Maleren behandelter Vorwurf. 



J ) Diese Hadirung ist in Naglers Künstler-Lexikon (XVIII, S. 362) nach Weigels 
Kunstkatalog Nr. 14 453b angeführt als „Die unbefleckte Maria auf Wolken und der von 
der Schlange umstrickten Mondsichel". 



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6. Pieta (sehr kleines Bildchen). 

7. Das Pontthor in Aachen. 

8. Das Kloster St. Leonhard in Aachen. 

Von den beiden letzten Radirungen sind Exemplare in Saal II des 
Suermondt-Museums ausgestellt. 

Selbst Besitzer einer grossen Kupferstich-Sammlung galt Thomas auf 
diesem Gebiete als tüchtiger Kenner, dessen Rat von Kunstliebhabern häufig 
erbeten und immer gern erteilt wurde. 

Friedrich Thomas starb zu Aachen am 7. Juni 1879 (off). „Ein 
Mann ohne Falsch", schrieb sein vertrauter Freund, der Rektor Andreas 
Fey „lebte .er schlicht und recht, treu seiner Familie, seiner Kunst und 
seinen vielen Freunden; — Feinde hatte er nicht." 



Schadow übernahm die Leitung der Düsseldorfer Akademie im Herbste 
des Jahres 1826. Zu seinen ältesten Rheinischen Akademie-Schülern zählt 

6. Johann Peter Götting 1 , 

getauft zu Aachen am 9. August 1797 (off), gestorben zu Düsseldorf am 
3. Oktober 1855 (off). In Aachen hatte er von Bastine Unterricht im 
Zeichnen und Malen und wahrscheinlich auch im Modelliren erhalten. Wenn 
Raczynski 2 und nach ihm wohl Nagler 3 angeben, Götting habe seine ersten 
Künstlerversuche in der Bildhauerei gemacht, so ist diese Angabe nicht 
genau. Götting war ursprünglich seinem Hauptberufe nach Maler, wie er 
sich in der Urkunde über seine erste am 27. Oktober 1820 (off) zu Aachen 
stattgefundene Heirat nennt. Damals wohnte auch Götting noch in Aachen. 
Später in der am 22. Februar 1830 (off) in Düsseldorf gethätigten Urkunde 
über die Geburt seines Sohnes Gottfried hat er sich Bildhauer genannt. 
In dem bei Raczynski 4 abgedruckten Verzeichnisse der Schüler der Kunst- 
akademie im ersten Halbjahr 1834 ist Götting- bei denjenigen aufgeführt, 
welche sich unter der unmittelbaren Leitung Schadows ausbildeten und 
zwar in der Geschichtsmalerei. Er war Historienmaler religiöser Richtung, 
es ist daher fast selbstverständlich, dass wir ihn in dem Kreise linden, dem 
auch Deger, die Gebrüder Müller, Ittenbach und Andere mehr angehörten 5 . 
Götting hat in den beiden Kunstarten der Malerei und Bildhauerei wenn 
auch nicht Hervorragendes, so doch Erfreuliches geleistet. 

Sein erstes grosses Gemälde „Christus und Petrus wandeln auf dem 



1 ) Göttings aus Aldenhoven stammender Vater schrieb seinen Namen: Godding. 

2 ) A. a. 0. S. 194. 

: i Neues allgemeines Künstler-Lexikon Bd. V, S. 259. Göttingwird hier irrtümlicb 
Johann Peter von Goetting genannt. 
4 ) A. a. 0. S. 114. 
b ) H. Finke, Karl Müller, .sein Leben und künstlerisches Schaffen. Köln L896, S. 17. 



— 62 — 

Meere", mit welchem er 1834 die Berliner Kunstausstellung beschickte 1 , 
wurde vom Kunstverein für die Eheinlande und Westfalen angekauft und 
erhielt seinen Platz in der St. Moritzkirche zu Halberstadt. „In demselben 
Jahre brachte Götting auch eine Veronika mit dem Schweisstuche zur 
Ausstellung, ebenfalls ein schönes Bild, wie das Obige in strengem Ernste 
und im grossen Kirchenstil behandelt. Im Jahre 1836 malte er den Abschied 
Mariens von der Leiche Christi 2 ." 

Die Ehre, vom vorgenannten Kunstverein erworben zu werden, ward 
auch dem Bilde „Der heilige Martinus als Bischof" zu teil, welches als 
Altargemälde in die Pfarrkirche zu Treis an der Mosel gestiftet wurde. 

Götting war dreimal verheiratet. Sein Sohn zweiter Ehe, Peter Hubert 
Gottfried, geboren zu Düsseldorf am 20. Februar 1830 (off), gestorben zu 
Aachen am 27. Mai 1879 (oif), war ein tüchtiger Bildhauer, der Schöpfer 
der vielen das Äussere unserer Münsterkirche zierenden Statuen und anderer 
hervorragender Bildwerke in unserer Vaterstadt. 

An Götting lässt sich eine Reihe von Malern anschliessen, die eben- 
falls auf der Düsseldorfer Akademie zur Zeit des Direktors Schadow ihre 
künstlerische Ausbildung erhielten. 

7. J. Jungblut. 

Über diesen Maler, der schon als Studiengenosse des Malers Thomas 
auf der Düsseldorfer Akademie in der Zeit vor Ankunft des Direktors 
Schadow angeführt wurde, berichtet Nagler 3 : „Jungblut J., Maler aus 
Aachen, der sich um 1828 zu Düsseldorf in Schadows Schule bildete. Er 
widmete sich dem historischen Fache und auch Bildnisse malt der Künstler." 

Erwähnt finde ich Jungblut noch bei einer Aufzählung Düsseldorfer 
Künstler als Geschichtsmaler aus Aachen in dem Werke von C. A. Menzel 
„Die Kunstwerke vom Altertum bis auf die Gegenwart" 4 . Weitere An- 
gaben sind hier nicht mitgeteilt. 

Ich habe mich vergeblich bemüht, Geburts- und Sterbetag dieses 
Künstlers zu ermitteln. Er kann vielleicht mit dem am 28. Oktober 1801 
(6. Brumaire X) in Aachen geborenen Peter Cornel Joseph Jungbluth (Sohn 
des Knopfmachers Franz Joseph Jungbluth) identisch sein. 

8. Johann Wilhelm Marzorati. 

Er wurde am 25. März 1795 (off) zu Aachen getauft. Der Vater, 
Anton Johann Marzorati st, mite aus Como in Italien und war als Sprach- 



') In Holzschnitt bei Raczynski a. a. 0. S. 195. Wolfgang Müller, Düssel- 
dorfer Künstler aus den letzten 25 Jahren. Leipzig 1854, S. 39 hält dieses Bild für 
Göttings beste Arbeit. 

-') Nagler a. a. 0. 

3 ) Künstler-Lexikon Bd. VI (1838), S. 508. 

4 ) 3. Ausgabe, Triest 1860, Bd. 11, S. 197. 



• — 63 — 

lehrer nach Aachen gekommen, wo er am 10. August 1804 (off) verstarb; 
die Mutter, Anna Maria Panlina Riem, war in Frankfurt a. M. geboren. 

Marzorati hat die Düsseldorfer Akademie besucht und übernahm 1828 
die Zeichenlehrer-Stelle an der damaligen höheren Bürgerschule zu Eupen; 
wo er auch ini Jahre 1830 heiratete. An ihn ist ein im „Echo der Gegen- 
wart" * abgedruckter Brief Alfred Rethels vom 4. Juli 1833 gerichtet, in 
welchem dieser sein Urteil über einige ihm von Marzorati zur Begutachtung 
übersandte landschaftliche Farbskizzen und Zeichnungen abgibt und Vor- 
schläge zu kleinen Änderungen in ihnen macht. 

Marzorati starb in Eupen am 6. Mai 1870 (off). Die Kinder des 
Malers Billotte besitzen von ihm eine Landschaft: Waldige Berggegend 
mit See; in einem Nachen der Schiffer und ein Jäger, der im Begriffe ist, 
mit seinen Hunden ans Land zu steigen. 

9. Eduard Johann Nikolaus Istas 

war der Sohn eines Arztes aus Hülchrath im Kreise Grevenbroich, wo er 
am 3. Juli 1813 geboren wurde. Er besuchte von 1828 ab drei Jahre 
lang die Düsseldorfer Kunstakademie. 1832 ging er nach München, wo 
er fünf Jahre verweilte. In dieser Zeit malte er ein Portrait des 1838 
gestorbenen berühmten Theologie-Professors Johann Adam Mühler. Nach 
der Rückkehr aus München Hess Istas sich in Aachen nieder, wo er zunächst 
bis zu seiner Heirat bei seinem geistlichen Bruder wohnte. 

Istas war Portraitmaler, beschäftigte sich jedoch auch mit dem Malen 
von Kirchenfahnen. Vom 12. April 1848 (off) ab war er 41 Jahre lang 
Zeichenlehrer in dem Pensionsinstitut du sacre coeur in Blumenthal bei 
Vaels; erst das zunehmende Alter zwang ihn zur Niederlegung dieser 
Stelle. Er starb in Aachen am 18. Mai 1893 (oft). 

Zwei Halbgeschwister dieses Malers haben sich neben ihm bis heute 
in Aachen in dankbarer Erinnerung erhalten. Es waren dies Johann Hubert 
Joseph Istas, geboren zu Hülchrath am 9. August 1807, gestorben hier- 
selbst am 26. Mai 1843 (off), ein seeleneifriger, armenfreundlicher Kaplan 
an der Pfarrkirche zum hl. Paulus, und Wilhelmina Istas, bekannt unter dem 
Klosternamen Mutter Dominika, die Hauptgründerin der Ordensgenossen- 
schaft vom armen Kinde Jesu, geboren zu Hülchrath am 14. August 1814, 
gestorben in Roermond am 20. Dezember 1893-'. 

10. Johann Kaspar Nepomuk Scheinen 

wurde am 21. August 1810 (off) 3 zu Aachen geboren. Sein Vater, der 
oben an zweiter Stelle angeführte Maler Johann Peter Scheuren, erkannte 



1 ) Nr. 486 vom 17. Juli 1896. 

2 ) J. Jeiler, Dieselige Mutter Franziska Schervier. Freiburg i. Br. 1898, S. 59 und 
J. Hess, Festschrift zur 600jährigen Jubelfeier der Dominikaner- und Efauptpfarrkirche 
vom hl. Paulus in Aacheu. Daselbst 1803, S. 36 und 112. 

8 ) Die Angabe bei Müller, Düsseldorfer Künstler S. 363 ist anrichtig. 



— 64 — 

frühzeitig das bedeutende Talent seines einzigen Sohnes und schickte ihn 
1829 zur Ausbildung auf die Akademie nach Düsseldorf. Bereits Raczynski, 
der ihn mit Götting und Alfred Rethel bei den unter der unmittelbaren 
Leitung Schadows stehenden Akademie-Schülern aufzählt, hat ihm (1836) 
einige Seiten seiner Kunstgeschichte gewidmet und ihm grosse Erfolge 
vorhergesagt '. Scheuren hat die hohen Erwartungen, die man schon so 
frühe von ihm hegte, nicht getäuscht: er ist einer der hervorragendsten 
deutschen Landschaftsmaler, Aquarellisten und Arabeskenzeichner geworden, 
der auch mit der Radirnadel Treffliches geschaffen hat. Dabei war er ein 
sehr fruchtbarer Künstler; schon 1853 sprach Wolfgang Müller, auf dessen 
Charakteristik Scheurens hier verwiesen sei, von der endlosen Menge seiner 
Ölbilder 2 . Eine Anzahl der bis zum Jahre 1845 geschaffenen Gemälde ist 
angegeben in Naglers Künstlerlexikon 3 . 

Scheuren starb zu Düsseldorf am 12. Juni 1887 (off). Sein im Jahre 
1835 von C. H. Steffens in Düsseldorf gezeichnetes Portrait verwahrt 
unser Suermondt-Museum, in dem sich auch von Scheuren vier kleinere 
Landschaften und zwei grosse landschaftliche Zeichnungen, sowie ein im 
Jahre 1821, also im elften Lebensjahre, gemaltes Aquarellbildchen, die 
hl. Theresia darstellend, befinden. 

Werke von Scheuren finden sich ferner in der Nationalgallerie zu 
Berlin, in der Neuen Pinakothek zu München und im Wallraf-Richartz- 
Museum zu Köln, welches auch eine seiner vortrefflichsten Schöpfungen 
besitzt, das aus 26 aquarellirten Blättern in Querfolio bestehende Rhein- 
Album. Eine eingehende Erklärung dieses herrlichen Werkes, über das 
der ganze poetische Zauber ausgegossen ist, den nur der Rhein mit seinem 
Sagenschatze und seiner Fülle landschaftlicher Schönheiten zu bieten vermag, 
enthält Niessens Museums-Führer nach des Künstlers eigenen Angaben 4 . 

Scheuren hat es wie wenige verstanden, den unerschöpflichen Reiz 
seiner rheinischen Heimat im Bilde zu fesseln, und nicht zuviel verkündet 
die an seinem Geburtshause 5 angebrachte Gedenktafel: 



1 ) Bd. I, S. 114 und 255—258. Daselbst auch ein Holzschnitt nach einer Land- 
schaft Scheurens. 

2 ) Düsseldorfer Künstler S. 362 ff. Weitere Litteratur in der Zeitschrift des Aachener 
Geschichts-Vercins Bd. XVII, S. 278. 

3 ) Bd. XV, S. 202. 

4 ) Führer in den geistigen Inhalt der Gemälde-Sammlung des Museums Wallraf- 
Richartz in Köln. Nr. 1003 — 1028. Wann werden wir für unser Suermondt-Museum 
einen solchen belehrenden, handlichen Katalog erhalten ? 

s ) Franzstrasse Nr. 16. Die hochselige Kaiserin Augusta gab „bei den langjährigen 
Beziehungen des Aachener Künstlers zu Ihrer Majestät und bei dem ehrenvollen Andenken, 
welches Allerhöchst dieselbe dem Professor Kaspar Scheuren bewahren", aus freien Stücken 
einen Beitrag von 100 Mark zu den Kosten der Gedenktafel." Zeitschrift des Aachener 
Geschichts-Vercins Bd. XI, S. 298. 



• — 65 — 

In diesem Hause wurde geboren 
am 21. August 1810 

DER MALER CASPAR SCHEUREN. 

Rheinische Natur, Sage und Geschichte 
leben in seinen Werken. 

Gewidmet vom Aachener Geschichtsverein 1890. 

11. Alfred Rethel. 

Rethel ist nicht allein der hervorragendste der von uns zu besprechenden 
Maler, er ist einer der bedeutendsten deutschen Künstler aller Zeiten. Ich 
kann mich hier jedoch um so kürzer fassen, als Auskunft über ihn in jeder 
Kunstgeschichte, in jedem Konversations-Lexikon zu finden ist. Zudem 
hat sein Freund, der Dichter Wolfgang Müller von Königswinter, nachdem 
er ihn bereits in seinem Werke über die Düsseldorfer Künstler behandelt', 
ihm eine ziemlich ausführliche Biographie gewidmet, deren grosser Wert 
im Abdruck einer Anzahl gehaltreicher Briefe Rethels besteht 2 . Weitere 
Litteratur ist verzeichnet in der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 
Band XII, Seite 340, Band XV, Seite 348, Band XVI, Seite 203, Band 
XVIII, Seite 395. Die hier 1837 erschienenen „Westlichen Blätter für 
Unterhaltung, Kunst, Literatur und Leben" enthalten in Nr. 47 eine 
Besprechung des damals in Aachen ausgestellten Bildes „Die strafende 
Gerechtigkeit". 

Im 2. Jahrgange, Seite 43, dieser Zeitschrift ist von A. Curtius über 
Rethel ein kleiner Artikel veröffentlicht worden, in welchem sich in der 
ersten Zeile die unrichtige Angabe findet, dass er ein Schüler von Peter 
Cornelius gewesen sei; die beiden Maler haben sich wahrscheinlich niemals 
gesehen. 

Ein Gedicht auf Rethels durch den Holzschnitt vervielfältigte Zeich- 
nung „Der Tod als Freund" 3 von unserem Mitbürger Dr. Debey findet sich 
in dessen „Büchlein geistlicher Lieder" 4 . 

Zur Genealogie Rethels gibt die Urkunde über die am 22. März 1801 
(1. Germinal IX off) in Aachen geschlossene Ehe seiner Eltern erwünschte 
Auskunft. Danach war der Vater Johann Rethel am 27. Oktober 1769 
zu Strassburg im Elsass als Sohn der Eheleute Johann Rethel und Maria 
Salome Riebel geboren. Die Letztere war damals bereits verstorben. 

Alfred Rethels Mutter, Johanna Christina Schneider 5 , war geboren 
zu Aachen, bei der Eheschliessung 19 Jahre alt und die Tochter des Kauf- 
manns Daniel Benjamin Schneider aus Aachen und dessen Ehefrau .Maria 

*) S. 64 ff. 

2 ) Alfred Rethel, Blätter der Erinnerung' von Wolf gang Müller von KönigS- 
wiuter. Leipzig: F. A. Brockhaus 1861. 185 S. klein 8°. 

3 ) S. 157. 

4 ) Aachen 1861, S. 252. 

8 ) Nicht Schneiders wie in Alfred Rethels Geburtsurkunde steht. 



— 66 — 

Wilhelmina Franziska Kreuder. Ausser dem Vater der Braut fungirten als 

Zeugen bei der vor dem Adjoint du maire Cornel Bock vollzogenen Ehe- 
schliessung der Präfekt Nikolaus Sebastian Simon, Johann Maurojeni und 
der Präfekturrat Johann Friedrich Jacobi. alle aus Aachen. 

Alfred Rethel wurde am 15. Mai 1816 (off) auf dem im Stadtkreise 
Aachen gelegenen Landhause Diepenbenden geboren. Er erhielt in Aachen 
von Bastine Unterricht im Zeichnen und kam schon 1829 auf die Düssel- 
dorfer Akademie, wo er unter Schadows Leitung studirte. Es klingt wohl 
glaublich, dass Rethel hier als das Wunder der Schule galt. Erst sechzehn 
Jahre alt stellte er auf der Berliner Kunstausstellung ein Aufsehen erregendes 
Ölgemälde aus, die Einzelfigur des hl. Bonifazius. Dem kaum Zwanzig- 
jährigen widmete Graf Raczynski in seiner 1836 erschienenen Geschichte 
der neueren deutschen Kunst einen Artikel, welchem er zwei Holzschnitte 
nach später in Ol ausgeführten Zeichnungen Rethels beigab l . 

1837 trieb es Rethel aus Düsseldorf fort; er begab sich nach Frankfurt 
und schloss sich dort an Philipp Veit an. 1841 erhielten seine Entwürfe 
zur Ausschmückung des Aachener Rathaussaales den Preis. Vier von 
den acht anzubringenden Gemälden hat er dann in den Jahren 1847 — 51 
eigenhändig in Fresko ausgeführt. Die vier anderen Bilder sind nach 
Rethels Entwürfen von Joseph Kehren 2 gemalt worden. Rethel starb in 
geistiger Umnachtung zu Düsseldorf am 1. Dezember 1859. 

Es ist bekannt, dass die Ausmalung des Aachener Krönungssaales 
mit Freskogemälden mannigfachen Hindernissen begegnete. Der Krönungs- 
saal war im Laufe des vorigen Jahrhunderts durch Zwischenwände in 
mehrere Räume geteilt worden, deren einer, welcher die ganze nur um 
das westliche Gewölbefeld gekürzte nördliche Hälfte des alten Saales ein- 
nahm, als Festsaal diente und dementsprechend mit Stuck und Malereien 
reich ausgestattet war. Dieser Saal, in welchem am 15. Mai 1815 die 
Huldigung der Rheinlande stattfand, sollte um das genannte Gewölbefeld 
erweitert und durch Rethel von neuem al fresco ausgemalt werden. Kaum 
war dieses Projekt aufgetaucht, als von Altertumsfreunden mit Recht ver- 
langt wurde, zunächst dem Krönungssaale unter Entfernung aller Zwischen- 
wände seine ursprüngliche Gestalt wiederzugeben, was, falls die Zwischen- 
wand des Festsaales mit wertvollen Malereien bedeckt worden wäre, für 
absehbare Zeiten ausgeschlossen schien. Es entbrannte hierüber ein heftiger 
Zeitungskrieg 3 ; Prof. C. P. Bock in Freiburg legte seine Ansichten in einer 
Schrift nieder, die auch heute noch hohen Wert besitzt 4 . Der Krönungs- 



1 ) Bd. I, S. 191, wo als Rethels Geburtsjahr 1812 angegeben ist; Raczynski ahnte 
also nicht einmal, einen wie jungen Künstler er behandelte. 

2 ) Geboren zu Hülchrath am 30. Mai 1817, gestorben zu Düsseldorf am 12. Mai 1880. 

3 ) Die Literatur ist teilweise verzeichnet in der Zeitschrift des Aachener Geschichts- 
vereins Bd. XVII, S. 308. 

4 ) Das Rathhaus zu Aachen. Schutzschrift für die unverletzte Erhaltung des 
deutschen Krönungssaales von Professor 0. P. Bock. Aachen, Druck und Verlag von 
J. Hensen & Comp. 1843. 



• — 67 — 

saal ist dann in seiner alten Grösse wiederhergestellt worden, die baulichen 
Veränderungen hatten jedoch lange Zeit in Anspruch genommen, und erst 
im Jahre 1847 konnte Rethel mit der Ausmalung zunächst der öst- 
liehen Wandfläche beginnen. Es hatte aber der vollen Verwirklichung 
seiner Pläne e"in weiteres Hindernis gedroht. Die unverletzte Erhaltung 
des Krönungssaales schloss auch die Offenhaltung der in der Südwand 
gewesenen Fenster in sich, welche ausser dem Licht, das sie gewährten, 
auch den Ausblick auf die Münsterkirche gestatteten, deren vollständige 
Vermauerung jedoch durch die anzubringenden Bilder notwendig wurde. 
Dieser Teil des Wiederherstellungs-Planes, über welchen der Gemeinderat 
noch im Jahre 1848 verhandelte, ist nicht zur Ausführung gelangt, sicher 
ist aber, das's Rethel die langjährigen Streitigkeiten, wodurch er die Aus- 
führung seiner Arbeiten verzögert und grösstenteils gefährdet sah, schmerz- 
lich empfand, und dass ihm das Leben dadurch verbittert wurde. 

Man hat die Behauptung aufgestellt. Rethels religiöses Bekenntnis — 
er war bekanntlich Protestant — sei auf den Widerstand, den die ihm 
übertragene Arbeit fand, nicht ohne Einfluss gewesen; so Wolfgang Müller 1 , 
dem hierin ein Artikel über Rethel, der vor einigen Jahren im „Echo der 
Gegenwart" erchien 2 , in etwa beipflichtet. Beweise für derartige Behaup- 
tungen und Vermutungen hat jedoch niemand zu erbringen für nötig erachtet. 
Zurückzuführen sind dieselben wohl auf einen Aufsatz des Düsseldorfer 
Akademie-Professors Wiegmann in der Beilage zu Nr. 101 der Aachener 
Zeitung des Jahres 1847, welcher Andeutungen dieser Art enthielt, die 
jedoch der Aachener Arzt und Stadtverordnete Dr. Debey in einer vom 
13. April 1847 datirten Flugschrift „Die Erneuerung des Rathhaus-Saales 
zu Aachen" entschieden zurückgewiesen hat 3 . 



>) A. Rethel S. 92 und 144. 

2 ) Nr. 211 II vom 12. September 1893. 

3 ) In dieser Schrift findet sich S. 10—11 die Angabe, -dass die Idee, den Festsaal 
des Rathauses mit Fresken auszumalen, ursprünglich a dem hiesigen Kunstliebhaber 
und -Sammler G. Schwenger angeregt worden ist. — Bezüglich der Rethel aus konfessio- 
nellen Gründen entstandenen Unannehmlichkeiten hat sich auch Peter von Cornelius einmal 
geäussert. Hermann Riegel erzählt in seinem Buche „Peter von Cornelius" (Berlin 1883, 
S. 120): „Ich hatte Cornelius die Photographien der Zeichnungen Alfred Rethel's zu den 
Malereien im Kaisersaale zu Aachen, wovon unlängst die Rede gewesen, geschickt, und er hatte 
sie nun angesehen. Er tadelte (am 2. Juni 1865) sie in Bezug auf die Komposition und den 
Geist. ,Das ist nicht der grosse Karl!' sagte er mehrere Male. Dass aus ,konfessonellen 
Gründen', wie die (von wem?) beigegebene Erläuterung berichtete, zwei Bilder nicht aus- 
geführt worden seien, fand er abgeschmackt." — Mir scheint hieran nichts abgeschmackt, 
wie die unüberlegte Äusserung von Cornelius, der sicher nicht geduldel hätte, dass irgend 
etwas seinen Anschauungen Widersprechendes auf seine Kosten ausgeführt worden wäre. 
Aus „konfessionellen Gründen" kann aber höchstens die eine, die Frankfurter Synode des 
Jahres 794 darstellende Zeichnung nicht zur Ausführung gelangt sein, auf welcher Karls 
Anteil an der libri Carolini genannten Schrift verherrlicht wird. Karl- Anteil an dieser 
Schrift gehört aber sicher nicht zu seinen Grossthaten. (Über die betr. Synode und die 
libri Carolini siehe Hefele, Couciliengeschichte Bd. III, 2. Aufl., S. 678 und 694. ff.) 



— 68 

Ohne Zweifel hat aber auch Rethels Persönlichkeit und Konfession 
bei den erwähnten archäologischen Streitigkeiten keine Rolle gespielt. 
Sollte Rethel dies geglaubt haben, so ist zu bedenken, dass er ein miss- 
trauischer Mann war, auf dessen spätere Geisteskrankheit eine in den 
Kinderjahren erlittene schwere Verletzung am Kopfe, durch die er damals 
jahrelang taub war, vielleicht seit langem schon ihre Einflüsse geltend 
gemacht hatte. 

Als Rethel im Sommer 1848 in unserem Rathaussaale am „Sturz der 
Irmensäule" malte, fand in Aachen eine Ausstellung von Bildern älterer 
und neuerer Meister statt zum Besten eines katholischen Wohlthätigkeits- 
Unternehmens, des St. Vinzenz-Spitals. Zu dem Geschäfts-Ausschusse war 
auch Alfred Rethel zugezogen 1 , ein Beweis sowohl, dass man in ihm nicht 
den zu meidenden Andersgläubigen sah, als auch, dass er in Aachen nicht 
so vernachlässigt wurde, als er es selbst wohl glaubte und andere glauben 
machte. In ähnlicher Weise meinte er früher während seiner Düsseldorfer 
Periode von Schadow zurückgesetzt zu werden, während das Gegenteil als 
erwiesen gilt. 

Werke von Rethel finden sich vor allem in unserem Krönungssaale; 
einige Skizzen und Zeichnungen enthält das Suermondt-Museum. welches 
auch eine kleine 1839 von August von Nordheim modellirte Büste Rethels 
besitzt. Weiterhin sind Werke von Rethel in der National-Gallerie zu 
Berlin, im Wallraf-Richartz-Museuni zu Köln, im Römer und Städelschen 
Kunst-Institut zu Frankfurt a. M. u. s. w. Den künstlerischen Nachlass 
Rethels hat im Laufe dieses Jahres das Königl. Kupferstichkabinet zu 
Berlin für die Summe von 80 000 Mk. erworben 2 . 

An Alfred Rethel schliessen wir an seinen jüngeren Bruder 

12. Otto Rethel, 

welcher am 26. Dezember 1822 (off) 3 ebenfalls auf dem Landgute Diepen- 
benden geboren wurde und dort seine Kinderjahre verlebte, bis die Eltern 
im Jahre 1829 nach Wetter an der Ruhr übersiedelten. Er hatte anfangs 
den kaufmännischen Beruf ergriffen, widmete sich aber nachher, spätestens 
seit dem Frühjahr 1842, der Malerkunst 4 , zu welchem Zwecke er die 
Düsseldorfer Akademie besuchte. Hier bildete sich Otto Rethel " als Ge- 
schichtsmaler aus. Es entstanden in dieser frühesten Periode einige neu- 
testamentalische Bilder, wie der Gang nach Emaus und Christus und Judas. 
Später, in den fünfziger Jahren, zog Rethel nach Aachen, wo er auch die 
Portraitmalerei pflegte 5 . Zuletzt hatte er seinen Wohnsitz wieder nach 
Düsseldorf verlegt. Im Auftrage des Kunstvereins für die Rheinlande und 



x ) Stadt- Aachener Zeitung-, 1848, Beilage zu Nr. 240. 
8 ) P]cho der Gegenwart Nr. 253 vom 9. April 1897. 

3 ) Die Angabe bei W. Müller, Düsseldorfer Künstler,' S. 43, ist unrichtig. 

4 ) W. Müller, A. Rethel S. 100. 

5 ) W. Müller, Düsseldorfer Künstler S. 43. 



• — 69 — 

Westfalen malte er hier für die evangelische Kirche zu Oppeln ein Bild 
„Christus am Olberg" (1857), und für die evangelische Kirche zn Zippnow 
ein Altarbild, den segnenden Christus darstellend (1862). Ein Genre- 
gemälde „Der Dorfbriefschreiber" kaufte der genannte Kunstverein zur 
Auslosung an "(1876). 

Otto Rethel starb zu Düsseldorf am 7. April 1892. 

13. Johann Baptist Nikolaus Salm 

wurde in Köln am 20. September 1809 (off) geboren. Er besuchte dort 
das Gymnasium und bezog dann, nachdem er bei den Deutzer Pioniren 
seiner Militärpflicht als Einjährig-Freiwilliger Genüge geleistet, die Düssel- 
dorfer Akademie. Im Jahre 1837 ward er in Aachen bei der damals kom- 
biuirten höheren Bürger- und Gewerbeschule als Lehrer für Zeichnen und 
Modelliren angestellt und er hat diese Stelle, auch nachdem die Schule 
später getrennt worden und die Neubildungen den Namen wiederholt ge- 
wechselt hatten (jetzt Realgymnasium, Oberrealschule und Handwerker- 
Fortbildungsschule), bis zu seinem am 12. Juni 1883 (off) erfolgten Tode 
innegehabt. 

Salm hat wenig gemalt, es gibt jedoch von ihm eine Menge litho- 
graphisch vervielfältigter Zeichnungen aller Art. Insbesondere hat ihm 
die Geschichte unseres Vaterlandes, wie er sie miterlebte und augenschein- 
lich mit grossem Anteil verfolgte, Stoff zu manchen Darstellungen gegeben. 
So zeichnete er 1842 ein Gedenkblatt zur Wiederaufnahme des Kölner 
Dombaues. 1847 entwarf er ein Bild zu Freiligraths Gedicht „Die Aus- 
wanderer", welchem er die Unterschrift „Handel mit Weissen" gab: Aus- 
wanderungs-Agenten in Fuchsgestalt verführen deutsche Bauern zum Aus- 
wandern. In demselben Jahre entstand ein Blatt: Schleswig und Holstein 
fordern Deutschland zur Wahrung ihrer verbrieften Rechte auf. Von 1859 
datirt eine Germania, die ein Ungeheuer zertritt, welches ein Spruchband 
im Rachen hat mit Napoleons Worten: L'empire c'est la paix. 1864 gab 
die schleswig-holsteinische Frage Stoff zu einem humoristischen Blatte, 
welches photographisch vervielfältigt wurde: Österreich und Preussen 
prügeln die europäischen Mächte aus dem Gasthof „Zum deutschen Haus". 
Von 1870 ist wiederum eine grosse Germania mit Schild und Fahne auf 
einem Drachen. 

Als besonders erwähnenswerth muss angeführt werden eine Allegorie 
auf den Tod Alfred Rethels, mit welchem Salm befreundet gewesen, und 
der in seinem Hause verkehrt hatte. Die schönen Künste, von denen 
Malerei, Bildhauerei, Architektur und Poesie sichtbar sind, tragen die 
Bahre, auf welcher der entschlafene Künstler ruht, über den ein Friedens- 
engel das Bahrtuch deckt. Am Vater Rhein vorbei t'ülni der Trauerzug, 
dessen Geleit die Gestalten bilden, welchen Rethels künstlerisches Schaffen 
neues Leben verliehen. Am fernen Horizonte verschwindet die Sonne, 
hell aber strahlt Rethels Ruhmesstern um nimmermehr zu erblassen. 



— 70 — 

Neben solchen lithographirten Blättern, wozu auch noch einzelne 
Portraits zu rechnen sind, entstand eine Menge anderer Zeichnungen, Ent- 
würfe zur Ausmalung- des Elisenbrunnens mit Bildern aus der Geschichte 
Aachens, köstliche Szenen aus dem Eulenspiegel, Karikaturen und der- 
gleichen mehr. 

Von dem Ernste, mit welchem Salm seine Lehrthätigkeit auffasste, 
zeugt es, dass er nicht nur eine grosse Anzahl von Vorlegblättern ent- 
warf, Centauren, griechische Helden, Genien, antike Gruppen und Jagd- 
szenen, stilisirte und naturalistisch behandelte Tiere und Tierköpfe u. s. w., 
was wohl seiner ausserordentlichen Kompositionsgabe und seiner Lust am 
Komponieren Befriedigung gewährte, sondern auch einen „Elementar-Unter- 
richt im Linearzeichnen" verfasste (Aachen 1868, 16 S. 8° mit XII Tafeln 
Figuren). 

14. Heinrich Franz Karl Billotte. 

Billottes Vater, Claudius Billotte, in Metz um das Jahr 1745 geboren, 
ein unternehmender und intelligenter Mann, war nach Aachen übergesiedelt 
und hatte hier ein Geschäft gegründet 1 . 

In Aachen hatte Claudius Billotte die 20 Jahre jüngere Bürgers- 
tochter Elisabeth Bonn geheiratet, welche ihn am 28. Januar 1801 (off), 
dem ersten Karlstage dieses Jahrhunderts, mit einem Knaben, unserem 
Maler, beschenkte. Das Kind sollte bald verwaisen. Am 26. August 1807 
(off) starb der Vater, den die Mutter nur um einen Monat überlebte; sie 
verschied am 26. September 1807 (off). 

Der elternlose Knabe fand nun Aufnahme bei den Brüdern seiner 
Mutter, nicht unbegüterten und geachteten Zuckerbäckern. Ihr Handwerk 
erlernte auch Franz Billotte und betrieb es noch, als er am 15. April 
1826 (off) die in Hodimont geborene Johanna Theresia Dechamps heiratete. 
Der Tod, der so unerbittlich das Jugendleben Billottes getrübt hatte, raubte 
ihm auch bald die Gattin, welche am 24. April 1829 (off) verschied. 

Nach dem Tode seiner Frau hing Billotte das Handwerk an den 
Nagel. Als er am 4. Juli 1836 (off) zur zweiten Ehe mit Maria Gertrud 
Coonen aus Sittard schritt, war aus dem Konditor ein Maler geworden. 



x ) Es ist von ihm aus der Zeit um die Wende des Jahrhunderts, als man in Aachen 
noch nach reichsstädtischcr Münze rechnete, ein in deutscher und französischer Sprache 
gedruckter Geschäftsanzeige-Brief vorhanden, dessen Wiedergabe bei der Seltenheit der- 
artiger Geschäfts-Empfehlungen aus jener Zeit nicht unangebracht erscheint. „Unter- 
schriebener Krämer hat ein Magazin Pariser Tapeten, velutirt, gemahlt, und andere, 
Supporten, Lambrien, Enkadrements, von 22 Mark bis 14 Schill, das Stück Aachener Geld; 
er backet auch Bisquiten, Macronen aller Art, allerhand trockene und weiche Coniitürcn, 
gemeiner und feiner Dragee, gemeiner und feiner Chokolad, Chokolad-Dessert, Gersten- 
zucker iii Teilten, er drucket en taille douce für die Kauficute und andere, er gravirt in 
Holz, macht die Wappen für auf die Tücher, alles an einen billigen Preis. Allen Personen, 
welche ihn mit ihrer Gunst beehren wollen, verspricht er schleunige Bedienung. C. Billotte, 
in Marsicherstrasse Nr. 1214 in Aachen." Die Schreibweise „Marsicherstrasse" beruht offen- 
bar auf einem Druckfehler. 



— 71 — 

Schon in den Knabenjahren war Zeichnen seine liebste Beschäftigung 
gewesen; jeden freien Augenblick seiner Lehr- und Gesellenzeit hatte er 
seiner geliebten Kunst gewidmet, manche Nacht ihr geopfert. Er besuchte 
Bastines Zeichenschule und ward von diesem in dem Vorhaben, sich der 
Malerei zu widmen, bestärkt. In Bastine hatte Billotte nicht allein einen 
tüchtigen Lehrer im Zeichnen und Malen, er übte sich unter seiner Leitung 
auch im Modelliren. Noch besitzen seine Nachkommen eine von ihm nach 
der Totenmaske modellirte Büste der schönen, im August 1831 hierselbst 
verstorbenen Gemahlin des Regiernngsrats Krüger. Billotte hat die Ver- 
blichene, welche ein Alter von nur 21 Jahren erreichte, in idealer Auf- 
fassung als Schlummernde dargestellt, 

Den Schluss von Billottes künstlerischer Ausbildung machte der Besuch 
der Düsseldorfer Kunstakademie. Aus dieser Zeit stammt das im hiesigen 
Suermondt-Museum befindliche, vielleicht durch Grillparzers Sappho 1 ver- 
anlasste Gemälde „Die Dichterin Sappho stürzt sich ins Meer", ein Bild 
nach Gegenstand und Ausführung ganz der sauberen aber kraftlosen, süss- 
lichen Manier der damaligen Düsseldorfer Schule entsprechend 2 . 

In Aachen widmete Billotte sich vornehmlich der Portraitmalerei und 
hat hierin Tüchtiges geleistet. So besitzt die Pastorat von St. Peter 
hierselbst von ihm das Portrait des 1872 verstorbenen Oberpfarrers und 
Stadtdechanteu Dilschneider; ein anderes Bild desselben hat er wie auch 
sonstige Portraits und Darstellungen zum Zwecke lithographischer Verviel- 
fältigung auf Stein gezeichnet 3 . Billotte hat aber auch die Landschafts- 
malerei und das Stillleben gepflegt und namentlich in letzterem Genre 
schöne Blumen- und Fruchtstücke geschaffen. Als Bilderkopierer und 
Restaurator suchte er seinesgleichen. Alte Schüler des Realgymnasiums 
werden es auch nicht ohne Interesse vernehmen, dass die Schulfahne mit 
dem Bilde Karls des Grossen ein Werk Billottes ist. 

Im späteren Alter liebte Billotte es, kleinere Bilder mit religiösen 
Darstellungen in der Art altdeutscher Meister zu malen; als Achtzigjähriger 
hat er noch das kleine Altarbild für die Maria vom guten Rat-Kapelle in 
der St. Peterskirche hierselbst ausgeführt. So blieb er thätig bis an das 
Ende seines Lebens, welchem ein sanfter Tod am 25. April 1892 (off) ein 
Ziel setzte. 

Der alte Billotte war ein schöner, ehrwürdiger Mann. Langes Silber- 
haar umrahmte seine edlen Züge; bis in das höchste Alter bewahrte er 



') Dieses 1818 erschienene Trauerspiel wurde in unserem am lf>. .Mai L825 eröffneten 
Theater zuerst am 26. Juli 1825 aufgeführt. In der Titelrolle tral Sophia Schröder auf, 
welche diese Rollo auch hei der Erstaufführung im Wiener Burgtheater gegeben hatte. 

2 ) Die Besichtigung auch dieses Bildes ist fast unmöglich gemacht. Es bängl 
zwischen zwei Fenstern hinter einem Bildergestell. 

3 ) Eine Lithographie Billottes nach dem Gemälde von Bonthorsl im Eochaltar der 
St. Michaelskirche hierselbsl erwähnt Käntzeler, Annahm des Inst. Vereins für den Nieder- 
rhein, Heft IT, S. 41. 



— 72 — 

gerade Haltung und leichten, elastischen Gang. Die Hälfte seines langen 
Lebens hatte er in der Peterspfarre gewohnt, in deren Pfarrkirche er 
täglich die hl. Messe besuchte. So war er eine in seinem Stadtviertel 
allgemein bekannte aber auch beliebte Persönlichkeit geworden, deren Hin- 
scheiden allenthalben betrauert wurde. 

Totenzettel sind häufig unzuverlässige Geschichtsquellen, was er aber 
von Billotte meldet, entspricht der Wahrheit: „Sein ganzes Leben war 
geteilt zwischen Gott, dem er in der Einfalt seines Herzens und mit tief 
gläubiger Gesinnung diente, und den Seinigen, denen er als Muster der 
Bescheidenheit, Friedensliebe und treuer Pflichterfüllung voranleuchtete." 

15. Ludwig Scheins. 

Dieser treffliche Landschafter wurde zu Aachen am 14. September 1808 
(off) geboren, er nahm seinen Wohnsitz in Düsseldorf, wo er auch die Akademie 
besucht hatte und starb daselbst am 23. Oktober 1879 (off). Schon Naglers 
Künstler-Lexikon erwähnt seiner rühmend ] : „Scheins ist schon seit mehreren 
Jahren durch Werke bekannt, welche ihm unter den tüchtigsten Meistern 
seines Faches eine Stelle sichern. Es offenbart sich darin ein glücklicher 
Farbensinn und ein genaues Studium der Natur in ihren mannigfaltigen For- 
men und Erscheinungen. Von besonderer Schönheit sind immer seine Bäume, 
so wie denn Scheins überhaupt einer der tüchtigsten Baumzeichner ist. 
Seine selbstständigsten Arbeiten datiren ohngefähr von 1836. Es sind dies 
landschaftliche Bilder mit Figuren, Thieren und Architektur. Seine Wald- 
plätze, Sumpf- und Waldgegenden sind öfter mit Jägern, Hunden und 
jagdbaren Thieren belebt, auf Triften und Haiden erscheinen Schafheerden, 
auf andern Gründen Arbeiter in verschiedenen Beschäftigungen u. s. w. 
Einige Bilder dieses Künstlers führen uns an friedliche Kirchhöfe, an Ruinen 
und an ländliche Gebäude, an Seen und Flüssen. Scheins ist ein talentvoller 
Künstler, und immer glücklich in der Wahl seiner Gegenstände. Im Jahre 
1840 war er einer derjenigen Maler, die auf der Kunstausstellung zu Ant- 
werpen die für Auswärtige bestimmte Verdienstmedaille erhielten". 

Auch Wolfgang Müller, welcher Scheins zu den landschaftlichen 
Stimmungsmalern der Düsseldorfer Schule zählt, nennt ihn einen guten 
Waldmaler. „Freie Waldplätze, Sumpf- und Moorgegenden, Haiden, Strauch- 
und Hochwald weiss er in verschiedenen Beleuchtungen und meistens in 
melancholischen Stimmungen in anziehender Weise wiederzugeben. Seine 
Bilder haben zwar häufig eine ziemliche Ähnlichkeit untereinander, aber 
sie interessiren doch gewöhnlich, obgleich sich in ihnen eine gewisse 
Schwermut der Auffassung kundgibt 2 ." 

In der städtischen Gemälde-Sammlung zu Düsseldorf befindet sich 
von Scheins eine Winterlandschaft. 



*) Bd. XV (1845), S. 171. 

2 ) Düsseldorfer Künstler S. 356. 



— 73 — 

16. Lambert Hastenrath. 

Hastenrath wurde am 21. Februar 1815 (off) zu Ratheim im Kreise 
Heinsberg geboren. Er erhielt seine künstlerische Ausbildung auf der 
Düsseldorfer »Kunstakademie und Hess sich dann in Aachen nieder; später 
verzog er in die Schwesterstadt Burtscheid, wo er am 2. Mai 1882 (off) 
gestorben ist. 

Hastenrath hat fast ausschliesslich Portraits gemalt, Landschafts- 
und Genregemälde von ihm kommen nur ganz vereinzelt vor. Er war 
ein tüchtiger Meister in seinem Fache, dessen Werke auf vielen Herr- 
schaftssitzen Westdeutschlands bis nach Belgien und England hin an- 
zutreffen sind. In öffentlichen Sammlungen werden sich Bilder von ihm 
nicht finden, doch sind manche seiner Gemälde in der früheren Jacobischen 
Permanenten Gemäldeausstellung hierselbst der öffentlichen Besichtigung 
zugänglich gewesen. 

Hastenrath malte in Ol und Aquarell, mit besonderer Vorliebe zeichnete 
er aber auch Portraits mit bunter Kreide (fälschlich oft Pastell genannt) 
und er hatte es hierin zu grosser Meisterschaft gebracht. Es gibt auch 
nach seinen Zeichnungen lithographisch vervielfältigte Bildnisse. 

17. Johann Michael Theodor Maassen. 

Dieser tüchtige Künstler erblickte das Licht der Welt in Aachen am 
1. Februar 1817 (off) 1 . Maassen kam sehr früh auf die Düsseldorfer Kunst- 
akademie. Eaczynski 2 führt ihn unter denjenigen Schülern an, welche im 
ersten Halbjahr 1834 unter Leitung von Karl Sohn studierten. Für ein 
bestimmtes Kunstfach hatte Maassen sich damals noch nicht entschieden. 

Als Raczynski vier Jahre später, am 20. April 1838, Düsseldorf 
wieder besuchte, sah er von unserem Künstler ein „ausserordentlich fleissig 
ausgeführtes Bild": Ein Mönch und ein Pilger in einer Landschaft 3 . 

Aus dem folgenden Jahre ist der Artikel über Maassen in Naglers 
Künstler-Lexikon 4 : 

„Er lebt gegenwärtig in Düsseldorf als ausübender Künstler. Man 
hat Historien- und Genrestücke von seiner Hand, und einige dieser Bilder 
sind in J. Scottis Schrift: Der Kunstschule zu Düsseldorf Leistungen in 
den Jahren 1837 und 1838 S. 29 verzeichnet. Seine Gemälde werden mit 
Beifall aufgenommen, da sich in ihnen ein tüchtiger Künstler offenbart. 
Der Rheinisch-Westfälische Kunstverein hat einige käuflich an sich gebracht, 
und von da aus kamen sie durch Verlosung in verschiedene Eände." 

Wolfgang Müller, der sein Buch über die Düsseldorfer Künstler im 



*) In der Geburtsurkunde ist als Geburtshaus angegeben „Cöllenstr. Nr. 1050", 
jetzt Kleinkölnstrasse Nr. 14. 

2 ) Geschichte der neueren deutschen Kunst Bd. I, S. 117. 
) A. a. 0. Bd. III, S. 400. 
4 ) Bd. VIII (1839), S. 152. 



— 74 — 

Jahre 185. r J vollendete, führt Maassen unter denjenigen Malern auf, deren 
Arbeiten aus dem religiösen Geiste der Meister des Apollinarisberges her- 
vorgegangen sind 1 . Sonstige Angaben über ihn bringt er nicht. 

(her weitere Schöpfungen Maassens bis zum Jahre 1860 kann ich keine 
Angaben machen. Aus dem genannten Jahre gibt es jedoch eine Beschrei- 
bung eines Maassensehen Gemäldes, die ich vollständig mitteile, weil sie 
keinen Geringeren zum Verfasser hat, als x^dalbert Stifter 2 , welcher das 
beschriebene Bild auf der Ausstellung des Linzer Kunstvereins sah: 

„Der Kloster Organist von Maassen Theodor in Düsseldorf erscheint 
uns so schön, wie es Weniges in unserer Zeit und in der Kunst überhaupt 
gibt. Ohne die geringste Sucht nach Virtuosentum oder Anwendung ein- 
zelner Kunststückchen hat der Maler eine technische Wirkung hervor- 
gebracht, die erstaunlich ist. Noch höher aber steht die künstlerische. 
Wir befinden uns auf dem Musikchor einer Kirche, ziemlich weit zurück, 
da wir den grösseren Teil des Chors und die Gewölbung und die Fenster 
der Kirche erblicken können. Der Chor ist im Helldunkel, die Kirche 
durch die Fenster klar erleuchtet. An der Orgel sitzt ein Mönch und 
spielt. Von der Andacht und seinem Spiele ergriffen, zeigt er uns ein von 
seitwärts erblicktes, erhobenes Antlitz. Ein Kirchenfürst, der in einem 
Seitenstuhle sass und in einem grossen Buche las, lässt das Buch sinken 
und blickt auf ihn. Ein junger Mönch an der Chorthür, halb stehend und 
halb auf einem Stuhle knieend, stützt sein gesenktes Haupt mit der Hand. 
Ein Ministrant an der Chorbrüstung sollte aus einem Buche beten, er blickt 
aber seitwärts auf den Orgelspieler. Neben ihm ein Mönch mit der Kapuze 
über dem Haupte ist in tiefer Andacht versunken. Aus der Tiefe der 
Kirche steigt Weihrauch empor. Aus dieser schwachen Beschreibung möge 
man die Vergeistigung dieses Bildes entnehmen. Aber nur der wirkliche 
Anblick bringt sie erst ins rechte Bewusstsein. Wie gleich bewunderungs- 
würdig ist das Aufhorchen des Greises und des Knaben, und doch wie 
verschieden! Hier das milde des Greises, der viel gesehen und gelitten, 
dort das frische des Knaben, vor dem erst die Zukunftswelt liegt. Im 
jungen Mönche sind Gefühle der Wehmut, in dem älteren mit der Kapuze 
ist die gewohnte Andacht, die durch die Orgel gesteigert ist, aber er lebt 
der Andacht, nicht den Tönen. Zu dieser geistigen Durchbildung gesellt 
sich eine Technik des Vortrags, die kaum freier und vollendeter sein 
könnte. Jeder Gegenstand, von der Orgel bis zum letzten Bücherdeckel 
herab, stellt sich wirklich und körperlich dar, er steht, liegt, lehnt frei, 
und zeigt nur sich, nicht Farben. Zugleich ist eine Ruhe und künstlerische 
Anordnung aller Dinge vorhanden, die vom Gefühle eines Meisters spricht, 
dem Bilde einen grossartigen Ernst, und dem Beschauer einen völligen 
Abschluss in seinem Gemüte gibt." 



') S. M f. 



2 ) Vermischte Schriften, herausgegeben von Johannes Aprent, Bd. I, S. 278. 



- 75 — 

Über die Lebensverhältnisse Maassens, der mir als biederes, freund- 
liches, gutgelauntes altes Herrchen geschildert wird, gibt der Totenzettel 
Auskunft, den ich wegen seines wannen Tones und seines von vertrauter 
Bekanntschaft mit dem Verstorbenen zeugenden Inhalts gern wörtlich 
wiedergebe : 

„Er lebte seit 1851 mit Elisabeth geb. Trimborn, die ihm im Jahre 
1877 in die Ewigkeit vorangegangen ist. in glücklicher Ehe. Er besuchte 
frühzeitig die Akademie zu Düsseldorf, wo er sich mit grossem Fleisse 
seinem Berufe als Maler widmete, und er hat sich in dieser Kunst durch 
ernstes Streben und Schaffen, das vom Geiste der Wahrheit und Rein- 
heit getragnen war, ein bleibendes ehrenvolles Andenken erworben. 

Mit dem lebendigen Glauben an die heiligen Religionswahrheiten 
verband er einen bescheidenen und gottesfürchtigen Lebenswandel, einen 
biederen Sinn und eine kindliche Herzensgüte; wie sein Leben erbaulich 
war, so auch die Vorbereitung auf die Heimkehr zu seinem Erlöser, indem 
er die Leiden seiner Krankheit mit christlicher Geduld ertrug und mit, 
grossem Tröste seinem Heilande entgegen sah, in dessen Hände er ver- 
trauensvoll seine gläubige Seele empfahl; wohl vorbereitet durch den erbau- 
lichen Empfang der heil. Sakramente der röm. -katholischen Kirche, ist er 
zu Düsseldorf am 27. Mai 1886 (off) unter dem Gebete der Seinigen fromm 
und ergeben im Herrn entschlafen. 

Segnen wir das Andenken des lieben Dahingeschiedenen und beten 
wir besonders beim heiligen Messopfer für seine gläubige Seele, damit sie 
durch Jesus Christus zur ewigen Seligkeit gelangen möge." 

18. Aloys Hubert Michael Ventil \ 

geboren zu Aachen am 21. Juni 1809 (off), daselbst gestorben am 22. Juli 
1868 (off), war ein Schüler Bastines und hat später die Düsseldorfer Aka- 
demie besucht, wo man grosse Erwartungen von ihm hegte. Er lebte in 
Aachen und war Geschichts- und Portraitmaler, mir sind jedoch nur wenige 
seiner Werke bekannt. Im hiesigen Suermondt-Museum befindet sich von 
seiner Hand das im Jahre 1839 gemalte kleine Bildnis des hiesigen Stifts- 
propstes Classen. Herr Stadtrentmeister Zarth besitzt von Venth eine 
kleine Winterlandschaft, die Aussicht aus dem Atelierfenster des Künstlers 
darstellend: im Vorder- und Mittelgründe ein Hof und Gebäulichkeiten, im 
Hintergrunde der Salvator- und Lousberg, alles mit tiefem Sehne» bedeckt. 
Zwei von Venth auf Seide gemalte, sogenannte Schwenkfahnen mit 
den Figuren der Gottesmutter und (\r* hl. Aloysius besass das Kaiser- 
Karls-Gymnasium hierselbst. Eine dritte derartige Fahne mit dem Hilde 
des hl. Petrus, welche der St. Petersverein in Aachen besass, war .-in- 
zeichnet durch einen besonders schönen Arabeskenrand. Als ihr Stoff Ende 



') Naglcr nennt ihn irrtümlich Alexander Venth (Künstler-Lexikon IM. XX. 
(1850), S. 73). 



— 76 — 

der siebziger Jahre durch den vielen Gebrauch schadhaft geworden war. 
wurde durch den Maler Billotte eine Copie hergestellt. Jetzt sind der- 
artige Fahnen, welche nicht selten hohen Kunstwert besassen, meist durch 
geschmacklose fabrikmässig hergestellte Samtfahnen mit steifen Stickereien 
nach unkünstlerischen Vorlagen verdrängt worden. 

19. August Adolf Chauvin 1 . 

Die Wiege dieses bedeutenden Künstlers stand in Lüttich, wo er am 
25. Oktober 1810 geboren wurde 2 . Aber schon in seinem sechsten Lebens- 
jahre kam Chauvin nach Aachen, wo seinem Vater eine staatliche Stelle als 
Verwaltungsbeamter übertragen war. Er besuchte liier nach der Elementar- 
schule das Gymnasium und die Gewerbeschule; an letzterer Anstalt wurde er 
auch sogleich als Hülfslehrer verwendet. In Gemeinschaft mit Alfred Rethel 
erlernte er bei Bastine die Anfangsgründe im Zeichnen und Malen, wurde 
aber dann Architekt, blieb 4 — 5 Jahre ausübender Maurermeister und hatte 
als solcher eine ziemlich ausgebreitete Beschäftigung. Inzwischen fand er 
kein Genügen darin und es handelte sich bei ihm nur darum, wo und auf 
welche Weise er am sichersten seine Liebe zur Malerei würde befriedigen 
können. 

Damals hatte das nahe Düsseldorf mit der Schadowschen Malersclmle 
bereits einen grossen Euf gewonnen, und was Chauvin davon gehört und 
gesehen, zog ihn mehr an, als Antwerpen und Brüssel. Er ging im Jahre 
1831 nach Düsseldorf. 

Schadow nahm den 21jährigen Jüngling, als er sein Anliegen vor- 
brachte mit sehr bedenklicher Miene auf und stellte ihm die Schwierigkeit 
seines Unternehmens eindringlich vor, bei der fortgesetzten festen Willens- 
äusserung Chauvins entschloss er sich aber doch dazu, ihn einen Versuch 
machen zu lassen. Chauvin musste eine Zeichnung machen nach dem Abguss 
eines antiken Kopfes, und so befriedigend fiel diese aus, dass fortan Schadow 
des eifrigen Jüngers sich mit besonderer Liebe annahm, und dass Chauvins 
Vater sich mit dem Wagstück des Sohnes aussöhnte. Freilich hatte dieser 
noch mit anderen Hindernissen zu kämpfen, als mit etwaiger Ungunst der 
Kunst; er war sehr beschränkt in seinen Subsistenzmitteln, so dass er u. A. 
genötigt war, sein Zimmer, ja eine Zeit lang sogar sein Bett, mit einem 
andern armen Teufel zu teilen. 

Das alles hinderte ihn aber nicht, eifrig der Kunst zu leben, und so 
gelangte er denn auch bald an eine Erwerbsquelle, aus der er Befriedigung 
seiner bescheidenen Ansprüche schöpfte: er wurde Zeichenlehrer des Prinzen 
von Wied und blieb in dieser Stellung, die ihn immer auf mehrere Monate 
im Jahr von Düsseldorf entfernt hielt, bis zum Jahre 1841. 

J ) Nach dem Aufsatze von Ernst Förster in Westermanns Jahrbuch der illustirten 
deutschen Monatshefte, Bd. XVII (Brannschweig 1865), S. 657,- dem ein Portrait Chauvins 
beigegeben ist. 

-') Müller, Düsseldorfer Künstler S. 41 gibt irrtümlich an, Chauvin sei im Jahre 
1818 zu Aachen geboren. 



— 77 — 

Talent und Pleiss hatten ihm bald eine achtenswerte Stellung ver- 
schafft, die Offenheit, Festigkeit und Zuverlässigkeit seines Charakters ihm 
bald mehr als einen guten Freund gewonnen. Mit Rethel war er von 
früher her sehen bekannt: von den anderen Kunstgenossen war es vor- 
nehmlich Christian Köhler, der Maler alttestamentalischer Frauengestalten, 
zu dem er in das innigste Freundschaftsverhältnis trat. Wohl auf seine 
Veranlassung geschah es, dass dieser mit Schadow und noch 14 andern 
Düsseldorfer Malern eine Reise nach Belgien unternahm, wobei Chauvin 
das Amt des Führers übernahm. Es war dies die erste grössere deutsche 
Künstlerfahrt nach Belgien, durch welche ein Verhältnis zwischen den beider- 
seitigen Künstlern angeknüpft wurde, wenn auch die Teilnahme der Deutschen 
vornehmlich von den Werken der altflandrischen Meister in Gent, Antwerpen 
und Brügge in Anspruch genommen wurde. 

August Chauvin hatte indessen mit einem „Abschied des Tobias" 
seinen Eintritt in die eigentliche Künstlerlaufbahn bezeichnet. Er licss 
diesem Bilde ein zweites folgen mit einem Falkenjungen in mittelalterlicher 
Tracht, der so allgemein gefiel, dass er alsbald in verschiedenen Variationen 
von Anderen wiederholt wurde. Nun malte er in kurzer Zeit „Das Gebet 
Mosis", eine „Ruhe auf der Flucht", „Die Baumläufer", ein heiteres und 
sehr gefälliges Konversationsbild, den „Schutzengel", „Hagar in der Wüste" 
u. m. a., Gemälde, die sämtlich in Privatbesitz übergegangen sind. 

Chauvin hatte sich so eingelebt in Deutschland, dass er bereits anfing, 
sich ganz als Deutscher zu fühlen, als er plötzlich den Ruf bekam, an der 
Kunstakademie seiner Vaterstadt eine Lehrerstelle zu übernehmen. Wie 
schwer es ihm auch wurde, aus dem Kreis der Freunde und einem reichen, 
vielbewegten Künstlerleben zu scheiden und einzutreten in eine Stellung. 
in der ein grosser Teil seiner Zeit einer nicht künstlerischen Thätig- 
keit gewidmet sein musste, und wo er für diese weder auf besondere Teil- 
nahme, noch auf eine der Düsseldorfer ähnliche Genossenschaft rechnen 
konnte, so überwog doch der Gedanke an einen ehrenvollen Wirkungskreis 
mit festgegründeter Existenz um so mehr jedes Bedenken, als ihm damit 
die Aussicht sich eröffnete, die Ergebnisse seiner Studien der deutschen 
Kunst, derer sich mit ganzer Seele gewidmet hatte, auch in -eine Heimat 
übertragen zu können. Im Jahre 1841 zog er mit seiner jungen Frau, 
einer geborenen Koblenzerin, nach Lattich, wo er bei einem glücklichen 
Familienleben eine immer weiter ausgedehnte Thätigkeil fand. 

Von den Gemälden Chauvins hat vornehmlich eines vom Jahre 1849 
eine grosse Verbreitung durch Nachbildung in Kupferstich, Lithographie 
und Photographie gefunden: eine „Flucht nach A.egypten", wo die heilige 
Familie in einer Barke sitzt, und ihre Kahn von einem Engel beschützt 
wird. In der Werkstatt des Künstlers sah Ernsl Förster (1865) ein ange- 
fangenes Pendant dazu: eine „Ruhe auf der Flucht", ferner „Die Anbetung 
der Könige", „Die drei Marien am Grabe Christi' 1 und Carton und Farben- 
skizze zu einem grösseren Gemälde „Die Bekehrung des Saulu 



— 78 — 

Im Besitze der Stadt Lattich befinden sich von Chauvin vier Gemälde: 
Die letzte Sitzung der Bürgermeister Beeckmann und Laruelle im Rathause zu 
Lüttich (1631), Judas Iscariot (Matth. 27), ein Portrait des Bürgermeisters 
Jamme (1830 — 1838) und ein grosses Geschichtsbild: „Der heilige Bischof 
Lambert von Lüttich wirft Pippin von Heristal während eines Gastmahles 
sein unsittliches Leben vor." Es verdient erwähnt zu werden, dass Cor- 
nelius, der weder für die Bestrebungen der Düsseldorfer Schule, noch für 
die Leistungen der belgischen Maler sehr eingenommen war, über dieses 
Gemälde Chauvins sich gegen ihn wie gegen Andere mit grosser Aner- 
kennung ausgesprochen hat. — 

Ernst Förster entwirft von unserem Künstler folgende Charakter- 
schilderung: 

„Chauvin wurde in Düsseldorf von seinen Kunstgenossen nur ,der 
Franzos' genannt. Er hat sich a.ber sowohl in seinem künstlerischen 
Thun, als in seiner allgemeinen Denk- und Handelsweise deutsch und 
Deutschen freundlich erwiesen. Unablässig war und ist er bemüht, der 
deutschen Kunst, vornehmlich den Arbeiten der Düsseldorfer Schule, Ein- 
gang und Anerkennung in Belgien zu verschaffen. In trauter Verbindung 
ist er mit seinen alten Freunden geblieben und namentlich hat Köhler zu 
wiederholten Malen in seinem Hause ausgedehnte Gastfreundschaft genossen. 

Chauvin ist eine stramme, nervige Natur, obschon nicht ohne Spuren 
einer anstrengenden Thätigkeit; frisch aber und elastisch, wo es Neues 
aufzunehmen, Gutes und Nützliches zu schaffen gibt. Feurig in der Rede 
und beredt im Vortrag, voll Phantasie und glücklicher, treffender Einfälle, 
und unterstützt von einem nicht leicht wankenden Humor, ist sein Auf- 
treten stets erfolgreich. Er ist ein trefflicher, und bei seinem Reichtum 
von Lebenserfahrungen unerschöpflicher Erzähler und darum überall will- 
kommener Gesellschafter. Er verbindet auf die erfreulichste Weise deutsche 
Gemütlichkeit mit französischer Lebendigkeit und Leichtigkeit, und wenn 
bei seiner öffentlichen Thätigkeit die letzteren Eigenschaften mehr zu Tage 
treten, so wird der Deutsche den eigenen Grundcharakterzug vornehmlich 
in seinem Familienleben ausgeprägt finden. 

Geist. Talent, Kenntnisse und Thätigkeit haben ihm sowohl die Achtung 
seiner Mitbürger, als auch das Vertrauen der Regierung gewonnen, die ihn 
häufig zu Kommissionen beruft oder mit Reisen beauftragt; erst im Jahre 
1863 wurde er mit Direktor Alvin nach München geschickt, um Bericht 
über die dortige Ausstellung der baierischen Zeichnungsschulen zu erstatten l . 

Es liegt in den lokalen Verhältnissen, dass die Akademie zu Lüttich 
besondere Rücksicht auf die Industrie und die Gewerke nehmen muss. Chauvin 
lässt es sich sehr angelegen sein, nicht nur die besten Methoden des Unter- 



') Er erschien unter dem Titel: Expositions des travaux graphiques et plastiques 
executees dans les ecoles de Baviere, de France, et du royaume de Württemberg, rapport 
adresse ä M. Vandeupereboom, ministre de l'Interieur par M. Alvin et M. Chauvin, 
ßruxelles 1863. 



— 79 — 

richts im Zeichnen. Modelliren und Malen zu ermitteln, sondern auch den 
Geschmack der Schüler nach den besten Mustern zu bilden und die Kenntnis 
der verschiedenen Stilarten ihnen beizubringen, überhaupt legt er einen 
grossen Wert auf wissenschaftlichen Unterricht, wohl wissend, dass Kennt- 
nisse und Bildung' dem Handwerker wie dem Künstler eine ehrenhaftere, 
freiere Stellung- in der Gesellschaft und einen grösseren Wirkungskreis 
sichern. Wie er sich in seiner Vaterstadt einen dauernden Ruhm und ein 
dankbares Andenken gegründet, so ist ihm auch die Anerkennung- seiner 
Verdienste in weitere Kreise gesichert, und sowie viele deutsche Künstler 
ihn zu ihren Freunden zählen, so wird die deutsche Kunst in ihm den 
Verwandten ^erkennen und ehren. u 

Kommen wir noch kurz zurück auf Chauvins äussern Lebensganu'. 

Im Jahre 1856 wurde Chauvin interimistischer Direktor der Lütticher 
Kunstakademie. 1858 übernahm er dieses Amt definitiv und er hat es öis 
zum Jahre 1880 verwaltet, wo er mit dem Titel eines Ehrendirektors in 
den verdienten Ruhestand trat. An Anerkennung seiner Verdienste hatte 
es ihm auch sonst nicht gefehlt; er war Ritter des Leopold-Ordens (seit 
dem 8. Oktober 1861) und korrespondirendes Mitglied der Königlichen 
Akademie in Brüssel. Als er aber am 29. Mai 1884 das Zeitliche gesegnet 
hatte, gestaltete sich die Begräbnisfeier nochmals zu einer grossartigeu 
Ehrung des verstorbenen Meisters. Alle staatlichen und städtischen Civil- 
und Militärbehörden nahmen an derselben teil; Chauvins Nachfolger in der 
Leitung der Akademie, Direktor Drion, schilderte in einer Rede den Lebens- 
lauf des Verblichenen und hob seine grosse Bedeutung für die Entwicke- 
lung der belgischen Kunst hervor, das schönste Lob aber ward dem ver- 
storbenen Künstler und Lehrer damals wie auch später bei der Feier des 
fünfzigjährigen Bestehens der Lütticher Kunstakademie aus dem Munde 
•seiner ehemaligen Schüler: dass er sie wie seine Kinder geliebt habe und 
dass es sein unablässiges Bestreben gewesen sei, sie den Höhen der Kunst 
zuzuführen 1 . 

20. Lambert Clemens Jakob ßewer. 

Er wurde am 29. Mai 1820 (off) 2 zu Aachen gehören, war seit 1837 
in Düsseldorf Schüler von Karl Sohn, bis er 1841 nach Paris ging.* wo er 
zunächst in das Atelier von Paul Delaroche trat, dann unter Ary Scheffer 
Copien nach alten Meistern ausführte und sich dem Einflüsse der lebenden 
französischen Maler hingab. 1847 kehrte er nach Düsseldorf zurück, wo 
er, mit Ausnahme geringer durch Reisen verursachter Unterbrechungen, 
bis zu seinem Tode lebte. Wegen seiner hervorragenden Leistungen hatte 



"fc5< 



') Nekrolog und Bericlrl über die Leichenfeier mi1 den Reden des Direktors Drion 
und des Bildhauers Achille Chainaye in der Lütticher Zeitung „La Bieuse" Nr. 129 und 
131 vom 30. Mai und 2. Juni 1884. E. D'heur, Le cinquantenaire de l'academie des 
l)c;uix-arts 1837—1889. Souvenir d'un 6leve. Li6ge L889, p. -Je. 

'-') Die Angabe bei \Y. Müller, Düsseldorfer Künstler S. 158 ts1 unrichtig. 



— 80 — 

er den Professor- Titel erhalten. Er starb zu Bonn am 2. September 
1884 (off). 

Bewers Gemälde behandeln vorzugsweise romantische Gegenstände, 
bei denen malerisch bunte Trachten, prächtige Stoffe und Geräte Gelegen- 
heit zu malerischen Zusammenstellungen bieten 1 . „Die Zusammenstellung 
ist weniger Komposition als Arrangement, aber trotzdem anmutig, hübsch 
und massvoll. Ohne Zweifel kann man die Individualitäten tiefer und ent- 
schiedener wünschen, sie zeigen indes feine und reine Formen und einen 
ansprechenden Ausdruck; besonders lobenswert sind auch die Licht- und 
Farben-Effekte. So eignen sich diese Bilder trefflich für den modernen 
Salon." Dieses Urteil Wolfgang Müllers 2 über zwei Gemälde Bewers 
(Tasso am Hofe zu Ferrara und der Sängerkrieg auf der Wartburg) mag 
auch von seinen übrigen Werken gelten. 

Bewer war auch Bildnismaler, und hier wird ihm ebenfalls Geschmack 
und Eleganz nachgerühmt 3 . 

Im Museum Wallraf-Richartz zu Köln findet sich von Bewer ein 
grosses Ölgemälde: Judith mit dem Haupte des Holofernes. Die Düssel- 
dorfer städtische Gemälde-Sammlung besitzt das Bild: Herodias' Tochter 
empfängt das Haupt Johannes des Täufers, welches Bild der Kunstverein 
für die Rheinlande und Westfalen dorthin gestiftet hat. Für diesen Verein 
hat Bewer auch drei der im Rathaussaale zu Münster befindlichen Portrait- 
bilder gemalt, darstellend den Minister von Fürstenberg, Freiherrn von 
Stein und Clemens August von Droste-Vischering. 

21. Leonhard Rausch. 

Dieser Künstler wurde zu Jülich am 5. Februar 1813 (off) geboren 
und starb zu Düsseldorf am 19. April 1895. Wolfgang Müller 4 zählt ihn 
zu der Klasse naturalistischer Landschaftsmaler, welche ihre Motive meistens 
in der Schweiz und in Tyrol holten, und er rühmt von ihm, dass seine 
Bilder sich durch Fleiss und Naturtreue auszeichnen. 

Ich erwähne ihn hier als Schöpfer von neuen hübschen, in Stahl 
gestochenen Blättern mit Ansichten aus Aachen und seiner Umgebung 
(ungefähr 18 — 20 cm breit, 15 — 16 cm hoch), aufweichen ein ausgeführtes 
Mittelbild von darauf bezüglichen Randzeichnungen umgeben ist. 

Diese Bilder sind: 

1. Der Dom, im Rand Wolf, Artischocke, Evangelienstuhl, Kaiser- 
stuhl, Kronleuchter und die liierunter befindliche Denkplatte. 

2. Das Rathaus (vor der Restauration), im Rand die gothische Fassade. 



J ) Nach Ni essen, Führer in den geistigen Inhalt des Museums Wallraf-Richartz 
iu Köln. 

2 ) Düsseldorfer Künstler S. 159. 

3 ) Niessen a. a. 0. 

4 ) Düsseldorfer Künstler S. 347. 



•' — 81 — 

3. Der Elisenbrunnen, im Rand die Therme und die Büste der Königin 
Elisabeth, Wappen u. s. w. (1842). 

4. Das Theater, im Rand das Innere (1842). 

5. Der Lousberg, im Rand die Salvatorkirche, die Sage von der Ent- 
stehung- des Lousbergs (Teufel und Bauernweib) und Ansicht von 
Aachen (1842). 

6. Burtscheid, im Rand der Viadukt, die Michaels- und Abtei-Kirche, 
der Kurgarten (1843). 

7. Frankenburg, im Rand die Schlossthürme, Sage vom Ring der 
Fastrada (1842). 

8. Drimborn, im Rand die im Wäldchen befindlichen Altertümer u. s. w. 
(1842). 

9. Emmaburg, im Rand die Sage von Eginhard und Emma (1842). 



Mit Leonhard Rausch schliesst die Reihe der in Betracht kommenden 
mir bekannten Maler, welche die Düsseldorfer Akademie besucht haben. 
Im Anschlüsse an den eben genannten Maler folgen noch drei Künstler, 
von denen ebenfalls Ansichten aus Aachen vorhanden sind 1 . Es sind dies: 

22. Thomas Cranz, 

Zeichner im architektonischen und landschaftlichen Fache, gebürtig aus 
Neisse in Schlesien, seit längerer Zeit abwechselnd in Köln und Aachen 
sich aufhaltend. Nach ihm wurden u. A. lithographirt : 

Aachen und seine Umgebungen. Nach der Natur gezeichnet, von Cranz. 
Lithographirt bei A. Senefelder in Paris, herausgegeben in 6 Heften (zu 6 Blättern) 
bei J. La Euelle Sohn. Qu. 4 . 2 

Er ist am 24. Juni 1853 im Bürger-Hospital zu Köln gestorben, 
67 Jahre alt. In der amtlichen Eintragung ist sein Name mit K geschrieben. 
Dieser Mann war als Zeichner nicht ohne Geschicklichkeit; auch mit der 
Malerei hat er sich befasst. 

23. Anton Wünsch. 

geboren zu Godesberg bei Bonn im Jahre 1800, hatte sich anfangs für die 
Malerei bestimmt, der er jedoch entsagte, um sich der Lithographie zu 
widmen. In Gemeinschaft mit F. A. Mottu errichtete er IS 1 7 in Köln 
eine lithographische Anstalt, für welche er mit angestrengtem Fleisse 
gewirkt hat. Eine nicht unbeträchtliche Anzahl zum Teil sehr lobens- 



') Die Angaben über diese drei Künstler sind Merlos Werk über die Kölnischen 
Künster (neu bearbeitet und erweitert von Firmenich-Richartz und Keussen, Düssel- 
dorf 1895) wörtlich entnommen. 

-) Angekündigt in der Beilage zu Nr. 124 der Rheinischen Flora Bd. I (1825) das 
Heft zu 1 Rthlr. 



— 82 — 

werter Blätter, welche er auf Stein gezeichnet hat, sichern ihm ein ehren- 
volles Andenken in der Künstlergeschichte Kölns. Schon in seinem 33. 
Lebensjahre wurde er durch Schwindsucht am 25. Januar 1833 dem 
Irdischen entrissen. 

Man hat n. A. von ihm ein Blatt: Frankenberg. Lith: v: Wünsch. Qu. 8°. 

24. Anton Ditzler (Dietzler), 

geboren zu Koblenz, Sohn des Landschaftsmalers Jakob Ditzler, widmete 
sich ebenfalls diesem Fache und hat sich besonders durch eine Folge von 
kleinen Panoramen der wichtigsten Städte und einiger durch Naturschönheit 
oder geschichtliche Denkwürdigkeit berühmter Punkte aus der Rheingegend 
und Belgien vorteilhaft bekannt gemacht; sie wurden, im Auftrage des 
unternehmenden Kölner Buch- und Kunsthändlers F. C. Eisen und zum 
Zwecke der Vervielfältigung durch Kupferstich von Ditzler an Ort und 
Stelle nach der Natur aufgenommen, zuerst gezeichnet und dann nach 
einem gleichförmigen, sehr beschränkten Massstabe, genau mit dem Um- 
fange der Kupferstiche in schmal gr. Qu. Folio übereinstimmend, in Ölfarbe 
ausgeführt, und zwar mit solcher Treue und Sauberkeit, dass man diesen 
fleissigen Arbeiten, für das, was sie sein sollen, eine gerechte lobende 
Anerkennung nicht wird versagen dürfen. Sie wurden von schweizer 
Künstlern in Aquatinta-Manier gestochen und zwar die Ansicht von Aachen 
durch den Kupferstecher RuiF. 

Mitten in einem strebsamen und sehr thätigen Wirken starb, Ditzler 
zu Köln am 27. April 1845, erst dreissig Jahre alt. 

Noch verdient erwähnt zu werden, dass Ditzler eine ungemeine 
Geschicklichkeit im Copiren der Werke anderer, auch alter Meister besass. 
Es gibt in dieser Art Arbeiten von ihm, die in der That zur Täuschung 
geeignet waren. 



Wir haben jetzt noch die Berufsmaler zu behandeln, welche ausser- 
halb Düsseldorfs ihre künstlerische Ausbildung erhielten. 



'ö 



25. Ludwig' Schieiden. 

Dieser Künstler wurde am 4. Dezember 1802 geboren 1 . Seine Eltern 
stammten aus Aachen ; hier und in dem nicht weit entfernten holländischen 
Städtchen Sittard bei Verwandten seiner Mutter hat er auch seine Kinder- 
jahre verlebt. 

„In frühester Jugend widmete er sich mit vielem Talent und bestem 
Erfolge der Malerkunst und ward von den Freunden dieser schönen Kunst 
viel gesucht und gerühmt 2 ." Fi 1 hatte in Aachen, wie fast alle seine dortigen 



') Nach dem Totenzettel, auf dem der Geburtsort nicht angegeben ist. Tu die 
Geburtsregister dir Stadt Aachen ist Schleideus Geburt nicht eingetragen. 
2 ) Totenzettel. 



•' — 83 — 

Kunstgenossen jener Zeit, im Zeichnen und Malen Unterrichl von Bastine 
erhalten und sich dann zu seiner weiteren Ausbildung nach Paris gewandt: 
welchem Meister er sich dort angeschlossen, konnte jedoch nicht ermittelt 
werden. Nach der Rückkehr von Paris Hess Schieiden sich in Aachen 
nieder. Er war Portrait- und G-eschichtsmaler. Es gibt von ihm ein 
Gemälde, welches den Tod des Grafen Wilhelm IV. von Jülich, der bei 
dem Überfalle Aachens in der Nacht vom 16. zum 17. März 1278 erschlagen 
ward, zum Gegenstand hat. Wo dieses Bild sich jetzt befindet, ist mir 
nicht bekannt. 

Schieiden war der vertraute Freund des Malers Billotte, mit dem er 
seine täglichen Spaziergänge machte. Der Totenzettel rühmt ihn als ehren- 
haften, pflichttreuen und opferwilligen Mann, ein Lob in das die, welche 
ihn noch gekannt haben, einstimmen. Er war nicht verheiratet und starb 
zu Aachen am 7. September 1862 (off). 

26. Karl Schumi. 

In der Einleitung des vorliegenden Aufsatzes lernten wir diesen Maler 
schon als Schöpfer trefflicher, in einer hiesigen Gemälde-Ausstellung des 
Jahres 1837 befindlicher Portraits kennen. Genaueres habe ich jedoch 
über seine Lebensumstände nicht erfahren können. 

Raczynski, welcher ihn den Bildnis-Malern der Berliner Schule zuzählt, 
hat über ihn den folgenden Vermerk 1 : 

Schmidt Karl; jetzt (1839) ungefähr 34 Jahre alt. Er ist aus Berlin, und 
lebt seit mehreren Jahren in Aachen. Er ist als Portraitmaler sehr ausgezeichnet. 
Das Bild des Obersten von Sckepeler ist eines der ähnlichsten und besten, die ich 
von ihm gesehen habe. 

Nagler 2 hat aus Unkenntnis der französischen Übersetzung des Wortes 
Aachen unserem Maler die beiden nachstehenden, einander unmittelbar 
folgenden Artikel gewidmet, die sich vielleicht ergänzen: 

Schmidt oder Schmid Carl, Maler, bildete sich um 1820 auf der Akademie 
in Berlin, lieferte aber schun zu dieser Zeit schätzbare Werke. Diese bestehen in 
Bildnissen, so wie in Copien nach historischen und landschaftlichen Originalgemälden 
berühmter Meister. Später begab sich der Künstler nach Frankreich, zunächst nach 
Paris, wo er mehrere Portraite, auch historische Darstellungen und Genrebilder 
malte und Beifall erntete. Nach einiger Zeit scheint er sich zu Aix-la-Chapelle 
niedergelassen zu haben. 

Schmidt oder Schmid Carl, Maler zu Aachen, erhielt daselbst den ersten 
Unterricht im Zeichnen, und begab sich dann zur weiteren Ausbildung nach Berlin, 
wo er an der Akademie der Künste seine Studien fortsetzte. Kr studirte auch die 
Kunstschätze der k. Gallerie und copirte mehrere Werke derselben, besonders im 
historischen Fache, da er selbst der Bistorienmalerei sieh widmete. Die Werke 
dieser Art gehören aber zu den selteneren, da der Künstler meistens Bildnisse 
malt*;, Brustbilder und ganze Figuren, teilweise in Lebensgrösse. Überdies hat man 



1 ) Geschichte der ueueren deutschen Kunst, Bd. III, S. 133. 

2 ) Künstler-Lexikon Bd. XV (1845), S. 298. 



— 84 - 

auch einige Genrebilder von der Hand dieses Meisters. Im Jahre 1841 copirte er 
die Bildnisse Napoleons und der Kaiserin Josephine, welche der König von Preussen 
der Stadt Aachen geschenkt hatte 1 . Schmidt ist Professor der Zeichenkuust in Aachen. 

Im Aachener Adressbuch von 1845 (die darauf folgenden Jahrgänge 
standen mir nicht zur Verfügung') wird Schmid, welcher den Professor- 
Titel führte, noch als Portraitmaler aufgeführt; in den fünfziger Jahren 
soll er nach Manchester verzogen und dort gestorben sein. 

27. Peter Ludwig Kulmen. 

Vaterstadt dieses Malers ist Aachen, wo er am 14. Februar 1812 
(off) geboren wurde. Seine grossen Anlagen zur Zeichenkunst zeigten sich 
sehr frühe, so dass er, mit 13 Jahren verwaist, durch die Stadtverwaltung 
die nötige Beihülfe erhielt, um sich als Lithograph ausbilden zu können. 
Als solcher arbeitete er bei der hiesigen Firma La Ruelle & Co., die ihn 
durch überaus günstige Bedingungen an ihr Haus band. Kulmen strebte 
jedoch weiter. Seine freien Stunden benutzte er unter Bastines Leitung 
zu Übungen in der Malerkunst. Zunächst malte er Wappen und Miniatur- 
bilder, und die grosse Genauigkeit, welche er bei diesen Arbeiten anwandte, 
verschaffte ihm bald einen weiten Ruf. Namentlich als Portrait-Miniatur- 
maler leistete er Tüchtiges und er kam hierdurch in Beziehungen, welche 
ihn veranlassten, sich in Belgien niederzulassen. Der Herzog Prosper von 
Aremberg beauftragte ihn Mitte der dreissiger Jahre die Bildnisse seiner 
Söhne zu malen. Durch diese Bilder wurde er in den Kreisen belgischer 
Kunstliebhaber bekannt und von diesen aufgefordert, Brüssel zu seinem 
Wohnorte zu wählen. Kühnen kam ihrem Wunsche im Jahre 1836 nach, 
war jedoch kaum nach Brüssel gezogen, als ihn in Folge des bei seiner 
Kunstgattung notwendigen fortwährenden Gebrauchs der Lupe eine Augen- 
krankheit befiel, die ihn, auch nachdem er wiederhergestellt war, zwang, 
dieser Art der Kunstthätigkeit zu entsagen. 

Kühnen widmete sieb nun der Landschaftsmalerei und hierin fand 
er erst seinen wahren Beruf. Seine Fortschritte waren ausserordentlich 
und stärkten seinen immer wachsenden Ruf. Im Jahre 1842 erkannten 
ihm die Preisrichter des Brüsseler Salon die silberne Medaille zu; drei 
Jahre später erhielt er die goldene Medaille. Im Jahre 1846 stellte er 
in Paris aus und trug den höchsten Ehrenpreis davon. Mit demselben 
Glücke stellte er in der Folge auf verschiedenen Ausstellungen Europas 
und Amerikas aus. 

Einen besonderen Verehrer seiner Kunst hatte Kühnen in dem Könige 
der Belgier Leopold I., der ihn auch für seine Tochter Charlotte, die nach- 
malige unglückliche Kaiserin von Mexiko, als Lehrer im Zeichnenund Malen 



x ) Diese Angahe ist unrichtig. Die beiden Bilder sind ein der Stadt von Napoleon 
gemachtes Geschenk. 1818 Hess Friedlich Wilhelm III. sie nach Berlin überführen, 
Friedrich Wilhelm IV. gab sie im Dezember 1840 nach Anfertigung einer Copie der Stadt 
zurück. (Pick, Aus Aachens Vergangenheit. Aachen 1895, S. 522 f.) 



• — 85 — 

wählte. Es zeugt von der Anhänglichkeit, welche die Kaiserin ihrem ehe- 
maligen Lehrer bewahrt hatte, dass ihm auf ihre Veranlassung Kaiser 
Max um Neujahr 1865 den Orden Unserer Lieben Frau von Guadalupe ver- 
lieh. Das Ritterkreuz des Belgischen Leopoldsordens hatte Kühnen schon 
am 10. Oktober 1856 erhalten. 

Nicht allein als Landschaftsmaler hat Kühnen Hervorragendes ge- 
leistet, er schuf auch treffliche Zeichnungen und Radirungen, die von den 
Liebhabern sehr gesucht werden. 

Kulmen starb zu Brüssel am 22. November 1877. 

Landschaften von ihm befinden sich in der Musee moderne zu Brüssel 
und in unserem Suermondt-Mnseum (Flusslandschaft, im Treppenhaus Nr. 278). 

Wie Kulmen war auch seine Gemahlin 

28. Frau Anna Barbara Josephina Hubertina Kühnen, 

geb. Beckers 

eine tüchtige Landschaftsmalerin. Sie wurde geboren zu Aachen am 
23. November 1807 (off) und starb zu Brüssel am 9. Mai 1867 im 34. Jahre 
einer glücklichen Ehe. 

29. Georg van Haanen 

wurde am 23. August 1807 (off) in Utrecht geboren, den Abend seines 
Lebens verlebte er in Burtscheid, wo er am 17. Juli 1879 (off) gestorben 
ist. Weitere Lebensnachrichten über ihn kann ich nicht geben. 

Nagler 1 bringt über einen Maler C. van Haanen die folgende Notiz: 
„C. van Haanen, ein jetzt lebender Maler zu Utrecht, dessen Landschafts- 
bilder mit Achtung genannt werden müssen. Seiner wird im Kunstblatt 
1835 Nr. 75 erwähnt, und da heisst es, dass sich seine Werke an jene 
-Schotels verdienstlich anreihen." 

Auch Raczynski berichtet von einem Maler van Haanen in Utrecht, 
dessen Werke er auf einer Reise durch Holland im April 1838 kennen 
lernte. „Kirchen von Innen, gotische Bogen-Gänge, dies sind die Gegen- 
stände, die er am häufigsten behandelt. Seine Arbeiten werden geschätzt" -. 

Ob sich die Angaben dieser beiden Schriftsteller auf unseren .Maler 
beziehen, oder vielleicht auf seinen Vater, welcher den Vornamen Casparis 
führte, kann ich nicht entscheiden. Ich habe die Stelle aus Nagler her- 
gesetzt, weil sich unrichtige Vornamen auch sonst in seinem Künstler- 
Lexikon finden. 

Von unserem Maler Georg van Haanen befanden sich fünf kleinere 
Ölgemälde in der Sammlung des Dr. Portz, weiche im August 1880 liier- 
selbst versteigert wurde. 

Es waren dies zwei Waldlandschaften, eine Mondscheinlandschaft, ein 



') Künstler Lexikon Bd. V (1837), S. 47s. 

2 ) Geschichte der neueren Kunst Bd. III, S. 159 and 165. 



— 86 — 

brennendes Dorf an einem Flusse bei Mondbeleuchtung- und ein Genre- 
gemälde: Ein Kind droht einem Hunde, der aus dem Küchenschranke ein 
Stück Fleisch gestohlen hat. 

30. Franz Ewerbeck 1 . 

Ewerbeck wurde geboren am 15. April 1839 zu Brake bei Lemgo 
in Lippe-Detmold. Nach bestandener Abgangs-Prüfung am Gymnasium zu 
Lemgo besuchte er von 1857 — 61 das Polytechnikum zu Hannover und 
die Bauakademie zu Berlin. Im Auschlusse daran unternahm er seine 
erste und für sein ganzes späteres Leben bedeutungsvolle Studienreise 
durch Frankreich, das nördliche Spanien, Nord- und Mittelitalien und Süd- 
deutschland und trat dann nach seiner Rückkehr auf Hases Bureau in 
Hannover ein. Bis Herbst 1863 finden wir ihn mit Unterbrechungen dort 
thätig, während er durch Fortsetzung seiner Studien auf dem Polytech- 
nikum zu Hannover sowie durch zeitweiligen Besuch der Kunstakademie 
zu Nürnberg und mehrere Studienreisen durch Süddeutschland und West- 
falen seinen künstlerischen Gesichtskreis beständig zu erweitern strebte. 
Schon jetzt errang er sich durch Veröffentlichung der auf seinen Reisen 
gesammelten Skizzen (1864 bei Schmorl und von Seefeld, Hannover), die 
vermöge der genialen Darstellung grosses Aufsehen erregten und besonders 
in den Kreisen der Hannoverschen Schule begeisterte Anerkennung fanden, 
einen ehrenvollen Namen. 

Nach kurzer Thätigkeit beim Bau des Königl. Schlosses Marienburg 
übernahm Ewerbeck sodann im April 1864 die Bearbeitung der Pläne für 
die Hochbauten der Bahn Almelo-Salzbergen und der nicht zur Ausführung 
gelangten Strecke Harlingen-Heerenveen. Daran schlössen sich in den 
nun folgenden Jahren Entwurf und Ausführung der Bahnhöfe zu Bentheim 
und Gildehaus. Neben dieser Thätigkeit ward ihm vielfach Gelegenheit, 
in grösseren und kleineren Privatbauten verschiedenster Stilformen sein 
vielseitiges Talent zu schulen. 

Im Februar 1867 wandte sich Ewerbeck wieder nach Hannover, um 
auf dem Bureau der dortigen Eisenbahn-Direktion ausser Entwürfen zu 
Empfangs- und Dienstgebäuden für Hannover die 'Hochbauten der Süd- 
Harzbahn zu bearbeiten. Nach l 1 ^ Jahren bot sich ihm eine vorteilhafte 
Stellung in Osnabrück bei der Paris-Hamburger Bahn unter dem Ober- 
baurat Funk, in der er bis zum Jahre 1870 verblieb. In diesem Jahre 
folgte er dem ehrenvollen Rufe an die neuerrichtete Königl. Technische 
Hochschule zu Aachen, wo er als Lehrer der Architektur bis zu seinem 
Lebensende eine fruchtbringende und vielseitige Wirksamkeit entfaltet hat. 



x ) Aus dem Nekrolog in der deutschen Bauzeitung, 23. Jahrgang, Berlin 1889, S. 330. 
Ein in den Mitteilungen des K. K. Oesterr. Museums für Kunst und Industrie. N. F. 
Jahrgang IV, S. 444 enthaltener Nekrolog ist notirt in der Zeitschrift des Aachener Ge- 
schichtsvereins Bd. XII, S. 340. 



• — 87 — 

Auch in Aachen fand Ewerbeck neben seinem Lehramte Müsse zu 
einer rastlosen privaten Thätigkeit; viele Entwürfe und Bauausführungen 
entstanden, unter denen als Hauptwerk die künstlerische Gestaltung' des 
neuen chemischen Laboratoriums der Technischen Hochschule zu Aachen 
hervorzuheben ist, Grosse Erfolge erzielte er ausserdem durch Bearbeitung 
zahlreicher Entwürfe und Wettbewerbungen, unter denen mehrere den 
ersten Preis davontrugen. U. a. sind hier zu erwähnen die mit dem ersten 
Preise gekrönten Entwürfe zum Bahnhofe der Aachen-Jülieher Bahn und 
zum Bau eines Atriums für den Dom zu Aachen, dessen künstlerische Aus- 
gestaltung zu seinen Lieblingsplänen gehörte. Der hochbedeutende Ent- 
wurf zur Wiederherstellung der Rathausthürme in Aachen, der durch einen 
unglücklicheil Formfehler gegen das Programm von der Preisbewerbung 
ausgeschlossen werden musste, brachte ihm nicht geringeren Ruhm ein. 
Als eine mit besonderem Reiz ausgestattete Arbeit der letzten Jahre ist 
der gleichfalls durch eine Wettbewerbung veranlasste Entwurf für den 
Kölner Volksgarten zu nennen. 

In den weitesten Kreisen machte sich Ewerbeck bekannt durch seine 
zahlreichen und vorzüglichen Veröffentlichungen. Hier, vor allem in der 
unübertrefflichen Darstellung dessen was er erdacht oder auf seinen vielen 
Reisen geschaut, ist auch wohl der Schwerpunkt seiner künstlerischen 
Lebensthätigkeit zu suchen. Seine köstlichen, mit vollendeter Meister- 
schaft hingeworfenen Aquarelle und die prächtigen Aufnahmen, besonders 
farbiger Dekorationen sind wohl nur engern Kreisen bekannt geworden, 
ihretwegen verdient er aber voll und ganz einen Platz in der Reihe 
Aachener Maler. Um so weitere Verbreitung fanden seine architektonischen 
Reiseskizzen — so das schon erwähnte Erstlingswerk, sowie insbesondere 
die Hauptarbeit der letzten Jahre, die Renaissance in Belgien und Holland, 
.ausserdem zahlreiche grössere und kleinere Aufsätze und Darstellungen in 
den verschiedensten Zeitschriften, in denen er mit besonderer Vorliebe 
Gegenstände der Dekoration und des Kunstgewerbes alter und neuer Zeit 
behandelte. Sein letztes Werk, eine Auswahl eigener Entwürfe (Berlin 
bei Ciaessen) förderte er noch bis zu seinen letzten Tagen mit unermüd- 
lichem Eifer. 

In der Fülle der Schaffenskraft erlag Ewerbeck, nach kaum voll- 
endetem 50. Lebensjahre einer schweren Nervenkrankheit, die ihn infolge 
von Überanstrengung, mitten in der Bearbeitung der im Februar 1888 
ausgeschriebenen Preisaufgabe zu einem Gesellschaftshaus christlicher Kauf- 
leute in Breslau, befallen hatte. Tu wunderbarer Weise war ihm auch 



'■■> 



während seines länger als ein Jahr währenden Leidens der wunderbare 
Schaffenstrieb erhalten geblieben; es war als ob beim Hinsiechen seiner 
körperlichen Kräfte die Energie seines Geistes fort und fort sich gesteigert 
hätte. Noch wenige Wochen vor seinem Ende unternahm der todkranke 
Mann eine Reise nach Brüssel, um dort Studien zu machen und Geschäfte 
für seine Bauausführungen abzuschliessen. Eine Brustfellentzündung, die 



— 88 — 

er sich hierbei zuzog, brachte den völlig abgezehrten Körper zu Falle. 
Widerstrebend, fast bis zur letzten Stunde rastlos schaffend, rang sich der 
feurige Geist endlich los von seiner kraftlosen irdischen Hülle und nach 
hartem Kampfe entriss ihn der erlösende Tod seiner Familie und seinen 
zahlreichen Freunden. Ewerbeck starb zu Aachen am 16. Juni 1889 (off). 
Ein echter Künstler, ein pflichttreuer, von seinen Schülern begeistert ver- 
ehrter Lehrer, ein edler, liebenswürdiger Mensch ist in ihm zn Grabe 
getragen worden. 

Zwei Aquarelle Ewerbecks befinden sich unter Glas und Rahmen im 
Kupferstich-Kabinet nnseres Suermondt-Museums. Sie stellen dar ein Stadt- 
thor zu Kampen in Holland und die Kirche zu Wilderswyl in der Schweiz. 

31. Maximin (Max) Wilhelm Hubert Kratz 

wurde am 5. November 1810 (off) zu Cornelimünster bei Aachen geboren 
und starb zu Aachen am 22. Juli 1889 (off). Er war namentlich geschätzt 
als tüchtiger Bilderrestaurator, daneben malte er Landschaften, er hat 
aber auch Geschichtsbilder gemalt. So befand sich von ihm in der schon 
erwähnten Sammlung des Dr. Portz neben fünf Flusslandschaften (darunter 
vier mit Mondlicht) auch eine Grablegung Christi. 

32. Johann Peter Neidinger 

wurde zu Trier am 22. Februar 1811 (off) geboren. Am 1. Oktober 1844 
wurde er als Nachfolger Bastines Zeichenlehrer am hiesigen (Kaiser Karls-) 
Gymnasium und er hat diese Stelle bis zu seinem am 20. Dezember 1875 
(off) erfolgten unerwarteten Hinscheiden bekleidet. 

Soviel ich weiss, hat er nicht gemalt, war aber ein geschickter 
Zeichner. Nicht ohne poetische Anlagen war Neidinger auch ein beliebter 
Gesellschaftsredner und der Verfasser vieler Festgedichte und geselliger 
Lieder. 

33. Karl Alexander Lambris 

wurde am 18. Mai 1841 (off) zu Düsseldorf geboren, hat aber den grössten 
Teil seines Lebens in Aachen zugebracht, wo er auch am 28. Mai 1896 
(off) gestorben ist. Lambris war Architekt und ein Zeichner von hervor- 
ragender Begabung, der namentlich für kunstwissenschaftliche Werke viele 
Zeichnungen angefertigt hat, ich führe z. B. an das bekannte von unserem 
Mitbürger Dr. Franz Bock herausgegebene dreibändige Werk „Rheinlands 
Baudenkmale des Mittelalters". Als Nachfolger Salms war Lambris später 
Zeichenlehrer an mehreren hiesigen höheren Schulen 1 . 



*) Lambris' Vater, Matthias L. geboren zu Krefeld, 60 Jahre alt gestorben zu Aachen 
am 5. September 1877 (off) war Lithograph. Von ihm gibt es eine lithographisch ver- 
vielfältigte künstlerische Spielerei, eine aus nur zwei ununterbrochenen Linien gezeichnete 
Abbildung des Reiterstandbildes des Kurfürsten Johann Wilhelm auf dem Markte zu 
Düsseldorf, umgeben von einer verschnörkelten llahmenverzierung. 



• — 89 — 

Den vorgenannten Künstlern reihe ich noch einige Dilettanten an, 
welche auch die schöne, Niemanden zur Last fallende Kunst der Malerei 
gepflegt haben. 

34. Jakob Joseph Hubert Lauft'*, 

geboren zu Aachen am 15. Mai 1804 (off) und daselbst am 12. Oktober 1875 
(off) gestorben, war emeritirter Pfarrer und bis zu seinem Tode Geistlicher 
an dem im Sommer 1896 abgetragenen St. Michaels-Kapellchen auf dem 
katholischen Kirchhofe am Adalbertssteinweg. Der fromme und würdige 
Priester hat sich während seines ganzen Lebens gerne mit Zeichnen und 
.Malen beschäftigt. Er malte religiöse Darstellungen, arme Kirchen ver- 
danken ihm auch gemalte Mittelschilder für Kirchenfahnen. 

35. Johann Willems, 

geboren zu Aachen am 5. April 1807 (off), ein Schullehrer zu ßurtscheid, 
erhielt seine Ausbildung im Seminar zu Brühl. Er lebte 37 Jahre in glück- 
licher Ehe mit Katharina Oslender, welche zehn Jahre vor ihm das Zeit- 
liche segnete. Am 29. Januar 1877 feierte Willems sein fünfzigjähriges 
Lehrerjubiläum, bei welcher Gelegenheit er den Adler der Inhaber des 
hohenzollernschen Hausordens erhielt. Er starb zu Burtscheid am 1. Juli 1884 
(off). Vielseitig künstlerisch veranlagt (er war vor allem ein tüchtiger 
Geigenspieler) hat Willems sich auch mit der Malerei befasst, und seine 
kleinen Landschaftsbildchen, die er wohl in der früheren Jacobischen per- 
manenten Gemälde-Ausstellung ausstellte, sind in vielen Häusern unserer 
Stadt zu finden. 

36. Nikolaus Joseph Balck, 

ein Kunsttischler und Holzschnitzer, wurde zu Aachen am 10. Mai 1812 
(off) geboren. „Bis zu seinem Alter war derselbe ein begeisterter und 
begabter Jünger der christlichen Kunst, und manche Kirche ist geziert 
durch erbauendes Bildwerk von seiner Hand 1 ." In seinen Mussestunden 
beschäftigte Balck sich auch mit der Malerei und zwar copirte er Bilder 
religiösen Genres, es gibt von ihm z. B. eine Copie des im hiesigen Museum 
befindlichen, dem Franzisco de Zurbaran zugeschriebenen Bildes, das den 
hl. Franziskus darstellt (Saal IV, Nr. 301). Balck starb zu Aachen am 
17. September 1887 (off). 

37. Dr. Matthias Hubert Debey (De Bey) 2 , 

geboren zu Aachen am 23. August 1817 (oft), daselbsl gestorben am 19. März 
1884 (oft) war nicht allein ein tüchtiger Arzt, sondern auch ein eifriger Pfleger 



') Totenzettel. 

'-) Nekrolog von J. Becker Zeitschrift des Aachener Gesehichtsi creins Bd. I X, S. -3;J. 



— 90 — 

der Kunst, was seine unser Münster und Rathaus betreifenden Schriften 
und sein „Büchlein geistlicher Lieder" beweisen. Aber auch der Malerei 
hat Debey sein Interesse zugewandt, er besass eine nicht unansehnliche 
Bildersammlung und hat selbst nach altdeutschen Vorbildern gemalt. 

38. Jakob Gustav Compes, 

Oberpfarrer, Ehrenstiftsherr und Definitor, wurde am 22. Mai 1832 in 
Korschenbroich geboren. Am 1. September 1857 in Köln zum Priester 
geweiht, war er nacheinander Kaplan in Borbeck, an St. Andreas in Köln, 
Pfarrverwalter in der Diözese Speyer, Kaplan an St. Jakob in Aachen, 
Pfarrer in Bleibuir und seit dem 30. August 1886 bis zu seinem Tode an 
St. Foillan in Aachen. Er starb zu Aachen am 12. Mai 1890 (off). Compes 
war Landschaftsmaler. 



Es soll endlich hier noch einer Künstlerin Erwähnung gethan werden, 
welche zwar weder gemalt noch gezeichnet hat, aber trotzdem in den 
Rahmen dieser Arbeit hineinpasst und auch wohl zu verdienen scheint, dass 
ihr Andenken erhalten bleibe. Es ist dies 

39. Johanna Maria Agnes Hubertina Scharschmaiin, 

geboren zu Aachen am 16. Juli 1819 (off), daselbst gestorben am 5. November 
1847 (off). Von ihr heisst es in dem Berichte ] über eine Gemäldeaustellung, 
welche 1848 im Haamannschen Saale hierselbst stattfand, nachdem zuerst 
eine Anzahl spätmittelalterlicher Bilder besprochen worden: 

„Von der deutschen Schule sei es gestattet, im Vorübergehen einen 
Blick auf die , Aachener Schule vom jüngsten Datum' zu werfen. 

Wir haben schon bei einer früheren Ausstellung auf die ganz im 
Geiste der alten Kunst, ohne allen vorherigen Unterricht im Zeichnen, 
erfundenen und in schwarzem oder farbigem Papier ausgeschnittenen Ar- 
beiten der im vorigen Jahre nach 18jähriger unausgesetzter Krankheit 
verstorbenen Agnes Scharschmann aus Aachen aufmerksam gemacht. Da- 
mals gewannen die vier Bilder aus dem Jahre 1844 Anerkennung. Seitdem 
hat die Künstlerin bis zum Ende ihres Lebens bedeutende Fortschritte 
gemacht, wie die vorliegende, aus den Leistungen der Jahre 1844 — 1847 
getroffene Auswahl von 28 der besten Arbeiten beweist. Die Schönheit 
der Komposition, die Vollendung der Zeichnung haben mehr noch als die 
Überwindung der technischen Schwierigkeiten bei Mangel alles Unterrichts 
tüchtige Kunstkenner in Staunen gesetzt. Wir hegen die Hoffnung, dass 
ein künftiges städtisches Museum die besten Werke unserer verewigten 
Mitbürgerin der Nachwelt aufbewahren werde, und dass ihnen dann eine 



') Echo der Gegenwart, Jahrgang I, Nr. 5 vom 16. .Juli 18-18. 



- 91 — 

bessere Stelle wird eingeräumt werden, als man ihnen in der gegenwärtigen 
Ausstellung anzuweisen für gut gefunden hat." 

Weiteres über diese Künstlerin kann ich nicht mitteilen. 



Zum Schlüsse mögen einige Mitteilungen über Aachener Bildersamm- 
lungen Platz finden. 

Es gab im Laufe dieses Jahrhunderts in Aachen mehrere Gemälde- 
Sammlungen von bedeutendem Rufe. 

Der am 1. März 1887 in Aachen verstorbene Barthold Suermondt 1 
hat zweimal- eine grosse Gemälde-Sammlung zusammengebracht. Die erste 
Sammlung, welche auch die von Suermondt 1852 erworbene Gallerie (etwa 
150 Bilder) des Obersten von Schepeler umfasste, welcher preussischer 
Geschäftsträger in Madrid gewesen und den Abend seines Lebens in 
Aachen verlebt hatte, wird im amtlichen „Führer durch die Königlichen 
Museen zu Berlin" als die beste Privat-Gallerie Deutschlands bezeichnet. 
Sie ging 1874 durch Kauf zum grössten Teil in den Besitz des Preussi- 
schen Staates über und bildet jetzt einen Teil der Königl. Gemälde-Gallerie 
in Berlin. 

Der Hauptbestand der zweiten Suermondtschen Sammlung, mehr als 
130 Bilder, wurde in den Jahren 1882 und 1883 von Suermondt der Stadt 
Aachen geschenkt. Suermondt gründete durch dieses reiche Geschenk die 
Gallerie des nach ihm benannten städtischen Suermondt-Museums. 

Ich übergehe eine Reihe kleinerer Gemälde-Sammlungen, wie sie in 
Führern durch Aachen, Adressbüchern u. s. w. aufgeführt werden und 
will nur noch die Bettendorfsche Sammlung kurz erwähnen. 

Diese Gemälde-Sammlung aus dem Anfange dieses Jahrhunderts ent- 
hielt ungefähr 370 Bilder, darunter Werke der Gebrüder van Eyck. „herr- 
liche" Memlings 2 , ferner Gemälde von Dürer, Hugo van der Goes, Bernhard 
van Orley, Rogier van der Weyden, Rubens. Titian, Correggio u. s. w. Knde 
der zwanziger Jahre ward die Sammlung zersplittert 3 . Sie war zu ihrer 
Zeit weit berühmt und wurde vielfach von Künstlern und Kunstfreunden be- 
sichtigt. Während des Monarchen- Kongresses im Jahre 1818 hatte König 
Friedrich Wilhelm III. sie in Begleitung des Kronprinzen und seines I tefolges 
in Augenschein genommen 1 . Fünf Jahre später sah sie Johann Friedrich 
Böhmer, der bekannte Frankfurter Historiker und begeisterte Patriot 6 . 



') Nekrolog in der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. IX. S. 235. 

2 ) Raczynski a. a. 0. Bd. I, S. 96. 

s ) Quix, Hist.-topogr. Beschreibung der Stadt Aachen s. 121. Ein Gedicht von 
.1. ß. Rousseau auf ein altdeutsches Marienbild der Bettendorfschen Gemälde-Sammluug, 
Rheinische Flora, I. Jahrgang (1825), S. 762. 

4 ) Meyer, Aachen, der Monarchen-Kongress im .Talire 1818. Lachen 1819, S. 72. 
i .1 mssen, Johann Friedrich Böhmers Leben, Briefe and kleinere Schriften. Frei- 
burg i. Br. 1868, Bd. I, S. 99. 



— 92 — 

Böhmer war damals eifrig- mit Kunststudien beschäftigt. „Mir war' - , schrieb 
er. „der Satz klar geworden, den einer meiner Lieblingsdichter irgendwo 
ausspricht: ,Das Schöne will das Heilige bedeuten', und fortan Hess ich 
mir die näheren Kenntnisse der Gegenstände deutscher Maierei angelegen 
sein, und Hess Andere über die Verzeichnungen der Hände und Füsse sich 
unterhalten, womit sie sich, wie ich höre, auch noch beschäftigen und also 
wohl nie, die Extremitäten verlassend, zu dem Herzen vordringen werden." 
„Die ächte Kunst ist eine Predigt vom Jenseits, eine Predigt des Evan- 
geliums d. h. der Demut und Selbstverläugnung." Und in diesem Sinne 
schrieb er unter dem Eindrucke, den die Bettendorfsche Gallerie auf ihn 
gemacht, einem Freunde das folgende Sonett ins Stammbuch: 

Zur schönen Kunst meint' ich den Schritt zu lenken, 
Als ich betrat des Bildersaales Schwelle, 
Doch edler Saft floss mir aus dieser Quelle, 
Mit höh'rer Labung meinen Durst zu tränken. 

Mich selbst vernichtend musst' ich mich versenken, 
Van Eyck, so tief in deiner Landschaft Helle, 
Und Henilings Farbenglut verbrannte schnelle 
Zu besserem Phönix all' mein irdisch Denken. 

Nicht Maler, nein, Apostel seid ihr Meister, 
Das ew'ge Wort, ihr sprecht es aus in Farben; 
Nicht Ohren zwar, doch predigt ihr den Augen. 

Abglanz des Reichs, das ihr, verklärte Geister, 
Nun schaut, um welches eure Märt'rer starben, 
Ist mir vergönnt, aus euerem Werk zu saugen. 



Max von Schenkendorf am Rhein und in Aachen, 

Von K. Wacker. 

„Wenn ich das herrliche Land übersehe, durch welches ich gewandert 
bin", schrieb Max von Schenkendorf im Dezember 1812 an Frau von Auers- 
wald, „als Einfassung des Gemäldes einen silbernen Strich mache von den 
Flüssen, die dem Knaben schon so lockend und badelabend klangen, als 
Oder, Elbe, Pleisse, Mulde, Ihn, Werra, Main Neckar, Rhein — wenn ich 
zur Staffage die herrlichen Menschen hinzurechne, die mir begegnet sind, 
so erscheint mir der letzte Sommer wie ein Traum und ich fürchte zu 
erwachen." Von Königsberg war er um die Mitte Juli 1812 aufgebrochen 
und im September in Karlsruhe angekommen — seine Heimat sollte er 
nicht wiedersehen. Er entbehrte sie fürs erste auch nicht, seine Eltern 
und die Verwandten seiner Frau besassen nicht die Liebe des jungen 
Dichters. Die Ideale, die des Dichters Herz bewegten, als er seine öst- 
liche Heimat verliess, wurden am Phein gestärkt und vermehrt. AVenn 
Puckert ihn den „Kaiserherold" nennt, so will er ihn preisen als den 



• — 93 — 

sinnigen Lobsänger der grossen deutschen Vergangenheil und den ernsten 

Mahner an die Pflichten, die Volk und Fürsten dem Vaterlande gegenüber 
in der Zukunft zu erfüllen haben. Seine Freude und sein Schmerz hatten 
ihre Quelle im Hoffen und Verzagen an der Wiederherstellung alter Reichs- 
herrlichkeit. 'Wie musste sich sein dichterisches Gemüt angeregt fühlen, 
als er zum ersten Mal den Strom sah. an dem sich deutsche Geschichte und 
Sage, deutsches Heldentum und freies Bürgerleben ihre Stätte erkoren harten! 

Es klingt ein heller Klang, 

Ein schönes deutsches Wort 

In jedem Hochgesang 

Der deutschen Männer fort: 

Ein alter Konig hochgeboren, 

Dem jedes deutsche Herz geschworen — 

Wie oft sein Name wiederkehrt, 

Man hat ihn nie genug gehört. 

Er sieht im tiefen Bett des sagenumwobenen Stromes nach, dem Hort, 
den Hagen in ihn versenkt hat: 

Tief unten in dem Grunde, 
Am feuchten, kühlen Ort, 
Da ruht noch diese Stunde 
Der Nibelungenhort. 

Auch dem stolzragenden Münster zu Strassburg und dem ehrwürdigen 
Dom zu Speyer sandte er seinen tiefempfundenen Dichtergruss. Zu Worms 
suchte er die Geister der Helden heraufzubeschwören, die einst hier gelebt, 
des grimmen Hagen, der Burgunderkönige, des erschlagenen Siegfried. 

Die Geister und die Sagen, 
Der alten Tage Zier, 
Die kann kein Feind erschlagen, 
Sie weilen ewig hier. 

Auch fliesset noch zur Stunde 
Der alte Rhein vorbei, 
Der blieb dem Heldenbunde, 
Den Heldenzeiten treu. 

Tn Baden-Baden und Karlsruhe wohnte er Volksfesten bei, beteiligte 
sich an der Weinlese und besuchte mit Frau und Kind die Ruinen und 
Berge des Schwarzwaldes, wo er sich nahe wähnte der Wohnung der 
„seligsten Gestalt", dem „süssen Engelsbild 1 ', das nicht nur am Sternenzelt, 
sondern auch bei grünen Bäumen in dem lust'gen Wald seinen Keinen führt. 

Freiheit, Freiheit, komm heraus, 
So kräftig und so fromm, 
Aus deinem grünen, dunklen Haus, 
Du schöne Freiheit, komm! 

Dort unten las.- dich winbr schaun, 
Im fernen deutsches Land, 
Bewahre du die treuen Gaun 
Vor w( Ischem >Lla\ enstand. 



— 94 — 

Und sie sollte kommen, die Stunde, in der die selige Gestalt der 
Göttin Freiheit aus den Klüften des Schwarzwaldes herniederstieg an die 
Rebenhügel des Rheines. Mit dem Ausgang- des Jahres 1813 war das 
rechte Rheinufer dem deutschen Volke wiedergegeben. Aber in fremden 
Skavenketten trauerte noch die alte Krönungsstadt mit dem Stuhle Karls 
des Grossen. 

Frei geworden ist der Strom, 
Ist das Land am deutschen Rheine; 
Doch der Stuhl von Felsgesteine 
Trauert noch im Aachner Dom. 

Drauf des grössten Kaisers Macht 
Sass als eine stumme, bleiche, 
Würmern hingegebne Leiche, 
In der gold'nen Kronen Pracht. 

Welchen Otto kühn erhob, 
Starker Hoffnung Grabesblüte, 
Gar nicht ahnend im Gemüte, 
Was die dunkle Zukunft wob. 

Steht er wohl noch lange leer? 
Will sich drauf kein Kaiser setzen 
Allen Völkern zum Ergötzen, 
Der Bedrängten Schirm und Wehr? 

Ach, die Sehnsucht wird so laut! 
Wollt ihr keinen Kaiser küren? 
Kommt kein Ritter, heimzuführen 
Deutschland, die verlass'ne Braut? 

Komm vom Himmel uns herab, 
Den wir alle froh begrüssen, 
Dem wir sinken zu den Füssen, 
Steig' empor aus tiefem Grab! 

Einen hat sich Gott ersehen, 
Dem das Erbteil zugefallen. 
Der ein Stern wird sein vor allen, 
Und was Gott will, mag geschehen! 

Als aber der 1000. Jahrestag des Todes Karls des Grossen nahte 
und in dem wiedereroberten Aachen die Banner der Verbündeten flatterten, 
da ruft er den grossen Kaiser an als Scliutzgeist seines Volkes. 

Nun sind es tausend Jahr, 
Dass Kaiser Karl geschlafen. 
Wer zählt der Greuel Schar, 
Die in der Zeit uns trafen? 

Hat Dir von unsrer Welt 
Im Grabe nicht geträumt? 
frommer Christenlield, 
Du hast sehr viel versäumt. 



— 95 — 

Das ganze Deutschland schaut 
Voll Schmerz nach Deinen Zeiten. 
Der heil'ge Morsjen graut, 
Zu dem wir uns bereiten. 

Nun rufen wir Dir zu: 
Geliebtes Haupt, erwache! 
Ersteh' von lauger Ruh, 
Vollziehe Du die Rache! 

Steh' auf in Herrlichkeit 
Nimm Schwert und Seepter wieder. 
Dann kommt die bess're Zeit 
Vom Himmel zu uns nieder. 

Nur einen solchen Herrn 
Einmal nach tausend Jahren, 
Dann soll der deutsche Stern 
Hoch leuchten in Gefahren. 

Lass, heil'ger, stark und weich, 
Dich uns're Liebe binden, 
Ein tausendjähr'ges Reich 
In Deutschland neu zu sminden! 



-■ 



Wenn sich Schenkendorf schon jahrelang- auf die „Welt von Genüssen" 
gefreut hatte, die ihm mit einer Rheinfahrt aus dem Badischen herunter 
bis gen Koblenz und Köln eröffnet werden sollte, so hat ihm leider das 
Geschick nicht gegönnt, die „herrliche Fahrt", wie sie seinem Geiste vor- 
schwebte, als gesunder Mann anzutreten. Schon seit einigen Monaten hatte 
er über körperliche Leiden geklagt; die Anstrengungen der Kriegsjahre, 
die arbeitsvollen Tage, die er unter von Steins Präsidium im Dienste der 
Centralverwaltung der Kriegsbewaffnung meist zu Frankfurt a. M. zubrachte, 
schienen sich rächen zu wollen. „Nervenreiz, Kopfschmerz, Schwindel und 
schwarze Hypochondrie — ich kann nie länger als eine Viertelstunde an- 
haltend schreiben — das hat auf alle meine Ansichten, Studien und Arbeiten 
Kinfluss." Nun wäre er am liebsten nach dem benachbarten Baden-Raden 
gegangen, um Heilung zu suchen; das öftere Zusammensein mit seiner in 
Karlsruhe verbleibenden Familie, der stete Verkehr mit Freunden am Bade- 
orte selbst, hätten seinem Geist und Gemüt eine die Genesung des Körpers 
fördernde Frische bewahrt. Aber sein Freund, der Arzl Friedländer, ver- 
ordnete energisch den Gebrauch der Aachener Bäder. 

Auf seiner Reise nach Aachen berührte er Koblenz, wo er mit dem 
grossen Görres verkehrte, und das heilige Köln, wo er mit heiligem Schauer 
den Dom betrat, „den Wald voll hoher Bäume", wo er altdeutsche Gemälde 
sah, denen er das wärmste Interesse zuwandte; und wenn ihm anfänglich 
nicht alles behagte, so wurde er immer mehr zu Gunsten der Stadl und 
ihrer Bewohner umgestimmt. Später schrieb einmal Kran von Schenken- 
dorf über Köln: „Köln scheint die Eigenschaft zu haben, dasa der unan- 



— 96 — 

genehme Eindruck, den es am Anfange macht, sich nicht allein verliert, 
sondern sich in Anhänglichkeit an diesen Ort verwandelt — ", welchem 
Briefe ihr Gatte die Zeilen hinzusetzte: „Hier ist gut sein, Kirchen und 
Bilder sind gar zu schön, und die Menschen sind lieb und traut." 

Gegen Ende November oder Anfang Dezember 1814 betrat Schenken- 
dorf zum ersten Mal den Boden der Reichs- und Krönungsstadt Aachen, 
um ungefähr 5 Monate zum Kurgebrauch daselbst zu bleiben. Wer die 
Eigenart seines menschlichen und dichterischen Empfindens kennt, kann 
erraten, mit welchen Gefühlen er den Zeugen grosser Vergangenheit ent- 
gegentrat, die er hier zum ersten Male sah. Wenn den Knaben Schenken- 
dorf schon die gelegentlichen Mitteilungen eines Pfarrers über lokalgeschicht- 
liche Ereignisse seiner litthauischen Heimat mächtig anregten, wenn er in 
Königsberg den Blick nicht ohne poetisches Empfinden auf die Ruinen 
eines Klosters richten konnte, wenn er als Jüngling durch einen gehar- 
nischten Zeitungsartikel dem an der Marienburg ausgeübten Vandalismus 
Einhalt that, dann musste er als Mann mit edler Begeisterung und weh- 
mütiger Erinnerung den baulichen Resten aus der Zeit Karls des Grossen 
gegenüberstehen. Jetzt entsprach seine Umgebung der bei ihm vorwiegenden 
Gemütsrichtung: dem stillen Sichversenken in die Grösse der Vergangen- 
heit unseres Volkes, dem plötzlichen Emporflackern dieser Stimmung und 
ihrer Verdichtung in den ungestümen Forderungen nach Erneuerung alter 
Reichsherrlichkeit und Kaiserwürde. 

Aber zunächst waren es diese Empfindungen nicht, die sich nach 
oben drängten und zum poetischen Ausdruck zu gelangen strebten. Auf 
dem allgemeinen Untergrunde einer romantisierenden Sentimentalität er- 
langten zunächst die Stimmungen die Oberhand, die sich an die fernen 
Lieben und das schmerzlich entbehrte Familienleben anknüpften. So sandte 
er denn seiner Gattin einen „Gruss aus der Fremde", ihr und sich selbst 
zur Tröstung (Dezember 1814): 

Du liebes, frommes Wesen, 
An dem dies Herz genas, 
Das ich mir nicht erlesen, 
Das mir mein Gott erlas. 

Du Holde, Schöne, Süsse, 
Du meines Lehens Stern, 
Ich grüssc Dich, ich grüsse 
Aus weiter, weiter Fern! 

Sind wir auch fern geschieden, 
Die Lieb' hat süssen Brauch, 
Ich fühle Deinen Frieden 
Und atme Deinen Hauch. 

Ärger noch beschlich ihn die Sehnsucht nach Frau und Kind am 
hl. Christabend. Als die Lichter der Weihnachtsbäume durch die Fenster 



• — 97 — 

auf die Strassen schienen und traute Kreise um sich sammelten, denkt der 
Dichter daran 

„ — was vordem geschah, 

Und was ihm honte fehlt." 

Wir fühlen mit ihm das Heimweh, wir fühlen mit ihm das Verlangen 
nach dem süssen Frieden, den er wie Goethes Wanderer in seine Brust 
wünscht. 

Willkommen, trautes Dämmerlicht! 
Willkommen, Mondenschein; 
Ihr bleibt getreu — verlasst mich nicht, 
Sonst hin ich ganz allein. 

Nicht mag ich zu dem hellen Stern, 
Nicht auf zum Himmel schaun, 
Es ziehet mich in weite Fern' 
Wohl fort nach andern Au'n. 

Zu meinem Hof, zu meinem Haus, 
Zu ihr, der keine gleicht, 
Die Gabe mir und Blumenstrauss 
Zum Feste sonst gereicht. 

Hausfrau, schön und fromm und mild, 
Die jede Tugend schmückt, 
Und Du, mein Muttergottesbild, 
Nach dem sie sinnend blickt, 

Und Du, viel süsses, liebes Kind, 
Das uns der Herr geschenkt, 
Das, wie die Mutter still gesinnt, 
Des fernen Wandrers denkt. 

Ich grüss' euch, ihr geliebten Drei, 
Dich grüss' ich, kleine Welt, 
In der mein Herz und meine Treu' 
Sich gar zu wohl gefällt. 

Wie krank ich bin und einsam hier, 
Mir träumt vom Wiederseim, 
Von unserm Haus; da wollen wir 
Noch manches Fest belehn. 



'6' 



Willkommen, süsse Weihnachtslust, 
wunderbarer Schein! 
Vom Himmel zeuch in meine Brust 
Und nimm sie gänzlich ein. 



b' 



Was wir sonst noch an dichterischen Erzeugnissen der Muse Schenken- 
dorfs aus der Zeit seines ersten Aulenthalts in Aachen haben, (rafft vor- 
wiegend den Charakter des Religiösen, erinnernd an die Liederdichtung 
des 17. Jahrhunderts. Dem Rationalismus stand Schenkendorf kalt und 
fremd gegenüber, ihm behagte die Richtung der Romantiker, er sali die 
Grösse des deutschen Volkes im Mittelalter, in der Einigung desselben 



— 98 — 

unter ei Dein Kaiser, unter einem religiösen Bekenntnis. Das war auch 

ein Grund, dass er sich mit den Rheinländern so gut verstand und Freunde 

unter ihnen gewann. Die Offenheit, mit der er, ohne andere zu verletzen, 

seine Ansichten über die schwebenden hochpolitischen Fragen aussprach, 

die Wertschätzung der im Westen des Reiches pulsierenden deutschen 

Volkskraft, mussten ihm das Herz der Rheinländer gewinnen. Unter ihnen 

wünschte er auch zu bleiben und freute sich der ihm eröffneten Aussicht 

auf eine Anstellung am Rhein. Ein „Stock-Preusse" wollte er nicht sein, 

er fühlte sich nicht wohl im Kreise der preussischen Offiziere und Beamten. 

„Als ich im Herbst 1814 nach dem Mittel- und Niederrhein kam", schreibt 

er selbst in einem Briefe, „behagte es mir gar nicht unter den Preussen. 

Die Offiziere schienen mir, der ich doch selbst noch die Uniform trage, 

arrogant, stolz und dumm, die Civilisten beschränkt und einseitig preussisch. 

Ich habe bis in den Januar hinein im ewigen Streit mit ihnen gelebt, und 

sie nennen mich dort alle Österreicher." Mit Aufregung, aber immer 

steigendem Missmut verfolgte Schenkendorf von Aachen aus die Entwicke- 

lung der Dinge auf dem Wiener Kongress. Sie verstimmte ihn mehr und 

mehr. Er hatte auf ein grosses deutsches Reich unter einem mächtigen 

Kaiser gehofft und sah vorausblickend die Zeit des Bundestages kommen. 

Da kam neue Kunde von Westen: Napoleon war wieder auf dem Plane 

erschienen. Wieder erhub der Freiheitssänger seine Stimme und dichtete 

in Aachen ein „Gebet" zu Gott um nochmaligen Beistand im erneuten 

Kampfe. 

„Noch ist nicht ganz verdorben 
Das reine deutsche Blut, 
Noch ist nicht ganz gestorben 
Der Deutschen Treu und Mut. 
Ach, alles mag noch werden 
Viel besser, als es war, 
Und endlich wohl zur Erden 
Kommen das grosse Jahr." 



Der Kriegslärm verscheuchte den Dichter von den Bädern Aachens, 
aber schon im Juli und August finden wir ihn wieder dort. Er nahm dies- 
mal Wohnung in Frankenberg und überliess sich ganz der Stimmung, die 
die Erinnerung an die Vergangenheit dieses Ortes in Geschichte und Sage in 
ihm wachrief. Am See sitzt der Dichter, wie einst der grosse Karl, als 
er dem Ring der Fastrada nachtrauerte. Auch er hat sein Leid, den 
Schmerz unbefriedigter Sehnsucht, dessen er sich nicht erwehren kann am 
trüben Wasser — er sucht ihn zu vergessen im weiten grünen Walde. 

Ich zieh' in euch, ihr Mauern, 
Mit Wehmut und mit Lust, 
Vorzdt, reich an Schauern, 
Du ziehst in meine Brust. 



— 99 — 

Ihr Wände haltt belauschet 
Des alten Kaisers Glück, 
Von Saitenklang durehrauschet, 
Erhellt vom Sonnenblick. 

Hier hat der Held gesessen, 
Als ihm sein Lieb entschlief: 
Die Lust war unermessen. 
Das Leid war gar zu tief. 

Und was ihn so gekränket, 
Was ihm sein Herz bezwang, 
Liegt hier im See versenket 
Schon tausend Jahre lang. 

Den Ring von seiner Lieben, 
Den sie trug an der Hand, 
In dem ein Wort geschrieben 
Von ew'gem Liebespfand; 

Den hat der See verschlungen: 
Da war der Karl geheilt. — 
Der Pilger blickt gezwungen 
Zur Tiefe nun und weilt. 

Wohl jeder hat getrunken 
Vom Becher, voll und süss, 
Wohl jedem liegt versunken 
Ein frühes Paradies. 

Drum ist der See so trübe, 
Mit Laub und Schilf bedeckt, 
Weil ihren Gram die Liebe 
Gern aller Welt versteckt. 

Ihr Glück lässt Liebe scheinen 
Und zeigt es unverstellt; 
Doch muss die Liebe weinen. 
So flieht sie vor der Welt. 

Sehnsucht, allgewaltig, 
Halb dunkel, halb bewusst, 
Sehnsucht, vielgestaltig 
Beschleichst du meine Brust! 

Ich will nun in die Felder 
Und an die klaren Seen, 
Durchschweifen grüne Wälder 
Und alte Pelsenhöhn. 

Am 16. Juli 1815 richtet er wanne Sehnsuchtsworte an die lieben 
Freunde in Baden-Baden, in deren Mitte er sich gern befände: 

Denkt auch mein mit guten Worten, 
Der euch täglich Kränze flicht, 
Dem sich öffnen hundert Pforten, 
Aber, ach! die liebste nicht. 



— 100 — 

Der ich irre, der ich wandre 
Manche Nacht und manchen Tag, 
Aber nimmermehr mir and're 
Freud' und Freundschaft suchen mag. 

Noch einmal steht der Dichter (August 1815) am Frankenberger See; 
er sieht, wie des Himmels Bläue sich in ihm spiegelt — ■ das erinnert ihn 
an den. Blick ins Auge der Liebsten — und der gefällt ihm noch besser. 

Und wenn ich hier am Wasser steh', 
In diesem klaren Spiegel seh, 
Den Himmel und die Bäume, 
So zieht's mich wohl hinab, hinab, 
Gern sänken in das feuchte Grab 
Die Sehnsucht und die Träume. 

Doch ist es nur ein eitler "Wahn, 
Dein eigen Bildnis schaust du au. 
Und all das Sterngefunkel, 
Mag's locken dich zu Lust und Kuss — 
Steig' nicht hinab zum kalten Fluss, 
Denn unten ist es dunkel. 

Doch wenn ich vor der Liebsten steh', 
Ihr in die klaren Augen seh', 
Das ist kein Traum, kein Wähnen, 
Du mildes, frommes Angesicht, 
Du Hiramelslicht, du reines Licht, 
Du täuschest nicht mein Sehnen. 

Es ist nicht mehr mein armes Ich, 
Das eitel in dem Spiegel sich, 
Nur ewig sich beschauet: 
Ein zweites Leben, das mir blüht, 
Ein bess'res, dran sich mein Gemüt 
In Ewigkeit erbauet. 

süsser Bund von Ich und Du, 
Nun fliesse hin in Lust und Ruh', 
Mein liebes, schönes Leben! 
starker Bund von Eins und Zwei, 
Daraus wird sich der heil'gen Drei 
Vollkommue Zahl erheben. 

Weil der Dichter „vom Waffenklang nicht lassen kann", will er sich 
stählen durch den stärkenden „Sprudelquell", um das Schwert wieder 
führen zu können. 

So hell in der Sonne 

Wachset der Wein; 

Auch unten, o Wonne! 

Giebt's ein Gedeih'n. 

Die Wasser, sie ringen 
Sich freudig los, 
Die Erze durchdringen 
Der Erde Schoss. 



— 101 — 

So wirke von innen, 
Du Eisennut, 
Und stähle mir Sinnen 
Und Leib und Mut! 

Wie will ich dann stehen 
Ein Eisenmann, 
Will eilen und gehen 
Zum Kämpferplan. 

Die Unbilde rächen. 
Am Schandgeschlecht. 
Und streiten und sprechen 
Für Gott und Recht. 

heilige Wasser, 
Willkommen mir! 
Ein liebender Hasser 
Trink' ich euch hier. 

Das sind die letzten Worte, die Schenkendorf in Aachen dichtete. 
Aber die „heiligen Wasser", brachten ihm keine Heilung-, ebenso wenig 
wie die vor» Baden-Baden und Ems. Am 11. Dezember 1817 raffte ihn an 
seinem 34. Geburtstag die tückische Krankheit dahin. 



Zur Geschichte 
des Ortes Schevenhütte im Landkreise Aachen. 

Von A. Bomines. 

1. Lage und Bodenbeschaffenlieit. 



'ö 



Der Ort Schevenhütte mit seinen Nebenörtchen Joaswerk und Bend 
gehört in bürgerlicher Hinsicht zur Bürgermeisterei Gressenich, in kirch- 
licher zum Dekanate Eschweiler und bildet nach Osten hin die äusserste 
Grenze des Landkreises Aachen. Er liegt in dem engen aber anmutigen 
Wehbachthale, umgeben von üppig bewaldeten Bergeshöhen, die nach Osten 
sehr steil sich erheben, nach Westen aber bei nur massiger Steigung und 
geringerer Bewaldung seine Umgrenzung bilden, und wird durchflössen von 
dem klaren, schnell dahinrauschenden Wehbache. Dieser durchfliessl von 
seiner Quelle in den sogen. Wchrmeisterei- Waldungen d. h. in den Wald- 
distrikten westlich von Germeter bei Vossenack, die mitunter steilen und 
felsigen Höhenzüge durchbrechend, das tiefe Querthal bis Wenau und 
Langerwehe und ergiesst seine krystallhellen Wasserwellen von da über 
Luchein beim Orte Lamersdorf in das [ndeflüsschen. Einstens haben wohl 
mächtigere Wassermassen sich diesen Felsenweg gebrochen und dann im 
Laufe der Jahrhunderte Steingeröll, Sand und Lehm von den umliegenden 
Höhen mit sich fortreissend die tiefen Thalschluchten allmählich geebnet 



— 102 — 

und bis zur jetzigen Höhe angefüllt. So ist der früher so tiefe und breite 
Wasserstrom gleich vielen anderen, allmählich zu einem Bache herab- 
gesunken, zwischen dessen Ufern und den angrenzenden Felsenhöhen sich 
jetzt zu beiden Seiten Streifen grünender, saftiger Wiesen gebildet haben, 
die nunmehr üppigen Graswuchs hervorbringen wo früher brausende Wogen 
gewaltsam dahinstürzten und Felsen durchbrachen. Während er in seinem 
Oberlaufe durch Grauwacken- und Thonschiefergebirge, deren schroffe, 
felsige Höhenschichten er bis Schevenhütte quer durchbricht, dahineilt, 
bestreicht er von da bis Langerwehe das Kalksteingebirge von Breinig, 
Vicht, Gressenich und Wenau. 

Die Beschaffenheit des Bodens ist, wie der meiste Gebirgsboden, von 
ebenso grosser Verschiedenheit, wie seine grösseren oder geringeren 
Schichtengebilde. Dort, wo das Steingebirge mehr hervortritt, ist er arm 
und dürftig, in den Niederungen dagegen fruchtbar und ergiebig. Bei 
seiner Erhebung von nur 521 Fuss oder 163 Meter über dem Meeres- 
spiegel und seiner durch die umgebenden Waldeshöhen geschützten Lage 
erfreut sich der Ort eines gesunden und milden Klimas und einer reichen 
Vegetation, alles Annehmlichkeiten, welche durch prachtvolle Kunststrassen 
nach allen Richtungen noch bedeutend vermehrt werden und welche be- 
sonders zur Sommerszeit Fremde von Nah und Fern zum Besuche und zu 
Erholungstouren zu Fuss und zu Wagen zahlreich anziehen. Dazu nährt 
das saftige Grün der Waldesgründe einen vorzüglichen Wildstand besonders 
an Rehen und Hasen, so dass auch die Liebhaber des Waidwerkes aus 
der Umgebung mit Vorliebe den Einladungen zur Jagd nach Schevenhütte 
Folge leisten. 

2. Entstehung des Ortes. 

Soviel über die Lage des Ortes und seine Bodenbeschaffenheit. Suchen 
wir nun auch etwas über seinen Ursprung und seine Entstehung zu erfahren. 
Überschauen wir die isolierte, einsame Lage des Ortes Schevenhütte in 
dem schmalen Wehbachthale, eingezwängt zwischen dicht bewaldeten 
Bergeshöhen, fast abgeschlossen von allem Weltverkehre, dann drängt 
sich uns sogleich die Frage auf: „Was mag wohl die Menschen hier zur 
Ansiedelung veranlasst und bestimmt haben?" Der Ackerbau war es 
sicher nicht; denn es fehlten die fruchtbaren Gefilde und hinreichenden, 
grastragenden Wiesenflächen. Es waren andere Gründe und zwar haupt- 
sächlich drei, welche zweifellos die Veranlassung zur Ansiedelung und 
Niederlassung von Menschen in dieser ursprünglichen Einöde geboten haben: 
Zunächst war es wohl der Metallreichtum der anschiessenden Gegend von 
Gressenich, Werth, Mausbach, Krehwinkel und Stolberg, speziell die indu- 
strielle Ausbeutung und Bearbeitung der hierselbst. lagernden Eisen- und 
Kupfererze; ferner die leicht gebotene, bequeme Benutzung der Wasserkraft 
des Wehbaches zum Betriebe von Eisenhämmern, von denen noch zwei bis 



• — 103 — 

jetzt teilweise erhalten sind, der eine am sogen. Hammer nördlich und der 
andere am Joaswerk südlich am Eingänge des Ortes; und endlich die 
ebenso leicht gebotene Gelegenheit, aus dem unerschöpflichen Holzreichtume 
der umliegenden Waldungen die damals zum Schmelzen des Eisenerzes 
allgemein beriutzte Holzkohle zu bereiten. Also westlich die Metallschätze, 
östlich die billige Schmelzkohle und in der Mitte zwischen beiden die 
kostenlose Wasserkraft, das waren drei Faktoren, die gewiss zur Ansiede- 
lung sehr einladend erscheinen mussten. Dazu kommt noch weiter, dass 
die umliegenden Walddistrikte eine reiche Fülle üppiger Futterkräuter zur 
Unterhaltung - von Viehherden boten, wodurch die Ansiedler sich in ihrer 
abgeschlossenen isolierten Lage wenigstens mit den unentbehrlichsten Lebens- 
bedürfnissen versehen konnten/ 

So finden wir auch, dass die Bewohner der Orte Schevenhütte, 
Joaswerk und Bend seit den ältesten Zeiten ihres Bestehens neben der 
Eisenindustrie als Haupterwerbszweig auch im weiten Umfange die Vieh- 
zucht betrieben, wozu die Wiesen am Wehbache entlang reiches Futter 
lieferten, besonders aber auch die üppig wachsenden und damals wenig 
benutzten Eichenwaldungen, die zum sogen. Wildbann (d. h. Forst- und 
Walddistrikte, in denen nur das Jagd- und Fischereirecht dem Eigen- 
tümer ausschliesslich und ungeteilt reserviert war, nicht aber das Nutzungs- 
recht auf Holz und Graswuchs) des Herzogs von Jülich gehörten und 
Jülichsches Dominialgut waren im Sinne gemeinsamer Benutzungsweise 
nach damaligem Gebrauche. Dieses Recht der Mitbenutzung namentlich 
hinsichtlich des Holz- und Grasaufwuchses musste nach den Verhältnissen 
und Anschauungen jener Zeit von den Landesherren und Haupteigen- 
tümern den anliegenden Höfen und Ansiedelungen in der Umgebung not- 
gedrungen zugestanden und verbellen werden, damit überhaupt Ansiede- 
lungen in unwirtlichen und entlegenen Gegenden zu Stande kommen 
konnten, wodurch dann hinwiederum diese Waldungen für beide Teile 
erst ihrem ganzen Umfange nach nutzbar wurden. Dieses Recht der Mit- 
benutzung der anschiessenden Waldungen hinsichtlich des Holzes und 
besonders des Weidganges für das Vieh erhielt auch Schevenhütte mit 
seinen zwei Nebenorten Joaswerk und Bend, welche in früheren Zeiten 
sogar drei Hirten unterhielten, die drei Viehherden von zusammen 150 
Stück Rindvieh in den Wald trieben. 

Die Hauptveranlassung zur Ansiedelung von Menschen und Ent- 
stehung dieser Orte bot aber unstreitig die Eisen- und Kupferindustrie der 
anschiessenden Gegend, und es liegt sehr nahe, wenn auch Urkunden darüber 
fehlen, dass die Herzöge von Jülich, zu deren Dominialgütem das ganze 
Gebiet von Schevenhütte gehörte, die Anlage von Eisenhütten und Bammer- 
werken hierselbst veranlasst oder wenigstens gefördert Laben, infolge- 
dessen dann durch allmähliche Ansiedelung und ständige Niederlassung 
der herbeigezogenen Arbeiter und Meister der ort mit seinen Nebenorten 
entstanden ist. Das Alter der Ausbeutung der Eisen-, Kupier- und Bleierze 



— 104 — 

der genannten Gegend von Schevenhütte, Gressenich u. s. w. überhaupt 
ist nicht genau zu bestimmen, jedoch hält H. Hub. Koch, Divisionspfarrer 
in Frankfurt a. M. in seiner Abhandlung über Handel und Industrie in 
den Rheinlanden es für nicht unwahrscheinlich, dass schon vor den Römern, 
welche zu Gressenich eine dauernde Niederlassung gründeten und die Aus- 
beutung der umliegenden Metall-Lager eifrig betrieben, die einheimische Be- 
völkerung, nämlich die Eburonen, in der dortigen Gegend Metallerze ge- 
graben und bearbeitet haben, worauf die mächtigen Schlackenhalden bei 
dem nahen Orte Gressenich, welche bis 5 Meter^ tief unter der Erdober- 
fläche liegen sollen, hindeuten. Nach demselben Verfasser wird diese 
Annahme noch besonders dadurch bestärkt, dass hier die Kelten, welche 
vor den Römern das Eisen künstlich bearbeiteten, schon vor den Zeiten 
der Eburonen und später mit ihnen zusammen gewohnt haben. So berichtet 
auch schon der römische Feldherr Julius Caesar, dass die Balken der 
gallischen Schiffe mit schweren eisernen Nägeln zusammengefügt sind, dass 
ihre (der Gallier) Schiffsanker an eisernen Ketten hingen anstatt an Seilen 
und die Gallier schon vor den Römern eiserne Schwerter und Panzer be- 
sassen. Aber erst durch die Römer selbst gewann die Ausbeutung der 
Erzlager hiesiger Gegend an Ausdehnung und Bedeutung. Dafür zeugen 
u. A. die zahlreichen Funde römischer Münzen und Alterthümer in der 
Umgebung des nahegelegenen, kaum 2 Kilometer entfernten Gressenich, 
sowie der noch bis 1892 in Betrieb gewesene Bleierz-Förderschacht, genannt 
„Auf dem Römerfeld", an der Strasse zwischen Gressenich und Hasten- 
rath. Dass die Römer damals auch bis Schevenhütte ihre Thätigkeit aus- 
gedehnt und wahrscheinlich im sogen. „Daenz" (vielleicht von silva densa), 
zwischen Schevenhütte und Gressenich gelegen, Eisenerz gegraben haben, 
lässt sich auch daraus vermuten, dass während des Neubaues der hiesigen 
Pfarrkirche im Jahre 1888 beim Ausgraben der Fundamente an der Seite, 
wo die Sakristei sich befindet, in einer Tiefe von 2 bis 3 Metern unter 
der Erdoberfläche mehrere römische Wasserkrüge ausgegraben wurden. 
Ausserdem betrieben die Römer damals in hiesiger Gegend bedeutende 
Bleiausgrabungen, z. B. im sogen. Schieferling bei Gressenich, nicht minder 
förderten sie Kupfererz zu Tage. Noch jetzt führt das Haus Nr. 1, zu 
Schevenhütte gehörig und in der Richtung nach Wenau bloss 5 Minuten 
vom Orte entfernt gelegen, den Namen „die Kupfermühle", woraus hervor- 
geht, dass man die von den Römern bereits entdeckten Kupfererze später 
auch hier bearbeitete. In der nachrömischen Zeit aber gewann diese 
Metallindustrie erst ihre grossartigste Ausdehnung. So gab es nach H. H. 
Koch a. a. 0. in der Gegend von Stolberg (früher Stalberg genannt) im 
Jahre 1667 bereits 33 Firmen von Messingfabrikanten und 1748 schon 52 
solcher Firmen. Daselbst brannten in der Regel 130 — 140 Schmelzöfen. 
Später jedoch hat dieser Industriezweig in der ganzen Gegend wieder sehr 
an Bedeutung verloren. So ging es auch in Schevenhütte, dessen Haupt- 
blütezeit um das Jahr 1700 begann. Fremde Konkurrenz, Kostspieligkeit 



• _ 105 — 

der Förderinig- und des Transportes, besonders aber die verminderte Er- 
giebigkeit und allmähliche Erschöpfung mancher Metallgruben haben zum 

allmählichen Verfalle und endlichen Erlöschen dieses Industriezweiges in 
Schevenhütte und seiner unmittelbaren Umgebung geführt. So schrieb 
schon Dorsch in seiner 1804 verfassten Statistik: „Les mines de Gresse- 
nich, Schevenhütte, Vicht et Büsbach . . . rapportent fort peu." Jedoch 
waren noch bis zum Jahre 1849 zwei Eisenhämmer zum Schmieden des 
Eisens, welche von der Wasserkraft des Wehbaches getrieben wurden, 
und deren Überreste, wie bereits bemerkt, sich hierselbst noch befinden, 
in Betrieb; desgleichen ein Eisenschmelzofen mit Giesserei bis zum Jahre 
1870, der in der Mitte des Dorfes auf dem sogen. „Hüttenplatz" stand 
und im Jahre 1'889 niedergelegt wurde. So ist also mit Ausnahme der er- 
wähnten Hammerüberreste nunmehr auch die letzte Spur des früheren geschäf- 
tigen, industriellen Wirkens und Schaffens hierselbst verschwunden, woran 
man ausserdem nur noch zuweilen erinnert wird durch die gusseisernen, 
hierselbst angefertigten Kamintafeln, meistens mit Jahreszahlen aus dem 
17. und 18. Jahrhundert, die sich hier in manchen Häusern noch vorfinden; 
auch bestehen noch jetzt hierselbst an sieben verschiedenen Stellen an dem 
Wehbache Wasseranlagen, durch welche die Wasserkraft zum Betriebe 
von Eisenhämmern und Blasebälgen in den Giessereien früher nutzbar ge- 
macht wurde, die aber jetzt ihrem Verfalle immer mehr entgegen gehen. 
Infolgedessen muss also die jetzige Bevölkerung sich ihren Unterhalt haupt- 
sächlich in den umliegenden Fabriken zu Eschweiler. Stolberg, auf der 
Bleigrube Diepenlinchen bei Mausbach, sowie durch Holzhandel und Vieh- 
zucht beschaffen. 

Nicht aber ging der Gemeinde Schevenhütte das Weidrecht in den 
anschiessenden Walddistrikten (Kannenhau, Hüttenhau, Krahnenbroicher, 
Frenzerköpfen) verloren, obschon es an gewaltsamen Versuchen, ihr das- 
selbe zu nehmen, nicht gefehlt hat. Mit schweren Opfern und grossen 
Anstrengungen hat sie sich dasselbe erhalten und für immer gesichert. 
Den ersten Angriff auf dieses anerworbene Recht machte der Herzog Karl 
Theodor von Jülich selbst, als derselbe das gemeinsame und verworrene 
Eigentumsrecht über die sogen. Dominialwaldungen zwischen der herzog- 
lichen Hofkammer einerseits und den Erbförstern und andern Erbberech- 
tigten d. h. den Besitzern anschliessender Höfe andererseits ordnete und 
letzteren als Abfindung für ihre sämmtlichen Ansprüche einen 'feil der 
Waldungen, nämlich die schon genannten Distrikte Kannenhau, Eüttenhau, 
Kranenbroicher und Frentzerköpfe in der Grösse von 2028 Morgen durch 
die Teilungsurkunde vom 16. Januar 1776 als ausschliessliches Privat- 
eigentum zuerkannte, während alle übrigen Waldungen der herzoglichen 
Hofkammer als alleiniges, unbeschränktes Eigentum verblieben. Die erb- 
berechtigten Höfe waren folgende: der Hof von Düren. Frentz, Frau- 
wüllesheim. Echtz, Kreuzau, Lendersdorf, Gürzenich. Derichsweiler, Palant, 
luden, Pier-Merken und Gressenich, welch letzterer jedoch zur Zeit der 



— 106 — 

Teilung des Waldes eingegangen war. In dieser Teilungsurkunde und 
einem dazu gehörigen Begleitschreiben vom selben Datum hob er die Weid- 
berechtigung für Schevenhütte, Joaswerk und Bend auf, desgleichen das 
Recht der Verkohlung des Holzes im sogen. Hüttenhau für die Hütten- 
besitzer hierselbst. Die Gemeinde, d. h. die eben genannten drei Ort- 
schaften, wahrte jedoch ihr Recht, indem auf die Hornsignale ihrer Vieh- 
hirten die Einwohner, Alt und Jung, in den Wald zusammenströmten, den 
Hirten mit ihren Herden gegen die Förster der Waldbeerbten zu Hülfe eilten 
und die Förster mit Gewalt vertrieben. Auf eine Klageschrift der Waldeigen- 
tümer hin vom Jahre 1787, worin sie den Widerstand der mit Stöcken, Mist- 
gabeln u. s. w. bewaifneten Einwohner gegen ihre Förster schildern, ver- 
schärfte der Herzog sein früheres Verbot des Weidganges durch eine Ver- 
ordnung vom 14. Juni 1788, hob dieses Verbot jedoch aus unbekannten 
Gründen durch seine Verordnung vom 12. Februar 1789 zu Gunsten der Ge- 
meinde wieder auf. Als später die Waldeigentümer den Weidgang jedoch 
trotzdem immer mehr einzuschränken versuchten und die Berechtigung der 
Gemeinde abermals bestritten, schritt letztere zur gerichtlichen Klage beim 
Landgerichte zu Aachen am 4. Oktober 1847, zunächst gegen einen derselben, 
nämlich den Kaufmann Franz Josten zu Neuss. In diesem langwierigen 
Prozesse bewies die Gemeinde ihr Recht durch eidliches Zeugenverhör der 
ältesten Personen aus der Gemeinde und der Nachbarschaft und siegte in 
demselben durch Urteilsspruch vom 21. Oktober 1848. Was nunmehr für 
diesen einen galt, das galt auch für alle anderen Waldeigentümer, und so 
wurden im Laufe des Jahres 1849 durch 13 öffentliche Urkunden, teils 
gerichtliche Urteile, teils notarielle Anerkennungsurkunden die einzelnen 
Eigentümer zur Anerkennung dieses Weidrechtes veranlasst, und dasselbe 
für alle Zukunft unbestreitbar festgestellt. In neuerer Zeit versucht man 
jedoch dieses Recht indirekt durch zahlreiche Nadelholzpflanzungen an Stelle 
des Eichenholzes illusorisch zu machen. So verdankt also Schevenhütte 
mit seinen Nebenorten seine Entstehung an der Grenze des genannten 
Metallgebietes im wasserreichen, waldumkränzten Wehbachthale vor allem 
den hier lagernden Metallerzen, der Wasserkraft des Wehbaches und den 
anschiessenden futterreichen Waldungen. 

3. Namen des Ortes und seiner Umgebung. 

Nicht bloss der Ursprung und die Lage, sondern auch der Name des 
Ortes Schevenhütte steht in engster Beziehung zu der erwähnten Metall- 
industrie. Er erhielt nämlich seine Benennung von den früheren Eisen- 
hüttenwerken, bestehend aus Schmelzöfen, Eisengiessereien und Eisen- 
hämmern, die hierselbst vor dem Jahre 1550 angelegt wurden. Von diesen 
Hüttenwerken erhielt der Ort anfangs einfach den Namen „uff der Hütten"; 
so wird er stets genannt in Urkunden vom Jahre 1558 bis 1666. Von 
1667 bis 1691 beisst er abwechselnd „scheivenhütten" und „Hütten". 



• — 107 — 

Später in der Pfarrerhebuhgsurkunde vom 6. Dezembnr 1699 heisst er 
Scheiffenhütten ; vom Jahre 1727 bis 1748 Scheivenhütte uml darnach bis 
zur Jetztzeit schreibt man Schevenhütte, während man im gewöhnlichen 
Sprachgebrauchs noch immer kurzweg sagt „auf der Hätte". In der ersten 
Zeit mag- die einfache Benennung „uff der Hütten 1 " d. h. „auf der Hütte" 
für die Bezeichnung' des Ortes genügend gewesen sein, da jedoch die An- 
zahl der Hüttenwerke in der Gegend mit dem Aufschwünge der Industrie 
sohl- zunahm, so mochte dieser allgemeine Name bald nicht mein- hingereicht, 
sondern vielmehr oft Anlass zu manchen Verwechselungen gegeben haben, 
weshalb man ihn spezialisieren musste und zwar sehr naheliegend nach dem 
Namen des damaligen Eigentümers des Haupthüttenwerks, als den wir einen 
gewissen Scheyff oder Scheiffen annehmen müssen. Dass vermögende Leute 
dieses Namens in der hiesigen Gegend zur damaligen Zeit gelebt haben, gehl 
schon daraus hervor, dass ein Jakob Scheyff bei Gürzenich im Jahre 1492 dem 
nur 2.5 Kilometer von Schevenhütte entfernt liegenden ehemaligen Kloster 
Schwarzenbroich sein Haus, Gut, Hof, Benden und Weiher verkaufte. ' 
Ähnlich sind wohl auch die Ortsbezeichnungen Joaswerk, Junkershammer 
bei Zweifall, Bernhardshammer bei Vicht, Moulardshütte u. s. w. entstanden. 

Der Bach, an dessen Ufern Schevenhütte liegt, heisst „Wehbach u ; 
derselbe hat zugleich dem ganzen Thale den Namen „Webachthal" gegeben 
mit Ausnahme der Strecke von Wenau bis Langerwehe, welche jetzt „Schön- 
thal" genannt wird. Er hat seinen Namen erhalten von den vielen Wiesen 
oder Viehweiden, die in mehr oder minder breiten Streifen an seinen beiden 
Ufern entlang sich erstrecken und welche hierselbst in der Volkssprache 
„Wehen" genannt werden. Der Name des Baches hat also die Bedeutung 
von „Wiesenbach" oder „Weidenbach". Diese Annahme findet auch ihre 
Bestätigung in der Bezeichnung des Baches mit dem Namen „die Wei", 
unter welchem derselbe in einer Urkunde vom 21. Dezember 1322 aufge- 
führt wird, welche die Umgrenzung des sogen. Wildbannes des Herzogs 
von Jülich angibt. 

Desgleichen verdankt das benachbarte Wenau diesen Wiesen oder 
„Wehen" seinen Namen. Er ist nämlich entstanden aus Wiese oder „Wehe", 
womit dann noch das Wort „Hau" als Bezeichnung für einen Walddistrikt 
verbunden wird. Die Bedeutung seines Namens ist also „Wiesenhau", im 
Volksmunde „Wehen-Hau" oder abgekürzt „Wenhau", welches jetzt Wenau 
geschrieben wird. Ähnlich heissen ja auch jetzt noch zwei andere, unmittel- 
bar an Wenauer Gebiet angrenzende Walddistrikte: Kannenhau und Hütten- 
hau, dann ein bei letzterem gelegener Distrikt Herzogenhau: dazu kommen 
noch die beiden Ortschaften Grosshau und Kleinhau, welche gleichfalls 
innerhalb des Jülichschen Wildbannes liegen. Demselben Ursprünge ver- 
dankt auch Langerwehe, am Ausgange des Wehbachthaies resp. Schön- 
thales gelegen, seinen Namen; denn er ist entstanden aus ..Lange Wehe" 
in der Bedeutung von „Lange Wiese", oder, was wahrscheinlicher ist, aus 

J ) Vgl. Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. I\. 



— 108 — 

„Längs der Wehe", d. i. „Längs des Wehbaches", da der genannte Ort 
wirklich an den Ufern des Wehbaches liegt. 

4. Alter des Ortes und seine allmähliche Entwickelung. 

Wann nun in der nachrömischen Zeit hierselbst das erste Eisenhütten- 
werk und damit zugleich der Ort Schevenhütte entstanden ist, kann nicht 
genau ermittelt werden, jedoch jedenfalls zwischen den Jahren 1500 bis 
1550. Soviel steht allerdings mit Sicherheit fest, dass die Ortschaft schon 
im Jahre 1558 bestand. Dies geht hervor ans einer Eisenhammer-Eechnung 
für den Herzog von Jülich auf seinem bei Stalberg (jetzt Stolberg) gelegenen 
Hammerwerke vom Jahre 1558, welche nach H. H. Koch, Über Handel 
und Industrie in den Rheinlanden, Seite 104, im Düsseldorfer Stadtarchive 
beruht und in welcher ein gewisser Flips Scholss „von der Hütten" und 
Kryns Kyrstgen „von der Vaidt" (d. i. Philipp Scholls von Schevenhütte 
und Quirin Kyrstgen von Vicht) als Schmiede aufgeführt werden, denen 
der Lohn für dort geleistete Arbeiten ausgezahlt werden soll. Es heisst 
darin: „In diesem Jaer (15)58 bis 59 ist uf dem Hamer durch Scholss 
Flips „van der Hütten" und Kryns Kyrstgen van der Vaidt und Wyn uf 
Roloff gesmit an Iser und durch Mister Franz van dem Zwefel (jetzt Zwei- 
fall) und Jakob Recker gereckt 90,250 Punt." Ferner kommt in der ge- 
nannten Rechnung vom Jahre 1558 ein Eisengiesser Johann Kremer „van 
der Hütten", jetzt Schevenhütte, vor: „Item dit Jaer 58 bis 59 ist uf dem 
Hamer gegossen durch Johann Kremer „van der Hütten", wie vor Waldung 
van der Arbit synes Verdienst gedaen ad 8913 Punt." Zudem befinden 
sich unter den ältesten hierselbst noch bestehenden Wohnhäusern des Ortes, 
die sämmtlich in Eichenholzfach werk errichtet sind, noch zwei mit ein- 
gemeisselten Jahreszahlen, die über ihre Erbauung genauen Aufschluss 
geben. Das eine trägt in einem eichenen Balken die Jahreszahl 1571 und 
liegt in der Mitte der Dorfstrasse; dasselbe trägt jetzt die Hausnummer 
57. Das andere mit der Jahreszahl 1596 liegt in der sogen. „Hohl" und 
trägt jetzt die Hausnummer 32. 

Nach der Tradition sollen die ersten Ansiedler in der damals noch 
ganz unwirtlichen und unwegsamen Waldgegend, welche auf dem ursprüng- 
lich angelegten Hüttenwerke arbeiteten, aus Lendersdorf im benachbarten 
Kreise Düren stammen, woselbst auch jetzt noch Eisenindustrie betrieben 
wird, und, nachdem sie sich eigene Wohnungen errichtet, mit ihren Familien 
herübergezogen sein. Diese. Angaben scheinen dadurch an Wahrscheinlich- 
keit zu gewinnen, dass nachweislich die Einwohner von Schevenhütte bis 
zum Jahre 1668, wo kirchlicherseits ein Beneficium (Beneficium simplex) 
daselbst errichtet wurde, und mit hoher Wahrscheinlichkeit noch darüber 
hinaus bis zur Pfarrerhebung im Jahre 1699 zur Pfarre Lendersdorf ge- 
hörten, obwohl der Ort den benachbarten Pfarreien Gressenich, Vicht u. s. w. 
bedeutend näher gelegen war. Obgleich nämlich Schevenhütte sich vom 



• — 109 — 

Jahi-e 1668 an als Rektorat (Beneficiura) der Pfarre Gressenich anschloss, 

und der jedesmalige Beneficiat vom Planer zu Gressenich installiert wurde, 
blieb dasselbe dennoch in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnisse zur 
ursprünglichen Pfarre Lendersdorf, weshalb auch die Pfarrerhebungsurkunde 
vom 6. Dezember 1699 in ihrem ersten Teile seine Dismembration von 
Lendersdorf und Gressenich zugleich ausspricht. So ist aus dem zwischen 
1500 und 1550 angelegten ersten Eisenhüttenwerk mit seineu ursprüng- 
lichen Arbeiterwohnungen am Ufer des Wehbaches mitten zwischen ein- 
samen, dicht bewaldeten Höhenzügen der Ort Schevenhütte mit seinen 
Nebenorten entstanden, den man deshalb auch anfangs mit dem sehr nahe 
liegenden, einfachen Namen „auf der Hütte" bezeichnete. Derselbe zählte 
im Jahre 1699, wie die vorhin genannte Pfarrerhebungsurkunde angibt, im 
Ganzen 70 Familien, deren Anzahl mit dem Aufschwünge der Eisenindustrie 
sich sehr vermehrte, mit ihrem allmählichen Verfalle aber später auch wieder 
abnahm. Die Blütezeit des industriellen Lebens und Schaffens begann für 
Schevenhütte um das Jahr 1700, als die wohlhabenden Familien Wingen 
und Rösseler Hauptbesitzer der hiesigen Hüttenwerke wurden. Aus dieser 
Zeit stammen auch die ältesten, massiv in Bruchsteinen aus den angrenzen- 
den Schieferlagern erbauten Häuser, welche meistens nach ein und der- 
selben Bauart mit ganz ähnlichen Thür- und Fenstereinfassungen in kurzer 
Aufeinanderfolge hierselbst errichtet, als laut redende Zungen der Blüte- 
periode von Schevenhütte in die Jetztzeit hineinragen und die Jahreszahlen 
ihrer Errichtung, sowie die Anfangsbuchstaben der Namen ihrer Erbauer 
resp. Eigentümer noch an sich tragen. Es sind folgende im Orte selbst: 

1. Das im Jahre 1695 von Gilles Wingen erbaute Haus in der Kirch- 
gasse mit den in der oberen, steinernen Thürschwelle eingraphierten Zeichen 
„G. W. 1695", nebst einem „Schlüssel" mit der jetzigen Hausnummer 18, 

-wahrscheinlich früher eine Schlosserei. 

2. Das im Jahre 1697 von Heinrich Wingen und Petronella LtOsseler 
erbaute Wohnhaus und Nebengebäude mit den durch eiserne Anker an der 
Frontseite ausgedrückten Zeichen „11. W. 1697". jetzt mit der Haus- 
nummer 48 bezeichnet. Es liegt unmittelbar neben der neuen Pfarrkirche 
in südöstlicher Richtung. Dasselbe hiess früher „das Haus Gülich" (Jülich) 
und wurde durch Testament vom 22. August 1738 von den Eheleuten 
Heinrich Wingen und Petronella Rössler ihrer Nichte Christina Crumbach 
vermacht. 

3. Die in den Jahren 1694 bis 1698 von Johann Schieren und Anna 
Scholl am Wehbache im oberen Teile des Ortes erbaute Wohnung, jetzt 
eine Fruchtmahlmühle, nebst Ökonomiegebäuden mit den Jahreszahlen 1694 

und 1698. 

4. Das im Jahre 1702 von der Familie Wingen erbaute Haus und 
Nebengebäude mit der in der steinernen oberen Thürschwelle eingravierten, 
jetzt aber durch Cementverputz verdeckten Jahreszahl 1702 mit der Haus- 



— 110 — 

nummer 14. Dieses Haus kauften die Eheleute Arnold Offermanns und 
Christina Crumbach von der Familie Wingen und verkauften es nach einer 
im Kirchenarchive beruhenden Ratifikationsurkunde vom 10. Januar 1776 
im Jahre 1775 an die Gemeinde Schevenhütte zum Preise von 250 Reichs- 
thalern zur Wohnung - für ihren Geistlichen, der bis dahin in Rott bei 
Gressenich, an der sogen. Gracht, anschliessend an die Pfarramtswiese, in 
der vom Herzoge von Jülich erbauten Beneficialwohnung gewohnt hatte, 
1,5 Kilometer von seiner Kirche entfernt. Seitdem dient diese angekaufte 
Wohnung als Pfarrhaus. 

5. Das im Jahre 1705 von Cilles Wingen in der Kirchgasse erbaute, 
dem Pfarrhaus gegenüberliegenden Haus mit dem Zeichen „G. W. 1705" 
und der jetzigen Hausnummer 15. 

6. Das im Jahre 1738 von Johann Schieren und Anna Scholl erbaute 
Haus mit den Zeichen „J. S. A. S. 1738" und einem „Schwanen". Das- 
selbe wird auch heute noch „Im Schwan" genannt, welche Bezeichnung 
vielleicht darauf hindeutet, dass es ursprünglich ein Gasthaus gewesen 
ist. Es trägt jetzt die Hausnummer 44. 

7. Das im Jahre 1744 von der Familie Rösseler, südlich neben dem 
Hause Gülich errichtete Haus mit den Zeichen „P. R. IHS. 1744. E. R.", 
sowie das „am Sief" (Hohlstrassenecke) 1772 erbaute Haus mit Neben- 
gebäuden und der Hausnummer 39. 

8. Das im Jahre 1756 von der Familie Sieberg am Joaswerk er- 
richtete Haus nebst Okonomiegebäuden mit den Zeichen „M. S. G. H. 
1756" und der jetzigen Hausnummer 92. 

Gegen das Jahr 1800 begann die Zeit des Verfalles der hiesigen 
Eisenindustrie, jedoch waren bis zum Jahre 1849 noch zwei Eisenhämmer 
und bis 1870 noch die grosse Eisenschmelzerei und Giesserei auf dem sogen. 
Hüttenplatze in der Mitte des Ortes in Betrieb, zuletzt unter dem Besitzer 
Heinrich Hoesch zu Junkershammer bei Zweifall. Mit ihrem Verfalle ging 
auch der Ort selbst zurück. 

Noch in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts gab es im Orte 
keine Strasse, sondern nur enge Gassen und Fusspfade. Dieselben sind 
aber allmählich zu ordentlichen Strassen erweitert und hergestellt worden. 
So wurde die Kirchgasse gegenüber dem Thurme der neuen Pfarrkirche 
zweimal erbreitert; das erste Mal im Jahre 1851 durch Verkauf eines 
Streifens seitens der Kirche an die Civilgemeinde und das zweite Mal im 
Jahre 1891 durch notariellen Tausch vertrag zwischen der Kirche und 
der Civilgemeinde vom 21. September 1891. Ebenso mangelhaft waren 
früher die Verbindungswege mit den Nachbarorten. Nach Gressenich 
führten ausser der alten in Verfall geratenen Römerstrasse (Düren- 
Schwarzenbroich- Schevenhütte -Kreh winkel etc.) nur schmale Pfade durch 
Wald und Gestrüpp und als Fahrweg nach Weint u und Langerwehe diente 
grösstenteils das flache Bett des Wehbaches. Diesem Übelstande ist jetzt 



• — 111 — 

durch Anlegung herrlicher Chausseen, zu deren Herstellung an mehreren 
Stelion Felsblöcke gesprengt und entfernt werden mussten, abgeholfen. 

Nach dem gänzlichen Erlöschen der Metallindustrie und der Her- 
stellung guter Verkehrsstrassen wurde hierselbst ein Holzsägewerk errichtet, 

welches noch im Betrieb ist, gelegen an dem oben unter Nr. 3 erwähnten 
Hause. Gleichzeitig entstand von da an ein regerer Handel mit Holz aus 
den angrenzenden Privat- und fiskalischen Waldungen nach den umliegenden 
Bergwerken und Städten, wodurch ein Teil der Einwohner seinen Lebens- 
unterhalt sich beschafft, während andere durch Arbeiten im Walde oder 
Holzfuhrwerkbetrieb sich ernähren. Der grössere Teil der Bevölkerung 
beschäftigt sich jedoch jetzt auf den Messingfabriken und Glashütten in 
Stolberg, in den Eisengiessereien zu Eschweiler-Aue und Rothe Erde, in der 
Bleigrube Diepenlinchen bei Mausbach u. s. w. Seit einer Reihe von Jahren 
ist in dem angrenzenden Walde, gegenüber dem letzten Hause von Joas- 
werk, genannt „In den Wolfsiefen", durch einen Pächter ein Schieferstein- 
bruch in Betrieb gesetzt worden, welcher recht schöne und grosse Schiefer- 
steinplatten liefert, die teils zum Belegen von Hausfluren, Küchen und 
Wegen, teils zu Treppenstufen. Fensterbänken und Mauerdecksteinen viel- 
fach Verwendung finden. Unter diesen Verhältnissen ist kaum eine Weiter- 
entwickelung des Ortes Schevenhütte zu erwarten, während seine beiden 
Nebenorte sogar im Rückgang begriffen sind. Die ganze Gemeinde besteht 
jetzt aus ungefähr 100 bewohnten Häusern nebst Kirche und Schule. 



Kleinere Mitteilungen. 

I. Reihenfolge der Pfarrer in der Gemeinde Haaren bei Aachen. 

i 

Auf der Rückseite des Titelblattes des ältesten der beiden Haarener Kirchenbücher 1 
befinden sich verschiedene von der Hand der Pfarrer Brevver und Moers herrührende An- 
gaben, die sich auf die Errichtung der Pfarre und deren sechs erste Seelsorger beziehen. 
Da die Angaben für die Pfarr- bezw. Dekanatsgeschichte nicht ohne Wert sind, so bringen 
wir dieselben hier wortgetreu zum Abdruck. Die sich anschliessende Fortsetzung des 
Verzeichnisses der Haarener Pfarrer bis zur Gegenwart ist teils den Totenregistern der 
Kirchenbücher, teils anderen Quellen entnommen, die an bezüglicher Stelle jedes Mal bei- 
gefügt sind. 

Von der Hand des Pfarrers Henricus Brewer geschrieben: 

Anno Christi 16215 die XIII octobris Harensis ecclesia in Parochiam ereeta esl ac 
pastores in ea fuerunt sequentes: 

I. Primus Adru. R. D. Joannes Noppeney wurselensis rexit parochiam ab anno 1628 

et die 13 octobris asque ad annum Christi 1629. obiil Lpsa dominica trinitatis ex 

niorsu cauis in pede seu tibia. 

II. Secundus Adm. El. D. Melchior Ferrer WaloVisetensis rexh parochiam 6 annis 
circiter scilicet ab anno 1629 usque ad annum L635. resignavii ei factus esl pastor 
in Lontzen obiit anno 1663 28 Junii in Lonzis. 



1 Vgl. s. :;:; ti'. dieses Jahrganges. 



— 112 — 

III. Ter! ins Adm. R. D. Faber seu Schmitz filius Harcnsis rexit parochiam ab anno 
1635 usque ad annuni 1648 obiit 8 decerab. 

IV. Quartus ego Heuricus Brewer Juliacensis ex Pauffendorpf factus hie pastor 1649 
die XIV febr. induetus. Von der Hand seines Nachfolgers beigefügt: Anno 1679 
7 Julii obiit Adm. R. D. pastor Heuricus Brewer cujus anima requiescat in pace. 

Von der Hand des Pfarrers Moers geschrieben: 

V. Anno 1679 22 may hie factus est pastor Joannes Schieffei' aquensis aedate 25 annorum 

et 7 mensium. 
VI. Anno 1690 ipso festo App. Petri et Pauli titulo permutationis introduetus sum in 
pastoratura ab Adm. B.. D. Mathia Bettendorf pastore wurselensi Joannes Moers 
Aquensis P. loci in Haaren, obiit 2 Sept. 1695. 

Aus dem Totenregister der Kirchenbücher: 
VII. Anno 1735 20 Junii obiit omnibus sacramentis munitus Adm. R. D. Henricus Fibus 

olim hie pastor per 38 [?1 annos. (1695—1735). 
VIII. Mathias Peters, gestorben als Expastor am 8. März 1779, war Pfarrer von 1735—1771. 
IX. J. H. Beys obiit 1799 die 11 Julii; war Pfarrer von 1771 — 1799 J . 
X. Theodor Alertz, 1799—1814. 
XL Lambertus Josef Frank 1814—1832. 

XII. Joannes Leonardus Ruland (natus 1793 20. febr. Borceti) pastor in Haaren de anno 
1832 — 8 Sept. 1852. Inschrift auf dem Leichenstein, der im Sockel der neuen 
Kirche eingemauert ist. 

XIII. Ferdinandus Brandt, geboren zu Aachen am 5. Oktober 1811, war Pfarrer von Haaren 
1852—1868; gegenwärtig ist er Pfarrer von Gangelt im Dekanat Geilenkirchen und 
Ehrenstiftsherr am Liebfrauenmünster in Aachen. Handbuch der Erzdiözese Köln. 
16. Auflage. 

XIV. Johann Anton Lambertz aus Floisdorf, geb. 14. Juli 1816, Pfarrer in Haaren von 
1868 bis zum 3. Juli 1883. Handbuch der Erzdiözese Köln. 14. Auflage. 

Nach dreijähriger Pfarrverwaltung durch den Vikar Heinrich Dörnemann, 
jetzt Pfarrer in Bardenberg, folgte 
XV. Johann Heinrich Josef Loerper aus Corschenbroich, geb. 18. Februar 1838, Pfarrer 
seit 1886. Handbuch der Erzdiözese Köln. 16. Auflage. 
Aachen. H. Schnock. 



2. Ein Brief Ernst Moritz Arndts an den Maler Salm. 

Nach Drucklegung des im laufenden Jahrgänge dieser Zeitschrift enthaltenen Artikels 

über Aachener Maler wurde mir ein Brief Ernst Moritz Arndts an den Maler Nikolaus 

Salm zur Verfügung gestellt, der den Dank für eine übersandte Zeichnung enthält. 

Welchen Gegenstand diese Zeichnung darstellte, konnte ich nicht ermitteln. Der Brief 

lautet: 

Herrn N. Salm, Lehrer an der höhern Bürgerschule in Aachen. 

Bonn, den 22. des Sturmmonds 1846. 

Nehmen Sie, theurer Herr und Freund, meinen besten herzlichsten Dank für Ihr 
werthes Geschenk und Andenken, und für die Gesinnung, aus welcher es entstanden ist. 

Wir Einzelne müssen uns arischen als das, was wir sind, Tropfen im grossen Strom, 
gleichsam als Namenlose. Nur Einen »rossen ewigen Namen soll es geben nächst dem 
höchsten Namen, das Vaterland. 



1 Dieser Pfarrer isi auch der Verfasser der in Nr. '■'< dieses Jahrganges veröffentlichten „Merk- 
würdigen Begebenheiten". 



• — 113 — 

In diesem Sinne drücke ich Ihnen die Hand mit dem Wunsche, dass wir, indem 
wir nach unsern Kräften dazu thun, nur Freude und Ehre an demselben erleben mögen. 

Ihr E. M. Arndt. 

Aachen. J. Fey. 

3. Ein Agent in Aachener Diensten während des Pfälzischen Krieges. 

Im Jahre 1689 erklärte der Reichstag zu Regensburg den von Ludwig XIV. 1688 
gegen Deutschland eröffneten (Pfälzischen oder Orleansschen) Krieg (1688—97) zum Reichs- 
krieg. Aber schon vorher hatte Ludwig seine Truppen in die Pfalz einrücken lassen: 
Deutschland musste jenes unmenschliche Verfahren erdulden, das der Minister Louvois 
erfunden hatte, um Frankreich unangreifbar zu machen: die blühenden Ufer des Rheins 
wurden in Einöden verwandelt, 1200 Ortschaften wurden eingeäschert. Diese kriegerische 
Zeit, deren furchtbare Zerstörungswut noch heute Ruinen halbverbrannter Kirchen zu 
beiden Seiten des Oberrheins beweisen, machte es auch für unsere Gegend um so eher 
notwendig, aussergewöhnliche Massregeln zu ergreifen, um einer etwaigen Gefahr möglichst 
vorzubeugen, als bald darauf die Niederlande der Hauptschauplatz des Krieges wurden. 
Die Reichsstadt Aachen versicherte sich daher eines Agenten, dem es oblag, von den Be- 
wegungen französischer Truppen sofort Nachricht zu geben. Die Verwendung dieses Agenten 
ergiebt sich aus dem nachstehend abgedruckten Bericht über seine Thätigkeit und die 
gleichzeitige Beanspruchung einer Entschädigung hierfür. 

Der herr pastor Franciscus Schmitz hat mich unterschriebenen in oktobri negst- 
abgefloßenen jahrß requirirt, mit demselben wegen obhandener franzosischer gefahr zu 
correspondiren und falß einige nachricht von franzosischen trouppen erhalten wurde, 
daßelb alßo thatlich per expressum hiehin auf Aachen zu berichten. Deme nachtrucklich 
ich sieben expressos vor undt nach inß Lutzenburgische Land geschicket, umb gewiße 
kundtschafft der franzosen halber einzuhohllen, dem expresso jedeßmahll zu lohn geben 
einen halben reichsthaller, auch zwolff missiven hiehin ahn wolgemelte herrn pastoren Schmitz 
geschrieben, und darin, waß mir vor notable erfahren können, berichtet, rechne vor meine 
mühewalthungh undt außgelegte bottenlohnen zusahmen ad zehen reichsthaller. 

Salvo 
Johann Wilhelm Keßeler. 

Aus verordtuungh herren bürgermeisteren wollen herren rhentmeistere negstoben 
vermelt zehn reichßthaler zu behoiff herrn Johan Wilhelm Keßeler wegen geführter corres- 
pondenten überschreiben. 

Signatum den 15. Julii 1690. Johann Jacob Mois 

Licentiatus secretarius. 

Auf der Rückseite: 

Laus Deo 1690: 15. Julii. 

( !amer 
wollet außrichten hern Willem Kesseler vohr gevuhrtc eorrespondentie zu dienst \uu 
einem chrbarn raadt zehn reichsthaler courant oder gülden 532: 8: 

Herr Oornelis Weissenburg. 

Aachen. M. Schöllet. 

4. Löhnungsliste der Soldaten der Reichsstadt Aachen 

vom 20. April 1057. 

•Nachstehende Löhnungsliste ist eine der ältesten, wenn nicht gar die älteste, die 
uns überkommen ist 1 . Wir ersehen aus ihr die Präsenz-Stärke a der beiden Kompagnien, 



>) Die Urschrift ist in meinem Besitze. 

-\ Air L9. Dezember L679 brachte, wir Haagen, Geschichte Gehens IM. ü. s. ii7;» berichtet, die 
Stadt ihre Miliz auf BOO Mann and beschloss am L3. Oktober sie aui 600 Mann zu bringen. Das. S. 207. 



114 — 



die einzelnen Chargen und deren Einkommen. Der Sold der gemeinen Soldaten ist eben- 
falls in ihr angegeben, er betrug „13 gülden 3 mark" für die angegebene Zeit. Von 
den vorkommenden Namen sind heute noch manche in der Stadt vertreten. 

Verzeichnuß deren Soldaten, welche in der 25 vierzehnnacht anno 1657 ady 26 aprilis 
auß der malß kassa per sieur Carlen von Munster bezaltt seindt. 





Ciulden 


Mark 


Haubtmann Niclaes Husson 


40 




Lieutenant Georg Kölle 


28 




Fendrich Lenuertt Thonnis 


22 




Veldwebel Adam Radermecher 


19 




Nellis Stickelman 




17 




Mattheis Jacobß 


■ corporals 


17 




Gerhartt von Aachen 




17 




Bartholomees vou Aachen 1 

Gehardt Raweyßer / tarabours 


13 
13 


3 
3 


Heindrich Thorn 


15 




Pier Claeßenn 




15 




Bernardt Kreinß 




15 




Guilliaum Euerarz 




15 




Lennertt Grümmerz 


> gefreite 


15 




Arnold Pennings 




15 




Jann Giellen 




15 




Jacob Lina 




15 




Claeß Janßeu 






15 





Jann Wolff 

Gillis Rüttings 

Peter Peters 

Emericb von Arnolzweyler 

Reynhartt Scheinß 

Lambertt Portt 

Peter Seyden 

Jann Gillis 

Franß Ciaer 

Daniell Alartt 

Philips Geußen 

Michaeli Frank 

Weynant Dhamen 

Frambach Walderman 

Jakob Lohne 

Jakob Bonner 

Michiel Raweyßer 

Jann Braß 

Petter Neißenn 

Peter Maeßcn 

Gerhardt Schleumer 

Engell von Eyß 

Johann Reutter 

Claeß Steinmetzer 

Jann Welstatt 

Jacob Eich 



Johannes Parenty 
Caspar Alberti 
Johann Schlick 
Johannes Massim 
Mattheis Braun 
Lenuertt Probst 
Peter Kooll 
Peter von den Hoff 
Claes Schleiper 
Willem Schüirman 
Gilliß Stickelman 
Jann Chonen 
Clemens Hau 
Jann Peters 
Peter Schleumer 
Peter Lamerstorff 
Jacob Stoufsack 
Johann Sileman 
Jann Kersten 
Steffen Trouffell 
Niclaes Vrehe 
Hanß Caspar Husson 
Simon Albertus Kolle 
Jan Costnitz' 
Jacob Jacobs 



115 





Gulden 


Mark 


Haubtruaii Sehweiten 


-10 




Lieutenant Melchior Roß 


28 




Fendrich Nyß Zillis 


22 




Veldwebel Dieterich Heusch 


19 




Ludowieh Weber 




17 




Joost Ambß 


■ corporals 


17 




Dierich Schlaginan 




17 




Matthews Beyer \ 

T , r/- i r tainbours 
Johannes Zinck J 


13 
13 


3 
3 


Claeß Wirtß 


15 




Pier Fantzon 


15 




Willem Moeren 


15 




Jann von Schiebach, walmeister 


23 




Jann Arnolz 


15 




Heindrich Rasch 


15 




Adam Reißener 




15 




Peter Lintze 
Bartholomees Cortten 


> gefreite 


15 
15 




Balthes von Thenen 


- 




15 





Laus Deo. 



wollet außrichteu 



Peter Hammeil 
Servaes Vaeßen 
Peter Keffer 
Peter Bott 
Mattheis Tauber 
Veit Heindrich 
Jann Recklingshausen 
Willem Gast 
Remeis Min 
Peter Jacobs 
Jann Hermann 
Jann Ostlender 
Mertten Weber 
Huprecht Lorquer 
Gerhartt Janßen 
Arnoldt Schaffarz 
Jann Schnieders 
Querin Fega 
Everart Silver 
Jann Schmitz 
Dierich Brack 
Claeß Simens 
Giell Muller 
Jann Langohr 
Willen) Heisterbaum 

Anno Ü>r>7 ady 26 aprilis. 

( inner 
sieur Carll von Munster vor 



Eueret Hoen 
Adam Olaeßen 
Matteiß Dierichs 
Jann von Rahe 
Jacob Hecker 
Jacob Laußberg 
Gerhartt Probst 
Philips Gerharz 
Jann Morian 
Willem Lamberz 
Niclaus Schepen 
Heindrich Schreiber 
Heindrich Meyer 
Heindrich Barz 
Mattheiß Reull 
Johann Kerff 
Peter Janßenn 
Joost die Fooß 
Creutz Mertzeuich 
Jacob Mageraw 
Simon Gastenn 
Davidt Reyner 
Hauss Drowe 
Tihnau Bieuerz 
Johann Hileer 



bezalung dero stat soldate in der 25 



vierzehnnacht laudt liste ertragend t mark 12183. 



Aachen. 



Herr B. Feibus. 
Gierlach Ma\\ . 

M. Schollen. 



116 



5. Kosten eines Festessens in Aachen im Jahre 1700. 

Aus Anlass der Geburt eines österreichischen Erzherzogs fand bei dem regierenden 
Bürgermeister von Maw ein Festessen statt, zu dem durch Beschluss des Rats vom 
17. November 1700 die hierselbst anwesenden „kaiserlichen Herren subdelegati nomine 
magistratus" eingeladen wurden. Ausserdem nahmen die „Herren beamten", im ganzen 
also etwa 22 Personen, an dem Festessen Teil. Die Rechnung der zu jenem Essen ge- 
lieferten Lebensmittel hrmgen wir nachstehend, genau der Urschrift entsprechend, zum 
Abdruck. Es wäre zwar zu gewagt, aus den Preisen allein dieser Rechnung einen Rück- 
schluss auf die wirtschaftliche Stufe jener Zeit zu ziehen. Zur Preisgeschichte der Lebens- 
mittel jedoch, wie als Beitrag zur Gastronomie ist sie immerhin interessant. 

Die Preise der Lebensmittel, die bedeutend geringer sind, als die heutigen, stehen 
untereinander doch ziemlich im selben Verhältnisse wie heute. Für die von weither zu 
transportierenden Citronen wurden trotz der schlechteren Verkehrsverhältnisse ein Preis 
gezahlt, der dem heutigen nicht nachsteht. 

Eine blosse Durchsicht der Rechnung ergiebt, dass bei der Tafel ein erheblicher 
Luxus entfaltet wurde. Das Fehlen von Kartoffeln in der Rechnung darf nicht auffallen, 
weil die damals in hiesiger Gegend noch wenig angebaute Kartoffel nicht das unentbehr- 
liche Nahrungsmittel war, das sie heute ist. Die Zubereitung der Speisen lag, wie wir 
aus dem Namen des Kochs wohl mit Recht vermuten dürfen, in den Händen eines Fran- 
zosen. Es darf uns das in jener Zeit der Voreingenommenheit für französische Sitten um 
so weniger wundern, als die grosse Geschicklichkeit der Franzsosen in der Kochkunst bekannt 
und gerühmt war, ein französischer Koch aber auch der die Heilquellen besuchenden 
Franzosen wegen notwendig sein mochte. 

Anno 1700 ady 22. und 23. Novembris. 
Per ordre herrn bürgermcister Maw zu behouff deß tractaments, der herrn commissarien, als 
herrn beampten, zu ehren deß erbprintzen deß königs in Ungarn an allerley außgegeben wie folgt. 



Ahn m[eiste]r Guilliam den Koch 

2 schrauthahnen 

4 par schneppen 

2 hasen 10 gülden und 7 par hahnen 16 gülden 4 mark . . . . 
48 daubel crammelvogel 21 gülden 2 mark und 2 huner 4 gülden 
1 par velthöner ß gülden und 1 gauß 3 gülden 4 mark . . . . 

1 knein 2 gülden 2 mark und 2 enden 4 gülden 

ahn eyer 4 gülden 4 mark; ahn lardier 1 speck 3 gülden 4 mark . 

4 citronen 2 gülden; an zellerey und andiff 3 gülden 

15 pfund butter ad 7 mark 

ahn kasteyeu 4 gülden ; ahn blomkühl 4 gülden 

P/2 pfund bronnelen 3 gülden 3 mark 

ahn spansche kappern und comkommeren 

dito zein lauth compitum 

„ drachen 2 

ahn allerley fleisch lauth compitum 

1 tonn bicr lauth compitum 

ahn brod und raehl lauth compitum 

ahn allerley gekräutz lauth compitum 

herrn Minderjan vor knechswein l3 1 / 2 maß ä 20 mark . . . . 
herrn Brewer im keyserhad 22'/ 2 maß wein ä 28 mark . . . . 
noch von herrn Brewer 32' \,, maß wein ä 28 mark ...... 

Summa . . 

'j von larder,' spicken. 2 ) Vielleicht Dragon? 



Gulden 


Mäi' 


14 


— 


24 


— 


25 


— 


26 


4 


25 


2 


9 


4 


6 


2 


8 


2 


5 


— 


17 


3 


8 


— 


3 


3 


4 


— 


11 


1 


1 


4 


50 


V. 


22 


— 


16 


.•{ 


35 


— 


45 


— 


105 


— 


151 


4 



615 



2'/ s 



• — 117 — 

Nota 

Waß an holtzkohlen und bocherkohlen und sunsten dargegeben stelle ahn dero herren 

discretion. 

Anna Maria Maw. 

Auß Verordnung herrn bürgermeistern .Maw wollen h. b. rentmeistern dieß überscbreibeu. 
Signaturn 6 decembris 1 Tüü. 

S. Pelsser, secretarius. 

Auf der Rückseite: 

Rechnung an die herren Beanipten vom 23. November 1700. 

Darunter : 

Laus deo. ad 6 decembris 1700. 

Camer 

wollet außrichten der joffrau Anna Marya Maw ehr Unkosten vorhinnen, waß den 22. 

und 23. novembris verschossen zu dienß eines ehrbaren rhat bey tracktehrung derren 

herren commissarij bey haltung des fruden vest wegen den neuen geborenen Ertzhert- 

zhogen zu Osterrig mark 3692 — 6. 

Arnolt Heitgens. 

Aachen. M. Schollen. 



Vereinsangelegenheiten. 

Bericht über das Vereinsjahr 1897. 

Die satzungsinässige Haupt -Versammlung des „Vereins für Kunde der Aachener 
Vorzeit" fand am letzten Tage des Monats November statt. Dieselbe eröffnete und 
leitete, da der bisherige Vorsitzende, Herr Seminardirektor Wacker, seit kurzem seinen 
neuen Wirkungskreis am Königl. Lehrerinnenseminar zu Saarburg im Kreise Trier ange- 
treten, der zweite Vorsitzende, Herr Strafanstalts-Pfarrer Schnock. Dieser erstattete 
zunächst den Jahresbericht, dem die erfreuliche Thatsache zu entnehmen ist, dass der 
Verein bei unveränderter Mitgliederzahl auch im abgelaufenen Jahre mit ungeschwächter 
Kraft und unermüdlichem Eifer an der Erreichung der schönen und edlen Ziele, die er 
sich bei seiner Gründung gesteckt, gearbeitet hat. Der zehnte Jahrgang des Vereins- 
organs, der sich nunmehr vollständig in den Händen der Mitglieder befindet, enthalt eine 
Reihe ebenso interessanter wie wichtiger Aufsätze und kleinerer Mitteilungen orts- 
geschichtliehen Inhalts, welche sicherlich den Beifall der Geschichtsfreuude linden weiden. 
Da mit der bisherigen Erscheinungsart der Zeitschrift, derzufolge acht Mal im Jahre ein 
einzelnes Heft ausgegeben werden soll, grosse Schwierigkeiten verknüpft sind, so dürfte 
der Vorstand bald der Frage nahetreten müssen, ob es nicht angezeigt erscheine in 
Zukunft die Zeitschrift zwei Mal im Jahre, je drei bis vier Bogen stark, herauszugeben. 
Kur den frischen Geist, der im Vereine herrscht, sprechen auch die andauernd rage be- 
suchten Monatsversammlungen. Die in denselben behandelten Themata lassen w ir hier folgen : 

Montag, den 21. Januar: Herr Staatsanwaltschafts-Sekretär Schollen gab 
Kulturbilder aus der Geschichte Aachens im 15. Jahrhundert. Herr Landgerichts-SekretäT 
J. Pey sprach über den Musiker und Xylophonisten Gussikow, der einer israelitischen 
polnischen Familie entstammend, im Jahre 1837 in Aachen ein frühes Grab fand. 

Dienstag, den 16. März: Herr Schollen schildert den l'.esudi Napoleons in 
Aaehen nach dem Berichte eines Augenzeugen. Herr Key sprach über den Aufenthalt 
Fr. Aug. von Klinkowströms in Aachen im Jahre L814, <\r\- hier als chef de bureau des 
Generalgouverneurs Sack bei Organisierung der Landwehr thätig war. Herr Dr. Brüning 
teilte das Protokoll einer Stadtratssitzung aus dem Jahre L819 mit, nach welchem aus 
Rücksicht auf die bedenkliche Leere der Stadtkasse die Strassenbeleuchtung abgeschaffl 



— 118 — 

wurde, trotzdem die hochlöbliche Regierung lebhaft dagegen protestierte. Herr Ober- 
lehrer Oppenhoff wies auf Grund einer „Rechuungs-Ablage über die Konstruktions- 
kosten des Hauses vom Louisberge bei Aachen von Seiten des Herrn Körfgeu als dessen 
Direktor, Verwalter und Hauptactionnaire" (4. August 1818) den hervorragenden Auteil 
Kürfgens an der Schaffung der Anlagen auf dem Lousberg nach. M. Körfgeu war während 
der Fremdherrschaft Präfektur-Generalsekretär. 

Donnerstag, den 3. Juni: Herr Schollen hielt einen Vortrag über Aachener 
Strassen-. Flur- und Ortsnamen. Herr Architekt Rkoen sprach über Italienische und 
Aachener Mosaiken. 

Am Mittwoch, den 30. Juni veranstaltete der Verein einen wissenschaftlichen 
Ausflug, dessen Ziel das ehemalige Prämonstratenserkloster Wenau und die Ruine des 
frühern Kreuzherrenklosters Schwarzeubroich war. Nach eingehender Besichtigung der 
in archäologischer uud historischer Beziehung merkwürdigen Denkmäler der heutigen 
Pfarr- frühem Klosterkirche zu Wenau, deren Erklärung Herr Pfarrer Schnock über- 
nommen, begaben sich die Teilnehmer an dem Ausflug unter der Führuug des gräflich 
Merodischen Försters Herrn Overmann zur Ruine des Klosters Schwarzenbroich, das auch 
in seinem jetzigen zerfallenen Zustand noch die einstige Ausdehnung und Grösse ahnen 
lässt. Eingehende Nachrichten über das Kloster enthält der Aufsatz des Frhrn. v. Vorst- 
Gudenau im vierten Bande der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins. Nach kurzer 
Rast im „Schönthaler Hof" traten die Ausflügler hochbefriedigt den Heimweg an. 

Am Abende des 28. Oktober veranstaltete der Verein zu Ehren seines scheidenden 
langjährigen Vorsitzenden, des Herrn Dr. Wacker, der zum Köuigl. Seminardirektor mit 
dem Range der Räte vierter Klasse befördert worden, eine mit einem gemeinsamen Abend- 
essen verbundene Abschiedsfeier im Vereinslokal, dem „Gasthof zum König von Spanien", 
die sich einer sehr regen Beteiligung zu erfreuen hatte, was allerdings bei der grossen 
Beliebtheit und dem hohen Ansehen, das Herr Dr. Wacker in allen Kreisen der Stadt 
Aachen genoss, nicht anders zu erwarten war. Den Dank des Vereins sprach dem 
Scheidenden in warmen Worten der zweite Vorsitzende aus. Wenn derselbe hervorhob, 
dass Herr Dr. Wacker sich sowohl durch seine umsichtige und thatkräftige Leitung als 
auch durch seine hervorragende Mitarbeit an den Publikationen der Zeitschrift unver- 
gängliche Verdienste um den Verein für „Kunde der Aachener Vorzeit" erworben habe, 
so durfte er der ungeteilten Zustimmung aller Vereinsmitglieder gewiss sein, wie er auch 
ihnen aus der Seele sprach, als er betonte, dass der Gefeierte durch seine edelen Charakter- 
eigenschaften und seine herzgewinnende Liebenswürdigkeit, die er stets im Umgang mit 
Angehörigen des Vereins und seinen zahlreichen Freunden an den Tag gelegt, sich in 
deren Herzen ein monumentum aere perennius gesetzt habe. In seiner Erwiderungs- und 
Abschiedsrede verbreitete der Herr Direktor sich noch ein Mal ausführlich in begeisterten 
und begeisternden Worten über die hohe Bedeutung der lokalgeschichtlichen Studien für 
die allgemeine Geschichte und schloss mit einem Hoch auf den ihm liebgewordenen Verein 
für „Kunde dir Aachener Vorzeit". Dessen kann sich Herr Dr. Wacker für versichert 
halten, dass sein Andenken unter den Geschichtsfreunden Aachens sobald nicht erlöschen 
wird. An die Erstattung des Jahresberichtes schloss sich der Bericht über die finanzielle 
Lage an, welchen der Schatzmeister des Vereins, Herr Stadtverordneter F. Kremer mit- 
teilte. Ein Bild der Kassenverhältnisse gibt folgende Zusammenstellung: 

Einnahmen: 

An Kassenbestand aus dem Jahre 1895 . . . . M. 592.56 

Zwei rückständige Beiträge für 1895 „ 6. — 

l'.if) Jahresbeiträge für 1896 „ 585.— 

Zinsen der Sparkasse „ 12.88 

Summa . . . M. 1196.44 



• — 119 — 

Ausgaben: 

Druekkosten der Vereinszeitschrift M. 481.78 

Inserate „ 26.95 

Porto-Auslagen und Botenlöhne „ 15.55 

Bu<?hbinder-Arbeiten n 5.75 

Kassenbestand „ 666.41 

Summa . . . M. 1196.44 

Nachdem die Herren Schneider und Fev die Kasse auf ihre Richtigkeit geprüft, 
wurde dem Schatzmeister die nachgesuchte. Entlastung erteilt und ihm sowie den Revi- 
soren für ihre Mühewaltung der wohlverdiente Dank ausgesprochen. Den zweiten Punkt 
der Tagesordnung bildete die Neuwahl des Vorstandes. Der Vorsitzende machte zunächst 
darauf aufmerksam, dass ausser der Stelle des ersten Vorsitzenden auch die des Schrift- 
führers frei geworden sei, da der bisherige Schriftführer, Herr Oberlehrer Oppenhoff, 
erklärt habe, dass er wegen Überbürdung mit Arbeiten sein Amt im Verein nicht weiter 
versehen könne, aber wohl geneigt sei, noch weiter dem Vorstande anzugehören und dass 
ebenfalls die Herren Dr. Jardon in Düren, Kaufmann Glassen und Stadtverordneter 
Schaffrath hierselbst aus dem Vorstand ausschieden. Der Vorstand schlug der General- 
Versammlung vor für den Herrn Dr. Wacker als ersten Vorsitzenden den Herrn Ober- 
lehrer Dr. Fritz Kelleter und an Stelle des Herrn Oppenhoff den Hills- Archivar Herrn 
Dr. Brüning, sowie an Stelle der ausgeschiedenen Beisitzer die Herren Oberlehrer Oppenhoff, 
Dr. Savelsberg und Vorschullehrer Pschmadt zu wählen. Die General-Versammlung 
erklärte sich mit diesem Vorschlage einverstanden und wählte durch Zuruf den ganzen 
Vorstand mit den angegebenen Veränderungen wieder, der sich nun folgendernu^en 
zusammensetzt : Erster Vorsitzender: Kelleter, Dr. Fritz, Gymnasial-Oberlehrer; zweiter 
Vorsitzender und Redakteur: Schnock, H., Strafaustalts-Pfarrer; Schriftführer: Brüning, 
Dr. W., Hilfs- Archivar; Bibliothekar: Schollen, M., Staatsanwaltschafts -Sekretär: 
Kassirer: Krem er, F., Buchhändler und Stadtverordneter; Beisitzer: Menghius, W., 
Fabrikant; Oppenhoff, Frz., Oberlehrer; Pschmadt, Vorschullehrer; Rkoen, < '., 
Architekt; Savelsberg, Dr., Oberlehrer; Spoelgen, Dr. J., Professer und Oberlehrer. 

Hiermit hatte der geschäftliche Teil der Haupt- Versammlung sein Ende erreicht. 
. Die Leitung übernahm nunmehr der neugewählte erste Vorsitzende, Herr Gymnasial- 
Oberlehrer Dr. Fritz Kelleter. Nachdem derselbe für die auf ihn gefallene, Wahl in 
herzlichen Worten gedankt, das beabsichtigte Programm seiner Thätigkeit entwickelt und 
versprochen, nicht nur des Vereins „erster Vorsitzender", sondern auch „erster Arbeiter" 
sein zu w r ollen, erteilte er das Wort dem Herrn Dr. W. Brüning. Derselbe teilte zunächst 
einen Originalbericht mit über die Feierlichkeiten bei einer der letzten Königskrönungen 
in Aaehen und sodann den Bericht eines Augenzeugen über die Überbringung des Leichen- 
tuches Ludwigs XV., Königs von Frankreich nach Aachen durch den General-Intendanten 
Ludwigs XVI., Papillon de la Ferte. Herr Fev sprach über den hierselbsl noch in bestem 
Andenken stehenden, ehemaligen Zeichenlehrer Salm, dessen eminente künstlerische Be- 
gabung und fruchtbare Thätigkeit er durch Vorzeigung von 105 Blättern, die zum grossen 
Teil historische Gebäude der Stadt und Umgegend zum Vorwurf haben, illustrierte. Erst 
gegen 11 Uhr erreichte die anregend verlaufene Sitzung ihr Ende, 



— 120 — 

Verzeichnis der Mitglieder, 

I. Vorstand. 

Erster Vorsitzender: Kell et er, Dr. Fr., Gymnasial-Oberlelirer. 

Zweiter Vorsitzender und Redakteur: Schnock, EL, Strafanstalts-Pfarrer. 

Schriftführer: Brüning, Dr. W., Hilfs-Archivar. 

Bibliothekar: Seh ollen, M., Staatsanwaltschafts-Sekretär. 

Kassirer: Kremer, F., Buchhändler und Stadtverordneter. 

Beisitzer: Menghius, W., Fabrikant. 
Op penhoff, F., Oberlehrer. 
Pschmadt, Vorschullehrer, 
lihoen, C, Architekt. 
Savelsberg, Dr., Oberlehrer. 
Spo eigen, Dr. J., Professor und Oberlehrer. 

II. Mitglieder. 

Adams, Hubert, Königl. Notar in Aachen. 

Alertz, W., Bureauchef in Aachen. 

A Isters, Dr., Professor in Aachen. 

Barth, Apotheker in Aachen. 

Baurmann, Dr. L., Arzt in Aachen. 

Becker, J., Pfarrer in Weidesheim. 

Beissel, M. W., Rentnerin in Aachen. 

Berdolet, P., Lehrer in Aachen. 

B er taut, L., Färbereibesitzer in Aachen. 

Bibliothek des Landkreises Aachen. 

Bibliothek der Stadt Frankfurt a. M. 

Biesing, Fritz, Rentner in Aachen. 

Rischoff, Adolf, Gutsbesitzer in Haus Linde. 

Bock, Dr. Frz., Rentner in Aachen. 

Böckeier, H., Ehrenkanouikus und Direktor des Gregoriushauses 

in Aachen. 
Bongartz, J., Apotheker in Aachen. 
Brückner, Dr., Arzt in Aachen. 
Brüning, Dr., Hülfs- Archivar in Aachen. 
Bruns, Fritz, in Werden a. d. Ruhr. 
Buchholz, Jos., Kaufmann in Aachen. 
Buchkremer, Jos., Privatdozent in Aachen. 
Bücken, Win.., Uhrmacher in Aachen. 

Busch, von den, Gerichtsvollzieher a. ü. in Paulinerwäldchen. 
Capelimann, B., Geometer in Aachen. 
Cazin, Frz., Ingenieur in Denver, Co. Amerika. 
Chantraine, Dr., Arzt in Aachen. 
Charlier, Ludw., Restaurateur in Forst. 
Clar, M., Gymnasial-Oberlelirer in Aachen. 
Classen, J., Kaufmann in Aachen. 
Classen, Dr. J., Arzt in Aachen. 
Classen, Jac, Kaufmann in Aachen. 
Classen, M., Kaufmann in Aachen. 



• — 121 — 

Clausmann, Restaurateur in Aachen. 

Oornely, Bürgermeister a. D. in Elchenrath. 

Cossmann, Th., Möbelfabrikant in Aachen. 

Cremer, Jos., Bauunternehmer in Aachen. 

Cremer, M., Lehrer an der Lehrerinnenbildungs-Anstalt in Aachen. 

t'reutzer, A., Buchhändler in Aachen. 

Dahmen, Franz, Kaufmann in Aachen. 

Da verkosen, Jos., Kaufmann in Aachen. 

Deterre, Jos., Buchdruckereibesitzer in Aachen. 

Dodenhöft, Emil, Oberlehrer in Aachen. 

Dorne mann, Rechtsanwalt in Aachen. 

Dresemann, Dr. 0., Redakteur in Köln. 

Du j ardin, Peter, Architekt in Aachen. 

Eibern, M., Baumeister in Aachen. 

Ernstes, Rieh., Kratzenfabrikant in Aachen-Burtschcid. 

Eschw eiler, Pfarrer in Gürzenich. 

Feldmann, Fritz, Kaufmann in Strassburg i. E. 

Fey, Job., Landgerichts-Sekretär in Aachen. 

Fey, Jos., Rentner in Aachen. 

Firmanns, Jac. Juwelier in Aachen. 

Firmanns, Joh., Rentner in Aachen. 

Flamm, G. F., Kaufmann in Aachen. 

Forckenbeck, von, Rentner in Aachen. 

Förster, Jos., Kaufmann in Aachen. 

Franzen, Deservitor in Eller. 

Geschwandner, Dr., Direktor an der Viktoriaschule in Aachen- 

Burtscheid. 
Geulen, Peter, Kaufmann in Aacheu-Burtscheid. 
Geyer, Dr. H., Gymnasiallehrer in Wesel. 
Gilliam, M., Brunnenmeister in Aachen. 
Göbbels, Jos., Architekt und Stadtverordneter in Aachen. 
Goblet, Aug., Seifenfabrikant in Aachen. 
Goecke, Dr., Professor in Aachen, 
(lötting, J., Staatsanwaltschafts-Sekretär in Aachen. 
Greve, Dr. Th., Professor in Aachen. 
Grimmendahl, Dr. P., Gymnasial-Oberlehrer in Aachen. 
Gross, H. J., Pfarrer in Osterath. 
Hammels, Jos., Kaufmann in Aachen. 
Hammers, Joh., Rentner in Aachen. 
Heim, Dr. Oberlehrer in Aachen. 
He inen, Dr. L., Arzt in Aachen. 
Heller, Gcometer in Aachen. 
Heimes, Leo, Kaufmann in Aachen. 
Hentrich, Gerichtssehreiber in Hillesheim. 
Hermens, Jos., Stadtverordneter in Aachen. 
Herren, L., Kaufmann in Aachen. 
Hess, Joh., Kaplan in Köln. 
Heucken, Jos., Kaufmann in Aachen. 
Ileusch, A., Fabrikant in Aachen. 
H (ichscheid, Jos., Rektor in Aachen. 
Hoesch, Otto, Kaufmann in Aachen. 
Hoff, von den, H., Jnstizrath in Aachen. 
Honnefeller, P., Photolithograwh in Aachen. 



— 122 — 

Hube, M., Geschäftsbücherfabrikant in Aachen. 

Hu s mann, Fabrikant in Aachen. 

Hunold, Apotheker in Aachen. 

Hüffer, Rob., Maschinenfabrikant in Aachen. 

Hünteniann, Jul., Schneidermeister in Aachen. 

Janssen, Rechtsanwalt in Aachen-Burtscheid. 

Jardon, Dr. A., Gymnasial-Oberlehrer in Düren. 

Jaulus, Dr. H., Rabbiner in Aachen. 

Joris sen, Albert, Gerichtsreferendar in Aachen. 

Kaatzer, H., Wtw., Buchdruckereibesitzeriu in Aachen. 

Kaentzeler, Jos., Vikar iu Glehu. 

Kaltenbach, J., Kaufmann in Aachen. 

Kelleter, Dr. F., Gymnasial-Oberlehrer in Aachen. 

Kersting, Dr., Zahnarzt in Aachen. 

Kelleter, Dr. H., Stadtarchiv-Assistent in Köln. 

Klau sen er, Bürgermeister in Aachen-Burtscheid. 

Kleinen, Rechtsanwalt in Aachen. 

Klevisch, Greg., Kaufmann in Aachen. 

Koch, H.H., Dr. theol., Militär-Oberpfarrer und Divisions-Pfarrer 

in Frankfurt a. M. 
Koehn, Dr., Gymnasial-Oberlehrer in Aachen. 
Kölges, Referendar in Aachen. 
Körfer, H., Brennereibesitzer in Rothe Erde. 
Kranz, Dr., Arzt in Aachen. 
Kremer, Ferd., Stadtverordneter in Aachen. 
Kruszewski, Dr. A., Gymnasial-Oberlehrer in Aachen. 
Kuetgens, P., Stadtverordneter in Aachen. 
Lamberz, Emil, Ingenieur in Aachen. 
Lauffs, Fr., Pfarrer in Satzvey. 
Lentzen, Pet. Ant., Fabrikdirektor in Aachen. 
L er seh, Dr., Arzt in Aachen. 
Lessenich, M., Kaufmann in Aachen. 

Linnartz, Direktor der Provinzial-Taubstuininenanstalt in Aachen. 
Lippmann, Otto, Fabrikant in Aachen. 

Lorken s, Dr. J., Professor der Rechte in Freiburg i. d. Schweiz. 
Loersch, Dr. H., Geh. Justizrath, Professor der Rechte in Bonn. 
Lovens, Jak., Pianoforte-Fabrikant in Aachen. 
Macco, H. F., Kaufmann in Aachen. 
Mahr, Gerh., Heizungsfabrikant in Aachen. 
Mai, H., Musiklehrer in Aachen. 
Maus, Heinrich, Rentner in Aachen. 
Med er, Dr. J., Gymnasial-Oberlehrer in Aachen. 
Menghius, C. W., Stadtverordneter in Aachen. 
Messow, Frz. W., Rentner in Aachen. 
Meurer, Dr. A., Professor in Aachen. 
Michels, Jos., Hotelbesitzer in Aachen. 
Möhlig, Joh., Königl. Amtsanwalt in Aachen. 
Müllenmeister, J., Tuchfabrik in Aachen-Burtscheid. 
Müller, Dr., Oberlehrer in Aachen. 

Niederau, W., Sparkassenbeamter in Aachen-Burtscheid. 
Nies sen, Jos., Kaufmann in Aachen. 
Ochs, H., Dechant in Steinfeld. 
Oidtmann, Dr. H., Glasmalerei in Linnich. 



• — 123 — 

Ophoven, Lehrer in Aachen. 

Oppenhoff, F., Gymnasial-Oberlehrer in Aachen. 

Ütten, Heinr., Cigarrenfabrikant in Aachen. 

Pauls sen, Frz., Stadtverordneter in Aachen. 

Peppermüller, Oberbibliothekar in Aachen. 

Pier, von, Heinr., Nadelfabrikant in Aachen. 

Pohl, Wilh., Bildhauer in Aachen. 

Polis, Peter, Fabrikant in Aachen. 

Polis, Pierre, Tuchfabrikant in Aachen. 

Pschmadt, J., Realgymnasial-Vorschullehrer in Aachen. 

Pütz, Jak., Kaufmann in Aachen. 

Quadt, Max, Rektor in Aachen. 

Querinjean, Fabrikant in Aachen. 

-Reinartz, Job., Architekt in Aaehen-Burtscheid. 

Reinkens, Heinr., Polizeisekretär in Aachen. 

Rey, van, A., Kaufmann in Aachen. 

Rey, Dr., Jos., Arzt, Aachen. 

Rhoen, C, Architekt in Aachen. 

Ross, Kaufmann in Aachen. 

Rossum, Rudolf, Kaufmann in Aachen. 

Rüben, J., Bauunternehmer in Aachen. 

Rütgers, F. J., Juwelier in Aachen. 

Saedler, H., Pfarrer in Derendorf. 

Savelsberg, Dr. H., Gymnasial-Oberlehrer in Aachen. 

Sommer, Professor in Aachen. 

Schäfer, Kaufmann in Aachen. 

Schaffrath, J., Stadtverordneter in Aachen. 

Schervier, Aug., Fabrikant in Aachen. 

Schiffers, Hubert, Steinmetzmeister in Raeren. 

Schillings, Jos., Kaufmann in Aachen. 

Schlesinger, M., Redakteur in Aachen. 

Schmitz, H., Realgymnasial-Oberlebrer in Aachen. 

Schmitz, C, Architekt und Stadtverordneter in Aachen. 

Schmitz, P., Havanna-Import-Geschäft in Aachen. 

Schneider, Frz., Rentner in Aachen. 

Schnock, H., Strafanstalts-Pfarrer in Aachen. 

Schnütgen, M., Gymnasial-Oberlehrer in Aachen. 

Schollen, M., Staatsanwaltschafts-Sekretär in Aachen. 

Schulze, Joh., Gymuasial-Vorschullehrer in Aachen. 

Schumacher, W., Maler in Aachen. 

Schwartzenberg, von, Frz., Steinmetzmeister in Aachen. 

Schweitzer, J., Buchhändler in Aachen. 

Simeon, Polizeiassessor in Aachen. 

Spies, Hub., Aktuar in Bernkastei. 

Spülgen, Dr. J., Professor in Aachen. 

Springsfeld, Dr., Arzt in Aachen. 

Strom, Frz., Kaufmann in Aachen. 

Talbot, Hugo, Rentner in Aachen. 

Theissen, Joh. Pet., Ilegierungs-Sekretär in Aachen. 

Tb eis sen, Heinr., Hotelbesitzer in Aachen. 

Thelen, Dr., Arzt in Aachen. 

Thelen, P., Bauunternehmer in Aachen. 

Thoma, Dr., Arzt in Aachen. 



— 124 — 

Thomas, Bechtsanwalt in Aachen. 

T hörne, Friedr., Buchhalter in Aachen. 

Thönissen, Wilh., Pfarrer in Borbeck. 

Thyssen, Edm., Architekt in Aachen. 

Treuge, Oberlehrer in Aachen. 

Vaassen, Dr. B., Bechtsanwalt in Aachen. 

Valtmann, H., Kaufmann in Aachen. 

Viehöfer, Dr. E., Assistenzarzt in Aachen. 

Vigier, L., Schirmfabrikant in Aachen. 

Vincken, Mich., Oberpostdirektions-Sekretär in Aachen. 

Vo geige sang, C, Kaufmann in Aachen. 

Voissem, B., Kaplan in Aachen. 

Wacker, Dr. C, Seminar-Direktor in Saarburg. 

Wangemann, Dr. P., Zahnarzt in Aachen. 

Weber, Arthur, Kaufmann in Aachen. 

Weber, A., Lehrer an der Webeschule in Aachen. 

Wehrens, Johann, Goldschmied in Aachen. 

Welter, H., Rechtsanwalt in Aachen. 

Wendland, Dechant in Rheinbach. 

Weyers, Rodr., Buchhändler in Aachen. 

Wilden, Dr., Rechtsanwalt in Aachen. 

Wings, Dr. Fr., in Aachen. 

Wirtz, P., Reg.-Sekretär in Aachen. 

Zentis, Kaufmann in Aachen. 

Zimmermann, Bürgermeister a. D. in Aachen. 



Verlag* der Oemer'schen Buchhandlung (C. Cazin) in Aachen. 

Die Aachener Geschichtsforschung. 

Entgegnung auf die „Kritische Studie" des Herrn Dr. Lulves 

über 

„Die gegenwärtigen Geschiehtsbestrebungen in Aachen". 

Mit Unterstützung Aachener Geschichtsfreunde herausgegeben von Dr. O. Wacker. 

96 S. gr. 8°. Preis M. 1.80. 

Die römischen Thermen zu Aachen. 

Eine archäologisch-topographische 1 Erstellung 

v,,n C. RHOEN. 

70 S. 8° mit einer Tafel. Preis 1.20 JL 

P. Clemen, Die Porträtdarstellungen Karls des Grossen. VIII, 

234 S.; mit siebzehn Abbildungen Mk. (i. — 

Dr. 0. Dresemann, Die Jakobskirche zu Aachen. Geschichtliche 

Nachrichten und Urkunden. 124 8 Mk. 2- 

C. Rhoen, Die ältere Topographie der Stadt Aachen. II, 142 S. 

mit 4 Plänen Mk. 2.- 

Leben und Werke des Aachener GesoWehtsschreibers Christian (Jiiix, 

Von Dr. C. WACKER. 

74 S. gr. 8°. Preis Jl 1.20. 

Druck von Hermann Kaatzer in Aachen. 



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